Früher war´s ganz einfach, man war wie man war. Heute gibt´s Instagram, Facebook (für geistig Arme), Pinterest und jede Menge Möglichkeiten, seine eigenen Peinlichkeiten loszuwerden oder mindestens für andere schrecklich peinlich zu sein. Auf Twitter gab´s unlängst den Hashtag „zeigthereurebäuche“ – lachen, würgen, Kopfschütteln inklusive. Was geht eigentlich den Damen durch den Kopf, Gott und der Welt ihre Bäuche zu zeigen und sich vor der Öffentlichkeit dermaßen zu entblößen? Muss das sein, dass Mama nach der zweiten Niederkunft um Aufmerksamkeit hechelt, weil sie noch keine Wampe und Schwangerschaftsstreifen hat? Ist es wirklich nötig, sich in halterlosen Strümpfen mit Schlüpfer auf dem Bett via Self-shot in die Öffentlichkeit zu rücken? Und ist es wirklich erstrebenswert, als Mitte-50-er-in mit Bildbearbeitung Schleifen ins Haar zu zaubern, den Kussmund in die Kamera zu werfen und überalterte Fotos zu benutzen? Oftmals trifft einen in der Realität der Schock, wenn man den Retuschierten tatsächlich einmal live gegenübersteht und die weggebügelten Falten sich als strack nach unten hängende Furchen mit Doppelkinn entpuppen.

Auf Facebook oder Instagram gibt´s kaum was Peinlicheres als die eigene Mami im Freundeskreis zu haben. Garantiert haut Mutti jedem erwachsenen Kerl die blinkenden Herzchen, Küsschen und „HDGDL (hab dich ganz doll lieb), mein Schatz“ um die Ohren. Ähm, also da geht die beste Lady dann mal schnell weiter und sucht sich einen anderen Helden. Mit Sicherheit aber keinen in Pantoffeln und auch kein Mutti-Söhnchen, denn es dauert garantiert nicht lange, da kann Mami ihren Stolz nicht mehr verbergen und zeigt den muskelbepackten Kerl mit Windelhöschen als er sich an Möbeln entlang hangelte und seinen zahllosen Kiefer zeigte. Hust…

Zurück zu den Trockenpflaumen im Internet: Da gibt´s ja nicht nur die peinlichen Entgleisungen der dauer-brunftgeilen Frauen sondern auch die sabbernden Voyeure, die bei genauer Hinsicht sexuell völlig verklemmt  sind und deren Verhalten oft von Community zu Community wechselt. Sind sie auf einer beruflich orientierten Plattform eher sachlich zurückhaltend, tropft ihnen bei Twitter die Spucke aus dem Mund und bei YouTube outen sie sich plötzlich als Heavy Metal Fan, während sie bei Facebook eher zurückhaltend waren (wegen der Nachbarn).

Peinlicher als alle diese Dinge aber sind die Turteltauben-Fotos der jeweiligen Profilbilder mit Status-Korrektur – je nachdem ob gerade zusammen oder im Streit. Ein Hin und Her bei ihrem Beziehungsstatus in Facebook von „vergeben“, „in einer Beziehung“ bis „Single“ und nicht selten wechselt der Status innerhalb von wenigen Wochen, um dann nach weiteren Tagen wieder in den ursprünglichen Zustand und dann wieder in „ich bin glücklich alleine“ versetzt zu werden. Wen interessiert das eigentlich, außer dem Ego der jeweiligen Profilinhaber? Ganz ehrlich, mir geht das am Arsch vorbei.

Die virtuelle Welt kann eine sehr zerbrechliche Welt sein. Für die Kaffeetasse reicht es, vielleicht für einen kurzen Plausch über unwichtiges Zeug – aber wenn man ernsthaft mal nachhakt und Klartext redet, war´s das mit der Freundschaft. Sehr fragil das Ganze, wenn man keine Haptik, keine Mimik und auch keine Intonation hat. Und noch fragiler, wenn man glaubte, man kenne jemanden und sieht in einer anderen Community genau diese Person mit völlig anderer Reaktion als gewohnt.

Alles in allem – betreibt man Social Media als Instrument mit Realitätsbezug, ohne sich ausziehen oder blamieren zu müssen, ist es absolut in Ordnung. Was da aber zu beobachten ist (wohl ein Querschnitt durch unsere Gesellschaft), ist ein Mangel an Selbstbewusstsein, Ehrlichkeit und Respekt. Lächerlich und wirklich echt peinlich aber die Kommentare von Mutti und der Liebsten, die jedermann klar machen, dass ER so ein Schnuckelchen ist und natürlich der eigene Besitz. In die gleiche Kerbe hauen das Pärchen-Getue und diese unendlich auswuchernde Selfie-Darstellung, die allesamt der Welt da draußen suggerieren „ich bin glücklich.“ Wäre es wirklich so, bräuchte das ja niemand explizit zu betonen, stimmt´s? Gruß von Mutti, Kuss von Kussi-Bussi-Schatzi. Es stimmt schon – Instagram, Facebook, Messenger, Pinterest & Co. machen schlau. Nur anders, als beabsichtigt.

 

Kussi Bussi und so

 

© Petra M. Jansen

 

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Du verstehst mich nicht,

es ist, als ob man eine andere Sprache spricht.

Es fängt bei dir an,

und hört bei dir auf.

Dabei hörst du nicht, was ein jemand spricht.

Du verstehst rein gar nichts,

nickst wissend mit dem Kopfe

und schweigst tief in dir drin:

„Was ist? Dich versteh´ ich nicht.“

Es sind die Worte, die nicht gleich verraten

was sich hinter ihnen noch verbirgt.

Du hinterfragst es nicht,

es interessiert dich ganz einfach nicht.

Spricht das Wort von einem andern,

wiederholt dein Wort stets dich,

dabei fragte man d i c h doch nicht!

Es wollte dir was erzählen,

du aber drehst dich stets im Kreis.

Dein armseliger Kreis um Neid, Intrige, Lüge.

Das Karussell deines langweiligen Lebens,

in dem stets DU der Kaiser bist.

Du verstehst mich nicht,

willst gar nicht wissen, was ich sage.

Hörst nur deine Stimme, die sich wiederholt.

Täglich neu erfahren wir die gleiche Scheiße,

gehst sogar heute in die Kirche.

Geistesblitze gibt es da aber nicht.

Gehirnwäsche im Namen Jesus Christus,

aber DU wäschst immerhin dein Gewissen rein.

Hörst du nicht einmal, was Menschen sagen?

Magst du denn gar nicht verstehen?

Ordentlich dein tristes Dasein manikürt,

stets das Haupt frisch frisiert,

zugehört hast du schon wieder nicht.

Geistesabwesend schaust du deinen Worten nach,

unruhig wartend bist du,

zappelnd, wippend…

wie immer,

wenn der andere spricht.

 

© Petra M. Jansen

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Da kreischt er wieder. Täglich um die gleiche Uhrzeit erschreckst du dich, er bekommt sicherlich jetzt sein Futter. So ein Papagei hat was, vor allem im häuslichen Käfig, wo er vom Fliegen träumen darf. Bunt, anmutend, exotisch. Genau das Richtige für deine kleine Hütte, in der du vom Urwald träumst. Er sitzt, er putzt sich, er schüttelt sein Gefieder und kann dir gar nicht sagen, wie glücklich er ist, bei dir zu sein. Jeden Tag exakt zur gleichen Zeit gleicht sein aufgeregtes Gekreische in etwa dem markerschütternden Schrei, als ob man eine Gans langsam stranguliert. Flattert er noch oder ist er schon an seinem Gekrächze erstickt? Fünf Minuten lang hält er die gesamte Nachbarschaft in Atem und nun weiß jedermann, der Besitzer ist ein braver Kerl, der sich wirklich um sein Tierchen sorgt. Ehrlich? Dabei könnte man fast denken, es sei ein Tierquäler. Immerhin hat er den großen Exoten illegal irgendwie von einem Schmuggler, darüber darf er aber ganz bestimmt nicht reden. Wahrscheinlich ist er furchtbar besorgt und nimmt seinen Hausgenossen auch mal auf die Schulter?! Na also, ein wahrer Tierfreund, wer dem königlichen Ara auch mal einen Blick durch´ s Fenster auf die stark befahrene Gasse gönnt. Besser könnte es dem Urwaldbewohner kaum gehen, wo er nun satt und betüttelt wurde. Ja, es ist immer wieder schön, wenn direkt nebenan ein echter Tierliebhaber mit großem Ego wohnt, der seinen Ara mit einem Schoßhund verwechselt. Kille, kille… (er tätschelt artig die Federhaube und zieht schnell die Hände weg, sonst wäre der Finger ab). Ich liebe die abendlichen Rituale, die man als Papagei-Beobachter von Gegenüber gezwungenermaßen miterleben muss! Und sei es auch nur, um klammheimlich Mordgelüste zu entwickeln und tatsächlich ohne schlechtes Gewissen Pläne schmiedet, wie der kreischende Ara nach einem gezielten Griff erwürgt am Boden liegt oder wie man den Besitzer genau dann in ein spannendes Gespräch verwickelt, wenn der 1,5 x 1,5 m-Käfig geöffnet und das Fenster weit offen stand. Flieg Vögelchen, flieg´… aber dummerweise kann der Flatterer gar nicht mehr flattern. Dem wurden die Flügel gestutzt. Schade… majestätische Anmut sieht anders aus.

 

© Petra M. Jansen

 

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Hey, galanter Mann!

Hey, charmantes Weib!

Schleichen wir um den Brei herum?

Willst besitzen und so gar nichts dafür tun?

Jeder Tag ein neuer Tag,

jeder Tag eine neue Sache.

Das Leben ist Bewegung und Veränderung.

Wir treten nicht auf der Stelle.

Du sagst nichts?

Denkst, jeder muss dich fühlen?

Wie kommst du bloß darauf?

Wer hat dir dein Gehirn verdreht?

Und wer gab deinem Menschsein so viel Makel?

Ich verstehe nicht, was du wirklich willst.

Sprich das aus, dann klappt´s vielleicht.

Not ist am wahren Worte,

sonst spricht keiner –

gar nicht mehr.

 

Hey, mein Freund!

Spielen wir Nachlaufen?

Das ist Kindergarten.

Was also willst du?

Was verlangest du?

Keine Antwort.

Schon wieder keine Antwort!

Weiter geht es so rum aber nicht.

Wir reden an uns vorbei.

Reden stets Einheitsbrei

und nichtssagendes Einerlei,

reduziert auf ein knappes „Hi“.

Fehlt noch der alte Neandertaler-Wigwam-Schrei,

denn du bist schön…

unglaublich schön…

wieso knien sie denn nicht nieder?

Marionetten sind halt schon tot

und

Puppenspieler ausgestorben.


 © Petra M. Jansen

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Endlich haben wir die Gelegenheit, der Welt da draußen unsere Gesinnung zu zeigen und das – ohne große Mühe – via öffentlichen Postings in sozialen Netzwerken. Ob es der Obdachlosen-Bus oder das entführte, vermisste Kind ist, der gequälte Hund hinter Gittern oder einfach nur ein gealtertes Gesicht. Wir tun alles, um zu demonstrieren, dass WIR sehr sozial und menschenfreundlich eingestellt sind und teilen das natürlich sofort auf Facebook, Twitter & Co. mit. Das gibt auf jeden Fall Likes und Zustimmung von Leuten, die brav behütet hinter dem Bildschirm sitzen oder gerade einen Kaffee schlürfen und kurz in ihr Handy schauen. Wir sind s o an dem Schicksal anderer Menschen interessiert und uns geht es SO schlecht dabei, wenn wir an die armen Leute denken, die etwas gestohlen bekommen haben oder denen es schlimm geht. Gott sei Dank passiert UNS das nicht! Damit ist unsere Aufgabe in Sachen Mitgefühl und soziale Hilfe erledigt und sie können alle auf ihrem Arsch sitzen bleiben. Das ist in etwa so wie die Schaulustigen bei einem Autobahn-Unfall: Die fahren langsam vorbei, glotzen und sagen “oh je, das sieht aber furchtbar aus, die Armen“ und rasen an der nächsten Kurve genauso weiter.
Ich will heute keineswegs das Mitgefühl in Frage stellen, aber auffällig ist die soziale Posterei um selbst im Sonnenlicht zu stehen und sich bemerkbar zu machen und zu zeigen, dass man ein SO guter Mensch ist. Dann ab zu den Samaritern, ins Altersheim oder an die Tafel – dort können Sie sinnvollere Arbeiten tun als via Internet Ihre Empathie zu verteilen! Ich wundere mich immer wieder darüber, dass andere Leute das auch noch kommentieren und ihren halbherzig empathischen Senf dazugeben. Aber auch sie sitzen im Warmen, es geht sie eigentlich nichts an und ihnen ist es wahrscheinlich sogar herzlich egal. Es geht oft nicht um sozial und mitfühlend sondern, wie immer, um das eigene Ego, damit man wieder mal was zu sagen hat. Erschreckenderweise wechseln sich Selfie-Postings und dünnes Geschwätz mit sozialem (virtuellen) Engagement ab. Was schließen wir daraus? Diese Leute wollen uns zeigen, w i e interessiert sie sind, w i e engagiert sie sind und w i e sie mitleiden. Ich sehe es eher als dummes Zeug und glaube nicht, dass gerade s i e im realen Leben was Soziales auf die Beine stellen. Sie sind viel zu beschäftigt, ihr virtuelles Leben zu offerieren, zu zeigen, wie toll sie sind und dahinter steckt Einsamkeit, Dummheit, Leere, Egozentrik und Gier nach Aufmerksamkeit.
Helfen Sie Menschen im realen Leben, sie haben es oft bitter nötig und besitzen keinen Laptop und kein Handy um zu lesen. Ihnen geht der Arsch tatsächlich auf Grundeis, aber die Welt ist beschäftigt mit virtuellem Scheißdreck. Darüber sollte man mal nachdenken anstatt auf den Communities gequirlte Scheiße von sich zu geben.

 

 

© Petra M. Jansen

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