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Lieber Pierre,

zuerst ein Zitat von Benjamin Franklin „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“ Gibt es nun die absolute Freiheit oder geht sie im Zweifelsfall zu Lasten der kollektiven Gemeinschaft? Gute Frage, an der sich Philosophen weltweit schon die Zähne ausgebissen haben. Für mich persönlich bedeutet Freiheit, dass ich die Wahl habe zwischen einem „Ja“ und „Nein“ und mir Überlegungsspielraum gewährt wird. Freiheit ist sehr individuell und jeder hat eine andere Vorstellung davon. Selbstbestimmung beginnt dort, wo wir unsere Freiheit auch wirklich verstehen und die Möglichkeiten nutzen, diese Wahl anzuwenden. Allerdings gibt es nicht nur die Freiheit des Individuums sondern auch eine Freiheit des Allgemeinwohls. Die eigene Freiheit darf der Gesellschaft keinen Schaden zufügen. Lange Diskussionen über das alles, lieber Pierre und hier dürften viele Menschen ihre Gedanken dazu beitragen. Es ist eben ein stark philosophisches Thema.

Wenn wir in der Lage sind, bei Zwangshandlungen „nein“ zu sagen und bei positiven Möglichkeiten „ja“, dann empfinden wir unsere Freiheit als wahre Freiheit. In der westlichen Welt sind Freiheiten im Grundgesetz verankert. Dazu gehören u.a. Redefreiheit, Pressefreiheit, Religionsfreiheit, Bewegungsfreiheit  etc. und selbstverständlich für uns hier die Möglichkeit, frei in ferne Länder zu reisen, auszuwählen, was wir beruflich machen möchten, entscheiden zu können, was wir essen und mit wem oder wie wir unsere Freizeit verbringen möchten. Endlos wären nun die Definitionen, wo beginnt das Ganze und wo endet es, aber eines ist klar: Die Freiheit, die wir uns selbst nehmen, müssen wir auch jedem anderen einräumen sonst wäre es ungerecht mit fatalen Folgen.

Ich spreche heute nicht über die einzelne „Unfreiheit“ unseres Lebens und doch stimmt es – es ist uns tatsächlich nicht möglich, ohne größeren finanziellen Aufwand, einfach wegzusterben. Wer nichts hat, wird auch nicht ordentlich fein begraben und so ist es mit dem gesamten Leben. Hast du eine schlechte Ausbildung, wird es nichts mit dem Luxusleben oder andersrum: Sehr reiche Menschen haben so viel Luxus erreicht und alle Freiheiten, sich mit schönen Dingen zu umgeben, denn sie können sich wirklich alles leisten. Aber sind sie tatsächlich freier? Bestimmt nicht. Schau dir Donald Trump an. Die Freiheitsstatue – ein Geschenk der Franzosen – stand für die Attribute „frei“ und „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Passt irgendwie nicht mehr ganz zu „America First“ mit einem geistig beschränkten Egomanen als Präsidenten, der weder Umweltschutz noch Menschenrechte achtet.

Lieber Pierre, die Jugend schaut sehr offen in die Zukunft und ich konnte bei den vielen Studenten der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt nur ganz wenige „Dunkelseher“ entdecken. Für sie bedeutet das Leben Aufbruch, Austausch der Kulturen, freies Reisen als Backpacker, Plausch im Schrebergarten mit Jedermann und ein reger, internationaler Austausch (über die Universitäten). Währenddessen glauben die hirnamputierten Nazi-Anhänger an ein „Heil-Deutschland“, was uns an den Rand der globalen Abschottung und des Untergangs bringen würde.

Ich nehme mir die Freiheit einfach mal DANKE zu sagen für die vielen schönen Momente meines Lebens und die wunderbaren Erfahrungen mit Menschen aller Nationen. Das Leben ist herrlich und man sollte nicht so dogmatisch mit allem umgehen, was uns die – hier in Deutschland eher negativ angehauchten – Medien berichten. Gehen wir raus, dann erleben wir durchaus eine freundliche und zuvorkommende Welt mit vielen Menschen, die sehr glücklich sind. Nicht alles, was uns ständig in den Medien „vorgesetzt“ wird, ist richtig. Der Deutsche generell neigt zum Gartenzaun-Denken, zur Vorsichtshaltung, unflexiblem Sicherheitsdenken und bloß keine spontanen Quatsch-Ideen mit Risiko. Schade, denn genau darin liegt die Freiheit… diese rasante und spannende Fahrt mitzumachen, das Positive darin zu erkennen und individuell zu nutzen. Interessant ist auch, dass eben genau diejenigen, die in Freiheit leben und sein dürfen, am meisten zu meckern haben. Wir müssen dringend über den Tellerrand blicken und uns tatsächlich ein realistisches Bild von der „Freiheit“ in anderen Ländern, auf anderen Kontinenten, in anderen Kulturen machen, die – gemessen an unseren westlichen Maßstäben – deutlich mehr zu kritisieren haben. Freiheit bedeutet noch lange nicht, dass wir auch alle gleich frei sind. Das wäre dann der „Human Dream.“ J

 

Einen herzlichen Gruß,

Petra

 

© Petra M. Jansen

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Es ist das Stückchen Kuchen, das du dir heute gönnst. Die feine Tasse Kaffee dazu und einen kleinen Moment des Ruhens. Es ist die Aufgeräumtheit deiner Wohnung, die Wärme deines Bettes und der flackernde Schein des warmen Kerzenlichts, das dich glücklich macht. Stabiler Halt in der haltlosen Welt, die zerbricht wie der Krug des Brunnens. Du erinnerst dich? Der Herzschlag verlangsamt sich, ein Lächeln auf deinem Gesicht.

Die kleine Kleinigkeit ist es doch immer. Im Großen und Ganzen sind es wirklich die Kleinigkeiten. Die seidige Falte deiner Bettdecke, die Wärme des Ofens im Winter, der du dich hingibst. Raumgefühl. Zeitgefühl. Glücksgefühl.

Es ist das kleine bisschen Geordnet-Sein und das Wissen um dein vorhandenes Abendessen. Die nächsten Tage schaffst du das, es reicht bis Freitag. Glücksgefühl. Sicherheit. Vertrautheit. Es könnte schlimmer kommen. Es kann immer schlimmer kommen. Und es kann immer schlimmer als schlimmer kommen. Du überlebst mit deiner Kleinigkeit, lehnst dich entspannt zurück und liebst die einzige Blume in deiner Vase.

Es ist der Nebel über den Wäldern, der dich gefangen hält. In den Gedanken, dass deine Freunde keine Freunde sind. Der Gedanke, dass sie es niemals wirklich waren. Der Hohn, wenn sie dich ansehen und sagen, dass sie so denken wie du. Egal. Du hast die Kleinigkeiten. Du hast das Vertrauen, dass du überlebst. Bis Freitag auf jeden Fall. Und danach bestimmt noch weiter.

So sind es Kleinigkeiten. Stückchen für Stückchen, immer kleine Schritte, die dich letztendlich glücklich machen und eines Tages, eines Tages… sind es wieder die Kleinigkeiten, die dir einfallen, wenn du weinst.

Du kannst nicht, du willst nicht. Aber es waren doch nur Kleinigkeiten!? Egal. Deine kleine Welt ist voll. Da ist kein Platz für erbärmliche Kleinigkeiten, wo du doch die kleinen Schritte geliebt hast und gegangen bist. Niemand, aber auch niemand kann so viel Achtung in sich finden.

Noch eine Tasse Kaffee?

 

© Petra M. Jansen

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Komisches Alter

Wie ist das mit Ende Vierzig? Komisches Alter! Die Alten nerven, die Jungen nerven … vielleicht nerve ich mich selbst?! Midlife-Crises? Blöder Kram! Dafür bin ich zu alt! Ich sagte einmal, dass man mit der Vier vorne dran so richtig schön in Ruhe gelassen wird. Kein erhobener Zeigefinger der Älteren mehr: „Bub, darauf musst Du achten!“, „Junge, schaffst Du das?!“ und dergleichen. Von der Jugend wirst Du wegignoriert. So, als sei man nicht da. Die nächste Stufe ist wohl: „Darf ich Ihnen über die Straße helfen?“. Gibt es das noch? Wann bietet man mir altersbedingt einen Sitzplatz in der U-Bahn an?! Zu alt, um Vorbild zu sein, zu jung für die Weisheit des Alters. In mancherlei Hinsicht spricht man von Orientierungslosigkeit. Leute, noch weiß ich, wohin ich gehe! Ich mag mich beim Schuheanziehen und -schnüren mittlerweile hinsetzen. Beim Aussteigen aus dem Fahrzeug dauert es etwas länger. Ok! Man braucht keinen Sport zu machen, wenn tägliche Verrichtungen zu sportlichen Anstrengungen werden. Als Kurzsichtiger schaue ich beim Zeitungslesen nicht durch, sondern über die Brille. Lesebrille braucht man nicht. Noch nicht! Wie lange noch? Der Zahn der Zeit fordert seinen Tribut. Wenn das Kreuz jetzt schon so schmerzt, wie wird das erst in zwanzig Jahren?! Alles Mist! Das Phänomen Zeit hat sich auch verändert. Es kommt einem vor, als greife man am Strand in den trockenen Sand. Sie, die Zeit, rinnt einem durch die Finger. Man kann sie nicht festhalten. Gefühlt hat man vor einigen Tagen Silvester gefeiert, heute ist Juni. Jemand sagte einmal vor vielen Jahren: „Der Tag hat 24 Stunden. Reichen diese nicht, dann nimm die Nacht dazu!“. Ein weiser Mensch, ein Scherz über den Mangel an Zeit! Aber es gibt noch andere Veränderungen: ich schätze die Ruhe, lege immer mehr Wert auf Kultur und gehe langsam, wenn ich es eilig habe. Ich weiß heute, wie die Asiaten sagen, dass Menschen nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel stolpern. Ramba-Zamba ist nicht mehr, jedenfalls selten, bei Filmen lege ich Wert auf innere Handlung. Ja, und ich glaube, dass jeder Mensch, sofern er bewusst lebt, dieser Gesellschaft etwas zu geben hat. Vielleicht unmerklich, aber es kommt etwas rüber. Alles Gold und Silber dieser Erde kann den Wert guter Bücher nicht aufwiegen, Wissen ist wichtiger als Reichtum und Besitz. In den Tag hineinzuträumen – beste Grüße an die Tagträumer – wird zur Zeitverschwendung, Sprichworte wie „Jeden Tag eine gute Tat!“ erlangen Bedeutung. Im Tun liegt die Gestaltung des Lebens, nicht im Sich-Treiben-Lassen. Mit jedem Tun eröffnen sich eine Menge neuer Wege, aus welchem man sich morgen wieder einen aussuchen muss. Man hätte, retrospektiv, einiges anders machen können. Aber dann wäre man heute nicht hier. Mancher Fehler hätte vermieden werden können. Dafür hätte man andere gemacht. Nein, er war schon gut so, der Weg bis hierher! Also, warum rege ich mich auf?! Über meine Unzulänglichkeit, meine „Jugend“? Über die Tatsache, dass mir noch die Fähigkeit fehlt, innerlich gelassen zu bleiben? Vielleicht könnte ich hier schon etwas weiter sein. Aber ich denke, die – wenn auch harte – Erkenntnis, dass man den Lauf der Welt als ganze als Einzelner nicht aufhalten oder ändern kann, ist doch schon einmal ein Anfang. Und so beginne ich, an den kleinen Dingen zu arbeiten. Das kann etwas werden … Und für neue Anfänge ist es nie zu spät!

© Thomas Dietsch

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Lieber Pierre,
es tut mir leid zu lesen, dass meine vorherigen und bewusst philosophischen Gedanken solch einen Schub Pessimismus auslösen. Ich belasse es heute bei dem, was ich bereits gesagt hatte, denn es ist tatsächlich eine Definitionssache und ich appelliere noch einmal daran, dass es viele Menschen gibt, die gar nicht die Wahl haben, frei zu entscheiden – geschweige denn frei zu publizieren.
Wir haben von Natur aus einen extrem ausgeprägten Verstand und sollten ihn nutzen. Und zwar in einer Form, die es ermöglicht, konstruktive Brücken zu bauen und sinnvolle Dinge zu tun. Wer sich über nichts aufregt, ist eine fatale Fehlentwicklung der Menschheit und ich erschrecke ebenfalls an der Lethargie der Gesellschaft. Speziell in unserer Überflussgesellschaft sehen wir zu viele Weggucker und viel zu viele Menschen, die glauben, es ginge sie alles nichts an, sie können es ohnehin nicht ändern. Verdruss, Resignation, Depression, Untergang. Wenn wir aufhören zu kämpfen, haben wir verloren. Wenn wir aufhören, das Gute zu sehen, haben wir aufgegeben. Was dann folgt ist das große Fressen. Wir können hin- und her-diskutieren, lieber Pierre und hoffen, dass jemand da draußen das liest. Doch wen erreichen wir? Ist es nicht lediglich eine privilegierte Schicht und Leute, die Zeit haben, einen Internetzugang und Muse, unsere Briefe zu lesen? Müsste nicht jeder Journalist aufhören, zu recherchieren und jeder Polizeibeamte seine Arbeit niederlegen? Jeder Richter seine Robe ausziehen und sagen „scheiß egal, was geht´s mich an?“ Ich weigere mich, zu resignieren und ich werde – so lange ich lebe – nicht aufhören für die Freiheit, die Wahrheit und die Gerechtigkeit zu kämpfen. Hier und an jeder Stelle da draußen, wo ich direkt an der Front mit Menschen arbeite und mit jeder Zeile, die ich im Sinne des sozialen Gedankens und des Friedens veröffentliche.
Wir dürfen uns nicht wundern, denn wir haben die Dinge geschaffen, die uns autistisch erscheinen lassen. Es dient der Vereinsamung, der Ablenkung und der Kontrolle und es liegt an uns, inwieweit wir das zulassen und mitmachen. Mit aller Konsequenz und an jedem Ort, bei dem es wichtig ist, erwarte ich Mut, gegenzusteuern und den Mut, den Mund aufzumachen. WIR können es, aber in vielen Ländern geht das nicht. Warum also auf hohem Niveau um uns hauen, anstatt etwas wirklich Positives entgegenzusetzen und aktiv an den Schwachstellen zu arbeiten – und zwar jeder dort, wo es ihm möglich ist? Wir werden ohnehin nicht ewig existieren und – sobald der rote Riese uns entweder verschlingt oder verglühen/ vereisen lässt – alle miteinander untergehen. Das ist in der Evolutionsgeschichte voraussehbar, denn dort besteht nur das, was sich bewährt hat. Wir also nicht.

Eine liebe Umarmung zurück,
Petra
© Petra M. Jansen

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Lieber Pierre,
wir sind schon fast bei einer philosophischen Betrachtung angekommen, jedenfalls möchte ich es auf diese Art beantworten oder versuchen, den viel gelobten und erwünschten Begriff „Freiheit“ zu definieren. Vorab: der Mensch kämpfte ein Leben lang für eine Selbstbestimmung, für die Freiheit und für die freie Meinungsäußerung. Wir dürfen uns in unserem Land glücklich schätzen, dass wir offen und ungeschönt schreiben, berichten und reden dürfen. Das ist nicht überall auf der Welt möglich und das einmal vorweg, weil es wichtig ist, auch diese Freiheit anzuerkennen. Ob wir nun eine Zensur der Medien, der Presse und des Menschen haben, das können wir in einem der nächsten Briefe zum Thema nehmen – es würde heute den Rahmen sprengen.
Folgen wir der Definition des Determinismus, dann gehen wir davon aus, dass die Dinge, Handlungen, Ereignisse durch bereits existierende Vorbedingungen von vorne herein eingeschränkt sind und deshalb nicht wirklich frei sein können. Die Theorie des Kompatibilismus wäre die weichere Form und sieht eine Schnittstelle zwischen Determinismus und freiem Willen. Eine zahmere Variante also, lieber Pierre. Es gibt auch die pessimistische Version, die besagt, dass weder Determinismus noch Interdeterminismus einen freien Willen zulassen. Und nun sind wir bei den Definitionen und der philosophischen Betrachtung, denn dieses Thema kann nicht in einem kurzen Briefverkehr abgehandelt werden, dazu ist es zu komplex und – wie du siehst – durchaus Ansichtssache.
Es geht um zwei Dinge, lieber Pierre: 1) Welche Bedingungen müssten erfüllt sein, damit wir eine Entscheidung als frei empfinden würden und 2) faktisch –sind diese Bedingungen überhaupt vorhanden und stehen zur Auswahl? Wer glaubt, dass wir niemals frei entscheiden können, wäre – philosophisch betrachtet – ein Freiheitspessimist oder ein harter Determinist eben. Wie wir unser Leben empfinden und wieviel Freiheit wir uns nehmen können, liegt an den Alternativen, an der Wahl jedes Einzelnen und dass eine Zwangsbedingung unbedingt ausgeschlossen ist.
Lieber Pierre, ich denke, wir brauchen die vorgegebenen Auswahlmöglichkeiten auch, um das als Maß zur Orientierung zu haben. Das gibt uns Menschen eine gewisse Stabilität und dennoch das Gefühl, frei entscheiden zu können. Und doch hat das Leben Barrieren und uns sind die Hände gebunden, wir empfinden uns als unfrei. Dabei müssen wir uns die Frage stellen, ob das wirklich stimmt oder ob uns nur die Auswahlmöglichkeiten nicht in den Kram passen oder nicht kompatibel mit den Vorstellungen jedes Einzelnen sind. Was der Eine gut findet, verabscheut der andere und umgekehrt. Insofern ist auch das Auslegungssache und ich kann nichts damit anfangen, wenn Menschen pauschal negieren und ablehnen –ohne eine sinnvolle Alternative aufzuzeigen oder ohne einen anderen Weg zu suchen, der nicht immer, aber durchaus öfters als angenommen, gehbar wäre.
Tatsache ist, dass unser gesamtes Leben ein Kreislauf des Kommen, Seins und Gehens ist und keine Theorie der großen Philosophen oder sonst jemand kann das ändern bzw. aufhalten. Geburt, Leben, Vermehrung, Tod. So ist es, lieber Pierre und niemand hat die Freiheit, sich ein ewiges Leben zu wünschen und niemand hat die Freiheit, die Luft zum Atmen für sich alleine zu beanspruchen. Und auf einer Welt, in der Lebensraum, Frieden, Umwelt immer weniger geachtet werden, schrumpft auch die Freiheit auf eine Entfaltung, sowohl der Menschen-, als auch der Tier- und Pflanzenwelt.

 

© Petra M. Jansen

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Lieber Pierre,

mit welchem Selbstverständnis wir doch durch das Leben gehen!? Ist es nicht so, dass wir jeden Tag dankbar dafür sein dürfen, wenn uns nichts Schlimmes widerfährt? Nur eine kleine Verstauchung des Knöchels lässt uns humpeln, nur eine Handgelenksverletzung sorgt dafür, dass wir einhändig werden. Warum ich heute zum Thema Gesundheit komme? Stimmt damit etwas nicht, gerät der tägliche gewohnte Ablauf eines Menschen aus den Fugen und man bekommt ein völlig neues Zeitverständnis sowie die aufgezwungene Maßnahme, kürzer treten zu müssen. Wenn der Körper Signale setzt, ist es an der Zeit, das zu akzeptieren und ihm eine Weile Ruhe zu verordnen, so wie du es gerade tun musst, lieber Pierre. Keine Zeitung lesen, keine Zeile mehr tippen – alles liegt brach und bis das wieder möglich sein wird, sind die Nachrichten in den Blättern überholt. Es ist eine Kleinigkeit, die dich nieder rafft und jetzt bist du angewiesen auf den Blick in die Ferne und Weite. Ich finde das gar nicht so schlecht, wenngleich ich niemandem etwas Schlechtes wünsche. Augenklappe auf, Augen schonen, lesen geht nicht im Moment und heute sehe ich die Vorteile. Man ist plötzlich gezwungen, den Blick auf seine Umgebung zu machen, die Augen öffnen sich im wahrsten Sinne des Wortes. Schauen wir denn normalerweise über zwei Wochen einfach nur in die Ferne und lassen unsere Gedanken schweifen? Nein, wir sind abgelenkt und entweder mit lesen (auch virtuell) oder tippen beschäftigt. Für einen Schriftsteller bedeutet diese Aus-Zeit eine Qual, nicht wahr? Doch es öffnet den Blick und du wirst sehen, du wirst jetzt andere Dinge sehen als zuvor. Lieber Pierre, du siehst jetzt etwas, vor dem du deine Augen vielleicht verschlossen hattest – die Schönheit der Natur, das hübsche Gesicht deiner Frau (endlich einmal wieder so bewusst), die Sonne (weil du nicht nur hinter dem PC gequetscht Texte tippst), den Regen (du hast Zeit, lange Spaziergänge zu machen), die Welt. Jetzt hast du eine „verordnete“ Freizeit und dein Körper, dein Geist und deine Produktivität werden es dankbar annehmen und umsetzen. So ist es immer mit den Krankheiten oder einer Zeit, in der der Mensch auf Eis gelegt ist und ich finde daran durchaus viel Positives.
Dein Tagesablauf hat sich vorübergehend völlig verändert, du magst dich damit vielleicht nicht abfinden wollen, aber es ist ein Signal, dass er streikt. Es ist eine Bereicherung und eine neue Perspektive, lieber Pierre, denn wir alle sind viel zu vehement mit den täglichen Aktivitäten beschäftigt und damit, unbedingt funktionieren zu müssen. Ich höre immer wieder „nein, das geht nicht. Ich kann nicht ohne Auto sein“ oder „ich muss jeden Tag wissen, was in der Zeitung steht“ und wie du siehst, es geht alles. Es geht sogar viel besser als unsere innere Bequemlichkeit uns suggeriert und es geht immer – mit der richtigen Einstellung. Vielleicht bekommen wir auf diese Art und Weise eine Demut vor dem Leben. An einem Punkt, an dem nichts mehr selbstverständlich ist und wir den unbequemen Weg gehen oder den Verzicht üben müssen. Und vielleicht tun wir dann endlich mal Dinge, die wir vorher nie gemacht haben…

gute Genesung, lieber Pierre,
Petra

© Petra M. Jansen

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