Können Sie mit Scheinheiligkeit umgehen? Ich kann es nicht und ich rieche sie schon von weitem. Es stinkt gewaltig nach falscher Empathie, eigentlich tiefgründigem Neid und der unbändigen Lust, zu sehen, wenn es dem anderen dreckig geht oder der ebenso ein verkorkstes Leben hat wie der Neidhammel. Scheinheiligkeit kommt immer freundlich daher und erweckt zunächst den Anschein der Empathie oder des echten Interesses an einem anderen Menschen. Aber schlaue, lebenserfahrene Menschen haben schnell die Antennen ausgefahren und die Alarmglocken signalisieren „Obacht!“. Scheinheilige tun so als ob sie Sie mögen und Spaß an der Unterhaltung mit Ihnen haben. Sie wollen auf der gleichen Welle schwingen, wollen ein Wir-Gefühl vermitteln und wenn sie merken, dass man bei rein oberflächlichem Geplänkel bleibt und stets sein eigenes Ding durchzieht, schnappen sie ein und ringen innerlich nach Luft. Wie konnten Sie es wagen, einen Alleingang zu starten, ohne bereits im Vorfeld ausgiebig darüber geredet zu haben? Wie konnten Sie bloß so herzlos sein und diese neugierige, falsche Person so vor den Kopf zu stoßen und sich zu distanzieren? Wie ist es möglich gewesen, dass Sie sich freigestrampelt haben und ihre eigenen Entscheidungen über den Kopf derer getroffen haben? Ist Ihnen nicht klar, dass man Sie fortan meidet und allerhöchstens noch ein rausgequetschtes „Hi“ übrig bleibt? Also wirklich, wie konnten Sie so gemein sein und diesen Scheinheiligen den Wind aus den Segeln nehmen? Schließlich haben die immer einen guten Rat gegeben – egal, ob Sie es hören wollten oder nicht! Glauben Sie nicht, dass der Rat oder die ungefragten Vorschläge von Herzen kamen. Es kommt den Scheinheiligen gar nicht darauf an, ob Ihnen etwas gefällt oder nicht, Sie sich wohlfühlen und wie Sie mit den Angelegenheiten für sich selbst am besten umgehen. Es geht ihnen einzig und alleine darum, Ihnen deren Willen und Ideen aufzuschwatzen. Und wenn Sie daran kein Interesse haben, wird ein neuer Anlauf gestartet – vielleicht einige Monate später. Die Scheinheiligen verlieren dann ihre aufgesetzte Freundlichkeit, wenn sie merken, dass Sie ihnen entgleiten. Und weil sie insgeheim wissen, dass sie falsche Fuffziger sind, bekommen sie ein schlechtes Gewissen, was sie bestimmt nicht offen zugeben werden. Ab sofort werden Sie also gemieden, es ist vorbei mit der Höflichkeit und gute Wünsche können Sie vergessen. Alles, was Sie je zu solchen Leuten gesagt oder für Sie getan haben, war – salopp gesagt – für die Mülltonne und die kontrollieren die Scheinheiligen heimlich, um nachzusehen, wie Sie so leben, was sie konsumieren und erhoffen sich, dadurch einen Schnipsel ihres Lebens mitzukriegen. Sie müssen 24:7 auf der Hut sein, denn die werden nicht ruhen solange Ihnen alles gelingt und deren Leben höchst unattraktiv bleibt. Aber seien Sie ehrlich: So heilig haben Sie die ohnehin nie empfunden. Eher etwas krank im Hirn, oft konservativ und bieder, unflexibel und wenig empathisch. Und Sie haben es durchschaut: Des Scheinheiligen Freude ist ausnahmslos Ihre Misere oder Ihr Misserfolg und sie leiden unter einem vorgespielten „Ich-will-doch-nur-helfen-Syndrom“ (so eine Art bestimmende Mama oder Papa, die/ der immer das Zepter in der Hand hält und alles im Griff haben will – auch Sie). Doch soweit haben Sie es nicht kommen lassen und sich Menschen gesucht, die Ihnen auf Augenhöhe begegnen. Chapeau!

 

© Petra M. Jansen

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Es ist viel bequemer, wenn man von zu Hause, auf dem Sofa sitzend oder vom Gartenstuhl aus stöbern kann, was die Online Shops aktuell so anbieten. Ein Klick und die bestellte Ware kommt umgehend direkt vor die Haustüre. Da braucht man ja seinen Hintern gar nicht mehr in die Stadt oder die Einzelhandelsgeschäfte zu bewegen, wieso auch? Keine Parkplatzsuche, keine unnötige Benzinausgaben, kein teures Parkhaus und vor allem keine Menschenmassen oder hässliche Umkleidekabinen, sofern man Kleidung kaufen möchte. Gerade bei der Kleidung ist das so eine Sache – wenn es nicht passt, geht´s kostenlos zum Umtausch zurück. Alles kein Problem heutzutage. Dass aber die Einzelhandelsgeschäfte mehr und mehr sterben und dem bitteren Konkurrenzkampf ausgesetzt sind und dass die unzähligen Kurierdienste, DPD, UPS o.a. unsere Straßen verstopfen, scheinen die Online-Besteller gänzlich außer Acht zu lassen. Dann von „ökologischem Bewusstsein zu sprechen und ersatzweise (für das schlechte Gewissen) Blümchen zu pflanzen, von denen Bienen und Hummeln angelockt werden, klingt grotesk. Sie vergessen, dass unsere CO2-Belastung höher und höher wird und die zahlreichen Anlieferer tragen erheblich dazu bei. Das nächste unschöne Kapitel wäre der maßlose Papiermüll sowie die dazugehörigen Verpackungsmaterialien, die automatisch anfallen, wenn die Ware gut geschützt und unversehrt zum Empfänger gelangen soll. Völlig hirnrissig, hier von verantwortungsvollem Umgang mit unserer Welt sprechen zu wollen. Ich halte nichts von all den Online-Bestellshops und noch viel weniger von den Menschen, die so ziemlich alles online ordern. Es kann zur echten Sucht werden und sicher kennt jeder Familien, bei denen es nahezu täglich an der Türe klingelt und ein Kurier die bestellten Päckchen abgibt. Manche Leute bringen sich finanziell an die Grenze, bei ihnen türmen sich die Sachen – vieles liegt nutzlos auf dem Dachboden oder steht im Keller herum. Es grenzt für mich schon fast an ein Messie-Verhalten, wenn man alles doppelt und dreifach haben will und eigentlich nichts davon wirklich braucht. Zudem kann man beobachten, dass auffällige Online-Besteller tatsächlich eher menschenscheu sind, sich verkriechen, Besuche in Städten und der Öffentlichkeit meiden – es sei denn, sie müssen frische Lebensmittel des täglichen Bedarfs einkaufen. Erschreckend, aber achten wir einmal drauf, wie viele Menschen nicht aufhören können, immer wieder neue Sachen kaufen müssen! und ihrem inneren Zwang „das will ich jetzt“ nachgeben. Wer braucht eigentlich 50 Pullover, 70 T-Shirts oder irgendwelchen Deko-Nippes, der dann wieder irgendwann in der Ecke steht und gegen Neues ausgetauscht wird? Die Umwelt leidet unter diesen krankhaften Online-Bestellern und es zieht einen Schwanz der negativen Auswirkungen nach sich. Können sie wirklich so dumm, egoistisch und süchtig nach Konsum sein, dass sie jede Werbung anklicken, ständig im Internet nach Angeboten forsten und nicht merken, dass sie innerlich ganz arm dran sind? Für mich sind das schreckliche Vorstellungen, wenn ein Mensch nicht aufhören kann mit andauernden Online-Bestellungen. Die Papiertonnen quellen über, der Ramsch sammelt sich, die Straßen sind voll mit Transportern und ich kann nur den Kopf schütteln. Meine Güte…. es lebe der Konsum, dabei ist der Spruch „weniger ist mehr“ absolut nicht abgedroschen und die Begriffe Reduktion und Minimalismus wichtiger denn je. Ehre die Kleinigkeiten und reduziere deine Ansprüche, dann bist du sicher der glücklichere Mensch – garantiert! Ich liebe die Haptik und möchte die Produkte, die ich kaufe sehen, fühlen und vergleichen können. Das geht mir verloren, wenn ich alles im Internet bestellen würde und ich mag auch kein Konsumdepp sein, der täglich auf die Kurierdienst-Lieferung wartet. Diese Leute, bei denen das extrem ist, haben ein Defizit. Es macht sie zwar kurzfristig glücklich, aber letztendlich bringt ihnen ihre Kaufsucht wohl kaum den inneren Frieden. Dafür volle Räume, wenig Platz und ein leeres Bankkonto.

 

© Petra M. Jansen

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Niemals darf unterschätzt werden, was im Unterbewussten geschieht und selbstverständlich vordergründig von den Betroffenen nicht wahrgenommen wird. Wie denn auch? Sie leiden an einer bipolaren Persönlichkeitsstörung und wer gibt das schon gerne zu? Vielleicht begann das alles in der Kindheit mit Essstörungen, Magersucht oder anderen Auffälligkeiten und vielleicht vererbte es das eine oder andere Elternteil weiter oder es liegt einfach in der Familie. Es gibt so unendlich viele verschiedene psychische Störungen und allzu schnell wird dem Gegenüber salopp eine egomanische Psychose oder so etwas angedichtet oder man wundert sich täglich über das absurde Verhalten eines Nächsten. Wo aber tatsächlich der genaue Unterschied zwischen Grenzüberschreitung, überzogenem, modernen Egoismus und respektlosem Nicht-Einhalten von einer gesunden Distanz und einer echten psychischen Störung liegt (hier: Manische Störung oder -Depression), ist nicht immer einfach. Bei längerem Hinsehen erkennen wir typische Alarmsignale, wie z. B.

–  übersteigerte Aktivität (stets finden sie was Neues, an was sie rumbasteln      müssen)

–  auffällige Unruhe, ständiger Aktivismus (der/ die muss immer irgendwas     wurschteln)

–   gesteigerte Leistungsfähigkeit und Kreativität (sieht aber nur so aus)   

–  ins Maßlose gesteigerte Selbstbewusstsein (hat alles im Griff, erscheint dominant)

–  Realitätsverlust (der Wahrheit wird nicht auf den Grund gegangen, Gerüchte und Vermutungen sind wichtiger)

– deutlich vermindertes Schlafbedürfnis

– Distanzlosigkeit im Umgang mit anderen Menschen (sie vereinnahmen andere Reviere)

– Enthemmung (sie plappern über alles Eklige bis Widerliche oder ihre Intimsphäre)

– verminderte Rücksicht (breiten sich überall aus, als seien sie alleine)

– verminderte Gefahrenwahrnehmung (oder Überängstlichkeit, wagen sich nicht mehr aus dem Haus)

– mangelnde Sensibilität für die Bedürfnisse und Gefühle der Mitmenschen (merken nicht, wenn sie penetrant vor deiner Nase herum agieren)

– manchmal Vernachlässigung von Nahrungsaufnahme und Körperhygiene (oder Fressattacken und extreme Pingeligkeit. Schrubben sogar die Bodenfugen).

Fakt ist, dass alle manisch Erkrankten unter einer Distanzlosigkeit leiden. Sie fangen mehrere Dinge an, finden kein Ende in ihrem Schaffen (ihnen fällt garantiert immer etwas Neues ein), verfallen oft sogar in einen exzessiven Kaufrausch, der ihre finanziellen Verhältnisse übersteigt. Dabei sammelt sich der ganze Kram überall in jeder Ecke, was zu einer Ausbreitung und Übergriff auf andere „Reviere“ führt. Gedanken machen sich die Manischen allerdings nicht, für sie ist das normal, sie sind sich keiner Schuld bewusst und geben eher den Anderen als sich selbst die Schuld. Dann sind sie mitunter schwer beleidigt und fühlen sich in ihrer Persönlichkeit gekränkt (mangelndes Selbstwertgefühl).

Der Umgang mit manischen Personen ist schwer. Oft bleibt einem nur der Rückzug, die klare Abgrenzung, denn jegliche Form eines konstruktiven Gesprächs wird scheitern. Zwar plagen sie insgeheim das schlechte Gewissen und Schuldgefühle, aber es löst nicht ihre vorhandene, bipolare Störung. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass Forscher herausgefunden haben, dass offenbar die Gene verantwortlich sind und so ist es nicht verwunderlich, dass sich psychische Störungen innerhalb einer Familie häufen (z. B. Vater/ Sohn, Mutter/ Tochter). Das Schlimme an dieser Erkrankung ist, dass die Betroffenen sich selbst durchaus gesund fühlen und keinen Grund sehen, ihr Verhalten ändern zu müssen. Ihre Mitmenschen und das Umfeld allerdings haben keine andere Wahl, als kopfschüttelnd mit echtem Mitgefühl das Weite zu suchen. Übrig bleiben dann nur ganz wenige und das Ganze führt in jedem Fall in die soziale Isolation der manisch Kranken. Tja – wie so oft – die Psyche…

 

© Petra M. Jansen

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Schaut man einmal etwas hintergründiger in die Betriebs-Hierarchien und  -Strukturen, finden viele Beschäftigte das vor, was es eigentlich gar nicht geben sollte. Kollektiver Unternehmenskultur und der Arbeit von Betriebsräten zum Trotz rotzen sie sich hinter verschlossenen Bürotüren aus über die Kumpels und Kollegen, das es einem übel wird. Eigentlich ist das kein unbekanntes Thema, dass sich viele Arbeitnehmer in Betrieben nicht wohlfühlen und psychische Erkrankungen, depressive Arbeitswochen oder die innere Kündigung  Begleiterscheinungen sind. Wer kennt diese Situation nicht? Zickenkrieg, die Eine gegen die Andere, mit der sie eben gerade gestern gegen die Vorherige hergezogen hat. Direkte Augenkontakte werden vermieden, es erfolgt oft nur ein kurzer Blick –  der notwendigen Höflichkeit halber. Vorgesetzte, die ihre Trümpfe ausspielen und Machtausübung mehr als gerne demonstrieren. Sie sagen mindestens fünfmal pro Jahr, wo der Hammer hängt, w e r eigentlich ranghöherer  ist und drücken dir eins unter die Weste, denn DU hast garantiert nichts zu sagen. Sicherlich, Regeln muss es geben, aber dann besser ein Regelwerk mit fairen Mitteln und nicht ein offensichtliches Ausnutzen und Unterbuttern, um selbst im gleißenden Lichterglanz zu erscheinen. Vorne wird gelächelt, hinten an deinem Stuhl gesägt. Brutale Wirtschaft heutzutage, bei der jeder beliebig austauschbar ist und sobald jemand kommt, den man leichter zurechtkneten kann, der die Klappe hält und sich artig wie ein Dackel dem ganzen falschen Schmodder unterordnet, wird gefeuert und die Verträge neu sortiert.

Tragisch, wenn das Betriebsklima dermaßen gelitten hat, dass sich eine Cliquenwirtschaft bildet und alle innerhalb dieses Konstrukts so derbe über andere vom Leder ziehen, ohne sich überhaupt für ein konstruktives Miteinander einsetzen zu wollen. Nein, das wäre ja auch gar nicht so spannend und würde auch gar nicht das elendige, zerstörerische Ego der Intriganten befriedigen. Die wollen es nämlich so! Stets auf Kosten der Schwächeren, der Untergeordneten, die in ihren Augen frech, unfähig, arrogant oder unhöflich sind. Nur kein Lob und keine aufmunternden Worte zu „Niedrigrängigen“, dazu bedürfte es nämlich tatsächlich innere, menschliche Stärke und den festen Willen, etwas Positives bewegen zu wollen. Es gilt also die altbekannte Hackordnung und wenn man das heimtückisch hintenrum tun kann, warum nicht?

In einigen Betrieben sind auffällig viele Mitarbeiter über eine lange Zeit krankgeschrieben und die Zahl der Krankheitstage ist hoch. Beschäftigte spüren sehr schnell in welchen Firmen es loyal und fair zugeht und mit ein wenig Menschenkenntnis ist es nicht allzu schwer herauszufinden, ob in diesem Betrieb „Corporate Communication“ tatsächlich gelebt wird oder das eine nur nach außen getragene Farce ist. Die Gehaltszahlungen alleine machen noch keinen glücklichen Mitarbeiter. Erst an dem Platz, an dem sich Beschäftigte akzeptiert und motiviert fühlen, ein echtes „Wir-Gefühl“ kontinuierlich gelebt oder angestrebt wird, ist es ein Arbeitsplatz zum Wohlfühlen.

Überall dort wo die reine Wirtschaftlichkeit/ die Profitabilität im Vordergrund stehen und übergeordnete Beteiligungsgesellschaften die Hand aufhalten, sind die starren Hierarchien dieser „Gebilde“ oftmals ein Nährboden für Mobbing, schlechte Mitarbeiterführung und ein krankes Betriebsklima. In kleineren, innerhabergeführten Betrieben sind die Kommunikationswege kürzer und es ist gerade hier extrem wichtig, dass alle Beschäftigten an einem Strang ziehen und sich gegenseitig unterstützen. So liegt der Schluss nahe, dass sich Mitarbeiter im Großindustrie-/ Wirtschafts-Segment nicht mit ihrem Arbeitgeber identifizieren und mehr an einem sicheren Arbeitsplatz mit gutem Lohnausgleich als an ethischem, kollegialem, sozialem Arrangement interessiert sind. Ist die Industrie rücksichtslos, so sind es auch die Leute, denen man die Macht in die Hand gibt. Eine kluges Management bedeutet auch immer Augen und Ohren offen zu halten und vielleicht sogar einmal die Putzkolonne zu befragen, den Gärtner, die Außenstehenden, die oftmals einen recht klaren und abgelösteren Blick auf die Missstände, Stimmungen und den Vorgängen hinter den Kulissen haben. Irgendwie sollte sich das alles aber längst herumgesprochen haben und deshalb ist es umso verwunderlicher, dass hochbezahlte Manager für die Basis blind geworden sind. Dabei kostet der Ausfall durch Krankheit jedes Jahr Milliarden – dem betrieblichen Gesundheitsmanagement zum Trotz.

 

© Petra M. Jansen

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Sie versemmeln dir den ganzen Tag und das tun sie mit voller Absicht, denn es ginge auch ein wenig weniger impertinent und ein wenig weniger stoisch und ein wenig weniger penetrant und ein wenig weniger muffig und ein wenig weniger laut und einfach ein wenig weniger. Aber das Empfinden der Menschen ist unterschiedlich und was du vielleicht akzeptierst, lässt den Nächsten in Rage verfallen oder er/ sie ergreift die Flucht. Wir finden zunächst immer irgendwelche Entschuldigungen, die uns daran erinnern, dass es ja noch schlimmer als schlimm kommen könnte. Die Angst im Nacken, dass der Frieden kippt und du eines Tages explodierst wie eine Bombe oder gar Selbstjustiz ausübst, ist zunächst dein Garant, die Schnauze zu halten. Aber wie lange geht das gut? Wie lange erträgst du diese abwertenden Gesichter, das Gehämmere der Baumarkt-Selbst-Schrauber-Wochenend-Handwerker oder den spitzen Tritt von durchgeknallten Stöckelschuhen über dir? Wie lange noch verkneifst du dir das scharfe Abbremsen, wenn das weiße Auto hinter dir deine Heckscheibe berührt und dir klar macht, dass deine Karre zu langsam ist für ein Überholmanöver? Wie lange noch erträgst du das belanglose Geschwätz der Vorgärten-Figuren, bei denen es stets um „die Anderen“ geht und die so unproduktiv sind, dass man sich nach einem Nickerchen auf der Couch sehnt? Schaffst du es, diesen täglichen Nervtötern aus dem Weg zu gehen und trotz allem ein ausgeglichenes Lächeln in deinem Gesicht zu tragen? Wohl kaum. Schauen wir uns in der Gesellschaft um, so nimmt sich jeder das Recht, tun und lassen zu können, was und wie er das für richtig hält und das ist selbstverständlich die Freiheit der individuellen Entwicklung eines Menschen. Der Begriff „gegenseitige Rücksichtnahme“ ist sicherlich auch bei jedem im Gedächtnis geblieben, aber davon wird selten Gebrauch gemacht. Immer wieder halten sich Menschen für besser, wichtiger, schöner – einfach eine Stufe über den anderen und du fragst dich, wie sie zu dieser Einstellung kommen. Die Chefsekretärin behandelt dich wie das Putzpersonal, der abgeblitzte Verehrer neidet dir jeglichen Erfolg, dein Chef verlangt das du dich verausgabst (schließlich zahlt er für tägliche Höchstleistungen), deine Nachbarn qualmen dir die Wäsche voll und so weiter. Sehr schade, wenn all diese Egozentriker dir deine gute Stimmung rauben und das, was morgens gut gelaunt angefangen hatte, abends umgekippt und du dich schlichtweg ausgelaugt fühlst. Seelenvampire… es sind kräftezehrende Wesen, die gedankenlos ihr eigenes Ding durchziehen und keine Empathie besitzen.  Unsere Gesellschaft ist krank und dafür gibt es leider keine wirkungsvolle Medizin. Vielleicht kokst, säuft oder schnüffelt sich der eine oder andere ins illusorische Paradies, aber eine echte Lösung ist das nicht. Zartbesaitete Gemüter leiden einfach unter dieser egoistischen Ellenbogengesellschaft, leiden unter Schlafstörungen oder stehen kurz vor dem Amoklauf. Diese Kraftsauger hören nicht eher auf, bis sie alles platt gemacht haben – dich inklusive. Heute geht es nicht um die Gründe, w a r u m die Nervensägen so sind wie sie sind, sondern um die Seite der „Opferrolle“, die sie dir zuschieben wollen und gegen die du machtlos zu sein scheinst. Was bleibt dir anderes übrig als der Rückzug und dein Besinnen auf die wenigen Liebgewonnenen und dir selbst? Dein Schwert ist deine Gelassenheit – so schwer sie dir auch fallen mag, aber der beste Weg um unbeschadet ins Alter zu kommen. Du kannst die Sauger nicht ändern oder mundtot machen und eine weitere Steigerung der egoistischen Verhaltensweisen wird zukünftig 100%ig  kommen, denn viel zu viele Menschen auf diesem Planeten kämpfen um die gleichen Sachen, Lebensräume und Vorteile und es werden faktisch immer mehr. Solltest du also nahezu täglich von deiner Umgebung und den Umständen oder den dich umgebenden Leuten ausgelaugt sein, liegt es einfach an der schier unendlichen Masse. Es ist wie auf einer Autobahn, auf der ein flüssiges Fahren aufgrund zu hohen Verkehrsaufkommens unmöglich ist und es unausweichlich zum Stau kommen muss. Alle Sachen, die uns so unendlich Kraft rauben sind nur ein Zeichen, dass wir mit allem was wir tun, kurz vor ROT stehen und es allerhöchste Zeit wird, dass diese „angestaubten“ Old School- und Benimm-Regeln und wichtige Werte wie Etikette, Honoration, Achtung, Demut, Aufmerksamkeit, Ethik wieder Oberhand gewinnen und der gegenwärtigen Gesellschaft zu einem menschlichen Ruck verhelfen, der umgehend nötig ist. DAS gehört meiner Ansicht nach zu jedem Studiengang für zukünftige Führungspersönlichkeiten, Top-Manager und Businessleute dazu! Sie müssen in ihren Schädel implantiert bekommen, dass sie Wert auf solche Dinge legen, ihr Personal entsprechend beobachten und auswählen, um ein vergiftetes, schlechtes Betriebsklima auszuschließen – im Business ebenso wichtig wie im Privatleben. Wer sich mies verhält, fliegt raus. Ende. Offenbar lernen Menschen nur durch Zwang oder die schmerzliche Erfahrung, etwas Wichtiges zu verlieren, aber anders geht es nicht. Und vielleicht überträgt sich dieses Verhalten tatsächlich auf das private Leben und wir spüren einen deutlich humaneren Wind in unserem Alltagsleben. Die Ellenbogengesellschaft wurde geschaffen durch eine Geschäftswelt, die mehr Wert auf schwarze Zahlen als ein faires Miteinander mit Respekt, Höflichkeit und gegenseitiger Unterstützung legt. Genau das muss sich ändern, wir alle tragen die Verantwortung im Sinne eines konstruktiven und nachhaltigen Handelns – privat ebenso wie beruflich.

 

© Petra M. Jansen

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Manchmal hast du keine Wahl und denkst, du hattest und hast die Wahl. „Man hat immer eine Wahl“ sagt der Spruch, den jeder kennt. Doch hättest du die Wahl gehabt, hättest du das eine oder andere sicher nicht gewählt. Blutleer und erschöpft, am Rande des Liegens auf der Pritsche derer, die dorthin gehen, um dringend Seelenhilfe zu bekommen. Ist ja irgendwie so wie mit den Leuten, die eigentlich gar nix können, es dennoch tun müssen und ihre eigene gemixte Suppe auslöffeln müssen. Würgereiz inklusive. Du hilfst ihnen vielleicht das Groteske der Situation verständlich zu machen, aber die Crux ist ihre Wahllosigkeit, der Zwang irgendetwas tun zu müssen, damit sie überleben können. Wie es denen geht oder gar dir, solltest du in dieser fatalen Schieflage sein, interessiert niemanden. Es gibt tatsächlich Umstände, die lassen dir keine Wahl – nicht einen kleinen Moment des Entscheidens ob du hier oder da lang willst. Dir steht das Wasser bis zum Hals, aber du bist kein fauler Hund und keiner, der aufgibt. Also Arschbacken zusammenpetzen und durch! „Wer die Wahl hat, hat die Qual?“ Gilt genau dann, wenn du es garantiert nicht gebrauchen kannst und solltest du tatsächlich mit dem Rücken an der Wand stehen, wählst du nichts anderes als den Fluchtweg nach da draußen – sofern es möglich ist. Doch so einfach ist es nicht mit dem Spruch dort oben, denn es gibt jede Menge Dinge in denen niemand die Wahl hatte oder hat. Ist so wie mit der Politik: Du glaubst, du hast die Wahl zu wählen, aber – egal was du tust – es bleibt immer alles bei der gleichen Scheiße. Nichts ändert sich sichtbar, auch ein anderer Kopf an der Macht, macht es nicht besser. Sei ehrlich, hast du immer die Wahl? Ist dein Leben wirklich eine Wundertüte, in die du greifen kannst und frei wählen, was du magst? Scheint so – am Anfang und wenn du alles richtig gemacht hast, dich brav dem System untergeordnet hast, auf Mama und Papa gehört hast, deine Biografie lückenlos vorlegen kannst, deine Schufa-Auskunft bloß keine Eintragung hat, deine Ehefrau dich nicht um Tausende + eine halbe Immobilie ärmer gemacht und mit dem Nächsten abgehauen ist, deine Kids artig und ohne Umwege das Abi gemacht haben, deine Gesundheit stets auf dem Top-Level war, du niemals zu sozial warst , dein letztes Hemd gegeben und Gott und der Welt geholfen hast (Nächstenliebe halt), deine Rente abgesichert ist und du immer schön die Klappe gehalten und dich angepasst hast. Andernfalls dürftest du irgendwann nicht mehr die Wahl haben. Doch du hast aus vollem Herzen gelebt, so unglaubliche Erfahrungen gemacht, ein riesiges Wissen aufgebaut und schaust zurück. Bei dir versagt jede offizielle Vita, die diese Gesellschaft verlangt und sie rümpfen die Nase, weil sie deinen unkonventionellen Weg nicht verstehen. Und jetzt stehst du da und fragst: „Hatte ich denn je eine Wahl?“ „Nein, du hattest keine“, wäre die korrekte Antwort. Und du lachst, weil du weißt, du würdest es genauso! wieder tun.

 

© Petra M. Jansen

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Du hältst die Fahne hoch, selbstverständlich. Doch erwarte keinen, es scheint ein selten gewordenes Gut zu sein. Heute „Du“, morgen „Sie“, gestern „Hi“, heute „No“. Erwarte die oberflächliche Freundlichkeit, das kleine verzerrte Lächeln, das umgehend zu Eis gefriert.

Nein, erwarte keine Höflichkeit, die Generation „Lass mir meine Ruhe“ steht direkt neben dir. Sende keine Sympathie an die toten Gesichter aus, die dir das Leben gründlich vermiesen wollen. So vermiest wie ihr eigenes schon ist, so beschissen soll nun das deine sein.

Nein, spare dir die netten Gesten, vergiss das produktive Miteinander. Die Hyänen schlecken ihre eigenen Eier.  Was könnte so wichtig sein, dass sie ihr hohes Ross verlassen um dich banal zu grüßen? Du sitzt nicht am Hebel für die Lohnabrechnung und in der Chefetage sitzt ein anderer. Also schon zwei Gründe, die dich nicht wichtig machen. Erwarte nun also keinen Knicks.

Respekt – hast du gelernt – lässt alles wachsen. Respekt steckt in dir drin. Respekt verloren, verlierst du alles, was dich zu einem Menschen macht. Respekt wird als Berechnung eingesetzt und ist höchstens das Mittel um weiter empor zu klettern. Auf einer Leiter, die schwarze Zahlen wünscht – doch den humanitären Gedanken ins Abseits stellt. Mensch, du bist eine Nummer, also sächlich. Verstehst du denn nicht, dass nur dein dickes Bankkonto dir Respekt verschafft? Spar dir also deine Freundlichkeit, zeig einfach mal die Zähne. Tu´ nicht so, als ob dich der Andere tatsächlich interessiert und verziehe keine Miene, wenn morgen jemand neben dir steht und scheinheilig auf „gute Bekannte“ macht.  Wundere dich nicht über das respektlose Arrangement von Paarbeziehungen, bei denen es nur darum geht, nicht alleine zu sein. Vergiss alles, was du je über Respekt gelernt hast, spucke denen vor die Füße, zeige ihnen ihre Grenzen auf, die sie ohnehin nicht sehen.

Aber willst du wirklich zu denen dazu gehören, die eine wichtige Grundlage der Menschlichkeit verloren haben? Denen es egal ist, ob sie unverschämt  in dein Revier eindringen, keine Rücksicht nehmen und jegliche Achtung verloren haben? Es mangelt an Fingerspitzengefühl, es mangelt an Empathie, es mangelt an einer gesunden Distanz-Nähe-Balance, es mangelt an Respekt. Aber scheiß drauf, ich liebe den RESPEKT!

 

© Petra M. Jansen

 

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Und es wurde schlimmer, immer schlimmer. Und schlimmer. Es zählt der Geist mit dem Ego eines modernen Säbelzahntigers ohne Rücksicht auf die dumme Empathie. Wer will schon Menschen? Bilde dir nicht ein, dass du wichtiger seist als Kohle – diese Zeiten sind vorbei. Maschinerie „Funktioniere“ verlangt stets den vollen Einsatz, in die Knie gehen unerwünscht. Komm´ her, das trainieren wir, wie man Leute überzeugt und was du tun musst, um stets das Beste herauszuquetschen. Und wenn´s zu viel wird, keine Sorge…. der Krankenschein wartet bereits auf dich. Kannst dann mal ein paar Tage ausruhen und dir Gedanken machen, wie ineffizient du wahrhaftig bist. Nur eine Nummer im System, beliebig austauschbar, wenn der Rost ansetzt. Hach, es gibt ja die vorzeitige, betriebliche Rente, da kannst du ein wenig kürzer treten. Aber erst dann, wenn du pro-Kopf lebenslang auf der Gewinnspur warst. Und es kommt noch schlimmer als du denkst, wenn du endlich soweit bist und deinen Kaffee schlürfen möchtest… da setzen sie mal plötzlich einen Bypass, aber es geht schon wieder aufwärts. Zu viel malocht in deinem Leben, die Überholspur wird zum Standstreifen und du bleibst jetzt endlich erst mal stehen. Schaust zurück auf erworbene Güter, dein Haus ist bereits abbezahlt. Meine Güte, wie schnell ging das Leben denn so an dir vorbei?! Aber dafür hast du die Finanzen fest im Griff. Wirklich dumm, dass du so alleine bist – sitzt da und wartest auf ein Wunder. Sie lief weg, es ist schon lange her und vor lauter Arbeit kam keine Neue her. Während sie sich da oben die Hände reiben, dich wie ein Rassepferd vor die Kutsche spannten, endest du als ausgemusterter Ackergaul, wartend auf dein Abendbrot, äh… Gnadenbrot.

 

© Petra M. Jansen

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