Der wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen verurteilte ehemalige SS-Mann Oskar Gröning hat ein Gnadengesuch gestellt. Gröning wurde vom Lüneburger Landgericht zu vier Jahren Haft verurteilt. Seit dem Urteil im Sommer 2015 wehrt sich der 96-Jährige gegen den Haftantritt. Zuletzt war er Ende Dezember mit einer Verfassungsbeschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert.

Der Ex-SS-Mann ist haftfähig, bestätigte das Bundesverfassungsgericht und wies damit die Verfassungsbeschwerde Grönings ab. Weder das hohe Alter des wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen verurteilten Mannes, noch sein Gesundheitszustand reichten aus, um vom Strafvollzug abzusehen, so die Begründung. Das Landgericht Lüneburg und das Oberlandesgericht Celle hatten vor der Verfassungsbeschwerde einen Antrag auf Haftaufschub abgelehnt.

In der Verfassungsbeschwerde plädierte Gröning auf Haftunfähigkeit und verwies auf sein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Er werde durch einen Strafantritt aus seinem „sozialen Netz“ gerissen und durch die Inhaftierung die „bislang erfahrene Wertschätzung“ verlieren. Er fürchte, dass er körperlich und geistig abbaue und depressiv werde. Außerdem hatte der Anwalt in seiner Beschwerde auf die vom Grundgesetz garantierte Verhältnismäßigkeit gepocht. Demnach müsse ein Verurteilter eine realistische Chance haben, die Freiheit wiederzuerlangen. Die Verfassungsrichter hingegen bestätigten die bisherigen Urteile der Gerichte. In der JVA Uelzen stünden eine hauptamtliche Ärztin und ausgebildetes Sanitätspersonal zur Verfügung.

Der als „Buchhalter von Auschwitz“ bekannte Gröning war vom Lüneburger Landgericht im Juli 2015 wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen verurteilt worden. Gröning wurde verurteilt, ohne dass ihm eine konkrete Tötung nachgewiesen wurde. Allein durch seine Tätigkeit im Vernichtungslager Auschwitz habe er einen Tatbeitrag zum hundertausendfachen Mord geleistet, so die Richter. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil bestätigt. Seither ging es um die Frage, ob Gröning haftfähig ist.

„Gnade vor Recht!“, „Gnade walten lassen“, … Gnade ist nicht justiziabel, d.h. rechtlich nicht bewertbar. Das Gnadenverfahren aber ist in Deutschland ziemlich verrechtlicht. Das Gnadenverfahren ist Grönings letzte Chance, auf freiem Fuß zu bleiben. Alle Gerichte bis hoch zum Bundesverfassungsgericht haben gegen ihn entschieden. Fest steht: Im Erkenntnisverfahren haben die Gerichte Vorrang, Urteile kann man mit Rechtsmitteln angreifen. Erst hiernach kommt „Gnade“ überhaupt erst ins Gespräch.

Voraussetzung für ein Gnadengesuch ist die Rechtskraft der gerichtlichen Entscheidung. Ein Gnadengesuch ist form- und fristlos, d.h. kann mündlich oder schriftlich gestellt werden. Es kann durch den Verurteilten selbst oder durch ein von ihm beauftragten Anwalt gestellt werden. Einen Anspruch auf Entscheidung innerhalb einer bestimmten Frist gibt es nicht.

Wie bereits erwähnt, ist eine gerichtliche Überprüfung einer ablehnenden Gnadenentscheidung nicht möglich. Das hat das Bundesverfassungsgericht schon Ende der 1960er Jahre und nochmals 2001 entschieden.

Wer über das Gnadengesuch entscheidet hängt von dem Bundesland ab, in dem der Täter verurteilt wurde, ausgenommen die Fälle in denen der Bundespräsident zuständig ist.
In einem Gnadengesuch müssen alle Tatsachen vortragen werden, weshalb in Falle Grönings ausnahmsweise die von den Gerichten gefassten Entscheidungen im Wege der Begnadigung aufgehoben werden sollen. Gröning darf neben der Schilderung seiner eigenen Situation dabei die Opfer seiner Straftaten in seinen Argumenten nicht vergessen, da Strafe auch eine Form von Genugtuungsfunktion gegenüber den Opfern hat.

Der Ex-SS-Mann schildert in seinem Gesuch seine persönliche Situation, macht sein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit geltend. Er beruft sich auf seine bisher „erfahrene Wertschätzung“ und werde durch einen Haftantritt aus seinem „sozialen Netz“ gerissen“. Liest man die Argumente gesondert, sind diese nicht besonders griffig und begründen keine Sonderbehandlung Grönings. Seine Gesundheit und sein Leben sind im Gefängnis nicht schlechter versorgt als außerhalb. „Aus dem sozialen Netz“ wird jeder Verurteilte bei Strafantritt „gerissen“, und: „Wertschätzung“ ist ein relativer Begriff. Bei Verurteilung wegen Beihilfe zum 300.000-fachen Mord lässt sich über „Wertschätzung“ bei allem Anstand nicht mehr diskutieren.

Was – jedenfalls nach dem derzeitigen Stand der Veröffentlichungen – vollkommen fehlt, ist die Beschäftigung Grönings mit den Schicksalen seiner Opfer und deren Angehörigen.

Insgesamt bleibt festzuhalten: ein Gnadengesuch wird äußerst selten, insbesondere vor Strafantritt, positiv beschieden. In Grönings Fall wird dies wohl auch nicht anders sein.

Anläufe zur Demokratie in ehemaligen Kolonien des Westens gab es in neuerer Zeit nach dem zweiten Golfkrieg von 2003, im Arabischen Frühling seit 2010 und mit der Erhebung gegen den syrischen Diktator im Jahr 2011. Alle endeten im Chaos! Unter anderem wurden muslimische Bewegungen, die wie die Muslimbrüder in Ägypten die Wahlen gewonnen hatten, mit Gewalt an der Machtübernahme gehindert, was Terrorgruppen wie den 2014 proklamierten „Islamischen Staat“ förderte. Die Ressentiments der Muslime richten sich in erster Linie gegen den Westen, von dem sie sich seit über 200 Jahren gedemütigt fühlen. Wer die Reaktion der Deutschen auf die viel geringeren Zumutungen des Vertrags von Versailles 1919 kennt, sollte dafür Verständnis aufbringen.

Das Staatsversagen in den einstigen Kolonien hat nicht nur politische, sondern auch wirtschaftliche Gründe, und wie bei der Entwicklung des Staates greifen auch hier koloniale Strukturen, Fehlentscheidungen postkolonialer Eliten und die Einflussnahme ehemaliger Kolonialmächte ineinander.

Südamerikanisches Silber, kongolesisches Uran oder arabisches Öl: Stets wurden die Kolonien auf Rohstoffproduktion für den Weltmarkt festgelegt und als Absatzmärkte für Fertigwaren betrachtet. Profite wurden von Privatleuten gemacht, während die politische Kolonialherrschaft fast immer ein Zuschussunternehmen blieb. Die Beteiligung einheimischer Eliten diente nicht zuletzt der Senkung der Herrschaftskosten. Kolonialismus wie Kapitalismus heißt private Profite bei Sozialisierung von Verlusten.

Verschärft wurde diese Entwicklung in den ehemaligen Kolonien durch Entscheidungen, die unabhängige Regierungen weitgehend aus freien Stücken getroffen haben, die sich aber im Nachhinein als Fehler entpuppten. So war im Boom der Jahre 1950 bis 1970 auch in Asien und Afrika der Optimismus groß. Man betrieb keine nachfragegerechte Industrialisierungspolitik, investierte in Prestigeobjekte, in den Ausbau der Militär- und Staatsapparate (Stellvertreterkriege mit entsprechenden Waffenmärkten, die die Rüstungsindustrie der ehemaligen Kolonialisten bedienten), bewertete die Landeswährungen zu hoch, vernachlässigte die Landwirtschaft und verschuldete sich im Ausland. Man erlag dem Charme des Booms.

In den 1970er Jahren war die Prosperität weltweit zu Ende. Zugleich explodierten die Energiekosten wegen der Erhöhung des Ölpreises durch das Kartell der Erdöl exportierenden Länder (OPEC). Der Finanzmarkt war von Petrodollar überschwemmt; krisengeplagten Ländern in Lateinamerika, Afrika und Asien wurden Kredite nun fast nachgeworfen. Die Schuldenfalle schnappte zu.

Ab den 1980er Jahren hatten die Länder keine andere Wahl mehr, als sich den Strukturanpassungsprogrammen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds zu unterwerfen. Sanierungskredite gab es für den Preis einer Liberalisierung des Außenhandels und einer Abwertung der Landeswährung. Ferner mussten die Staatsbetriebe privatisiert und die Staatsausgaben reduziert werden – zumindest die für das Personal, für Waffen durfte auch weiterhin Geld ausgegeben werden. In der Folge erodierten vielerorts die ohnehin schwachen staatlichen Strukturen noch weiter.

Selbst unter den erschwerten Bedingungen der Schuldenkrise zeigte sich allerdings, dass der politische Wille in den einzelnen Ländern mitentscheidet und nicht das koloniale Erbe allein die Entwicklung bestimmt. So vollzog sich zwischen 1983 und 1990 überall in Lateinamerika ein Übergang zur Demokratie. In Afrika begann die Demokratisierungswelle 1990. Deren Ergebnisse lassen freilich häufig zu wünschen übrig. Demokratie als stabiles Erfolgsmodell hat sich außer in Indien bisher in keinem nachkolonialen Gemeinwesen bewährt und der moderne Staat als Ganzes nicht einmal dort.

Kolonialherrschaft eröffnete – bei allem Schrecken auch Freiräume. Sie brachte nicht nur Unterdrückung, sondern auch Befreiung von Fesseln der Tradition. Wirtschaftliche Chancen wurden genutzt, Frauen fanden neue Rollen, neues religiöses Leben blühte auf, weltweite Kontakte und globale Mobilität wurden möglich, und ein kritisches postkoloniales Denken entstand.

In diesem Zuge haben sich manche Länder nicht nur Importartikel wie das westliche Staatskonzept angeeignet, sondern auch die englische Sprache. Unsere Weltkultur ist demnach zwar europäischen Ursprungs, aber längst nicht mehr europäischen Charakters. Die europäische Unterwerfung der Welt ist nur noch historische Feststellung.

De facto wurden viele Länder bankrott in die Unabhängigkeit entlassen. Eine wesentliche Überlegung der Kolonialherren war, dass die Kolonien zu teuer geworden waren. Hingetrieben hatte uns vor über 200 Jahren die Gier nach billigen Rohstoffen und Arbeitskräften. Der Fluch der Ressourcen. Dann bekamen wir die Rechnung. Zahlen werden diese wohl auch die ehemaligen Kolonien. Wir müssen umdenken!

 

Reger Verkehr auf den Datenautobahnen.

Ich denke nach, stehe real im Stau.

Sie sitzen in ihren Fahrzeugkabinen,

sehen sehnsüchtig in die Ferne.

Daten … Datenvolumen,

Datensätze; Daten, die neue Dimension!

Sie sind im Plural, die Daten.

Gibt es die Einzahl: das Datum?

Ich glaube nicht, nur ein Zeitfixpunkt!

Daten haben keine Persönlichkeit,

sie sind kein Individuum.

Sind wir es noch? Kann man das so sehen?

Sind wir nicht selbst zur Masse geworden?

Der einzelne Mensch, was zählt er?

Mit dem Singular kommt die Persönlichkeit.

Die gilt es zu ehren, nicht die Daten.

Der Mensch, „die Krone der Schöpfung“!

Aus Subjekt wurde Objekt.

Schon lange, einzeln zählt nicht mehr.

Reihen wir uns aneinander, zu

Menschensätzen, Menschenvolumen?!

Die Arbeitswelt kennt das „Humankapital“.

Kritisch sieht man´s, gebraucht es doch.

Man sammelt Information über uns,

katalogisiert, sortiert, registriert, archiviert.

Wir sind geboren, um zu dienen.

Geleitet zu werden, der Ideologie zu folgen.

Die Tempel des Konsums zu besuchen,

Produkte – neue Götter – zu huldigen.

Was bleibt von dem uns bekannten „Datum“?

Es ruft zur Eile, zu Geschäftigkeit.

Früher ordneten wir mit ihm die Zeit,

kennen heute nur noch „Termine“.

Mit dem Urknall bewegte sich die Materie,

die Geburt der Zeit, sie prägte uns.

Heute stehen wir, wie hier: im Stau!

Was haben wir mit der Zeit getan?!

Wir haben sie missbraucht,

vielleicht sogar umgebracht. Inferno!

Ist sie uns davongelaufen?

Oder sind wir ihr schlichtweg

vor die Füße gefallen?!

Das Gesetz zur Förderung der Entgelttransparenz zwischen Frauen und Männern wurde letztes Jahr verabschiedet und ist zum 1. Januar in Kraft getreten. Seither können Arbeitnehmer in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten Auskunft darüber verlangen, wo sie innerhalb der Lohnstruktur in ihrer Firma stehen. Sie sollen erfahren können, nach welchen Kriterien ihre Tätigkeit bewertet wird und wie sie im Vergleich zu Kollegen dastehen. Wer so eine Benachteiligung feststellt, kann dann entweder nachverhandeln – notfalls eine höhere Bezahlung sogar einklagen.

Das Gesetz sieht auch vor, dass Betriebe mit mehr als 500 Beschäftigten, die einen Lagebericht nach dem Handelsgesetzbuch zu erstellen haben, künftig regelmäßig über den Stand der Gleichstellung und der Lohngleichheit informieren.

Aus Protest über die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen beim britischen Sender BBC hat die China-Korrespondentin Carrie Gracie ihre Stelle gekündigt. Der öffentlich-rechtliche Sender habe nicht genug getan, um diese Einkommensschere zu schließen, sagte Gracie in einer BBC-Sendung.

Mehr als 40 Moderatorinnen und Journalistinnen der britischen Rundfunkanstalt BBC hatten vor geraumer Zeit in einem offenen Brief gegen ungleiche Bezahlung im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen protestiert. Nach der Veröffentlichung der Gehälter der Top-Moderatoren in Radio und Fernsehen, versprach das BBC-Generaldirektorium eine gleichberechtigte Bezahlung der Geschlechter bis 2020. Den BBC-Mitarbeiterinnen ging das nicht schnell genug.

Als Beispiel sei angeführt: Die BBC hatte im Juli letzten Jahres die Gehälter ihrer Top-Moderatoren in Radio und Fernsehen publik gemacht. Der am besten verdienende Mann bei der BBC ist demnach ein TV- und Radiomoderator mit einem Gehalt von umgerechnet rund 2,5 Millionen Euro. Der ehemalige Fußballstar und Sportmoderator Gary Lineker verdiente umgerechnet rund 2 Millionen Euro. Die am besten verdienende Frau bei der BBC erhält dagegen nur ein jährliches Salär zwischen umgerechnet rund 509.000,– und 565.000,– Euro.

Die Diskussion über finanzielle Benachteiligung von Frauen im Beruf bekommt durch den drastischen Schritt Gracies neue Nahrung. Bereits kurz nach der Veröffentlichung des Briefes sprachen ihr zahlreiche Kolleginnen und Kollegen, aber auch Politiker via Twitter ihre Anerkennung aus. Erst kürzlich hatte eine Studie zu den Lohnunterschieden bei Frauen und Männern ein schlechtes Licht auf die britische Wirtschaft geworfen. In Deutschland ist es nach Inkrafttreten des angeführten Entgeltgleichheitsgesetzes möglich, Durchschnittsgehälter von Arbeitnehmergruppen zu erfragen, die eine vergleichbare Tätigkeit ausüben, um Argumente für eine mögliche bessere Bezahlung zu bekommen.

In England hält die BBC dagegen: Unter den 96 Moderatoren, Kommentatoren und Sprechern, die mehr als 150.000 Pfund (169.000 Euro) Gehalt im Jahr verdienen, waren nur ein Drittel Frauen. In die Top Ten schafften es nur zwei Moderatorinnen. In der Folge fand eine unabhängige Untersuchung durch die Beratungsunternehmen PwC und Eversheds keine Hinweise auf eine „systematische Diskriminierung gegen Frauen“.

Gracie und ihre Anhänger jedoch kontern: Die Untersuchung sei nicht umfassend gewesen, wirft man der BBC vor. Ausgerechnet jene Positionen, bei denen die Benachteiligung besonders deutlich ausfalle, seien weggelassen worden. Korrespondenten sollen genauso dazu zählen wie beispielsweise Nachrichtensprecher. 200 BBC-Frauen hätten Gehaltsbeschwerden eingereicht laut Gracie. Ihnen werde lediglich immer wieder versichert, dass es bei der BBC keine Diskriminierung gebe.

Das Thema Lohngleichheit zieht auch im Frauenfußball weite Kreise. Erst im September war ein Freundschaftsspiel zwischen Dänemark und der Niederlande abgesagt worden, nachdem das dänische Team sich wegen eines Prämienstreits mit dem Verband geweigert hatte, anzutreten.

In den USA haben gleich mehrere Nationalspielerinnen eine offizielle Beschwerde bei der Gleichstellungsbehörde eingelegt und klagen auf gleiche Bezahlung durch den US-Verband.

Die Zeichen sind gesetzt, die Richtung ist klar. Es stellt sich einzig die Frage: Wann kommen wir im 21. Jahrhundert an? Die zweite Dekade neigt sich ihrem Ende!

 

Die Republik Liberia ist ein Staat an der westafrikanischen Atlantikküste und grenzt an Sierra Leone, Guinea und die Elfenbeinküste. Der Staat war zunächst ein Projekt zur Ansiedlung ehemaliger Sklaven aus den Vereinigten Staaten und einer der ersten unabhängigen Staaten auf dem afrikanischen Kontinent (Wikipedia).

Konflikte zwischen den Nachkommen ehemaliger Sklaven und länger ansässigen Ethnien prägen das Land bis heute.

Aus dem Feiern kommen sie gar nicht mehr heraus, die Anhänger George Weahs auf den Straßen von Monrovia. An ihren Erwartungen wird er sich messen lassen müssen, der Weltfußballer, der es aus einem Armenviertel bis an die Staatsspitze gebracht hat.

„He came from nowhere. So we believe in him that he can be a good president for this country“.

Der Andrang beim ersten Auftritt nach der Wahl war so groß, dass Weah die Bühne vor dem Hauptquartier seiner Partei, der Koalition für demokratischen Wandel, aus Sicherheitsgründen verlassen musste, mit einem Stapel Zettel unterm Arm. Seine erste Rede als künftiger Präsident konnte er an dem Tag nicht halten.

Zuvor hatte ihm sein Widersacher gratuliert, Joseph Boakai, 73 Jahre alt, bisher Vizepräsident unter Afrikas erster gewählter Staatschefin Ellen Johnson-Sirleaf, er räumte seine Niederlage ein, machte den Weg frei für einen Generationswechsel:

Das war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu Liberias erstem friedlichen Machtwechsel in mehr als 70 Jahren – der Gegner gibt auf, auch wenn er dazu womöglich ein wenig gedrängt werden musste. Von Beratern aus dem mächtigen Nachbarland Nigeria.

Liberia selbst hat eine Geschichte der Gewalt, ihr fielen in zwei Bürgerkriegen bis 2003 rund 250.000 Menschen zum Opfer, während George Weah im Ausland Pokale sammelte. AS Monaco, Paris St. Germain oder AC Mailand, Weltfußballer und Afrikas Fußballer des Jahrhunderts – der heute 51 Jahre alte George Weah hat im Sport mehr erreicht, als er je zu träumen gewagt hätte. Und nun das Establishment entmachtet. Das hat in seinem von befreiten amerikanischen Sklaven gegründeten Staat noch immer den Ton angegeben.

Die Mehrheit der Bevölkerung Liberias lebt unterhalb der Armutsgrenze.

Transforming the lives, er werde ihr Leben verbessern, kündigt Weah den rund 4,6 Millionen Bürgern an, mit Investitionen in die Landwirtschaft und in die Infrastruktur.

Liberia ist etwas größer als das deutsche Bundesland Bayern, doch das Straßennetz ist so schlecht, dass viele Orte in der Regenzeit kaum erreichbar sind. Die große Mehrheit der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze, obwohl Liberia reich ist an Bodenschätzen, Kautschuk, fruchtbaren Böden (Wikipedia).

Von den Folgen der Ebola-Epidemie mit mehr als 4.000 Toten hat sich die Wirtschaft noch nicht erholt. Ebola hat dafür deutlich werden lassen, wie schwach etwa das Gesundheitssystem auch zehn Jahre nach dem Krieg noch aufgestellt war – für viele Wähler ein Grund mehr für den Machtwechsel.

An Investoren und die Landsleute im Ausland appelliert Weah, Liberia zu unterstützen. Auch an die Geber, sie finanzieren fast die Hälfte seines Staatshaushaltes. Ihnen versprach er, was werdende Staatschefs in Afrika oft sagen, effektive Maßnahmen gegen die Korruption:

„Slackers and persons looking to cheat the Liberian people by means of corruption will have no place“.

Faulpelze und Leute, die das liberianische Volk betrügen wollen mit den Mitteln der Korruption, die haben bei uns keinen Platz.

Am 22. Januar wird George Weah in sein Amt eingeführt, dann muss er den Versprechungen Taten folgen lassen.

Das afrikanische Land braucht dringend Reformen, geben wir ihm eine Chance!

Wie nah steht die Welt vor einem Atomkrieg? Können wir den Herren Donald Trump und Kim Jong-Un noch trauen? Die Debatte über die Größe des jeweiligen Startknopfes für die landeseigenen Atomraketen ist beängstigend, schaukeln sich doch beide gegenseitig hoch.

Jene Debatte dient in sozialen Medien als Beleg für die Unzurechnungsfähigkeit des jeweiligen Staatsführers. Sachlich betrachtet handelt es sich um eine Falschnachricht. Weder Trump noch Kim verfügen nach aller Erkenntnis über diesen symbolischen Startknopf, mit dem sich ein Nuklearkrieg auslösen ließe.

Der Schlagabtausch der beiden erreichte seinen Höhepunkt, als Trump feststellte, dass er einen Nuklearknopf habe, der „viel größer und machtvoller“ sei als der Kims.

Trump reagierte damit auf die Neujahrsansprache des nordkoreanischen Diktators, in der Kim gesagt hatte: Es sei keine leere Drohung, sondern Realität, dass er einen Nuklearknopf auf seinem Schreibtisch in seinem Büro habe. Das gesamte Festland der Vereinigten Staaten könne durch seinen Nuklearschlag erreicht werden.

Auch wenn dieser Austausch weltweit Ängste verbreitet, der Streit ist ohne Substanz. Der US-Präsident verfügt zwar über die Macht, jederzeit einen Atomschlag auslösen zu können. Allerdings drückt er dazu nicht auf einen Knopf auf seinem Schreibtisch. Warum sich diese Fantasie so stark in den Köpfen festgesetzt hat, ist unklar.

In Filmen und dramatisierten Darstellungen über den Kalten Krieg kommt immer wieder ein „roter Knopf“ zum Einsatz. Dahinter steht wohl die Vorstellung, dass eine Sprengung selbstverständlich per Zündbefehl ausgelöst werden muss. Als die USA und Russland während der Obama-Regierungszeit ihre Beziehungen auf Neuanfang stellen wollten, drückten die jeweiligen Außenminister gemeinsam und symbolisch auf einen solchen roten Knopf.

Der Kommandoweg für den Einsatz des amerikanischen Nuklearwaffenarsenals ist hingegen mehrstufig. Der Befehl wird ausdrücklich nicht per Knopfdruck gegeben, sondern per mündliches Kommando erteilt. Dazu müsste sich der POTUS zunächst mithilfe einer Codekarte als Befehlshaber gegenüber seinem Verteidigungsminister oder einem kommandierenden General identifizieren. Anschließend müsste er einen Startcode freigeben, der in einem Kommandostand seine Entsprechung fände.

Wer auch immer den Befehl des Präsidenten entgegennimmt könnte ihn auch verweigern. Einen direkten Zugriff Trumps auf die Startvorrichtung eines der etwa 900 amerikanischen Nuklearsprengkörper gibt es nicht. Auch gibt es keinen Knopf auf dem Schreibtisch, wie Trump behauptet. Vielmehr werden Codes und Richtlinien für das Einsatzverfahren immer in der Nähe des Präsidenten in einem Koffer aufbewahrt, in der Fachsprache „Football“ genannt.

Die Startprozedur für eine nordkoreanische Rakete ist nach westlichen Erkenntnissen nicht standardisiert. Unabhängig von der Frage, ob das Land bereits über einen einsatzfähigen Sprengkopf für eine Langstreckenrakete verfügt, ist auch hier kein plötzlicher Angriff per Knopfdruck möglich. Sämtliche Langstreckenraketen des Landes werden mit Flüssigtreibstoff befüllt, was Stunden an Vorbereitung vor einem Start erfordert. Dauerhaft kann keine mit Flüssigtreibstoff betriebene Rakete startbereit gehalten werden, hört man aus Expertenkreisen.

Machthaber Kim ist zwar immer wieder auf Bildern zu sehen, unter anderem in einem eigens gebauten, mobilen Kommandostand. Eventuell gibt er dort tatsächlich den Startbefehl per Knopfdruck. Fachleute halten es für unwahrscheinlich, dass er eine automatisierte Startvorrichtung in einem Büro unterhält. Dazu bedürfte es einer sicheren Datenleitungsinfrastruktur, des Weiteren müssten Kommunikationseinrichtungen aufgebaut werden.

Wie üblich bei nordkoreanischen Festen und der entsprechenden Ansprache Kims: die Nulearknopf“-Mär ist blanke Aufplusterei und Provokation. Und wie gewohnt verfängt sie bei US-Präsident Trump. Man kann nur hoffen, dass sich die beiden Streithähne auf verbaler Ebene austoben.

In Moskau und Petrograd (Leningrad) werden alle Banken bis auf Weiteres geschlossen. Die Maßnahme soll der Vorbereitung der Verstaatlichung der Geldinstitute dienen.

In der reichsdeutschen Wirtschaft sind 2,3mal so viele Frauen beschäftigt wie vor dem Krieg.

Der deutsche Bodenseedampfer Kaiser Wilhelm wird während einer Werkstatt-Probefahrt bei Altnau mit etwa 15 scharfen Schüssen vermutlich vom Schweizer Grenzschutz unter Feuer genommen. Die reichsdeutsche Presse fordert energische Schritte gegen die Wiederholung eines solchen Vorfalls. Die Schweiz ist im Weltkrieg neutral.

Im dritten Jahr der Seeblockade durch die britische Flotte ist die Versorgungssituation des Deutschen Reiches, insbesondere in den Städten, durchweg als katastrophal zu bezeichnen. Auch die zunehmenden Schwierigkeiten, die landwirtschaftliche Produktion im Inland aufrechtzuerhalten – es mangelt extrem an Arbeitskräften -, tragen hierzu nicht unerheblich bei. Das einzige Lebensmittel, woran es zu Anfang des Jahres – nach offiziellen Angaben – nicht mangelt, sind Steckrüben. Alle anderen Nahrungsmittel sind im Deutschen Reich seit Langem über Lebensmittelkarten streng rationiert.

Im November 1918 – ein Jahr nach der Beseitigung der russischen Zarenherrschaft durch die Bolschewiki – ist die Welt geprägt vom Umbruch der politischen Systeme. Die Völker der vom Krieg gebeutelten Industriestaaten blicken gespannt nach Russland. Die kargen Informationen, die von dort nach Westeuropa dringen, animieren bislang macht- und einflusslose Bevölkerungsschichten, an einen Umsturz im eigenen Land zu denken. Im Deutschen Reich zeigt sich das am Erstarken des Spartakusbundes, den Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zwei Jahre zuvor als „Gruppe Internationale“ ins Leben riefen. Am Ende des Jahres 1918, wesentlich beeinflusst durch die revolutionäre Stimmung, die besonders die Großstädte des Reichs mit Beginn des Novemberaufstands erfasst hat, ist die Basis für die Gründung einer kommunistischen Partei im Deutschen Reich geschaffen.

Während im Deutschen Reich die Möglichkeiten des praktischen Bauens immer geringer werden, kommen aus den Niederlanden und Frankreich die entscheidenden Anstöße einer neuen Linie der Architektur. Die niederländische Künstlervereinigung „De Stijl“ neigt ebenso zu gradlinigen, vom Kubismus beeinflussten Konstruktionen, wie die Entwürfe des schweizerischen Baumeisters Charles-Édouard Jeanneret-Gris (welcher sich ab 1920 Le Corbusier nennen wird). Im Weltkrieg scheinen zunächst die architektonischen Entwicklungen zu stagnieren. Die Konzentration der gesamten Wirtschaftskraft auf die Produktion von Rüstungsgütern verhinderte die Fortführung praktischer Bauarbeiten. Trotzdem zeigen sich gegen Kriegsende neue Ansätze. Bislang hatte sich die Architektur auf industrielle Großbauten und die Konstruktion freistehender Einzelhäuser beschränkt. Jetzt beginnen einige Architekten, Wohnungen für breite Bevölkerungsschichten zu planen.

Die Produktwerbung im vierten Kriegsjahr ist den verschärften Mangelbedingungen angepasst. So treten Angebote für knappe und teure Genussmittel, wie Alkohol und Schokolade, fast ganz zurück hinter Werbeanzeigen für Stärkungsmittel, Prothesen, Brennmaterial und Werkzeug. Für Nahrungsmittel wird kaum geworben, da alle Lebensmittel ohnehin nur rationiert auf Lebensmittelkarten abgegeben werden. Auf dem Dienstleistungssektor werden Leistungen angeboten, die bereits vorhandenes Altmaterial in eine neue Form bringen. So finden sich etwa viele Anzeigen von Schneidern, die die modische Umarbeitung alter Kleidungsstücke versprechen. Große Konjunktur haben auch Kunst-Stopfereien, die zerschlissene Altkleider wieder „in modische Form“ zu bringen versprechen.

Es ist wie mit den Gucklöchern in einem dunklen Raum. Durch jedes sieht man einen anderen Ausschnitt der Welt da draußen. Einige oder gar viele Varianten. Aber nie alles! Das war vor hundert Jahren. Ich frage mich heute, wie dieses Jahr sein wird, Was werden wir alles anstellen? Können wir an seinem Ende eine positive Bilanz ziehen? Sind wir ehrlich: 2017 – private Schicksalsschläge mal beiseite – war jetzt nicht so schlecht. Nichts Berauschendes, aber in der Krise haben wir in Deutschland nicht gelebt. Man meckert auf hohem Niveau …

Wie werden wir über dieses Jahr 2018 denken, an was erinnern sich die Menschen 2118? Ich hoffe, dass sie es können und dass es einigermaßen positiv sein wird.

Und ich erhebe mein Glas und sage: Prosit Neujahr!

Unsere Zeitrechnung, die sich von der Jahreszahl auf die mutmaßliche Geburt Christi bezieht und den 1. Januar als ersten Tag und den 31. Dezember, also Silvester, als letzten Tag des Jahres hat, mag für uns eine Selbstverständlichkeit sein. Sie galt und gilt jedoch keineswegs bei allen Völkern und in allen Kulturen der Erde. Auch die Anzahl der Tage im Jahr, die nach unserem Kalender 365 und in einem Schaltjahr 366 beträgt und damit einem Sonnenjahr entspricht, ist nicht überall gültig.

Silvester – hin und wieder auch Sylvester genannt – ist ein weithin bekannter Name, obwohl er sich zumindest im deutschsprachigen Raum keiner großen Verbreitung erfreuen kann, und zwar in keiner Generation. Man findet ihn als Kindername genauso selten wie als Name bei Erwachsenen.

Nur äußerst selten geben Eltern ihrem Kind oder ihrem Baby den Vornamen Silvester. Aber er ist, wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, in aller Munde. Er ist bekannt als letzter Tag des Jahres. Dabei ist vielen gar nicht bewusst, dass der Silvestertag ein Gedenktag ist. Der Name Silvester ist von lateinischer Herkunft und geht auf den lateinischen Wortstamm silva (= Wald) zurück. Der lateinische Vorname heißt daher ins Deutsche übersetzt soviel wie „Waldbewohner“ oder „der aus dem Walde“. Dieser Vorname ist auch der Name eines Papstes, der für die Geschichte und Entwicklung der Kirche von großer Bedeutung war, indem er sie im 4. Jahrhundert neu organisierte. Dadurch wurde er einer der bekanntesten Päpste der noch jungen Kirche. Jener Silvester wurde am 31. Januar 314 als 34. Oberhirte zum Papst gekrönt und starb in Rom am 31. Dezember 335. Somit ist der heilige Silvester I. Heiliger des letzten Tages des Jahres.

Nach ihm ist der 31. Dezember benannt. Dieser Festtag wird im Brauchtum der Kirche seit dem Jahre 354 gefeiert. Neujahr, das erste der Feste im Kalenderjahr, ist heute weniger ein kirchliches als ein weltliches Fest. Wie antike Geschichten römischer Autoren berichten, war es in Rom Neujahrsbrauch, dass zu diesem Anlass ausschweifende Feierlichkeiten mit Essgelagen, Trinkgelagen und Opfergaben stattfanden.

Von den Christen wurde dieses heidnische Treiben der Bürger Roms zum Neujahrsfest zunächst gänzlich abgelehnt. In der Bevölkerung blieben die römischen Neujahrsbräuche aber auch erhalten, als das Christentum im 4. Jahrhundert römische Staatsreligion und damit zu einer Massenbewegung geworden war. Die Kirche in Rom versuchte gegen diese Orgien anzugehen, indem sie den Neujahrstag zum Bußtag und Fasttag erklärte und die Christen zur Teilnahme am Gottesdienst bewegen wollte. Dies fruchtete wenig.

Gegen Ende des ersten Jahrtausends entwickelte sich sogar ein Narrenfest, das an Neujahr und in den ersten Tagen im Jahr mit Maskeraden, dekadenten Liedern und unzüchtigen Tanzveranstaltungen begangen wurde. Noch lange hielt sich dieses Narrenfest, bei dem auch Gottesdienste parodiert wurden und niedere Kleriker sich als Narrenbischöfe verkleideten. In Paris hielt dieses Narrenfest bis ins 15. Jahrhundert an, obwohl jeder, der bei dieser, von der Kirche als heidnisches Treiben verurteilte Maskerade mitmachte, mit der Exkommunikation rechnen musste. Als die römisch-katholische Kirche einsehen musste, dass das Volk nicht vom fröhlichen und ausgelassenen Feiern an Neujahr abzubringen war, versuchte sie andere Wege zu gehen. Indem sie im 13. Jahrhundert das Fest der Beschneidung des Herrn auf den 1. Januar verlegte, wollte sie diesem Tag ein christliches Gepräge geben. Die biblische Grundlage für die Wahl dieses Tages findet sich im Evangelium des Lukas 2,21, wonach der kleine Jesus acht Tage nach der Geburt beschnitten wurde.

Dennoch können alle kirchlichen Bemühungen gegen das altrömisch-heidnische Neujahrsfest im Laufe der Geschichte als gescheitert betrachtet werden. Die heutigen Bräuche und Riten zum Jahreswechsel, Silvester und Neujahr, basieren zu einem Großteil auf den altrömischen und zum Teil auch auf germanischen Riten, wenn sie sich auch eher in die Abend- und Nachtstunden des Silvestertags verlagert haben. Ausgelassenes Feiern, Essen und Trinken, Tanzen usw. gehören ebenso zu einer Silvesterparty, einem Silvesterball oder einer Silvestergala wie das Silvesterfeuerwerk, Silvesterschießen oder das Neujahrsschießen zur Begrüßung des neuen Jahres.

Wie man sieht: Abergläubische Ängste und Hoffnungen sind heute noch mit dem Jahreswechsel verbunden.

Guten Rutsch!