Konsum

Sieh Dich um: um Dich herum lauter Verbraucher. Konsumenten! Ja, zum Konsum sind wir erzogen. Kaufen, verbrauchen, wieder kaufen. Keine Fragen stellen! Die Werbung sagt uns, was gut für uns ist. Denken ist nicht erlaubt. Es ist, genau genommen, schädlich. Für den Absatz der Güter. Kritische Kunden kaufen nicht so viel. Das passt nicht ins System. Philosophisch betrachtet soll das Produkt dem Menschen dienen. Das ist lange vorbei! Heute dient der Mensch dem Produkt, dessen Absatz. Er malocht über den Monat für einen geringen Lohn, leistet unbezahlte Überstunden. Und von dem Wenigen, was bleibt, soll er der Güterindustrie eine Freude bereiten. Kaufen! Und wenn das viele tun, dann spült das so richtig Kohle in die Kassen der Bonzen. Nein, es geht hier nicht um Kommunismus oder dergleichen, es geht ums reine Denken. Wenn früher Dinge kaputt gingen, dann hat man diese repariert. Die waren noch gut, das heißt gebrauchsfähig. Heute musst Du das Zeug wegwerfen, etwas Neues holen. Der alte Kram war eh out, es gibt schon das Folgemodell des Folgemodells. Mann, bist Du antiquiert! Reparieren war gestern! Es gab zu früheren Zeiten einmal eine Kultur: jene der Reparatur! Aber jede Kultur ist einmal dem Untergang geweiht, selbst Hochkulturen. Das lehrt uns die Geschichte.
Hast Du Dich schon einmal gefragt, warum es mittlerweile die Modelle – nimm Autos oder Computer – in so schneller Abfolge gibt?! Ist doch klar: würdest Du das gleiche Modell zweimal kaufen? Wenn schon das neue Modell, dann gleich ein neues Netzkabel dazu. Der Anschluss passt ja schließlich nicht mehr. Wo kämen wir auch hin, wenn man das alte Kabel an den neuen PC anschließen könnte … Ja, was man nicht so alles macht, um mit dem Nachbarn mitzuhalten. Hat sich doch neulich den neusten Computer der Firma „Mehrgehtnoch“ geholt. Angeber! Das neuere Modell ist doch auch viel besser. Mensch, die von der Industrie wissen schon, was man(n) oder frau braucht! Und der Kerl in der Nachbarschaft soll ruhig denken, ich könne da nicht mithalten. Da hat er sich geschnitten!
Ja, und die Internetgiganten. Kennste, nicht?! Die sammeln doch Daten von und über uns. Da sagte mir neulich einer, die manipulieren uns damit. Ist reiner Quatsch, sage ich! Die verwenden die Daten, um zum Beispiel die Werbung für uns zu personalisieren. Heißt was? Die checken, was ich für einer bin, Interessen und so. Dann wird die Werbung speziell auf mich zugeschnitten. Auch die wissen, was gut für uns ist. Oder willst Du mit Werbung, die nicht zu Dir passt, belästigt werden?! Die sind alle so nett. Man hat heute kaum noch Unnötiges im Briefkasten. Ist doch schön, wenn einen jemand an die Hand nimmt und sagt, was zu Dir passt. Fast wie früher bei Mama.
Leute, was gibt es Schöneres, als das blanke Nichts zu inhalieren? Sich geistig im Nichtschwimmerbereich aufzuhalten und für den Notfall noch Schwimmflügel gratis dazu zu bekommen? Macht man doch heute so: „20% gratis dazu!“. Wie bunt und nett doch diese Konsumwelt ist. Auch bei Kindersendungen im Fernsehen kommen heutzutage in der Werbung so praktische Tipps. Die Kleinen können dann unter vielen Beispielen auswählen. Zum Geburtstag oder Weihnachten zum Beispiel. Und am besten das, was Freund oder Freundin auch hat. Dann können sie zusammen spielen. Na, bis Weihnachten gibt es vielleicht schon ein Folgemodell.
In diesem Sinne: Schönen Tag noch! Ich muss Einkaufen gehen …

 

© Thomas Dietsch

Corporate Identity

Corporate Behavior, – Communication, – Culture, – Design und einiges mehr. Fremdwort über Fremdwort. Unternehmen wollen sich auf dem Markt von anderen abheben, eine eigene Persönlichkeit entwickeln. Man spricht der Firma quasi menschliche Eigenschaften zu, trägt gleiche Kleidung, die Fassaden der Filialen sind gleich und nicht zuletzt spricht man die gleiche Unternehmenssprache. Man hat sozusagen das eigene, gleiche Vokabular. Dem Kunden brennt sich dies in das Gehirn, man setzt auf den Wiedererkennungseffekt. Dadurch stärkt das Unternehmen sein Image und seine Stellung auf dem heiß umkämpften Markt. Die Merkmale der Corporate Identity werden streng gehandhabt, es darf kein Mitarbeiter aus der Reihe tanzen. Nur so funktioniert die Marktstrategie.
2008 bewarb sich in Oklahoma eine damals 17-jährige Muslimin bei der Modekette Abercrombie & Fitch um einen Job, wurde aber abgelehnt. Der Grund: die Frau weigerte sich, ihr Kopftuch während der Arbeitszeiten abzusetzen. Das Unternehmen hatte erklärt, dass jede Art von Kopfbedeckung gegen die Kleiderordnung für dessen Mitarbeiter verstoße. Die Bewerberin wisse, dass sie sich bei dem Job im „Abercrombie-Stil“ präsentieren müsse.
Hieraufhin zog diese vor Gericht. Sie vermutete hinter der Ablehnung religiöse Diskriminierung. Mit Unterstützung der EEOC, der US-Behörde für gleiche Chancen in der Arbeitswelt, strengte die abgelehnte Jobkandidatin eine Klage an. In erster Instanz bekam sie eine Entschädigung von 20.000,– US-Dollar zugesprochen. Das Berufungsgericht hob das Urteil auf. Nun landete die Sache vor dem Obersten Gerichtshof der USA, dem Supreme Court. Der gab der Frau Recht.
Die Gewerbefreiheit – mithin das Recht, seinen Betrieb so zu betreiben, wie es einem gefällt – kollidiert hier mit dem Recht auf freie Religionsausübung. Und letztere wiegt schwerer; so der Supreme Court. Mit einer Mehrheit von acht der neun Obersten Richtern der Vereinigten Staaten gab man dem Recht auf freie Religionsausübung den Vorzug. Anders ausgedrückt: die betriebliche Kleiderordnung muss quasi der betrieblichen weichen. Die Muslimin wurde also religiös diskriminiert.
Abercrombie hatte argumentiert, dass die Kandidatin im Bewerbungsgespräch nicht ausdrücklich angesprochen habe, dass sie aus religiösen Gründen ein Kopftuch tragen wolle. Daher könne dem Unternehmen auch keine religiöse Diskriminierung vorgeworfen werden. Dies sah der Supreme Court anders. Ein Bewerber müsse nicht beweisen, dass Abercrombie über ihre Religion informiert gewesen sei, schrieb Richter Antonin Scalia in dem Urteil. Es reiche bereits, dass das Kopftuch ein „motivierender Faktor“ für die Entscheidung der Modekette gewesen sei. Die Richtung ist geklärt, die Sache wurde nun zurückverwiesen an die erste Instanz, den Appeals Court. Der muss jetzt noch die Feinheiten klären.
Man darf gespannt sein, wie sich diese Entscheidung auf die Auslegung unseres Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes in Deutschland auswirkt.

 

© Thomas Dietsch

Kommunikation

Unsere Mittel der Kommunikation sind im Fluss. In der Regel verständigt man sich über die Sprache: mündliche Form, Zeichen- und Schriftsprache. Auch durch Dinge, die wir tun, senden wir eine Botschaft.

Die mündliche Form: „verbal“, sagt man auch. Durch Bewegung der Zunge und des Kehlkopfes entstehen bei bestimmter Atemtechnik Laute. Über diese verständigen wir uns. Da wir die Zunge dabei einsetzen wurde früher auch oft in manchen Gegenden gefragt, welche Zunge man denn spreche. Noch heute gibt es Dialekte und Mundarten. Einige Sprachen sterben aus, beispielsweise einige Indianerdialekte in Südamerika oder Dialekte aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten vor 1945. Aber die Sprache ist, wie bereits erwähnt, nichts Statisches, sie ist ständig in der Entwicklung. Und so gibt es Erkenntnisse, dass auch neue Sprachen entstehen. Nehmen wir die Jugendsprache: Dauerbrenner ist „cool“, etwas „ausgeflippt“ tun ist kaum noch bekannt. Das „No-Go“ und den Begriff „Dissen“ hat zu unserer Zeit noch niemand gekannt. Die Jugend hat ihre eigene Sprache, jede Generation ein bisschen anders, manches bleibt und wird weiterentwickelt. Die Tendenz zur Gigantomanie ist nicht zu übersehen. Superlative sind angesagt: „Voll“ ist out, das Glas kann also nicht mehr „voll leer“ sein, es ist heute „mega leer“! Aus den Stars der 1950er sind schließlich auch die Superstars der 1970er und die heutigen Megastars geworden. Das ist nicht einfach. Vor allem bin ich auf die nächste Steigerungsform gespannt … Superlativ II?! Nicht umsonst sprechen einige Sprachwissenschaftler heute von einem neuen Dialekt: der Jugendsprache.

Die Zeichensprache: Taub-Stumme nutzen sie. Menschen verschiedener Sprachen, die sich nicht verstehen. Kleine Kinder. Es gibt viele Beispiele. Auch simples Tun setzt ein Zeichen. Wenn alle faul rumstehen und einer ans Werk geht, dann setzt er ein Zeichen. Traurige Berühmtheit hat „das Zeichen setzen“ mit dem Terrorismus erlangt. Schon die ROTE ARMEE FRAKTION setzte in den 1970er Jahren Zeichen durch Bombenanschläge auf berühmte Persönlichkeiten. Nichts anderes macht die Terrormiliz ISLAMISCHER STAAT: Man köpft Menschen! Eine kranke Art, sich zu äußern. Das Wort hat versagt, Gewalt soll nun an seine Stelle treten bzw. hat es schon getan. Da die Ermordung von Menschen keine Wirkung zeigte, hat sich der IS jetzt auf die Zerstörung von Kulturgütern der Menschheitsgeschichte verlegt. Auch das wird niemand verstehen, die Menschheit wird insgesamt nur immer ein Stück ärmer hierdurch. Die Message bleibt verborgen.

Zeichen gibt es auch in der Schrift. Bekannt ist die moderne Form: die Smileys. Da es auch welche davon gibt, die nicht lächeln, hat sich der Begriff des Emoticons entwickelt. Niedliche Kerlchen: lächelnd, lachend, indifferent und auch traurig oder weinend. Reiht man diese geschickt aneinander, entstehen unter Umständen ganze Sätze. Auch hier ist eine Sprache im Werden. Die Menschheit wird zusehends blöde?! Ich weiß es nicht! Schon die Ägypter arbeiteten mit Hieroglyphen, einer Art Bildschrift. Und wie lange hat man gebraucht, um sie zu entziffern? Erst 1822 hatte Herr Champollion es geschafft, die Hieroglyphen vollständig zu entziffern. Ganz so einfach ist das mit der Bildsprache dann doch nicht! Auch die Ägypter müssen einmal ganz einfach begonnen haben. Wie die damaligen Emoticons um 3200 v. Chr. wohl aussahen?

Sprache ist im Fluss, und wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass sich im Laufe der Zeit einiges ändern wird.

 

© Thomas Dietsch

Islamischer Staat

Der „Islamische Staat“ ist kein Staat im staats- oder völkerrechtlichen Sinne. Ein Staat kennzeichnet sich durch Staatsgebiet, Staatsgewalt und Staatsvolk. So die Drei-Elemente-Lehre von Georg Jellinek.
Eine Staatsgewalt im Sinne einer Führung mag rudimentär vorhanden sein. Einen ausgebauten Verwaltungsapparat gibt es nicht. Auch an einem Staatsgebiet mangelt es. Der IS hält einige dünn besiedelte Wüstenregionen im Osten Syriens und im Westen des Iraks, wie der Spiegel zu berichten weiß. Faktisch leben dort Menschen, die aktuellen, tatsächlichen Grenzen sind völkerrechtlich nicht anerkannt und werden dies auch in Zukunft nicht werden. Ein Staatsvolk gibt es nicht. Die Staatsbürgerschaft „Islamischer Staat“ oder wie auch immer sucht man vergeblich. Die in vorgenannten Gebieten lebenden Einheimischen sind nach wie vor irakische beziehungsweise syrische Staatsbürger. Der IS braucht also Bürger!
Laut Spiegel Online arbeitet man seitens der Miliz daran. Im besetzten Teil Syriens versucht man, mögliche Bürger unter dem Motto „Flitterwochen im Kalifat“ in die Region zu locken. Man bietet Sex und Geld. Die Kämpfer des IS haben aus militärischen Gründen kaum Zeit, sich eine Braut zu suchen. Auch fehlt ihnen das Geld für die Mitgift, viele sind bettelarm. Und der Region fehlt es an heiratswilligen Frauen. Mit Versuchungen à la „Tausend und eine Nacht“ sollen intelligente junge Frauen, gegebenenfalls mit entsprechender Bildung, ins Kalifat gelockt werden. Geht es nicht freiwillig, werden die Frauen versklavt. Der IS braucht Nachwuchs! Und das lässt er sich etwas kosten. So wurde die Hochzeit eines 28-jährigen Milizionärs mit einer 24-jährigen Tunesierin gesponsert. Flitterwochen in Rakka, Spaziergänge am Euphrat. Hiernach war die Ehefrau schwanger und der Kämpfer musste wieder an die Front. Nach letzten Berichten ist er noch am Leben.
Die Versorgung der Kämpfer und deren Familien ist nach wie vor schlecht. Indem man die Kriegsbeute an die Milizionäre verteilt versucht man, diese bei Laune zu halten. Unter anderem leben IS-Kader in Villen, die einst Angehörigen des syrischen Regimes gehörten. Nach Recherchen des Nachrichtenmagazins Siegel Online erhält ein Soldat der Miliz eine monatliches Salaire von umgerechnet 50,– Dollar. Die Ehefrau zu Hause eine ähnliche Summe.
Es ist mager, was nach den Flitterwochen bleibt. Wer einen Staat aufbauen will, braucht Männer und Frauen für die Gründung und den Erhalt des Staatsvolkes. Zudem, in den von dem IS gehaltenen Gebieten herrscht Armut und entsprechend schlechte Bildung, muss man mit den Neubürgern auch Know-How und berufliche Qualifikation importieren. Bildung kostet, und das Geld hierfür hat der Islamische Staat nicht. Als Miliz ist die Gruppierung eine der reichsten, vielleicht die reichste der Welt. Als Staat wäre sie schlichtweg arm. Ein Steuersystem fehlt völlig, Geld wird über Kriegsbeute und Kriminalität – wie Zwangsprostitution und Drogenhandel – beschafft.
Bringen wir es auf einen Nenner: Einen Islamischen Staat im eigentlichen Sinne gibt es nicht.
Das Ziel, einen von weltlichen Einflüssen freien Gottesstaat zu gründen, dürfte unerreichbar sein. Schon in der Gründungsphase bedient man sich profaner, krimineller Mittel wie Prostitution, Mord, Drogenhandel und Zerstörung von Kulturdenkmälern.

© Thomas Dietsch

Chaos

Umzüge haben es in sich. Totales Chaos! Umziehen … wer hat sich eigentlich dieses Wort ausgedacht?! Umziehen: ich verlege meine Wohnung von A nach B. Ok.! Wenn ich die Kleidung wechsele, dann ziehe ich mich doch auch um?! Ich ziehe mich um, ich ziehe nicht um! Sei es drum! Wenn das Hirn unter Dauerspannung steht, schießen einem manche Gedanken und Erinnerungen durch den Kopf. Unvermittelt, zusammenhanglos und ungefragt. Nachts im Bett bei meiner Großmutter, damals als Kind. Das Haus lag an der Straße. Fuhr ein Auto vorbei, formte das durch die Rollladenritzen hereinströmende Licht merkwürdige Muster an die Zimmerdecke. Im Vatikan des Morgens, bevor die Sommerhitze in die ewige Stadt hineinfließt. Was mag der Pastor denken, der den kühlen Marmorgang zu den Gemächern eines Kardinals eilt? Was einem so durch den Kopf geht …
Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich am letzten Wochenende meinen Autoschlüssel in diesem Tohuwabohu gesucht habe. Eine Altersfrage oder ist man total Banane? Wahrscheinlich beides! Urlaub geht nicht, zwei Jobs. Zwischendrin muss man anpacken, Notwendiges reinplanen und erledigen. Wo habe ich jetzt wieder meinen Schlüssel?! Freizeitaktivitäten müssen hinten anstehen. Man muss Prioritäten setzen, manches auf Eis legen. Mein Gewissen plagt mich: „Sport ist in Deinem Alter wichtig!“. Ja, stimmt schon, aber … Aber was? Keine Ahnung!
Was passiert mit der zukünftigen Post? Nachsendeantrag! Klar! Der läuft aus, nach einigen Wochen. Und was dann? Wer schickt mir eigentlich alles Post? Ich habe keine Ahnung, werde wohl für manchen „Unbekannt verzogen!“ sein. Vieles läuft mittlerweile online. Das beruhigt ein wenig. Kann ein Email-Account eigentlich umziehen? Oder sich umziehen? Ach, Quatsch! Spielt keine Rolle, wenn man „total von jener selbst“ ist.
Mit jedem Wohnungswechsel geht ein Lebensabschnitt zu Ende. Wie war es hier? Hat man sich wohlgefühlt? Mein Blick schweift über die zum Mund geführte Kaffeetasse durch das Durcheinander um mich herum. Ja, hat man! Auch wenn man das bei diesem Anblick nicht glauben mag. Man findet so viele Dinge wieder beim Herumstöbern. Gucke da! Lange gesucht, endlich wieder gefunden. Und schon kommt die Frage aus der anderen Ecke: „Brauchst Du den Kram eigentlich noch?“. Sehr wahrscheinlich nicht! Aber wer kennt das nicht: Es gibt so viele schöne Dinge, an denen das Herz hängt. Die so furchtbar viel Stauraum stehlen, schon drei Umzüge hinter sich haben und die man nur bei solchen wieder in die Hand nimmt. Seufz! Was soll´s?! Man muss Raum für Neues schaffen!
Was wird kommen? Es wird sich einiges ändern. Hoffentlich im Sinne einer Verbesserung. Lassen wir es auf uns zukommen …
Es soll schon vorgekommen sein, dass man nach dem Umzug beim Nachhausekommen feststellt, dass der Hausschlüssel nicht passt. Das mag daran liegen, dass einen die „Macht der Gewohnheit“ zum alten Domizil geführt hat. Oder man steht vor der neuen Behausung mit dem falschen Schlüssel in der Hoffnung, dass vor einem selbst jemand der Lieben das traute Heim erreicht hat.
So, wenn ich das hier nicht beende, bleibt ein Leben im Chaos.
Und das wollen wir nicht …

© Thomas Dietsch

Trapper

Männer in der Mitte des Lebens haben es schwer: Domestiziert, mitten in der Zivilisation, emanzipiert und erste Abnutzungserscheinungen. Es gibt keine Perspektive mehr! War das alles, was das Leben zu bieten hat?! Man(n) mag grübeln! Wo sind die Träume und Pläne aus Kindheit und Jugend? Damals, als man Feuerwehrmann, Cowboy, Trapper oder was auch immer werden wollte. Es scheint alles vorbei zu sein. Beste Freunde des Zeitgenossen sind die Couch und der Computer. Letzterer bietet noch neue digitale Welten für den Couch-Potato. Ist das wirklich alles? „Nein!“ sagt ein neues Magazin. Es heißt „Walden“ und richtet sich vornehmlich an Männer jenseits der 30. Slogans wie „Lass Dich raus!“, „Draußen-Sein und -Erleben“ sollen den letzten Plüschteddy mit Bäuchlein in die Natur locken. Des Mannes Gene rufen nach Abenteuer und Herausforderung. Stilvolles Unterwegssein und authentische Erfahrungen werden versprochen. Erlebnisse, die man den Enkeln noch am Lager- bzw. Kaminfeuer weitererzählen kann. „Damals, als Opa auf Entdeckungsreise war …“. „Es war einmal“, wird dann wohl die nächste Männergeneration sagen und versuchen, ihre Träume zu leben.
Was „Walden“ erreichen will ist unter anderem, dem Mann das Gefühl nach Ursprünglichkeit zu vermitteln und das Bewusstsein, dass man den ganzen Schnick-Schnack, angefangen beim Haushalt bis hin zu den Annehmlichkeiten der Technik (Laptop, Mobiltelefon usw.) nicht braucht. Surfen oder Telefonieren im Funkloch wird ohnehin nicht funktionieren.
Aber das Magazin ist auch realistisch: wir sind bereits seit langem domestiziert. Das heißt, die Sehnsucht nach dem harten, einfachen Leben in der Natur ist zwar groß, die Bereitschaft mit den Elementen in Kontakt zu treten wohl eher klein. Damit sich der modernen Tarzan nicht wehtut, gibt es auch jede Menge Tipps, wie man den Unbilden der Natur gewappnet entgegentreten kann. So zum Beispiel die Kanufahrt zu zweit im Neoprenanzug. Man(n) soll schließlich ohne Folgen genießen. Nicht auszudenken, wenn man sich bei halber Eskimorolle eine Erkältung zuzieht. Mit laufender Nase den Kollegen im Büro das Wochenendabenteuer zu erzählen, ist einfach peinlich.
Alles in allem: Vom Wildlife-Spinner bis zum Büro-Männlein wird jeder das „Abenteuer im Kleinen“ finden, um mal so richtig aus sich rauszugehen. Sei es nur für ein Wochenende!
Die Damen sind natürlich herzlich eingeladen, an daran teilzunehmen.
Nicht zuletzt: Das Magazin ist fortschrittlich! In Zeiten, in welchen die Kleinen den Sturzhelm auf dem Dreirad tragen, wird es Zeit, dass die Elterngeneration in puncto Sicherheit nachzieht.
In diesem Sinne!

 

© Thomas Dietsch

Venedig

Venezia … Wenn der Muezzin vom Turm zum Gebet ruft, zieht es den gläubigen Muslim in die Moschee. Auch in Venedig! Man glaubt es kaum, aber es ist Wahrheit. Zumindest für die sieben Monate der Biennale in Venedig wurde die seit 46 Jahren ungenutzte Kirche Santa Maria della Misericordia an einem Kanal im Stadtteil Cannaregio von einem Künstler angemietet und mit Hilfe islamischer Gemeinden zur ersten Moschee der Serenissima umgerüstet. Venedig hat eine große islamische Gemeinde von rund 20.000 Gläubigen. Dem Künstler Christoph Büchel ging es darum, ein Zeichen zu setzen. Und er möchte provozieren! Über Jahrhunderte war Venedig das Tor zum Orient, man tauschte Stoffe, Gewürze und auch Wissen mit Persern, Türken und Arabern. Mit dem Wohlstand kam auch die Bildung des Nahen Ostens nach Europa. Aber auch in einer weltoffenen Stadt wie Venedig gibt es Kritik, Anwohner gehen auf die Barrikaden, Touristen glotzen betende Muslime während der Besichtigung unverhohlen an. Die Anwohner wollen „ihre“ Kirche, welche seit 1973 in Privatbesitz ist, nicht hergeben. Dies, obwohl sie sie seit Jahrzehnten nicht nutzen. Man motzt auf die Anderen. Schleichende Islamisierung! Das ist der Begriff, der auch in Deutschland die Gemüter erregt und der nun Venedig in Aufruhr versetzt. Gerade hierauf kommt es dem verantwortlichen Künstler an: Er will, dass sich Christen und Muslime austauschen, Barrieren abbauen. Fremdes und Ungewohntes führt zu Ablehnung, Ablehnung führt zu Hass. Und Hass führt zu Gewalt und Krieg. Zeit etwas zu ändern! Büchel will den Dialog der Religionen. Aber er stößt auf harte Opposition. Jetzt erhebt auch die katholische Kirche ihre Stimme. Für jede Nutzung außerhalb des katholischen Kultes müsse eine Genehmigung erteilt werden, erklären die Kirchenoberhäupter. Diese sei aber nie beantragt worden. Laut Kirche muss ein sakraler Ort erst amtlich entweiht werden, um diesen einer profanen Nutzung zuzuführen. Bürokraten vor Ort fordern einen Nachweis über die amtliche Entweihung. Die Stadt Venedig stellt ein Ultimatum: Wenn bis 20. Mai keine entsprechenden Nachweise vorlägen, werde die Moschee geschlossen.
Wenn man bedenkt, wie viele Kirchen in Europa leerstehen, früher als Pferdestall und Lazarett, heute als Restaurant, Autowerkstatt oder Kunsthalle genutzt werden, dann liegt eine religiöse Nutzung doch am nächsten. Leider gilt vorliegend der Grundsatz: „Wir nutzen es zwar nicht, aber …“. Irgendwie schade!
Altpräsident Wulff sagte vor einigen Jahren in einer Rede, der Islam gehöre zu Deutschland. Auch er musste harte Kritik einstecken.
Es wird Zeit, dass wir uns den Realitäten stellen!

 

© Thomas Dietsch

 

Rocking in Old People’s Home

What music are you listening to? A question of age, education, epoch and also friends circle. Classical music requires some understanding. To be able to „read“ it, you need a certain level of education. We are listening to the music of “our time.“ There is no other on the market. And what kind of music do the friends listen to? If you want to be cool, you have to listen what they listen to. Is music a question of age? Yes and no! What do you and I listen to in the nursing home in about thirty or forty years? Of course to topical music of that times! We don´t? No! Look at the current pensioners. Swaying to German pop songs and folk music. Will we also do that? Never in life! We are not about to discuss here whether the German pop song is dead or not. It is fact: A study found out that at the age of about thirty the human taste of music does no longer adapt to the current trend. Which means: The music of the first Over 30s´ Party will be with us from now on. Yes: Oh my God! But that´s the way it is! Coffee morning circle accompanied by Tina Turner, playing skat with Bryan Adams. For the younger ones it will be Miley Cyrus, Bruno Mars or whoever. Now we know where this slogan comes from: „Music was better back then!“. Sometimes time is standing still.
Rocken im Altersheim

Welche Musik hörst Du? Eine Frage des Alters, der Erziehung, der Epoche und auch der Clique. Klassische Musik erfordert ein gewisses Verständnis. Um sie „lesen“ zu können, bedarf es einer gewissen Bildung. Man hört die Musik, die es „in unserer Zeit“ gibt. Andere ist nun mal nicht auf dem Markt. Und was hören die Freunde? Willst Du cool sein, musst Du mithören. Ist Musik auch eine Altersfrage? Jein! Was hören Du und ich in etwa dreißig oder vierzig Jahren im Altersheim? Logisch: die dann aktuelle Musik! Oder? Nein! Schaut Euch die jetzigen Rentner an. Schunkeln zu deutschen Schlagern und Volksmusik. Machen wir das auch? Nie im Leben! Ob der Schlager tot ist, soll hier nicht diskutiert werden. Fakt ist: eine Studie fand heraus, dass im Alter von etwa dreißig Jahren der menschliche Musikgeschmack aufhört, sich immer neu auf den aktuellen Trend einzustellen. Will heißen: Die Musik der ersten Ü30-Party wird uns fortan begleiten. Ja: Oh mein Gott! Ist aber so! Kaffeekränzchen in Begleitung von Tina Turner, Skatrunde mit Bryan Adams. Für die Jüngeren heißt das Miley Cyrus, Bruno Mars oder wer auch immer. Jetzt wissen wir auch, wo dieser Spruch herkommt: „Musik war damals besser!“. Manches Mal bleibt die Zeit halt doch stehen.

 

© Thomas Dietsch