Seit der Antike ist der Glaube verbreitet, im Spiegel sei die wahre Seele der Menschen zu erblicken. Der Aberglauben von gestern ist im Internet von heute Realität geworden: Die Social-Media-Reaktionen auf das Feuer von Notre-Dame spiegeln, was in den Köpfen und Herzen vor sich geht.

Im Internet macht ein neuer Typ Verschwörungstheorie die Runde. Ziel ist nicht das Widerlegen, sondern das Delegitimieren. Attackiert wird gezielt die Glaubwürdigkeit von Menschen und Institutionen mit gesellschaftlich tragenden Rollen – also die freie Presse, Universitäten oder Regierungseinrichtungen.

Notre-Dame brannte noch keine Stunde, und schon fanden sich auf Twitter die ersten Nutzer mit Erklärungsansätzen. Eine Folge der Dacharbeiten, spekulierten einige. Vielleicht ein Kabelbrand, mutmaßten andere. Man müsse eben abwarten, hieß es. Doch während viele über die Ursachen rätselten und gleichzeitig fassungslos zusahen, wie sich die Flammen erbarmungslos durch den Dachstuhl der 800 Jahre alten Kathedrale fraßen, breitete sich in den sozialen Netzwerken etwas anderes mindestens genauso schnell aus wie das Feuer: Verschwörungstheorien und Desinformation über die Brandursache.

Wer die Entwicklung auf Twitter mitverfolgte, konnte beobachten, wie sich in dieser Zeit drei Erzählstränge verbreiteten: zum einen die Behauptung, dass Isis für den Brand verantwortlich sei. Dann ein Narrativ, welches den Brand der Kathedrale mit früheren Kirchenschändungen in Frankreich in Verbindung zu setzen suchte. Zuletzt fand sich immer wieder die Behauptung, dass Muslime in Paris und weltweit die Zerstörung der Kathedrale feierten. Die Urheber dieser Geschichten waren Verschwörungstheoretiker, antimuslimische und rechtsextreme Aktivisten, vor allem aus den USA (nzz.ch). Der Impetus hinter allen drei Narrativen: den Eindruck erwecken, dass Muslime schuld am Brand der Kathedrale seien; Beweise waren aber keine vorhanden.

Notre-Dame ist bei weitem nicht das einzige Beispiel für solche Attacken auf unsere Wahrnehmung der Realität. Auch nach Amokläufen oder anderen tragischen Ereignissen quillt das Internet regelmäßig mit Desinformationen über. Doch verbindet man die vielen Einzelstücke, zeichnet sich allmählich ein Muster ab (Nancy Rosenblum/Russel Muirhead, Politikwissenschaftler, in „A Lot of People Are Saying“). Man bezeichnet das als „new conspiracism“ (a.a.O.).

Der neue Verschwörungstheorismus zeichnet sich nicht durch aufwendige Präsentation vermeintlicher Beweise oder elaborierter Theorien aus. Stattdessen wird, wenn überhaupt, nur auf einzelne Fundstücke verwiesen und im Übrigen mit suggestiven Aussagen vom Schlage „Es ist kein Geheimnis, dass …“ oder „Da kann man sich schon fragen …“ gearbeitet (nzz.ch).

Der russische Propagandasender Russia Today verbreitete über den Kirchenbrand in Paris schließlich über Twitter und Facebook die These, dass der Brand nur eine Fortsetzung einer Reihe von Angriffen auf christliche Kirchen in Frankreich sei. Der Sender nutzt den Brand aus, um seine Grundthese vom Verfall des guten Lebens in Europa zu untermauern (welt.de). All diese Behauptungen entbehren jeder Faktengrundlage – doch reichen aus, um eine Stimmung der Unsicherheit zu schüren, nicht zuletzt da sie von rechten Populisten fleißig weiter verbreitet werden.

Das nachträgliche Blocken solcher Beiträge hilft nur bedingt. Denn ihr Zielpublikum erreichen sie bereits innerhalb der ersten zehn oder zwanzig Minuten nach der Publikation. Helfen können nur automatische Vorabfilter – doch die wiederum liegen aktuell noch, siehe YouTube, schlicht daneben.

Die Rezeption diverser Internet-Seiten sagt über sie, ihre Inhalte „fragwürdig“, „rechtsextrem“ oder „verschwörungstheoretisch“, größtenteils historisch unhaltbar sind.

Deshalb sei davor gewarnt, voreilige Schlüsse zu ziehen. Beim World Trade Center wurde behauptet, es wäre ein Experiment (kenfm.de) gewesen. Vielleicht kommt man ja auf die Idee, dass der Brand von Notre-Dame dann auch ein solches Experiment war. So lang nichts bestätigt ist, sollte man Ruhe bewahren. Nur mit kühlem Kopf kann man Fake News und anderen Nonsens erkennen.

Aber Verschwörungstheorien zu Notre-Dame gibt es auch in andere Richtungen. Am Ende gilt wirklich: Warten wir auf bestätigte Meldungen und prüfen Sachverhalte, bevor wir irgendwas in die Runde hauen, was sich nicht beweisen lässt.

Aber dafür hätte es dieses Großbrandes nicht bedurft, oder?!

Man mag es kaum glauben: Aber das 21. Jahrhundert begann in Deutschland mit den zuversichtlichsten Hoffnungen, und die verbanden sich damals tatsächlich mit der Sozialdemokratie.

Im Übergang von 1999 in das Jahr 2000 war der sonst übliche Pessimismus der Deutschen so gut wie verschwunden. Nur noch zehn Prozent der Bürger schauten düster gestimmt in die Zukunft (zeit.de). Warum hat sich das in zwanzig Jahren so hanebüchen verändert? Wo liegen die Gründe?

Die SPD ist von einer sozialdemokratischen Partei – gar Deutschlands – unterwegs in Richtung einer neosozialistischen Vereinigung ohne Programm und Koordinatenkreuz, aber mit einer unendlichen Fülle von Ideen und Ideologismen, die keinem auch nur halbwegs geschlossenen System zuzuordnen sind. Die Sozialdemokratie ist zu einem hohlen Sozialdemokratismus geworden, der nicht ganz ungefährlich ist. Die SPD, eine Partei, von der viele Bürger – Anhänger wie Kontrahenten – immer noch irrig annehmen, dass sie ein ruhender Pol im politischen Spiel sei, wird zu einer Gefahr für die Gesellschaft, wenn sie nur noch zufallsgesteuert und situativ (irgendwelche sogenannten politischen Ziele verfolgend, die irgendwelche Parteifürsten intern aus ihrer politischen Interessenlage heraus formuliert haben) Politik macht.

Das Herz und der Verstand sind der SPD abhandengekommen (wiwo.de). Die SPD handelt permanent populistisch bis zum Anschlag und dazu passt auch, dass sie ihrerseits mit dem Populismusvorwurf auf alles, von der Mitte bis zur konservativen Seite, drauf haut. Auch die CDU ist für die heutige SPD in Wahrheit Populistenpack. Das alles verschweigen die „Sozibonzen“ sogar vor sich selbst, denn sie wollen unter Merkel mitregieren.

Die SPD-Wähler sind dagegen mehrheitlich nach wie vor sozialkonservativ eingestellte Traditionalisten, die mit einer erstaunlichen Beharrlichkeit ignorieren, dass es ihre gute alte SPD schon lange nicht mehr gibt. Der ehemalige französische Präsident, Francois Hollande, ist ein symptomatisches Beispiel für den unverständlichen, aber leider unaufhaltsam erscheinenden geistig politischen Niedergang der europäischen Sozialdemokratie. Hollande wurde von einer Mehrheit der Franzosen gewählt, obwohl im Vorwege feststand, dass er die Grande Nation in ein kleines Chaos stürzen würde. Und dessen Konsequenzen sind noch nicht absehbar. Die Probleme der Sozialdemokraten kann man wie folgt beschreiben: Sie haben vergessen und verlernt, was Sozialdemokratie ist, und verlernt Sozialdemokraten zu sein.

Zwischenzeitlich sah es so aus, als ob Andrea Nahles die Kritiker in den eigenen Reihen zurück ins Glied drängen kann. Doch die kritischen Stimmen verstummten nicht. Das einzige, was sie möglicherweise noch zurückhielt, war die Sorge, dass mit der Parteichefin auch die Große Koalition Vergangenheit sein könnte. Genau dieses Szenario hängt nun über dem politischen Berlin.

Nach dem Scheitern von Jamaika im Bund Ende 2017 und bereits wochenlangen Verhandlungen zwischen den verschiedenen Partnern ließ sich die SPD erneut auf die GroKo ein. Leidenschaftlich warb Nahles in Bonn um die Zustimmung der Delegierten und bekam sie dann auch. Vielleicht hoffte sie, sie könnte das Kunststück von Willy Brandt wiederholen. Der war 1969 gestärkt aus der Großen Koalition mit der Union hervorgegangen und schließlich Bundeskanzler geworden. 2019 sieht es anders aus.

Der frühere SPD-Vorsitzende und Ex-Kanzlerkandidat Martin Schulz sprach sich hingegen unmittelbar vor dem Nahles-Rücktritt in der Welt am Sonntag dafür aus, die Große Koalition jetzt gerade fortzusetzen. Sein Argument: Kanzlerin Angela Merkel sei am Ende ihrer vierten und letzten Amtszeit „ausgebrannt“. So ergebe sich für die Sozialdemokraten die Chance, jetzt „die Initiative zu ergreifen und weiterzukommen bei Mindestlohn, Digitalsteuer, Umweltpolitik und Handelsverträgen mit ambitionierten Klimazielen“. Aber gerade hierzu hat die SPD derzeit wenig bis nichts zu bieten.

Die ausgebrannte Kanzlerin steht nun neben einer führungs- und wählerlosen SPD. Die wiederum kann ihr Heil nun im Bruch der Großen Koalition suchen oder erst recht im Festhalten daran. Es ist die Wahl zwischen Pest und Cholera (n-tv.de).

Warum hält sich Leonardo da Vinci so hartnäckig als globales Supergenie? Die WELT titelte gar zum 500. Todestag: „Leonardo da Vinci, der Steve Jobs seiner Zeit“ (welt.de 01.05.2019).

Leonardo da Vinci studiert die Natur und den menschlichen Körper, ersinnt Flug- und Kriegsmaschinen: Rastlos stürzt der Visionär, der das Renaissance-Ideal des vielseitig begabten Menschen wie kein anderer verkörpert, von Projekt zu Projekt. Beim Malen aber hält er inne – und schöpft aus seinem universalen Wissen Werke von überzeitlicher Schönheit.

Schon als Kind erforscht Leonardo, 1452 als unehelicher Sohn eines Notars im toskanischen Vinci geboren, die Gesetzmäßigkeiten der Natur: „Beschreibe, wie die Wolken sich bilden und wie sie sich auflösen“, vermerkt er später in einem seiner Notizbücher, „was die Nebel und die Verdichtung der Luft verursacht und warum diese manchmal blauer oder weniger blau erscheint als ein andres Mal“ (geo.de).

Fliegen – davon träumte Leonardo da Vinci wie viele andere Menschen jener Zeit. Der Mann aus Italien beobachtete Vögel und entwickelte Flughilfen, die den Flügeln nachempfunden waren.

Leonardo setzte aber nicht allein auf die Muskeln als Antriebskraft. Er entwickelte unter anderem ein Fluggerät mit Luftschraube, einen Vorläufer des modernen Helikopters. Auch ein Gleitfluggerät entwarf der Tüftler, eine Art Fallschirm. Der Fallschirm ist jedoch nicht rund geformt, sondern läuft spitz zu.

Leonardo war ein Exzentriker, der das Außenstehen zum Prinzip machte. Er hinterfragte alles, vom Lauf des Wassers über die Funktionsweise des menschlichen Körpers bis zum kanonisierten Regelwerk der Malerei. Während es kaum mehr als ein Dutzend Gemälde von ihm gibt, kann man bis heute über 6.000 Zeichnungen aus seiner Hand bestaunen. Darüber, über die Beobachtung, erschließt er sich die Welt (deutschlandfunk.de).

„Malerei war für ihn praktische Philosophie. Er musste malen um zu erkennen.“

Das Handwerk dazu erlernte er in der Florentiner Werkstatt Andrea del Verrocchios. Nach den Jugendjahren in Florenz versuchte er sein Glück am Mailänder Hof von Ludovico Sforza, der wie andere Machthaber auch, die Kunst für seine Propagandazwecke brauchte. Leonardo pries sich an – allerdings nicht als Maler.

Im 19. Jahrhundert brach ein regelrechter Kult um ein Bild aus (die Italiener tauften es Monna Lisa – Frau Lisa – oder La Gioconda).

Man mochte nicht glauben, dass die Dame mit dem seltsam verschleierten Blick nur eine langweilige Kaufmannsfrau war, begann ihr unergründliches Lächeln und den sublimen Zauber ihrer Erscheinung psychologisch zu analysieren. So pendelte die Interpretation der Mona Lisa zwischen Heiliger und Hure. Selbst die spärlich angedeutete Landschaft im Hintergrund erschien einem deutschen Kunsthistoriker „traumhaft wie in gewitterschwüler Sinnlichkeit zitternd“ (Richard Muther 1909).

Ein stehendes Lächeln auf langgezogenen, geschwungenen Lippen; es ist für ihn charakteristisch geworden und wird vorzugsweise „leonardesk“ (SPON) genannt. In dem fremdartig schönen Antlitz der Florentinerin Mona Lisa del Giocondo hat es die Beschauer am stärksten ergriffen und in Verwirrung gebracht.

Dem Erfinder Leonardo da Vinci waren die Defizite seiner Ideen sehr wohl bewusst (swr.de). Wir machen heute den Fehler, ihn zum Universalgenie zu stilisieren, das alles konnte. Er selbst sah das anders, verstand sich nicht unbedingt als großer Erfinder, sondern als Neugieriger, der sich für alles interessiert. Und so interessierte er sich eben auch für Maschinen, die viele schon vor ihm entworfen hatten. Leonardos originäre Leistung bestand darin, die schlechten Zeichnungen der Maschinen seiner Vorgänger zu perfektionieren; seine Zeichnungen waren so perfekt, dass sie suggerierten, seine Maschinen würden funktionieren.

Am 2. Mai 1519 starb der Universalgelehrte in Amboise. Heute – 500 Jahre danach – ist er uns präsenter denn je. Ein „Uomo universale“ wollte er sein, die Malerei galt ihm zwar als die höchste aller Künste, was ihn aber nicht abhielt, mit fantastischen Erfindungen weit in die Zukunft zu greifen.

Sie tun es, keiner weiß warum.

Verhalten sich, wie verlangt.

Vom freien Denken bleibt nur:

„Die Gedanken sind frei!“,

aber alles bitte im Gehege.

Alle spielen das Spiel,

ein Andrer macht die Regeln.

Die Gemeinschaft der Zocker,

gefangen im Spiel der Freiheit.

Schlafwandler sind sie alle!

Karthago brennt lichterloh,

ein Nero wird es angezündet haben.

Die Zündler sind unter uns,

der Kick, die lebendige Flamme,

entzückt tote Seelen.

Alles weiß, wie die Seiten

im Buch des Schicksals.

Der Strom fließt, reißt sie mit,

auf dem Weg zum großen Fall.

Kaffeefahrt des Lebens!

Willkommen auf der Arche,

sind wir alle davongekommen?!

Zück Deinen Bleistift, schreibe!

Fülle die weißen Blätter

mit dem Sinn Deines Daseins.

Hinter der nächsten Flussbiegung,

gehe an Land, betrete trocknen Boden!

Suche sicheren Tritt,

bestimme Dein Leben,

bevor es der anderer tut.

Reiß die Fäden durch,

an denen Du hängst, Du Marionette!

Wir bewegen uns alle,

er zieht mal hier, mal da!

Leben, hängend am seidenen Faden.

Freiheit vom Puppenspieler,

weg mit den Fesseln des Geistes,

ein „Schnipp“ mit der Schere,

und alles wäre anders.

Wie viel besser, wer weiß …

Ja, das Boot treibt weiter,

es rauscht der Wasserfall.

Fridays for Future (FFF) ist eine globale Schüler- und Studierendenbewegung, die sich für den Klimaschutz einsetzt. Nach dem Vorbild der Initiatorin Greta Thunberg, auf das sich die meisten Klimastreiker berufen (darunter alle, die sich selbst als FFF-Anhänger etikettieren), gehen Schülerinnen und Schüler freitags während der Unterrichtszeit auf die Straßen und demonstrieren. Der Protest findet weltweit statt und wird von den Schülern und Studierenden selbst organisiert.

Zwei Tage vor der heutigen Europawahl haben deutschlandweit erneut Zehntausende überwiegend junge Menschen für eine bessere Klimapolitik demonstriert. Allein in Hamburg waren beim zweiten Klimastreik der FFF-Bewegung bis zu 17.000 Demonstranten in der Innenstadt unterwegs. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“, so die Parolen (zeit.de). Die Organisatoren waren ursprünglich von etwa 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausgegangen.

Die Proteste in Deutschland waren eingebettet in einen globalen Streik, der in rund 1.600 Städten in weit mehr als hundert Ländern stattfinden sollte. Schon im März hatte es einen solchen globalen Aktionstag gegeben (tagesschau.de).

Kurz vor der Europawahl wollte die Bewegung das Thema noch einmal in den Fokus rücken. Viele der Teilnehmer dürfen noch nicht wählen und ihre Interessen daher nicht an den Wahlurnen zum Ausdruck bringen. Die Aktionen standen daher unter dem Motto #voteclimate.

Statt weiter auf dem Vorwurf des Schwänzens und der absurden Forderung, wahre Klimaschützer müssten wie Steinzeitmenschen leben, herumzureiten, sollten sich die Erwachsenen bedanken, dass es „FFF“ gibt. Die junge, angeblich so unpolitische Generation hat es geschafft, ein im wahrsten Sinne des Wortes existentielles Thema so weit nach oben auf die Tagesordnung zu bringen, dass es nun als mitentscheidend für die Europawahl gilt.

Greta Thunberg hatte unter anderem schon einen Auftritt im Europäischen Parlament, beim UNO-Klima-Gipfel und sogar in Davos hinter sich und wurde sogar auf den Friedensnobelpreis nominiert.

Die Ziele der Bewegung scheinen ja zweifellos etwas Gutes zu bezwecken. Doch eine Frage sei erlaubt: Konnte das kleine Mädchen ernsthaft das Ganze allein in Gang setzen? Und: Wie werden diese Riesenprotestbewegungen organisiert?

Wenn man den deutschen Protest der FFF-Bewegung etwas näher betrachtet, erkennt man nicht ganz durchsichtige, aber sehr gut organisierte Strukturen, die sehr gut und reibungslos funktionieren – und die Protestbewegung mit Daten unterstützen und das Funktionieren der Aktionen gewährleisten (sputniknews.com).

FFF-Aktivisten sind in allen bekannten sozialen Netzwerken präsent – die ökologische Bewegung gibt es auf Facebook, Instagram, Youtube, Spotify und Twitter. Allein in Deutschland sollen es über 155 Internet-Gruppen sein.

Die neue Bewegung wurde in Deutschland weitgehend positiv eingestuft, obwohl es in der Politik in den ersten Monaten auch kritische Stimmen gegeben hat.

So werden Youtube-Videos auf Englisch weiterverbreitet, in denen am Ende ebenso aufgerufen wird: „Everyone has a choice, but not everyone has a vote. Make the European election about climate“.

Danach wird den Kindern gesagt, dass sie „eine besondere Verantwortung tragen“. Dafür sollten sie das Werbevideo anschauen, sich auf der Webseite der Bewegung „informieren“ und eine Briefwahl beantragen – und natürlich für das Klima streiken sowie die Nachricht an alle weiterverbreiten.

Eine so genannte virale Verbreitungstaktik also. Die Schüler werden gelobt und direkt instruiert, wie sie weiter vorgehen sollen.

Zwar werden keine konkreten Parteien benannt, die man unbedingt bei der Wahl unterstützen sollte, doch es wird wohl keine allzu fantastische Vermutung sein, dass eben die Partei, bei der Ökologie in ihrer Ideologie einen ganz besonderen Platz einnimmt, der zukünftige Nutznießer dieser Werbung bei der kommenden Europawahl sein könnte: Die Grünen!

Instrumentalisierung von noch nicht wahlberechtigten jungen Menschen?! Ja, aber hat uns nicht unsere klassische Schulausbildung in den letzten 200 Jahren genau dahin gebracht, wo wir jetzt sind?! Die Gegenfrage muss doch lauten: Instrumentalisieren unsere Schulen nicht die jungen Menschen zu einem klimaschädlichen, klassisch wirtschaftlichen Verhalten?!

Es ist die Zukunft der jungen Generation, sie hat nicht die Wahl über die Urne. Also stimmt sie mit Füßen über ihre Zukunft ab.

Wer sich des Öfteren mit bestimmten Personengruppen unterhält, der wird folgende Argumentationsmuster wiedererkennen: Die Pharmaindustrie hält Medikamente zurück, die Automobilkonzerne haben schon lange effektive, funktionierende Wasserstoffautos und kalte Fusion ist eigentlich auch schon länger keine Illusion mehr. Einige dieser und ähnlicher Thesen sind hanebüchen. Eine von ihnen scheint sich nun aber zu bewahrheiten: Scheinbar wusste der Ölkonzern Exxon Mobil bereist vor 30 Jahren über den Zusammenhang zwischen fossilen Brennstoffen und dem Klimawandel Bescheid und verschwieg diesen (spektrum.de).

Die historischen und kulturellen Wurzeln der Klimawandelskepsis bzw. -leugnung reichen bis in die Zeit vor Bekanntwerden des menschengemachten Klimawandels zurück. Ab den 1960er Jahren wurde in den USA durch die Umweltbewegung zunehmend auf die negativen Folgen von unbegrenztem Wirtschaftswachstum aufmerksam gemacht. Die immer größere Sichtbarkeit von Umweltschäden führte zu Forderungen, Umweltschutzgesetze zu erlassen und Umweltzerstörungen zu begrenzen. In den 1960er und frühen 1970er Jahren wurden daraufhin einige Umweltschutzbestimmungen erlassen und auch die Umweltschutzbehörde EPA gegründet. Von der Industrie wurden diese Entwicklungen mit Sorgen betrachtet, sodass schnell eine Gegenbewegung zu diesen aufkommenden Umweltschutzbestrebungen entstand, die später zu einem Bestandteil der konservativen Gegenbewegung wurde (wikipedia.org).

1988 beteiligt sich Exxon am Aufbau einer Gegenorganisation: der Global Climate Coalition, eines Zusammenschlusses von Lobbyisten, die unter Verschleierung ihrer Geldgeber klimaskeptische Desinformation betreiben. Wie die aussieht, zeigt der Global Climate Science Communications Plan, den Exxon mit dem American Petroleum Institute 1998 ausarbeitet. Unter der Überschrift „Victory Will Be Achieved When …“ heißt es, die Öffentlichkeit und die Medien müssten von „Unsicherheiten“ in der Klimawissenschaft überzeugt und diejenigen, die dann noch Klimaschutzmaßnahmen verteidigen, als „abgehoben von der Realität“ dargestellt werden. Flankiert wird dieser Plan durch den Aufbau von Thinktanks und pseudowissenschaftlichen Instituten, in denen Akademiker, die klimaskeptische Positionen vertreten, in Kommunikationsarbeit geschult werden, um sich in mediale Debatten einzuschalten. Allein in der New York Times veröffentlichen Exxon und der Nachfolgekonzern Exxon Mobil bis in die letzten Jahre über 36 Advertorials, die die wissenschaftliche Grundlage der Klimapolitik infrage stellen (zeit.de 06.12.2017/solarify.eu).

Mehr als zwei Grad Erwärmung, und der Meeresspiegel steigt beträchtlich. Mehr als drei Grad: Wir verlieren einen Großteil der Küstenstädte der Welt, und ein Wald wächst in der Antarktis. Mehr als vier Grad, und in Europa herrscht Dürre. Mehr als fünf Grad, und das Ende unserer Zivilisation steht bevor.

Von der Urenkelin Rockefellers, Neva Goodwin Rockefeller, finanzierte, dem entsprechende Recherchen halfen dabei, juristische Verfahren gegen Exxon einzuleiten. Einige US-Küstenstädte, darunter San Francisco, Oakland und New York, haben Exxon und andere Öl-Unternehmen auf Schadensersatz verklagt für die Kosten, die ihnen durch den Schutz vor dem steigenden Meeresspiegel entstehen. Vorbild sind die Prozesse gegen die Tabakindustrie, die unter ähnlichem Druck die gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens einräumen mussten.

Exxon Mobil schlägt zurück, unterstützt von republikanischen Senatoren, die im Mai 2018 einen Schriftsatz vorlegten, in dem sie schrieben: „Die Fragen von Klimaschutz sind politische Fragen und eignen sich nicht für einen Gerichtsentscheid“ (stern.de).

Der Klimawandel ist in den USA zu einem Schlachtfeld eines kulturellen Kampfes geworden, in den Präsident Trump das Land gezogen hat – und Exxon Mobil zum umkämpftesten Symbol darin. Laut einer Studie identifizieren sich Anhänger der Republikaner mehr mit Exxon als mit den meisten anderen Unternehmen. 69 Prozent von ihnen halten die Auswirkungen des Klimawandels für übertrieben dargestellt; bei den Demokraten sind es gerade einmal vier Prozent. In der Auseinandersetzung über den Klimawandel in den USA geht es längst nicht mehr um Studien, Zahlen und Fakten, sie ist zu einem weiteren politischen Schlachtfeld geworden, wie Abtreibung und das Waffenrecht. Republikanische Unterstützer machen deshalb Stimmung gegen die Familie Rockefeller, sprechen von einer bösartigen Intrige von Öko-Extremisten.

Heute, am 20. Mai 2019, ist Weltmetrologietag, genau genommen der zwanzigste. Er wird jedes Jahr an diesem Datum begangen. Metrologie ist, im Gegensatz zur oft hiermit verwechselten Meteorologie (Wetterkunde), die Wissenschaft des Messens.

Am 20. Mai 1875 unterzeichneten 17 Staatsvertreter aus der ganzen Welt in Paris die so genannte Meterkonvention und verpflichteten sich damit, Maße und Gewicht international zu vereinheitlichen und die dafür nötigen Organisationsformen zu schaffen (nrw.de).

Der Weltmetrologietag markiert eine Zäsur in der Entwicklung der physikalischen und technischen Maßeinheiten. Ab heute sind die gewohnten Definitionen der Einheiten Geschichte.

Von jetzt an, so haben es die mehr als hundert Mitgliedsländer der Meterkonvention am 16. November 2018 in Versailles beschlossen, erhalten von den sieben physikalischen Basiseineinheiten des Internationalen Einheitensystems – kurz SI-System – Sekunde, Meter, Kilogramm, Ampere, Kelvin, Mol und Candela – auch die letzten ein neues Fundament, und zwar das Stabilste, was die Physik zu bieten hat: Naturkonstanten. Diese Größen sind – so viel weiß man heute – bis in alle Ewigkeit unveränderlich. Ideale Voraussetzung also, um damit auch das Koordinatensystem, mit dem wir Zeit, Raum, Masse, Temperatur oder Elektrizität vermessen, zu kalibrieren. Eine weitere gute Nachricht: Im Alltag wird man von dieser Neuregelung nichts merken.

Beim Kilogramm war der Handlungsbedarf am größten. Denn die Einheit der Masse war die einzige der SI-Basisgrößen, die noch über einen Referenzgegenstand – einen Zylinder aus einer Platin-Iridium-Legierung – festgelegt war. Alle Gewichte dieser Welt, auch die des Ladens um die Ecke, bezogen sich auf dieses Urkilogramm (wikipedia.de), das seit 1889 in einem Tresor in Sèvres bei Paris verwahrt wird. Einen Schrecken bekamen die Wächter des Urkilogramms, als sie feststellten, dass ihr Kleinod im Laufe der Zeit gegenüber einigen seiner Duplikate leichter geworden ist, um 50 Mikrogramm. Wegen seiner „Flüchtigkeit“ war den Metrologen das Pariser Urkilogramm deshalb schon lange ein Dorn im Auge. Erschwerend kam hinzu, dass auf zentrale physikalische Größen wie Energie, Druck oder Kraft und somit auch das Ampere, die mit dem labilen Urkilogramm verknüpft sind, deshalb auch kein rechter Verlass war.

Das Internationale Büro für Maß und Gewicht in Paris definiert die Metrologie als „die Wissenschaft vom Messen, die sowohl experimentelle als auch theoretische Bestimmungen umfasst, mit beliebigem Niveau der Unsicherheit und in jeglichen Gebieten von Wissenschaft und Technik“.

Die älteste Darstellung eines Messgerätes ist eine frühe ägyptische Abbildung einer einfachen Balkenwaage aus der Zeit um 2.000 v. Chr (paderzeitung.de). Es zeigt das sogenannte Totengericht oder auch Seelenwägung. Der Glaube an ein Leben nach dem Tod ist bis heute allgegenwärtig. Ein Weiterleben nach dem Tod war aber in der ägyptischen Mythologie nur für jene möglich, die ein entsprechendes Leben führten. Im Totengericht wurden die Taten eines Menschen gewichtet (bzw. aufgewogen). Je nachdem wie das Ergebnis ausfiel, durfte sich der Mensch auf ein ewiges Leben freuen oder musste einen “zweiten Tod” sterben, der endgültig war.

Messen war und ist immer ein „Vergleichen“ mit etwas, was als „Maßstab“ angesehen oder in der Metrologie als „Normal“ bezeichnet wird.
Im Mittelalter benutzte man Körpermaße als Einheiten, wie die Länge des Unterarms (Elle) oder des Fußes, die Länge des Schrittes, die Spanne zwischen gestrecktem Daumen und Zeigefinger, die Breite der Hand (Handbreit) oder des Daumens. Darauf bauten dann die Flächen- und Raummaße auf. Vorgegeben, bzw. als Normmaß abgemessen, wurden diese Einheiten von dem jeweiligen Herrscher eines Landes oder Landstriches.

Endlich haben jetzt das Kilogramm und alle anderen Einheiten eine stabile Basis! Die Naturkonstanten, auf denen sie beruhen, sind nach heutigem Wissen unveränderlich. Das war mit dem Urkilogramm ganz anders: Seine Masse veränderte sich im Laufe der Jahrzehnte gegenüber seinen Kopien (qz-online.de). Auch Diebstahl oder Beschädigung wären eine Katast

Die Enthüllungen in der deutschen Presse (SPON, sueddeutsche.de) über ein fragwürdiges Treffen des zurückgetretenen FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache mit einer vermeintlichen Oligarchen-Nichte haben auch außerhalb Europas ein Medienecho ausgelöst.

In den us-amerikanischen Medien werden die vermeintlichen Verbindungen Russlands in die österreichische Politik als „direkter Draht zu einer Regierung im Herzen Europas“ (nytimes.com) aufgegriffen. Washingtonpost.com sieht in dem Skandal einen „Schlag gegen die europäischen Anti-Einwanderungsparteien“, die sich als „glaubwürdige Regierungsalternativen“ positionieren wollten.

Der Tag, der den Untergang von Österreichs Vizekanzler Heinz-Christian Strache einleitet, war der 24. Juli 2017 (t-online.de). Der Ort des Geschehens: Mitten auf Ibiza, sechs Kilometer vom Meer und sieben Kilometer von Ibiza-Stadt entfernt. Wer zwei Jahre später das Anwesen, die „Villa Can Mass” mieten will, muss dafür 7.671 Euro bezahlen. Es war ein gerade erst renoviertes Luxus-Anwesen, in dem der Politiker heimlich gefilmt worden ist. In dem veröffentlichten Video ist zu sehen, wie Strache damals einer vermeintlichen russischen Oligarchin vor Ort auf Ibiza öffentliche Aufträge und Aussicht gestellt hatte, wenn sie der rechtspopulistischen FPÖ zum Wahlerfolg verhelfe.

FPÖ-Funktionäre unterhalten seit einiger Zeit enge Kontakte nach Russland. Die europäischen Dienste fürchten, dass ihre geheimen Informationen dort bereits gelandet sind.

Die Freiheitlichen hatten bereits 2016 in Moskau eine „Vereinbarung über Zusammenwirken und Kooperation“ mit Wladimir Putins Partei Geeintes Russland unterzeichnet. Als gemeinsames Ziel wurde damals die „Erziehung der jungen Generation im Geiste von Patriotismus und Arbeitsfreude“ genannt.

Ein schwerer politischer Fauxpas unterlief der von der FPÖ nominierten Außenministerin Karin Kneissl. Im vergangenen Jahr lud sie Putin als Ehrengast (welt.de) zu ihrer Hochzeit ein und begrüßte ihn mit einem Hofknicks.

Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), Thomas Haldenwang, sieht offenbar erhebliche Risiken in der nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit mit Österreich (a.a.O.). Haldenwang hat in dieser Woche entsprechende Äußerungen im Parlamentarischen Kontrollgremium (PKGr) des Deutschen Bundestages gemacht.

Demnach hat Haldenwang den österreichischen Behörden zum wiederholten Male sein Misstrauen wegen möglicher Informationsweitergabe an Russland ausgesprochen.

Fazit: Das Vertrauen der Wähler in die Regierung ist angekratzt. Österreich hat ein Problem. Wenn die FPÖ nun in der Wählergunst abstürzen sollte, besteht die Gefahr eines Zwei-Parteien-Staats aus ÖVP und SPÖ. Daraus lässt sich nur eine Lösung schlussfolgern: „Der einzige Ausweg aus der schier ausweglosen Situation, die die Welt wieder einmal spöttisch auf Österreich blicken lässt: Eine völlige Katharsis, ein Neustart“ (kurier.at).

Nach dem Bruch der österreichischen Regierungskoalition 18 Monate nach dem Start bereitet sich das Land auf eine Neuwahl vor. Bundespräsident Alexander Van der Bellen berät sich mit Bundeskanzler Sebastian Kurz über die nächsten Schritte. Konkret geht es um einen Fahrplan bis zur Neuwahl. Es müsse jetzt „getan werden, was notwendig ist, um das Vertrauen wieder herzustellen“, so Van der Bellen (tagesschau.de).

FPÖ-Politiker Strache räumte ein, es sei dumm, unverantwortlich und ein Fehler gewesen. Er nannte seine Äußerungen „nüchtern gesehen katastrophal und ausgesprochen peinlich“ und entschuldigte sie als „typisch alkoholbedingtes Machogehabe“, während dem er sich aus seiner eigenen Sicht allerdings nicht auf Rechtsbrüche eingelassen habe.

Kurz nach Strache kündigte auch der FPÖ-Fraktionschef im Nationalrat, Johann Gudenus, seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern an. Den Koalitionsbruch konnten die Rücktritte nicht verhindern. Zwar habe man in den vergangenen zwei Jahren erfolgreich zusammengearbeitet und viele Wahlversprechen umgesetzt, so Bundeskanzler Kurz. Das Video allerdings mache ein Ende der Koalition unausweichlich.