20 Jahre alte Fotos zeigen den Kampf mit dem Älterwerden. Deine Sehnsucht nach der Jugend? Versagensängste, wenn die Realität die gemeinen Falten aufdeckt? Nicht sein, wie du wirklich bist? Nicht sagen, was du tatsächlich hast? Hinterher rennen. Zeit bleibt nicht still. Leben ist Geburt und Welken. Bildbearbeitung ist für´n Arsch. Zeige, wer du bist. Oder hast du Angst? Gebisse werden nicht erneuert. Zahnlücken stinken, die Fäulnis in deinem Mund ist ekelhaft. Dick. Ungepflegt. Doch heimlich den Blick auf den Hintern des Jünglings werfen. Der kommt nicht mehr. Nicht, wenn die Brüste Sandsäcken gleichen, die Mundfurchen strack nach unten hängen. Trugschluss. Fanatismus der herrschenden Jugend. Haltlos in vagen Perspektiven. Die Jugend halt.

Inkontinent träumst du vom quick-Fick mit Adonis. Wer will das schon? Beckenboden schlaff, da nützen Liebeskugeln nix. Dickbauch-Besitzer quatscht 24/7 vom Vögeln bis zum schweißnassen Erguss. Vergiss es. Tatsache Leben. Es schmerzt in der rechten Schulter. Es hakt beim Gang die Treppe hoch. Die Bandscheibe ist längst weggerutscht. Du lachst noch. Innerlich heulend. Zerfleischst dich in deiner Illusion. Pickel, die sich eitrig entzünden. Zeugen deines maroden Immunsystems. Sorgen lassen sich nicht durch Botox wegspritzen, Collagen ist längst aus dir raus gequetscht. Erledigt. Alt. Was zeigst du uns, was du einmal warst? Verlogene Farce. Zeugt nicht von Selbstbewusstsein.

Englisch. Deutsch. Du vermischst die Sprachen in einem Satz. Cool ist das nicht. Eher doof. Pflege deinen Wortschatz, erfinde etwas neu. Hirninfarkt. Es platzt aus allen Nähten. Du hältst nicht stand in der realen Welt. Willst ewig Hengst und Stute sein. Hör auf damit. Hör endlich auf, uns zu belügen. Höre auf, etwas zu sein, was du nicht bist.

Reden, sagen, schreiben. Ohne Pause. Donnerst andere zu mit deiner Langeweile. Es ist zu viel, was du verlangst. Andere haben ein Eigenleben. Fluchttier, Flucht vor zu viel Überlagerung, vor zu viel Vereinnahmen des anderen Wesens. Zu viel, lass mich doch in Ruhe. Ich ringe um mein eigenes Leben. Versuche, mein Leben lebenswert zu leben.

Tatsache jung, bleibt nicht so. Rasiere dir deinen Nacken aus, wenn du eine Glatze hast. Mehr kannst du nicht tun. Wer will das schon? Wer will denn Kahlrasur? Fühlt sich beim Streicheln an wie ein nackter Schweinearsch.

Kopf heben, tue es, verdammt nochmal! Erhebe dich über deine Ängste. Sehe der Wahrheit ins Gesicht, es gibt Schlimmeres. Es gibt immer Schlimmeres als Schlimmes. Was ist so schlimm, alt zu werden?

Sag ihnen ins Gesicht, wenn sie Falsches tun. Öffne deinen Mund, wenn sie dir auf den Wecker gehen. Zieh die Rettungsleine, wenn es nicht anders geht. Drehe dich um und laufe weg, wenn sie dir die Seele rauben. Aber sag ihnen endlich, wer du bist.

Was tust du, wenn du dich online wie eine Nutte zeigst? Was tust du, wenn du in der Parallelwelt nicht zeigen kannst, wer du bist? Die Welt verarschen. Reine Verarschung. Und du erwartest Streicheleinheiten, die du nicht mehr bekommst.

Fragmente: Leben, Verstehen. Akzeptieren. Lieben. Liebe ist das Wort, das keiner kennt. Liebe ist das Wort, das jeder will. Liebe dich, liebe ich dich. Liebe nicht, lebst du nicht. Hör doch endlich auf mit den Illusionen und zeige uns wie kaputt du bist. Ja, warum denn nicht? Warum denn eigentlich nicht?

                                                       

© Petra M. Jansen

 

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Es sollte ein entspannter Abend werden nach so langer Zeit. Doch wusste sie, dass das Ganze in einer aufgebrezelten Zeremonie münden würde und hatte bereits eine Vorahnung, dass sie sich irgendwie verlaufen hatten. Vor einiger Zeit, durch einen kleinen hingeworfenen Satz, der alles Aufgebaute zunichtemachte. Es war ein spürbarer Unterton des Nicht-Verstehens in ihrer Stimme, ein Entrüsten über die eigentliche Wahrheit, bei der es besser gewesen wäre sie zu akzeptieren statt weit von sich zu schieben.

Trotzdem wollte sie sich die Freude auf Entspannung und einen munteren Plausch nicht verderben lassen und ging hin. Wartete. Wartete. Stand minutenlang auf der Stelle, lief hin und her bis sie endlich kam. Mit der üblichen 15-minütigen Verspätung und ohne ein Wort der Entschuldigung. Sie gingen und sie setzten sich, hoffnungsvoll und zunächst gelassen.

Was passte denn nicht? Redeten sie aneinander vorbei? Sie sah die tiefen Furchen der Sonnenbank in ihrem Gesicht und erschrak, wie schnell man doch in wenigen Monaten altern konnte. Eine Lady wollte sie sein und versuchte sich anmutig zu bewegen, dabei verschlang sie ihr Abendessen schneller als man überhaupt eine Serviette auseinander falten konnte. Tupfte graziös die Mundwinkel ab, legte stets ihren Lippenstift nach und nippte kunstvoll an ihrem Wasserglas.

Unverständnis. Wiederholung des Gesagten mit dem spürbaren Unterton der Schadenfreude. Unüberhörbar und immer leicht unter die Gürtellinie. Kaum zu erfassen, aber da. War das etwa die Freude über den Schaden anderer? Eine Unterhaltung erstickte sie im Keim und verwies mehrmals darauf, dass man sie nicht ausreden lassen würde, redete dabei jedoch selbst ohne Pause. Würde man den Spieß rumdrehen, wäre das der Beginn einer Eskalation.

Es passte nicht. Was ihr zu viel war, nicht ihrer Vorstellung entsprach, wischte sie weg „Lass uns das Thema beenden, es interessiert mich nicht.“ Wumm! Da hast du es, deine Meinung ist tatsächlich nicht so wichtig. Exzentrisch rannte sie dreimal zur Toilette, sicher um ihr Make-Up und den Sitz ihrer Haare zu überprüfen.

Schade, wirklich schade. Sie waren einmal dabei, Freundinnen zu werden. Dachte sie. Echte Freunde wurden sie nach diesem Abend nie. Sie wusste es, sie weiß es. Und nun lehnt sie sich entspannt zurück und weiß, wie schön es ist, wirklich frei zu sein.

 

© Petra M. Jansen

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Vorgefertigte Meinung,

Vorurteile durch gelebtes Leben.

Engstirnig, unbelehrbar, uneinsichtig.

Abgestumpft. Der Idealismus ging verloren.

Hoffnung und Frohsinn tragen Trauer.

Die Grenzen sind fließend, Rechtfertigungen endlos nutzlos.

Wisser wissen eben alles besser und stets auf der Seite deines Gegenteils.

Es gilt nicht, den Standpunkt zu überdenken.

Im Gegenteil. Dogma und das war´s.

Unverrückbar wird weggewischt, verunsichert und zerredet.

Es gilt Stoizismus. Punkt.

Tust besser so, als wüsstest du rein gar nichts.

Gibst keinen Grund, dem Mühlstein-artigen Geschwätz die Hand zu reichen.

Perlen vor die Säue.

Steh drüber, such das Weite

und weiß die schweigende Stille noch mehr zu schätzen.

Alleswisser wissen alles und lassen dich zu oft Falsches wissen.

Vergiss die Fakten und entlarve nicht, was du ohnehin schon kennst.

Schweige. Stille. Nimm die Portion freien Abstand.

Kaputte Hosen kannst du irgendwann nicht mehr flicken.

Was immer sie zerschlissen hat…

sie gehören einfach in den Müll.

 

 

© Petra M. Jansen

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Es stimmte einfach nicht. Nichts stimmte wirklich. Er spürte das zum Zerreißen angespannte Knistern, das bewusste Weglassen einer giftig hin geschmetterten Sache, die alles eskalieren lassen würde, wenn es denn wirklich dazu käme. Er spürte dennoch keine Gefahr. Halt die Schnauze. Halt einfach deinen Mund. Halt dich zurück. Es vergeht wieder ein Tag, an dem er seine Wut, seinen Frust, seine Überforderung beherrschen wird. Und muss. Was für ein Spiel der Auf und Abs. Er ist so etwas schon öfters begegnet, öfters schon kreuzten sich solche Wege, auf denen er gerne Haken geschlagen hat um woanders abzubiegen. Und wie so oft fragt er sich, ob das Ganze einmal eines Tages ein gutes Ende nähme. Wäre ja besser so. Besser so als so.

Und wieder spürte er diese schwankende, aufgesetzte Harmonie, die disharmonischer nicht sein könnte. Doch er spielt das Spiel. Spielte mit, als ob er nie etwas anderes gespielt hätte. Ist es das wert? Das Strangulieren seiner eigenen Seele und Natur um des Erfolgs und des Daseins willen? Ja, es ist es. Mehr als das. Da steht schließlich auch ein Anderer über den wogenden, brausenden Wellen und inhaliert sein fundiertes Wissen. „Lass sie alle tun. Lass sie doch. Lass sie über sich selbst stolpern und lächle ruhig in dich hinein. Tief in dir weißt du, was die Unwissenden erahnen, aber nicht fähig sind, das umsetzen zu können. Es spielt keine Rolle, wer oder was du bist und wer oder was du denkst. Das will ganz ehrlich keiner deiner Kumpels wissen.“

Denn sie sind in einem Laufrad der Hamster, aus denen tatsächlich nur diejenigen herauskommen, die gelernt haben, was eigentlich nicht in ihrer Natur ist. Hamster fallen nämlich einfach runter. Sie fallen sackartig in die Tiefe und unten angekommen sind die tot. Ausgeblutet.

So ist das halt mit den kleinen Tieren, die unten am Boden leben und mal schnuppern wollten, wie sich die Höhe anfühlt. Ganz oben angekommen, fehlt ihnen der sichere Instinkt. Tja, der wurde in ihrer Genetik nicht verankert – ein Hamster bleibt ein Hamster. Und wird sich nie in der Höhe, in den Wipfeln der Baumkronen und auf erklommenen Bergen behaupten können.

Der Hamster versagt in der Höhe. Als Ratten- und Wühlmaus-ähnliches Mäusegetier mit kurzem, nahezu funktionslosem Schwanz haust nun mal in am Boden, tief eingegraben in Erdlöcher unter dem Schlamm, Morast und Geröll. Manch einer aber träumt davon ein Adler zu sein und dann hat er schlichtweg verkackt. Punkt.

Hach, wie nahe wir doch alle an der natürlichen Entwicklung sind (seufz)?!

 

 

© Petra M. Jansen

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Lieber Pierre,

der Tod spricht mit dem Leben. Es ist nicht etwa eine multiple Persönlichkeitsstörung, die dich überfallen hat sondern schlichtweg der Schwebezustand zwischen dem Realisieren, dass wir alle endlich sind und dem Aufbegehren gegen unseren irdischen Abschied. Verstehen kann ich das absolut und oft schon habe ich mich gefragt, wie souverän ein Mensch mit seinem Dahinvegetieren und der Verinnerlichung, dass es stets weiter bergab geht, überhaupt umgehen kann. Einigen hilft der tiefe Glauben dabei und sie bilden sich ein, dass ihre Seele ins Paradies aufgenommen wird. Blödsinn, völliger Blödsinn ist das. Denn das Paradies ist das Leben, das ja in deinem Brief Aufbegehren zeigte und nicht klein beigeben will und doch müssen wir mit Demut der Tatsache ins Auge blicken, dass es bei allem ein Anfang und ein Ende geben wird. Bei dem einen schnell, abrupt und ohne Vorwarnung. Bei dem anderen als längerer Prozess, der  mit viel Schmerzen und Leid verbunden ist.

Pierre, ich kenne dich nun schon so viele Jahre und selbstverständlich auch deine innewohnende Dynamik, deine Freude am Leben, deine zähe Beharrlichkeit und deinen brillanten Geist. Umso schmerzlicher und trauriger mit anzusehen ist dein Kampf, den du dir vielleicht in Vielem erleichtern könntest. Ich sehe es so: Wir haben unsere Aufgabe erfüllt und nicht nur einen guten Teil zur allgemeinen Gesellschaft beigetragen sondern auch viele Menschen glücklich gemacht und Nachkommen bezeugt bzw. geboren. Evolutions-technisch haben wir unser Bestes getan und sind quasi „durch“. Insofern wäre es nicht schlimm, wenn wir den Platz für Neues und Jüngeres frei machen und die nächste Generation zum Zuge kommen lassen, oder? Es ist natürlich kein wirklicher Trost, aber es ist eine notwendige Folge des Prozesses von Erneuerung und Weiterexistenz.

Was uns zu schaffen macht ist diese Ungewissheit. Wie lange dauert es noch bis ich den letzten Atemzug tue und mit welchen Gebrechen, Schmerzen und Gedanken muss ich das noch wie lange ertragen? Wäre es nicht schön, du würdest einfach abends ins Bett gehen und einschlafen wie ein Baby? Nichts spüren, nichts mehr sagen, nicht mehr denken müssen?

Niemand möchte sterben und ich denke, dass jeder (mit Ausnahme der streng Religiösen, die sich in ihren Glauben flüchten) Angst vor den letzten Jahren hat. Wie wird es? Kann ich mich noch alleine versorgen? Werde ich ein Pflegefall? Wie ist es, wenn mein Körper verfällt, aber mein Geist noch wach ist? All diese Fragen können wir zuvor nicht beantworten und sie machen uns Angst. Aber in Würde und in Dankbarkeit die unvermeidlichen Dinge zu akzeptieren, können die allerwenigsten. Mediziner wissen das alles und auch die Palliativmedizin bzw. die Sterbebegleiter. Sie können Krankheiten und Leiden nur bedingt nehmen, aber letztendlich versuchen sie, dem Menschen bis zum Schluss einen möglichst erträglichen Abgang zu verschaffen.

Deine beiden fiktiven Männer (Pierre und Mathias) in dir sind ein Zeichen, dass der Prozess des Auseinandersetzens mit der letzten Etappe im Gange ist und es ist deine Art, dies zu verarbeiten.

Was immer nun geschieht, wie auch immer du damit umgehst und wie oft und wie lange wir beide noch vieles gemeinsam erleben werden, weiß niemand. Ich hoffe und wünsche jedenfalls, dass es noch eine längere Zeit sein wird und du verstehen kannst, dass Loslassen kein Versagen oder Scheitern ist. Würde, Respekt vor dem Leben und dem Tod, Demut. DAS sind die Worte, die ich mir heute bei diesem Thema vorstelle. Aber wer weiß, vielleicht geht mir in einigen Jahren auch der Arsch auf Grundeis, wenn ich merke, dass ich nicht mehr kann wie ich will und dass mein Leben leider auch nur noch sehr begrenzt ist. Lass uns philosophieren, lass uns leben, lass uns soweit Spaß haben, wie es noch geht. Der Rest kommt ohnehin ausnahmslos auf uns alle zu.

 

Ich umarme dich,

 

Petra

© Petra M. Jansen

 

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Liebe Petra,

Pierre und Mathias schicken sich neuerdings Briefe. Hier ein Vorgeschmack: Es stinkt mir! 

Lieber Mathias, 

es gibt eine Menge Dinge, die mir in den Sinn kommen, wenn man älter wird und ich habe das Gefühl, dass meine Wohnung mir fremd geworden ist und dass ich mit den Gegenständen, die sie füllen, zunehmend mehr ein distanzierteres Verhältnis haben werde. Ich denke, dass ich irgendwie schon auf den Weg bin, Abschied zu nehmen und nur noch versuche, das Dingende zu erledigen. Immer mehr können mir Sachen, die in der Vergangenheit so wichtig waren, den Buckel runterrutschen und manchmal habe ich Lust, alles um mich herum zu vernichten, meine Erinnerungen in den Müll zu schmeißen. Weit entfernt die Greis der Fernsehwerbungen, die immer blöde lächeln, weil sie so happy sind und die so tun, als ob sie sich in ganzer Ewigkeit nicht vom Fleck rühren werden. Als ob das Leben nicht von Geburt an ein Schlusspunkt ist. Nein, mir ist sehr bewusst, dass ich irgendwann abkratzen werde. Ich hänge zwar am Leben, aber verdammt noch einmal, man muss auch loslassen können! 

Diese Art von Gefühlen ist neu für mich, weil ich vielleicht eine große Müdigkeit verspüre und weil es mir bewusst geworden ist, dass ich nicht unsterblich geworden bin. Indem ich das hier schreibe, habe ich das Gefühl, dass ich mich ständig neu erfinde. Eine Disziplin, die mir das Überleben ermöglicht. Weil ich die Lust empfinde, die Erinnerungen auf den Mond zu schießen. Jetzt weiß ich mehr denn je, dass es vielleicht besser ist, ein Mensch ohne Eigenschaften zu sein. Lieber Musil, sie haben so Recht gehabt, ihn zu erfinden. Die ständige Suche nach Gedanken, die letztendlich in den Müll landen werden, macht mich mürbe. Besser niemand zu sein, als sich ständig unter die Lupe nehmen zu müssen. Du Wurm, hast du eine Seele? Oder hast du sie an den Satan verscherbelt? Gib zu, er hat dich über den Tisch gezogen! Tatsache ist, dass ich ständig blöder werde, mich immer wieder selbst vergesse und das macht mich wütend, weil ich nicht als Depp die Würmer besuchen will. Er hat einen wohlverdienten Ruhestand verdient? Ich pfeife darauf.

Jetzt stellt sich die Frage, wie ich mit meinem Greisen-Dasein fertig werde? Wenn man mir sagen würde “hau so schnell wie möglich ab“, würde ich Nein sagen. Leute, das Leben ist so schön beschissen, dass man es mit Leidenschaft leben muss und as habe ich mir bis zum letzten Atemzug versprochen, auch wenn das eine bescheuerte Absicht ist. Man muss schon total verrückt sein, sich das zu wünschen, da niemand dem Mann mit der Sense aus dem Weg gehen kann. Wäre es nicht besser in ein Heavy-Metal-Konzert in Berlin zu gehen? Eine Veranstaltung, bei der man mit Garantie taub hinauskommt? Ich liebe Metal, weil er kreischend ist und die blöde Sentimentalität kleistert, auch wenn Metaller sehr weiche Gemüter sind. Leute, ich spucke auf eure Gräber, weil sie die Gedenkstätten der Banalität sind. Erwartet nicht, dass ich mit einer Gießkanne im Friedhof meine Zeit verplempern werde. Ich liebe viel zu sehr die Existenz, um das Leben derart zu schildern. Hart, herb, manchmal bitter – aber so schön.

Und jetzt setze ich mich unter die Weide am See, wie sich das auf einer Trauerkarte gehört und schaue in die Unendlichkeit. Kitschig, glattgebügelt. Ihr könnt mich alle mal gern haben!

 

Antwort von Mathias an Pierre 

Du denkst, dass ich wie ein modriges Stück faules Fleisch im Sarg landen will! Lieber vom Feuer erfasst werden, lieber Pierre. Du siehst, auch ich bin fähig, makabres Zeug zu verzapfen. Wenn du denkst mein Freund, dass du mich in die Niederungen deines Blues mitziehen kannst, irrst du dich. Ich habe Lust, trotz Corona zu feiern, die Zunge in Richtung der Misanthropen zu ziehen. Das Einzige, was uns noch verbindet, scheint der Heavy Metal zu sein, sonst kann ich auf dein ganzes Geschwätz verzichten. Ich bin nicht von den Wehen eines unwiderruflichen Abschieds erfasst. Lasse mir noch Zeit, um abzukratzen. Und das auch, wenn mein Körper am Verfaulen ist. Nicht sehr appetitlich. Er säuft ständig wie eine alte Dampfmaschine. Keine Spur eines Apollos zu erfassen, aber macht nichts. Wenn ihr es wissen wollt, es ist mir völlig wurscht, so zu sein wie ich bin. Ich bin ein alter, stinkender Bock geworden, der die Brunftzeiten aus Mangel an Energie versäumt. Habt ihr es, Herr Jäger, mit Viagra versucht, um mehr Wild in eurem Revier zu erzeugen?

Du Pierre, ich kann sehr wohl verstehen, dass du die Nase gestrichen voll hast, aber erspare mir das! Wenn es mir wohl tut – wie eine Antiquität – meine Zeit zu verbringen, tue ich das und glaube mir, ich pfeife wie du auf die Eigenschaften der ewigen Jugend, aber ich will auf etwas anderes hinweisen. Anstatt Blumen würde ich Kürbisse auf die Gräber pflanzen, wie die Bauern es auf den Misthäufen tun. Du würdest feststellen, dass die glänzend gedeihen, weil wir auch zum Mist gehören, den wir ständig verbreiten. Ich würde endlich den Sterberitualen ein Ende setzen, weil es sowieso nur Heuchelei ist. Genügend gesponnen, die Sonne scheint, wir freuen uns, das Familienleben erleben zu können.

Lebe wohl, Pierre!

 

Antwort von Pierre an Mathias 

Ob der Tod uns einholt oder nicht, er könnte sich noch viel Zeit lassen, weil er uns – ob du willst oder nicht, Mathias – gewaltig auf den Geist geht. Ich kann auf die ewige Ruhe verzichten, weil es nicht meine Absicht ist, brav zu sein. Mist machen, macht halt mehr Spaß. Wenn es mir danach ist, den heutigen Tag zu verdammen, tue ich es, weil es für mich ein Zeichen der Unabhängigkeit ist. Ich möchte die Freiheit haben, mein Dasein zu verdammen, wenn es mir danach ist und das tue ich auch wenn es meine Leser stören könnte. Jetzt scheint aber die Sonne und ist ein Anlass, Freude zu empfinden.

Und wenn ich Kürbisse auf eure Gräber pflanze, tue ich es, weil ich tief überzeugt bin, dass es die beste Lösung ist, seine restliche Zeit auf Erde zu verbringen. Und der Tod? Er muss heute nicht im Mittelpunkt stehen. Er wird noch genügend Zeit haben, um uns zu quälen. Aber eines glaube ich nicht: Von ihm befreit zu werden. „Hör doch auf zu grinsen!“

 

Antwort von Mathias an Pierre 

Und jetzt reicht es für heute. Sieh zu, dass du auf andere Gedanken kommst, wie zum Beispiel die Blumenmädchen zu vernaschen. Und jetzt hau ab!

 

Liebe Petra, ich umarme dich!

 

Pierre

//pm

 

 

 

 

Da gibt´s jetzt auf Twitter den Hashtag „#kiffersindkeinelooser“ und ich musste erst einmal laut lachen über all den Unfug, der da geschrieben steht. Leute, Kiffer s i n d Looser! Sie sind nichts weiter als Drogenkonsumenten, die glauben cool zu sein und sich für einen Moment aus der Realität weichspülen oder wegschießen wollen. Ich kann Kiffen absolut nicht für harmlos einstufen, denn oftmals ist das Kiffen die Einstiegsdroge in eine Welt der härteren Sachen. „Just for fun“, „einfach mal ausprobieren“, „ist doch nicht so schlimm“, „haben wir doch alle früher mal getan“, so die Ausrede derer, die noch nicht erkannt haben, dass Kiffen antriebslos, träge und perspektivenlos macht und bei längerem Gebrauch eine psychische Abhängigkeit nach sich zieht. Ziele werden nicht mehr verfolgt, klare Wege verschwimmen und das Ganze ist obendrein absolut uncool.

Früher drehte der Joint die Runde und jeder zog mal dran, oder an der Bong (Herpes Zoster, Hepatitis und heute Covid-19-Viren inklusive). Die Jugend hat anscheinend auch heute nichts Besseres zu tun als sich den Kopf zu benebeln mit Marihuana, aber die Zeiten der Hippie-Ära sind lange vorbei. Erinnern wir uns noch an die Kommunen, in denen Gruppensex im süßlichen Nebel der Marihuana-Schwaden Up to Date war?

Auf Twitter versuchen sich die User eine weiße Weste anzuziehen und rechtfertigen sich mit Top-Berufswerdegängen und zu was sie es im Leben gebracht haben  – trotz Kiffen. Mag sein, dass der eine oder andere die Kurve kriegt und es bei ab und an bleibt. Bei der Mehrheit der Kiffer jedoch wendet sich das Blatt recht schnell und ihre Toleranzentwicklung spricht Bände. Sie müssen nicht mehr nur mal am Wochenende im Freundeskreis einen Joint durchziehen, sondern er wurde zum (mehr-)täglichen Begleiter – sogar schon vor dem Frühstück. Wie das so ist bei Drogen – sie alle verlangen im Belohnungs-Gehirn nach positivem Feedback und einer Dosissteigerung.

Ich höre immer wieder „Die Holländer haben es legalisiert und auch keine Probleme“. Das stimmt so nicht, denn ich habe gute Freunde in Holland nach der realen Zahl gefragt und bekam immer wieder die gleiche Antwort: Holland hat exakt das gleiche Drogenproblem wie andere Länder und Städte auch. Da ist nicht von „überlegtem Konsum“ die Rede und nicht davon, dass jedermann Herr über seine Sucht ist.

Nun können die auf Twitter schreiben und posten was sie wollen – Kiffer ist Kiffer und Kiffer ist Looser! Und darauf stolz sein, dass man noch einigermaßen einen Job machen kann und auch sonst nicht kriminell geworden ist, ist Schönrederei. Wer keine Realitätsflucht sucht, wird auch nicht kiffen und auch nicht dafür anfällig sein. Mögen es die Freundeskreise sein, schlechte Perspektiven, die Lust auf einen Kick, mangelndes Selbstwertgefühl oder Probleme mit dem realen Leben – es steht immer eine tiefere, ernste Angelegenheit dahinter, ob jemand kifft oder die Finger davon lässt.

Für mich ist jeder Kiffer ganz klar eine Niete, ein Versager, ein echter Looser. Denn er hat nicht begriffen, dass diese Substanz antriebslos macht und bei Absetzen für ein sehr schlechtes Allgemeinbefinden sorgt. Meist psychisch. Meist bis zur tiefen Depression. Meist allerdings steigen viele Kiffer auf eine Steigerung um und es bleibt nicht dabei. Wer dann noch davon redet, dass er kein Looser ist, verdrängt die offensichtlichen Tatsachen und ist weit entfernt davon, ein drogenfreies Leben zu führen und auch Marihuana ist eine Droge. Und was für eine! Zu unterschätzt bei den Konsumenten, aber stets präsent bei späteren Drogentherapien. Aber wer gibt schon gerne zu, dass er süchtig ist und es alleine nicht schafft, von dem Dreck loszukommen? Das sieht nur der „Gewinner“, während der kiffende Looser sich noch einbildet, er sei erfolgreich und alles gar nicht so schlimm, was zweifellos ein großer Irrtum ist. Fazit: Kiffen ist nur etwas für Verlierer und echte Looser (und natürlich erwarte ich keine positiven Reaktionen von den umnebelten Kiffern, die kichernd oder abgedriftet in der Ecke hocken und weiter träumen).

 

© Petra M. Jansen

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Nein, du bist nicht mein Freund…

wenn du mir ständig ins Wort fällst,

niemanden ausreden lässt,

redest wie ein Wasserfall,

erklärend, was du früher stets beritten hast,

welch oberflächlichen Vorzüge du gerade erst gesehen hast.

 

Nein, du bist nicht mein Freund…

wenn du Platz nimmst, um auszuhorchen,

um weiter zu tragen, was du erfahren hast,

um Gehör durch Gehörtes zu finden,

um schlüpfrig wie ein Aal zu sein.

 

Nein, du bist nicht mein Freund…

wenn du heute nickst

und morgen beim Gegenteil um Beifall heischst.

Nein, du bist nicht mein Freund,

wenn du nie das Gesprochene verstehst,

niemals den Faden einfädelst,

den man dir reichen möchte,

keinen festen Knoten spinnst.

 

Nein, du bist nicht mein Freund…

wenn du so ganz anders tickst

als überhaupt in einem Takt.

Nein, du bist wahrhaftig nicht mein Freund.

Und nein, du bist auch nicht mein Feind.

Ich sehe, was da an dem Ast dort hängt

an dem ein Unwissender unermüdlich sägt.

  

© Petra M. Jansen 

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