Für seine außerordentliche Entscheidung hat sich US-Präsident Trump Verstärkung geholt. Auf kurzfristige Einladung strömten hochrangige Firmenbosse der Stahl- und Aluminiumindustrie ins Weiße Haus, darunter CEOs der US Steel Corporation und der United Aluminium.

Die lange angedrohten Strafzölle auf Stahl- und Aluminium-Einfuhren werden kommen. Jene sollen sogar noch radikaler ausfallen, als Trumps Handelsminister Ross es dem Präsidenten nahegelegt hatte.

Trump erklärte, er wolle bereits in der kommenden Woche Importzölle in Höhe von 25 Prozent für Stahl und von zehn Prozent für Aluminium einführen. Dies gelte für eine lange Zeit.

Mögliche Ausnahmen für bestimmte Handelspartner der Vereinigten Staaten wurden bisher nicht genannt.

„Unsere Stahl- und Aluminiumindustrie sind durch Jahrzehnte des unfairen Handels und der schlechten Politik mit Ländern aus der ganzen Welt dezimiert worden“, hatte der Präsident getwittert. Amerika wolle freien, fairen und smarten Handel (Handelsblatt).

Die EU-Kommission reagierte scharf auf die Ankündigung Trumps. „Die EU wird entschlossen reagieren und ihre Interessen angemessen verteidigen“, so Kommissionspräsident Juncker. Die Behörde werde Gegenmaßnahmen vorschlagen, die im Einklang mit der WTO stünden.

Die Liste der Behörde mit möglichen Gegenmaßnahmen umfasst unter anderem Zölle auf Harley-Davidson-Motorräder und Bourbon Whiskey.

Der Handelsausschuss des Europäischen Parlaments kritisierte Trumps Ankündigung scharf. Der Präsident schlage wild um sich. Dies sei rücksichtsloser Nationalismus und Protektionismus in Reinform, der auch den Interessen der US-Bürger schade.

Kanada kündigte eigene Schritte an. Im Falle solcher Beschränkungen werde das Land mit Maßnahmen reagieren, um seine Handelsinteressen und seine Arbeiter zu schützen. Trumps angekündigte Zölle seien „absolut inakzeptabel“.

Die USA haben beim Stahlhandel mit Kanada einen Handelsüberschuss von rund zwei Milliarden kanadischen Dollar, ca. 1,3 Milliarden Euro. Kanada kauft mehr amerikanischen Stahl als jedes andere Land der Welt, was mehr als die Hälfte der US-Exporte ausmacht.

An der US-Börse kam die Nachricht nicht gut an. Der Dow-Jones-Index verlor mehr als 500 Punkte, nachdem er zuvor mehr als 100 Punkte im Plus lag und schloss deutlich im Minus. Die Angst vor einem Handelskrieg geht um.

Die Stahlaktien hingegen glänzten. Zum Teil legten sie bis zu zehn Prozent zu und pendelten sich bei sechs Prozent ein.

Auch die Branche in Deutschland ist alarmiert. Man rechnet damit, dass Strafzölle in Höhe von 25 Prozent deutsche und europäische Unternehmen eventuell vollständig vom amerikanischen Markt verdrängen würden.

Die Vereinigten Staaten sind weltweit der größte Importeur von Stahl, Tendenz steigend. Die größten Mengen kommen aus Kanada, Brasilien, Südkorea, Mexiko und Russland. Insgesamt liefert die EU rund 3,6 Millionen Tonnen Stahl in die USA. Damit ist Europa einer der großen Exporteure von Stahl, hinter China, Kanada, Brasilien und Südkorea.

Die deutsche Stahlindustrie fürchtet nach der Entscheidung aus Washington, dass sie auch unter indirekten Folgen leiden wird, wenn insbesondere asiatische Stahlhütten aus Südkorea oder China die Mengen, die sie nicht mehr in den USA unterbringen können, in erheblichem Ausmaß im relativ offenen EU-Markt abladen.

Die von den USA angestrebte Importreduzierung von 13 Millionen Tonnen droht zu einem erheblichen Teil in den EU-Markt zu fließen. Wenn die EU nicht handelt, wird die hiesige Stahlindustrie die Rechnung für den Protektionismus in den USA bezahlen. Europa wird durch Handelsumlenkungen von einer neuen Stahlschwemme bedroht, in einem Moment, in dem die Importkrise auf dem EU-Markt noch nicht überwunden ist.

Autohersteller warnen letztlich vor höheren Autopreisen in den USA. Die Entscheidung werde die Autobauer, die Autozulieferbranche und die Verbraucher benachteiligen. Durch die höheren Produktionskosten würden auch die Preise steigen.

Handelskriege werden vordergründig vom Stärkeren gewonnen. Schaut man genauer hin, gibt es keinen Gewinner. Die Zeche zahlen alle, letztlich auch die Bürger des „Siegers“ in Form von höheren Preisen. Last, not least bleibt die weltweite wirtschaftliche Entwicklung auf der Strecke.

 

Baum gekleidet in Nebel,

ich atme die Sonne.

Freier Fall,

längst jenseits der Grenze.

Im Vergessen liegt die Erkenntnis.

 

Wind in dürren Ästen;

was liegt dahinter?

Der Baum,

zu alt, um sich im Wind zu biegen.

Standhalten …

 

In die Zeit hineingeboren,

Zeit, sie zu finden, sie zu nutzen;

Nein, vergeudet!

Am Ziel gestartet,

Augen voller Schmerz.

 

Wolken fliegen durch Tunnel,

dem Licht entgegen.

Soundcheck im Frühlingsregen.

Freiheit in Fesseln.

Zur Sonne

zieht der Kranich.

 

© Thomas Dietsch

Mit der Wahl von Donald Trump zum 45. US Präsidenten zeigt auch das mächtigste Land der Welt, die Vereinigten Staaten von Amerika, dass ein Politikwechsel ansteht. In anderen Ländern wie Polen, Ungarn, Russland zeigten die letzten Wahlen, dass konservative, nationale Politik dem Menschen wichtiger ist als die Globalisierung. Russlands Präsident Putin zeigt mit seiner Politik der ganzen Welt, dass die russischen Interessen im Vordergrund stehen und dann die Belange anderer Länder.
Die Flüchtlingskrise in Europa hat dazu geführt, dass viele Länder gespalten sind, was die Aufnahme von Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen angeht. Viele Länder des Nahen Osten, nehmen nicht einen Flüchtling auf, da ihre eigenen Interessen im Vordergrund stehen. Länder wie Polen, Ungarn, aber auch Australien, weigern sich diese Menschen aufzunehmen. Mit der Wahl von Donald Trump und dem angekündigten Mauerbau an der Grenze zu Mexiko wird es eine gravierende Wende in der Zuwanderungspolitik der USA geben. Die letzten 40 Jahre unter zum Teil linker Politik, haben weltweit zu einer Unzufriedenheit geführt, die sich durch die Wahl konservativer Parteien und Präsidenten der letzten Jahre zeigt. Ist es falsch, zuerst an die Bürger des eigenen Lands zu denken? Grundsätzlich: nein! Natürlich darf es nicht dazu kommen, dass Egoismus die Welt noch weiter in die Krise treibt. Klar ist jedoch, geht es einem Land besser oder gut, kann dieses Land auch anderen Ländern helfen und diese bei dem Kampf gegen Notstände oder der Entwicklung helfen. Geht einem Land schlecht, ist dieses nur unter sehr großen Opfern möglich. Die Verteufelung von Donald Trump ist ein Zeichen derer, die durch jahrelanges Missmanagement ihre Länder und die Wirtschaft in die Krise getrieben haben. Organisationen wie die Europäische Union sind zum Teil für den Untergang der Souveränität vieler Länder verantwortlich. Die EU ist nur darauf bedacht, ihre eigene Macht zu stärken und die der angeschlossenen Länder zu schwächen, was bei den Bürgern zu dem jetzigen Wahlverhalten geführt hat. Antisemitismus und Fremdenhass sind das Ergebnis jahrelanger Fehlpolitik, wie sie beispielsweise in Deutschland über Jahre durch linke Politik praktiziert wurde. In ganz Europa haben die konservativen Parteien einen riesigen Zulauf erhalten und führen dadurch zu einem Wechsel in der Politik.
Es bleibt, kritisch zu beobachten, wie Länder wie sich die USA, Russland, Polen und andere entwickeln. Wichtig ist, ein friedvolles Miteinander, eine gesteuerte Zuwanderung weltweit, wie es in Kanada und Australien schon seit Jahren die Regel ist.
Durch demokratische Wahlen, wie jetzt in den USA, hat jeder, der sich Demokrat nennt, das Ergebnis anzuerkennen und diesen Mehrheiten die Chance für eine gute Politik zu geben. Mit der Wahl entscheidet die Mehrheit eines Landes die Laufrichtung. Dieses ist von anderen Staaten und deren Regierungen anzuerkennen. Demokratie ist nicht einfach!

Aber was ist mit den Kriegen, die aus nationalen Interessen geführt werden? Europa hat mit der EU die längste Friedensperiode seiner Geschichte erlebt und erlebt sie noch. Was ist mit den nationalen Interessen in der Wirtschaft? Wie weit sind wir vom Kolonialismus entfernt? Dieser führt gerade zu den Kriegen um die Rohstoffe. Globalismus heißt – seine Perfektion vorausgesetzt, welche bis heute nicht erreicht ist – die Schätze der Erde zu teilen. Hat Marx nicht einmal gesagt: „Jedem nach seinen Bedürfnissen!“?! Gute Politik heißt nicht, Hass zu verbreiten. Die Epoche des Rassismus sollte sich dem Ende neigen. Noch haben wir hier Hausaufgaben …

Mit alten Mitteln (u. a. nationalem Denken) lässt sich in einer globalen Welt kein Blumentopf gewinnen. Wir wiegen uns im warmen Sprudelbad des Nationalismus, während um uns herum die Leitung vor Kälte einfriert. Wacht auf! Demokratie ist nicht einfach!

 

Thomas Dietsch

 

Schau die Massen an den Kassen!

Vorfreude ist die schönste Freude.

Kurzweilig, sie bleibt nicht lange.

Produkte gefertigt in Massen,

zur Begeisterung der Massen.

Sehen uns Verbraucher gegenüber

der Massenabfertigung.

Stehen an der Kasse Schlange,

harren, die Beute unser Eigen zu heißen.

Kurz werden sie sein, bald verbraucht:

das Glücksgefühl,

der Status,

der Neid der Freunde

und unser Geld.

Dann werden wir eben besitzen

den Schrott von morgen.

Der Moloch Wirtschaft

breitet seine Tentakel über unseren Köpfen aus.

Sieg des Goliath über David.

Danach werden wir zählen,

jeden einzelnen Schein.

Möge es reichen, bis zum nächsten Anfang.

Bis dahin werden wir geben,

alles im Betrieb,

aus unser Geld.

Der Moloch muss wachsen,

nur so geht es uns gut,

auf den Armen des Kraken.

Komisches Alter

Wie ist das mit Ende Vierzig? Komisches Alter! Die Alten nerven, die Jungen nerven … vielleicht nerve ich mich selbst?! Midlife-Crises? Blöder Kram! Dafür bin ich zu alt! Ich sagte einmal, dass man mit der Vier vorne dran so richtig schön in Ruhe gelassen wird. Kein erhobener Zeigefinger der Älteren mehr: „Bub, darauf musst Du achten!“, „Junge, schaffst Du das?!“ und dergleichen. Von der Jugend wirst Du wegignoriert. So, als sei man nicht da. Die nächste Stufe ist wohl: „Darf ich Ihnen über die Straße helfen?“. Gibt es das noch? Wann bietet man mir altersbedingt einen Sitzplatz in der U-Bahn an?! Zu alt, um Vorbild zu sein, zu jung für die Weisheit des Alters. In mancherlei Hinsicht spricht man von Orientierungslosigkeit. Leute, noch weiß ich, wohin ich gehe! Ich mag mich beim Schuheanziehen und -schnüren mittlerweile hinsetzen. Beim Aussteigen aus dem Fahrzeug dauert es etwas länger. Ok! Man braucht keinen Sport zu machen, wenn tägliche Verrichtungen zu sportlichen Anstrengungen werden. Als Kurzsichtiger schaue ich beim Zeitungslesen nicht durch, sondern über die Brille. Lesebrille braucht man nicht. Noch nicht! Wie lange noch? Der Zahn der Zeit fordert seinen Tribut. Wenn das Kreuz jetzt schon so schmerzt, wie wird das erst in zwanzig Jahren?! Alles Mist! Das Phänomen Zeit hat sich auch verändert. Es kommt einem vor, als greife man am Strand in den trockenen Sand. Sie, die Zeit, rinnt einem durch die Finger. Man kann sie nicht festhalten. Gefühlt hat man vor einigen Tagen Silvester gefeiert, heute ist Juni. Jemand sagte einmal vor vielen Jahren: „Der Tag hat 24 Stunden. Reichen diese nicht, dann nimm die Nacht dazu!“. Ein weiser Mensch, ein Scherz über den Mangel an Zeit! Aber es gibt noch andere Veränderungen: ich schätze die Ruhe, lege immer mehr Wert auf Kultur und gehe langsam, wenn ich es eilig habe. Ich weiß heute, wie die Asiaten sagen, dass Menschen nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel stolpern. Ramba-Zamba ist nicht mehr, jedenfalls selten, bei Filmen lege ich Wert auf innere Handlung. Ja, und ich glaube, dass jeder Mensch, sofern er bewusst lebt, dieser Gesellschaft etwas zu geben hat. Vielleicht unmerklich, aber es kommt etwas rüber. Alles Gold und Silber dieser Erde kann den Wert guter Bücher nicht aufwiegen, Wissen ist wichtiger als Reichtum und Besitz. In den Tag hineinzuträumen – beste Grüße an die Tagträumer – wird zur Zeitverschwendung, Sprichworte wie „Jeden Tag eine gute Tat!“ erlangen Bedeutung. Im Tun liegt die Gestaltung des Lebens, nicht im Sich-Treiben-Lassen. Mit jedem Tun eröffnen sich eine Menge neuer Wege, aus welchem man sich morgen wieder einen aussuchen muss. Man hätte, retrospektiv, einiges anders machen können. Aber dann wäre man heute nicht hier. Mancher Fehler hätte vermieden werden können. Dafür hätte man andere gemacht. Nein, er war schon gut so, der Weg bis hierher! Also, warum rege ich mich auf?! Über meine Unzulänglichkeit, meine „Jugend“? Über die Tatsache, dass mir noch die Fähigkeit fehlt, innerlich gelassen zu bleiben? Vielleicht könnte ich hier schon etwas weiter sein. Aber ich denke, die – wenn auch harte – Erkenntnis, dass man den Lauf der Welt als ganze als Einzelner nicht aufhalten oder ändern kann, ist doch schon einmal ein Anfang. Und so beginne ich, an den kleinen Dingen zu arbeiten. Das kann etwas werden … Und für neue Anfänge ist es nie zu spät!

© Thomas Dietsch

Ursprung

Lasst uns ein wenig philosophieren. „Im Anfang war das Wort“ hat Johannes an den Anfang seines Testamentes gestellt. Ich konnte lange mit dem „Wort“ nichts anfangen. Das Neue Testament ist in Griechisch geschrieben. Im Original lautet der Satz: „En Arche en ho logos“. „Logos“, Sinn, Ziel, Zweck oder Wort übersetzt. War am Anfang der Sinn oder das Ziel? Warum das schwierige „Wort“? Es hatte doch Sinn, dass etwas entstand … Damals mit dem Urknall. Hatte Luther die Bibel falsch übersetzt?! Nein! Der „Big Bang“ soll unser Universum erschaffen haben. Mit ihm entstanden die Sterne und die Planten, begannen sich zu bewegen. Mit der Bewegung begann die Zeit, ohne diese gibt es keine Zeit! Neue Forschungen hegen eine neue Theorie: die „creatio ex nihilo“, die Erschaffung aus dem Nichts, soll so nicht ganz richtig sein. Wir sollen aus einem Schwarzen Loch kommen. Schwarze Löcher entstehen, soweit ich es verstanden habe, wenn ein Stern, also eine Sonne, stirbt. Der Stern bläht sich auf und fällt dann in sich zusammen. Zurück bleibt ein Schwarzes Loch, das alles in seiner Nähe wie ein Staubsauger wegsaugt und verschlingt. So soll es vor Milliarden von Jahren in einem anderen Universum gewesen sein. Ein Megastern nimmt Abschied, bläht sich auf, sein Schwarzes Loch saugt das ganze Universum auf. Alles futsch!? Nein! Information oder Energie kann nicht verloren gehen. Irgendwann war diese im Schwarzen Loch so verdichtet, dass der Prozess des Ansaugens sich umgedreht haben soll. Das Loch spuckt das Ganze wieder aus – natürlich nicht in der gleichen Form. Alles hüpft oder springt heraus. Es war also nicht der „Big Bang“, sondern der „Big Bounce“. Ja, so bekommt das Wort „Ursprung“ eine völlig neue Bedeutung!
„Anfang“: wie anfassen, anpacken. Ein dynamisches Wort! Ich beginne etwas. „Beginnen“, „Beginn“, althochdeutsch: ginnah. Das heißt so viel wie „schneiden“ oder „herausschneiden“. Was wurde wo herausgeschnitten? Vielleicht die Zeit aus der Ewigkeit? Wenn Zeit Bewegung ist und Ton, dann ist Ewigkeit Stille und Stillstand. Gibt es doch etwas jenseits dieses irdischen Lebens?! Ich weiß es nicht. Zum Beispiel Buddha saß still und ruhig unter dem Bodhibaum …
Wollen wir zusammenfügen? „In principio erat verbum“, im Ursprung war die Information. Informationen bestehen aus Wörtern. Und Leben bedeutet Bewegung. Unser Leben besteht aus Bewegung, weil wir uns bewegen, leben wir. „Ich bewege mich, also lebe ich!“. René Descartes möge mir verzeihen!
Und da wir in der Zeit leben, sind wir Teil der Ewigkeit.
Ich verneige mein Haupt vor dem Evangelisten Johannes. Er war ein weiser Mann!

 

© Thomas Dietsch

Roter Bruder

Sie ritten beide Seite an Seite durch die Prärie, stets für das Gute kämpfend. Als sich ihr Blut vermischte sagten beide: „Mein Bruder!“. Die Rede ist von Winnetou und Old Shatterhand. Zwei Gestalten aus dem Wilden Westen, Vorbilder an Tapferkeit und Redlichkeit für Generationen von hauptsächlich jungen Leuten. Der Held meiner Kindheit ist die Tage verstorben: Winnetou, der Häuptling der Apachen, alias Pierre Brice. Er wurde 86 Jahre alt. Im Gedanken lasse ich ihn ein letztes Mal in den Sonnenuntergang reiten. Lex Barker, welcher die Rolle des Old Shatterhand spielte, starb schon vor 42 Jahren. Bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg musste Pierre Brice an der Seite anderer Partner auftreten.
Was bleibt außer dem Tränchen im Auge? Mit Sicherheit die Erinnerung an unterhaltsame Stunden beim Schmökern von Karl Mays Büchern oder beim Fernsehen. Die Karl-May-Filme! Es gibt mehrere Teile. Der mit Hut hieß Old Surehand, der Spaßvogel Sam Hawkins. Ja, sie werden einen bleibenden Eindruck hinterlassen, der französische Indianerhäuptling, seine amerikanischen Freunde und die vielen deutschen Indianer und Weißen. Man erinnere sich an Uschi Glas und Götz George. Nicht zu vergessen der böse Santer, Mörder von Winnetous Vater und Schwester alias Mario Adorf.
Und das Ganze in diesem weiten Land. Wo eigentlich? Es muss irgendwo in Nordamerika des 19. Jahrhunderts spielen. Aber eigentlich ist es ein Phantasieland. Karl May, geboren 1842, war ein deutscher Schriftsteller. Er soll nie in Amerika gewesen sein. Gereist ist er im Geiste. Seine Reiseberichte sind die faszinierenden Bücher über die Apachen, Komantschen, Kiowa und die weißen Siedler. Karl May war auch bei den Inkas und in der Wüste. Ab 1900 schrieb er ebenfalls symbolische Romane, unter anderen „Ardistan und Dschinnistan“. Vielleicht war der Mann ein zu großes Kind, eines mit einer überbordenden Phantasie. In seinen Büchern hat er sie mit uns geteilt.
Und die Winnetou-Filme haben diese Tradition fortgesetzt. Wenn ich mich recht entsinne, lebten die Apachen am Rio Pecos. Das Dorf lag an dieser Flussbiegung … Auch ein Phantasieland! Gedreht wurde im ehemaligen Jugoslawien, in der schönen Landschaft der Plitwitzer Seen. Eine Gruppe von 16 Gebirgsseen im heutigen Kroatien, verbunden durch Stromschnellen und Wasserfälle. Nicht umsonst hat man dieses Gebiet zum Naturschutzgebiet erhoben.
Die ganzen Protagonisten – jedenfalls bezogen auf die Guten – sind ein Vorbild an Redlichkeit. Moralische und sittliche Werte waren Karl May offensichtlich sehr wichtig. Mit der Unterhaltung wollte er auch Werte weitergeben. Dies hat er sehr geschickt gemacht. Die Jugend eifert Vorbildern nach. Was ist besser, als moralische Werte spielend oder lesend zu lernen?! Unterhaltung mit Nährwert! Hier beweist sich die Aktualität von Karl Mays Romanen, nämlich in seiner Art, wie er die ihm wichtigen Werte pädagogisch vermittelt. Ein Ansatz, der auch in unserer Zeit fruchten sollte.
Die Reiseberichte sind einerseits frei erfunden, Karl May hat Winnetou nie getroffen. Auch nicht Old Shatterhand. Es hat sie nie gegeben. Aber andererseits: es könnte sie gegeben haben. Karl May hat den Versuch angestellt, eine bessere Welt zu schreiben. Vielleicht sollten wir die Geschichten wieder einmal lesen.
Winnetou! Am Rio Pecos sehen wir uns wieder. Mein Bruder …

 

© Thomas Dietsch

Putin

Was will Putin eigentlich? Großmachtsdenken? Die Welt erobern oder unterwerfen? Die Geschäfte des russischen Giganten Gazprom in puncto Gas bringen immer mehr Länder in wirtschaftliche Abhängigkeit. Schon vor einiger Zeit hat US-Präsident Obama gemahnt, Europa müsse sich unabhängiger von russischem Gas machen. Es folgen die völkerrechtswidrige Annexion der Krim und der Krieg in der Ost-Ukraine. Russland braucht eine Landbrücke zur Halbinsel. Unterhalten werden kann die Krim nicht von Moskau aus, sie muss sich wirtschaftlich selbst managen. Schulklassen haben die Order, an die Strände zu gehen. Maßgabe ist, die Optik zu wahren. Es ist schlecht fürs Image des Luxusurlaubsgebietes – nach der Annexion brach der Tourismus ein – wenn die Strände leer sind.
Innenpolitisch steht es nicht zum Besten. Wladimir Putin hat die Macht auf seine Person zentriert; bei seiner letzten Wiederwahl sprach man von „Zarenkrönung“. Pressefreiheit und Freiheit des Journalismus gibt es – auf dem Papier! In Wirklichkeit sind die Medien gleichgeschaltet. Das russische Staatsfernsehen „füttert“ die Bevölkerung mit prorussischen Informationen. Dies mit einigem Erfolg! Eine Mehrheit der Russen glaubt bereits, dass die ökonomische Misere des Landes auf die wirtschaftlichen Sanktionen des Westens zurückzuführen sei, welche nach der Einnahme der Krim erfolgten. Dass bereits vorher schon immense wirtschaftliche Probleme bestanden, will keiner mehr hören. Es ist dem russischen Präsidenten gelungen, das Augenmerk der Bevölkerung weg von der Innenpolitik hin zur Außenpolitik zu lenken. Ein alter Trick, wie ihn auch die Amerikaner seit Jahrzehnten anwenden. Die russische Bevölkerung wünscht sich die Sicherheit des Sowjetsystems zurück. Putins Politik fällt diesbezüglich auf fruchtbaren Boden. Opposition ist unerwünscht, Regimekritiker sterben oft eines gewaltsamen Todes. Zu nennen seien unter anderen Anna Politkowskaya, erschossen 2006, Boris Beresowski, 2013 im Londoner Exil erhängt. Und Alexander Litwinenko, ebenfalls in London, Strahlentod durch radioaktives Polonium, welches ihm in den Tee gemischt wurde. Das letzte Opfer heißt Boris Nemzow, 2014 auf offener Straße erschossen. Die Kritik an der Regierung wird seitdem leiser, ein erschwiegener innerer Frieden. Zensur und Selbstzensur prägen den Alltag.
Müssen wir wirklich Angst vor Putin haben? Russland hat in seiner Geschichte noch keinen Angriffskrieg gewonnen. Ein Atomkrieg würde die Welt, wie wir sie kennen, auf lange Frist irreparabel zerstören. Daran haben weder die Russen, noch der Westen Interesse. Letzterer hat den Untergang der Sowjetunion nach 1990 reiflich dazu genutzt, entstehende Machtvakua zu besetzen. Es sei hier die NATO-Osterweiterung genannt. Mit Polen steht die NATO vor der russischen Haustür. Die Schwäche Russlands unter Boris Jelzin führte machtpolitisch in der Folge zu erheblichem Aderlass. In einigen Fällen wurde das Land wie eine „Bananenrepublik“ behandelt.
Das russische Volk ist sehr stolz, hat eine tiefe Seele. Die auf Jelzin folgenden Präsidenten, somit vornehmlich Wladimir Putin, mussten aufarbeiten. Russlands Image war kaputt.
Bei Auslotung des Ist-Zustandes stellt man folgendes fest: Die russische Wirtschaft ist abhängig vom Erdöl. Das Land leidet unter den Wirtschaftssanktionen. Die Krim kann sich Russland wirtschaftlich nicht leisten. Das Gleiche gilt für die Ukraine: der Staat ist pleite, vor allem die Ost- Ukraine. Putin will wahrgenommen werden, will den Russen ihren alten Stolz zurückgeben. Deswegen das propagandistische Geschwafel von „Neurussland“. Deshalb auch die Leugnung russischer Truppen ohne Hoheitsabzeichen in der Ost-Ukraine, auf die man aber angeblich politischen Einfluss habe.
Es hätte dem Westen gut angestanden, Putin auf einen G8-Gipfel einzuladen. Russland ist ein nicht wegzuleugnender Wirtschaftsfaktor. Bei einem Gespräch auf Augenhöhe hätte vielleicht so manches geklärt werden können.

 

© Thomas Dietsch