Silvester 2016 in Köln. Die Bilanz:

Die Polizei nahm 27 Menschen mit Verdacht auf Straftaten vorläufig fest. Insgesamt 114 Strafanzeigen gingen bis Neujahr ein, darunter sieben Sexualdelikte, teilweise in Verbindung mit Diebstählen.

Die Bundespolizei nahm weitere 50 Strafanzeigen auf, darunter vorwiegend Diebstähle, Körperverletzungen durch Pyrotechnik, und außerdem vier sexuelle Belästigungen von Frauen.

In der Kölner Silvesternacht 2015 waren Hunderte Frauen begrapscht, beklaut und sexuell missbraucht worden. Im Jahr danach waren deutlich mehr Polizisten im Dienst.

Vor allem im Bereich des Hauptbahnhofes setzten sie mehrere hundert Männer fest oder sprachen Platzverweise aus. Nach Angaben der Polizei traten diese Männer aggressiv auf und waren meist nordafrikanischer Herkunft.

Der Großeinsatz und die damit verbundene Behördenbezeichnung „Nafris“, was polizeiintern für „nordafrikanische Intensivtäter“ steht, hatte am Montag eine parteiübergreifende Rassismus-Debatte ausgelöst.

Am Montag veröffentlichte die „Bild“ polizeiinterne Dokumente, wonach zu den Nafri-Staaten Ägypten, Algerien, Libanon, Libyen, Marokko, Syrien und Tunesien zählen. Darin heißt es auch, dass es sich bei „Nafris“ um kriminelle Banden handelt – vorwiegend Männer, die als Intensivstraftäter, nicht nur in Köln, sondern bundes- und europaweit agieren. „Das Klientel verhält sich äußerst aggressiv auch gegenüber einschreitenden Polizeibeamten und Mitarbeitern der Stadt.“

Eigentlich sollte dieser interne Begriff auch nicht in Polizeimeldungen auftauchen. Beim Twitter-Kanal der Kölner Polizei erschien er in der Silvesternacht dann aber doch – angeblich, um Zeichen zu sparen.

Mit solchen verallgemeinernden Begriffen, besteht die Gefahr, Stereotype zu erzeugen: von den gefährlichen Menschen aus Nordafrika.

Grünen-Chefin Peter stellte in diesem Zusammenhang die Verhältnis- und Rechtmäßigkeit des Großeinsatzes als Ganzem in Frage, da „insgesamt knapp tausend Personen alleine aufgrund ihres Aussehens überprüft und teilweise festgesetzt“ worden seien.

Der Gebrauch von „herabwürdigenden Gruppenbezeichnungen wie ‚Nafris‘ durch staatliche Organe wie die Polizei“ sei „völlig inakzeptabel“, sagte Peter.

Özdemir sagte Anfang der Woche, für ihn sei die Debatte um die Nutzung des „Nafri“-Begriffs durch eine entsprechende Entschuldigung des Kölner Polizeipräsidenten erledigt. Jener hatte die Verwendung des Begriffes als „unglücklich“ bezeichnet – die Kontrollen selbst aber verteidigt.

Auch andere Parteikollegen positionierten sich deutlich vorsichtiger als Peter. Fraktionschefin Katrin Göring-Eckart sagte, Polizeipräsident Mathies habe durch seine Entschuldigung gezeigt, „dass er sich der Risiken von Racial Profiling bewusst ist“.

Was ist „Racial Profiling“?

Der Begriff kommt aus den USA und wird von der Polizei verwendet. Er bedeutet in etwaethnische Fahndung“ – es geht darum, bei Kontrollen vor allem Menschen mit bestimmten Merkmalen ins Visier zu nehmen.

Kritiker halten das „Racial Profiling“ daher für rassistisch: Es macht pauschal alle Menschen eines bestimmten Hauttyps zu Verdächtigen und grenzt sie von der Mehrheitsgesellschaft ab (European Network Against Racism). Das Oberverwaltungsgericht Koblenz (vom 29.10.2012, Aktenzeichen: 7 A 10532/12.OVG) erklärte die Kontrollmethode in der Vergangenheit für rechtswidrig.

Darf die Polizei Personen anhalten und befragen?

Die Polizei muss immer einen Grund benennen, wenn sie Personen kontrolliert. Dabei muss es sich aber nicht immer um einen konkreten Verdacht handeln. Unter bestimmten Umständen sind auch präventive Kontrollen zur Gefahrenabwehr erlaubt. Sie dienen nicht der Verfolgung einer Straftat, sondern sollen sie verhindern.

Dabei reicht es aus, dass an einem bestimmten Ort von einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit auszugehen ist – zum Beispiel bei Demonstrationen, bei welchen mit Ausschreitungen gerechnet werden muss, Drogenumschlagsplätzen oder – aus aktuellem Anlass – bei Silvesterfeiern in Köln, Nähe Hauptbahnhof.

Fazit: Personenkontrollen zwecks Vermeidung von Straftaten sind erlaubt – eine Eingrenzung der befragten Personen nach bestimmten Merkmalen (z.B. Hauttyp) ist rechtswidrig.

 

 

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Lieber Pierre,

wer nichts aus der Geschichte gelernt hat und nicht begriffen hat, dass Demokratie und Freiheit auch Respekt der Menschenrechte, keinerlei Ausgrenzung und Diskriminierung beinhalten, ist in meinen Augen entweder ein tatsächlich hasserfüllter, frustrierter Mensch oder geistig stehengeblieben. Zu deinem Fall ein kurzes Wort: Frankfurt ist so international (Börse, Messen, Internationaler Flughafen, Finanz-Drehscheibe Europas), dass so etwas hier kaum vorkommt. Geht man durch die City gibt es überall Plakate, Aufrufe, Events im Namen der Hilfe für Flüchtlinge und anderer Nationen/ Projekte. Bunt gemischt sitzen die Leute auf den Stufen an der Hauptwache friedlich beisammen. Ich will damit nicht sagen, dass es hier keinen Fundamentalismus gibt, aber deutlich weniger als in anderen Regionen Deutschlands. Dein Fall grenzt nahe an die ehemalige DDR und dieser Stadtteil ist zudem ein Brennpunkt und dass der Osten unserer Republik ein immenses Problem mit den brauen Pöbeln hat, dürfte sich bereits rumgesprochen haben. Härter durchgreifen, lautet die Aufforderung und Devise und das scheint auch zu passieren. Erst vorgestern wurden fünf mutmaßliche Neonazis in Haft genommen, landesweit werden Razzien durchgeführt und auch die Medien klären zunehmend mehr auf. Das zeigt, dass die Problematik durchaus ernst genommen wird und hoffentlich noch akribischer dagegen vorgegangen wird. Sollte durchaus ein Motto des kommenden Wahlkampfes sein und die Menschen müssen klar und deutlich über die Konsequenzen aufgeklärt werden. Unverständlich ist die Angst der Deutschen vor der Globalisierung und absolut unverständlich ihre Ängste, dass man ihnen etwas wegnehmen könnte. Was sind wir? Egoisten, die glauben, alleine bestehen zu können und unabhängig vom Rest der Welt unser Land aufrechterhalten zu können? Niemals – das hat man ja an der DDR gesehen, was dabei rauskommt. Grau, marode, pleite, Inzucht und noch immer haben dort einige nicht gelernt, mit der demokratischen Freiheit umzugehen. Mir das deutsche Gemecker furchtbar auf die Nerven…wir leben in einer Wohlstandsgesellschaft und diese Wohlstandsärsche haben Angst? Ja, vor oder um was denn? Sie sollten Angst davor haben, dass die Demokratie den Bach runtergeht und das dumme Volk vielleicht wieder so ein entsetzliches Drama erlebt, wie zu Hitlers Zeiten.  Nieder mit seinem Haus in Österreich (was gibt´s da überhaupt zu diskutieren?). Weg mit seinem kranken Gedankengut und einen Tritt in den Arsch für die brauen Populisten. Knallhart und ohne Umschweife, da gibt es keine Gnade, denn sie kennen auch keine Gnade.

Lieber Pierre, wir alle können eine Menge tun: Immer wieder Aufklärung und jeden an den Pranger stellen, der auffällig ist. Im Internet bietet sich uns neuerdings die Möglichkeit, Screenshots zu machen und diese direkt mit – falls möglich – Namen etc. an die ortsansässige Polizei zu melden. Sie sind jetzt verpflichtet, diese Meldung weiterzugeben, zu prüfen und ggf. Schritte einzuleiten. Es ist nicht selten, dass Menschen in der Internetwelt, Neonazis auffliegen lassen, wie du weißt. Sie sind einigen auf den Versen, aber – wie es so ist – sind die Großen selten zu fassen. Sie outen sich nicht und ihre Profile geben nur banales Zeug her. Zudem stimmt ihre Identität oft nicht.  Heute auch meine Bitte an die Leserinnen und Leser: Machen Sie sich klar, dass auch IHRE Freiheit und Demokratie auf dem Spiel steht, wenn sie wegsehen oder nicht aktiv etwas gegen Rechtspopulismus tun. Wählen Sie keine Partei mit rechtsradikalen Inhalten und behalten sie einen weltoffenen, multikulturellen Blick.

Das Volk glaubt, seinen Unmut über soziale und wirtschaftliche Angelegenheiten mit Hilfe von „Gegen-Parteien“ als eine Art Denkzettel ausdrücken zu können und später sagen sie „aber das wollte ich doch so gar nicht.“ Genau darin liegt der Fehler. Der Schuss kann schnell nach hinten losgehen und wenn es einmal vorbei ist mit Toleranz und Weltoffenheit, ist es bekanntermaßen zu spät und wir sitzen alle in der Falle. Geben sie den hasserfüllten Kommentaren der Rassisten nicht nach und nehmen sie den Kampf auf, ihrer eigenen Freiheit zuliebe.

Lieber Pierre, wir beide tun das – nicht nur immer wieder hier auf dem rostra.magazin, sondern auch aktiv im Leben. Ich gebe derzeit Deutschunterricht bei der Flüchtlingshilfe und es macht mir Spaß mit diesen Menschen zu arbeiten. Sie sind so dankbar, so lernwillig und schauen wir die Statistik an, gab es mehr kriminelle Übergriffe von Leuten, die schon lange vorher in unserem Lande waren, als seit einem Jahr. Mögen die Deutschen begreifen, dass Frankreich, Dänemark, Österreich, die USA u.a. auf dem falschen Dampfer sind und ich bete ausnahmsweise mal zu Irgendwem, dass sie aufwachen und nicht die Menschen und die Andersartigkeit verdammen sondern lieben lernen – im Sinne des Humanismus, der demokratischen Grundrechte und dem Respekt vor dem Leben. Hass und Diskriminierung haben dabei nichts zu suchen!

Los, lieber Pierre… fangen wir demnächst in mit unserer Öffentlichkeitsarbeit an öffentlichen Plätzen in Berlin an und schaffen wir für unsere Kinder und die nachfolgenden Generationen eine multikulturelle Welt, in der „Fremdenfeindlichkeit“ ein absolutes Fremdwort ist! Ich bin dabei, denn ich liebe es, in ferne Länder zu reisen, fremde Kulturen zu entdecken und allerlei Köstlichkeiten aus der ganzen Welt zu speisen. Und noch ein Satz zum Abschluss: Die Religionen gehen mir – gelinde gesagt – am Arsch vorbei, denn sie sind so unwichtig wie der Furz einer Weinbergschnecke.

 

In tiefer Freundschaft ebenfalls,

aus Frankfurt,


© Petra

Petra M. Jansen

http://jansen-marketing.de

 

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Liebe Petra,

der Kampf ist angesagt! Ja, der von mir unbeliebte Donald Trump ist Präsident der USA geworden und was bleibt mir anderes übrig, als diese Wahl zu akzeptieren? Akzeptieren heißt keineswegs sie zu billigen, doch zuerst die Fakten: Er hat meisterlich den Puls der Nation erfasst und wusste sehr genau, dass er Menschen, die nicht durch ihre intellektuellen Fakultäten brillieren, nur durch Schimpftiraden anfeuern würde. Den Hass gegen das Establishment, zu dem er übrigens auch gehört, hat er für seine Zwecke manipuliert. Er kennt zu genau seine primitiven Klienten und weiß wie man bei ihnen die Angst schüren kann – die des Niedergangs, die auch mit dem Verlust der Identität eng verbunden ist. Er hat Dinge versprochen, die er niemals einhalten wird und die Geleimten werde wie immer „das Volk“ sein. Der Sieg der Dummheit wird von kurzer Zeit sein, sollte Donald Trump seine Vorankündigungen verwirklichen. Als Erfolgsmensch wird er einen anderen Weg gehen, den des Pragmatismus. Jetzt sitzt er im Weißen Haus und das ist ihm am wichtigsten und er wird, um einen guten Job zu machen, keine Skrupel haben, sich zu widersprechen. So würde es mich nicht wundern, dass sein Wahlkampfgeschwätz Schnee von gestern ist. Er wäre doch blöd, würde er sein Kapital verscherbeln. Vergessen wir nicht, dass er ein Zocker der übelsten Art ist und dass er über Leichen geht.

Und ich, liebe Petra? Ich habe die ganze Nacht den Wahlvorgang beobachtet und war keineswegs erstaunt über das Resultat. Auch, wenn Hillary Clinton große intellektuelle Kapazitäten besitzt, ging es auch bei ihr nur um ihre Karriere und weniger um die Leute. Auch sie verkörpert eine Gesellschaft, die ich als moribund empfinde. Kein Wunder also, das sich hinter einer mehr oder weniger freundlichen Fassade eine Macht-verbissene Frau versteckt. Das haben die Wähler sehr wohl kapiert. Was sich über den großen Teich abgespielt hat, kann nur als Warnung für uns Europäer verstanden werden. Klar ist es, dass die Wahl von Donald Trump den Rechtsextremisten Aufwind geben wird. Das dürfen wir keineswegs auf die leichte Schulter nehmen. Unsere erste Aufgabe wäre, unsere Werte neu zu definieren. Wenn uns die Demokratie noch wertvoll ist, können wir nicht so weitermachen als nichts wäre. Es ist an der Zeit, dass wir endlich erwachsen werden und unser Schicksal selbst in die Hände nehmen. Ich persönlich bin bereit, mich zu exponieren – von Resignation kann keine Rede sein, im Gegenteil. Ich werde alles tun, um den Hohlköpfe der AfD eine rein zu würgen. Nein, passiv kann ich nicht bleiben. Das hieße, sich selbst zu verleugnen. In Krisensituationen habe ich immer zügig reagiert und habe immer alles getan, um die Resignation von mir zu weisen. Wenn Kampf angesagt wird, nehme ich ihn an und sehe meine Aufgabe so, dass ich den Versuch unternehmen werde Selbstgesinnte zu animieren, die in ihrem Umfeld alles tun, um die Willkür der AfD aktiv zu lähmen. Jeder ist gefragt, aktiv zu sein – ob es am Arbeitsplatz, im Verein oder in der Gemeinde ist – und verbal auszudrücken, welchen Gefahren wir ausgesetzt sind. Es geht darum, den Rechtsextremisten den Weg an die Macht zu blockieren. In Amerika hat ein faschistisches Gedankengut gesiegt und nein, ich nehme kein Blatt vor den Mund, um das zu behaupten. Wenn wir uns weiter hinter unserem materialistischen Wohlstand verschanzen, blüht uns nichts anderes. Wollen wir neue Reichskristallnächte hervorrufen? Nicht die Knallköpfe sind die Gefährlichsten, eher unsere Passivität. Liebe Petra, greifen wir nach den geistigen Waffen um diesem Spuk Einhalt zu bieten. Das sind wir uns selbst schuldig!

 

In diesem Sinne, alles Liebe aus München,

Pierre

//pm

Die Ausländerfeindlichkeit nimmt nach dem Brexit-Votum in Großbritannien drastisch zu.

Nationalstolz spielte im Kampf um den EU-Austritt eine große Rolle. Nach dem Votum werden etliche Briten rassistisch angegriffen oder beschimpft – oft sind Muslime die Zielscheibe. Nun herrschen Unsicherheit, Wut und die Suche nach der europäischen Identität.

Es sind die Tage nach dem Brexit-Votum. Eine indisch-stämmige Frau läuft durch Whitechapel, einen Stadtteil im Osten Londons. Als Kopftuchträgerin sticht die Britin in dem multikulturellen Bezirk keineswegs heraus.

Ein Mann läuft an ihr vorbei. „Verpiss dich aus meinem Land!“, ruft er ihr zu. Sie ist schockiert und weiß nicht, wie sie reagieren soll. Solch eine Beschimpfung, ausgerechnet hier, in Whitechapel, wo knapp 43 Prozent der Bewohner Muslime und etliche Nationalitäten vertreten sind.

Dann ist der Mann verschwunden – so beschreibt die Mittzwanzigerin den Vorfall. „Als ich darüber nachdachte, war ich unglaublich wütend.“

Die Polizei in Großbritannien verzeichnete allein in der zweiten Junihälfte 3.076 sogenannte Hassverbrechen, fremdenfeindliche Übergriffe, 42 Prozent mehr als im Jahr 2015.

Unter den Opfern waren etliche britische Muslime. Der Spruch „Hau ab nach Hause!“ kommt besonders oft vor, wie der britische Rat der Muslime beobachtet hat. In den Medien häufen sich Berichte über Demonstrationen vor Moscheen und Graffiti an deren Wänden.

Viele Engländer glauben offensichtlich, dass das Ergebnis des Brexit-Votums rassistische und feindliche Kommentare in gewisser Weise legitimiert. Ein gefährliches Pflaster!

Das Thema Zuwanderung war eines der wichtigsten Schlachtfelder, auf denen der Kampf um den EU-Austritt Großbritanniens ausgetragen wurde. Vor allem die Brexit-Befürworter nutzten provokative Aussagen, Plakate und Sprüche und setzten auf den Nationalstolz der Bevölkerung.

Das Brexit-Lager hat mit dem Zuwanderungsthema unter den Wählern Angst geschürt und somit Stimmen gesammelt“, sagt Pola Uddin, Muslimin und Mitglied des britischen Oberhauses.

Viele Muslime kämpften für Verbleib in der EU. Das nicht ohne Grund!

Der Mann, der die Frau auf der Straße in Whitechapel beschimpfte, hatte sich klar die Falsche ausgesucht. Die junge Aktivistin und Mitarbeiterin der Organisation Citizens UK wehrte sich. Sie ging zur Polizei, twitterte von ihrer Erfahrung, trat in den Medien auf, organisierte eine Kampagne gegen Hassverbrechen. Es ist wichtig, dass man sich empört, aus solchen Übergriffen einen Skandal macht. Die Öffentlichkeit muss wachgerüttelt werden!

An Beleidigungen und Witze wegen ihres Kopftuches, wegen ihrer Religion ist sie inzwischen gewöhnt. Aber dass jemand sagt, sie solle aus dem Land verschwinden – das ist schockierend!

Die Muslima hat wie viele andere für den Verbleib in der EU gestimmt. Einer Umfrage des ehemaligen konservativen Politikers Michael Ashcroft zufolge stimmten rund 70 Prozent der britischen Muslime gegen einen EU-Austritt.

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Liebe Petra,

Exit, Brexit, Exitus, es lebe die Dämlichkeit! Das Volk ist blöd, eine Tatsache, die in England ganz besonders zum Vorschein kam. Sie haben sich von den Populisten an der Nase herumführen lassen mit Helden, die – sobald die Entscheidung fiel – das Weite gesucht haben. Solche Prachtexemplare findet man überall in  Europa, in der AfD oder bei der Nationalen Front von Marine Le Pen. Oft ein zerstrittener Haufen, der sich als „Retter der Nation“ darstellt. Zum Kotzen ist, dass diese Pappfiguren mit provokanten Sprüchen Erfolg haben. Donald Trump weiß sehr genau, mit welchen Idioten er es zu tun hat und hat ganz einfach ihre Sprüche übernommen und auch ihren Hass gegenüber den Schwarzen, die sie Neger nennen und natürlich alle Muslime, die nur ein Pack von Terroristen sind. Nicht zu vergessen die Juden, die im Hintergrund den Untergang unserer Zivilisation planen und die Latinos, die sich wie die Kaninchen vermehren. Und die arme Weisen? Viele sind geistig impotent und tanzen um das goldene Kalb, in der Hoffnung von ihm gerettet zu werden. Das nenne ich Obskurantismus, eine Dämmerung, die uns immer mehr umhüllt.

Ja Petra, es steht schlecht für unsere Kinder, noch vielmehr für unsere Enkel. Was kann die Ursache dieser Pest sein? Die Unkenntnis! In der Schule steht der politische Unterricht ganz hinten. Man will sich nicht kompromittieren, indem man eine eigene Meinung vertritt und auch hier herrscht die Feigheit. Und doch wäre es von größter Wichtigkeit, dass die Kids besser informiert wären. Viele von ihnen sind, wie du es schreibst, in England nicht wählen gegangen und jetzt jammern sie, aber es ist zu spät. Jeder Mensch trägt seine Verantwortung, aber natürlich sind immer die  anderen dran Schuld. Man hat der Jugend eingetrichtert, dass es besser sei, keine Meinung zu haben und wenn sie doch vorhanden ist, sie nicht zu verkünden – es könnte der Karriere schaden. Das die Schafe am Ende doch im Schlachthof landen, haben sie übersehen. Potentielle Mini-Führer sehen darin ihre Chance und das nicht ohne Grund. Sie ernten immer mehr Stimmen, weil sie den Eindruck vermitteln, alle Parasiten wegfegen zu können und wie es in solch einem Fall ist, sind die Ausländer, die Behinderten, die Schwulen und die sozial Schwachen damit gemeint. Weg mit diesem Gesindel! Wer das so ausdrückt erntet damit Beifall.

Wie du siehst, liebe Petra, ich sehe den Populismus als eine riesige Gefahr. Ich könnte mir sehr wohl vorstellen, dass er uns Kriege einbringen wird. Das Merkwürdige dabei ist, wenn man davon spricht, will das kaum jemand verstehen. In einer Zeit, die von den Kommunikationstechniken beherrscht wird, tauchen immer wieder alte Muster auf. Die User sind keineswegs toleranter geworden, im Gegenteil. Sie suchen nach einem Lotsen, der sie in einen sicheren Hafen führen kann und übersehen dabei, dass sie in der Hölle landen werden. Das wollen sie nicht wahr haben, ziehen es vor, sich zu untergeben. „Jawohl Meister, wie Sie wollen!“ Von Freiheit kann keine Rede sein. Der Materialismus hat sie verseucht. Um sich wirtschaftlich nicht zu gefährden bleiben sie in ihrer Mehrheit sehr passiv und übersehen dabei, dass sie somit der Demokratie schaden. Sie vergessen, dass sie auch Verantwortung tragen und sie den Populisten zu übermitteln, ist die schlimmste Alternative. Sich nur nicht die Hände schmutzig zu machen, scheint die Devise zu sein und ds wird hemmungslos von den Großmäulern ausgenutzt. Wie sollte es weitergehen? Ich appelliere an die Jugend, sich endlich gesellschaftlich zu engagieren, ihr ganzes Gewicht in die Waagschale zu werfen. Sie soll endlich ihre Apathie in die Besenkammer verbannen und – wenn es sein muss – ihr Unbehagen laut zum Ausdruck bringen und wenn es sein muss, auf der Straße.

 

In diesem Sinn, lebe Petra.

Umarmungen!

 

Pierre

//pm

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Liebe Petra,

sorry, ich habe mich noch nicht ganz von den bösen Geistern der Vergangenheit erholen können. Was Martin Luther über die Juden, die Bauern, die Huren oder die nicht-normalen Kinder geschrieben hat, ist für mich nicht hinnehmbar. Das ist mit der Ideologie der Nazis gleichzustellen. Es ist merkwürdig, dass die Historiker diese Äußerungen eher beiseitegelassen haben, als es darum ging, die Judenverfolgung oder die Euthanasie an geistig Kranken zu verarbeiten. Adolf Hitler hat sich sehr wohl an den Reformator angelehnt, um sein Vorgehen salonfähig zu machen. Hier ein paar „Kostproben“: „Luther war ein großer Mann, ein Riese. Mit einem Ruck durchbrach er die Dämmerung, sah den Juden, wie wir ihn erst heute zu sehen beginnen.“ Oder: „So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln, indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn.“ Und um das Ganze zu krönen: „Der Nationalsozialismus ist weder antikirchlich noch antireligiös, sondern im Gegenteil, er steht auf dem Boden eines wirklichen Christentums.“

Nicht ohne Grund fand die Reichskristallnacht in der Nacht vom 9. bis zum 10. November 1938 statt – der Reformator ist am 10. des Monats geboren. Der Gedanken war es, mit dem Brand der Synagogen Luther zu ehren. Das Ganze finde ich – wie du, liebe Petra –  unappetitlich. Aber heute geht es mir um mehr. Ich kann nicht verstehen, warum die Lutheraner nicht offensiver mit ihrer Geschichte umgehen. Ich finde es notwendig, mit diesem Makel der Geschichte abzurechnen, auch wenn es unangenehm sein mag und ich würde mir wünschen, dass nächstes Jahr, für den 500. Geburtstag der Reformation, offen darüber debattiert wird, um u.a. feststellen zu können, welchen Einfluss die Äußerungen von Luther auf die Willkür des NS-Staates hatten. Das ist aus meiner Sicht ein Muss und auch den Zusammenhang der Kirchen mit dem NS-Regime zu definieren. Ich möchte keine Schimpf-Kampagne entfachen, vielmehr die Uhren neu stellen, wenn es um die Bearbeitung des 3. Reiches geht. Dabei erfahren, ob der Keim der deutschen Tragödie nicht weiter hinten zu suchen ist? Auch das Thema der Treue zur Obrigkeit hat – Dank Luther – zum Mord an zehntausenden von Bauern, geführt. Auch wenn er dies manchmal beklagte, war er einer der Motoren dieser „Feldzüge“. Nein, meine Forderungen sind nicht antiquiert, es geht für mich um Menschenrechte und um die Einhaltung der Botschaft Christi. Es ist sehr verwunderlich, dass Luther, als Übersetzer der Bibel, so in Widerspruch mit der heiligen Schrift war. Ich möchte gar nicht den Versuch machen, seine Äußerung mit dem Geist der Zeit in Verbindung zu setzen, denn rein theologisch ist das nicht tragbar. Eines ist mir die letzten Tagen aufgefallen: Meine protestantische Freunde haben sehr emotional reagiert und ich hatte das Gefühl, als eher ketzerisch betrachtet zu werden. Das Kratzen an einem Idol, wurde mir übel genommen und das von Leuten, vom linken Spektrum der Parteilandschaft. Freunde, die sich um die Würde des Menschen bemühen und niemals solche Worte, wie diese von Luther, in den Mund nehmen würden. Das beweist mir, dass vieles bewusst unter den Tisch gekehrt wurde und das ist in meinen Augen eine reine politische und historische Manipulation.

Ich würde gerne erfahren, was für das Jahr 2017 geplant ist? Wird man den Mut haben, offensiv das, was ich angesprochen habe, der Diskussion zu stellen oder werden wir nur mit Lobeshymnen überschüttet werden? Haben die Leute einen Schimmer, was Aufklärung bedeutet? Wenn ja, sollten sie das zur Sprache bringen – in ihren Gemeinden, in der Familie und warum nicht in den Fußgängerzonen?

 

In diesem Sinne, ich umarme dich

Pierre

 

//pm

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Liebe Petra,

im Rahmen einer Verfassung eines Buches, bin ich auf folgende Originalkommentare von Martin Luther gestoßen. Ich gebe sie so weiter wie sie sind. Es entbehrt jeder Bemerkungen.

 

Zu den Juden:

 

„Wenn ich könnte, so würde ich ihn [den jüdischen Mitbürger] niederstrecken und in meinem Zorn mit dem Schwert durchbohren.“

„Der „verböste Jude“ wird „nicht ablassen“, „dich auszusaugen und (wo er kann) dich zu töten.“

„… dass man ihre Synagogen oder Schulen mit Feuer anstecke, … dass man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre … “

 

Zu den Hexen:

„Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen … es ist ein gerechtes Gesetz, dass sie getötet werden. Sie richten viel Schaden an … sie können auch ein Kind bezaubern, dass es fortwährend schreie und nicht mehr esse noch schlafe. Schaust du solche Weiber an, wirst du sehen, dass sie ein teuflisches Gesicht haben. Ich habe deren etliche gesehen … man töte sie nur.“

„Deshalb töte man sie, weil sie mit dem Teufel Umgang haben.“

 

Zu den Huren:

„Wenn ich Richter wäre, so wollte ich eine solche französische, giftige Hure rädern und ädern lassen.“

 

Zu den Ehebrecher:

 

„… es wäre besser: tot, tot mit ihm, um böser[e]s Exempels willen zu meiden … Es ist der Obrigkeit Schuld: Warum tötet man die Ehebrecher nicht?“

 

Zu den aufständigen Bauern:

 

„Solch wunderliche Zeiten sind jetzt, dass ein Volk den Himmel eher mit Blutvergießen verdienen kann denn anders sonst mit Beten … steche, schlage, würge hie[r], wer da kann. Bleibst du darüber tot, wohl dir, einen seligeren Tod kannst du nimmermehr erlangen. Denn du stirbst im Gehorsam gegenüber dem göttlichen Wort und Befehl.“

 

Zu behinderten Kindern:

 

„Der lutherische Hexenglaube nimmt dramatische Formen an, denn er mündet in die Auffassung, dass man arme, blödsinnige und geistesgestörte Kinder, in denen man Teufelskinder zu erkennen glaubte, ertränken soll.“

Nächstes Jahr wird 500 Jahre Reform gefeiert. Ein kleiner Vorgeschmack dazu!

 

 

Alles Liebe aus München

Umarmungen

 

Pierre

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Liebe Petra,

das Gefühl, mich in einer Geisterbahn zu befinden, erweckt bei mir keinen Kick mehr – lauter déjà-vu, die mir viel Unbehagen bereiten. Grinsende Gestalten, die aus dem Geschichtsbuch entkommen sind und die mich in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts versetzen. Darunter eine Menge braune Hemden, Hakenkreuze, üble Karikaturen, diskriminierende Reden, in denen vom Untermenschen die Rede ist. Im Gegensatz dazu, Plakate mit blonden Typen, die sich als Retter des Abendlandes würdigen lassen, die das Ungeziefer vernichten werden! Dass damit Menschen gemeint sind, scheint den jubelten Mob nicht zu stören, im Gegenteil. War es nur ein Alptraum? Als ich mich wieder unter freiem Himmel befinde, atme ich durch. „Hallo Pierre, wir befinden uns im Jahr 2015 und alles ist paletti.“ In der U-Bahn tippe ich wie üblich auf die Tasten meines I-Phones. Zuerst die neusten Nachrichten: In Frankreich ist die rassistische Nationale Front am Sonntag die erste Partei des Landes geworden und das mit Parolen, die bei mir einen üblen Nachgeschmack hinterlassen. „Nein, wir haben mit dem Nationalsozialismus nichts am Hut. Wir sind nur Patrioten, die unsere Heimat vor fremden Einwirkungen schützen wollen.“ Damit sind vor allem die Muslime gemeint. Ausgrenzung ist die Devise, aber bitte, das hat mit der Judenverfolgung keinen Zusammenhang, sagen die „wahre Franzosen.“ Viele von ihnen würden den Rat von Donald Trump folgen und „den bösen Ausländern“ die Einreise verbieten, mehr noch, sie schassen, auch wenn sie schon lange Einheimische sind.

So etwas gibt es in Deutschland nicht? Von wegen. Die herrliche Willkommen-Kultur, darf uns eine andere Realität nicht verbergen, nämlich die des Hasses gegen alles, was fremd vorkommt. Was von den französischen Rechtsradikalen geäußert wird, ist auch bei Pegida oder bei der AfD zu verzeichnen. Lauter brave Bürger, die keiner Fliege etwas antun würden, verbreiten zuerst verbale Gewalt und das im Namen einer verwirrten Gerechtigkeit. Frustrierte Menschen, die alles abblocken, was nicht in ihrem begrenzten Horizont passt. Typische Mitläufer, ohne die es keine Willkür geben könnte. Sehnsüchtig blicken sie nach „neuen Zeiten“, die eine Ähnlichkeit zum 3. Reich verweisen. „Aber nein, ich bin kein Nazi!“ Das hört man immer wieder am Rande der Montagdemos in Dresden. National-Demokraten, die die Presse als Lügnerin bezeichnen, weil sie sie enttarnen. Ewig Gestrige, die sich nach einem Führer sehnen und wenn Asylantenheime angezündet werden, versuchen sie das herunterzuspielen. Alleinige Schuld daran hat die Kanzlerin, die gehängt werden müsste.

Liebe Petra, du wirst mir vorwerfen, immer wieder meinen Pessimismus laut zu verkünden, aber diese Entwicklung habe ich als Journalist schon vor Jahren vorhergesehen. Es wird mir Angst und Bange, wenn ich sehe, dass zum Beispiel ein Nicolas Sarkozy, eine Front der Demokraten gegen die Partei von Frau Le Pen ablehnt. Schielt er zu ihr, in der Hoffnung wieder Präsident zu werden? Durch den Materialismus und den Konsum ist die Gesellschaft träge geworden. Auch wenn sie die Zustände beklagt, ist sie kaum bewilligt auf die Barrikaden zu steigen. Man will sich nicht schmutzig machen. Diese Haltung bereitet mir mehr Sorgen, als die Knallköpfe, die die Gesellschaft neu gestalten wollen. Das Beispiel Frankreich zeigt wie es mit der Widerstandskultur steht. Individualisten lassen sich ganz einfach niederwalzen, was für das Land der großen Revolution unüblich ist. Warum belagern nicht die Gegner der Nationalen Front die Straßen? Wo sind die hellen Geister geblieben? Haben sie ihre Gesinnung an die Garderobe hinterlassen und dort vergessen? So scheint es mir.
Liebe Petra, es ist fünf vor zwölf. Die Freunde, die unsere Briefe lesen, sollten endlich aufwachen. Wir haben alle sehr viel zu verlieren. Zuerst unsere Meinungsfreiheit, denn wenn es in Europa so weiter geht, wird man solche Texte nicht mehr schreiben dürfen. Wollen wir in einer geknebelten Gesellschaft leben? Wäre es uns recht, dass wir uns von Kapos leiten lassen? Leute, es geht um die Freiheit und diese ist äußerst gefährdet, habt ihr das nicht kapiert? Wacht endlich auf!

 

In diesem Sinne.
Umarmung,
Pierre
//pm