Bei Helmut Schmidt ist es in doppelter Hinsicht eine Altersfrage: Zum einen erreichte Herr Schmidt ein biblisches Alter. Am 23. Dezember 2015 wäre er 97 Jahre alt geworden. Zum anderen kennt ihn die junge Generation oft – wenn überhaupt – nur noch vom Hören-Sagen. Soweit liegt seine Kanzlerschaft in den Jahren 1974 bis 1982 schon zurück.

Im Dezember 1918 im Hamburg-Barmbek als Sohn eines Lehrers geboren, ist er bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gerade 20 Jahre alt. In den Jahren 1941/42 kämpft er in einer Panzerdivision an der Ostfront, später an der Westfront.

Schmidt, der einen jüdischen Großvater hat, marschiert zwar in den dreißiger Jahren schon mal mit der Marine-Hitlerjugend. Im Krieg aber sagt er jedem, wie widerwärtig ihm das NS-Regime sei. Der Einsatz vorgesetzter Generäle bewahrt ihn vor einem Prozess. 1945 gerät Oberleutnant Schmidt in britische Kriegsgefangenschaft.

Schmidt hat die Menschen um sich herum bis zum Schluss in zwei Kategorien eingeteilt. Die, die den Krieg erlebt haben. Und jene, die „mit größter Unbefangenheit und Naivität an die politischen Aufgaben rangehen“.

Die Kriegsgefangenschaft habe ihn politisiert, dort sei er Sozialdemokrat geworden, wie er später sagt. 1946 tritt er in die SPD ein. Nach dem Krieg studiert er Staatswissenschaften und Volkswirtschaft, wird Verkehrsdezernent in Hamburg. 1953 zieht er in den Deutschen Bundestag in Bonn ein. Damals macht er sich erstmals als „Schmidt-Schnauze“ einen Namen.

Zurück in der Heimat will Schmidt mitregieren, als Innensenator in Hamburg. 1962 kommt die große Bewährungsprobe: Die Flut bricht über Hamburg herein. Das Wasser überrascht alle. Schmidt bleibt besonnen, zieht halblegal die Kommandogewalt im Lagezentrum an sich, das ihm wie ein Hühnerhaufen vorkommt. Er koordiniert die Rettungskräfte, befehligt Bundeswehrsoldaten, fordert Nato-Hubschrauber an.

Nach der Flut ist Schmidt der „Macher“, der Krisenmanager. Er wechselt wieder nach Bonn, wird Fraktionsvorsitzender der SPD im Bundestag, danach Verteidigungsminister unter Bundeskanzler Willy Brandt. Er baut die Streitkräfte um: Schmidt entstaubt die junge, aber in überkommenen Traditionen verhaftete Armee, setzt die Prinzipien der inneren Führung und des Bürgers in Uniform durch. Die Bundeswehr-Universität in Hamburg trägt heute seinen Namen. Zwei Jahre amtiert er als Finanzminister, dann fällt ihm die Kanzlerschaft zu. Willy Brandt tritt wegen der Spionage-Affäre um Günter Guillaume zurück. Schmidt bedrängt Brandt noch, wegen so etwas solle dieser nicht hinschmeißen. Brandt hört nicht auf Schmidt, am 16. Mai 1974 wird letzterer zu seinem Nachfolger gewählt. Es folgen Krisenzeiten, politisch und wirtschaftlich. Die Ölkrise, wachsende Verschuldung und Arbeitslosigkeit, schließlich der Terrorismus der Roten Armee Fraktion (RAF), der im Herbst 1977 seinen blutigen Höhepunkt findet. Die Entführungen der Lufthansa-Maschine „Landshut“ und des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer werden die härteste Probe für Schmidt in seinem politischen Leben. Er lässt die GSG 9 in Mogadischu die Geiseln befreien.

Es sind wirtschaftlich schlechte Zeiten. 1982 Schmidt nimmt lieber Schulden auf, als das Land zu reformieren. Der Koalitionspartner FDP will eine andere Politik. In der eigenen Partei sieht er sich wachsender Kritik ausgesetzt, weil er sich für den Nato-Doppelbeschluss ausspricht. Ende 1982 zerbricht die Koalition. Die FDP läuft zur Union über und macht Helmut Kohl zum Kanzler. Ein Jahr später schlägt Schmidt ein neues Kapitel in seinem Leben auf, wird Mitherausgeber der ZEIT. 1987 verlässt er den Bundestag.

Viele seiner Entscheidungen waren visionär: Der von ihm forcierte Nato-Doppelbeschluss, die Aufrüstung mit Pershing-II-Raketen, hat letztlich 1987 zu den Abrüstungsabkommen geführt. Die Einführung des von Schmidt und dessen Freund, dem französischen Präsidenten Giscard d’Estaing entworfenen Europäischen Währungssystems hat die Grundlage geschaffen für die spätere Einführung des Euro.

Helmut Schmidt blieb der ZEIT bis zu seinem Tode verbunden, er ist nebenbei Autor vieler Bücher. Politiker jeglicher Couleur und Menschen weltweit schätzten seinen auf Altersweisheit basierenden Rat.

In einer Zeit, in welcher der Intellekt zusehends flacher wird, das Leben immer oberflächlicher, reißt der Tod Helmut Schmidts am 10. November 2015 eine Riesenlücke in unsere Gesellschaft, die wir nicht mehr füllen können. Er wird uns fehlen, der Politiker, Publizist und Philosoph.

Danke, Helmut Schmidt!

 

Nach einem Bericht der „Rheinischen Post“ hielt das Deutsche Rote Kreuz in Düsseldorf eine Umbenennung des Sankt-Martins-Umzuges in „Lichterfest“ für sinnvoll. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, weil wir im Sinne von Integration und Einheit so viele Kinder wie möglich erreichen wollen und weil so mehr an unserem Zug teilnehmen“, erklärte Katrin Piller, Leiterin der DRK-Kita in Gerresheim. Dort wird in diesem Jahr ein „Lichterfest“ gefeiert. Die Don-Bosco-Montessori-Gemeinschaftsgrundschule in Oberkassel lud unlängst zu einer Laternenausstellung unter dem Titel „Lichterfest“ ein, „um Integration zu erleichtern“.
All das erinnert an eine Diskussion aus dem Jahr 2013. Damals hatte die Linkspartei in Nordrhein-Westfalen das „Aus“ für die Laternenumzüge zu Sankt Martin gefordert. Die Gründe klangen ähnlich: aus Rücksicht gegenüber muslimischen und anderen nichtchristlichen Kindern.

Kritik hagelte von allen Seiten, auch aus der eigenen Partei.

Die interessanteste Stellungnahme kam damals allerdings vom Zentralrat der Muslime. Der sah nämlich keine Notwendigkeit für eine Umbenennung. Dass Sankt Martin ein katholischer Heiliger sei, stelle für Muslime keinen Hinderungsgrund dar, an den Umzügen teilzunehmen. „Das Leben des heiligen Martin ist doch geradezu vorbildlich, auch für Muslime“, erklärte der Vorsitzende Aiman Mayzek damals gegenüber der WELT.
Dazu passt, dass sich gerade, laut eines weiteren Presseartikels in anderen Düsseldorfer Schulen mit überdurchschnittlich hoher Zahl muslimischer Kinder, diese für den Martinsumzug stark gemacht haben.

Der Durchschnittsdeutsche hat Angst, anderen Menschen auf den Schlips zu treten. Mag die Angst noch unterschwellig aus den Jahren des Terrors von 1933 bis 1945 herrühren, woher auch immer. Der Deutsche hat kein Gespür für die goldene Mitte. In den zwölf Jahren des Hitlerregimes wurden andersgläubige oder auch -denkende Menschen verfolgt, grausam gequält und getötet. Dies alles aus Gründen eines perversen Nationalstolzes. Die politische Linke verfällt genau ins andere Extrem: Ja niemand einen Grund geben, sich ausgegrenzt zu fühlen. Sieht man Reibungspunkte, müssen solche entfernt werden. Alles wird gleich, wir alle sind gleich!

Beide Sichtweisen sind mehr als daneben! Nationalismus hat uns geschadet und wird uns zukünftig wieder schaden. Die Zeit der Nationalstaaten ist vorbei, wir leben im 21. Jahrhundert. Das heißt aber nicht, dass alles gleich wird. Jede Gruppe von Menschen hat eine Tradition, so auch ein Staatsvolk. Sind wir zum Beispiel Deutsche, so sind wir nicht nur deutsch, sondern haben auch eine regionale Kultur. Dialekt, Kochrezepte, diverse Feste und so weiter. Das ist nicht im Norden so wie im Süden, im Osten auch nicht wie im Westen. Nicht umsonst hat man den Föderalismus gewählt, will sagen, die Regionen und deren Traditionen gestärkt. „Deutsch“ ist nur ein Überbegriff, den Deutschen ohne den Westfalen oder den Hessen gibt es nicht. Und das ist gut so!

Wer Traditionen und Kultur aufgibt, macht sich selbst inhaltslos. Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen: wir sind „gefangen“ in unseren Traditionen und unserer Kultur. Niemand kann den Stall verleugnen, aus dem er kommt. Warum auch?!

Wenn zum Beispiel Muslime sagen, dass sie der Sankt-Martins-Umzug nicht stört, ihre Kinder im Gegenteil gerne daran teilnehmen, dann ist das ein Stück Integration. Unsere Kultur entwickelt sich, indem wir fremde Einflüsse zulassen und sie zum Teil auch uns zu eigen machen. Das ist schon seit Jahrtausenden so. Es kommt nicht auf den Gegensatz Muslim – Christ an, sondern dass Kinder gut und böse voneinander unterscheiden lernen. Und diesbezüglich hat jede Religion Vorbilder zu bieten. Und praktisch ausgedrückt: Warum sollte nicht beim nächsten Sankt-Martins-Umzug ein muslimischer Sankt Martin die Straße heruntergeritten kommen? Warum nicht?!

Sind wir doch alle erwachsen genug. Gefällt uns der ganze Firlefanz mit dem Lichterkram nicht, dann gehe ich da nicht hin. Dann ist mir egal, wie das Fest heißt und auch, ob ich Jude, Christ, Muslim oder Buddhist bin. Es ist meine freie Entscheidung.

 

Im „Focus“ vom Donnerstag, den 05. November 2015 stand nun zu lesen: „Rotes Kreuz rudert zurück: ´Sankt Martin heißt Sankt Martin und nicht Lichterfest´“. Ich denke, es war die richtige Entscheidung.

Der deutsche Michel sollte lernen, die Dinge etwas ausbalancierter zu sehen.

© Thomas Dietsch

Dieses Glockengeläute. Das regt mich unendlich auf … Was einmal Bimmeln wohl kostet?

Keine Ahnung. Kannst Du Dich noch an David Yallop und sein Buch „Im Namen Gottes“ erinnern? Dieser mysteriöse Tod des 33-Tage-Papstes Johannes Paul I.?

Was ist damit?

Man sagt, dass Johannes Paul I. keines natürlichen Todes gestorben ist. Er soll angeblich vergiftet worden sein. Von seiner Art, das Amt zu führen, war er sehr modern für das Jahr 1978.

Und was hat das mit Glockengeläut zu tun?

War nur der Aufhänger, Kirche und so … Der italienische Enthüllungsjournalist Gianluigi Nuzzi hat jetzt in einem neuen Buch wieder Vetternwirtschaft aufgedeckt. Der Vatikan soll sogar im Sommer 2013 insolvent gewesen sein. Jedenfalls fast! Erinnere Dich, die gleiche Zeit: Benedikt XVI. tritt zurück, Papst Franziskus setzt sich zu Beginn seines Pontifikats im März 2013 für eine „arme Kirche für die Armen“ ein.

Benedikts Rücktritt, soweit ich mich erinnere, war doch alters- bzw. krankheitsbedingt.

An letzterem mag vielleicht etwas dran sein, aber hast Du je einen Papst erlebt, der altersbedingt zurückgetreten ist? Ich nicht! Und Benedikt lebt noch heute, ist 88 Jahre alt. Übrigens war er der erste deutsche Papst seit Hadrian VI.. Das war 1523.

Du als Katholik musst das ja wissen … Also krankheitsbedingter Rücktritt!

Kapierst Du es nicht?! Die waren pleite! Meinst Du wirklich, ein Papst, egal welcher, stellt sich vor der Welt Augen auf den Balkon des Vatikan und verkündet: „Liebe Gläubige, nachdem unser Kämmerer beim Blick in die Kasse nur noch Boden sah möchten wir Euch mitteilen, dass wir pleite sind!“?!

Der Blitz möge Dich für diesen Satz treffen!!!

Komm schon! Benedikt XVI. ist wegen der drohenden Insolvenz zurückgetreten. Sollte ein anderer doch den Karren aus dem Dreck holen! Und Franziskus blieb nichts anderes übrig, als von der „armen Kirche für die Armen“ zu predigen.

Woher kommt das plötzlich? Die schwimmen doch angeblich im Geld! Sind die Kirchensteuer-einnahmen so zurückgegangen?!

Nein! Der Vatikan hat eine eigene Bank, also dass die heute mit dem Klingelbeutel unterwegs sind, das ist beileibe nicht mehr so. Das ist Miss- und Vetternwirtschaft. Nuzzi soll in seinem Buch davon geschrieben haben. Papst Franziskus steht vor einer Mauer. Die Rede ist sogar von „Krieg“. Die Fronten sind: Der Papst, der reformieren will, der steht einem Verwaltungsapparat gegenüber, der jede Art von Wandel blockiert. Will man Nuzzi glauben, dann steht Papst Franziskus bei seinen Reformen im Inneren des Vatikan nach bald drei Jahren im Amt noch immer am Anfang. Hier schließt sich der Kreis zu David Yallop. Das war damals vor 37 Jahren nicht anders.

Glaubst Du, dass Franziskus in Lebensgefahr ist?

Keine Ahnung! Aber nachdem das jetzt ans Licht kam, kann man ihm nicht mehr so leicht nach dem Leben trachten. Die Sinne der Ermittlungsbehörden sind geschärft. 1978 bestand noch die Möglichkeit, etwas mit dem Tod Johannes Paul I. zu vertuschen. Heute liegt es dem Grunde nach ja schon offen.

Stimmt auch wieder. Wenn die genug Einnahmen haben und eine Bank, die mit Sicherheit nicht schlecht wirtschaftet: Hatten die nicht auch noch Nazigold?! Oder waren das die Schweizer? Wie kommt es dann zu diesem immensen finanziellen Absturz?

Es ist die Ausgabenseite. Folgende Überlegung: die Heilig- und Seligsprechungen kennst Du?! Die müssen vorbereitet, durchgeführt und dann auch nachgearbeitet werden. Der inzwischen pensionierte Kardinal Angelo Amato rückt die Unterlagen zu den Selig- und Heiligsprechungs-

verfahren nicht heraus, die Unmengen von Geld verschlingen. Ein Verfahren kann bis zu 750.000,– Euro kosten, die vor allem für Gutachten ausgegeben werden. Etwa 2500 solcher Fälle sollen derzeit in Bearbeitung sein.

Das ist jetzt nicht wahr?!

So soll es sein …

Ich könnte ein Bier vertragen …

© Thomas Dietsch

Was hängst Du da am Fenster ´rum mit so einem sauertöpfischen Blick?! Heute nicht im Garten?

Ich bin krank. Hab mir wahrscheinlich die Grippe eingefangen. Ich friere wie ein Hund. Mein Garten ist für den Winter „eingemottet“. Da läuft nichts weg …

Du guckst genauso depressiv wie die politische Lage im Moment ist.

Jetzt lass die Kirche mal im Dorf! So schlimm ist es auch wieder nicht.

Na, ja! Mit der Flüchtlingsproblematik …

Nicht schon wieder!!!

Warte mal! Unsere Kanzlerin hat doch ein Problem. Hatte ich gerade gelesen. Wenn wir nicht aufpassen, kommt es zu einem militärischen Konflikt wegen der Flüchtlingsrouten. Alle machen die Grenzen zu, die Migranten weichen aus.

Ja und?

Der Druck auf die Länder, die die Grenzen dicht gemacht haben, steigt. Die anderen wollen nicht die Massen im eigenen Land haben. Man wird also verlangen, dass die ursprünglichen Routen wieder geöffnet werden. Notfalls mit Gewalt.

Oder man macht die anderen Grenzen auch dicht!

Wollen wir das wirklich? Soll Deutschland neben Transitzonen auch noch Mauern und Stacheldraht hochziehen?!

Mit einem Mauerbau wäre ich in Deutschland aus historischen Gründen schon vorsichtig. Die andere Frage ist auch, was das ganze kostet und was es nützt. Es wird minimum Millionen kosten, wenn nicht gar Milliarden. Und sind wir mal realistisch: Haben Zäune und Mauern Menschen dauerhaft aufgehalten? Nein! Und die Transitzonen allein sind absoluter Quatsch, wenn der Rest „grüne Grenze“ ist. Häng doch mal ein Schild raus: „Bitte eintreten! Hier werden Sie eingesperrt und Ihr Antrag innerhalb kürzester Zeit abgeschmettert!“. Würdest Du als Flüchtling da reingehen? Ich nicht! Unabhängig von der Frage, ob diese Einrichtungen neben den wahnsinnigen nutzlosen Kosten verfassungsgemäß sind. Artikel 16a Absatz 1 Grundgesetz ist ein Grundrecht. Es gilt nur für Ausländer und ist damit eines der vornehmsten, das wir haben. Es sind Rechtswege einzuhalten! Diese bayrische Auffassung nach dem Motto: „Wir treiben mal das Vieh auf die Alm und lösen fix das Problem!“ ist nicht.

Du bist ein elender Sarkast!

Quatsch! Die Angelegenheit wird in Karlsruhe beim Bundesverfassungsgericht landen.

Und was hältst Du von dieser Bürgerkriegsangst in Deutschland?

Ich sehe die Gefahr! Nicht in puncto Islamischer Staat. Dafür gibt es keine Anhaltspunkte. Aber von Seiten der Rechtsradikalen. PEGIDA und so weiter … Die schrecken vor nichts zurück. Rollt der Mob, brennen die Häuser und es kommt zu Gewalt. Alles schon dagewesen in den letzten Wochen und Monaten. Die haben aus der Geschichte nichts gelernt! Innerhalb von sechs Jahren, von 1939 bis 1945, wurde Deutschland in Schutt und Asche gelegt. Idioten darfst Du die Zügel nicht überlassen!

Das waren andere Zeiten …

Ich finde dieses Argument nicht so prickelnd. Vor 82 Jahren, als dieser Schwerverbrecher an die Regierung kam, entwickelte sich das Ganze auch still und leise. Er kam an die Macht, das Ergebnis kennen wir.

Was willst Du tun? Zusehen?

Man müsste vor Ort gehen, überall dorthin, wo diese Menschen herkommen. Wir haben sie im Kolonialismus über 200 Jahre ausgebeutet. Dort müsste man, mit Hilfe von Experten vor Ort, aufbauen. Wir müssen etwas zurückgeben, was wir diesen Völkern beziehungsweise Ländern genommen haben. Dort kann man die Milliarden nutzbringender und zukunftsträchtiger investieren. Niemand verlässt ohne Grund seine Heimat. Ich kenne jedenfalls niemanden …

Amen!

Jetzt wirst Du zynisch!

Wir beide allein ändern doch da eh nichts. Du es ist kalt und ich könnte auch etwas Medizin brauchen.

Komm rein, wenn Du Dir die Grippe holen willst … Bier ist im Kühlschrank!

© Thomas Dietsch

Die Gegner haben sich verrechnet, das Kalkül des türkischen Präsidenten Erdogan ist voll aufgegangen. Noch am Wahltag konnte man in einer türkischen Zeitung vom „letzten Tag des Sultanats” lesen. Das bezog sich auf die Entmachtung des Sultans durch das türkische Parlament auf den Tag genau 93 Jahre zuvor – man appelliert an das Traditionsbewusstsein der Wähler und treibt diese zu den Urnen – spielte aber auf Staatspräsident Erdogan an. Das regierungskritische Blatt hoffte, die AKP verfehle bei der Neuwahl zum Parlament letzten Sonntag wieder die absolute Mehrheit und der Anfang vom Ende der Ära Erdogan sei eingeläutet. Eine grobe Fehleinschätzung!

Erdogan sah nach den schweren AKP-Verlusten im Sommer angeschlagen aus. Mit dem spektakulären Wahlsieg vom Sonntag ist das mehr als wettgemacht und Erdogan sitzt fester im Sattel denn je. Zwar bedeutet das ein Ende der politischen Hängepartie in der Türkei, auf deren Kooperation die EU in der Flüchtlingskrise angewiesen ist. Aus Sicht Europas ist der sprunghafte Präsident, der gerne gegen den Westen austeilt, alles andere als ein verlässlicher Partner. Die Gräben in der Türkei, die von Erdogan zutiefst polarisiert wurde, sind durch das Wahlergebnis noch tiefer geworden.

Seit der Wahl im Juni diesen Jahres wurde die Türkei immer tiefer in den Strudel der Gewalt gezogen. Es kam zu schweren Anschlägen, die der Terrormiliz Islamischer Staat angelastet wurden und die vor allem Anhänger der HDP trafen. Der Ko-Vorsitzende der HDP, Selahattin Demirtas, kritisierte am Abend der Wahl, die Partei habe wegen der Angriffe keinen Wahlkampf führen können. Man habe nur versucht, die eigenen Leute gegen Massaker zu schützen. Kritische Stimmen werfen Erdogan vor, er habe das Land bewusst ins Chaos abgleiten lassen, um abspenstige Wähler wieder um die AKP zu scharen. Ein Kalkül, das aufgegangen ist.

Außerdem brach der Konflikt mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK wieder aus, in deren Nähe Erdogan die prokurdische HDP regelmäßig rückt. Weder Staat noch PKK zeigten sich bereit, der Eskalation ein Ende zu setzen. Im Gegenteil: Man polarisierte auf Teufel komm raus.

Der Krieg der PKK habe der HDP geschadet, so die Einschätzung des Türkei-Experten Aaron Stein aus Washington. Erdogans AKP sei es gelungen, die Wähler davon zu überzeugen, dass es im besten Sinne der Türkei sei, zu einer Einparteienregierung zurückzukehren. Die Direktorin des Zentrums für Türkeistudien am Nahost-Institut in Washington konstatierte ebenfalls, Erdogans geniale Idee habe funktioniert. Es sei sein Sieg.

Seit seiner Wahl zum Staatsoberhaupt im August vergangenen Jahres regiert Erdogan de facto das Land, obwohl die Verfassung diese Rolle dem Ministerpräsidenten zuschreibt. Ministerpräsident Davutoglu, zugleich Chef der AKP, ist mit der Partei Erdogan bedingungslos ergeben. Nach dem Verlust der absoluten Mehrheit im Juni 2015 und der Festsetzung von Neuwahlen spotteten Kritiker, Erdogan werde die Türken so lange wählen lassen, bis ihm das Ergebnis passe. Das hat sich leider bewahrheitet. Das neue Wahlergebnis passt Erdogan gut ins Konzept – hat er sich im Wahlkampf doch mehr denn je zurückgehalten. Die AKP kam entgegen allen Umfragen vor der Wahl fast auf die Hälfte der Stimmen und hat damit eine komfortable Mehrheit der Sitze im Parlament. Besonders die ultranationalistische MHP, die der AKP in vielen Punkten ideologisch nahesteht, musste Federn lassen.

In den Kurden-Hochburgen kam es am Sonntagabend zu vertrauten Bildern: Demonstranten bauten Barrikaden und steckten sie in Brand. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Davutoglu sagte in einer seiner Siegesreden, jeder Bürger sei eingeladen, die „neue Türkei” mitzubauen. Es gebe keinen Gegner, keinen Feind, meinte der alte und neue Ministerpräsident.

„Wir sind gekommen, um Liebe zu pflanzen.”

Ob man dem trauen kann, ist äußerst fraglich. Hat Davutoglu gelogen stellt sich die Frage, wer Erdogan aufhalten soll. Er wird an seinem Sessel kleben – und diesen notfalls verteidigen. Erinnerungen an Präsident Assad in Syrien werden wach. Wenn wir nicht aufpassen, ist ein weiterer Brandherd geboren. Die europäische Integration der Türkei ist in weite Ferne gerückt.

Der Besuch von Kanzlerin Merkel war Erdogan – zwar unbeabsichtigt – die ideale Wahlhilfe. Unpassender hätte der Zeitpunkt nicht sein können.

Lieber Pierre,

ich kann den degenerierten Sauhaufen unserer „feinen Gesellschaft“ nicht mehr ertragen und so gerne ich Hunde mag – sie scheißen eigentlich alle auf die Straße und wedeln blöd mit ihrem Schwanz. Filzt man die virtuelle Welt durch, so ist das ein Tummelplatz für hirnlose, degenerierte Affen, die sich groß und wichtig fühlen, wenn sie mit ihrem begrenzen Schwachhirn diskriminierend sind und sich über andere Menschen lustig machen.
Inzucht gab es früher auf den Dörfern reichlich und außer geistig Geschädigte und Generkrankungen ist nicht viel übrig. Deppen ficken Deppen und Deutschland wird verrecken. Das Idealbild dieser Schwachköpfe ist nicht nur der Deutsche Schäferhund sondern auch der Dobermann und ich frage mich, ob sie die Köter in Ketten legen würden, käme einer auf den Gedanken eine Afghanen-Hündin besteigen zu wollen.
Nicht nur das… es ist in der Tat eine makabre Tatsache, dass solche Leute Musik, Kunst, Filme, Kino etc. aus fernen Landen verschlingen. Unsere Aufgabe ist es, dagegen zu agieren und diese erbarmungswürdigen Schwätzer auszuschalten, sich zu distanzieren und aufzuklären. Der Horst übrigens…also „der Horst“ vom See, lieber Pierre, sollte ernsthaft seinen Standpunkt überdenken und es gibt keine Grenze, die eine Masse von Menschen nicht nieder reißen könnte. Inwieweit der Verstand bei rassistischen Äußerungen ausgefallen ist, darüber sind wir uns einig. Es war abzusehen, was passieren wird und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Es gibt nur eine Lösung, wie Frau Merkel es sehr deutlich sagte:„ Ein Miteinander, da muss ganz Europa miteinander arbeiten.“ Es wird nicht nur in Europa sondern weltweit eine große Veränderung kommen. Nun ist ein globales, grenzübergreifendes, internationales Arbeiten und Menschlichkeit gefragt.
Ich wollte jedenfalls nicht mit dem Nachbarn aus dem Dorf nebenan vögeln und Kinder kriegen und ich mag Essen aus fernen Ländern, Kulturen aus fremden Ländern und die Welt bereisen. Viele der rassistischen Schwachköpfe sind nicht einmal über ihre Landesgrenzen hinaus gekommen, was sollen wir also mit denen diskutieren, wo sie ein furchtbar einfältiges und eingeschränktes Leben haben? Mag das der Grund dafür sein, dass sie nicht fähig sind, über ihren Tellerrand zu schauen? Eines steht fest: es sind arme Säue, voller Hass und sehr dumm. Wie sie dazu kommen, sich für was Besseres zu halten? Keine Ahnung, lieber Pierre, aber gehen wir davon aus, dass ihre Gene wohl aus einem deutschen Rottweiler-Fick entstanden sind. Bekanntermaßen sind Rassehunde mehr krank als gesund 😉

 

In diesem Sinne,
eine herzliche Umarmung von mir und meinem Mischlingsköter
Petra
© Petra M. Jansen

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Liebe Petra,

wenn sich ein Hund in seiner Hundehütte wohlfühlt, verschanzt er sich dort und verteidigt mit bissigen Zähnen sein Revier. Wer zu nahe kommt, gerät in Gefahr, zerfleischt zu werden. Er ist Herrscher und Bürger zugleich, betrachtet seine Heimat als größtes Gut. Ist er dann in der Lage, sich der Welt zu öffnen? Warum sollte er es tun, wenn er sich gerade hier wohlfühlt? Das würde sich vielleicht ändern, wenn er ein wenig mehr herumgewandert wäre, andere Gerüche entnommen hätte, Nein, die Hündinnen sind nicht überall gleichzustellen. Solange er in seinen vier Wänden herumgeistert, kann er keine Vergleiche ziehen. Anders ist es, wenn er schon auf anderen Spuren swar, wie jeder Sterbliche in unserer globalisierten Welt, es das eine oder andere Mal erlebt hat. Und doch verschließt er sich immer mehr der Ferne, weil er einfach Angst, hat überrumpelt zu werden. Vom weltoffenen Hund ist er zum Spießer geworden, der Filzpantoffeln als sein größtes Gut betrachtet. Sein Geist ist geschrumpft, aber das ist egal, solange man noch die Berta vögeln kann – mehr ist halt nicht drin.

Stacheldraht muss her, sagt der Deutsche Schäferhund – und das, um streuenden Tieren den Zugang zum nationalen Revier zu versperren. Da sie fremd sind, sehen sie bei ihnen alle Makel der Welt. Sie pinkeln und kacken überall, wo es sich nicht gehört, bedienen sich in unserem Napf, was eine Zumutung ist. Der König lädt nicht den Sklaven an seinem Tisch ein und wenn sie sich vollgefressen haben, versuchen sie es bei unseren Ladys, die oft sich gegen eine Abwechslung nicht wehren wollen, im Gegenteil. Ausländer-Hund raus und wenn es nicht anders geht, beißen wir dir die Hoden ab. Wenn sich einheimische Hunde treffen, sprechen sie von den guten alten Zeiten, als ein Führer sie gegen Bastarde hetzte. Klar, wer von außen kommt, kann nur eine Straßenmischung sein. Nein, das werden wir uns nicht gefallen lassen. Die sollen halt wo anders verrecken, das ist uns egal!

Haben die Hunde an etwas gedacht? Wenn sie jahrein, jahraus unter sich ficken, bekommen sie am Ende Wasserköpfe und da ist es aus mit dem Herrschervolk. Lauter Deppen wären am Werk und nicht imstande für Chappi zu sorgen oder vieles mehr. Dieses Hundereich würde in die Dekadenz rutschen und sich letztendlich selbst vernichten. Das hat Gott so geplant, der eine perverse Multikulti-Gestalt ist. Also auch ein Drecksausländer, der nur das KZ verdient hat. Das hat der Bund der vaterländischen Hunde bei der Montagsdemo in Dresden verkündet. Hund ist nicht Hund. Wir sind das Volk!

Wir haben es hier nur mit Hunden zu tun. Menschen wären nie imstande so zu denken und zu reagieren. Sie sind gebildet, belesen, edel. Sie wissen, dass wir alle gleich sind, ob weiß oder schwarz, ob gelb oder rot und durch ihre erlesene Erziehung, würden sie niemals eine Regierende an den Galgen hängen wollen – nicht einmal verbal. Aber was kann man anderes vom Hundevolk erwarten? Mit Wau-Waus können sie nicht ihre Gedanken differenzieren. Sie drücken sich plump aus und haben keinen Goethe unter ihren Vorfahren. Wir hingegen sind von der Philosophie beflügelt und hätten niemals zugelassen, dass ein Führer uns mit Hass erfüllt. Keine Angst, ich werde mich niemals in einen Hund umwandeln. Ich liebe die Menschen zu sehr um das zu tun.

In diesem Sinne, „wau-wau“,
alles Liebe aus der Hundehütte
Pierre

//pm

Tigeraugen, milchig gelb,

Grollen aus den Tiefen der Kehle.

Taxierendes Hin-und-Her-Tänzeln.

Wer schlägt zuerst zu?

Zwei wache, stechende Augenpaare.

Bin ich ein Feind?

Die Blicke in die Seele des anderen gebohrt,

Wer gibt auf?

Keiner von uns kann sich lösen

aus der Situation des Momentes.

Weiteres Grollen,

er versteht mich nicht.

Geht es für ihn um Revier und Stolz?

Was ist mit mir?

Was ist mein Grund für diesen Kampf?

Ich grübele, verliere nicht die Konzentration.

Er hat seinen animalischen Instinkt.

Was habe ich zu bieten?

Seine Bewegungen, Fell, Körpergröße,

stets majestätisch!

Wie viel Adel steckt in mir?

Er faucht, versteckt sich

hinter einem Hügel des Geheges.

Ich stehe versteinert.

Bin ich eine Bedrohung?

Warum bin ich hier?

Sein Schrei zerreißt

die Leichtigkeit des Momentes.

Strafe folgt auf Unaufmerksamkeit.

Laut scheppern die Gitter,

das Herz setzt für einen Moment aus.

Der Tiger war über mir.

Könnte ich, wie ich wollte:

ich würde Dir die Freiheit geben!

© Thomas Dietsch