Da stehst du nun und sie erkennt dich nicht mehr. Sie weiß nicht, dass du sie ein Leben lang begleitet hast. Sie weiß nicht, dass sie dich einst geboren hat. Unwiderruflich verloren. Du hast keine gemeinsame Erinnerung mehr für sie und es schmerzt, es tut so weh.

Da versuchst du nun, ihre Hand zu streicheln. Sie wehrt das energisch ab, fühlt sich bedroht von einer Fremden und wirft mit greifbaren Gegenständen nach dir, um ihre Angst auszudrücken. Es ist noch nicht lange her, da teiltest du mit ihr Bilder der Vergangenheit, du erzähltest Geschichten, wo sie dir als Kind oft den Arsch gerettet hat. Ihr konntet gemeinsam lachen, streiten, lieben. Da konnte sie noch sprechen, da konnte sie noch essen, trinken und laufen. Du schaust sie an, voller Liebe … doch diese wird von ihr nicht mehr – für dich wahrnehmbar – erwidert. Angewidert musst du wegschauen, wenn ihr der Sabber aus den Mundwinkeln läuft. Du unterdrückst den aufkommenden Ekel, wenn der Geruch ihrer Exkremente in deine Nase kriecht. Wozu das alles? Warum ist das bloß passiert? Ein Mensch, der sein Leben so wundervoll gelebt hat, so wunderschöne Dinge geschaffen hat, so ein liebenswerter Mensch war? Warum? Diese Frage beantwortet dir niemand, höchstens die Tatsache, dass Menschen durch medizinische Hilfe heute sehr, sehr alt werden. So alt, wie sie früher niemals wurden und niemand den Verfall des Gehirns so deutlich sehen konnte, wie heute. Es erschreckt dich, du fürchtest dich, auch einmal so zu enden. Hilflos, entmündigt, mit dem Hirnstand eines Säuglings, obwohl du vielleicht bereits 85 Jahre alt bist. Es gleicht einem Zombie, was du da siehst. Dieser Mensch – deine Mutter – ist unwiderruflich verloren und sie kommt nie mehr wieder! Unsere Schaltzentrale im Gehirn ist – wie alles andere auch – einem natürlichen Verschleißprozess unterworfen. Genetische Disposition, Lebensstil, Narkoseschäden, Medikamente, Drogenkonsum und vieles mehr, sind die möglichen Ursachen.

Da stehst du nun und sie schreit. Sie schreit dreißig Mal in der Minute Laute, die keinen Sinn ergeben. Sie hämmert auf dem Tisch herum und zuckt mit den Augenlidern. Gestern saß sie in ihrem Zimmer und hatte vergessen, wo die Toilette ist. Sie weiß es einfach nicht mehr und auch nicht mehr, wofür eine Toilette überhaupt ist. Grausam. Das Absterben der erlernten Fähigkeiten, das Absterben der Gehirnzellen, das Absterben der Impulse… grausamer geht es nicht.

Da stehst du nun und möchtest so gerne mit ihr reden. So wir früher, als ihr so schöne, interessante Gespräche führen konntet und sie dir eine große Hilfe war. Da stehst du nun und schaust auf einen Menschen, dessen Schicksal dem lebendigen Begräbnis gleicht. Und hoffst, dass du niemals so dasitzen wirst. Entscheidest in diesem Augenblick, dass dir jedes Mittel Recht ist, dich vorher um die Ecke zu bringen. Es riecht nach Erbrochenem. Du rufst nach einem Pfleger, wie so oft, wenn du zu Besuch kommst, um deine Mutter zu sehen. Unwiderruflich weg ist sie. Diese Krankheit kennt kein Erbarmen, kennt kein Zurück. Es ist Siechtum, Sterben in kleinen Schritten, nahe der Geisteskrankheit (was es nicht ist). Können Menschen überhaupt noch schlimmer enden? Nein! Und es steht die berechtigte Frage im Raum, ob es wirklich eine echte Errungenschaft der Medizin ist, Menschen immer älter werden zu lassen…

 

© Petra M. Jansen

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Da stehst du endlich vor meiner Tür –

ich bin so überglücklich.

Hab mal wieder Geld zum Fenster rausgeschmissen.

Egal.

Geld habe ich genug.

Ich freue mich auf jedes Päckchen,

Pakete überfluten meinen Eingang,

wie schön, dass es mindestens fünf pro Woche sind.

Da fühle ich mich prima,

alles neu,

ja, ich bin unendlich glücklich!

Fiebrig suche ich im Internet und springe aufgeregt auf alle Online-Shops.

Das da ist schön, das will ich jetzt.

Da ist was, das brauche ich!

Das muss ich jetzt sofort kaufen!

Hab zwar schon alles,

aber das brauche ich jetzt u n b e d i n g t,

mein Haus,

das kriege ich schon voll.

Und mein Garten platzt aus allen Nähten,

so überladen, dass man sich kaum rühren kann.

Aber da gibt’s sicher noch ein freies Plätzchen,

Lichterkette, Deko, Liege und all die Kübel,

passen da sicher schon noch hin.

Nippes, Deko, Eiswürfelmaschine, Gartenfackeln und Schnick-Schnack ohne Ende –

ich schmeiß mit Geld so gerne um mich…

fühle mich endlich wieder,

genau DAS gibt meinem Leben einen Sinn.

Sollen die Postboten und Paketdienste kommen,

der Briefkasten quillt schon über,

ich liebe sie alle,

ich liebe die Kuriere!

Und wie ich sie liebe…

füllen sie

doch meine kranke Seele –

und –

bringen mir jeden Tag das wahre Glück ins Haus.

Ich bin schon heiß auf die nächsten Artikel,

bestellen mit nur einem Klick,

das gibt mir wirklich den absoluten Kick!

Ich brauche alles, alles, alles…

ich stopfe es schon irgendwo noch hin.

Jedes neue Teil lässt mich jubeln,

Geld hab ich ja genug.

Geld spielt für mich wirklich keine Rolle,

hab ja noch genug davon.

Her mit dem Kram, ich will das alles kaufen,

damit mein Gemüt zur Ruhe kommt.

Süchtig nach dem Rausch des Kaufens,

ich muss das jetzt besitzen!

Auch, wenn ich es gar nicht brauche,

kann es ja irgendwann verschenken,

damit ich sofort wieder Neues kaufen kann.

Ich liebe es, wenn sich die Kartons vor meiner Türe türmen,

stapelweise von groß bis klein,

reiße das alles auf mit Gier,

endlich fühle ich mich wieder gut.

Kaufen, kaufen, kaufen…

und –

dass ich der größte Idiot aller Zeiten bin,

kommt mir garantiert nicht in den Sinn…

 

© Petra M. Jansen

 

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Der Duden definiert Promiskuität als eine psychische Störung, bei der häufig wechselnder Sexualkontakt mit verschiedenen Partnern stattfindet und langfristige Bindungen oft nicht von Dauer sind. Es geht umgangssprachlich also um „Männer- oder Frauen-geile Menschen“, die erst aufleben, wenn sie Geschlechtsverkehr erleben und sich dadurch erhaben, selbstbewusst und gewollt fühlen. Das genau ist das Problem – in Wahrheit steckt dahinter eine schwere psychische Erkrankung (teilweise bipolar). Menschen fühlen sich nur dann vollwertig und komplett, wenn es einen Mann oder eine Frau an ihrer Seite gibt. Alleine sind sie nichts und fühlen sich nicht vollwertig, innerlich minderwertig. Mit echter Liebe hat das Ganze nichts zu tun, obwohl sich die Betroffenen das einbilden. Nicht selten schlagen diese Personen über die Stränge und treiben es nicht nur mit einem Partner sondern mehreren oder sind noch verheiratet und suchen sich in kürzester Zeit einen Ersatz-Geschlechtspartner. Auffällig ist, dass die Betroffenen – in Zeiten eines vorhandenen Sexpartners – extrem laut, überdreht und anderen gegenüber rücksichtslos agieren (die sind verständlicherweise genervt und müssen sich bemühen, nicht unangemessen zu reagieren). Es spielt nichts mehr eine Rolle außer der neue Partner, mit dem die gesamte Freizeit verbracht wird. Andere soziale Kontakte werden vernachlässigt, ausgegrenzt oder gar als Feinde betrachtet, die in ihren Augen ohnehin nur neidisch sind und ihnen nichts gönnen. Ob es schlichtweg lächerlich oder einfach nur traurig ist, wenn aus einer fast 60jährigen über Nacht ein überdrehter Teenager wird, der sich wie eine läufige Hündin oder brünstiger Bulle verhält und sich jeglichem Ballast entledigt, der einer neu errungenen Liebessucht im Wege steht, steht als Frage im Raum. Für Betrachter von außen wirkt das Ganze extrem befremdend, aber die Sex-gierigen Menschen merken nichts mehr, außer, dass sie sich übermäßig sexy fühlen und sich rücksichtslos alle Rechte nehmen, die ihnen ihrer Meinung nach unbedingt zustehen. Schließlich sind sie unwiderstehlich und die Welt soll sehen, wie umwerfend sie sind. Das Tragische ist nicht nur die Unterwürfigkeit, die sie in ihre Liebesaffären stecken und ein Verhalten wie eine Klette zeigen (der/ die wird pausenlos bombardiert und man kann nicht mehr ohne) sondern, dass auf das Hoch garantiert ein Absturz in das Tief – die Depression – folgt. Wissenschaftlich widmete man sich schon oft diesem Thema, um dem Trauma als Auslöser, der genetischen Disposition oder den psychischen Auswirkungen näher zu kommen. Früher war Vielmännerei oder Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern in kurzer Zeit oder Verkehr während einer noch geschlossenen Ehe verboten und wurde streng bestraft. In unserer heutigen, aufgeklärten Gesellschaft scheint alles möglich, doch die Toleranz hat hier seine Grenzen und ein Mensch, der unmoralisch seine „Geilheit“ zur Schau stellt, wird nicht respektiert. Gleichstellung hin oder her – schnell hat eine Frau den Ruf einer Hure, der Mann taugt leider auch nichts. Fest steht: In den Familien Beziehungssüchtiger waren die Grenzsetzungen und Erfahrungen emotionaler Art nachweislich sehr rigoros, extrem und mit starren moralischen Normen oder zu hohen Anforderungen geführt. Vielleicht spielte sogar eine harte, streng religiöse Erziehung eine Rolle, unter der die erwachsenen Beziehungs- und Sex-süchtigen unterbewusst immer noch leiden und durch ihr extremes Verhalten nun versuchen, zu kompensieren. Wenn sie gar keinen Partner finden, probieren sie es rastlos über Internet-Portale, Anzeigen oder via Partnerbörsen – Hauptsache sie bleiben nicht alleine (denn dann fühlen sie sich nicht). Alleinsein ist für diese Menschen unerträglich und sie verfallen oftmals in einen wilden Aktivismus, Kaufrausch oder andere Zwangshandlungen, um nicht in eine depressive Stimmung abzurutschen.

Der Preis ist hoch. Diese Menschen gehören dringend in eine psychologische Behandlung, damit sie nicht noch mehr Unheil anrichten (bei sich selbst oder auf sie hereingefallene Partner).

Untersuchungen haben ergeben, dass bei der sexuellen Betätigung nicht nur Sexualhormone ins Blut ausgeschüttet werden, sondern auch Neurotransmitter im Gehirn wie Dopamin, Serotonin und endogene Opiate wie Endorphine und Enkephaline. Diese gehören zum zerebralen Belohnungssystem des Menschen und können unter anderem eine Angst-abbauende, schmerzstillende, Euphorie erzeugende Wirkung haben . Genau das passiert im Hirn der betroffenen Dauer-Beziehungssüchtigen und erklärt, warum sie so unendlich überdreht, laut oder rücksichtslos sind und sich für unwiderstehlich halten ((bei einer psychischen Störung – wie hier genannt – funktionieren diese Mechanismen ohne Medikamente nicht mehr – bipolar/ manisch/ depressiv. Die verschiedenen Abarten und Zwangshandlungen der Betroffenen sind sichtbare Auswirkungen).

Leider passiert das auf Kosten anderer Menschen in ihrem Umfeld, die wahrscheinlich erst mal eine Weile brauchen, um überhaupt zu realisieren, dass die betroffenen Personen tatsächlich psychisch sehr krank sind und dringend Hilfe benötigen. Doch, wer von ihnen will das schon hören, wenn sie sich gerade in Jubellaune befinden oder in einer manischen Euphorie-Phase Bäume ausreißen könnten? Sicher ist: Eine solide Basis für zwischenmenschliche Beziehungen ist das nicht. Absturz, Trennung und erneutes Leid sind vorprogrammiert. Immerhin gibt’ s Pillen. Amen.

© Petra M. Jansen

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Es soll keine Abrechnung oder ein übler Nachruf werden, aber durchaus ein Aufruf zu besseren Arbeits- und Lohnbedingungen und ein bewusst öffentliches Anprangern der grundsätzlichen Schieflage einer boomenden Branche – oft zu Lasten der Beschäftigten. Seit der Recherche von „Wallraff“ (https://www.stern.de/kultur/-team-wallraff–in-der-sicherheitsbranche–was-auf-die-fresse–3175714.html wissen wir alle Bescheid über die üblen „Tätigkeiten“ einiger Securities. Doch er durchleuchtete dies von einer anderen Seite, als ich es heute tue.

Schaut man sich den Gesuche-Markt der Stellenanzeigen im Sicherheitsdienst auf den einschlägigen Job-Portalen an, stockt einem der Atem. So unglaublich viele, offene Stellen und stets markiert mit „dringend gesucht“, „zum sofortigen Eintritt“, „mehrere Mitarbeiter“. Kein Wunder, wenn man sich dazu die Studie der „Ver.di/ DGB Index Gute Arbeit“ PDF →https://innovation-gute-arbeit.verdi.de/gute-arbeit/materialien-und-studien/++co++b85106cc-17ee-11e9-9652-525400423e78 anschaut. Selbst die von der Bundesagentur für Arbeit zugeschobenen Arbeitslosen geben nach kurzer Zeit auf und suchen das Weite. Die Beschäftigten stehen oft vor sehr verantwortungsvollen Aufgaben, werden nicht ausreichend und fortlaufend geschult, schleppen sich Tag und Nacht durch – zum Teil 12-Stunden-Schichten/ 6-Tage-Woche (denn das ist in dieser Branche zulässig!) , werden obendrein noch schlecht bezahlt und körperlich/ psychisch bis zum Limit verheizt. 240-270 Stunden monatlich und mehr sind keine Seltenheit (und auch notwendig, will man seinen Lebensunterhalt mit diesem Job bei der miserablen Bezahlung bestreiten).

Ich selbst habe diesen – für mich wahrhaftig vollkommen – artfremden Beruf vier Jahre lang ausgeübt, stets darauf bedacht, die zahlenden Kunden (die Sicherheitskräfte als externe Dienstleister einkaufen) mehr als zufriedenzustellen und oft wesentlich mehr zu leisten, als das, wofür man eigentlich bezahlt wird. Der Kunde kann nichts dafür, sein Sicherheitsbedürfnis ist groß und verständlich. Dafür darf er eine absolut korrekte Leistung erwarten, die – laut meiner Beobachtung – nicht immer gewährleistet ist. Ich sage nicht, dass es NUR schlecht ausgebildete Sicherheitsdienstmitarbeiter gibt, das stimmt so nicht – denken wir an Werttransporte, Flughafen-Sicherung, Reaktor- und Kernkraft-Überwachung, öffentliches Interesse und vieles mehr. Selbstverständlich sind das ausgebildete und geschulte Leute (hoffentlich), aber eben nicht die breite Struktur, die im Werkschutz/ Industrieschutz/ Objektschutz oder für Einlasskontrollen eingesetzt werden. Hier durfte ich von Klappstuhl-Rollator-Opa bis überhebliche Göre, Schussel oder aufgeplustertem Möchtegern alles erleben. Gescheiterte Existenzen, Ex-Alkoholiker, Ex-Junkies, Ex-Dealer, Hausfrau, Teenager, der sich verschuldet hat und nun die Zeche bezahlen muss… usw. Gerade die kleineren Sicherheitsdienstfirmen zahlen nur das absolute Minimum, stellen qualitativ minderwertige Arbeitskleidung oder nicht einmal die notwendige Ausrüstung, wie z.B. Warnwesten oder Taschenlampen zur Verfügung (was lt. DGUV vorgeschrieben ist).Selbst die erforderliche Grundausbildung der „Unterrichtung Sachkundeprüfung §34a“ muss von den Beschäftigten selbst bezahlt werden, ebenso erste Hilfe-Kurse oder gezielte Weiterbildungsmöglichkeiten. Es gibt die Großen der Branche – da dürfte es vielleicht anders gelagert sein, aber dennoch sind die Arbeitsbedingungen auch dort extrem schlecht (deshalb auch aktuell wieder Streiks). Wenn Sie einen Blick auf die Bewertungen von Mitarbeitern auf den Bewertungsportalen lesen, werden Sie schnell erkennen, dass wir es hier mit einem gesundheitsschädlichen Ausbeuter-Segment zu tun haben. Solange es den MTV Manteltarifvertrag Sicherheitsdienst gibt und dieser gültig ist, ändert sich daran auch nur schleppend etwas. Zwar versuchen es die Vertreter der Ver.di und des BDSW kontinuierlich, aber recht zögerlich und da muss noch viel nachgearbeitet werden. Dringend! Aktuell liegt der Stundenlohn über dem Mindestlohn, aber die gültigen Abrechnungspraktiken ziehen das enorm runter. Beispiel: Arbeitet ein Security nur 8 Stunden bei einer 5-Tage-Woche kommt er im Monat auf etwa 1.800 Euro Brutto (je nach Bundesland). Wer kommt also damit aus? Das ist der Grund, warum viele über 240 Stunden monatlich arbeiten, alle Zuschläge für Nacht-/ Wochenend-/ Feiertags-Arbeit mitnehmen und sich gesundheitlich zugrunde richten. Ich selbst fing vor Jahren topfit und engagiert in diesem Beruf an, machte alle erforderlichen Ausbildungen, arbeitete für viele Einsatzorte/ Bereiche und beendete das vor Kurzem mit einem kaputten, schmerzenden Arm und Handgelenk, fünf verlorenen Zähnen und vollkommen überbelastet. Peinlich in jeder Hinsicht: Bei einem Diarrhö-Anfall habe ich mir vor dem Kunden in die Hosen gemacht, weil – trotz mehrfachem, eindringlichen Bitten – keine Ablösung und keine Toilette verfügbar war. Psychosomatische Begleiterscheinungen waren die Folge von 5 bis 6 Tage Einsatz à 12,5 Stunden (inkl. Fahrtzeiten). Während meiner Dienstzeit war es kaum möglich, einen Arzt aufzusuchen, mein Sozialleben zu pflegen, private Kontakte aufrechtzuerhalten oder mich meiner Literatur, dem Journalismus und dem Bücher-Schreiben zu widmen. Mir fehlte auch schlichtweg die Kraft für meine wichtigen ehrenamtlichen und sozialen Tätigkeiten. Ich konnte keine Workshops mehr organisieren und durchführen, keine Live-Konzerte besuchen, mich nicht um meine Angehörigen und Familie kümmern. Jetzt – nach dem Ausstieg – pflege ich meine Blessuren, kümmere mich um all das, was jahrelang nahezu unmöglich war und bin wieder aktiv journalistisch, textlich und ehrenamtlich tätig. Als besonders widrig empfinde ich die „selbstverständliche Bereitschaft“, die oftmals gefordert wird und selbst nachts bekommen Mitarbeiter Anrufe, dass sie am nächsten Morgen spontan um 6.00 Uhr (Samstags/ Sonntags) eine Vertretung zu übernehmen hätten (Dienstende abends vorher 19.30/ Anfahrtszeit ¾ Stunde. Der Abstand zwischen zwei Diensten muss jedoch mindestens 12 Stunden sein!). Um in seiner wohlverdienten Freizeit einigermaßen unbehelligt zu bleiben, bleibt nur die Option, alle Telefone auszuschalten und auf keinen Fall in die Emails zu schauen. Auch im Urlaub kommen Anrufe seitens der Arbeitgeber, dass man unverzüglich zurückkommen und einen Dienst übernehmen müsse, ebenso wurden kurzfristig Urlaubstage gestrichen und – teilweise sogar – der gesamte, bereits bis ins Detail geplante Umzugstag. Rette sich, wer kann! Dienstpläne werden willkürlich umgestellt, weil erneut das knappe Personal ausgefallen ist und das, obwohl ein Dienstplan Gültigkeit hat und nicht unter 4 Werktagen geändert werden darf (ohne Zustimmung des Arbeitnehmers). Es gibt noch viel mehr Schwachstellen: Wer keinen eigenen PKW hat, ist aufgeschmissen, denn wie sollte man zu den Kunden/ Objekten kommen? Das geschieht natürlich ohne anzurechnendes Kilometergeld und auf eigene Kosten, mit eigenem Materialverschleiß. Dabei sind Anfahrten zu den Kunden von mehr als 50 km keine Seltenheit. Steht die Inspektion, die Reifenabnutzung, der Benzinverbrauch und Sonstiges auf der Stundenabrechnung? Nein. Das müssen Sie vom jämmerlichen Grundlohn pro Monat abziehen (sicher 200 Euro pro Monat, je nach KFZ) oder im nächsten Jahr anteilig bei der Steuererklärung geltend machen (immerhin etwas).

Der nächste Punkt, mit dem auch ich öfters konfrontiert war, ist die Auseinandersetzung mit Resistenten und Unwilligen, sei es von Mitarbeitern innerhalb der Betriebe, die man schützen soll oder von außerhalb kommend. Man steht stets alleine da, hat in Notsituationen keinerlei Hilfe und erfährt durchaus Abwertung, Trotz oder gar direkte Aggression. Jedem, der in diesem Beruf arbeitet oder arbeiten will, dem muss klar sein, dass er stets zwischen den Fronten steht und ein wirklich dickes Fell braucht. Es hilft keiner, wenn es brenzlig wird und man gehört nirgends dazu. Stets die Sicherheitssituation im Blick, stets unter Anspannung für den Eventualfall, stets freundlich (wenn das immer so einfach wäre). Im Laufe der Jahre habe ich wahre Kotzbrocken kennengelernt und immer noch, scheinen sich Männer äußerst schwer damit zu tun, wenn Frauen ihnen etwas vorschreiben wollen. Gewöhnt euch dran, Machos! Ich war als Frau nie bestechlich, nie unaufmerksam, niemals unhöflich, bin aber sehr oft an meine persönlichen Grenzen gekommen – immer im Blick, dass ich Dienstleister bin (privat hätte ich dem einen oder anderen gerne mal einen Tritt in die … verpasst). Trotzdem bekam ich einen guten Blick hinter die Kulissen und an der einen oder anderen Stelle sah ich erfreut, wie sehr sich Mitarbeiter für die Sicherheit der Kunden eingesetzt haben, obwohl sie nie eine Wertschätzung seitens des eigenen Arbeitgebers erfahren haben. Auch das gibt es (Kunden sind eher bereit, der Motivator zu sein als der eigene Chef) und ich möchte diese „seltenen Kollegen“ auch einmal lobend erwähnen (den meisten aber war und ist es egal – sie sitzen nur ihre Stunden ab). Kein Lob gibt es für die unberechenbaren, aggressiven Kollegen, die jeden fertig machen und anscheinend im Türsteher-Rotlichtviertel-Milieu hängengeblieben sind.

Fazit: Lassen Sie die Finger von diesem Beruf. Auszubildende sind extrem knapp, weil auch sie mies bezahlt werden und unerträgliche Arbeitszeiten und -schichten haben. Der Nachwuchs wird auch nicht eher kommen bis die Konditionen verbessert werden. Für Hausfrauen, die nebenher vier oder fünf Stunden am Empfang arbeiten wollen, ist es in Ordnung, aber als Fulltime-Job, von dem man dauerhaft leben sollte, ein No-Go. Es sei denn, Sie wollen nach wenigen Jahren ein ausgemergeltes, physisches und psychisches Wrack sein. Nebenbei wurden und werden von nicht wenigen Firmen die besten Sicherheitsdienst-Mitarbeiter abgeworben und direkt eingestellt. Zumindest von denen, die den Wert eines Menschen erkannt haben und für diejenigen, denen ethische und menschliche Aspekte wichtiger sind als ein gedemütigter, unterbezahlter Externer, der beliebig hin und her geschoben werden kann und – wie ich sagte – nirgendwo hingehört. Nicht einmal mehr in sein eigenes, privates Leben, das er zugunsten eines Jobs als „Security“ aufgegeben hat.

© Petra M. Jansen

LiteraTour.Poetic.Text

Mit dickem Bauch das Spanferkel drehend, rotzend den Glibber der Speiseröhre dir vor die Füße spuckend. Derweil von hinten, hinter dem Haus hustendes – wie welk gewordene Blätter knackendes – Hinaus-befördern des Nikotinrestes der vergangenen 40 Jahre. Ein Hoch auf das nächste Bier. Herrje, wo ist bloß die Flasche mit dem Korn? Strack im Anmarsch die Große – Ex-Oberstudienrätin, die ihr Rentendasein offensichtlich noch nicht verkraftet hat. Zackig ergreift die Lady den hopsend, neurotischen Köter zum Ablenkungs-Gassi-Gehen und stolpert dabei hoffentlich nicht über ihre spitze Nase. Alltag, Alltagstrott, Trottel.

Grüß Gott“ blökt es jedem, der am Haus vorbeikommt in die Fresse. Grüß bloß Gott… und vergiss nicht, vor dem Scheiß in Lachen auszubrechen. Flux daneben, der zweite (nicht Umwelt-effiziente) Luxusschlitten, der sich in die mit Markierungen durchkreuzte Parklücke, direkt in die Feuerwehrzufahrt, stellt. Nur mal schnell ein Eis holen, da kommt schon keiner. Herrje, eine Horde Egoisten. Zu bequem und hirnlos, um ein paar Meter zu laufen.

Da kommen jetzt Gedanken an den fetten Gabelstaplerfahrer, der vor dicken Bällen in der Hose kaum noch in der Lage ist, vernünftig zu denken. Männerwahn, Unnachgiebigkeit, Sturheit bis zum Erbrechen. Leute, dieser Typ ist schon lange out. Begriffen hat der Begriffsstutzige natürlich nichts, krault sich derweil weiter stur seine (winzig kleinen) Eier. Böse, wer jetzt Böses denkt. Es sind Menschen halt.

So wie die, die niemals zuhört. So wie der, der niemals ruhig bleiben kann. So wie die, die immer genau krank sind, wenn der andere in den Urlaub geht. So wie der, der muffig täglich die gleiche dumme Visage trägt und der, der – obwohl man sich bereits mehrmals geduzt hat – immer wieder ins steife „Sie“ verfällt. Was für eine verkrampfte Gestalt.

So wie der, der säuselnd höflich dich umgarnt, wenn er was will und militant befiehlt, wenn er merkt, dass er nicht das bekommt, was er erhoffte. So wie die, die niemals die Distanz wahrt, nur um sich selbst darzustellen. Es sind Menschen halt.

Nachts, aus dem Fenster hängend heimlich durch die erleuchteten Fenster zum Voyeur werden, nur um sich nicht selbst zu fühlen. Wild gestikulierend, außerstande einen klaren Satz zu bilden … aber alles besser weiß. Völlig versoffen, kaputt gesoffen.

Eines Tages, leg ich dich flach. Eines Tages bist du reif“, drohte der dickbauchige Mann von nebenan. Oha, da packst du besser deine Sachen und rennst los. Menschen halt. Die halt nicht mehr zu halten sind. So oder so rum.

Ein Querschnitt? Nicht unbedingt, es gibt auch viele Gute. Trotzdem wirst du das Gefühl nicht los, dass man sie irgendwie alle losgelassen hat oder haben sie sich gehenlassen? Wo sind die wirklich feinen Kerle, mit denen spannende, unterhaltsame Dinge zu erleben sind? Nicht die Quacksalber, die dir via Internet erklären, was du nicht kannst oder was du nicht bist oder dass du irgendwie nicht in Ordnung bist. Das sind Arschlöcher. Menschen halt.

Menschen, die nicht erfüllt sind. Die nicht glücklich sind. Die nichts zu sagen haben. Die sich selbst nicht ausstehen können. Die unfreundlich sind. Die nichts wirklich zu tun haben. Die eigentlich nichts weiter tun, als wahrzunehmen, dass du stark und mit dir im Reinen bist. Weißt du ja alles schon, ist nicht neu. Aber dennoch stets interessant und durchaus amüsant zu sehen, auf welche Art Menschen ihr eigenes beschissenes Leben kompensieren. Menschen halt.

© Petra M. Jansen

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Wir alle üben uns in Toleranz und geben unser Bestes, fremde Kulturen und gesellschaftliche Regeln zu akzeptieren und Verständnis für uns oft fremd erscheinende Ansichten zu zeigen. Auch ich tue das und wertschätze durchaus, dass jedes Volk und jeder Mensch andere Rituale und Gebräuche pflegt, doch – bei aller Liebe zum Miteinander – stoße auch ich irgendwann an meine Grenzen. Ein westlich, freiheitsliebender, aufgeklärter Mensch – ausgestattet mit, sagen wir mal, normaler Intelligenz – hat schon begriffen, dass unsere Erde an Überbevölkerung leidet und dringend eine Geburtenkontrolle in einigen Ländern erforderlich macht. Nun gibt es Religionen und Kulturen, in denen misst sich die Rolle und Stellung der Frau innerhalb der Familie an der Anzahl der Kinder, die sie gebärt. Je mehr Kinder, desto höher steigt sich im Rang innerhalb der Sippe. Was tut der Mann? Er vögelt wie ein Stier, streut seinen Samen und vermehrt sich unkontrolliert. Spaß hat er dabei zweifellos, darauf ist er auch noch stolz – schließlich hat er sich als Zuchthengst bewährt. Er ist stolz darauf, seine Gattin erfolgreich begattet und sie – in meinen Augen – zur Geburtsmaschine degradiert zu haben. Und bedingungslos folgen muss sie ihm nun auch, darf vielleicht sogar nicht einmal mit anderen Männern sprechen. Sie hat sich in dem System des Patriarchen unterzuordnen, ihre Rolle ist ganz klar die Familie, Aufzucht der Kleinen, Haushalt und eben vögeln…so lange sie fruchtbar ist. Arme Sau! Die weiblichen Nachkommen dieser Gruppen haben es schwer, werden oft in sehr jungen Jahren direkt weiter verheiratet, und ob sie den Kerl nun wollen oder nicht, ist egal. Ich fragte letztens eine Mutter: „Wo ist denn deine Tochter? Die, die gerade studiert?“ Sie lachte und sagte: „Mann geholt, jetzt in Deutschland nach Sprachtest. Jetzt Mann da. Nix studieren. Mann da. Mann geht vor. Kinder kriegen.“ Oha.

Ich sah die junge Dame kurz danach zum Abholen ihres Mannes. Verhüllt. Es dauerte eine Weile bis ich sie überhaupt erkannte. Mein Erschrecken oder Mitleid konnte ich verbergen.

Anderes Beispiel: Er hat das alleinige Sagen, sie hat den Mund zu halten. Kinder haben sie reichlich, die Großen kümmern sich um die Kleinen und – wie das so ist – dürfen die Jungs raus, die Mädchen nicht. Ab der Menstruation gelten sie „unten rum“ als unrein und sie dürfen während ihrer Menstruation nicht gemeinsam am Tisch mit den anderen Familienmitgliedern essen. So lange sie menstruieren, haben sie sich zurückzuhalten. OK, was habe ich da nun falsch verstanden? Diese Mädchen sollen später einem alleinigen Mann dienen, ganz viele Kinder bekommen und ihm und seinem Trieb uneingeschränkt zur Verfügung stehen? Auch während und nach der Geburt gilt die Frau als unrein…aha. Hat sie sich denn nicht IHM hingegeben, die Liebe ausgelebt und schenkt sie ihm nicht das Schönste, was es gibt? Neues Leben, ein Kind? Wird sie dafür nun bestraft und als unrein betrachtet? Eigenartig. Irgendwas stimmt da nicht an der Rollenverteilung. Eine Frau, die einem Mann ein Kind schenkt, gehört belohnt, bewundert, angehimmelt. Sie ist das Größte und Kostbarste und sie hat verdient, dass man ihren Schmerz begleitet, statt sie als werfende Sau zu betrachten. Überhaupt ist diese gesellschaftliche Regel mancher Religionen und Kulturen nicht nachvollziehbar. Für ihren Mann hat sie zu befolgen, was er befiehlt und möchte – für andere darf sie nicht mal Hosen anziehen (langer Rock, der alles bedeckt) muss ihre Reize verstecken, weil die kein anderer Mann sehen darf. Geht´s noch? Hoch lebe das Patriarchat – ein ganz großes Elend.

Seit Jahren bin ich Mitglied bei Amnesty International und viele wirklich gute Dinge zum Schutz von Menschenrechten und gegen Diskriminierung sind an die Öffentlichkeit geraten und positiv umgesetzt worden. Gerade bei der Rolle der Frauen, die in vielen Ländern und Religionen/ Kulturen menschenunwürdig behandelt werden. Ihr Leben gleicht einem Gefängnis und ist der straffen Hierarchie einer von Männern dominierten und gelebten Welt untergeordnet. Sie wehren sich oft nicht, weil sie schlecht gebildet kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben oder schlichtweg die nackte Angst vor Verdammung, Bestrafung und Ächtung verspüren. Sie verhüllen sich, machen sich klein, akzeptieren ihre Rolle als Untergebene. Wenn ich heute im Jahr 2021 um mich schaue, sehe ich mehr denn je davon. In diesem Zusammenhang auch aktuell das Thema „häusliche Gewalt“ – ausgeübt von Männern, die gegen ihre Frau und Kinder die Hand erheben und sie kaputt machen.

Liebe Menschen, ich unterstütze niemals einen Mann, der einer Frau nicht mit Respekt, Achtung und Rücksicht begegnet. Ich werde mich niemals einem Mann unterwerfen und niemals einen Mann in meinem Haus dulden, der mir sagt, was ich wann, wie, warum zu tun oder auch nicht zu tun habe. Ich werde mir niemals vorschreiben lassen, was ich auf der Straße für Kleidung trage und ich werde auch nie mehr mit jemandem ein Wort wechseln, der sich als Boss, Chef, Oberhaupt der Familie sieht und den dicken Max spielt. Keine Religion und keine Kultur der Welt hat das Recht, die Freiheitsrechte und die Menschenrechte von Frauen einzuschränken und mir ist es – gelinde gesagt – scheißegal, welche Religion oder welche Bevölkerungsgruppe mit welchen uralten Traditionen das sind.Tatsache ist, Frauen werden NICHT gleichberechtigt behandelt, unterdrückt und auf eine gewisse „erlaubte Art“ ein Leben lang gezwungen, sich klein zu verhalten, folgsam zu sein und ihrem „Chef“ zur Verfügung zu stehen. Ob all diese Frauen das wirklich wollen, wage ich zu bezweifeln. So, das musste mal raus – behandeln Sie ihre Frau gut und achten Sie sie – wie es sich in einer modernen Zivilisation gehört. Das Wort Patriarchat ist für mich so in etwa wie das rote Tuch eines Toreros….olé.

© Petra M. Jansen

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Es sollte ein entspannter Abend werden nach so langer Zeit. Doch wusste sie, dass das Ganze in einer aufgebrezelten Zeremonie münden würde und hatte bereits eine Vorahnung, dass sie sich irgendwie verlaufen hatten. Vor einiger Zeit, durch einen kleinen hingeworfenen Satz, der alles Aufgebaute zunichtemachte. Es war ein spürbarer Unterton des Nicht-Verstehens in ihrer Stimme, ein Entrüsten über die eigentliche Wahrheit, bei der es besser gewesen wäre sie zu akzeptieren statt weit von sich zu schieben.

Trotzdem wollte sie sich die Freude auf Entspannung und einen munteren Plausch nicht verderben lassen und ging hin. Wartete. Wartete. Stand minutenlang auf der Stelle, lief hin und her bis sie endlich kam. Mit der üblichen 15-minütigen Verspätung und ohne ein Wort der Entschuldigung. Sie gingen und sie setzten sich, hoffnungsvoll und zunächst gelassen.

Was passte denn nicht? Redeten sie aneinander vorbei? Sie sah die tiefen Furchen der Sonnenbank in ihrem Gesicht und erschrak, wie schnell man doch in wenigen Monaten altern konnte. Eine Lady wollte sie sein und versuchte sich anmutig zu bewegen, dabei verschlang sie ihr Abendessen schneller als man überhaupt eine Serviette auseinander falten konnte. Tupfte graziös die Mundwinkel ab, legte stets ihren Lippenstift nach und nippte kunstvoll an ihrem Wasserglas.

Unverständnis. Wiederholung des Gesagten mit dem spürbaren Unterton der Schadenfreude. Unüberhörbar und immer leicht unter die Gürtellinie. Kaum zu erfassen, aber da. War das etwa die Freude über den Schaden anderer? Eine Unterhaltung erstickte sie im Keim und verwies mehrmals darauf, dass man sie nicht ausreden lassen würde, redete dabei jedoch selbst ohne Pause. Würde man den Spieß rumdrehen, wäre das der Beginn einer Eskalation.

Es passte nicht. Was ihr zu viel war, nicht ihrer Vorstellung entsprach, wischte sie weg „Lass uns das Thema beenden, es interessiert mich nicht.“ Wumm! Da hast du es, deine Meinung ist tatsächlich nicht so wichtig. Exzentrisch rannte sie dreimal zur Toilette, sicher um ihr Make-Up und den Sitz ihrer Haare zu überprüfen.

Schade, wirklich schade. Sie waren einmal dabei, Freundinnen zu werden. Dachte sie. Echte Freunde wurden sie nach diesem Abend nie. Sie wusste es, sie weiß es. Und nun lehnt sie sich entspannt zurück und weiß, wie schön es ist, wirklich frei zu sein.

 

© Petra M. Jansen

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Liebe Petra,

hier schicke ich dir meinen heutigen Beitrag zur Türkei. So die Gedanken, die mich verfolgen:

Aus der Sicht der Geopolitik: die Türkei! 

 

Brief von Pierre an Mathias 

Lieber Mathias,

auch wenn ich kein Fan von Recep Tayyip Erdoğan bin, beobachte ich was er zur Zeit anstellt. Neben der Unterdrückung eines Teils seines Volkes, ist er dabei, das Ottomanische Reich wieder aufleben zu lassen. Mit dem Ende der Säkularisierung der Hagia Sophia, hat er ein Zeichen setzen wollen, das des Absturzes des laizistischen Staates Türkei, der von Kemal Atatürk im Jahr 1923 gegründet worden ist. Aus seiner Sicht hat Erdoğan die gute Gelegenheit genutzt, die der Schwächung der westlichen Welt. Dazu kamen die stockenden Verhandlungen mit der EU und doch ist das Land noch immer Mitglied der Nato. Ein gute Lage, um die Alliierten zu erpressen. Geografisch liegt die Türkei mehr als günstig – man kann sie nicht umgehen. Wenn die Situation heikel wird, ist es leicht für Erdoğan Druck zu üben. Wenn es um den Iran geht, braucht man ihn. Das Gleiche gilt, wenn es mit Syrien noch heikler wird und letztendlich mit Israel. Es weiß auch, dass das Überleben der Saudis und der Emirate auch an ihm hängen wird. Und wer denkt, ihn als Untertan behandeln zu können, bekommt die Retourkutsche. Er bedeutet (auch für Europa) eine dicke Gefahr und das weiß er. Es war ein Fehler ihn total zu unterschätzen.

Brief von Mathias an Pierre:  

Man hätte eine Menge Fehler vermeiden können, wenn man sich mehr mit der Geopolitik der Türkei befasst hätte. Lieber Pierre, als Recep Tayyip Erdoğan, anfing, die islamische Religion als politischen Faktor zu benutzen, wäre es notwendig gewesen die Verhandlungen in Brüssel zu forcieren. Sehr viele Türken wandten sich aus meiner Sicht dem Islam zu, weil sie sich von den Europäern nicht akzeptiert fühlten, die sie, seien wir ehrlich, ein wenig wie Kameltreiber behandelten. Ganz besonders die deutschen Politiker haben versagt, die es nicht fertig brachten, die starke Minderheit der Deutschtürken zu integrieren und sie in die Arme Erdoğans trieben. Es wäre total wichtig gewesen, aus ihnen liberale Bürger zu machen. Das ist aus Arroganz nicht gelungen, was uns Europäer sehr teuer zu stehen kommen wird. Nicht nur außenpolitisch ist das ein Desaster, auch für das Gleichgewicht der Bundesrepublik, die auf einer Zeitbombe lebt und das nur, weil Ausländerhass ausgeübt worden ist. Wie konnte man so kurzsichtig denken? 

Brief von Pierre an Mathias:  

Lieber Mathias,

du weißt schon welche Bedeutung die Volksstimme haben kann. Du brauchst nur an einem Stammtisch teilzunehmen, um zu merken, dass die Emotionen immer bestimmend sind. Es ist leicht die Türken zu unterschätzen und zu sagen, dass sie in Deutschland nicht passen. Wir werden sehr viel für diese Haltung bezahlen müssen. Es ist unverantwortlich zu denken, dass sie minderwertig sind. Sie gehören einem Volk an, dass sehr lange das ganze Mittelmeer und die Anrainer Staaten beherrschte und sie sind Angehörige einer damaligen Weltmacht, ob es uns gefällt oder nicht. Aber erzähle das am Stammtisch! Wenn die Türkei zur Sprache kommt, darf das nicht vergessen werden. Was unsere Beziehungen mit der ganzen arabischen Welt angeht, wäre es wichtig gewesen, die Türkei zu bestärken, gerade um mehr Einfluss auszuüben. Wie wir wissen, sind sie von Beirut bis Aden nicht beliebt, weil sie die Besatzungsmacht waren und doch werden sie irgendwie respektiert. Sie können auch dort nicht ignoriert werden und jetzt kann Erdoğan so agieren wie er will. Und wir Europäer? Wir haben total abgeschaltet.

Brief von Mathias an Pierre:  

Kaputtes Porzellan lässt sich nur schwer kitten. Was Europa angeht, wurde viel in der Schule versäumt. Die Kinder hätten mehr über die Türken erfahren sollen. Es ist unverantwortlich, wenn sehr viele Menschen aus einem Land bei uns Leben, zu ignorieren was Sache ist. Das Gleiche gilt mit den ehemaligen Kolonien. Das kann man vor allem in Frankreich erkennen. Was für ein Manko. Anstatt sich den Schädel einzuhauen, sollten wir  mehr über unsere Gäste wissen. Haben wir nicht gemerkt, wie stark politisch engagiert die türkische Gemeinde in Deutschland ist? Nicht für die Bundesrepublik, aber für die muslimische Türkei. Die auf Rückkurs ist, die die Frauen unter dem Schleier verbirgt. Im Namen einer Tradition, die uns fremd vorkommt. Das war völlig anders als die ersten Migranten einwanderten. Sie wollten von der Demokratie eine Menge lernen und das Leben offener gestalten. Der Rückzug war eine Trotzreaktion, weil wir sie missachteten. Ich glaube, dass ich auch so wie sie reagiert hätte. Psychologisch gesehen war es der Frust. Klar, es gab eine islamische Grundlage, aber sie war dabei, weniger dogmatisch zu werden, weltoffener. Wenn Häuser in Flammen gesetzt werden, in denen die Migranten leben, was kann man noch von ihnen erwarten, wenn sie überleben?

Brief von Pierre an Mathias:  

Ich möchte versuchen zu erklären, warum Erdoğan so viel Erfolg bei seinen Landsleuten in Europa hat. Er versucht ihnen Größe zu vermitteln, sie in die Illusion zu versetzen, dass sie die Bürger eines Imperiums sind, dass im Aufbau ist. Ihnen den Stolz wieder gibt, den sie jahrelang wegen der Demütigungen ablegen mussten. Auch wenn das reine Illusion sein könnte, spielt das eine erhebliche Rolle für Leute, die verletzt sind. Mit dem neuentstandenen Nationalismus wird von ihnen versucht, mit den Einheimischen auf Augenhöhe zu kommen. Das könnte auch eine Erklärung sein für den Rassismus, die viele unter ihnen gegen die Afrikaner oder die Araber ausüben, die für sie eine menschliche Untergattung sind. Dieses Ambiente ähnelt ein Pulverfass und dazu mischen noch die Neos. Provozieren die Fremden mit diskriminierenden Sprüchen, wie es scheinbar in Frankfurt auf dem Opernplatz geschah. Diese Entwicklung bereitet mir viele Sorgen! 

Antwort von Mathias an Pierre:  

Was Donald Trump angeht, haben wir beide von der Theorie der Provokation gesprochen. Recep Tayyip Erdoğan könnte durchaus auch dieses Mittel benutzen, um Unruhe innerhalb Europas zu schüren. Wir wissen von ihm, dass er total rücksichtslos ist, wenn es um seiner Macht geht. Er könnte durchaus seine Landsleute dazu animieren auf den Straßen gewaltige Protestaktionen in Gang zu setzen – in der Hoffnung, dass die einheimische Polizei scharf reagiert. Dies um unsere Länder zu destabilisieren. In Berlin leben etwa 200.000 Menschen mit türkischem Hintergrund. Wenn schon ein paar Tausenden protestieren würden, könnte es wehtun. Ich würde deshalb den Rat geben, sehr schnell etwas zu unternehmen, um das Verhältnis zu verbessern. Wenn wir keine Katastrophe erleben wollen, müssen wir unsere Mitbürger integrieren, sie nicht vor der Tür lassen. Das wäre das Mindeste, was wir machen sollten, um die Irrtümer der Vergangenheit zu mildern.

 

Bei sich zu Hause reisen 

Ich gehe gerne in den türkischen Supermarkt

einkaufen. Schon der Geruch der Gewürze

führt mich auf eine Reise. Und wenn ich dort

weile, werde ich mit einem Lächeln empfangen.

Ich lebe dabei einer völligen Entfremdung, die

ich nicht vermissen will. Sie gibt dem Alltag Farbe,

sie gibt mir Lust zu reisen.

 

Das kann ich nur auf eigene Verantwortung tun,

wenn ich in die Türkei fliegen wollte. Schuld

ist der Corona Virus. Also muss ich mir die

Fremde nach Hause holen. Es gibt im Laden

keine Palmen, aber wenn ich die Leute anschaue,

habe ich den Eindruck trotzdem im Bazar von

Istanbul zu sein. Man darf doch träumen.

 

Die Türken die ich kenne, vermitteln mir Wärme,

Brüderlichkeit, eine große Gastfreundschaft, wenn

ich bei ihnen eingeladen bin. Warum dieser Hass?

Geschieht es aus Minderwertigkeitsgefühlen? Aus

Kleingeist? Und doch ändert sich das Verhältnis.

Die Schule, der Fußball vereint. Aus der Befremdung

entwickelt sich die Freundschaft, trotz Herr Erdoğan!

 

Ich wünsche Dir alles Liebe!

 

Pierre

//pm