Das Weiße Haus hat sich in ungewohnter Schärfe im Kanzleramt gemeldet: Washington ist offenbar verärgert darüber, dass die Bundesregierung öffentlich Bedingungen für die Lieferung von Leopard-2-Panzern an die Ukraine gestellt hat. Auf der Konferenz am US-Luftwaffenstützpunkt in Ramstein konnten die westlichen Verbündeten der Ukraine noch keine Einigung in der Frage nach Panzer-Lieferungen erzielen. Nun kommt anscheinend Bewegung in die Sache. Wie unter Verweis auf ein internes Papier berichtet, kommt die Bundeswehr zu dem Ergebnis, dass bis zu 19 Panzer abkömmlich wären (SPON). Die Bundesrepublik „läuft den Ereignissen immer hinterher“ (Anton Hofreiter (Bündnis 90/ Die Grünen) in merkur.de): Jetzt falle plötzlich auf, dass die Munition zuneige ginge. Hofreiter macht keinen Hehl daraus, dass es ihn nervt, immer auf andere zu warten. Er wünscht sich ein energischeres Einschreiten und unterstreicht seine Einschätzung: Die deutsche Verzögerungsstrategie führe nicht zur Besinnung,
sondern dazu, dass Putin glaubt, den Krieg gewinnen zu können. Klar ist: Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Ukraine überfallen und führt dort einen blutigen Angriffskrieg. Deshalb hilft Deutschland – auch mit Waffen. Aber die Frage, wie weit diese Hilfe gehen soll, ist offensichtlich in Deutschland keineswegs so klar. Jahrzehntelang gab es beim Thema Waffenlieferungen in Deutschland ein klares Stoppsignal: In Kriegsgebiete werden keine Waffen geliefert. Punkt! Von dieser Position ist die Ampel-Regierung in den vergangenen Monaten aus durchaus
nachvollziehbaren Gründen abgerückt. Zeitenwende nannte Scholz das etwas pathosgeschwängert. Nur sein Wendekreis, der muss noch definiert werden (stern.de). Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte in einer am Freitagabend in Kiew verbreiteten Videobotschaft, er habe bei den Gesprächen in Ramstein viel
Verständnis für die Erfordernisse seines Landes gehört. Es gebe aber keine Alternative zu der Entscheidung für Panzer.“

Wenn Deutschland nach Scholz ́ Meinung keinen Alleingang unternehmen darf, dann bedeutet das inzwischen: Ja zum Panzerexport! Polen, Dänen und Finnen wollen der Ukraine Leopard-2-Panzer überlassen. Die Briten schicken ihr eigenes Modell, den Challenger 2. Ein Alleingang wäre es, weiter hinterherzuhinken
Der Bundeskanzler widerlegt sich auch selbst: Osteuropäische Staaten schicken schwere Waffen aus sowjetischer Bauzeit in die Ukraine. Deutschland füllt die Lücken in den Armeebeständen der osteuropäischen Partnern durch die Lieferung eigener Panzer. Würde Deutschland nicht über genügend Panzer verfügen, könnte Berlin den sogenannten „Ringtausch nicht eingehen. Rückt die Mehrheit von Scholz ́ Regierung von der Kanzlerhaltung ab und unterstützt die Forderung nach Panzern für die Ukraine, kommt das quasi einem Misstrauensvotum gleich. Nichtsdestotrotz ist es gut, dass sich das Parlament mit der Frage auseinandersetzt und Deutschland endlich zu einer einheitlichen Linie in der „Waffen-Frage“ findet. Die SPD sollte dabei ehrlich zugestehen, wo ihr der Schuh drückt: Nämlich, dass sie Angst hat vor einer Eskalation von Putins Krieg.

Für die Verteidigungsministerin war es ein schweres Jahr 2022: Es herrscht Krieg und dann folgte noch eine Panne nach der nächsten. Schon lange wurde in Berlin gemunkelt, dass Christine Lambrecht nicht bis Ende der Legislaturperiode im Amt bleiben werde. Jetzt der Rücktritt:
Über die Gründe gibt es keine offiziellen Details, allerdings kann man es sich schon denken. Bei ihrer jüngsten Panne hatte sie das Video zu Silvester gedreht, in dem sie über das schreckliche Kriegsjahr sprach – während die Stadt offenbar im Hintergrund am Feiern war. Im Anschluss hat die CDU ihren Rücktritt gefordert – und auch
innerhalb der Koalition war man wohl mit der Ministerin unzufrieden. Das war nur die letzte in einer Reihe von Pannen, zudem wurde immer wieder ihre Kompetenz im Amt kritisiert. Von der international belächelten Ankündigung einer Lieferung von 5.000 Schutzhelmen an die Ukraine über ein Foto des Sohnes auf Tour im
Militärhubschrauber bis hin zu dem bizarren Neujahrsvideo vor der Kulisse des Berliner Silvesterfeuerwerks mit der Aussage Mitten in Europa tobt ein Krieg. Zum Schluss war es zu viel des Guten …

Kaum jemand hatte die Politikerin für ein dieses Amt auf dem Schirm, bevor Lambrecht im Dezember 2021 ihre Ernennungsurkunde erhielt. Zwar war sie im letzten Kabinett von Angela Merkel Bundesjustizministerin gewesen, hatte sich dann aber – zu einem Zeitpunkt, als ein SPD-Wahlerfolg noch als unwahrscheinlich galt – entschieden, nicht mehr für den Bundestag zu kandidieren. Damit galt Lambrecht nach mehr als 20 Jahren im Berliner Politikbetrieb praktisch als Aussteigerin. Als sich das Blatt nach internem Streit, Pleiten, Pech und Pannen bei der Union und ihrem Spitzenkandidaten Armin Laschet zugunsten der SPD wendete, kam man auf Lambrecht zu. Eine kompetente Polit-Managerin wurde gesucht für ein Amt, das gemeinhin als Schleudersitz gilt. Lambrecht wäre viel lieber Innenministerin geworden; so sagte sie einmal …
Dass viele Probleme in der Bundeswehr ihren Ursprung im Sparkurs der Merkel-Jahre haben und Minister der Union dafür die Weichen gestellt haben, betonten Politiker aus der Ampel-Koalition immer wieder, wenn die Kritik aus CDU und CSU an Lambrecht lauter wurde. Der Kanzler muss jetzt ganz schnell die Nachfolge regeln. Dass es eine Frau sein wird, hat er selbst entschieden, dass es eine Sozialdemokratin bleiben muss, steht außer Frage: Grüne und Liberale treiben ihn schon genug, da wäre es „mehr als dumm“ (deutschlandfunk.de), dieses Schlüsselministerium über eine Kabinettsumbildung aus der Hand zu geben. Die Wehrbeauftragte des Bundestages wäre die wohl beste Wahl. Eva Högl ist kompetent, genießt das Vertrauen der Soldaten, kennt die Missstände. Mit der Forderung nach einer Verdreifachung der Bundeswehrausgaben hat sie pünktlich zum Wochenende ein Bewerbungsschreiben vorgelegt. Und: Sie muss sich nicht erst einarbeiten. Wenn die NATO die Tage in Ramstein berät, wird Deutschland seinen Leopard freigeben müssen. Da braucht Scholz eine Ministerin, die einen erzwungenen Kurswechsel gegenüber der Bevölkerung und gegenüber der eigenen Partei verteidigen kann. Es gibt kein zurück. Es braucht einen überzeugenden Neuanfang!

Die Weltbevölkerung passierte wieder einen Meilenstein: Vor Kurzem überstieg die Zahl der Menschen auf der Erde acht Milliarden. Auf den Tag genau lässt sich das natürlich nicht sagen, aber die Vereinten Nationen haben den 15. November dafür festgelegt. Erst Mitte der 70er Jahre hatte die UN den vier milliardsten Menschen begrüßt. In nur zwei Generationen hat sich die Weltbevölkerung verdoppelt. Die Bevölkerungsentwicklung ist im Laufe der Weltgeschichte eher unregelmäßig verlaufen. Das Wachstum stagnierte immer wieder durch Naturkatastrophen, Kriege und Seuchen. Erst ab dem 18. Jahrhundert zeichnete sich ein dauerhaftes Bevölkerungswachstum ab, das sich Mitte des 20. Jahrhunderts für einige Zeit sogar vervierfachen konnte.Vor der Entwicklung der Landwirtschaft etwa um 10.000 v. Chr. dürfte die Weltbevölkerung aus rund einer Million Menschen bestanden haben. 300 bis 400 n. Chr. lebten allein im Gebiet des west- und oströmischen Reiches bereits 55 Millionen Menschen. Zwischen 541 und 750 wurde die europäische Bevölkerung durch Seuchen praktisch halbiert. Um 1340 war die Weltbevölkerung auf mehr als 440 Millionen angewachsen. Um 1400, nach den verheerenden Pestepidemien, war sie um fast ein
Viertel geschrumpft. Die Bevölkerung in Europa benötigte ca. 200 Jahre, um wieder den Stand von 1340 zu erreichen. Im Mittelalter schrieb der nordafrikanische Universalgelehrte Ibn Chaldun (1332-1406) das erste wissenschaftlich-theoretische Werk zu den Themen Bevölkerung, Entwicklung und Gruppendynamik, die
Muqaddimah (suedwind-magazin.at).Wie viele Menschen kann die Erde verkraften? Wir müssen essen, benötigen Wasser. Und nicht zuletzt: Wir haben einen riesigen Energiehunger. Kurzum: die Schätzungen der Experten schwanken zwischen 10 und 12 Milliarden. Je nachdem, ob man den Schwerpunkt auf die Ernährung oder den Energieverbrauch legt. Bei letzterem Aspekt pendelt sich das Maximum wohl eher bei 10 Milliarden ein …

Es gibt Neuigkeiten: Seit der Pest im 14. Jahrhundert ist die Weltbevölkerung nie mehr geschrumpft. Doch schon in weniger als 50 Jahren – um das Jahr 2065 – könnte die Zahl der Menschen wieder abnehmen, allerdings nicht wegen einer Seuche, sondern wegen der niedrigen Geburtenrate – einer Begleiterscheinung wachsenden Wohlstands (klimareporter.de). Ein Rückgang der Bevölkerung könnte politische Folgen haben. Dies gilt besonders
für Länder, die nicht nur einen Sterbeüberschuss, sondern auch einen negativen „Wandersaldo“ haben, wo also mehr Menschen aus- als einwandern. Dies trifft etwa auf einige Länder in Ost- und Südeuropa zu. Litauen verliert jedes Jahr rund ein Prozent der Bevölkerung allein wegen des Wanderungssaldos. Polen, Rumänien, Bulgarien, Kroatien sowie Spanien und Portugal schrumpfen aus beiden Gründen (a.a.O). Durch die steigende Lebenserwartung und die sinkenden Geburtenzahlen kommt es zu einer Entwicklung, die als gesellschaftliche Alterung bezeichnet wird. In einem Sozialsystem, in dem die Erwerbstätigen wesentliche Transfers zugunsten von
Nichterwerbstätigen finanzieren, muss diese Entwicklung zu Finanzierungsproblemen führen. Sozialrechtliche Aspekte dieser Entwicklung werden dabei üblicherweise im Pensions- und im Pflegesystem gesehen.

Ende des 5. Jahrhunderts n. Chr. lebte in Rom ein Mönch namens Dionysius Exiguus. Er sprach mehrere Sprachen und arbeitete als Übersetzer und Lehrer. Zu dieser Zeit war noch der Julianische Kalender in Gebrauch, der von Julius Caesar eingeführt worden war. Dionysius bestimmte, dass die Menschwerdung Christi fortan als Grundlage für die Jahreszählung dienen sollte. Den Jahresbeginn legte man später einheitlich auf den 1. Januar fest und die christliche Zeitrechnung ist noch heute gültig. Aber es gab natürlich auch eine Zeit vor Christi Geburt und diese Zeit wollte man natürlich auch zählen. Hier ergab sich aber ein Problem. Denn Dionysius nannte das erste Jahr der christlichen Epoche das Jahr 1. Eigentlich hätte es das Jahr 0 heißen müssen, aber die Null war hier damals noch nicht bekannt. Sie stammt aus dem dezimalen Zahlensystem. Von Indien gelangte es über Babylonien nach Griechenland und erreichte Italien erst im 13. Jahrhundert (wikipedia.org). In Deutschland wurde es Anfang des 16. Jahrhunderts durch den Mathematiker Adam Ries bekannt. Man benutzte also in Mitteleuropa noch bis ins 12. Jahrhundert hinein die römischen Zahlen und hier gab es nun mal keine Null. Die Null wurde von den Indern und den Maya entdeckt und erst später durch die Araber in Mitteleuropa eingeführt. Also folgt bei der christlichen Zeitrechnung das Jahr 1 nach Christus gleich auf das Jahr 1 vor Christus. Es fehlt somit ein Jahr. Aber trotzdem galt diese Art der Zeitrechnung als Vorgabe. Um astronomische Berechnungen zu erleichtern, gibt es mathematisch sehr wohl ein Jahr 0. Es entspricht hier dem Jahr 1 vor Christus. Das Jahr -1 ist kalendarisch 2 vor Christus und so weiter. Das Jahr 20 v. Chr. entspricht in der astronomischen Zeitrechnung dem Jahr -19. Das Jahr 20 n. Chr. ist das astronomische Jahr 20. Somit ergibt sich ein Alter von 39 Jahren – sowohl nach der astronomischen als auch der christlichen Zeitrechnung (pm-wissen.de). Es gibt noch andere Kulturen,, die (zusätzlich) einen anderen Kalender benutzen. Der islamische Kalender, der in einigen islamischen Ländern neben dem Gregorianischen Kalender verwendet wird, ist ein reiner Mondkalender. Das heißt, dass ein neuer Monat immer dann beginnt, wenn der Mond nach Neumond wiedersichtbar wird. Die Zeitrechnung beginnt nicht, wie bei uns Christen, mit der Geburt Jesu, sondern mit der „Hidschra“ – das ist die Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina und die Ankunft in der Moschee von Qubâ. Das Jahr 2023 entspricht nach islamischer Zeitrechnung dem Jahr 1444/ 45.
Der jüdische Kalender – als weiteres Beispiel – ist ein Lunisolarkalender: Er richtet seine Monate nach den Mondphasen, es werden jedoch Schaltjahre eingefügt, um sich dem Sonnenjahr anzupassen. Den Beginn des jüdischen Kalenders legte man auf den Zeitpunkt der biblischen Schöpfung der Welt – laut seinen Berechnungen das Jahr 3761 vor Christus – fest. Das Jahr 2023 ist nach jüdischer Zeitrechnung also bereits das Jahr 5783/ 84.
Es gibt noch viele Beispiele. Sei es, wie es sei …

Uns allen sei ein frohes, friedliches und gesundes neues Jahr gewünscht! Happy New Year!

Sie kamen von Ferne, waren der Überlieferung nach an der Krippe, als das Jesuskind geboren wurde. Man sagt, Kaspar sei der älteste, Balthasar der mittlere und Melchior der jüngste König gewesen. Die Drei Könige versinnbildlichen die drei damals bekannten Erdteile Europa, Asien und Afrika. Ferner repräsentieren sie die drei Lebensalter Jüngling, Mann und Greis. Die Weisen bringen Gold, Weihrauch und Myrrhe. Um besser zu verstehen, wer diese drei Symbolfiguren waren und durch welche Herkunft sie vor inzwischen mehr als 2.000 Jahren zu Ruhm und Ehren gelangten, ist ein tieferer Blick in die Weihnachtsgeschichte erhellend. Von besonderem Interesse ist dabei vor allem das MatthäusEvangelium (weihnachtszeit.net). Wenngleich sich seine Symbole und Mythen mit denen anderer Evangelien längst vermischt haben, so stammt die Geschichte der drei Herren aus dem Osten fraglos aus diesem Evangelium des Neuen Testaments. Streng genommen waren jene Könige Weise aus dem Morgenland, genauer: Sterndeuter, die ihrem neugeborenen König die Geschenke Myrrhe, Gold und Weihrauch darbrachten, Somit haben sie nichts im Krippenspiel zu suchen. Nur im MatthäusEvangelium, als „Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Bethlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem“. Könige waren sie also nicht. Als solche wurden sie wohl erstmals vom Kirchenlehrer Tertullian (ca. 160 bis 225 n. Chr.) bezeichnet (ardalpha.de). Wenn wir am 6. Januar nun das Dreikönigsfest feiern, müssten wir eigentlich das Drei-Magier- bzw. Astrologen-Fest zelebrieren. Denn im Matthäus-Evangelium ist präziser Weise nirgendwo die Rede von drei Königen, nur von Magiern oder eben Sterndeutern aus dem Osten. Mit Osten ist das Morgenland gemeint – die Region, für die inzwischen die Bezeichnung Naher Osten gebräuchlich ist. Ob nun Könige, Magier oder Sterndeuter, ältere persische Quellen meinen sogar, dass es nicht nur drei, sondern gar zwölf
Personen waren. Erst im 6. Jahrhundert nach Christus erwähnten Quellen der Westkirche erstmals drei Könige. Und noch später erst im 8. Jahrhundert erhielten die Könige ihre liturgischen Namen Caspar, Melchior und Balthasar (wikipedia.org).

Die Gaben der Magier: Gold: das Metall der Könige und Fürsten. Die Beständigkeit des Goldes ist nicht nur
Symbol, sondern auch Geschäftsprinzip. Weihrauch: Symbol der Reinigung und Reinheit. Wirklich wissenschaftlich
nachweisen lässt sich diese Wirkung allerdings nicht – es ist eher ein Symbol. So wurde in früherer Zeit auch Kleidung mit Weihrauch parfümiert und er wurde wie Kaugummi gekaut – für guten Atem! Myrrhe: Ein Einsatzgebiet für Myrrhe war die Herstellung von Öl, mit dem zum Beispiel Könige gesalbt wurden. Deshalb heißt Jesus auch „Christus“, also „der Gesalbte“. Der Wein, der ihm am Kreuz angeboten wurde, war übrigens auch mit Myrrhe angereichert – als Betäubungsmittel. Übrigens: bei der Grippe stehen noch mehr Symbolgestalten: Der Ochse zum Beispiel steht für das Abendland, der Esel für das Morgenland. Frohe und friedvolle Weihnachten!

Hinter den Ermittlungen um Bestechung im Europaparlament steckt auch ein Geheimdienst-Krimi mit einem Ermittler wie aus einem Roman. Eva Kaili schiebt die Schuld offenbar auf ihren Lebensgefährten, der zugibt, Teil einer kriminellen Organisation zu sein (sueddeutsche.de). Ob Bestechung oder Bestechlichkeit im internationalen Geschäftsverkehr oder im eigenen Land, ob Käuflichkeit in der Politik oder der Versuch, durch Schmiergelder
Vorteile zu erlangen – Korruption verursacht nicht nur materielle Schäden, sondern untergräbt auch das Fundament einer Gesellschaft. In unserem Fall ist es die Integrität des Europaparlamentes und seiner Abgeordneten. Die Ermittler werfen Kaili, der inzwischen geschassten Vizepräsidentin des Parlaments vor, gegen Bezahlung zugunsten der autokratischen Staaten Katar und Marokko interveniert haben. So äußerte sich Kaili in einer Parlamentsrede positiv über die Reformen in Katar und engagierte sich offenbar intern für Visa-Erleichterungen für Bürger des Emirats. Weil Gefahr im Verzug war, fuhren die Ermittler sofort mit einem Durchsuchungsbefehl zur nahe gelegenen Wohnung Kailis. Sie fanden dort Luxushandtaschen, Mobiltelefone und weitere 150.000 Euro (welt.de). Insgesamt
wurden bisher fast 20 Wohnungen und Büros durchsucht, rund 1,5 Millionen Euro wurden sichergestellt. Die Korruptionsaffäre im Europaparlament könnte aus einem zweitklassigen Mafia-Thriller stammen. Während die Polizei am Wochenende Hausdurchsuchungen bei den Verdächtigen durchführte, versuchte der Vater der Hauptverdächtigen, Eva Kaili, sich noch mit einem Koffer mit 600.000 Euro davonzustehlen. Die Werte Europas, für die wir auf unserem Kontinent stehen, sind Tatsache in Gefahr. Aber der Rechtsstaat funktioniert. Man geht gegen die schwarzen Schafe vor. Es ist keineswegs so, dass der Rechtsstaat nicht funktionierte, wie zum Beispiel Viktor
Orbán uns glauben machen will. Nein, er fasse sich an die eigene Nase: Die Korruption in Ungarn ist unvergleichlich
hoch, das Rechtsstaatssystem wurde in der Vergangenheit abgebaut und politisiert. Nein, solche Mitglieder brauchen wir nicht! Die Milliarden für Ungarn wurden zu recht eingefroren; Europa kann sich keine Schmarotzer und Querulanten leisten. Tja, wer im Glashaus sitzt, der werfe nicht mit Steinen …
Aber: Der Skandal wird wegen seines Umfangs und wegen der internationalen Schlagzeilen längere Zeit im Gedächtnis bleiben. Und er bestätigt alle diejenigen, die vor allem von rechts sowieso gegen die EU hetzen, ihre Politik und Institutionen in Zweifel ziehen. Überfällig ist die Verschärfung des Transparenzregisters. Bisher mussten nur Treffen mit Firmen und Organisationen angegeben werden. Vertreter von Staaten waren ausgenommen – mit Verweis auf die nötige diplomatische Diskretion. Noch letztes Jahr hatte eine Mehrheit im Parlament abgelehnt, die Treffen mit Vertretern ausländischer Regierungen zu veröffentlichen. Es ist zu hoffen, dass der Katar-Schock“ (handelsblatt.com) ausreicht, um die Parlamentarier nun zum Handeln zu bewegen.

Die Republik in Gefahr?! Naht der Umsturz? Der liberale Rechtsstaat ist nicht jedermanns Geschmack, gut! Das liegt an seiner Eigenart, unautoritär zu sein. Die meisten Menschen erleben die Ordnungsmacht des Staates in Form von Briefen, deren Umschläge je nach Eskalationsstufe unterschiedliche Farben haben. Man kennt das Gefühl, von einem Polizisten mit einer bunten Kelle aus dem Verkehr gewunken zu werden, um dann ein höfliches Gespräch zu führen. Der Staat verzeiht viel, lässt den Bürgern Auswege, sich als gesetzestreu zu bewähren. Man muss schon einiges tun, damit frühmorgens ein Spezialeinsatzkommando im Hausflur steht. Die Zahl derjenigen, die das Bundesamt für Verfassungsschutz dem Reichsbürger-Milieu“ zuordnet, ist im Vergleich zum Vorjahr um 2.000 auf 23.000 Personen gestiegen (sueddeutsche.de). Das ist ein Anstieg um rund 9,5 Prozent. Etwa zehn
Prozent der Reichsbürger gelten laut Verfassungsschützern als gewaltbereit. 239 Gewalttaten von Reichsbürgern sind in 2021 registriert worden.

Normalerweise, wenn etwas Gefährliches passiert im Lande, arbeiteten Behörden besonders diskret. Da treten schwarz gekleidete Polizisten nachts die Tür ein und holen Verbrecher aus dem Bett. Warum? Damit sich jene weder absetzen, Beweismittel verschwinden lassen, noch größeres Unheil anrichten können. Das ist logisch. Eine Razzia mit Ankündigung über die Presse? Der Plan der Verschwörer war laut Bundesanwaltschaft ein Putsch in Deutschland. Die Beschuldigten, so heißt es, hätten es sich zum Ziel gesetzt, die bestehende staatliche Ordnung in Deutschland zu überwinden und durch eine eigene, bereits in Grundzügen ausgearbeitete Staatsform zu ersetzen“ (derstandard.de). Man sei sich bewusst gewesen, dass dieses Vorhaben nur durch den Einsatz militärischer Mittel
und Gewalt gegen staatliche Repräsentanten verwirklicht werden kann. Hierzu würde auch die Begehung von Tötungsdelikten zählen. Bilder vom Sturm auf das Capitol in den USA werden hier wach …
Schließlich ist etwas sehr verstörend: Im politischen Berlin war seit Tagen zu hören, es sei eine große Sache im Busch“ (nzz.ch). Manche Medien wussten offensichtlich von den bevorstehenden Razzien und Verhaftungen, denn viele Redaktionen veröffentlichten fast zeitgleich – wie nach einer Sperrfrist – umfangreiche Berichte zu der eigentlich doch ganz neuen Eilmeldung. Werden Informationen über Razzien geleakt, gefährdet dies den Einsatz der Polizeibehörden, gefährdet auf beiden Seiten Menschenleben. Viele der „Reichsbürger“ sind nicht nur waffenaffin, sondern auch gewaltbereit und in der Lage, diese Waffen zu benutzen. Man denke nur an Polizisten und Soldaten aus dem Milieu. Die Demokratie hat gesiegt. Dieses Mal …
Aber, auch wenn es Verhaftungen gab: die Gefahr brodelt im Untergrund. Schwachsinn, Verschwörung und Gewaltbereitschaft sind nicht verschwunden. Unsere freiheitlich demokratische Grundordnung muss wehrhaft bleiben; das bedeutet nichts anderes als wachen Auges auf die Ränder des politischen Spektrums zu blicken.
Diejenigen, die Freiheit gegen Terror tauschen möchten, sind allgegenwärtig.

Bald ist es wieder soweit: So könnten sie sich gegenseitig gemahnt, geschubst, zur Seite gedrückt haben, die
Kinder früherer Jahrhunderte, wenn sie heimlich einen Blick durchs Schlüsselloch wagten. In jenes verheißungsvolle Zimmer nämlich, wo am Heiligen Abend ein Tannenbaum mit funkelnden Goldkugeln, Wachslichtern und gesponnenem Glas so hell erstrahlen würde, dass er für die lange Zeit der Kälte und der Dunkelheit entschädigte.
Ein Ritual entstand um die Mitte des 19. Jahrhunderts: Es war der protestantische Norden, der den Adventskranz als lichterspendenden Zeitmesser ins Leben rief. Mit einem alten Wagenrad, auf das er Zweige flocht und 24 kleinere und größere Kerzen steckte, versuchte damals der Theologe Johann Hinrich Wichern (landidee.info) ihm
anvertraute, in Armut lebende Kinder mit der langen Adventszeit zu versöhnen. Erst mit dem Ersten Weltkrieg gelangte dieser norddeutsche Brauch nach Süddeutschland.

So beginnt auch die Geschichte des Adventskalenders im Jahre 1838. Wichern, Leiter des evangelischen Knabenrettungshauses „Rauhes Haus“ bei Hamburg, hatte wahrscheinlich genug von der Frage, wann endlich Weihnachten sei. So entwickelte er eine Idee zur Darstellung der verbleibenden Tage. Er nahm sich das besagte alte Wagenrad und einen Holzkranz und steckte 20 kleine rote und vier große weiße Kerzen darauf. Bei den täglichen Andachten, zu denen alle gemeinsam Adventslieder sangen, durften die Kinder eine rote Kerze anzünden, an den Adventssonntagen zusätzlich eine weiße. So entwickelten sich viele Methoden. Familien hängten häufig nach und nach 24 Bilder mit weihnachtlichen Motiven an die Wand oder malten Kreidestriche an die Tür, für die Sonntage jeweils einen langen Strich, und täglich durften die Kinder einen wegwischen. Sehr verbreitet waren außerdem „Adventsbäumchen“, teilweise auch selbstgebastelte Holzgestelle. Tag für Tag steckten die Kinder eine kleine Fahne oder einen Stern mit Bibelversen daran, manche Familien zündeten zusätzlich auch eine Kerze an. Das zunehmende Licht stand dabei als Sinnbild für die bevorstehende Ankunft des Lichts der Welt, Jesus Christus. Und dann der Baum: Der Weihnachtsbaum ist keine christliche Erfindung. Aber die Christen nahmen den eigentlich heidnischen Brauch in ihre religiöse Symbolik auf. Denn wie anderes Immergrün stehen Tanne oder Fichte für ewiges Leben, Ausdauer und Überleben. Der erste historisch beschriebene Weihnachtsbaum der Geschichte wurde 1419 auf einem öffentlichen Platz in Freiburg von der Bäckerschaft der Stadt (weihnachtszeit.net) aufgestellt. Eine weitere Beschreibung liefert eine Mainzer Chronik vom Weihnachtsbaum in Stockstadt am Main. Richtig populär auch in Familien wurde der Christbaum erst ab dem 18. Jahrhundert. In der christlichen Weihnachtsbaum Geschichte ist der Christbaum mit seinem satten Grün ein Symbol der verheißenen Geburt von Jesus Christus. Schönen zweiten Advent!