Die Gassen sind voll, der Rand gibt auch nicht mehr viel her.

Die zweite Reihe ist schon ausgebucht.

Sie kommen und bringen, sie hupen und drängen.

Internethandel ist der neue „Bequemismus“,

Egoismus übertrumpft die Faulheit.

Musst gar nicht raus, um deinen Kaufrausch zu befriedigen.

Konsumscheiß landet kostenfrei vor deiner Tür.

Wo ist der nächste Sperrmüll?

Der Dachboden quillt bereits über, wohin soll bloß all der Kram?

Prospekte verlocken deine innerliche Vollendung.

Bist im Lot, wenn du was Neues hast.

Da parken sie, die Kurierdienste. Die Pakete sind fast immer 30 Kilo schwer.

Ach, wie einfach.

Kein Parkhaus und nichts suchen müssen.

Die Strafzettel kriegt nun auch ein anderer.

Du bist nicht schuld am Straßenchaos, hast ja nur auf die Tastatur gedrückt.

Mit einem Klick rollen sie, sie rollen haufenweise durch die Städte.

Parkt die Post-Karre etwa neben deinem kleinen Garten?

Entsetzen! Ja, kann der denn nicht woanders stehen?

Viel zu nah dran an deinem Ruheörtchen, der steht viel zu eng.

Anonym bestellt und geliefert ohne Intimität.

Bist du etwa nicht daran beteiligt?

Jeder darf sein Auto haben und alle gehen nicht mehr zu Fuß.

Auf´ s Rad geht´s nur bei schönem Wetter und wetten, dass es heute regnet?

Als drauf, auf die raren Plätze.

Zweite Reihe, dritte Reihe, verstopfte Gasse.

Kein Vorwärts und kein Rückwärts, Atemschutzmaske inklusive.

Bestell schön weiter von zu Hause aus, das ist sowieso viel bequemer.

Sei einfach faul, sei einfach sorglos – dein Paket kommt morgen sicher an.

Dafür kannst du dir auf die Schulter klopfen,

gut gemacht!

Du hast endlich einmal mitgedacht!

 

© Petra M. Jansen

 

http://jansen-marketing.de

 

heute Morgen hielt ich den neuen IKEA-Prospekt in Händen und las: PAX-Regal, Natur oder Weiß, lackiert nur… Euro. Heißt PAX nicht Frieden??? Was bitte hat IKEA mit Frieden zu tun?

Schon im letzten Sommer belustigte mich der TÜLLERÖ-Sonnenstuhl und die BLOMSTER Kerzenhalter für draußen. Ich bin also guter Dinge und will mir BJURSTA, den Esstisch mit TOBIAS, dem dazugehörigen Stuhl einmal näher betrachten. Vielleicht entscheide ich mich dann noch für ARV/ Teller oder nehme NÄHRET/ Rotweingläser mit  – gleich für Weihnachten schon. Schwungvoll und inspiriert betrete ich das Möbelhaus, Hoffnungen auf ein festliches Weihnachtstischchen begleiten mich und ich will mir was Gutes tun. Doch es kommt anders: Ich bin eher in Kriegsstimmung, wenn ich mich durch die erste Ausstellungs-Etage habe lotsen lassen, damit ich auch ja einen Komplettüberblick über die DINERA-Steingut-Serviceserie und die SMÖRRÖ-Bettlaken bekomme, die mich in exzessive Kauflust versetzen und schachzugartig  für die untere Mitnehm-Etage, der man aber auch allen unnützen Schnickschnack gierig einlädt, präparieren sollen.

Ich habe den Eindruck manche Leute leihen sich extra Kinder aus, geben denen einen Löffel Tabasco und fahren zu IKEA. Wenn ich schon meine Kreditkarte misshandeln muss, mein Auto überlade (war das schon immer so klein???) und mir anschließend die Finger klemme, dann weiß ich, was die meinen mit dem Ausdruck „Wir sind eine IKEA-FAMILY“.

Ja, ist klar! Der Kunde ist König wird so raffiniert umgewandelt, dass wir alle zum Dienstleister werden und uns paradoxerweise nicht nur glücklich fühlen, wenn wir parcoursartig durch die Produktrange geführt werden, dann verzweifelt doch noch den 20. Kerzenhalter einladen – Servietten kann man sowieso immer gebrauchen und Teelichter auch – um endlich schlangenstehend das ganze Zeugs noch auf das Band zu hieven, damit es danach wieder mit hochrotem Kopf in den Wagen gestapelt werden kann. Gut, dass wir die „IKEA FAMILY CARD“ haben, das macht das Bezahlen erfreulicherweise ein wenig unkomplizierter. Schön auch das Wir-Gefühl „WE ARE FAMILY!“ Hier wird keiner geschont. Wir sind alle gleich bescheuert.

Und freuen uns auch noch, dass unser Auto letztendlich mehr Platz offeriert als gedacht. Und wenn nicht ? Kein Problem: „MICH KANN MAN MIETEN“ steht auf den freundlichen Hängern, die wir dann gegebenenfalls schwitzend an unsere Anhängerkupplung friemeln. Kratzer stören uns bei dieser Selfmade – Aktion gar nicht und wenn das Auto auseinander zu bersten droht, dann gibt´s alternativ den IKEA-Transporter – sozusagen fast geschenkt – zum Mieten. Na, wenn das kein Service ist und wer würde nicht gerne dabei sein in dieser fröhlichen, aktiven und preiswerten „IKEA-Welt“. Welcome to IKEA FAMILY! Warum nennt IKEA den Kram  nicht „EXPLOSION“, das passt besser. VIEL SPASS BEIM EINKAUFEN 😉

 

© Petra M. Jansen

 

http://jansen-marketing.de

 

Konsum

Sieh Dich um: um Dich herum lauter Verbraucher. Konsumenten! Ja, zum Konsum sind wir erzogen. Kaufen, verbrauchen, wieder kaufen. Keine Fragen stellen! Die Werbung sagt uns, was gut für uns ist. Denken ist nicht erlaubt. Es ist, genau genommen, schädlich. Für den Absatz der Güter. Kritische Kunden kaufen nicht so viel. Das passt nicht ins System. Philosophisch betrachtet soll das Produkt dem Menschen dienen. Das ist lange vorbei! Heute dient der Mensch dem Produkt, dessen Absatz. Er malocht über den Monat für einen geringen Lohn, leistet unbezahlte Überstunden. Und von dem Wenigen, was bleibt, soll er der Güterindustrie eine Freude bereiten. Kaufen! Und wenn das viele tun, dann spült das so richtig Kohle in die Kassen der Bonzen. Nein, es geht hier nicht um Kommunismus oder dergleichen, es geht ums reine Denken. Wenn früher Dinge kaputt gingen, dann hat man diese repariert. Die waren noch gut, das heißt gebrauchsfähig. Heute musst Du das Zeug wegwerfen, etwas Neues holen. Der alte Kram war eh out, es gibt schon das Folgemodell des Folgemodells. Mann, bist Du antiquiert! Reparieren war gestern! Es gab zu früheren Zeiten einmal eine Kultur: jene der Reparatur! Aber jede Kultur ist einmal dem Untergang geweiht, selbst Hochkulturen. Das lehrt uns die Geschichte.
Hast Du Dich schon einmal gefragt, warum es mittlerweile die Modelle – nimm Autos oder Computer – in so schneller Abfolge gibt?! Ist doch klar: würdest Du das gleiche Modell zweimal kaufen? Wenn schon das neue Modell, dann gleich ein neues Netzkabel dazu. Der Anschluss passt ja schließlich nicht mehr. Wo kämen wir auch hin, wenn man das alte Kabel an den neuen PC anschließen könnte … Ja, was man nicht so alles macht, um mit dem Nachbarn mitzuhalten. Hat sich doch neulich den neusten Computer der Firma „Mehrgehtnoch“ geholt. Angeber! Das neuere Modell ist doch auch viel besser. Mensch, die von der Industrie wissen schon, was man(n) oder frau braucht! Und der Kerl in der Nachbarschaft soll ruhig denken, ich könne da nicht mithalten. Da hat er sich geschnitten!
Ja, und die Internetgiganten. Kennste, nicht?! Die sammeln doch Daten von und über uns. Da sagte mir neulich einer, die manipulieren uns damit. Ist reiner Quatsch, sage ich! Die verwenden die Daten, um zum Beispiel die Werbung für uns zu personalisieren. Heißt was? Die checken, was ich für einer bin, Interessen und so. Dann wird die Werbung speziell auf mich zugeschnitten. Auch die wissen, was gut für uns ist. Oder willst Du mit Werbung, die nicht zu Dir passt, belästigt werden?! Die sind alle so nett. Man hat heute kaum noch Unnötiges im Briefkasten. Ist doch schön, wenn einen jemand an die Hand nimmt und sagt, was zu Dir passt. Fast wie früher bei Mama.
Leute, was gibt es Schöneres, als das blanke Nichts zu inhalieren? Sich geistig im Nichtschwimmerbereich aufzuhalten und für den Notfall noch Schwimmflügel gratis dazu zu bekommen? Macht man doch heute so: „20% gratis dazu!“. Wie bunt und nett doch diese Konsumwelt ist. Auch bei Kindersendungen im Fernsehen kommen heutzutage in der Werbung so praktische Tipps. Die Kleinen können dann unter vielen Beispielen auswählen. Zum Geburtstag oder Weihnachten zum Beispiel. Und am besten das, was Freund oder Freundin auch hat. Dann können sie zusammen spielen. Na, bis Weihnachten gibt es vielleicht schon ein Folgemodell.
In diesem Sinne: Schönen Tag noch! Ich muss Einkaufen gehen …

 

© Thomas Dietsch