Wie bei jeder Seuche, die Weltgeschichte schrieb: Erst seit wenigen Jahren weiß man, dass es das Pest-Bakterium Yersinia pestis war, das ab 536 das Byzantinische Weltreich und den Nahen und Mittleren Osten entvölkerte. Die Krankheit, der bis zu 50 Prozent der Bewohner zum Opfer fielen, verurteilte die Rückeroberung Westroms zum Scheitern und bereitete dem Siegeszug des Islam den Weg. Wieder sahen die Menschen Gottes Hand im Spiel. Inzwischen haben Wissenschaftler erkannt, dass schwere Vulkanausbrüche die Durchschnittstemperatur auf der Erde dramatisch senkten. Hungersnöte und Kriege taten ein Übriges zur Ausbreitung der Seuche.

Ähnlich folgenreich wurde der ebenfalls von Yersinia pestis verbreitete “Schwarze Tod”, der 1347 von der Krim, einem Endpunkt der Seidenstraße, nach Europa gelangte und mindestens ein Drittel der europäischen Bevölkerung dahinraffte. Diesmal zerstörte die Pest die mittelalterliche Feudalordnung, denn mit ihren Opfern raubte sie dem Rittertum die Arbeitskräfte.

Seit es den Menschen gibt, wird er von Viren heimgesucht. Das Pocken-Virus zum Beispiel macht schon den alten Ägyptern Probleme. Die Mumie von Pharao Ramses dem Fünften hat: Pockennarben. Das Virus soll auch Goethe, Mozart, Haydn und Beethoven befallen haben und Ludwig der XV. und Zar Peter der II sogar dahingerafft haben. Im 15. und 16. Jahrhundert stirbt jedes zehnte Kind an Pocken. Nur wenn die Kinder das Virus überstehen, zählt man sie überhaupt zur Familie. Über 400.000 Menschen fallen jedes Jahr den Pocken zum Opfer (daserste.de).

Ein besonders unberechenbares Virus: das Grippevirus Influenza. 1918 tötet die „Spanische Grippe“ geschätzt 50 Millionen Menschen (wikipedia.org) – mehr als der gerade überstandene Erste Weltkrieg. Mangelnde Hygiene, enge Schützengräben, verwundete und schwache Menschen, die aus aller Welt zusammenkommen – all das sind Faktoren, die dem Virus helfen, sich schnell auszubreiten und Millionen zu infizieren. Eine ähnlich schwere Epidemie hat es seitdem nicht mehr gegeben – doch gerade das Grippevirus birgt ein hohes Risiko: Es verändert sich ständig, kombiniert sich genetisch neu.

Einen Zusammenhang zwischen der äußeren Umwelt und dem Auftreten von Krankheiten erkannte schon Hippokrates im 5. Jahrhundert v. Chr. (bpb.de) in seinem Buch „Lüfte, Gewässer, Orte“. Er beschrieb unter anderem den Einfluss des Wetters, der Wasserqualität und der Wohnsituation auf die physische und psychische Gesundheit. Die Grundidee der Epidemiologie ist somit so alt wie die Medizin selbst. Allerdings vermutete Hippokrates damals Miasmen (giftige Ausdünstungen des Bodens) als Auslöser von Infektionskrankheiten; eine Theorie, die noch bis ins 19. Jahrhundert verbreitet war und – trotz falscher Grundannahme – vielen Menschen durch Isolations- und Hygienemaßnahmen das Leben rettete.

Das Gefährdungspotenzial einer Krankheit für die globale Gesundheit abzuschätzen, ist auch in Zeiten von Corona keine leichte Aufgabe. Gefahr geht nicht nur von den direkten gesundheitlichen Auswirkungen einer Krankheit aus; auch die Begleiterscheinungen – wie Panik, soziale Unruhen und wirtschaftliche Folgen – tragen zur Gefährdung bei. In der subjektiven Wahrnehmung wird die Gefährdung von stark symptomatischen, unbekannten und hochinfektiösen Krankheiten eher über- als unterschätzt.

Global gesehen, besteht in vielen Bereichen Grund zur Besorgnis. Aufkommende Medikamentenresistenzen sind schon jetzt bei Malariaparasiten, Tuberkulose-Erregern und MRSA (gefährliche resistente Keime) ein großes Problem.

Eindringen in unberührte Naturgebiete und die Rodung der Regenwälder sowie der damit verbundene Kontakt von Mensch und Tier bieten Übertragungspotenzial für bisher unbekannte Zoonosen. So sind vor allem Fledermaus- und Nagetierarten Reservoir diverser humanpathogener Viren, oder solchen, deren Gene humanpathogenen Viren ähnlich sind.

Und eine Fledermaus soll ein Verdächtiger für den Ursprung von Corona sein.

 

 

Was haben Sie am 8. Dezember 1985 gemacht? Damals, als man Kanzler Kohl für eine vorübergehende Erscheinung hielt (nzz.ch), als Claude Simon den Literaturnobelpreis erhielt, Modern Talking unsere Ohren mit “Cheri Cheri Lady” quälte und der siebzehnjährige Boris Becker Wimbledon gewann? Manche wissen genau, was sie an diesem Sonntag um 18:40 Uhr taten: Viele saßen vor der Glotze und führten sich die erste Folge der “Lindenstraße” zu Gemüte.

1.757 Folgen kamen danach, viele haben kaum eine verpasst. Nun, an diesem Sonntag, soll alles ein Ende haben. Herzlose Programmmacher der ARD haben beschlossen, einer fast 35 Jahre alten Institution den Garaus zu machen. Alle Proteste nutzten nichts; die Sonntage werden künftig leere Sonntage sein. Wohin, fragt man sich, mit unserer Sehnsucht nach Verlässlichem? Denn die “Lindenstraße” gab Halt im Chaos, sie ließ uns hoffen, dass nicht alles dem Untergang geweiht ist.

Das war nicht anders bei “Dallas”, “Denver Clan” und anderen Soap Operas. Was treibt uns da an?

Im Grunde bieten uns Fernsehserien die Möglichkeit, in das Leben fiktiver Figuren einzutauchen, sie täglich oder wöchentlich zu erleben und sie sehr gut kennen zu lernen. Anders als bei Filmen von knapp 2 Stunden Länge werden wir durch eine Serie dauerhaft, manchmal über viele Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg, ein Teil dieser Welt, die zwar nicht real ist, sich aber oft so anfühlt. Wir können mit den erfundenen Charakteren lachen und weinen, sich mit ihnen freuen und mit ihnen leiden. Das ist schön und spannend, aber eben mitunter auch belastend.

Auf jeden Fall kann eine Serie viele Emotionen wecken und zu einer Art Hobby werden, manche vergleichen es gar mit einer Sucht. Hier muss der Zuschauer aufpassen, dass er oder sie sich nicht zu sehr von den fiktiven Geschehnissen vereinnahmen lassen und die Grenze zwischen Realität und Fiktion dadurch verwischt wird. Das passiert nur in Ausnahmefällen …

Wer Fernsehserien als Selbstverständlichkeit in den Alltag integriert, spürt die physiognomischen und mentalen Veränderungen seiner Helden nur unmerklich – so wie man sich selbst unbeirrt als forschen Draufgänger sieht, der ohne Haartönung und Rheumapflaster auskommt. Serien-Nerds kommen mit Alterungsphänomenen gut zurecht. Besser als der Erzähler in Marcel Prousts Roman “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit”. Der trifft nämlich in einer Schlüsselszene nach langer Zeit alte Weggefährten wieder, an denen – zu seinem Entsetzen – die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen ist.

Serien oder – modern ausgedrückt – Staffeln bieten durch ihre Beständigkeit ein Stück Sicherheit oder geben uns die Möglichkeit, eigene Hoffnungen und Wünsche auf fiktive Figuren zu projizieren. Letztlich bietet eine Serienwelt diesen einen Vorteil gegenüber der Realität: Sie weist nicht zurück. Man ist mittendrin, sobald man einschaltet sitzt man in der “ersten Reihe”.

Früher stand das Kino auf Platz eins, dann kam der Fernsehfilm – und dann erst die Serie. “Dieser Wert hat sich um 180 Grad gedreht”. Heute entstehen Serien mit internationaler Besetzung – für ein internationales Publikum: “Es wird immer mehr wie im Fußball, wo man eine internationale Mannschaft aufstellt für ein Projekt“ (deutschlandfunkkultur.de, 16.02.2019).

Vielen Dank an alle Mitwirkenden der “Lindenstraße”. Sie ist über all die Jahrzehnte Teil unseres Lebens geworden. Viele, die harten Serienjunkies, werden sie vermissen.

Goodbye!

Solidarität und Zusammenrücken in einer Zeit, in der Abstand der höchstmögliche Schutz ist – das ist bei jedem mittlerweile angekommen. Was aber ist meine ehrliche Erfahrung in dieser erschütternden Zeit? Die besten Freunde, die ehrlichsten Freunde und die wichtigsten Freunde kommen nicht aus der virtuellen Welt und nicht aus den Reihen derer, die irgendwo anders auf diesem Planeten stets ihren üblichen Senf dazugeben. Meine Erfahrung der letzten Wochen hat mir sehr deutlich gezeigt, dass meine wirklich ernst gemeinten Ratschläge, die ich schon vorab (bedingt durch meine Arbeit) wusste und weitergegeben hatte, beim jeweiligen Empfänger eher in Unglauben oder eine Skepsis, ob ich denn überhaupt wüsste wovon ich spreche, erzeugt hatten. Als ich begann, frühe Informationen selektiert an „Freunde“ weiterzugeben, nahm man mich nicht ernst. Sie warteten auf die offizielle Bestätigung der öffentlichen Medien und das kam teilweise zeitversetzt mehr als Tage später. Dabei vergaßen diese Wenigen, dass WIR (und auch ich somit) Medien sind und einige Berufe mehr oder weniger zeitlich etwas früher informiert sind. Das hängt damit zusammen, dass in Berufen, die gerade jetzt helfend an der Front arbeiten und das Ding am Laufen halten müssen, bereits Informationsschreiben, Genehmigungen und Maßnahmen-Kataloge erhalten, die sie für weitere Schritte im Ernstfall ausweisen und – im Falle eine Ausgangssperre – den Weg für ein problemloses Passieren an eventuellen Barrieren/ Kontrollen freimachen. Zudem müssten bestimmte Berufsgruppen selbstverständlich für ihre Arbeit mit Schutzmaßnahmen und Schutz ausgestattet werden, damit sie selbst nicht erkranken und weiterhin helfen bzw. arbeiten können. Was passierte als ich dringend – wirklich sehr dringend – nur eine einzige Mundschutzmaske brauchte? Totalausverkauf, online wie offline! Ich suchte verzweifelt und danke noch heute einem Herrn, der direkt bei mir gegenüber wohnt und mir nicht eine sondern z e h n Masken in die Briefkasten warf. Das nenne ich echte Freundschaft in einer Notsituation, in der die sonst „besten Freunde“ bedauernd die Kopf schüttelten und sagten, sie hätten leider keine mehr (laufen aber selbst damit herum).

Auch ist es traurig, wenn man doch sehen muss, dass angebliche Freunde genau wissen, welche Leistung man derzeit täglich erbringt und mit welchem Risiko das verbunden ist. Wenn sie dann irgendwann in eine Art verbale Starre verfallen und es nicht als nötig erachten, einmal nachzufragen, wie es einem geht, ist das arg enttäuschend. Funkstille. „No words“ kommen in Krisenzeiten, wobei der täglich Plausch über Kaffee und Blödsinn auch sonst jederzeit möglich war. In Zeiten, in denen jetzt allgemein ernsthaftes Interesse an der Gesundheit gezeigt werden muss, ist es an mancher Stelle vorbei. Vielleicht genau bei denen, denen man helfen wollte und die nun das Gefühl haben, man wollte sie bevormunden. Vielleicht haben sie auch das Gefühl nutzlos zu sein, wenn sie sehen, dass andere sich täglich in den Kampf um Gefahrenabwehr, medizinische Versorgung, öffentliche Sicherheit und Lebensmittelversorgung kümmern. Ich weiß es nicht.

Eines habe ich aber gelernt: Der echte Freund wohnt direkt in deinem Umfeld. Der echte Freund ist deine Familie, die sich um dich sorgt und mitnichten der Quatschkopf, der auf deine Nachricht „Bleib gesund“ mit „Bleib geil“ antwortet. Auch das ist mir passiert in den letzten Wochen der Corona-Krise und ich habe die Schnauze gestrichen voll von Freunden, denen es egal ist, wie es einem geht, wenn man nicht jetzt gerade mal nicht mehr bereit ist, den lustigen Unsinn und oberflächliches Blabla von sich zu geben. Zugegeben, der Humor ist mir etwas abhandengekommen – aber wen wundert das, wenn man fünfzig Stunden und mehr arbeitet, um anderen Menschen irgendwie auf seine Art und Weise und im Rahmen der beruflichen Möglichkeiten zu helfen?

Ich denke, all diejenigen, die nicht begriffen haben, dass Freundschaft auch in Krisenzeiten aufmunternde Worte braucht und echte Unterstützung (auch durch Masken, die im Briefkasten landen), die können ihr Fehlverhalten auch nach der Krise nicht mehr gutmachen. Freundschaft zeigt sich eben doch genau in den Momenten, wo eine fühlbare Krise herrscht.

Mein Dank heute an all diejenigen in meinem direkten Umfeld, die Mut zusprechen, Positivität ausstrahlen, mir Brötchen an die Haustüre hängen (sogar anbieten, mit einer Liste für mich einkaufen zu gehen, weil ich einfach keine Zeit habe) oder einfach nur mal danach fragen, wie es einem geht. Dankeschön auch an einige meiner Ex-Lebenspartner für die Besorgnis und die Erkundigungen, ich weiß das sehr zu schätzen – es zeichnet euch als Mensch aus.

 

© Petra M. Jansen

 

http://literatourpoetictext.blogspot.com/

 

Der Mensch ohne Hoffnung,

leer, verlassen …

Was erwartet uns?

Keiner weiß es,

gestrandet an einsamer Küste.

Das Boot zerschellt,

die Wellen brechen.

Tosende Gischt, es ist kalt.

Horizonte sind weit,

nicht immer erreichbar.

Jedes Ende ist ein Anfang,

Sonnenuntergängen folgen

die neuen Tage.

Licht vertreibt das Dunkel.

Wärme steigt auf …

Gefangen in der Gegenwart.

Gestern ist vergangen,

das Morgen noch sehr weit.

Die kleine Insel, man ist sicher.

Wind, Rauschen der Blätter …

Vernunft ist uns geschenkt,

der Verstand überfordert.

Instinkte erwachen schnell,

treiben uns in Herden.

Wo führt das hin?!

Liegt das Wir denn wirklich

in sozialer Distanz?!

Heißt gemeinsam

zusammen allein fortschreiten?

Das Leben überdenken …

Werte sind verschoben.

Was gestern noch wichtig war,

heute kümmert´s vielleicht keinen.

Der Sinn des Ganzen,

erschließt er sich uns?

Jeder kennt Hans Christian Andersens Märchen vom Kaiser und seinen neuen Kleidern. Ein gieriger, selbstherrlicher Machthaber, der letztlich bloßgestellt wird, weil er nackt und beschämt vor seinem Volke steht. Ähnlich könnte es in Zeiten der Corona-Krise mit aktuell regierenden Populisten ablaufen. Trump, Erdogan, Bolsonaro, Putin – bloßgestellt als unfähig und selbstherrlich.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Denn was passiert, wenn Populisten nicht mit Scham, sondern mit Wut und Ignoranz darauf reagieren, bloßgestellt zu werden, war vor wenigen Tagen in Brasilien zu beobachten. Dort sollte der rechtsextreme Präsident Jair Bolsonaro eigentlich für zwei Wochen in Isolation sein. Denn nach einem Staatsbesuch in den USA waren 13 Mitglieder seiner Delegation, darunter Bolsonaros Kommunikationschef Fabio Wajngarten, positiv auf Corona getestet worden.

Bolsonaro schüttelte Hände, posierte für Selfies, umarmte Menschen. Und das als unmittelbare Kontaktperson zahlreicher Corona-Infizierter. Fahrlässiger geht’s nicht.

Die Corona-Krise entfacht eine bezeichnende Nebenwirkung: Sie greift das “zentrale Nervensystem” (sueddeutsche.de) des Populismus an. So wie im Märchen von des Kaisers neuen Kleidern stehen seine Leitfiguren politisch plötzlich ohne Hemd und Rock da. Ihre Destruktivität, Konzeptlosigkeit und Inkompetenz sind für jedermann sichtbar.

Die Kur, die Großbritanniens Brexit-Premier Boris Johnson vorschwebt, erinnert an spätmittelalterliche Quacksalber; diese predigten gern Selbstgeißelungen als Vorbeugung gegen den Schwarzen Tod, die Pest. Und US-Präsident Trump schiebt wie stets anderen die Schuld zu, nämlich der EU. Er sieht sinistre Kräfte am Werk, die US-Demokraten, und erzählt, was seinen Zwecken gerade dient.

Diesmal könnte der Erfolg ausbleiben. All das eigensüchtige Gebaren hat nur eines erreicht: Die USA, das Vereinigte Königreich, Brasilien verloren noch mehr wertvolle Zeit im Kampf gegen die Pandemie als andere.

Die USA in Zeiten des Coronavirus sind ein gutes Beispiel, warum Populismus gefährlich sein kann. Denn Trump hat die Epidemie von Anfang an nicht als Gesundheits-, sondern als “Public-Relations-Problem“ (welt.de) begriffen. Das Virus war für Trump eine Gefahr für sein Image und seine Wiederwahlchancen. Deshalb hat Trump das Problem und den wahren Ernst der Lage verschleiert, statt sein Amt dazu zu nutzen, die Bürger zu den nötigen Verhaltensänderungen aufzurufen, die eine Verbreitung des Virus verlangsamt hätten.

In den sozialen Medien kann die AfD in Deutschland nicht mehr wie gewohnt Themen setzen. AfD-Politiker Georg Pazderski versuchte es mit einer Polemik gegen junge Leute und speziell Fridays-for-Future-Aktivisten, da diese angeblich keine Rücksicht auf Risikogruppen nehmen würden. Dazu teilte Pazderski ein Video, in dem sich Jugendliche nacheinander einen Lutscher in den Mund steckten. Der Haken an der Sache: Das Video dieser „Lolli-Challenge“ stammt nicht aus Deutschland und ist bereits fünf Monate alt (tagesschau.de).

In der aktuellen Krise suchen die Menschen offenbar nach sachlichen Informationen und gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen statt nach populistischer Stimmungsmache und alternativen Fakten. Die Einschätzungen von Virologen und anderen Forschenden sind derzeit so gefragt wie nie. Zwar kursieren Falschmeldungen, doch die speisen sich eher aus Gerüchten.

Was wir gar nicht brauchen können, ist unqualifiziertes Propagandageschwätz …

Es war eine Frage der Zeit, wann die außergewöhnlichen Maßnahmen von Politik und Wirtschaft zur Eindämmung der Corona-Epidemie auch den Datenschutz betreffen. Nachdem das öffentliche Leben durch den Shutdown in Deutschland und der Welt stark eingeschränkt wurde, arbeiten Forscher mit ungewöhnlicheren Methoden zur Bekämpfung der Ausbreitung. Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts (RKI) haben nun von der Deutschen Telekom die Daten von Mobilfunkteilnehmern für die Zeit der Coronavirus-Pandemie bekommen. Der Grund: Die Forscher erhoffen sich dadurch Informationen über unsere Mobilität in Zeiten von Corona.

Wissenschaftler könnten mit den Informationen der 46 Millionen Mobilfunkkunden Bewegungsströme abbilden, um Prognosen über die Ausbreitung von Covid-19 in Deutschland zu treffen, sagte eine Telekom-Sprecherin (tagesschau.de). Die Informationen ließen sich auf Bundesländer, wie auch Kreisebene herunterbrechen.

Am Dienstagabend wurden einmalig und unentgeltlich Daten im Umfang von fünf Gigabyte an das RKI übermittelt. Ob es weitere Datenlieferungen geben werde, müsse sich noch zeigen. Ob Vodafone und Telefonica Deutschland künftig auch Daten zur Verfügung stellen, war zunächst unklar.

Das Verfahren zur Datenübergabe an das RKI wurde der Telekom zufolge zusammen mit den Datenschutzbehörden entwickelt und 2015 von der Bundesdatenschutzbeauftragten abgenommen. Es handelt sich demnach nicht um individuelle Informationen, sondern um Massendaten, die keine Rückschlüsse auf den einzelnen Nutzer oder auch Infizierten ermöglichen. Dies verbietet in Europa die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).

In Asien hingegen beobachten die Regierungen ihre Bevölkerung deutlich genauer. So werden in Südkorea GPS-Daten von Smartphones und Autos, Kreditkarteninformationen, Einreiseinformationen sowie Bilder von Überwachungskameras genutzt, um zu schauen, ob sich Infizierte an die strikten Kontaktregeln halten. Die Informationen werden teils auch öffentlich gemacht, damit sich andere Menschen mit Ansteckungsverdacht testen lassen können.

Solange in Deutschland anonymisierte und zusammengefasste Daten genutzt werden, besteht aus datenschutzrechtlicher Sicht kein Problem. Streng genommen handelt es sich nicht um persönliche Daten.

Es handelt sich um anonyme Standortdaten, anhand derer Bewegungsströme nachvollzogen werden können. Um die Anonymisierung zu gewährleisten, werden etwa bei der Erhebung mindestens 30 Datensätze zusammengefasst. Eine nachträgliche Personalisierung ist nicht möglich, ein sogenanntes Tracking Einzelner deshalb auch nicht. Die Telekom erhebt die Daten ohnehin (faz.net).

Sensibler als anonyme Standortdaten sind personalisierbare Daten, vor allem solche, die Auskunft über die Gesundheit geben. Wer derartige Informationen erhebt oder verarbeitet, muss sich der besonderen Verantwortung bewusst sein. Solange die Maßnahmen verhältnismäßig sind, steht der Datenschutz der Infektionsbekämpfung nicht im Weg.

Während andere Staaten den Datenschutz gerade vernachlässigen, besteht in Deutschland keine Gefahr der Datenschutzverletzung. Alle Lösungen lassen sich grundrechtskonform gestalten. Aus China, Südkorea und Israel hingegen wurde bekannt, dass Infizierte gezielt per Handyortung überwacht werden.

 

 

Warum eigentlich Toilettenpapier? Das fragt man sich in Anbetracht der Virus-Hamsterkäufe. Nudeln, Reis, Linsen, klar. Aber warum nicht Küchenrollen, Taschentücher oder Zahnpasta!? Zumal es an Wasser in den Badezimmern auch unter schlimmsten Quarantäne-Bedingungen nicht mangeln wird.

Was sagen die Toilettenpapierhamsterkäufe über die psychische Verfasstheit unserer Gesellschaft, über die der Deutschen? Muss man von einer analen Fixierung sprechen?

Man könnte mutmaßen, dass ganz Deutschland wegen einer Virus- Pandemie regrediert, dass das Land zurück auf das Entwicklungsniveau von Zwei- bis Dreijährigen möchte, also schnurstracks in die anale Phase. Vielleicht muss es das sogar, weil es inzwischen gar eine Zwangsstörung ausgebildet hat. Als ordnungsliebend, sparsam, penibel, starrsinnig und zwanghaft hat Freud (tagesspiegel.de) den analen Charakter beschrieben.

Was ist eine Krankheit? Die einfache Erklärung: Die Krankheit ist eine Tatsache. Sie ist das Wirklichste, was einem Menschen widerfahren kann. Die Krankheit, wie man so sagt, bringt ihn auf den Boden der Tatsachen zurück (zeit.de). Aus allen Bereichen der Politik, Ökonomie und Kultur auf den Körper. Zu seinem ohnmächtigen Zorn gegen die Natur oder gegen die Götter und vielleicht zu einer neuen Form der Demut. Die subjektive Antwort auf die unmoralische, unvernünftige und unästhetische Tatsache der Krankheit ist eine biografische und soziale Wahrheit. Die Wirklichkeit der Krankheit führt zu einer Wahrheit ihrer Subjekte. Es kommt, bei einer Person wie bei einer Gesellschaft, nicht allein auf die Krankheit an, sondern auch darauf, wie man mit ihr umgeht, wie man sie erträgt, wie man ihr begegnet, was sich durch sie verändert und was nicht.

Zweifellos ist der Umgang mit der Krankheit ein Reflex politisch-ökonomischer Grundeinstellungen. Zwischen “selbst schuld” und Unterstützung ist einiges möglich. Wenn wir nicht von Krieg oder Liebe erzählen, dann erzählen wir von Krankheit. Es ist das Dreieck dessen, was den Menschen immer noch unabdingbar an die Natur bindet: die Sexualität, die Aggressivität und die Krankheit.

Jede Krankheit hat eine mythische und vielleicht religiöse Transzendenz. Nicht nur, weil die Krankheit die Gegenwart des Todes im Leben ist, sondern auch, weil sie nach der Erklärung im Jenseitigen verlangt, die in der Welt der Tatsachen nicht zu haben ist. Krankheit muss Prüfung und Strafe sein, sonst ergibt sie keinen Sinn. Es wäre immer noch besser, die Götter hätten die Krankheit geschickt, als dass sie ihr gegenüber gleichgültig wären.

Das Eis der Zivilisation ist dünner, als wir im Alltag denken. Sobald etwas Ungewohntes, nicht sicher Einzuschätzendes passiert, bemerken wir, dass wir nicht wissen, wie lange es uns trägt. Überall herrscht Tauwetter. Wenn alle die Nudelregale stürmen, sichert man sich lieber auch seinen Anteil. Wenn alle mit Atemmasken rumlaufen, wird schon irgendwas dran sein. Entsprechend warnen Ökonomen bereits vor gefährlichem Herdenverhalten, das sich angesichts des schockierenden Anblicks leerer Regale immer weiter selbst befeuere.

Der Mitmensch wird in erster Linie als potenzieller Krankheitsträger wahrgenommen und nicht als jemand, den man theoretisch auch selber anstecken könnte. Abschottung verstößt gegen internationales Recht Doch nicht nur der Umgang von Menschen untereinander kann sich verändern. Epidemien könnten die Beziehungen zwischen Staaten verschlechtern.

Dabei gibt es ein ganz starkes Narrativ, das die Mitgliedsstaaten vereint: ein Erreger, der alle bedroht und den man gemeinsam eindämmen will und muss.

 

In Frankreich gilt seit Dienstagmittag eine Ausgangssperre. Wer seine Wohnung verlassen will, muss seither ein Formular mit sich führen. Dort müssen Name, Adresse, Geburtsdatum und der Grund für den Schritt vor die Haustür mit einer Unterschrift bezeugt werden. Erlaubt sind Einkäufe, Arztbesuche, die Unterstützung Hilfsbedürftiger, das Ausführen von Haustieren sowie sportliche Betätigung – allerdings allein und in der Nähe des Wohnorts. Auch Personen, die nicht von zu Hause aus arbeiten können, dürfen weiterhin an ihren Arbeitsort. Busse und die Metro verkehren weiter.

Rund 100 000 Polizisten und Gendarmen sind damit betraut, die Einhaltung der Ausgangssperre zu überwachen. Bei Verstoß können sie Bussen von zunächst 38 und später 135 Euro verteilen; das ist deutlich weniger als in Spanien oder Italien. Die Regierungssprecherin sagte am Dienstag, man setze zunächst darauf, dass die Präsenz der Polizisten eine disziplinierende Wirkung habe, ähnlich wie bei Geschwindigkeitskontrollen im Verkehr.

Freiheit in Schranken … Ein bisschen mulmig wird einem schon in solchen Situationen. Vor fast 71 Jahren wurde das Grundgesetz der Bundesrepublik verabschiedet. Seitdem genießen die Deutschen unabänderlich: die Freiheit, sich zu versammeln, ihre Religion auszuüben in Gottesdiensten, die Freizügigkeit, zu gehen, wohin sie möchten. All das wird nun eingeschränkt, so massiv wie nie zuvor.

1968 wurde das Grundgesetz geändert, um im Notfall, etwa “zur Bekämpfung von Seuchengefahr”, Grundrechte beschränken zu können. Notstandsgesetze hieß das und es stieß auf Widerstand. Steine flogen, Polizisten knüppelten und am 11. Mai protestierten 50.000 Menschen im Bonner Hofgarten vor der Universität. Die Wiese dort dient seit dem Wegzug der Regierung nach Berlin eher der Naherholung der Studenten.

Noch hat die Verbotsliste der Bundesregierung und der Bundesländer viele Ausnahmen: Daher sind weitere Verschärfungen in den kommenden Tagen denkbar, geradezu sicher – man blicke nur nach Frankreich, Italien oder Spanien. Da gibt es inzwischen richtige Ausgangssperren. Und nur eine bestimmte Anzahl Menschen darf gleichzeitig in die Märkte zum Einkaufen. Zustände, die ich nur von Erzählungen meiner Eltern und Großeltern aus der unmittelbaren Nachkriegszeit kenne.

Das alles will niemand, und es kann – wenn überhaupt – auch nur eine vergleichsweise kurze Zeit funktionieren. Seien wir also ehrgeizig: Wir müssen versuchen, es ohne noch mehr Verbote zu schaffen, indem wir bestehende Regeln endlich ernst nehmen. Ja, wir alle zahlen dieser Tage einen hohen Preis mit der Einschränkung unserer Freiheit. Einen deutlich höheren Preis zahlen aber alle die, deren wirtschaftliche Existenzen durch diesen Ausnahmezustand zerstört werden. Ihre Zahl wird umso kleiner sein, je kürzer dieser Zeitraum bleiben kann.

Wir sind im Krieg” (tagesspiegel.de) war das wohl bisher stärkste Bild, das in diesem Zusammenhang genutzt wurde, und es kam vom französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron. “Wir kämpfen weder gegen Armeen noch gegen eine andere Nation. Aber der Feind ist da, unsichtbar – und er rückt vor“, beschrieb er die Bedrohung, die durch das neue Virus entstanden sei.

Macron leitete damit eine weitere Verschärfung der schon bestehenden Restriktionen in seinem Land ein, nach Italien und Spanien gilt nun auch in Frankreich eine Ausgangssperre für die Bürger – unter anderem in Österreich ist das öffentliche Leben schon sehr stark eingeschränkt.

Es wirkt, als sei vielen nicht bewusst, um was es tatsächlich geht. Sollte sich das Virus unkontrolliert ausbreiten und je unvernünftiger die Menschen damit umgehen, desto wahrscheinlicher wird der Lockdown, werden die Kliniken bald an ihre Grenzen kommen. Niemand weiß im Moment wirklich, wie viele Menschen sich in Deutschland schon angesteckt haben. Die Fallzahlen hinken dem tatsächlichen Verlauf hinterher, die Dunkelziffer ist nach Ansicht der Fachleute enorm.