Wer den Klimawandel nur auf das Phänomen der Erderwärmung reduziert, diskutiert am eigentlichen Thema vorbei. Es geht darum, soziale Ungleichheit und die ökologische Frage zusammen zu denken.

Es ist, mit anderen Worten, ein Kampf um den Boden, der hier geführt wird. Ein Kampf um die Erde zwischen widerstreitenden Interessen. Um diesen Kampf zu beenden, politisch, ohne Gewalt, muss ein anderes Verständnis von Welt entstehen, das mit einem anderen Begriff verbunden ist als dem des Globalen oder der ökonomischen Schrumpfform der Globalisierung: Es ist der Begriff des Terrestrischen (Bruno Latour, französischer Philosoph), womit die Einsicht gemeint ist, dass die Bedingungen des Lebens auf der Erde von den Menschen selbst geschaffen sind und es kein neutrales oder von außen beschriebenes Globales gibt.

Die Grünen stecken immer noch im Dilemma ihrer Geschichte fest, wenn sie nicht klarmachen, dass sie keine abstrakte Natur schützen wollen, sondern dass der Schutz der Umwelt damit zusammenhängt, eine andere Welt und vor allem ein anderes Wirtschaftssystem als den derzeitigen „Petrokapitalismus“ zu imaginieren und zu schaffen. „Das 19. Jahrhundert war das Zeitalter der sozialen Frage, das 21. ist das Zeitalter der neuen geo-sozialen Frage“ (Latour).

Eine liberale Demokratie gepaart mit einer kapitalistischen Marktwirtschaft – diese Kombination hat seit der Entwicklung bürgerlicher Gesellschaften im 17. Jahrhundert zu einer beispiellosen Zunahme des materiellen Wohlstands in den westlichen Industrienationen geführt. Lange hielt man dieses Tandem für selbstverstärkend: Materieller Wohlstand führe zur Entstehung einer Mittelschicht, die politische Freiheitsrechte fordere, welche dann wiederum demokratische Institutionen befördere. Der damit entstehende unternehmerische Geist sei zusammen mit dem Glauben an wissenschaftlichen Fortschritt imstande, den jeweils neuen Herausforderungen einer Gesellschaft zu begegnen und damit das Wohlergehen zu mehren.

Vieles an dieser Vorstellung ist in den vergangenen Jahren brüchig geworden. Wachstum schafft nicht notwendigerweise eine breitere Mittelschicht und wenn sie entsteht, fordert sie nicht zwingend mehr Bürgerrechte. Wachstum droht durch die daraus folgende Klimakrise die Grundlagen unseres Lebens zu zerstören, und das Versprechen, dem quasi automatisch mit technologischen Innovationen zu begegnen, lässt sich vielleicht nicht einlösen. Vielmehr scheinen die neuen insbesondere digitalen Technologien nur wenig zur Nachhaltigkeit beizutragen und sie können sogar die Spannungen innerhalb demokratischer Gesellschaften verstärken.

Was ist zu tun?

Alle Lösungen müssen auf folgende Ziele ausgerichtet sein: Nachhaltigkeit, Demokratie, individuelle Freiheit und Wohlergehen.

Was die Umweltpolitik betrifft, so haben sich marktbasierte Ansätze zur Eindämmung von CO2-Emissionen bisher als unzureichend erwiesen. Auf das unkoordinierte Eigeninteresse von Unternehmen und Konsumenten zu vertrauen, ist ebenfalls keine gute Idee. Die derzeit neu diskutierte CO2-Steuer kann eine wichtige Lenkungswirkung entfalten, ist aber letzten Endes nicht ausreichend.

Wir brauchen stattdessen einen Green New Deal, eine entschlossene, international koordinierte Industriepolitik. Wir müssen schnell auf eine klimaneutrale Wirtschaftsweise umsteigen und dabei auch die Ungleichheit verringern (wikipedia.org). Nur so geht der Wandel schnell genug und es lässt sich gewährleisten, dass die Verteilungsprobleme eines solchen Umstiegs angemessen berücksichtigt werden. Das ist wichtig, damit das Vertrauen in die demokratischen Institutionen nicht weiter erodiert.

Jede Diskussion über den Klimawandel und die Erderwärmung, die sich mit den Phänomenen aufhält, führt damit am eigentlichen Thema vorbei. Schon 1992 soll George H. W. Bush gesagt haben, dass der „amerikanische Lebensstil nicht verhandelbar“ (SPON 12.08.2018) sei. Doch, genau darum geht es. Dieser Lebensstil, der mittlerweile weltweit kopiert wird, ist verhandelbar. Jedenfalls dann, wenn man eine Erde für alle will.

Die Antwort muss lauten:

Nicht den Kapitalismus abschaffen, um das Klima zu retten. Wir haben derzeit keine ernsthafte Alternative für ersteren. Entscheidend ist aber auch die Erkenntnis, dass der Kapitalismus, welchen wir betreiben, ein „Kind“ des 19. Jahrhunderts ist. Er wird das Klima ruinieren und damit unsere Lebensgrundlage.

Also müssen wir ihn umgestalten. Wir haben nur wenig Zeit …

Lieber Pierre,

sicherlich sind die Begriffe „Klimaschutz“ und „Überbevölkerung“ bei jedem weltweit angekommen. Doch ab welcher Zahl genau ist der/ die Eine ein „Zuviel“? Und ist es tatsächlich so, dass es mit einer Stagnation bzw. Verminderung der menschlichen Spezies besser würde? Liegt es nicht eher daran, wie die prozentuale Verteilung ist oder daran, dass reiche Industrienationen verschwenderisch die Ressourcen ausbeuten und sich die Leute in den Entwicklungsländern wie die Kaninchen vermehren? Würde eine gesunde Balance gefunden werden, kämen wir auf diesem Planeten wahrscheinlich alle recht gut zurecht. Überbevölkerung ist oft eine einfache Ausrede dafür, nicht handeln und etwas verändern zu müssen. Von den bequemen, verschwenderischen und luxuriösen Bedürfnissen reicher Länder abzurücken und sich einschränken zu müssen. Wir vergessen zudem über eine ungleiche Verteilung der Ressourcen und der Inanspruchnahme (besser: Aneignung derer von den reichen Nationen), nachzudenken. Vor allem sie müssten lernen, dass sie von ihrem hohen Ross runterkommen müssen und absolut nicht das Recht haben, armen Menschen Land, Boden und Bodenschätze wegzunehmen. Hier muss dringend etwas passieren, denn die Reichen sind schuld, wenn die Armen verhungern und gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Böden, die nicht ökologisch angemessen bewirtschaftet werden, trocknen noch mehr aus und werden oftmals einseitig ausgelaugt. Wir speisen viele arme Länder mit faden Finanzspritzen oder schlechten Handelskonditionen ab, versprechen eine bessere Zukunft und Arbeitsplätze, aber in Wirklichkeit ruinieren wir ihr Leben und die Zukunft ihrer Völker. Seien wir ehrlich, lieber Pierre… wir leben in Saus und Braus und genau dann, wenn einer von uns etwas abgeben oder reduzieren muss, ist das Geschrei groß. Selbstverständlich kommen diese armen Menschen dorthin (in die reichen Länder dieser Erde), wo sie eine Perspektive sehen – und das ist u. a. Europa tatsächlich. Mich wundert es nicht, ich kann das absolut verstehen, denn ich würde auch versuchen, meinen Arsch zu retten, wenn man mein Heimatland so plattgewalzt hat.

Fakt ist, dass unser westlicher Lebensstil nicht nachhaltig ist. Wohlstandsverzicht und eine Umverteilung des Eigentums, gepaart mit Geburtenkontrolle in den Entwicklungsländern, wären einige sinnvolle Ansatzpunkte. Von der Politik müssen saubere Technologien eingefordert werden und auch eine notwendige Geschwindigkeitsbeschränkung von max. 130 km/ h auf Deutschlands Autobahnen (wozu muss man eigentlich mit 200 Sachen über die Autobahn rasen?). Generell müssen wir alle unser Konsumverhalten prüfen und unser gesamtes Denken bedingungslos ökologisch ausrichten. Fairer Handel statt Ausbeutung und Preiskampf der Discounter, bewusstes Umgehen mit eigentlich allem, was unser Leben ausmacht. Das sind selbstverständlich einige Lösungsansätze aus einem dringend aufzuarbeitenden Maßnahmenkatalog, aber  – wie so oft – unterschätzen wir die menschliche Dekadenz, Bequemlichkeit und den Egoismus des Individuums. Wenn´s um Reduktion und Einschränkung geht, fühlt sich keiner angesprochen und das ist das Dilemma.

Schaffen wir es also nicht, diese Veränderungen herbeizuführen, wird das passieren, was prognostiziert wird und bereits sichtbar ist: die Natur holt aus und wenn sie das tut, dann sind wir machtlos. Darüber sollten wir uns im Klaren sein und es nicht ausreizen. Für mich ist es das Gesetz der Evolution – der Mensch kommt nicht ohne seinen Planeten aus, die Erde aber wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach von den Zecken befreien und nur das übrig lassen, was sich bewährt, sinnvoll ist und überlebenswert. WIR sind es offenbar nicht, wie es scheint. Wir sind dumme, schwache Konsum-Zombies, die ihre ethischen Prinzipien abschalten, unsere fetten Hintern mit Schnitzeln füttern oder unsere Klamotten bequem online via Paketdienst nach Hause schicken lassen. Egozentrik und Dummheit waren schon immer eine gefährliche Mixtur.

 

In diesem Sinne,

etwas ratlos

 

Petra

© Petra M.  Jansen

http://literatourpoetictext.blogspot.com/

 

Liebe Petra,

es rumort in mir. Hier was mich quält:

Ist Eugenik bei den Bienen angebracht?

Ich habe gerade einen Artikel gelesen, in dem eine Aussage des amerikanischen Bienenforscher Thomas Seeley weitergegeben wurde, in der er behauptet, dass sich – im Staat New York 90.000 wild lebende Bienenkolonien – durchaus gegen die Angriffe der Milben wehren und als gesund betrachtet werden können. Für ihn ist das der Beweis, dass sie in der Lage sind, sich selbst zu retten. Sie hätten das 50 Millionen Jahre gepackt, warum sollten sie jetzt sterben? Ihr inneres Ökosystem wäre total anpassungsfähig, auch gegen die Pestizide oder andere Chemikalien. Daran habe ich meine Zweifel, wenngleich sich in Tschernobyl die Natur mit der Radioaktivität arrangiert hat. Wenn man Thomas Seeley glaubt, müssten wir hinnehmen, dass enorm viele Bienen zuerst sterben werden, bevor ein Neubeginn überhaupt in Gang gesetzt werden könne. Somit wäre die Grundversorgung der Milben beeinträchtigt und auch sie würden sterben. Nur die stärksten Bienen würden überleben. Normalerweise passen die Schädlinge sehr auf, dass sie die Stöcke nicht vernichten. Das war der Fall als die Milben nur in Asien vorhanden waren. Sie konnten in einem normalen Verhältnis mit ihren Gastgebern leben und schadeten sich gegenseitig nicht. Als sie nach Amerika und Europa auswanderten, war die enorme Quantität an Imkereien der Anlass, dass sie ihr Gleichgewicht verloren und alles auf ihrem Wanderzug vernichteten. Sie mussten keine Rücksicht auf die Stöcke nehmen, da sie sich wie in einem Selbstbedienungsladen befanden. Das erinnert mich sehr wohl an die Menschen. Wird uns das Gleiche passieren, wenn wir uns immer weiter vermehren?

Was Thomas Seeley schreibt, versetzt mich in Angst und Bange!

Was der Bienenforscher im Rahmen seines Gebietes feststellt, wäre eine schiere Katastrophe, wenn es um die Menschen geht. Eigentlich würden die Thesen der Eugeniker sich bestätigen, was für mich eine schreckliche Vision wäre. Das würde bedeuten, dass es ein enormes Menschensterben geben müsste, um unseren Planet und seine Lebenswesen zu retten und das wäre nur mit Kriegen, Vernichtungslagern oder dem Auslassen von jeglicher medizinischer Versorgung, mit dem Ziel die Lebensdauer zu verkürzen, zu erreichen. Die Kindersterblichkeit müsste sich drastisch erhöhen. Diese Vorstellung ist mir völlig zuwider. Das wäre für mich die Erkenntnis, dass der Fortschritt, wie wir ihn betrachten, völlig daneben liegt. Thomas Seeley hat sicherlich total recht mit seinen Behauptungen, aber das würde bedeuten, dass Milliarden von Menschen frühzeitig sterben sollten, um Platz „den Zeugungs-Tüchtigen“, diejenige die wertvolle Spermas besitzen, Platz zu lassen, die anderen sollen gefälligst krepieren. Das mag ein Gesetz der Natur zu sein, aber es widerspricht jeder religiösen Ethik. Das würde bedeuten, dass es gut wäre, dass ein Teil der Menschheit verhungert oder im Mittelmeer ertrinkt. Hitler und seine Jüngern lassen grüßen. Es schaudert mich, wenn ich daran denke.

Ist die Passivität, was die Klimaerwärmung angeht, Selbstmord?

Es mag sein, dass der Mensch durchaus fühlt, dass er sich teilweise selbst vernichten muss, um das Leben auf diesem Planet zu erhalten. Nur so ist heute das Verhalten einer großen Mehrheit unter uns zu verstehen. Wir sind dabei, an unserem Ast, auf dem wir sitzen, heftig zu sägen und wissen sehr genau was uns blüht, aber haben nicht die Kraft uns gegen diesen fatalen Trend quer zu stellen. In diesem Fall wäre Donald Trump der Vorbote des gewaltsamen Todes, der uns droht. Er führt das aus, was ich die negative Evolution der Menschheit nenne. Wie Hitler hat er die Vorstellung, dass er alleine sein Volk vor dem totalen Niedergang retten kann u nd das tut er instinktiv, indem er den ganzen Fluch beschleunigt. Da wären wieder bei den Bienen, die sehr wohl spüren, dass Milliarden unter ihnen sich opfern müssen, um ihre Art zu retten. Ich denke, dass der Klimawandel die Funktion des Killers einnehmen und für eine neue Ordnung sorgen wird. Es droht uns eine neue biblische Sintflut, machen wir uns nichts vor, Vater Noah wird ganz schön viel zu tun haben, um ein Paar Prachtexemplare zu retten. Es würde mir nicht gefallen, dass er den Namen Donald Trump trägt. Was sich abspielen wird, kann nur in eine dicke Katastrophe führen und wir werden sie nicht aus eigener Kraft vermeiden können. Er tut mir leid solch eine Botschaft Greta weiterz leiten, aber es gibt Dinge, die in göttlicher Hand liegen, wie die Vernichtung von Feldern durch die Heuschrecken. Wir sind, ob wir es wollen oder nicht, in einem Fluch-Modus.

Der Andere muss blechen, nicht ich.

Es geht um das Überleben, dabei soll immer der Andere das Opfer sein. Niemand ist bereit, selbst das Handtuch zu werfen, was normal ist. Anstatt eine Situation gemeinsam zu meistern, werden Anschuldigungen ausgesprochen, die völlig überflüssig sind. Dieses Phänomen erleben wir zurzeit und das bringt die ganze Menschheit in größte Gefahr. Warum kommt es dazu? Weil es keine Antwort gibt, was die Demographie angeht. Wenn die Weltbevölkerung sich weiter so rasch entwickelt, gibt es keine andere Lösung als den größten Genozid, der die Welt erlebt hat, zu provozieren, um die Bevölkerung zu halbieren. Das ist nicht akzeptabel, weil es Mord ist. Die Europäer haben gesehen, wohin es führen kann. Der totale Horror. Es gibt einen guten Grund, verzweifelt zu sein. Können wir einfach hinnehmen, dass Millionen Menschen von Naturkatastrophen in den Tod gerissen werden? Nein, weil es nicht unserer Ethik entspricht. Hilfe ist ein Gebot Gottes. Wäre es also möglich, die Menschen dazu zu bewegen weniger Kinder auf die Welt zu  setzen? Das Beispiel China hat gezeigt, dass eine Geburtsbremse nicht funktioniert. Obendrein macht die Kirche alles, um eine vernünftige Familienplanung zu verhindern! Wenn man sie zu den gegenwärtigen Problemen anspricht, hat sie keine Antwort. Von einer Fügung Gottes zu sprechen ist heute nicht hinnehmbar. Zieht sie es vor, dass Kriege angezettelt werden und dass Millionen Menschen elend sterben? Ganz schön feige solch eine Haltung.

 

Das Gedicht

Nein, ich habe es mir schwer gemacht

heute diese Texte zu schreiben, weil ich

den Eindruck habe, dass die Welt sich am

Abgrund befindet und dass wir

Menschen, keine Lösungen anzubieten

haben. Ich liebe zu sehr das Leben,

um meine Gefühle zu verbergen. Es

geht mir darum mit mir ehrlich zu sein

und das zum Ausdruck zu bringen, was

sich tief in mir abspielt. Eine Mischung

von irrationaler Hoffnung und Verzweiflung!

Und doch soll es weiter gehen… oder?

 

Nein, ich fand mich verpflichtet offen

zu schreiben, was ich auf der Seele

habe. Ich verurteile jede Art von

Manipulation, was die Natur angeht.

Haben wir sie so krank gemacht, dass

sie sich rächen wird? Uns letztendlich

zum Teufel zu schicken? Bei mir wäre es

egal, aber ich denke an all diese Kinder,

die unsere Schuld tragen werden, ohne

etwas angestellt zu haben. Es ist sinnlos

Gott anzuflehen, wenn wir für unseren

Sünden nicht gerade stehen!

 

Rette sich wer kann, diese Schreie höre ich

endlos und sie verursachen bei mir

Ekel, weil sie sich nur auf uns richten.

Keine Nachsicht für den Mist, den wir

verursacht haben. „Gott ist mit uns!“ Ist er

das wirklich? Solange wir alles platt walzen,

können wir nicht erwarten, dass ein Spross,

die Erde durchbricht. Nicht wie in Tschernobyl,

wo junge Bäume den Beton zerbrochen haben.

Soll es so weit kommen, um zu erreichen, dass

endlich Hoffnung in uns aufkommt? Sollen

wir verseucht werden, um uns endlich zu besinnen?

 

Trotz allem liebe ich das Leben, Petra.

 

Ich wünsche Dir alles Gute!

Umarmung!

 

Pierre

Der Iran wolle mit niemandem Krieg, sei aber auf jeden militärischen Konflikt vorbereitet, so Salami. Die „rote Linie“ des Irans seien dabei seine Grenzen. „Jeder, der die überschreitet, wird zerstört und auch nicht mehr (in sein Land) zurückkehren“, sagte der General (dpa).

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran hatten sich in den vergangenen Wochen bereits drastisch verschärft. So machte Washington Teheran kürzlich für den Angriff auf zwei Tanker im Golf von Oman verantwortlich. Der Iran hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Auch der Streit um das iranische Atomprogramm wird immer schärfer geführt. US-Präsident Donald Trump hatte im Mai letzten Jahres den Ausstieg seines Landes aus dem Atomabkommen verkündet und neue Sanktionen gegen den Iran verhängt.

Trotz dieses Vertragsbruchs der USA hielt Teheran zunächst an dem Abkommen fest. Inzwischen hat der Iran angekündigt, die im internationalen Atomabkommen festgelegte Menge von angereichertem Uran überschreiten zu wollen.

Die Lage am Persischen Golf eskaliert weiter: Die iranischen Revolutionsgarden haben eigenen Angaben zufolge über dem Iran eine amerikanische Aufklärungsdrohne abgeschossen. Die Drohne des Typs „Global Hawk“ sei am Donnerstag bei Kuhmobarak in der Provinz Hormusgan in den iranischen Luftraum eingedrungen und abgeschossen worden (welt.de).

Der neue Vorfall fällt in eine Zeit verschärfter Spannungen zwischen dem schiitischen Iran und den USA mit ihren sunnitisch-arabischen Verbündeten. In den vergangenen Wochen hatten die USA einen Flugzeugträgerverband und eine strategische Bomberflotte in die Region verlegt, wo sie bereits über mehrere Stützpunkte verfügen. Im Golf von Oman wurden am 13. Juni zwei Öltanker bei Angriffen schwer beschädigt, und die USA machen den Iran dafür verantwortlich.

Auslöser der Konflikte sind der einseitige Ausstieg der USA aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran im vergangenen Jahr und die folgende Verhängung von Wirtschaftssanktionen gegen die Islamische Republik. Im Mai hatte auch der Iran mit einem Teilausstieg aus dem Atomdeal begonnen und gedroht, die Straße von Hormus zu blockieren. Über diese Meerenge werden fast zwei Drittel des globalen Ölexports verschifft.

Für Ende nächster Woche hatte der Iran ein Treffen der Partner des internationalen Atomabkommens in Wien angekündigt. Die Vizeaußenminister des Irans und der sogenannten 4+1 Gruppe – China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Russland – würden sich am 28. Juni in der österreichischen Hauptstadt treffen, sagte Außenamtssprecher Abbas Mussawi. Nach Einschätzung von Beobachtern in Teheran könnte das Treffen die letzte diplomatische Chance für die Rettung des Atomdeals vor Ablauf des iranischen Ultimatums Anfang Juli sein.

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hatte bekräftigt, dass die fünf verbliebenen Vertragspartner nur bis zum 7. Juli Zeit hätten, das Wiener Atomabkommen von 2015 vertragsgerecht umzusetzen. Sonst werde der Iran die zweite Phase seines Teilausstiegs aus dem Deal beginnen (n-tv.de).

Kommt es zum Krieg? Wollen die USA ein weiteres „Vietnam“ riskieren?!

„Die iranische Armee ist in etwa so groß wie die der Vereinigten Staaten. Aber durch zusätzliche freiwillige Kämpfer könnte sie sich schnell auf das Zehnfache vergrößern, wie dies während der von den USA unterstützten irakischen Invasion im Iran 1980-88 der Fall war. … Würden sich die Iraner in einer solchen Anzahl freiwillig melden? Natürlich würden sie. Viele Iraner mögen das derzeitige Regime nicht, aber sie sind Patrioten. Eine US-Invasion würden sie genauso wenig begrüßen, wie die amerikanischen Liberalen eine ausländische Invasion unterstützen würde, die ihnen verspricht, sie von Donald Trump zu befreien.“ (Gwynne Dyer, Militärhistoriker eurotopics.net).

Weil die USA gemeinsam mit ihren Verbündeten immer lauter die Kriegstrommel schlagen und weil sich auch das irrationale Verhalten des Iran und dessen Verbündeten steigert, müsste in Anbetracht der aktiven militärischen Rolle Russlands im Nahen Osten und der klinisch toten Vereinten Nationen diesmal die EU die diplomatische Schlüsselrolle einnehmen: ähnlich wie beim iranischen Atomabkommen. Für die EU wäre das auch die Gelegenheit, sich mit Blick auf die Nahost-Politik endgültig von der verhängnisvollen US-Hörigkeit zu lösen.

Doch weil die Zeit für EU-Standards knapp ist und weil viele europäische Länder zu den wichtigsten Waffenexporteuren gehören, ist es leider unwahrscheinlich, dass sich Brüssel einem eventuellen Angriff auf den Iran vehement entgegenstellt.

rostra.magazin

Es duftet nach Flieder, die Sonne brennt erbarmungslos vor dem nächsten Sturm. Leises Plätschern von Wasserspielen in der Ferne. Und es riecht nach Sommer. Und es riecht nach Tod. Dein eigener, innerer Tod, in den du dich gebettet hast. Abschirmung mit Wällen, Palisaden, Rosenstöcken. Du inszenierst dein eigenes Begräbnis und bist doch eigentlich noch ganz lebendig. Eine Hummel wollte Nektar naschen und nimmt Schwung zum nächsten Garten. Hier will sie nicht bleiben, sie spürt das Vergängnis. Ist es nun deine Wellness-Insel oder ist es gar dein Knast? Von außen scheint es wie der Sarkophag, in dem du deine letzte Ruhestätte finden willst. Nebenher tobt das bunte Dasein. Feiern, lachen, Spaziergänger, die ihre Freiheit lieben. Du verschanzt dich hinter schwarzen Tüchern. Von dort hinten sieht es aus wie ein Friedhof – eingebettet in unendlich viele Blüten, Blumenpracht und dem Geruch einer sterbenden Idylle. Lebst du noch? Eingepfercht statt in Schönheit gehüllt, abseits vom Miteinander, in dem man sich sieht, austauscht, gegenseitig wahrnimmt. Für dich ist es die Relaxing-Zone, für andere ist es der Abschied in ein anderes, fernes Leben. Sie sehen schon, was du nicht siehst. Sie spüren, was du nicht spüren willst. Du verschließt dich, schottest dich ab und schaffst dir den Anschein eines aufgebahrten Sarges verziert mit den allerschönsten Blüten, die dich mit ihrem betörenden Duft in dein Jenseits verabschieden. Sich öffnen hin zum wundervollen Leben, bedeutet den schwarzen Vorhang wegzuziehen, sich exhibitionistisch der Welt zu öffnen – ganz egal, zu wem oder was es ist. Dein Schutzschild sind deine tausend Blüten, die tatsächlich wildes Leben leben. Lass sie wachsen, sperre sie nicht ein hinter schwarzem Tuch und dunklem Stein. Wusstest du, dass Grabsteine die gleiche Farbe mit eingeritzten Initialen tragen? Nun zieh deinen Vorhang auf und schau hin, wie sie wachsen und sich der Sonne entgegenrecken – deine Blüten, an denen Insekten stets neues Leben schaffen. Es sieht wahrhaftig aus wie in der Kirche, wenn ein Mensch gestorben ist. Es scheinen deine unzähligen Fackeln den Dämonen deiner Seele ins Dunkle der Nacht zu werfen. Sag mal, ist dein Leben tatsächlich so beschissen und so einsam, dass du deinem Tod unbewusst ins Auge blickst? Weg damit! Zieh den Vorhang, schrei um Hilfe – die du zweifellos dringend brauchst.

 

© Petra M. Jansen

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Berlin stand nach dem Zweiten Weltkrieg unter Kontrolle der vier Siegermächte USA, Großbritannien, Frankreich und Sowjetunion. Deutschland selbst war in vier Zonen aufgeteilt, die jeweils von einer der Siegermächte verwaltet wurden. Berlin lag inmitten der Ostzone, die von der Sowjetunion beherrscht wurde.

Es kommt zur Machtprobe zwischen der Sowjetunion und den Westalliierten.

In den westlichen Besatzungszonen Deutschlands wurde am 20. Juni 1948 eine Währungsreform durchgeführt. Die neue Währung sollte auch auf Westberlin ausgedehnt werden. Die Sowjetunion nahm das zum Anlass, West-Berlin von den westlichen Besatzungszonen abzutrennen.

Offiziell ließ man verlauten: „Die Transportabteilung der sowjetischen Militärverwaltung sah sich gezwungen, aufgrund technischer Schwierigkeiten den Verkehr aller Güter- und Personenzüge von und nach Berlin morgen früh, sechs Uhr, einzustellen.“ (berlinerluftbruecke.de), was zur Berlin-Blockade führte.

Die Blockade umfasste sämtliche Land- und Wasserzugänge aus dem Westen. Der Fernstrom durch das Kraftwerk Zschornewitz wurde noch in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni 1948 für die Westberliner unterbrochen. Direkt darauf folgte der Stopp für Straßen- und Schienenverkehr, sowie der Binnenschifffahrt zwischen Berlin und den Westzonen.

Da Berlin noch unter der Zerstörung des Zweiten Weltkrieges litt, waren die ca. 2,2 Millionen Menschen und stationierten Soldaten nach der Blockade völlig von der Versorgung au der Luft via Luftbrücke abhängig.

Vorschläge der Generalität von US-Präsident Harry S. Truman, die Blockade mit gepanzerten Truppen zu durchbrechen, verwarf er aus Risiko einer eskalierenden Provokation.

Sowjetische Truppen sperrten am 24. Juni 1948 die alle Zufahrtswege nach West-Berlin. Damit begann die Berliner Blockade, die erst am 12. Mai 1949 endete. Die Blockade von Berlin war der erste Höhepunkt im Kalten Krieg.

Es hätte ein historischer Moment werden können – aber wurde eine Blamage für ganz Deutschland. Ihr lautes Brummen kündigte die Rosinenbomber an. Aber: Der rot-rot-grüne Senat gab den Rettern von einst keine Landeerlaubnis, keine Erlaubnis zur Platzrunde, ja, noch nicht einmal die Erlaubnis, Süßigkeiten abzuwerfen. Die Verantwortlichen in Berlin verschanzen sich hinter dem Vorwand, es seien nicht alle Papiere rechtzeitig eingereicht worden. Abfliegen ließ man die Piloten mit Maschinen, die mehrerer Zwischenstopps bedurften bei dem Flug über den Atlantik. Ein Affront sondergleichen!

Vor 70 Jahren retteten die Alliierten West-Berlin per Luftbrücke vor dem Verhungern. Sonntag kehrten die Rosinen-Bomber zum Jubiläum zurück. Um 14.53 Uhr erreichten 13 historische Flieger die Hauptstadt. Gänsehaut-Momente bei 250 km/h, ein lautes Brummen aus der Vergangenheit (bz-berlin.de).

Von Juni 1948 bis September 1949 hatten die Alliierten das von den Sowjets eingeschlossene Berlin 277.569 Mal angeflogen (wikipedia.org), versorgten die Stadt im Drei-Minuten-Takt mit Lebensmitteln und allem, was für den Alltag notwendig ist. Viele Piloten und Helfer ließen bei Unfällen ihr Leben.

5.000 US-Pfund Süßigkeiten hatten die Piloten jetzt für Berlin mitgebracht. Vergeblich.

Es habe Hunderttausende Dollar gekostet, alles nach Deutschland zu bringen, so Captain Sherman Smoots, US-Pilot, bitteres Fazit: „Berlin sollte damals von den Sozialisten ausgehungert werden. Jetzt regieren sie und treffen diese Entscheidung!“

„Es wäre möglich gewesen, dass die Rosinenbomber hier landen. Der Anlass 70 Jahre Luftbrücke hätte das gerechtfertigt. Denn ohne diese humanitäre Hilfe wären viele Berliner verhungert.“ (Thomas Feuerhelm, Jurist).

Der Vorfall ist ein Indiz dafür, wie geschichtsvergessen man heute in Deutschland regiert. Noch dazu in der Hauptstadt!

Hätte es wirklich an den eingereichten Unterlagen gelegen, was eine Landung im Wege gestanden haben möge, hätte man die Piloten telefonisch rechtzeitig informieren können. Das hätte der Anstand erfordert. Jener scheint der Berliner Regierung offensichtlich abhanden gekommen zu sein.

Der mitgereiste US-Pilot Gail Halvorsen ist 98 Jahre alt. Er hätte gerne noch einmal Süßigkeiten abgeworfen. „Damit die Kinder von heute einen Eindruck bekommen, wie es früher war.“

Dazu wird es nie mehr kommen …

Ein Auslieferungsgesetz würde Hongkongs Behörden erlauben, von China verdächtigte und gesuchte Personen an die Volksrepublik auszuliefern. Kritiker warnen, Chinas Justiz sei nicht unabhängig und diene als Werkzeug der politischen Verfolgung. Auch drohten Folter und Misshandlungen. Für diesen Sonntag ist erneut eine Demonstration angekündigt.

Worum geht es in dem Auslieferungsgesetz?

Die Regierung argumentiert, dass es bei der Auslieferung von Angeklagten Schlupflöcher gebe. Sie verweist auf den Fall eines jungen Hongkongers (nzz.ch), der im Februar des vergangenen Jahres seine Frau in Taiwan ermordet haben soll. Er floh nach Hongkong. Doch er kann nicht an Taiwan ausgeliefert werden, weil zwischen Hongkong und Taiwan kein Auslieferungsabkommen besteht. Durch dieses Schlupfloch sei Hongkong ein «sicherer Hafen» für Kriminelle, sagt die Regierung. Dieses müsse geschlossen werden.

Die Stadtregierung hat jetzt das Gesetz zwar offiziell nicht verworfen, aber auf unbefristete Zeitverschoben.

Das ist ein erstaunliches Einlenken. Zunächst verschob Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam die Parlamentsentscheidung über das umstrittene Auslieferungsgesetz. Aber die Demonstranten, die seit Tagen gegen das Vorhaben mobilmachen, gaben sich damit nicht zufrieden. Sie verlangten den gänzlichen Verzicht auf das Gesetz. Möglicherweise setzen sie sich damit durch.

Die Hongkonger leben seit 1997 in einer Sonderverwaltungszone, der ehemaligen britischen Kronkolonie, die offiziell nach dem Motto „Ein Land, zwei Systeme“ regiert wird. Sie haben sich nie der Illusion hingegeben, die Führung in Peking werde eine freiheitliche, demokratische Enklave in ihrem Reich dulden. Aber sie haben gehofft, einen Teil ihrer bisherigen Freiheitsrechte und den Rechtsstaat verteidigen zu können – zumindest bis zum Jahr 2047, wenn die mit Großbritannien vereinbarte Übergangszeit abläuft.

Am vergangenen Wochenende hatten nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen Hunderttausenden und einer Million (welt.de) Hongkonger gegen das Vorhaben der Regierung demonstriert. Danach war es am Mittwoch zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen, die offiziell als „Aufruhr“ eingestuft wurden. Die Sicherheitskräfte hatten Tränengas, Schlagstöcke, Wasserwerfer und Pfefferspray eingesetzt, um Tausende Demonstranten zu vertreiben.

Die Demonstration am vergangenen Sonntag war nach Einschätzung von Beobachtern die größte in Hongkong seit dem Protest gegen die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung in Peking vor drei Jahrzehnten am 4. Juni 1989 (watson.de).

Es geht der Widerstand gegen das neue Gesetz quer durch die Gesellschaft. Menschenrechtsaktivisten, Kirchenvertreter, Geschäftsleute, aber auch ganz normale Bürger, die sich nicht vorschreiben lassen wollen, was sie zu denken und zu sagen haben: Sie alle befürchten, künftig nicht mehr sicher vor der chinesischen Justiz zu sein. Dass die Hongkonger Regierung nach Verabschiedung des Gesetzes frei von Einflussnahme über Auslieferungsgesuche Pekings entscheiden würde, glauben sie nicht. Der Druck auf die Gerichte könnte steigen. Die Pekinger Machthaber könnten mit fadenscheinigen Vorwürfen gegen unliebsame Personen in Hongkong vorgehen.

Im Moment ist nicht absehbar, wie lange die Konfrontation zwischen Volk und Regierung dauern wird. Klar ist hingegen, dass das Gesetz kaum abzuwenden sein wird. Vielleicht werden die Verhandlungen im Parlament weiter verzögert, mit größter Wahrscheinlichkeit wird es aber früher oder später verabschiedet werden. Wenn nicht in den nächsten Wochen, dann in ein paar Jahren. Wenn nicht in der heutigen Form, dann in einer anderen.

Peking wird nicht bis 2047 warten, Hongkong unter seine Kontrolle zu bringen. Die Sonderverwaltungsregion ist für die Machthaber eine Irritation. Das aufmüpfige Volk Hongkongs passt nicht zum Selbstverständnis der Kommunistischen Partei, in der ein enger Kreis von Spitzenfunktionären über die Geschicke des Landes entscheidet.

Das weckt Erinnerungen an die erniedrigende Epoche, als westliche Industriemächte dem geschwächten China mit ihrer militärischen Überlegenheit ungleiche Verträge aufzwingen konnten – so wurde Hongkong überhaupt einmal britisch. Peking muss eingestehen, dass Hongkong gerade deswegen erfolgreich ist, weil es nicht kommunistisch war und ist.

Sie hatte eine ältere Schwester, die alles brav und richtig machte. Sie hingegen war der Wildfang der Familie. Vorlaut, aber klug und beliebt in der Schule, nicht zuletzt bei den Jungs. Der Vater leitete eine Firma, die Pektin, ein Geliermittel für Marmelade, produzierte . Ein paar Jahre zuvor war sie von Frankfurt am Main nach Amsterdam gezogen, mit dem Einmarsch der Deutschen holte sie die Judenverfolgung 1940 auch dort ein: „Unsere Freiheit wurde sehr beschränkt“ (welt.de), schreibt sie auf einer der ersten Seiten ihres rot-beige karierten, wattierten Tagebuchs, das ihr zum 12. Juni 1942 geschenkt wurde, ihrem 13. Geburtstag:

Anne Frank wurde am 12. Juni 1929 als zweite Tochter einer säkularen jüdischen Familie in Frankfurt geboren. Angesichts der Verschlechterung der Situation von Juden im nationalsozialistischen Deutschland entschloss sich die Familie zur Emigration in die Niederlande. Als auch in Amsterdam Juden unter der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg immer stärker verfolgt wurden, tauchte die Familie in einem Versteck unter. Ihr Tagebuch schrieb Anne zwischen 1942 und 1944 in Amsterdam. In dieser Zeit lebte sie mit ihrer Familie und vier weiteren Personen in einer im Hinterhaus verborgenen Wohnung auf engstem Raum. Am 4. August 1944 wurden sie entdeckt, verhaftet und deportiert. Nur Anne Franks Vater, Otto Frank, überlebte und veröffentlichte 1947 das Tagebuch seiner Tochter. Es ist heute Teil des Weltdokumentenerbes der Kulturorganisation der Vereinten Nationen.

Ihre „Erlebnisse im Hinterhaus“ (prisma.de) sollten ihre erste Buchveröffentlichung sein – so plante es Anne Frank mit 14 Jahren. Da vertraute sie schon seit zwei Jahren ihrem Tagebuch an, wie der Alltag im Versteck war. Ihrer imaginären Freundin „Kitty“ berichtete sie aber auch von der politischen Weltlage des Zweiten Weltkriegs und nicht zuletzt von ihren intimsten Gefühlen und den vielen Veränderungen, die sie als Teenager in sich und an sich wahrnahm, bald witzig, bald ernst, doch immer mit beeindruckender seelischer Reife.

Alle im Versteck in Amsterdam lebten immer in der Angst, entdeckt zu werden. Doch sie hatten die große Hoffnung, dass die Nazis den Krieg verlieren und die Juden wieder frei leben könnten. Aber im August 1944 wurden die acht entdeckt und verhaftet.

Von der Zentrale des deutschen Sicherheitsdienstes über ein Gefängnis in Amsterdam und das Durchgangslager Westerbork verschleppen die Nazis die Untergetauchten in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Mit mehr als tausend anderen ist Anne drei Tage lang unterwegs. Die Menschen sind in Viehwaggons eng zusammengepfercht. Es gibt kaum etwas zu essen und zu trinken, und ein kleines Fass muss als Toilette dienen.

Bei der Ankunft in Auschwitz entscheiden Nazi-Ärzte, wer zu schwerer Zwangsarbeit geeignet ist und wer nicht. Ungefähr 350 Menschen (annefrank.org) aus Annes Transport werden gleich danach in den Gaskammern ermordet. Anne wird mit ihrer Schwester und ihrer Mutter in das Arbeitslager für Frauen geschickt.

Anfang November 1944 wird Anne erneut auf einen Transport geschickt. Zusammen mit ihrer Schwester kommt sie in das Konzentrationslager Bergen-Belsen. Ihre Eltern bleiben in Auschwitz zurück. Auch in Bergen-Belsen sind die Umstände fürchterlich: Es gibt kaum etwas zu essen, es ist kalt und Anne bekommt wie ihre Schwester Fleckfieber. Im Februar 1945 sterben beide an den Folgen der Krankheit, erst Margot und etwas später Anne.

Bis auf Annes Vater überlebte keiner. Anne starb, als sie 15 Jahre alt war.

Ihre Tagebücher konnten gerettet werden.

Heute, am 12. Juni, wäre Anne Frank 90 Jahre alt geworden. Ihr Tagebuch, weltweit in 71 Sprachen übersetzt, gilt als Inbegriff eines Zeitzeugnisses über die traumatischen Schrecken des Zweiten Weltkrieges und die Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung.

Fremde Tagebücher sollte man eigentlich nicht lesen. Bei den Tagebüchern von Anne Frank ist das anders. Das Mädchen wollte, dass sie gelesen werden. Deshalb wurden die Bücher veröffentlicht.