Lieber Pierre,

ja so ist es, wer sich stets mit Negativmeldungen und negativen Dingen auseinandersetzt, wird seine Motivation verlieren und genau das ausstrahlen, was er fühlt und ihn umgibt. Es ist keineswegs ein Leugner oder eine Vogel-Strauß-Taktik, wer den Kopf frei macht und sich den eher angenehmen Meldungen oder Geschehnissen widmet. Täglich erreichen neue Hiobs-Botschaften die Bevölkerung, es geht von Todesschüssen vor einer Bäckerei in Fulda, über ein 7-monatiges Baby, das vom Familien-Stafford-Terrier tot gebissen wurde (der zweite Fall in dieser Woche mit drei Toten durch Kampfhund-Attacken) bis zur Syrienkrise und Trumps aggressiven Drohungen des unmittelbar bevorstehenden Bomben-Einsatzes. Ach ja, die Russen habe ich vergessen, mit ihrem tatsächlich noch nicht 100% bewiesenem Giftgasanschlag in Großbritannien, oder wieder einmal das Kopftuchverbot für Minderjährige an deutschen Schulen. Weiß Gott keine heile Welt, aber ich bleibe bei meiner Bitte an dich, die ich abends am Telefon aussprach. Nehmen wir ein Beispiel aus dem direkten Umfeld: Alte Menschen verbringen ihren Lebensabend oft vor dem Fernseher und sehen Mord, Krieg, Totschlag, Raub, Aggression…das schürt in ihnen die nackte Angst. Sie sitzen da, haben vielleicht noch den zweiten Weltkrieg in Erinnerung und trauen sich vor lauter Angst kaum noch auf die Straße. Auch haben sie die ständige Angst, was aus den Kindern und Enkelkindern werden könnte – bei der Weltlage. Lieber Pierre, diese Angst-Macherei findet in Deutschland einen sehr fruchtbaren Nährboden, denn wir sind wahrlich eine Angstnation.

Ich erlebe es immer wieder, dass sich negative Assoziationen weiter fortsetzen und die Familien, in denen eine negative Stimmung mehr vorherrscht als eine positivere Betrachtung der gleichen Dinge, haben mehr Pech und dort passieren auch messbar verstärkt negative Ereignisse. Alles, aber auch alles ist eine Grundeinstellung und sie bewahrheitet sich. In jeder Scheiße findest du einen positiven Ansatzpunkt, das kann niemand bezweifeln. Bei einigen Dingen brauchen wir nicht nachzudenken, sie werden ohnehin ohne unser Zutun oder unsere Befragung geregelt. Wir sitzen drin im Boot und wenn es untergeht, gehen wir vielleicht sogar mit unter, aber dann werde ich immer noch sagen: „Es könnte immer alles noch viel schlimmer werden und es gibt immer etwas Schlimmeres als schlimm. Aber es gab etwas Gutes und das Gute nehme ich mit. Helau!“ Faschingsstimmung als Galgenhumor? Kann sein, wenn man es so interpretieren mag, aber ich bin durchaus gut informiert, belesen und habe keine rosarote Brille auf.  Doch ich arbeite mit klarem Blick auf die unangenehmen Tatsachen um uns herum und dem festen Willen, alles dagegen zu tun, was mit meiner Arbeitskraft und in meinem Umfeld möglich ist, um einen Gegenpol zu setzen. In die gleiche Jammerlaune zu verfallen und demotiviert mit den Wölfen zu heulen, ist nicht meine Art. Meine angeborene Positivität ist und bleibt ungebrochen, sie wird niemals aufhören und mich auch nie verlassen, denn sie ist ein Teil meines Charakters. Schreiben, lehren, aufklären und meinen Söhnen die Angst vor der Zukunft nehmen, das ist meine Aufgabe. Wir können nicht die Retter der Welt sein, aber ein Stückchen dazu beitragen, indem wir Menschen aufmuntern, informieren, etwas zum Lesen geben oder ein wenig Hoffnung schenken –  in einer Welt in Schieflage, in der sie dringend etwas Positives hören müssen!

 

Gut auf, lieber Pierre

und herzliche Grüße aus Frankfurt,

 

Petra

© Petra M. Jansen

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Liebe Petra,

wie immer haben die Schmerzen mich sehr im Griff, trotzdem habe ich meinen Humor nicht verloren. Manchmal tut ein wenig Quatsch gut, hier meine Ergüsse:

Der Brief an Viktor Orbán

Lieber Viktor, du hast in deinem Parteiprogramm verkündet, dass der Platz der Frauen besser zu Hause sei. Sie sollten doch nicht den ganzen Mist lernen, der ihnen am Ende nichts nützt. Ich kann doch das Klo putzen ohne unbedingt einen Schimmer von Homer haben zu müssen, sag? Oder müssen die Klobürsten Kant gelesen haben, um sich über den Sinn des Lebens in der Scheiße, in der sie sich befinden, zu erfahren? Das war eigentlich nicht unbedingt, was ich dich fragen wollte. Ich tue mir schwer, mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass meine Alte zu Hause hockt und sich vom Klempner vögeln lässt, nachdem er die Klo-Verstopfung aufgehoben hat. Und noch etwas, wer ersetzt mir die Kohle, die sie heute in ihrem Job noch verdient? Du etwa, alter Schwede? Oder der Klempner als Dank für so viel Freizügigkeit? Denk darüber nach, lieber Viktor! In diesem Sinn wünsche ich dir eine gute Nacht.

Der Brief an Bruder Kim

Sag mal Kim, wer ist die Domina, die dich mit ihrer kantigen Stimme im Fernsehen als Adonis hoch lobt und dich in weiche Windeln einpackt? Mein großes Baby, mein Süßer, die Frauen ehren dich, weil du der Schönste, der Intelligenteste, der Klügste, der Potenteste bist. Wer hat es schon fertig gebracht, mit knapp über 30 Vater der Nation zu werden? Ich kann mir vorstellen, dass das ein harter Job ist, Millionen von Weiber zu befriedigen. Selbst der lieber Harvey Weinstein würde es nicht schaffen! Bravo, bravo, hip hip, hurra! Die Legehennen haben die Aufgabe, aus Hühnern Schafe zu machen, so dein Befehl. Du hattest es satt – jeden Morgen um fünf Uhr – mit deinem Kikeriki, dem Trump auf den Wecker zu gehen und mit der Atombombe hast du uns das schönste Geschenk gemacht. Apropos Penis, der Donald behauptet, dass seiner noch ganz schön prima funktioniert? Na ja, das ist dir zu intim, aber du solltest dankbar sein, dass ich euch für euer Treffen im Mai endlich ein Diskussionsthema geschenkt habe. Her mit der Kohle, lieber Kim, damit habe ich dich aus der Patsche  geholt. Moral der Geschichte ist, dass man ohne Post keine so schönen Briefe versenden kann, es lebe der liebe Postbote!

Der Brief an Rodrigo Duterte, Präsident der Philippinen

Lieber Rodrigo, als ich erfuhr, dass du den Friedensnobelpreis bekommen wirst, sprang ich vor Freude in die Luft. In der Laudatio, die Donald Trump vorbereitet, will er sagen: Du bist ein Mann, der es anpackt, der die Drecksarbeit macht, der kein normaler ehrenhaften Bürger mit Freude annimmt. Die besteht daraus, aus eigener Hand Dealer und Junkies umzulegen. Damit beweist du, dass du den Mut hast, deine Gedanken in der Praxis zu vollenden. Du brauchst keine großen Reden zu schwingen, um deine Zivilcourage zu beweisen. Wenn Heinrich Himmler noch leben würde, würde er dich hoch loben. „Sehen Sie, dieser Mann hat keine Scheu, an unsere Kinder und Enkel zu denken, indem er dieses Ungeziefer vernichtet!“ Mit Zyklon B hättest du es leichter, aber du hast, mein Freund Rodrigo, die Seele eines Handwerkmeisters, der nach vollendeter Arbeit, die Frauen zu einem Tango einlädt und sie über den Parkett des Festsaals des Präsidentenpalasts mit Leidenschaft in seine Arme nimmt. Donald fragte seinen Berater, wie er die Rede vollenden sollte. „Ich würde sagen, Mister President, dass solche Männer wie er, bei den Weibern gut ankommt, also lohnt sich das, so vorzugehen. Lebe wohl mein Freund und wenn es dir an Dealern fehlt, schicke ich sie dir als Staatsgeschenk per Fracht nach Manila. Viel Spaß dabei!

Dann einen Eintrag in meinem Tagebuch

Vielleicht kommt man mit über siebzig in die Zeit der Infantilität. Heute Abend sagte mir eine Freundin am Telefon: „Verzapfe ein wenig mehr Blödsinn. Die Leute haben die Nase voll, immer ernste Sachen serviert zu bekommen.“ „Du liebe Lady Petra, wie soll ich es anders machen können? Bist du noch von dieser Welt? Wenn du jeden Morgen die Hiobsbotschaften liest, wird es dir schlecht. Nur noch Mist!“ Dazu kommt, dass meine Schmerzen mir nicht unbedingt Frühlingsgefühle vermitteln. Ich habe Lust manchmal schroff und ätzend zu sein, wie es jetzt der Fall ist. Das Lachen ist trotz den ganzen Schwierigkeiten bei mir willkommen und sollte es eines Tages nicht mehr an unsere Tür klopfen, wäre es schlecht bestellt mit uns.

Und jetzt ab in den Federn,

ich umarme dich, liebe Petra!

 

Pierre

//pm

 

 

Lieber Pierre,

mit der Gleichstellung der Geschlechter ist es in westlichen Ländern zwar kein Problem, dennoch klagen Politiker und Menschen immer noch über ein Ungleichgewicht bezüglich der Lohnzahlungen im Vergleich zu männlichen Kollegen. Da klafft ein Graben und nachweislich werden Mann und Frau, die in vergleichbaren Positionen arbeiten, nicht gleich bezahlt. Das muss sich ändern. In der politischen Führungsebene setzt Frau Merkel offensichtlich und auffällig auf eine weibliche Besetzung – ein Kontra-Statement?

Es steht tatsächlich nirgends geschrieben, dass irgendwelche Diskriminierungen oder Abwertungen von Frauen gestattet sind und das tut auch nicht der Koran, wie du richtig erkannt hast. Dennoch spielte die Frau schon in früher Zeit eine untergeordnete Rolle, lassen wir die starken Herrscherinnen, wie die Heldinnen, Königinnen, Cleopatra oder auch die legendären Amazonen von Dahomey/ Afrika u.a. außer Acht. Es gab viele einflussreiche, starke, harte, autonome und unangepasste Frauen in der Geschichte – das sollten wir bei der Betrachtung dieses Themas heute nicht vergessen.

Sexuelle Übergriffe sind immer ein verwerfliches, respektloses und brutales Inanspruchnehmen von Körper, Sex, erzwungene Aufmerksamkeit, die stets mit dem Ausüben von Macht und psychischer Fehlleitung zu tun haben. Kommen wir auf die Muslime zurück (auch hier bitte nicht verallgemeinern), so ist die Frau untergeordnetes Gebärinstrument und wird – bedingt durch den fatalen Männer-Ego-Wahn – bewusst klein gehalten. Der Mann hat das Sagen, die Frau hat die Klappe zu halten! Wir sehen dieses verrutschte Bild selbstverständlich bei Übergriffen auf unsere Frauen, wie z.B. in Köln geschehen. Frauen werden nicht ernst genommen, die Arbeit einer Lehrerin für Deutsch tut sich schwer, Gehör und Akzeptanz zu finden. So ist es, wie ich von befreundeten Pädagogen erfahren habe und es dürfte schwer sein, dass in den Griff zu kriegen, so lange der „Guru Papa“ in der Familie das Sagen hat und seinem Sohn die klare Ansage gibt, „Du hast auf Frauen nicht zu hören.“

Doch ich habe auch sexuelle Übergriffe von Frauen auf Männer erlebt und die sind weiß Gott nicht besser. Wenn man denkt, der Mann könne sich leicht wehren, so stimmt das nicht immer. Es gibt Mütter, die ihre Söhne missbrauchen und Frauen, die ihre Partner demütigen und verprügeln. Jegliche Art von emotionaler und sozialer Verrohung ist leider auch an der Tagesordnung, wenngleich nicht Usus.

Männer haben – lange nach der Neandertaler-Zeit – immer noch die Jagd-Gene in ihrem Blut und sind hormonell bedingt mit mehr Testosteron ausgestattet als Frauen. Das ist ihre Natur, die allerdings nicht gestattet, dass sie sich an weiblichen Personen vergreifen.  Was manchen Mann zu einem dummgeilen Stier werden lässt, habe ich mich auch schon gefragt und immer wieder kopfschüttelnd vor dem Internet gesessen und mich gewundert, wie leicht die Herren auf rein optische Reize reagieren und wie entblößende Brüste sie anscheinend zu abspritzwilligen Hengsten macht, obwohl die Dame offensichtlich strunz doof ist. Ein wenig Contenance, ein bisschen mehr Verstand, mehr Respekt und einen Keuschheitsgürtel für den Schwanz?! Tja, lieber Pierre, wir können die Welt leider nicht wirklich ändern und alles glatt bügeln, was faltig ist, aber wir können sorgsam darauf hinweisen, dass oberstes Prinzip eines generellen Zusammenlebens und des gemeinsamen Lebens der Geschlechter wäre, sich zurückzuhalten und gegenseitige Ehre zu zeigen. Weinstein und #metoo ist ein Skandal, zweifellos!

 

 

Lieben Gruß nach München,

 

Petra

© Petra M. Jansen

 

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Liebe Petra,

es sind hier vier Aufsätze, die ich den Frauen gewidmet habe. Der Fall Harvey Weinstein bewegt noch viel mehr Dinge als einen unmöglichen sexistischen Vorfall, es ist der Anlass, uns über die Gesellschaft Gedanken zu machen. Wie konnte es sein, dass man die Augen über solche Machenschaften einfach geschlossen hielt? Dass man gewähren ließ?

Männer, kommt mir nur nicht mit dem Argument, dass die Frauen euch anmachen und dass ihr nicht anders könnt, als sie zu vernaschen. Um dieses Problem zu lösen, hat Mohammed einfach die Frauen, unter Burkas verschanzt, um sie so unattraktiv wie möglich zu machen. Er dachte, dass somit die Männer nicht sündigen würden. Wenn er glaubte, dass dieses Weinstein verhindert hätte seine Show abzuziehen, würde er sich gewaltig irren – also wurde die Express-Ehe erfunden, die nicht länger als die Zeit des Beischlafs dauern sollte. Nach Erledigung des Geschäftes kommt die Express-Scheidung zum Zuge und dann ist theologisch alles in Ordnung, was den Koran angeht, glauben „die Ficker“. Wer aber sich mit dessen Schriften befasst, wird schnell erfahren, dass der Respekt der Frau an erster Stelle steht und dass solch ein Verhalten nicht zu bewilligen ist, schon aus der Tatsache, dass man keine potentielle Mutter derart behandeln darf. Diese so wertvollen Spuren werden sehr oft übersehen. Wer sich als fromm darstellt, sollte sich jedoch daran halten. Also gab es auch in Arabien eine Menge Weinstein!

Soziale Gleichheit zwischen Mann und Frau hat nichts mit der Anpassung zu tun. Was die Menschen so interessant macht, ist die Vielseitigkeit. Es geht hier darum, dass jedes Geschlecht das Recht haben soll, sich so zu entfalten, wie es die Natur vorgesehen hat. Trotz jeder Art von genetischen Manipulationen, wird der Mann kein Kind in seinem Bauch tragen und dann gebären. Es soll seine Rolle spielen, wie seine Frau auch. Wenn ich den Satz höre, dass wer anschafft, das Sagen hat, fühle ich mich dabei nicht wohl. Umso mehr, dass es heute völlig normal ist, dass eine Gattin arbeiten geht und wo steht es, dass der Rüde in der Tierwelt die Führung hat? Von Gattung zu Gattung ist das sehr verschieden und ein Grund mehr, keinen Machtkampf durchzuführen, der ohnehin in die Hosen geht. Für mich ist die Ehe eine Partnerschaft, bei der jeder seine Freiheit haben sollte. Es würde mir nicht einfallen meiner Frau zu diktieren, was sie machen soll und das Gleiche gilt für mich. Vielleicht der Grund, dass wir 47 Jahren zusammen sind? Mit der Sklaverei kann das nicht klappen. Es ist für mich selbstverständlich, dass jeder sein Meister ist. Und ihr? Wie treibt ihr es? Ich befürchte, dass ich nicht viele Antworten bekommen werde.

Menschen drängen gegen ihren Willen Dinge zu tun, die unwürdig sind, das ist für mich eine Art Sklaverei. Wer jeden Tag fürchten muss arbeitslos zu werden und damit in die Misere gedrängt zu werden, ist jemand dessen Seele zertrampelt wird. Er lebt in einer Scheinwelt, in der er glaubt, dass er nur durch eine komplette Anpassung überleben kann. Man schiebt ihm ab und zu Bonbons in den Rachen, um ihn bei Laune zu halten, aber in Wirklichkeit, ist er ein gesteuertes Wesen, das – solange er rentabel ist – aufrecht gehalten wird und dann, wenn er rostet, einfach zum Müll weggeworfen wird. Das ist die moderne Form der Sklaverei. Der Fall Weinstein hat gezeigt, mit welchen Methoden es möglich ist, Menschen zu demütigen, um sie gefügig zu machen. Hier wäre die Hauptaufgabe rund um den Globus, diese Umstände zu bekämpfen und das würde eine totale Infragestellung des Arbeitsrechts als Konsequenz haben.  Das würde auch bedeuten, dass der Faktor Arbeit wieder den ersten Platz einnehmen sollte, nicht das Kapital. Und vor allem, dass die Selbstbestimmung, keine leere Hülse mehr ist. Wie wäre das, Freunde?

Für mich ist so eine Art von Demütigung mehr als schmerzlich. Ich kann nur wünschen, dass der Fall Harvey Weinstein sich in seiner Auswirkung nicht nur im Rahmen des Sexismus begrenzt. In Amerika „made by Trump“, in es so, dass das Macho-Gehabe überall Oberhand nimmt und es kann nicht schaden, wenn Promis die Alarmglocke ziehen. Es geht hier auch um die Diskriminierung von Menschen anderer Hautfarbe, sozial abgehängte Familien –  kurzum darum, dass der finanzielle Erfolg nicht alles zulassen darf. In der Politik spielt das Benehmen eine imminente Rolle. Wenn die Sitten nachlassen, ist die Korruption in der Nähe. Hemmungen werden zugunsten der finanziellen Potenz über Bord geworfen und das war der Fall von Weinstein, der dachte, sich alles leisten zu können. Aber das Ganze wäre vergebens, wenn es nur eine Hollywood-Angelegenheit bleiben würde, die eher die Yellow-Press interessiert. Der Umgang mit den Waffen, das Benehmen eines Präsidenten, das alles gehört eng dazu. Es wäre zu hoffen, dass dies zu einer Besinnung Amerikas führen könnte. Wer sich unterdrücken lässt, trägt dazu bei, dass keine Grenzen mehr sichtbar sind.

 

In der Hoffnung, dass es dir gut geht,

alles Liebe aus München,

Pierre

 

//pm

Lieber Pierre,

definieren wir „Dogma“ mal als das, was es theoretisch bedeutet: Es ist eine feststehende Definition bzw. grundlegende Aussage, deren Wahrheitsanspruch unumstößlich ist und die – im religiösen Bereich – die göttliche Offenbarung, sowie die kirchliche Mission als wahr und real bezeichnet. Was einst von Menschen fiktiv erschaffen und niedergeschrieben wurde, sollte nun tatsächlich die absolute Wahrheit sein? Der gesunde Menschenverstand muss daran zweifeln, da gebe ich dir absolut Recht. Vor einigen Jahren begegnete mir anlässlich einer literarischen Veranstaltung ein griechischer Philosoph von Weltruhm. Ein hoch geachteter Mann mit einer eigentlich offenen Weltanschauung, sollte man meinen. Er betrachtete mich, drehte sich zu seinem Gesprächspartner und sagte ihm, ich sei eine Erscheinung des Teufels. Sein absurder Vorschlag, mich zur Reinigung sofort in ein griechisches Kloster schicken zu wollen, ließ mich wahrhaftig in Lachen ausbrechen. Solch einen Unsinn habe ich noch nie gehört und das wegen einiger Tätowierungen, die auf meiner Hand und auf meinem Arm sichtbar sind. Mit Verstand hat das nichts zu tun.

Religionen mögen dem einen oder anderen Frieden und Halt geben, aber die Kirche hat ausgedient. Der Verlust der Kirchenmitglieder ist in den vergangenen Jahren deutlich spürbar und das hat nicht unbedingt etwas mit Kirchensteuerersparnis zu tun. Was in unserer christlichen Religion gepredigt wird, hat nichts mehr mit dem realen Leben und dem Zeitgeist zu tun und interessiert viele nicht mehr. Ganz anders sieht es im Islam aus, da geht es in Richtung Fanatismus und Terror, steht aber eigentlich nicht im Sinne des ursprünglichen gewaltfreien Islam. Religionen werden als D(r)eckmantel missbraucht und immer steht eine aggressive und territoriale Gesinnung der Menschen dahinter.

Ich bin ohnehin kein Freund von Dingen, die vordergründig erst einmal Fakt sind und somit nie hinterfragt werden sollen, dürfen. Alle Tatsachen bedürfen der Prüfung auf Wahrheitsgehalt und der Überlegung, ob es klug ist, welche Folgen es haben wird oder in welche Richtung es weist. Was auch immer deinen Freund bewegt haben muss, nicht von seiner starren Meinung abzurücken, nenne ich Gehirnwäsche. Helfen kann man weder ihm noch meinem Griechen, der sich von mir abwandte, weil ich in seinen Augen dämonisch war. Weit entfernt davon… aber es macht keinen Sinn, jemandem diesen Irrsinn auszureden. Bleiben wir also besser beim gesunden Menschenverstand und erfreuen wir uns an der Tatsache, dass die Heilige Jungfrau Maria auch gevögelt hat, wie wir alle.

 

Einen lieben Gruß aus Frankfurt,

Petra

 

© Petra M. Jansen

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Liebe Petra,

in den bewegten Zeiten, die wir durchmachen, hier ein Problem was mich sehr bewegt. Ich werde nicht so weit gehen wie damals Altkanzler Schmidt, der vor Menschen mit Visionen seine Scheu hatte, aber  so Unrecht hatte er nicht.

Vor einigen Tagen führte ich mit einem sehr engen Freund eine Debatte über das Dogma. Er geht vom Prinzip aus, dass es im Leben Regeln gibt, die unbedingt eingehalten werden müssen, vor allem bei der Religion. Als gläubiger Mann akzeptiert er das Dogma, ohne es zu hinterfragen, da es ein Gesetz Gottes ist und da er immer Recht hat, darf man daran nicht zweifeln. Ich bin immer erstaunt, dass so ein intelligenter und kultivierter Mensch solch eine Ansicht vertritt und antwortete ihm, dass es mein gutes Recht sei zu hinterfragen, aber das schien ihn nicht zu begeistern. Als nicht gläubiger Mensch könnte ich das nicht verstehen, sagte er mir. „Ich glaube an Gott und an Christus“, antworte ich ihm. Soll das bedeuten, dass ich meine Neugierde abschalten soll und jede Frage außer Acht lassen, mit dem Argument, dass sie nicht zulässig sei? Solch eine Auffassung erschreckt mich schon, denn in ihr steckt der Geist des Totalitarismus, der keinen Widerspruch akzeptiert. Ich denke, dass solch eine Denkart den Religionen schadet, weil sie durchaus in der Lage sind zu argumentieren – nur in der Debatte können sie lebendig sein. Alle Fragen über das Dogma zu unterlassen, ist brandgefährlich, denn das würde bedeuten, dass das Christentum zum Beispiel, nicht in der Lage sei, gesellschaftliche Entwicklungen zu berücksichtigen. Sie werden ganz einfach verworfen, weil sie unangenehm sind. Als ich ihn fragte, ob Gott selbst das Dogma festgelegt hätte, wurde es ihm unangenehm. Er sprach von den Vätern der Kirche, die schon wüssten, was sie angeregt hätten. Also war es nur eine Interpretation, eine von den Menschen festgelegte Regel, die natürlich auch einen politischen Hintergrund hatte, die vor allem das Ziel hatte das Volk ruhig zu stellen und die Menschen zu Knechten zu machen. Es ist erschreckend, wie viel Blut im Namen der Dogmen geflossen ist und schon aus diesem Grund, kann ich sie nicht dulden, da sie oft dem Evangelium widersprechen und das ist für mich die alleinige Referenz. Übrigens… mein Freund plädiert vehement für die Demokratie, für die Freiheit der Völker, für die Emanzipation durch die Kultur, für das Wissen, aber da denkt er anders. War es seine Erziehung? Ein Zeichen der Unterwerfung? Ich habe Mühe es zu glauben, aber wenn es ihm hilft, soll er daran sich halten!

Da mancher Politiker sich für Gott hält, baut er sich ein Dogma, an dem sich das Volk halten soll, sonst ab mit der Rübe. Was ich so salopp beschreibe ist leider die Regel in zahlreiche Nationen, aber auch der Terrorismus lässt sich davon beflügeln. Wer sich zum Beispiel nicht an die, von den Islamisten interpretierten Versen hält, gehört zur Schar der Ungläubigen und wird als Freiwild bezeichnet. Das bedeutet, dass diese Menschen „im Namen Allahs“ eliminiert werden können und das ist ein eklatanter Missbrauch des Korans. Dies zeigt wie ein Dogma entstehen kann und dass er feindliche Hintergründe verbirgt. Das war auch der Fall bei der Inquisition, die vor allem einen politischen Hintergrund hatte. Es ist eine sehr effiziente Methode, Macht mit Hilfe der Religion auszuüben. Eigentlich sind Dogmen ein Widerspruch zur Demokratie, das passt einfach nicht zusammen und ist auch ein Gegensatz zur Aufklärung. Dogmen schüren den Fanatismus. Es ist ein Trug zu glauben, dass sie menschlich sein können. Die schreckliche Blutspuren, die der Terrorismus hinter sich lässt, sollten uns nachdenken lassen, ob wir sie wirklich brauchen, um ein Zusammenhalt der Gesellschaft zu garantieren. Ich denke, keineswegs. Das bedeutet nicht, dass ich für eine gesetzlose Gesellschaft plädiere, aber ich verlange, dass mir das Recht eingeräumt wird, sie in Frage zu stellen. Die Französische Revolution hat gezeigt, wie weit es gehen kann, wenn das Volk geknechtet wird und die Wut, die daraus entstanden ist, hat den Terror geschürt. Die Dogmen des alten Regimes hatten die Untertanen wie Vieh behandelt und das mit Duldung der Kirche, die sich im Gegensatz zum Evangelium, den Pharisäer ergeben hatten. Wer vor 1789 religiös eingestellt war, musste den König als Halbgott betrachten und jeder Widerspruch wurde als Sünde eingestuft. Mit diesem Beispiel kann man gut sehen, wie der Missbrauch durchgeführt wurde und das hat – mit Verlaub – nichts mit der Passion Christi zu tun. Das ist schierer Absolutismus und daher nicht annehmbar. Man sieht hier, dass nicht alleine der Islam in solch eine Rolle gestupst worden ist, die theologisch nicht vertretbar ist. Das gilt auch für die rechtsextremistische Evangelikale in den USA, die die Schwarzen als minderwertige Rasse empfinden. Das hat zu einer Lynchjustiz geführt und das im Namen der Dogmen. Verwerflich!

In diesem Sinn, liebe Petra. Die Politik und die Schmerzen quälen mich zurzeit sehr.

Ich umarme dich.

Alles Liebe,

 

Pierre

//pm

 

Lieber Pierre,

es sind die Gedanken an Freude, Glück und an ein gesundes Leben, die wir uns zum Jahreswechsel gegenseitig wünschen. Was soll Reichtum und Wohlstand bedeuten oder auch ein sicherer Job, wenn du krank bist und dich nicht bewegen kannst? Verschlissen durch deine Arbeit oder durch deine eigenen psychischen Belastungen? Nur ein gesunder Mensch steht morgens auf und freut sich auf einen spannenden Tag und nur ein gesunder Hund wedelt seinem Herrchen freudig mit dem Schwanz entgegen. Ansonsten sitzt er in der Ecke und frisst nichts. Bist du gesund, steht dir die Welt offen und die Gesellschaft umarmt dich, gibt dir einen sinnvollen Platz in der sozialen Welt. Streikt dein Körper, streikt dein Mut und du fühlst dich ausgemustert, wertlos, überflüssig. Doch dein Geist gibt nicht auf, arbeitet bis zum letzten Atemzug – vorausgesetzt du leidest nicht an Demenz. Ich stelle mir das sehr schwierig vor, alt zu werden und nicht umsonst gibt es den Satz „Zum Altwerden gehört Mut“, „Altwerden ist nichts für Feiglinge.“

Nehmen wir den klassischen Arbeiter, der in der Gehaltsstufe eher unten angesiedelt ist, dafür aber schleppen und schippen darf bis er im Rücken steif ist und unbrauchbar für die Welt, in der Geld mehr Glanz und Gloria innehat als ethische Werte. Alle schaffen für´ s liebe Geld, das – gestaffelt in Kompetenz und Hierarchien – von oben nach unten sortiert. Der Obere schafft für´ s Geld des Investors, den die ganz unten stehenden Ameisen einen Scheiß interessieren. Er gibt Druck an den Rangnächsten, der ihm untergeordnet ist und dieser wiederum an die Ameisen, die fleißig den Haupthaufen wegarbeiten. Und diese emsigen Kleinen reden sich auch noch ein, es sei der „Beruf, für den man alles gibt, den man lebt und glücklich sei, wenn der Rubel des Obergurus rollt. Der Oberguru sitzt derweil auf den Seychellen, schmaucht Pfeife, rührt in seinem Drink und vögelt eine schmucke Dame, die mindestens 25 Jahre jünger ist. Wenn du nun zu den Ameisen gehörst, bist du in deinen goldenen 50-ern kaputt geschafft, drehst dich nachts schlaflos um deine eigene Achse und knirschst bei jeder Bewegung. Doch der Kopf arbeitet stets weiter, du träumst immer noch von dem großen Coup, der Beförderung und der Entschleunigung deines täglichen Rotierens. Fehlanzeige! Der Körper streikt, du bist Alteisen und darfst die Hand aufhalten, wenn die monatliche Kohle vom Amt kommt. Dein Kuchen krümelt ein wenig, aber wen kümmert´ s? Sei immer schön bescheiden und habe stets Angst vor dem innerlichen Aufstand, die dich deinen Job kosten würde. Malochen, rackern, fleißig sein. Irgendwann bist du alt, der Rollator dein Begleiter und du hoffst, dass die Rente dich über Wasser hält. Klar, wenn du gesund wärst, könntest du einen 450-Euro-Job machen, aber… das Skelett macht nicht mehr mit.

Lieber Pierre, kleiner Trost: Es geht uns ausnahmslos allen so. Sei sicher, dass es auch diejenigen trifft, die ganz oben in der H(K)ackordnung stehen und sich auch mit Sicherheit ein besseres Leben ermöglichen konnten. Aber irgendwann werden auch sie krank und brauchen Hilfe. Sie haben alles erreicht und vielleicht ergattern sie einen der teuren, begehrten Plätze im betreuten Luxus-Appartement-Wohnen mit Pflegepersonal, das Deutsch spricht. Vielleicht aber auch nicht. Und was dann? Dann geht bekanntermaßen kein Cent mit in ihr Grab, kein Euro tröstet über die Tatsache, dass auch sie gebrechlich werden und das Zeitliche segnen. Ihre Kids profitieren garantiert und werden schon im Säuglingsalter angehalten, dem Konsum zu frönen, n u r nach dem Verdienst zu schauen (schließlich dreht es sich nur darum, damit du deine Kohle wieder für irgendeinen Schmodder re-investieren kannst) und schon beginnt ihr Kreislauf in einem System von Gedeih und Verderb.

Schmerzen hin, Schmerzen her…es ist Fakt, dass Menschen, die einer Extrembelastung ausgesetzt sind oder waren, krank werden, körperliche Leiden und – durch die Welt von Schnelllebigkeit und Stressfaktoren – zunehmend psychischen Schaden erleiden, weil niemand standhalten kann. Wir haben derart beschleunigt, die Produktivität stetig erhöht und alles soll sich kontinuierlich weiter in die Höhe schrauben. Das geht nicht, das kann nicht klappen und das wird es auch nicht. Wer immer nur hochschaut, kriegt´ s  im Genick und wer immer nur hochsteigt, kann runterfallen. Nimm also dein Leben und lass auch mal los, suche den Sinn in deiner Zeit und sei stolz auf deine Qualitäten. Ändere zur Not deine Gewohnheiten und wenn es sein muss, stell alles auf den Kopf und wage, was du dir sonst nie erlaubt hättest. Der Kopf redet sich oft gut, was dein Körper als Notbremse signalisiert. Tust du das alles nicht, wird der Schmerz dein weiterer Begleiter sein. Er begleitet etwas in dir und tut das so lange ohne Schonung bis du endlich tot bist. Erst dann schonst du gezwungenermaßen etwas, was schon lange deine Aufmerksamkeit, Verarbeitung und Schonung verdient hätte. Jetzt! hast du genug Zeit dafür und Geld ist hier so unwichtig wie der Furz einer Weinbergschnecke.

                

Meine allerbesten Wünsche,

Petra

© Petra M. Jansen

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Liebe Petra,

wie du weißt, bin ich ein Schmerzpatient geworden. Um mein Leiden besser zu überstehen und zu verstehen, schreibe seit vorigem Sommer Einträge in mein Tagebuch, hier zwei Ausschnitte davon:

Die Schmerzen sind ehrlicher als die Menschen. Sie verstecken sich nicht unter einer falschen Identität oder suchen nicht das Weite in den Untergrund, sie sind einfach da. Sie haben mir gesagt, dass sie ungerecht behandelt werden. Warum soll man sie vernichten? Ich sagte ihnen, dass Lebenswesen sie ganz einfach nicht goutieren, weil sie sich ganze Zeit in den Weg stellen. „Wenn du meinst, dass es angenehm ist mit solchen Schmerzen zu gehen, verstehst du nichts von unserem Leben!“ „Vergiss nicht, dass wir dazu gehören. Wir sind nur da, um Alarm zu schlagen.“ Das war natürlich, was ich nicht hören wollte, aber das gehört zur Ehrlichkeit. Bei vielen Krebsfällen kommt er zu spät, oft ist dann der Tumor nicht mehr zu operieren und ich muss daran denken, wenn ich wieder kahlköpfige Kids in den Gängen des Krankenhauses sehe. Es gibt Krebsarten, die keinen Schmerz erzeugen. Wie kann man darauf kommen, dass diese schreckliche Krankheit uns heimsucht? Die Müdigkeit? Das schlapp sein? Aber das ist nicht unbedingt ein Zeichen dafür. Ich würde daher empfehlen, jedes Jahr einen Besuch beim Arzt als Kontrolle zu machen. Eine Freundin von uns hat nur einmal darauf verzichtet – dann wurde Brustkrebs festgestellt, mit den bösesten Perspektiven. Man gab ihr nur noch ein paar Monate zu leben, etliche Jahre sind seither Gott sei Dank vergangen, aber solche Fälle sind die Ausnahme. Durch die Schmerzen kann ich nicht anders kann, als mich pflegen zu lassen. Es wäre mir lieber, wenn ich darauf verzichten könnte, aber so habe ich mich besser kennengelernt. Dieses Missgeschick hat meinen Charakter gefestigt, dafür bin ich dankbar, auch wenn sich dies merkwürdig anhört. Ich habe auch gelernt jede Winzigkeit zu goutieren und sie als ein Geschenk zu betrachten. Die Aufnahme der schönen Dinge hat sich grundlegend verändert. Es muss nicht das Eldorado sein, schon ein wenig Fürsorge macht mich glücklich. Vielleicht ist das die beste Waffe, um meinen Freund – den Schmerz – ertragen zu können? Jetzt Schluss für heute, ich muss zu Bett, auch wenn ich mich manchmal davor fürchte, weil der Schmerz mich auch da nicht los lässt.

Seit einigen Tagen interpretiere ich bildlich meine Schmerzen für einen Film, den ich dieses Jahr noch mal drehen werde. Ich werde dort meine Gedanken auch durch Kollagen und Malerei ausdrücken. Zuerst dachte ich, dass alles düster werden würde, so penetrant wie meine Schmerzen sind und doch es kam etwas anderes raus. Ohne die Realität zu ignorieren, wirken die ersten Malereien fast heiter. Ich entdeckte dabei, dass ich es nicht schaffe, Traurigkeit zu verkünden, aber sehr viel mehr die Hoffnung und den Optimismus, die viel tiefer in mir verankert sind, als ich es dachte. Bedeutet das, dass zwischen den qualvollen Momenten, die Sonne immer wieder scheint und dass das Leben letztendlich siegen wird? Ich dachte, dass ich alles mit den Worten ausdrücken könnte und doch geht es mit der Malerei anders. Nicht, dass ich meinen Intellekt ausgeschaltet hätte, aber die Gedanken, die ich spontan zeichne und male, kommen direkt von der Seele, ohne filtriert zu werden. Man spricht vom spontanen Schreiben? Exakt. Ich habe schon öfter dieses Phänomen erlebt, aber am Ende fängt man doch an zu korrigieren, die Wiederholungen einfach zu vermeiden, das richtige Wort zu suchen. Aber es ist fast unmöglich ein Bild derart spontan zu ändern. Man würde die Wunden sehen und oft würde die Spontanität fehlen. Ich verwende  den Begriff „Art Brut“, um zu erklären was ich tue. Ein Stil, der mit genialen psychisch Kranken als therapeutische Methode entwickelt wurde. In Lausanne befindet sich eine herrliche Sammlung, die in ihrer Art einzigartig ist. Zuerst war ich verwundert, dass ich an meinen Stil von vor 36 Jahren anknüpfte, was ich sehr seltsam finde. Einmal als ich die Hemmungen loswerden konnte, fand ich wieder meine damalige Technik und fühlte mich wieder fit, mit dem Pinsel oder der Kollage zu werkeln und die Tatsache, dass ich mich wieder so ausdrücken kann, habe ich dem Schmerz zu verdanken, deshalb werde ich ihn nie verdammen, auch wenn ich manchmal Lust hätte es zu tun. Und jetzt möchte ich allein mit mir, diese Wonne genießen. Ich empfinde so viel Freude, mich dabei wieder neu gefunden zu haben, damit könnte ich noch lange leben. Ich habe keinen Champagner zu Hause, aber – da ich fast ganze Zeit im Virtuellen wandere – werde ich die Korken knallen lassen. Bis Morgen in ganzer Frische!

Petra, du bist noch jung. Passe auf, dass du nicht meinem Beispiel folgst. Bleibe frisch und fröhlich. Das ist mein innerster Wunsch!

Ich umarme dich und sende die alles Liebe aus München.

Pierre

//pm