Lieber Pierre,

ich werde heute nicht analysieren, warum und wieso die Gewalt – und ebenso die sexuelle Gewalt – männlich ist. Und das ist sie – maskulin! Gewalt ist in den seltensten Fällen weiblich und schon in der Sozialisierungsphase der Kindheit kämpft ER gegen Dämonen, spielt Wikinger und ist Star Wars-Krieger während SIE die Prinzessin weich bettet oder ihre Püppchen kämmt. Auch spielt die unterschiedliche Wahrnehmung der eigenen Gefühle bei Jungs und Mädchen eine große Rolle. Männer tun sich schwerer zu erkennen, wo sie stehen und die Attribute „sei stark“, „sei mutig“, „setz dich durch!“ werden ihnen ab der Geburt mitten ins Gehirn gehämmert. Dabei bleibt die Empathie oft auf der Strecke und die Kommunikationsmöglichkeiten sind nicht so stark ausgeprägt wie bei Mädchen. Aber ich wollte ja nicht analysieren, das überlasse ich den professionellen Therapeuten, die sicher schon ausreichend oft versucht haben, Sexualtäter zu kurieren. Zweifellos aber ist Gewalt männlich und das belegt die Statistik. Ich hatte gerade ein Beispiel aus meinem direkten Umfeld und sofort fiel auf, dass Männer ein echtes Bedürfnis nach sexuellem Abreagieren haben und der Zwang, sich zu „erleichtern“ eine immens große Rolle spielt. Ob das nun der Testosteron-Spiegel ist, der dafür verantwortlich ist und die männlichen Triebe oder besagtes, mangelndes Empathie-Empfinden, lasse ich offen. Fakt ist, wer sich selbst versteht und eine Art Ego-Empathie empfindet  – sich also selbst in normalem Maß liebt und wertschätzt – ist auch in der Lage, einem anderen Menschen Empathie entgegenzubringen. Ist dies der Fall, dürfte der sexuelle Übergriff als aggressive und demütigende Handlung ein anderes Gewicht bekommen. Empfindet der Täter Achtung und Respekt vor seinem „Opfer“, wird es nicht zu einem tatsächlichen Opfer kommen (sofern die natürliche Barriere funktioniert). Solange Männer in jungen Jahren anerzogen bekommen, dass sie sich – zur Not mit der Faust – durchsetzen sollen, sehen sie oft keinen anderen Weg als den einer Grenzüberschreitung.

Wichtig ist, dass Frauen lernen laut und deutlich „Nein“ zu sagen und sich abzugrenzen. Sie sind niemals Beute eines jagenden Platzhirsches dessen Eier überlaufen und der sich schlicht und einfach nehmen darf, was ihm vor die Büchse kommt. Für Frauen muss gelten: Sei autark und stark statt immer nur hübsch! Wehre dich und setze eindeutige Grenzen. Aber lieber Pierre, ich denke viele Frauen tun das oder haben es getan und trotzdem mussten sie ungewollte sexuelle Handlungen über sich ergehen lassen. So lange es Mann und Frau gibt, gab es das und es hat sehr viel mit Machtausübung und auch der körperlichen Überlegenheit des Mannes zu tun.

Während sich Frauen z.B. emotional einer neuen Beziehung nähern und ihn beschnuppern wollen, denken Männer in erster Linie sexuell… wie sie im Bett sein könnte, wie sie nackt aussieht, ob sie stöhnt oder ihm den Rücken voller Ektase kratzt und wie sie sich anstellt, ihn zu befriedigen. Daran sehen wir, wie weit beide Geschlechter eigentlich voneinander entfernt sind in ihrer ersten Kennenlernphase. Nicht immer natürlich, das soll kein Rundumschlag gegen Männer sein, aber leider eben sehr oft. Ich kann das langsam nicht mehr hören diesen Unsinn, wenn Männer lachend über die Ärsche von Frauen reden oder wie sie sich selbst als Super-Lover sehen. In den meisten Fällen handelt es sich bei diesem Typ von Mann um einen sich maßlos selbstüberschätzenden Kerl oder um einen emotional Gestörten. Die Damenwelt wartet nun mal nicht darauf, dass endlich mal jemand kommt, der es einem so richtig „besorgt“ und der schon im Vorfeld auf seine ausgewachsenen Zentimeter hinweist.

Auffallend in diesem Zusammenhang ist, dass nahezu alle Erotik-Etablissements, Sex-Clubs und mehr oder weniger die gesamte Porno-Filmindustrie auf den Mann ausgerichtet sind. Es gibt Kabinen, Peep Shows, Sexpuppen und vieles mehr – alles, um den Mann zu befriedigen und seine Triebe in erträgliche Bahnen zu lenken. Ist da vielleicht etwas schiefgelaufen mit der Chromosomen-Verteilung und der genetischer Belastung? Muss wohl so sein, lieber Pierre – anders kann ich mir diese „Ständerbauweise“ nicht erklären.

 

Mit herzlichen Grüßen

Petra

 

© Petra M. Jansen

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Moderne Begriffe einer modernen, auf Effizienz und qualitative Hochwertigkeit ausgelegen Welt, in der bis zum letzten Winkel alles höchst professionell und zeitminimierend abgewickelt wird. Straffe Konstrukte, in denen ein Mensch entweder Schablonen- angepasst hineinpasst oder nicht. Wenn nicht, wäre das dann jemand für die Zeit(Leih-)arbeit – in meinen Augen moderner Sklavenhandel, an dem die Menschenhändler auch noch was verdienen. Schuften dürfen schließlich die anderen, nicht der Bürohengst, der die Karteien und Akten nach geeignetem Personal im Vorfeld selektiert. Recruiting. Klingt irgendwie wie beim Militär. Zackig die Hand an die Stirn halten und einen angepassten, höflichen Knicks machen. Runterschlucken, auch wenn einem eher der Sinn nach Auskotzen steht. Tja, die Recruiter, das sind schon ganz besondere Helden mit verdammt viel Menschenkenntnis und sie sitzen am längeren Hebel. Anhand einiger Papiere, kurzer Gespräche und einem Schnüffeln im Privatleben der Selektierten, wird über den SUV als Firmenwagen entschieden oder Stempel drauf und abgelehnt. Recruiting ist ein so moderner Begriff geworden, das keiner mehr wirklich darüber nachdenkt und auch noch stolz darauf ist, wenn sogenannte „Headhunter“ hinter einem her jagen. Dann ist man wer, dann ist man die Elite der Gesellschaft und mitnichten ein schnöder Arbeiter. Etwas ganz Besonderes ist man dann, darauf kann sich jeder was einbilden, nicht wahr?

Wie ging das eigentlich früher, als die Positionen auch durch adäquate und qualifizierte Mitarbeiter besetzt wurden und es noch keine Recruiter gab? Wie war das eigentlich, als es noch keine Zeitarbeitsfirmen gab, die pro Mann und pro Stunde Kohle verdienen für´ s Nichtstun? Wie konnten die Firmen bloß überleben und produktiv sein? Wie kam es überhaupt zu einem Wirtschaftswachstum ohne Recruiter und Zeitarbeiter? Ich fürchte, das war damals Zirkus… reine Misswirtschaft und völlig an den Anforderungen vorbei. Gott sei Dank gibt es das heute alles. Wo kämen wir denn hin, wenn wir nicht mehr – sofern die jeweiligen Stellen dann durch das perfekte, angepasste Personal besetzt wurden – die ganzen zusätzlichen Coaching-Fritzen durchfüttern könnten? Die brauchen wir schließlich, wenn wir der Top-Elite stets was oben drauf packen – ganz im Sinne der professionellen, zeitsparenden, rentablen, effizienten Welt, in der es keinerlei Verschnaufen und strahlende Gesichter mehr gibt. Die Coaching-Fritzen langen übrigens ordentlich hin und rufen nicht selten ebenso überzogene Tageshonorare auf die all die freien Berater, die hinzugerufen werden, weil die „rekrutierten“ Bewerber dann vielleicht doch ein Manko aufweisen und nicht alles so effizient, professionell erreichen wie erwünscht. Denken wir mal wie schlimm es wäre, wenn all diese Leute nun keinen Job mehr hätten. Also das geht gar nicht, es muss stets der Blick auf Produktivität und Wachstum gerichtet sein, das war in den letzten Jahren immer so. Und wenn es nun – logischerweise – mal zu einer Stagnation führt oder gar zu einer Reduktion, dann ist das deshalb, weil man die Spirale nicht unendlich nach oben schrauben kann, ohne zu schauen, ob es an der Basis nicht völlig marode und brüchig ist. Erst das Fundament, dann das Haus – war das nicht die goldene Regel?

Die Recruiter filzen das Internet durch, selektieren nach Alter und Vita und fühlen sich als Helden mit einer Macht, die lächerlich ist. Sie entscheiden über Karriere oder Flop, das muss man sich mal durch den Kopf gehen lassen. Da sitzt jemand, der hat mehr Macht, als ihm zusteht. Wer darüber entscheiden möchte, wer qualifiziert ist oder nicht, braucht viel mehr Zeit und ausführliche, intensive Gespräche. Auch sind Zeitarbeitsfirmen meiner Meinung nach überflüssig, gar verwerflich. Personalchefs machen es sich gerne einfach und sparen Zeit, wenn sie die Auswahl „out-sourcen“ und dabei muss man sich ja auch nicht verpflichten. Wenn weg, dann weg und wenn gut, dann wird übernommen. Radiergummi auspacken, liebe Leute  – der Mensch ist reine Handelsware und wenn es unter dem Strich nicht passt, wird neu gemischt. Der Mensch liefert seine Leistung gemäß seiner Qualifikation und Ausbildung und er wird – sofern wir es nicht mit Faulpelzen zu tun haben – stets versuchen, sein Höchstmaß anzustreben. Jeder möchte Anerkennung, Lohn für sein Tun und eine Wertschätzung als Individuum. Was Recruiter und Zeitarbeitsfirmen tun, ist keine Wertschätzung des Menschen sondern eine reine Wertschätzung seiner Produktivität und Wirtschaftlichkeit. Es dient lediglich als Mittel zum Zweck (dafür bekommt er seinen Lohn), aber es ist eine verdammte Einteilung in Klassen und Hierarchien nach Anforderungsschemata. Mir stinkt das gewaltig und um einmal zu sehen, wie es ist, wenn man sich mit seiner eigenen hochqualifizierten Professionalität zurückhält und einmal einen Blick von ganz unten auf diese Gesellschaft wirft, habe ich vieles geändert und sehe nun sehr viel klarer, was diese aufgeblasene gesellschaftliche „Elite“ tatsächlich zu bieten hat. Aber jede Sekunde des „Bodenwischens“ hat mir dort unten mehr Freunde und Freude gebracht als eine Woche in der Chefetage. Warum? Weil ich in den unteren Reihen Wertschätzung kennengelernt habe, Ehrlichkeit, menschliche Wärme und Hilfsbereitschaft. Weil mir Putzdamen selbstgebackenen Kuchen mitgebracht haben, weil mir die Handwerker privat als Freundschaftsdienst meine Kabel verlegten, weil mir mein Essen heute wesentlich besser schmeckt und weil mein warmes Bett mir keinerlei Alpträume mehr beschert. Versuchen Sie es mal, es zwingt Sie zu Minimalismus und Reduktion auf die wesentlichen Dinge und es kostet ihre Bequemlichkeit. Um nichts in der Welt würde ich diese Lebensqualität wieder eintauschen wollen – auch wenn ich immer noch ein Top-Kandidat für Recruiter wäre…aber heute tauge ich nur noch für ethisch-humane Angelegenheiten mit sozialem Engagement und das ist irgendwie nicht so prickelnd und lukrativ, oder?

 

© Petra M. Jansen

 

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Esther lächelte, rückte ihren Rock gerade, es saß wieder alles wie aus dem Ei gepellt. Sie winkte, locker, lässig und es schien, als wehe ein frischer, zugänglicher Wind in der obersten Reihe. Sie war ausgewählt, um zu übernehmen und um im Sinne der Übergeordneten Ordnung zu schaffen. Dafür war jedes Mittel recht. Eine Frau musste es sein. Die gehen einfach anders an die Sache ran. Die sind nicht so steif wie die Männer. Die wissen, wie man charmant seine straff gesetzten Ziele erreicht. Ausgebildet mit den modernsten Geschützen in dem wirtschaftlichen Krieg der Giganten. Schlichtweg um noch mehr auszuquetschen, einfach nur um Rot zu Schwarz zu machen. Die Farben des Teufels kamen schon immer gut als Farbe rüber. Rot-schwarz war heute ihr Kostüm, locker zusammengebunden – als luftiger Gegensatz – die Haare. Man hörte das Stöckeln der Schritte im Gang, wenn Esther wieder einmal ging, um sicher nicht über Menschlichkeit und Sinn nachzudenken. Es ging um mehr. Es ging um Wachstum, es ging um Rendite“, es ging um´ s „Hand aufhalten“ der obersten Bosse, die schon längst in Rente waren und immer noch abkassieren wollten.

Sie trug einen langen Schal, leicht um die Schultern gewunden. Damit sie sich nicht nackt der Gesellschaft öffnen musste. Immer ein wenig verschleiert, stets im Sinne der Etikette und nie zweimal getragen. Heutzutage ist man ein Niemand, wenn man niemanden mehr beeindrucken kann. Aber es ist beeindruckend, wie wichtig die nach außen getragene Wirkung ist. Immer schön lächeln, dann kann dir keiner was Böses nachsagen. Doch dazwischen riecht es nach Kalkül und knallharter Selektion. Es spielt keine Rolle, wie lange man sich krumm geschuftet hat. Es ist egal, wie lange man malochte, es ist einfach vollkommen unwichtig. Neu heißt neu. Und wer neu ist, muss was tun – so ist das immer. Wer neu ist, steht unter Druck. Wer neu ist, muss umgehend etwas ändern. Esther streicht wieder ihren Rock gerade, das Cape eng um die Brust geschlungen. Läuft dort eine Marionette in einem System, das vor Verstaubtheit nicht richtig vorwärts kommt? So wie die chinesischen Puppen, die auf ein zartes Lächeln und Sympathie programmiert sind? Kennen wir nicht diese Puppen, die so unglaublich hübsch und liebenswert sind und sich nachts in Gruselfilmen verändern? Dämonisch und heimlich ihre fiese Fratze zeigen, die sie tagsüber verbergen können?

Es ist Feierabend für heute. Esther richtet ihre Haare, löst den Knoten und zieht gleichzeitig die Schlinge noch ein wenig enger. Es wird regiert, ausradiert, selektiert. Knallhart, wie es halt so ist. Chapeau Esther, gut gemacht… schau nicht zurück auf die Leichen, in deren Leben Prestige und Reichtum keine Rolle mehr spielen. Doch Esther denkt gar nicht daran zu sterben, sie stirbt nicht. Wenn da nur nicht diese verdammte Gerechtigkeit wäre…

 

 

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Dein Tag ist erfüllt vom Unerfülltsein. Und du kaufst teuerste Sachen, die dann zerknittert in der Tüte liegen. Scheiß drauf, was es gekostet hat, es gab dir wieder mal ein gutes Gefühl, etwas vollbracht zu haben, dich zu heben und den Schein zu wahren. Verwahrlost gammelst du mit Jogginghosen, unrasiert mit gelben Zähnen. Für so ein paar Kröten den ganzen Tag malochen? Das tust du sicher nicht, denn es gibt ohnehin keinen Job, der dich interessiert. Steck dir eine Kippe an, versuche die Leere in deinem Kopf schön zu reden. Du bist der Held, auf den alle warten und in drei Jahren startest du dann endlich durch. Sobald du dich damit auseinandergesetzt hast, dass dieses System – das in deinen Augen eine große Kacke ist – vielleicht doch etwas Interessantes zu bieten hat. In der Zwischenzeit zockt und lockt die Playstation, Netflix hat auch rund um die Uhr was zu bieten. Aufstehen am frühen Morgen? Ja, wozu denn? Was sollst du denn mit all der freien Zeit anfangen, in der jeder andere arbeiten geht? Erst am Abend und am Wochenende haben sie wieder Zeit, also kannst du getrost tagsüber weiterschlafen. Lethargie statt Empathie ist die Devise und sollte es dir mal dreckig gehen, sind genügend Türen offen, wo du schnellen, warmen Unterschlupf finden kannst und sie deine Lügen glauben. Sie alle warten nur darauf, dir zu helfen und sind doch schlichtweg überfordert. Du bist hübsch. Du bist klug. Du bist ein wundervoller Mensch. Sich nur daran festzuhalten und auf dem Entwicklungsschritt eines Teenagers stehen zu bleiben, gibt dir die Illusion, du hättest alles im Griff und noch so unendlich viel Zeit. Dein Leben ist eine Jauchegrube und du merkst es nicht. Frei sein willst du? Du träumst davon, alles hinter dir zu lassen und hinaus in die Welt zu ziehen? Sei sicher, deine Probleme nimmst du mit. Sie kommen mit dir, kleben wie Ballast an deinem Hintern und niemand, niemand ist der Sündenbock für deine Lage. Du alleine kannst dir helfen, nur du alleine. So lange du in ausgebeulten Jogginghosen den einzigen Weg am Tag zum nächsten Supermarkt schaffst, wird sich das nicht ändern. Die Schmerztabletten versagen, wenn dein Kopf täglich hämmert und nach Änderung schreit. Begreife endlich, dass du dir eine kleine, sehr beschränkte Welt erschaffen hast. Sie gab dir einst den Kick und eröffnete dir illusorische Dimensionen, die das normale Leben in deinen Augen dir nicht bieten kann. Falsch. Dein Freiraum ist begrenzt und engt sich kontinuierlich ein, bis du nach Luft japst, wenn du merkst, dass sich die Schlinge um deinen Hals zugezogen hat. Kurze Momente der Euphorie, dann der Absturz, mit dem du nicht klarkommen kannst. Der Sog nach unten hat dir die Weite nach oben geraubt. Hast du es je bemerkt? Hast du überhaupt realisiert, dass du ein schlimmerer Gefangener in deinem System bist, als es die reale Welt je schaffen würde? Der Kick, der Endorphine, Glückshormone und Energie freisetzt, ist der schrittweise, garantierte Untergang. Er fesselt dich in die Antriebslosigkeit und zeigt dir niemals eine Perspektive, die du dringend brauchst, um wirklich stark zu werden. Sieh es ein, vor dir ist deine Leere, die unendlich Angst macht und dich immer wieder straucheln lässt. Fülle sie mit dem Mut, sich auf dich selbst zu verlassen und alles zu schaffen, was du wirklich willst. Schmeiß die Jogginghose in den Abfall und schau in den Spiegel, was du siehst. Schwarze Augenringe, bleiche Haut, ein runtergekommener Körper. Einst ein Held, der alle Berge erklimmen wollte. Lachend, strahlend, voller Ideen. Willst du ein Penner sein, unrasiert in Jogginghosen? Steh auf, wach auf – deine Welt ist eine Welt mit Realitätsverlust und ohne Lebensziele, die dir am Anfang die rosarote Brille zeigte und dich kurz, immer nur kurz und immer kürzer in gigantische Höhen katapultierte. Doch am Ende gibt es keine Steigerung, am Ende bist du ganz alleine und der Tod lacht dir in die Fresse.

  

© Petra M. Jansen

 

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Schau hin,

dort sitzen sie.

Hinter heruntergelassenen Jalousien.

Schieben Hundertausende

mit ekelerregend falscher Besorgnis,

denn auf Sorgfalt kommt es gar nicht an.

 

Klimatisierte Zimmer

pusten Wohlbefinden in die Lounge,

der Arbeiter da unten,

der darf schwitzen.

Nein, kein Geld. Denn DU bist schließlich nicht der Held.

Schwach gezwungenes Kopfnicken in deine Richtung.

Wenn überhaupt.

 

Schau hin, was die Wahrheit ist.

Und was ist?

Du – bleib wie du bist.

Denn keinen Luxus zu haben,

ist wahrer Luxus.

Lachend andere in die Arme nehmen,

Willkommens-Gruß mit leeren Taschen.

 

Lass sie machen,

aber DU lässt es besser.

Sie kommen an den Punkt, an dem es kippt.

Vielleicht.

Mach einfach einen Punkt und einen Haken.

Werte, Ethik, Nächstenliebe.

Dort oben passt du nicht hinein.

 

Schau hoch,

wie sie schweigend über Schicksale entscheiden.

Sie spielen Fußball und du bist der Ball.

Spürst du die Tritte auf deinem Leib?

Die Gier nach einer Sackgasse für dein Leben?

Ja, so ist es.

Von Menschen geschaffen,

um Menschen zu „schaffen“.

Sei klug und gehe.

Drehe dich um und wirf keinen Blick zurück,

gib ihnen ihre Unfreundlichkeit und Arroganz zurück.

 

Du sitzt und rauchst eine Zigarette.

Deine klitzekleine Pause. Wohlverdient.

Und sie haben nur darauf gewartet,

endlich einen Grund gegen dich zu finden.

Geh und begebe dich auf den Weg der Sinne und des Sinns,

deine Sprache klingt ganz anders.

 

Du sitzt friedlich da und rauchst deine Zigarette.

Siehst schon den Mond

und heute Nacht die Sterne.

Du lächelst und hast verstanden –

wahrer Luxus ist, ohne Luxus glücklich zu sein.

 

 

© Petra M. Jansen

 

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Können Sie mit Scheinheiligkeit umgehen? Ich kann es nicht und ich rieche sie schon von weitem. Es stinkt gewaltig nach falscher Empathie, eigentlich tiefgründigem Neid und der unbändigen Lust, zu sehen, wenn es dem anderen dreckig geht oder der ebenso ein verkorkstes Leben hat wie der Neidhammel. Scheinheiligkeit kommt immer freundlich daher und erweckt zunächst den Anschein der Empathie oder des echten Interesses an einem anderen Menschen. Aber schlaue, lebenserfahrene Menschen haben schnell die Antennen ausgefahren und die Alarmglocken signalisieren „Obacht!“. Scheinheilige tun so als ob sie Sie mögen und Spaß an der Unterhaltung mit Ihnen haben. Sie wollen auf der gleichen Welle schwingen, wollen ein Wir-Gefühl vermitteln und wenn sie merken, dass man bei rein oberflächlichem Geplänkel bleibt und stets sein eigenes Ding durchzieht, schnappen sie ein und ringen innerlich nach Luft. Wie konnten Sie es wagen, einen Alleingang zu starten, ohne bereits im Vorfeld ausgiebig darüber geredet zu haben? Wie konnten Sie bloß so herzlos sein und diese neugierige, falsche Person so vor den Kopf zu stoßen und sich zu distanzieren? Wie ist es möglich gewesen, dass Sie sich freigestrampelt haben und ihre eigenen Entscheidungen über den Kopf derer getroffen haben? Ist Ihnen nicht klar, dass man Sie fortan meidet und allerhöchstens noch ein rausgequetschtes „Hi“ übrig bleibt? Also wirklich, wie konnten Sie so gemein sein und diesen Scheinheiligen den Wind aus den Segeln nehmen? Schließlich haben die immer einen guten Rat gegeben – egal, ob Sie es hören wollten oder nicht! Glauben Sie nicht, dass der Rat oder die ungefragten Vorschläge von Herzen kamen. Es kommt den Scheinheiligen gar nicht darauf an, ob Ihnen etwas gefällt oder nicht, Sie sich wohlfühlen und wie Sie mit den Angelegenheiten für sich selbst am besten umgehen. Es geht ihnen einzig und alleine darum, Ihnen deren Willen und Ideen aufzuschwatzen. Und wenn Sie daran kein Interesse haben, wird ein neuer Anlauf gestartet – vielleicht einige Monate später. Die Scheinheiligen verlieren dann ihre aufgesetzte Freundlichkeit, wenn sie merken, dass Sie ihnen entgleiten. Und weil sie insgeheim wissen, dass sie falsche Fuffziger sind, bekommen sie ein schlechtes Gewissen, was sie bestimmt nicht offen zugeben werden. Ab sofort werden Sie also gemieden, es ist vorbei mit der Höflichkeit und gute Wünsche können Sie vergessen. Alles, was Sie je zu solchen Leuten gesagt oder für Sie getan haben, war – salopp gesagt – für die Mülltonne und die kontrollieren die Scheinheiligen heimlich, um nachzusehen, wie Sie so leben, was sie konsumieren und erhoffen sich, dadurch einen Schnipsel ihres Lebens mitzukriegen. Sie müssen 24:7 auf der Hut sein, denn die werden nicht ruhen solange Ihnen alles gelingt und deren Leben höchst unattraktiv bleibt. Aber seien Sie ehrlich: So heilig haben Sie die ohnehin nie empfunden. Eher etwas krank im Hirn, oft konservativ und bieder, unflexibel und wenig empathisch. Und Sie haben es durchschaut: Des Scheinheiligen Freude ist ausnahmslos Ihre Misere oder Ihr Misserfolg und sie leiden unter einem vorgespielten „Ich-will-doch-nur-helfen-Syndrom“ (so eine Art bestimmende Mama oder Papa, die/ der immer das Zepter in der Hand hält und alles im Griff haben will – auch Sie). Doch soweit haben Sie es nicht kommen lassen und sich Menschen gesucht, die Ihnen auf Augenhöhe begegnen. Chapeau!

 

© Petra M. Jansen

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Es ist viel bequemer, wenn man von zu Hause, auf dem Sofa sitzend oder vom Gartenstuhl aus stöbern kann, was die Online Shops aktuell so anbieten. Ein Klick und die bestellte Ware kommt umgehend direkt vor die Haustüre. Da braucht man ja seinen Hintern gar nicht mehr in die Stadt oder die Einzelhandelsgeschäfte zu bewegen, wieso auch? Keine Parkplatzsuche, keine unnötige Benzinausgaben, kein teures Parkhaus und vor allem keine Menschenmassen oder hässliche Umkleidekabinen, sofern man Kleidung kaufen möchte. Gerade bei der Kleidung ist das so eine Sache – wenn es nicht passt, geht´s kostenlos zum Umtausch zurück. Alles kein Problem heutzutage. Dass aber die Einzelhandelsgeschäfte mehr und mehr sterben und dem bitteren Konkurrenzkampf ausgesetzt sind und dass die unzähligen Kurierdienste, DPD, UPS o.a. unsere Straßen verstopfen, scheinen die Online-Besteller gänzlich außer Acht zu lassen. Dann von „ökologischem Bewusstsein zu sprechen und ersatzweise (für das schlechte Gewissen) Blümchen zu pflanzen, von denen Bienen und Hummeln angelockt werden, klingt grotesk. Sie vergessen, dass unsere CO2-Belastung höher und höher wird und die zahlreichen Anlieferer tragen erheblich dazu bei. Das nächste unschöne Kapitel wäre der maßlose Papiermüll sowie die dazugehörigen Verpackungsmaterialien, die automatisch anfallen, wenn die Ware gut geschützt und unversehrt zum Empfänger gelangen soll. Völlig hirnrissig, hier von verantwortungsvollem Umgang mit unserer Welt sprechen zu wollen. Ich halte nichts von all den Online-Bestellshops und noch viel weniger von den Menschen, die so ziemlich alles online ordern. Es kann zur echten Sucht werden und sicher kennt jeder Familien, bei denen es nahezu täglich an der Türe klingelt und ein Kurier die bestellten Päckchen abgibt. Manche Leute bringen sich finanziell an die Grenze, bei ihnen türmen sich die Sachen – vieles liegt nutzlos auf dem Dachboden oder steht im Keller herum. Es grenzt für mich schon fast an ein Messie-Verhalten, wenn man alles doppelt und dreifach haben will und eigentlich nichts davon wirklich braucht. Zudem kann man beobachten, dass auffällige Online-Besteller tatsächlich eher menschenscheu sind, sich verkriechen, Besuche in Städten und der Öffentlichkeit meiden – es sei denn, sie müssen frische Lebensmittel des täglichen Bedarfs einkaufen. Erschreckend, aber achten wir einmal drauf, wie viele Menschen nicht aufhören können, immer wieder neue Sachen kaufen müssen! und ihrem inneren Zwang „das will ich jetzt“ nachgeben. Wer braucht eigentlich 50 Pullover, 70 T-Shirts oder irgendwelchen Deko-Nippes, der dann wieder irgendwann in der Ecke steht und gegen Neues ausgetauscht wird? Die Umwelt leidet unter diesen krankhaften Online-Bestellern und es zieht einen Schwanz der negativen Auswirkungen nach sich. Können sie wirklich so dumm, egoistisch und süchtig nach Konsum sein, dass sie jede Werbung anklicken, ständig im Internet nach Angeboten forsten und nicht merken, dass sie innerlich ganz arm dran sind? Für mich sind das schreckliche Vorstellungen, wenn ein Mensch nicht aufhören kann mit andauernden Online-Bestellungen. Die Papiertonnen quellen über, der Ramsch sammelt sich, die Straßen sind voll mit Transportern und ich kann nur den Kopf schütteln. Meine Güte…. es lebe der Konsum, dabei ist der Spruch „weniger ist mehr“ absolut nicht abgedroschen und die Begriffe Reduktion und Minimalismus wichtiger denn je. Ehre die Kleinigkeiten und reduziere deine Ansprüche, dann bist du sicher der glücklichere Mensch – garantiert! Ich liebe die Haptik und möchte die Produkte, die ich kaufe sehen, fühlen und vergleichen können. Das geht mir verloren, wenn ich alles im Internet bestellen würde und ich mag auch kein Konsumdepp sein, der täglich auf die Kurierdienst-Lieferung wartet. Diese Leute, bei denen das extrem ist, haben ein Defizit. Es macht sie zwar kurzfristig glücklich, aber letztendlich bringt ihnen ihre Kaufsucht wohl kaum den inneren Frieden. Dafür volle Räume, wenig Platz und ein leeres Bankkonto.

 

© Petra M. Jansen

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Lieber Pierre,

sicherlich sind die Begriffe „Klimaschutz“ und „Überbevölkerung“ bei jedem weltweit angekommen. Doch ab welcher Zahl genau ist der/ die Eine ein „Zuviel“? Und ist es tatsächlich so, dass es mit einer Stagnation bzw. Verminderung der menschlichen Spezies besser würde? Liegt es nicht eher daran, wie die prozentuale Verteilung ist oder daran, dass reiche Industrienationen verschwenderisch die Ressourcen ausbeuten und sich die Leute in den Entwicklungsländern wie die Kaninchen vermehren? Würde eine gesunde Balance gefunden werden, kämen wir auf diesem Planeten wahrscheinlich alle recht gut zurecht. Überbevölkerung ist oft eine einfache Ausrede dafür, nicht handeln und etwas verändern zu müssen. Von den bequemen, verschwenderischen und luxuriösen Bedürfnissen reicher Länder abzurücken und sich einschränken zu müssen. Wir vergessen zudem über eine ungleiche Verteilung der Ressourcen und der Inanspruchnahme (besser: Aneignung derer von den reichen Nationen), nachzudenken. Vor allem sie müssten lernen, dass sie von ihrem hohen Ross runterkommen müssen und absolut nicht das Recht haben, armen Menschen Land, Boden und Bodenschätze wegzunehmen. Hier muss dringend etwas passieren, denn die Reichen sind schuld, wenn die Armen verhungern und gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Böden, die nicht ökologisch angemessen bewirtschaftet werden, trocknen noch mehr aus und werden oftmals einseitig ausgelaugt. Wir speisen viele arme Länder mit faden Finanzspritzen oder schlechten Handelskonditionen ab, versprechen eine bessere Zukunft und Arbeitsplätze, aber in Wirklichkeit ruinieren wir ihr Leben und die Zukunft ihrer Völker. Seien wir ehrlich, lieber Pierre… wir leben in Saus und Braus und genau dann, wenn einer von uns etwas abgeben oder reduzieren muss, ist das Geschrei groß. Selbstverständlich kommen diese armen Menschen dorthin (in die reichen Länder dieser Erde), wo sie eine Perspektive sehen – und das ist u. a. Europa tatsächlich. Mich wundert es nicht, ich kann das absolut verstehen, denn ich würde auch versuchen, meinen Arsch zu retten, wenn man mein Heimatland so plattgewalzt hat.

Fakt ist, dass unser westlicher Lebensstil nicht nachhaltig ist. Wohlstandsverzicht und eine Umverteilung des Eigentums, gepaart mit Geburtenkontrolle in den Entwicklungsländern, wären einige sinnvolle Ansatzpunkte. Von der Politik müssen saubere Technologien eingefordert werden und auch eine notwendige Geschwindigkeitsbeschränkung von max. 130 km/ h auf Deutschlands Autobahnen (wozu muss man eigentlich mit 200 Sachen über die Autobahn rasen?). Generell müssen wir alle unser Konsumverhalten prüfen und unser gesamtes Denken bedingungslos ökologisch ausrichten. Fairer Handel statt Ausbeutung und Preiskampf der Discounter, bewusstes Umgehen mit eigentlich allem, was unser Leben ausmacht. Das sind selbstverständlich einige Lösungsansätze aus einem dringend aufzuarbeitenden Maßnahmenkatalog, aber  – wie so oft – unterschätzen wir die menschliche Dekadenz, Bequemlichkeit und den Egoismus des Individuums. Wenn´s um Reduktion und Einschränkung geht, fühlt sich keiner angesprochen und das ist das Dilemma.

Schaffen wir es also nicht, diese Veränderungen herbeizuführen, wird das passieren, was prognostiziert wird und bereits sichtbar ist: die Natur holt aus und wenn sie das tut, dann sind wir machtlos. Darüber sollten wir uns im Klaren sein und es nicht ausreizen. Für mich ist es das Gesetz der Evolution – der Mensch kommt nicht ohne seinen Planeten aus, die Erde aber wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach von den Zecken befreien und nur das übrig lassen, was sich bewährt, sinnvoll ist und überlebenswert. WIR sind es offenbar nicht, wie es scheint. Wir sind dumme, schwache Konsum-Zombies, die ihre ethischen Prinzipien abschalten, unsere fetten Hintern mit Schnitzeln füttern oder unsere Klamotten bequem online via Paketdienst nach Hause schicken lassen. Egozentrik und Dummheit waren schon immer eine gefährliche Mixtur.

 

In diesem Sinne,

etwas ratlos

 

Petra

© Petra M.  Jansen

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