Wer den Klimawandel nur auf das Phänomen der Erderwärmung reduziert, diskutiert am eigentlichen Thema vorbei. Es geht darum, soziale Ungleichheit und die ökologische Frage zusammen zu denken.

Es ist, mit anderen Worten, ein Kampf um den Boden, der hier geführt wird. Ein Kampf um die Erde zwischen widerstreitenden Interessen. Um diesen Kampf zu beenden, politisch, ohne Gewalt, muss ein anderes Verständnis von Welt entstehen, das mit einem anderen Begriff verbunden ist als dem des Globalen oder der ökonomischen Schrumpfform der Globalisierung: Es ist der Begriff des Terrestrischen (Bruno Latour, französischer Philosoph), womit die Einsicht gemeint ist, dass die Bedingungen des Lebens auf der Erde von den Menschen selbst geschaffen sind und es kein neutrales oder von außen beschriebenes Globales gibt.

Die Grünen stecken immer noch im Dilemma ihrer Geschichte fest, wenn sie nicht klarmachen, dass sie keine abstrakte Natur schützen wollen, sondern dass der Schutz der Umwelt damit zusammenhängt, eine andere Welt und vor allem ein anderes Wirtschaftssystem als den derzeitigen „Petrokapitalismus“ zu imaginieren und zu schaffen. „Das 19. Jahrhundert war das Zeitalter der sozialen Frage, das 21. ist das Zeitalter der neuen geo-sozialen Frage“ (Latour).

Eine liberale Demokratie gepaart mit einer kapitalistischen Marktwirtschaft – diese Kombination hat seit der Entwicklung bürgerlicher Gesellschaften im 17. Jahrhundert zu einer beispiellosen Zunahme des materiellen Wohlstands in den westlichen Industrienationen geführt. Lange hielt man dieses Tandem für selbstverstärkend: Materieller Wohlstand führe zur Entstehung einer Mittelschicht, die politische Freiheitsrechte fordere, welche dann wiederum demokratische Institutionen befördere. Der damit entstehende unternehmerische Geist sei zusammen mit dem Glauben an wissenschaftlichen Fortschritt imstande, den jeweils neuen Herausforderungen einer Gesellschaft zu begegnen und damit das Wohlergehen zu mehren.

Vieles an dieser Vorstellung ist in den vergangenen Jahren brüchig geworden. Wachstum schafft nicht notwendigerweise eine breitere Mittelschicht und wenn sie entsteht, fordert sie nicht zwingend mehr Bürgerrechte. Wachstum droht durch die daraus folgende Klimakrise die Grundlagen unseres Lebens zu zerstören, und das Versprechen, dem quasi automatisch mit technologischen Innovationen zu begegnen, lässt sich vielleicht nicht einlösen. Vielmehr scheinen die neuen insbesondere digitalen Technologien nur wenig zur Nachhaltigkeit beizutragen und sie können sogar die Spannungen innerhalb demokratischer Gesellschaften verstärken.

Was ist zu tun?

Alle Lösungen müssen auf folgende Ziele ausgerichtet sein: Nachhaltigkeit, Demokratie, individuelle Freiheit und Wohlergehen.

Was die Umweltpolitik betrifft, so haben sich marktbasierte Ansätze zur Eindämmung von CO2-Emissionen bisher als unzureichend erwiesen. Auf das unkoordinierte Eigeninteresse von Unternehmen und Konsumenten zu vertrauen, ist ebenfalls keine gute Idee. Die derzeit neu diskutierte CO2-Steuer kann eine wichtige Lenkungswirkung entfalten, ist aber letzten Endes nicht ausreichend.

Wir brauchen stattdessen einen Green New Deal, eine entschlossene, international koordinierte Industriepolitik. Wir müssen schnell auf eine klimaneutrale Wirtschaftsweise umsteigen und dabei auch die Ungleichheit verringern (wikipedia.org). Nur so geht der Wandel schnell genug und es lässt sich gewährleisten, dass die Verteilungsprobleme eines solchen Umstiegs angemessen berücksichtigt werden. Das ist wichtig, damit das Vertrauen in die demokratischen Institutionen nicht weiter erodiert.

Jede Diskussion über den Klimawandel und die Erderwärmung, die sich mit den Phänomenen aufhält, führt damit am eigentlichen Thema vorbei. Schon 1992 soll George H. W. Bush gesagt haben, dass der „amerikanische Lebensstil nicht verhandelbar“ (SPON 12.08.2018) sei. Doch, genau darum geht es. Dieser Lebensstil, der mittlerweile weltweit kopiert wird, ist verhandelbar. Jedenfalls dann, wenn man eine Erde für alle will.

Die Antwort muss lauten:

Nicht den Kapitalismus abschaffen, um das Klima zu retten. Wir haben derzeit keine ernsthafte Alternative für ersteren. Entscheidend ist aber auch die Erkenntnis, dass der Kapitalismus, welchen wir betreiben, ein „Kind“ des 19. Jahrhunderts ist. Er wird das Klima ruinieren und damit unsere Lebensgrundlage.

Also müssen wir ihn umgestalten. Wir haben nur wenig Zeit …

Subjekt, Prädikat, Objekt!

Eine Wortfamilie, altbekannt.

Schülergenerationen erlitten Qualen,

am Ende kennen sie alle,

in der Sprache und im Denken.

Denken sollen wir, das ist das Ziel!

In Schienen, wohl verlegt.

Schülerschaft heute

sind die Bürger von morgen.

Folgen der Schiene, dem Strang.

„Wer?“ ist die Frage nach dem Subjekt.

Alles bestimmend. Wer hat die Macht?

Es soll sein der Mensch,

er, das Maß aller Dinge,

bestimmt deren Lauf, Wohl und Wehe.

Subjekt ist etwas Gutes,

der Mensch gestaltet, er tut Gutes.

Subjekt kann auch sein ein Schimpfwort,

manches landete schon hinter Gittern.

Wehe dem! Nichts Gutes!

Ein Prädikat ohne Subjekt ist nichts!

Tun und Machen kann nicht alleine stehen.

Unwichtig, bestimmt doch das Subjekt!

Gut oder schlecht, das ist hier die Frage,

leiden oder gedeihen kann das Objekt.

Die Frage nach dem Objekt:

„Wem“ geschieht etwas?

Es sind die Dinge,

sie werden geschubst, geschlagen, zerbrochen.

Nicht wichtig, es ist nur ein Ding!

Das Subjekt ist umringt von Objekten,

spielt Gott, zieht die Strippen.

Prädikate werden verteilt,

über Schicksale bestimmt.

Wer kontrolliert das!?

Menschen treten das Klima mit Füßen,

bestimmen, nutzen die Natur zu ihrem Wohl.

Das Klima verändert sich,

vernichtet den Menschen.

Subjekt, Prädikat, Objekt!

Die Niederlage des Königs,

oder war es doch nur ein Bauernopfer?

Schwarze und weiße Felder auf dem Brett

bleiben, wenn der Sturm darüber zieht

leergefegt, alles weg!

Schachmatt! #

Berlin stand nach dem Zweiten Weltkrieg unter Kontrolle der vier Siegermächte USA, Großbritannien, Frankreich und Sowjetunion. Deutschland selbst war in vier Zonen aufgeteilt, die jeweils von einer der Siegermächte verwaltet wurden. Berlin lag inmitten der Ostzone, die von der Sowjetunion beherrscht wurde.

Es kommt zur Machtprobe zwischen der Sowjetunion und den Westalliierten.

In den westlichen Besatzungszonen Deutschlands wurde am 20. Juni 1948 eine Währungsreform durchgeführt. Die neue Währung sollte auch auf Westberlin ausgedehnt werden. Die Sowjetunion nahm das zum Anlass, West-Berlin von den westlichen Besatzungszonen abzutrennen.

Offiziell ließ man verlauten: „Die Transportabteilung der sowjetischen Militärverwaltung sah sich gezwungen, aufgrund technischer Schwierigkeiten den Verkehr aller Güter- und Personenzüge von und nach Berlin morgen früh, sechs Uhr, einzustellen.“ (berlinerluftbruecke.de), was zur Berlin-Blockade führte.

Die Blockade umfasste sämtliche Land- und Wasserzugänge aus dem Westen. Der Fernstrom durch das Kraftwerk Zschornewitz wurde noch in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni 1948 für die Westberliner unterbrochen. Direkt darauf folgte der Stopp für Straßen- und Schienenverkehr, sowie der Binnenschifffahrt zwischen Berlin und den Westzonen.

Da Berlin noch unter der Zerstörung des Zweiten Weltkrieges litt, waren die ca. 2,2 Millionen Menschen und stationierten Soldaten nach der Blockade völlig von der Versorgung au der Luft via Luftbrücke abhängig.

Vorschläge der Generalität von US-Präsident Harry S. Truman, die Blockade mit gepanzerten Truppen zu durchbrechen, verwarf er aus Risiko einer eskalierenden Provokation.

Sowjetische Truppen sperrten am 24. Juni 1948 die alle Zufahrtswege nach West-Berlin. Damit begann die Berliner Blockade, die erst am 12. Mai 1949 endete. Die Blockade von Berlin war der erste Höhepunkt im Kalten Krieg.

Es hätte ein historischer Moment werden können – aber wurde eine Blamage für ganz Deutschland. Ihr lautes Brummen kündigte die Rosinenbomber an. Aber: Der rot-rot-grüne Senat gab den Rettern von einst keine Landeerlaubnis, keine Erlaubnis zur Platzrunde, ja, noch nicht einmal die Erlaubnis, Süßigkeiten abzuwerfen. Die Verantwortlichen in Berlin verschanzen sich hinter dem Vorwand, es seien nicht alle Papiere rechtzeitig eingereicht worden. Abfliegen ließ man die Piloten mit Maschinen, die mehrerer Zwischenstopps bedurften bei dem Flug über den Atlantik. Ein Affront sondergleichen!

Vor 70 Jahren retteten die Alliierten West-Berlin per Luftbrücke vor dem Verhungern. Sonntag kehrten die Rosinen-Bomber zum Jubiläum zurück. Um 14.53 Uhr erreichten 13 historische Flieger die Hauptstadt. Gänsehaut-Momente bei 250 km/h, ein lautes Brummen aus der Vergangenheit (bz-berlin.de).

Von Juni 1948 bis September 1949 hatten die Alliierten das von den Sowjets eingeschlossene Berlin 277.569 Mal angeflogen (wikipedia.org), versorgten die Stadt im Drei-Minuten-Takt mit Lebensmitteln und allem, was für den Alltag notwendig ist. Viele Piloten und Helfer ließen bei Unfällen ihr Leben.

5.000 US-Pfund Süßigkeiten hatten die Piloten jetzt für Berlin mitgebracht. Vergeblich.

Es habe Hunderttausende Dollar gekostet, alles nach Deutschland zu bringen, so Captain Sherman Smoots, US-Pilot, bitteres Fazit: „Berlin sollte damals von den Sozialisten ausgehungert werden. Jetzt regieren sie und treffen diese Entscheidung!“

„Es wäre möglich gewesen, dass die Rosinenbomber hier landen. Der Anlass 70 Jahre Luftbrücke hätte das gerechtfertigt. Denn ohne diese humanitäre Hilfe wären viele Berliner verhungert.“ (Thomas Feuerhelm, Jurist).

Der Vorfall ist ein Indiz dafür, wie geschichtsvergessen man heute in Deutschland regiert. Noch dazu in der Hauptstadt!

Hätte es wirklich an den eingereichten Unterlagen gelegen, was eine Landung im Wege gestanden haben möge, hätte man die Piloten telefonisch rechtzeitig informieren können. Das hätte der Anstand erfordert. Jener scheint der Berliner Regierung offensichtlich abhanden gekommen zu sein.

Der mitgereiste US-Pilot Gail Halvorsen ist 98 Jahre alt. Er hätte gerne noch einmal Süßigkeiten abgeworfen. „Damit die Kinder von heute einen Eindruck bekommen, wie es früher war.“

Dazu wird es nie mehr kommen …

Ein Auslieferungsgesetz würde Hongkongs Behörden erlauben, von China verdächtigte und gesuchte Personen an die Volksrepublik auszuliefern. Kritiker warnen, Chinas Justiz sei nicht unabhängig und diene als Werkzeug der politischen Verfolgung. Auch drohten Folter und Misshandlungen. Für diesen Sonntag ist erneut eine Demonstration angekündigt.

Worum geht es in dem Auslieferungsgesetz?

Die Regierung argumentiert, dass es bei der Auslieferung von Angeklagten Schlupflöcher gebe. Sie verweist auf den Fall eines jungen Hongkongers (nzz.ch), der im Februar des vergangenen Jahres seine Frau in Taiwan ermordet haben soll. Er floh nach Hongkong. Doch er kann nicht an Taiwan ausgeliefert werden, weil zwischen Hongkong und Taiwan kein Auslieferungsabkommen besteht. Durch dieses Schlupfloch sei Hongkong ein «sicherer Hafen» für Kriminelle, sagt die Regierung. Dieses müsse geschlossen werden.

Die Stadtregierung hat jetzt das Gesetz zwar offiziell nicht verworfen, aber auf unbefristete Zeitverschoben.

Das ist ein erstaunliches Einlenken. Zunächst verschob Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam die Parlamentsentscheidung über das umstrittene Auslieferungsgesetz. Aber die Demonstranten, die seit Tagen gegen das Vorhaben mobilmachen, gaben sich damit nicht zufrieden. Sie verlangten den gänzlichen Verzicht auf das Gesetz. Möglicherweise setzen sie sich damit durch.

Die Hongkonger leben seit 1997 in einer Sonderverwaltungszone, der ehemaligen britischen Kronkolonie, die offiziell nach dem Motto „Ein Land, zwei Systeme“ regiert wird. Sie haben sich nie der Illusion hingegeben, die Führung in Peking werde eine freiheitliche, demokratische Enklave in ihrem Reich dulden. Aber sie haben gehofft, einen Teil ihrer bisherigen Freiheitsrechte und den Rechtsstaat verteidigen zu können – zumindest bis zum Jahr 2047, wenn die mit Großbritannien vereinbarte Übergangszeit abläuft.

Am vergangenen Wochenende hatten nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen Hunderttausenden und einer Million (welt.de) Hongkonger gegen das Vorhaben der Regierung demonstriert. Danach war es am Mittwoch zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen, die offiziell als „Aufruhr“ eingestuft wurden. Die Sicherheitskräfte hatten Tränengas, Schlagstöcke, Wasserwerfer und Pfefferspray eingesetzt, um Tausende Demonstranten zu vertreiben.

Die Demonstration am vergangenen Sonntag war nach Einschätzung von Beobachtern die größte in Hongkong seit dem Protest gegen die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung in Peking vor drei Jahrzehnten am 4. Juni 1989 (watson.de).

Es geht der Widerstand gegen das neue Gesetz quer durch die Gesellschaft. Menschenrechtsaktivisten, Kirchenvertreter, Geschäftsleute, aber auch ganz normale Bürger, die sich nicht vorschreiben lassen wollen, was sie zu denken und zu sagen haben: Sie alle befürchten, künftig nicht mehr sicher vor der chinesischen Justiz zu sein. Dass die Hongkonger Regierung nach Verabschiedung des Gesetzes frei von Einflussnahme über Auslieferungsgesuche Pekings entscheiden würde, glauben sie nicht. Der Druck auf die Gerichte könnte steigen. Die Pekinger Machthaber könnten mit fadenscheinigen Vorwürfen gegen unliebsame Personen in Hongkong vorgehen.

Im Moment ist nicht absehbar, wie lange die Konfrontation zwischen Volk und Regierung dauern wird. Klar ist hingegen, dass das Gesetz kaum abzuwenden sein wird. Vielleicht werden die Verhandlungen im Parlament weiter verzögert, mit größter Wahrscheinlichkeit wird es aber früher oder später verabschiedet werden. Wenn nicht in den nächsten Wochen, dann in ein paar Jahren. Wenn nicht in der heutigen Form, dann in einer anderen.

Peking wird nicht bis 2047 warten, Hongkong unter seine Kontrolle zu bringen. Die Sonderverwaltungsregion ist für die Machthaber eine Irritation. Das aufmüpfige Volk Hongkongs passt nicht zum Selbstverständnis der Kommunistischen Partei, in der ein enger Kreis von Spitzenfunktionären über die Geschicke des Landes entscheidet.

Das weckt Erinnerungen an die erniedrigende Epoche, als westliche Industriemächte dem geschwächten China mit ihrer militärischen Überlegenheit ungleiche Verträge aufzwingen konnten – so wurde Hongkong überhaupt einmal britisch. Peking muss eingestehen, dass Hongkong gerade deswegen erfolgreich ist, weil es nicht kommunistisch war und ist.

Sie hatte eine ältere Schwester, die alles brav und richtig machte. Sie hingegen war der Wildfang der Familie. Vorlaut, aber klug und beliebt in der Schule, nicht zuletzt bei den Jungs. Der Vater leitete eine Firma, die Pektin, ein Geliermittel für Marmelade, produzierte . Ein paar Jahre zuvor war sie von Frankfurt am Main nach Amsterdam gezogen, mit dem Einmarsch der Deutschen holte sie die Judenverfolgung 1940 auch dort ein: „Unsere Freiheit wurde sehr beschränkt“ (welt.de), schreibt sie auf einer der ersten Seiten ihres rot-beige karierten, wattierten Tagebuchs, das ihr zum 12. Juni 1942 geschenkt wurde, ihrem 13. Geburtstag:

Anne Frank wurde am 12. Juni 1929 als zweite Tochter einer säkularen jüdischen Familie in Frankfurt geboren. Angesichts der Verschlechterung der Situation von Juden im nationalsozialistischen Deutschland entschloss sich die Familie zur Emigration in die Niederlande. Als auch in Amsterdam Juden unter der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg immer stärker verfolgt wurden, tauchte die Familie in einem Versteck unter. Ihr Tagebuch schrieb Anne zwischen 1942 und 1944 in Amsterdam. In dieser Zeit lebte sie mit ihrer Familie und vier weiteren Personen in einer im Hinterhaus verborgenen Wohnung auf engstem Raum. Am 4. August 1944 wurden sie entdeckt, verhaftet und deportiert. Nur Anne Franks Vater, Otto Frank, überlebte und veröffentlichte 1947 das Tagebuch seiner Tochter. Es ist heute Teil des Weltdokumentenerbes der Kulturorganisation der Vereinten Nationen.

Ihre „Erlebnisse im Hinterhaus“ (prisma.de) sollten ihre erste Buchveröffentlichung sein – so plante es Anne Frank mit 14 Jahren. Da vertraute sie schon seit zwei Jahren ihrem Tagebuch an, wie der Alltag im Versteck war. Ihrer imaginären Freundin „Kitty“ berichtete sie aber auch von der politischen Weltlage des Zweiten Weltkriegs und nicht zuletzt von ihren intimsten Gefühlen und den vielen Veränderungen, die sie als Teenager in sich und an sich wahrnahm, bald witzig, bald ernst, doch immer mit beeindruckender seelischer Reife.

Alle im Versteck in Amsterdam lebten immer in der Angst, entdeckt zu werden. Doch sie hatten die große Hoffnung, dass die Nazis den Krieg verlieren und die Juden wieder frei leben könnten. Aber im August 1944 wurden die acht entdeckt und verhaftet.

Von der Zentrale des deutschen Sicherheitsdienstes über ein Gefängnis in Amsterdam und das Durchgangslager Westerbork verschleppen die Nazis die Untergetauchten in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Mit mehr als tausend anderen ist Anne drei Tage lang unterwegs. Die Menschen sind in Viehwaggons eng zusammengepfercht. Es gibt kaum etwas zu essen und zu trinken, und ein kleines Fass muss als Toilette dienen.

Bei der Ankunft in Auschwitz entscheiden Nazi-Ärzte, wer zu schwerer Zwangsarbeit geeignet ist und wer nicht. Ungefähr 350 Menschen (annefrank.org) aus Annes Transport werden gleich danach in den Gaskammern ermordet. Anne wird mit ihrer Schwester und ihrer Mutter in das Arbeitslager für Frauen geschickt.

Anfang November 1944 wird Anne erneut auf einen Transport geschickt. Zusammen mit ihrer Schwester kommt sie in das Konzentrationslager Bergen-Belsen. Ihre Eltern bleiben in Auschwitz zurück. Auch in Bergen-Belsen sind die Umstände fürchterlich: Es gibt kaum etwas zu essen, es ist kalt und Anne bekommt wie ihre Schwester Fleckfieber. Im Februar 1945 sterben beide an den Folgen der Krankheit, erst Margot und etwas später Anne.

Bis auf Annes Vater überlebte keiner. Anne starb, als sie 15 Jahre alt war.

Ihre Tagebücher konnten gerettet werden.

Heute, am 12. Juni, wäre Anne Frank 90 Jahre alt geworden. Ihr Tagebuch, weltweit in 71 Sprachen übersetzt, gilt als Inbegriff eines Zeitzeugnisses über die traumatischen Schrecken des Zweiten Weltkrieges und die Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung.

Fremde Tagebücher sollte man eigentlich nicht lesen. Bei den Tagebüchern von Anne Frank ist das anders. Das Mädchen wollte, dass sie gelesen werden. Deshalb wurden die Bücher veröffentlicht.

Der 1882 begonnene Bau soll 2026 nach 144 Jahren vollendet werden. Bis dahin werden weitere Ausgaben in geschätzter Höhe von insgesamt 374 Millionen Euro (SPON) nötig sein. Das Geld stammt ausschließlich aus Spenden und Eintrittsgeldern. Der höchste der Türme soll 2022 fertig werden und eine Höhe von 172,5 Metern haben. Damit wird die Sagrada Familia die höchste Kirche der Welt. Man trägt beim Bau aber dem Wunsch Gaudís Rechnung, wonach sie auf keinen Fall höher sein soll als Barcelonas Hausberg Montjuïc (180 Meter).

Das Gotteshaus liegt nördlich der Altstadt Barcelonas, im Stadtteil Eixample. In diesem schachbrettartig angelegten Viertel nimmt sie zusammen mit der Baustelle einen ganzen, 17.822 Quadratmeter (wikipedia.org) großen Straßenblock ein. Dieser grenzt im Süden an die Carrer de Mallorca (Mallorcastraße), im Norden an die Carrer de Provença (Provencestraße), im Westen an die Carrer de Sardenya (Sardinienstraße) und im Osten an die Carrer de Marina (Marinestraße).

Das Gotteshaus, das erst 2010 von Papst Benedikt XVI. zur Basilika geweiht wurde, ist ein Wahrzeichen Barcelonas und eine der meistbesuchten Touristenattraktionen Spaniens. Der Sakralbau vereint die Stile der Neugotik und der Moderne. Seit 2005 ist die Kirche auch UNESCO-Weltkulturerbe (dpa).

Die Behörden hatten erst 2016 entdeckt, dass Gaudi 1882 ohne jegliche Bewilligung mit dem Bau seiner Kirche begonnen hatte. 3 Jahre später beantragte er eine Baugenehmigung, bekam aber nie eine Antwort. Unverdrossen baute er weiter, bis er im Juni 1926 von einer Straßenbahn erfasst wurde und wenige Tage später starb. In seinem 100. Todesjahr sollen die Bauarbeiten nun endlich abgeschlossen werden.

Laut der Genehmigung darf die Sagrada Familie nicht höher als 172 Meter werden. Während der Verhandlungen mit der Baugesellschaft setzte Bürgermeisterin Ada Colau zudem durch, dass weitere 36 Millionen Euro in den Umbau der Umgebung und den Unterhalt der Basilika fließen.

Die Idee für den Bau zu Ehren der „Heiligen Familie“ kam zuerst von Josep Maria Bocabella, einem ortsansässigen Besitzer einer religiösen Buchhandlung und Verfasser christlicher Schriften. 1866 gründete er die Associación Espiritual de Devotos de San José („Geistlicher Verein der Verehrer des Hl. Josef“). Zurückgekehrt von einer Italienreise und beeindruckt ob der großen Kirchen beschloss er im Jahr 1874, selber in seiner Stadt eine große, nur durch Spenden finanzierte Sühnekirche erbauen zu lassen (hallo-barcelona.com).

Als der spanische Bürgerkrieg ausbrach, brannten antiklerikale Gruppen einen Teil der Geburtsfassade nieder und zerstörten teilweise die Krypta. Sie töteten den geistlichen Leiter der Sagrada Família, der sehr gut mit Gaudí befreundet war und unterhalb von seinem Atelier wohnte. Dort befanden sich auch die ursprünglichen Baupläne, die meterhohen Gipsmodelle und Zeichnungen des Architekten. Vieles ging damals verloren und die Gipsmodelle wurden schwer beschädigt. Daraufhin nahm die katalanische Landesregierung die Entwürfe an sich, um sie zu beschützen. Nach Kriegsende fanden sich Architekten und Mitarbeiter zusammen, die bereits in jungen Jahren mit Gaudí gearbeitet hatten und halfen mit, die Modelle aus den übergebliebenen Trümmern und den erhaltenen Fotos zu rekonstruieren.

In den 1960er Jahren gab es eine Unterschriftenaktion mit dem Ziel, den Bau zu stoppen. Vor allem unterschrieben die Vertreter des architektonischen Modernismus`, darunter Le Corbusier und Walter Gropius. Die Tageszeitung „La Vanguardia“ in Barcelona stellte sich 1965 für die Veröffentlichung eines offenen Briefes zur Verfügung („La Vanguardia“, 9. Januar 1965, S. 24, digitalisiertes Zeitungsarchiv).

Die Sagrada Familia war Gaudis letztes Werk. Ab jetzt wird legal an ihr gearbeitet.

Das Lebenswerk des legendären Architekten Antonio Gaudí hat erstmals eine offizielle Baugenehmigung erhalten, wie spanische Medien am Wochenende berichteten, unter Berufung auf die Stadtverwaltung der katalanischen Metropole.

Ein „skurriler Verwaltungsakt“, wie der SPIEGEL schreibt (SPON 09.06.2019).

Zum ersten Mal seit dem Baubeginn vor 137 Jahren dürfen Architekten, Ingenieure und Bauarbeiter an der bis heute unvollendeten Basilika Sagrada Familia in Barcelona arbeiten, ohne dabei das Gesetz zu brechen.

Gutmensch

Der Michel hat´s gut,

ein reines Gewissen.

Trennt seinen Müll

und Strohhalme benutzt er nicht.

Einer muss es ja machen!

Die Regierung ist vorbildlich,

macht die Raute.

Um den Weltfrieden stets bemüht,

verurteilt sie Tyrannen.

Einer muss es ja sagen!

Alle fahren wir E-Autos,

irgendwann einmal.

Das schont die Umwelt,

sichert unsere Zukunft.

Einer muss ja damit anfangen!

Die Jeans so günstig,

es lebe die globale Wirtschaft!

Neueste Smartphones,

aktueller Stand der Technik.

Einer muss ja mit der Zeit gehen!

Wie schön die Welt sein kann!

Was schert´s den Michel,

was mit seinem Müll passiert.

Alles getan, was von ihm verlangt!

Südseeparadiese ersaufen in Plastikmüll,

beißender Qualm zieht über Palmen.

Einsetzen für den Weltfrieden,

erste Regierungspflicht!

Rüstungsexporte sind harmlos,

denn wir schießen ja nicht.

Die Granate zerfetzt das Kind in Nahost.

E-Fahrzeuge sind sauber,

der Strom kommt aus der Steckdose.

Wir brauchen Kohlekraftwerke, bauen wir!

Rauchen sollen sie woanders.

Schürfrechte für Rohstoffe gibt’s in Afrika.

Klamotten aus Fernost,

letzter Schrei für wenig Geld!

Der Fabriksklave in China,

arbeitet für einen Appel und ein Ei.

Kniend ein Bauer am violetten Fluss.

Wie lange geht das noch?!

Wenn Frau so durch die Regale eines Drogeriemarkts streift und verschiedene Produkte wie Parfums, Rasierklingen oder Rasierschaum kaufen möchte, zahlt sie mehr. Und zwar nur dafür, dass die Frauen-Rasierklingen rosa sind statt blau. Das Design ist nämlich der einzige Unterschied zwischen den „weiblichen“ und „männlichen“ Produkten, die Qualität ist dieselbe – wenn nicht schlechter – die Herstellungskosten gleich. Die Produkte sind, bis auf ihre äußerliche Aufmachung, oft sogar identisch. That’s not fair! Gesellschaftlich bedingt brauchen Frauen mehr Beauty-Produkte als Männer, das ist eine Art Naturgesetz.

Da Frauen laut Studien weniger preissensibel sind und bereit, mehr Geld für ihr Äußeres auszugeben als Männer, werden ihnen manche Pflegeprodukte teurer verkauft. In vielen Produktgruppen gibt es zahlreiche preisgleiche Varianten, bei denen weder Frauen noch Männer benachteiligt werden. Aber vor allem für Rasierprodukte und Parfüms müssen Frauen oft erheblich mehr zahlen. Das spiegeln auch die Ergebnisse von Marktchecks zu Frauen- und Männerprodukten wider. Die Höhe der geschlechtsspezifischen Preisunterschiede ist in vielen Fällen nicht zu rechtfertigen – selbst dann nicht, wenn die Inhaltsstoffe variieren, denn sie machen oft nur einen Bruchteil der Herstellungskosten aus.

„Gender Pricing“ und „Pink Tax“ sind die beiden Reizworte für das Phänomen: Frauen zahlen für manche Produkte und Dienstleistungen mehr als Männer – obwohl die Inhalte nahezu identisch sind.

Einem Marktcheck der Verbraucherzentrale Hamburg zufolge unterscheiden sich die Preise für etliche Rasierer nebst Schaum sowie für manche Parfüms nach wie vor deutlich – je nachdem, ob sich die Produkte an Männer oder an Frauen richten. Die Aufschläge betragen zum Teil mehr als 100 Prozent. Die Marktstichprobe wurde zum vierten Mal durchgeführt. „Die Preisdifferenz hat sich wenig verändert“, bilanziert Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg (t-online.de 08.03.2019). So erklären Firmen die Preisdifferenzen:

Hersteller und Verkaufsstätten sehen in der unterschiedlichen Preisgestaltung keine Benachteiligung. Sie erklären die unterschiedlichen Verkaufspreise mit Stückzahl, verwendeten Inhaltsstoffen, Zusammensetzung der Rezeptur sowie den Lieferanten, von denen die Produkte bezogen werden.

Rasiergel und die Einwegrasierer etwa, bei denen eine „Pink Tax“ vermutet wird, ähnelten sich zwar auf den ersten Blick, sie seien aber nicht grundsätzlich miteinander gleichzusetzen.

Die Produkte enthielten unter anderem eine höhere Menge pflegender Stoffe, was auf die Preisfindung Einfluss habe. Auch die Verkaufsmenge spiele einer Pressesprecherin eines Drogeriemarkts zufolge bei den Rasierklingen eine Rolle für den Preisunterschied, genauso wie die unterschiedliche Verpackung (t-online.de a.a.O.). Die Männervariante werde in einem 10er-Pack verkauft, die Damenrasierer gibt es hingegen im 5er-Pack zu kaufen.

Verbraucherschützer lassen das jedoch nicht gelten. Der Preis für Inhaltsstoffe spiele nur eine marginale Rolle. Zudem habe die Verbraucherzentrale die angeblich unterschiedlichen Pflegestoffe bei vielen Produkten nicht gefunden. Es seien oft die gleichen Produkte, nur in einer anderen Verpackung. Das Wort „Diskriminierung“ steht hier im Raum. Und zum Argument, dass zum Beispiel Rasierschaum bei Männern mehr Abverkäufe hat und dadurch günstiger angeboten werden kann? Unternehmerisch wäre hier eine Mischkalkulation zu erwarten.

Was also tun, lautet die Frage. Ein Spezialgesetz gegen geschlechtsspezifischer Preisunterschiede wäre eine Lösung, gibt es aber nicht. Lediglich in den US-Bundesstaaten New York und Kalifornien existiert ein solches Verbot, wenn auch nur für Dienstleistungen. Auf EU-Ebene schlicht Fehlanzeige, die einzige politische Maßnahme ist die Sensibilisierung der Konsumentinnen für den Kauf von männlichen Produkten.

Ein anderer Ansatz lautet wie folgt:

Preise aufgrund einer (vermeintlich) geschlechtsbedingt höheren „Preisbereitschaft“ anzuheben verstößt nach Einschätzung der Antidiskriminierungsstelle gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das Diskriminierung unter anderem wegen des Geschlechts verbietet (welt.de 20.12.2017).