Wie bei jeder Seuche, die Weltgeschichte schrieb: Erst seit wenigen Jahren weiß man, dass es das Pest-Bakterium Yersinia pestis war, das ab 536 das Byzantinische Weltreich und den Nahen und Mittleren Osten entvölkerte. Die Krankheit, der bis zu 50 Prozent der Bewohner zum Opfer fielen, verurteilte die Rückeroberung Westroms zum Scheitern und bereitete dem Siegeszug des Islam den Weg. Wieder sahen die Menschen Gottes Hand im Spiel. Inzwischen haben Wissenschaftler erkannt, dass schwere Vulkanausbrüche die Durchschnittstemperatur auf der Erde dramatisch senkten. Hungersnöte und Kriege taten ein Übriges zur Ausbreitung der Seuche.

Ähnlich folgenreich wurde der ebenfalls von Yersinia pestis verbreitete “Schwarze Tod”, der 1347 von der Krim, einem Endpunkt der Seidenstraße, nach Europa gelangte und mindestens ein Drittel der europäischen Bevölkerung dahinraffte. Diesmal zerstörte die Pest die mittelalterliche Feudalordnung, denn mit ihren Opfern raubte sie dem Rittertum die Arbeitskräfte.

Seit es den Menschen gibt, wird er von Viren heimgesucht. Das Pocken-Virus zum Beispiel macht schon den alten Ägyptern Probleme. Die Mumie von Pharao Ramses dem Fünften hat: Pockennarben. Das Virus soll auch Goethe, Mozart, Haydn und Beethoven befallen haben und Ludwig der XV. und Zar Peter der II sogar dahingerafft haben. Im 15. und 16. Jahrhundert stirbt jedes zehnte Kind an Pocken. Nur wenn die Kinder das Virus überstehen, zählt man sie überhaupt zur Familie. Über 400.000 Menschen fallen jedes Jahr den Pocken zum Opfer (daserste.de).

Ein besonders unberechenbares Virus: das Grippevirus Influenza. 1918 tötet die „Spanische Grippe“ geschätzt 50 Millionen Menschen (wikipedia.org) – mehr als der gerade überstandene Erste Weltkrieg. Mangelnde Hygiene, enge Schützengräben, verwundete und schwache Menschen, die aus aller Welt zusammenkommen – all das sind Faktoren, die dem Virus helfen, sich schnell auszubreiten und Millionen zu infizieren. Eine ähnlich schwere Epidemie hat es seitdem nicht mehr gegeben – doch gerade das Grippevirus birgt ein hohes Risiko: Es verändert sich ständig, kombiniert sich genetisch neu.

Einen Zusammenhang zwischen der äußeren Umwelt und dem Auftreten von Krankheiten erkannte schon Hippokrates im 5. Jahrhundert v. Chr. (bpb.de) in seinem Buch „Lüfte, Gewässer, Orte“. Er beschrieb unter anderem den Einfluss des Wetters, der Wasserqualität und der Wohnsituation auf die physische und psychische Gesundheit. Die Grundidee der Epidemiologie ist somit so alt wie die Medizin selbst. Allerdings vermutete Hippokrates damals Miasmen (giftige Ausdünstungen des Bodens) als Auslöser von Infektionskrankheiten; eine Theorie, die noch bis ins 19. Jahrhundert verbreitet war und – trotz falscher Grundannahme – vielen Menschen durch Isolations- und Hygienemaßnahmen das Leben rettete.

Das Gefährdungspotenzial einer Krankheit für die globale Gesundheit abzuschätzen, ist auch in Zeiten von Corona keine leichte Aufgabe. Gefahr geht nicht nur von den direkten gesundheitlichen Auswirkungen einer Krankheit aus; auch die Begleiterscheinungen – wie Panik, soziale Unruhen und wirtschaftliche Folgen – tragen zur Gefährdung bei. In der subjektiven Wahrnehmung wird die Gefährdung von stark symptomatischen, unbekannten und hochinfektiösen Krankheiten eher über- als unterschätzt.

Global gesehen, besteht in vielen Bereichen Grund zur Besorgnis. Aufkommende Medikamentenresistenzen sind schon jetzt bei Malariaparasiten, Tuberkulose-Erregern und MRSA (gefährliche resistente Keime) ein großes Problem.

Eindringen in unberührte Naturgebiete und die Rodung der Regenwälder sowie der damit verbundene Kontakt von Mensch und Tier bieten Übertragungspotenzial für bisher unbekannte Zoonosen. So sind vor allem Fledermaus- und Nagetierarten Reservoir diverser humanpathogener Viren, oder solchen, deren Gene humanpathogenen Viren ähnlich sind.

Und eine Fledermaus soll ein Verdächtiger für den Ursprung von Corona sein.

 

 

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