Liebe Petra,

während der großen Pest, wurde viel gefeiert, gesoffen, gevögelt, gefressen, um das Böse zu verjagen und das war die Illusion, dass sich somit die Epidemie ganz einfach besiegen lässt. Das war natürlich ein Trugbild, machte aber das Sterben erträglicher und vielleicht ist das unsere letzte Waffe, um gegen den islamischen Terrorismus Stand zu halten. Auch wenn es uns nicht danach ist, müssen wir beweisen, dass wir uns das Schöne am Leben nicht vermiesen lassen. Klar, wir dürfen uns nicht in unseren vier Wänden verschanzen, mit dem Glauben, dass wir uns somit retten können. Was in Brüssel, durch eine selbst inszenierte Schlamperei entstanden ist, ist eine Kapitulation. Man ließ die Islamisten jahrelang gewähren, eher aus Bequemlichkeit und jetzt hat man die Bescherung. Damit kann die IS einen riesigen Erfolg buchen und man sieht, was die Verbreitung der Angst anstellen kann. Wenn meine Knochen nicht streiken würden, würde ich jetzt tanzen, in Konzerte gehen und die Sau herauslassen. Zugegeben, die Lust fehlt mir ein wenig, aber mit Trübsal erfülle ich ausgerechnet, was sich die sehr gescheiten Strategen des Kalifats ausgedacht haben: Unsere so hochtechnisierte Gesellschaft lahm zu legen. Bravo, Ziel erreicht!

Positives Denken reicht aber nicht aus. Man sollte sich Gedanken machen, wie es dazu kommen konnte, dass junge Menschen, die aus unseren Ländern kommen, so verzweifelt sind, den Selbstmord hinzunehmen. Ja, das passiert in „unserem Land des Lächelns“, eher des Grinsens. Sich in die Luft jagen zu lassen kostet viel Überwindung und sie kann nur durch einen tiefen Frust und durch eine totale Ziellosigkeit entstehen. Junge Leute, die sich von unserem Wohlstand überrollt fühlen, entdecken irgendwann, dass der Tanz um das goldene Kalb, nur ein Betrug ist. Das nehmen perfide Prediger als Argument, um ihnen die Illusion zu vermitteln, dass endlich ihr Leben, durch den Glauben, wieder einen Sinn haben kann – je radikaler, desto besser. Auch sie sind Betrüger, weil es letztendlich nur um Moneten und Macht geht. Trotz der Grausamkeiten, die dadurch entstehen, müssen wir auch in unserem Stall ausmisten. Ja, wir tragen eine große Verantwortung zu diesen Umständen, weil wir nur den Konsum hoch loben, den Mensch an seinem Portemonnaie bemessen. Werte wurden weggefegt zu Gunsten der Habgier – alles dreht sich nur darum und ist für Heranwachsende eine bedenkliche Perspektive. Kein Wunder, dass diejenigen, die sich benachteiligt fühlen und sich geistig aufgegeben haben, Amok laufen. In diesen hoch destabilisierten Kreisen werden die „Soldaten“ rekrutiert. Es ist zu einfach den Fanatismus und die Manipulation als Hauptursache vorzuschieben. Nur ein bestimmter Typus Leute kommt dafür in Frage und leider sind es immer mehr, weil wir sie nicht auffangen wollen. In Frankreich oder in Brüssel sind eklatante Beispiele eines Mangels an Integration zu verzeichnen. Die meisten der Benachteiligten sind Landsleute, haben einen europäischen Pass und werden dennoch wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Wenn wir die Zukunft besser gestalten wollen, müssen wir diese Zustände ändern. Der erste Schritt wäre, die Bevölkerung mit Migrations-Hintergrund auf alle Quartiere einer Stadt zu verteilen und die Ghettos abzureißen. Dann muss es vermischte Schulklassen geben, die einen direkten Kontakt zu den Kids untereinander ermöglichen – um sich einfach kennenzulernen, um die Vorurteile und die Ausgrenzung effizient zu bekämpfen, denn nur so werden wir die Lage verbessern können. Das aber braucht mehrere Generationen und kann nicht den heutigen Terrorismus anhalten. Es ist eine Zeitfrage und in diesem Punkt ist der IS im Vorteil. Er wird alles tun, um zu beweisen, dass wir ausländerfeindlich sind. Wenn sich dadurch die Spannungen vermehren, kann es zu einem Bürgerkrieg kommen und es liegt an uns, dies zu vermeiden.

Eigentlich wollte ich einen “leichten“ Brief schreiben, aber das ist mir leider nicht gelungen. Verfolge ich somit das Ziel der Bärtigen? Vielleicht schon. Und wie wäre es, Karneval zu feiern, zu blödeln? Her mit dem Stoff, dass ich mich endlich in Stimmung versetzt!

In diesem Sinn, eine liebe Umarmung

 

Pierre

//pm

Die Welt ist in Unordnung. Der Nahe Osten ist ein Pulverfass. Nicht nur, dass der Terror herrscht. Islamischer Staat und andere Terroristen machen ganze Gebiete unsicher. In vielen Ländern wie Libyen, Tunesien, Irak, Afghanistan gehen sich die Bevölkerungsgruppen untereinander an den Kragen. Die Lage ist außer Kontrolle, die öffentliche Sicherheit ist in Gefahr. Man ist sich buchstäblich seines Lebens nicht mehr sicher.

Jetzt schossen die Türken auch noch einen russischen Bomber über Syrien ab. Was gestern noch höchst strittig war, ob der Abschuss über der Türkei erfolgte und das Flugzeug nur über Syrien abgestürzt ist oder das Flugzeug durch die Türken über Syrien abgeschossen wurde, wurde heute traurige Gewissheit: Wärmebildkameras sollen es bewiesen haben, dass das Kampfflugzeug über Syrien abgeschossen wurde. Das bestätigen US-amerikanische Quellen. Hart! Wir wollen unterstellen, dass das türkische Militär wirklich versehentlich davon ausging, der Flieger habe sich im türkischen Luftraum befinden. Der russische Außenminister Lawrow hat bereits erwähnt, man werde mit dem NATO-Land Türkei keinen Krieg führen, sehe aber in der Aktion eine Provokation und einen „Hinterhalt“. Für eine Normalisierung der schwer beschädigten Beziehungen zwischen den beiden Ländern müsse die türkische Regierung anerkennen, dass der Vorfall absolut unzulässig war, forderte Lawrow. Das kann nicht allzu schwer sein, sich auf diplomatischem Wege zu entschuldigen. Markige Worte, „Säbelrasseln“, können sehr leicht ausarten. Greift Russland die Türkei an, ist die NATO mit dabei. Das bedeutet Weltkrieg! Deshalb betont Lawrow auch, dass man es auf einen Krieg mit der Türkei nicht anlege. Eine weise politische Entscheidung. Wollen wir hoffen, dass die Türken entsprechend reagieren!

Es fällt mir schwer, diese Zeilen zu schreiben. Zwischen ihnen lauert die Angst. Es ist die Angst vor dem Ungewissen, vor Unbesonnenheit. Kocht das Blut, legt sich ein Schatten auf den Geist, Vernunft und Verstand sind wie erstarrt. Vielleicht ist das der Moment, von dem man so oft sagt, dass man nicht wisse, was man tut. Dieser „rote Knopf“ ist so leicht gedrückt, auch wenn man vorher jede Menge Zahlencodes durchgehen muss. Kann man nicht einfach vernünftig miteinander reden?! Ist es denn so wichtig, dass Assad weiter russische Panzer und Waffen kauft? Kann man nicht einfach den IS aus dem Land werfen? Ein amerikanischer Oberst a.D. vertritt die Ansicht, der IS werde militärisch überschätzt. Gemeinsame Bodentruppen seien in der Lage, die Terroristen auszuheben.

Wer hätte gedacht, dass man irgendwann eine solche Rhetorik an den Tag legt? Aber was ist die Alternative? Diese Welt wird derzeit von Worten nicht besser. Und die Terroristen, die uns gegenüberstehen, haben Ziele. Das ist die Weltherrschaft, ein sogenannter „Gottesstaat“. Den will keiner. Sie respektieren keine Minderheiten, anderes Denken, andere Kulturen. Sie sind Ignoranten, was Traditionen und Weltkulturerbe angeht. Die meisten von ihnen sind sehr wahrscheinlich auch extrem ungebildet. Man erzählt ihnen eine Mär, etwas stünde im Koran, und sie fangen an zu töten. Man wird den Islamischen Staat mit Worten nicht besänftigen können. Jegliche Wertvorstellungen und Arten des mitmenschlichen Umgangs sind dessen Mitgliedern fremd. Unsere Kultur – was rede ich? – die Kultur der Menschheit wird von wenigen mit Füßen getreten, soll vernichtet werden. Wer auf Traditionen und Leistungen aus der Vergangenheit von Anderen keine Rücksicht nimmt, hat keine solche von uns verdient. Der IS hat uns eines gelehrt: unsere Regeln, unsere Traditionen und unsere ganze Welt können eines Tages zu Nichts werden. Wir sind gehalten, Sie zu verteidigen. Jeder einzelne von uns, wenn wir weiter als gebildete Menschen leben wollen. Das umfasst alle Menschen auf der Welt, alle Religionen und Kulturen. Denn eines eint uns: Die Fähigkeit, miteinander zu kommunizieren, den Anderen zu respektieren und ihn zu achten. Und diese Werte gilt es zu leben!

© Thomas Dietsch

Besonders derzeit scheint die Anzahl an Horrormeldungen stetig größer, statt kleiner zu werden, die Krisen immer dramatischer. Paris, die Krim und Syrien. Oft verfallen wir angesichts solcher immer wiederkehrender Abfolgen von Hiobsbotschaften in eine Schockstarre, manche gar in einen Trotz, schotten uns von der negativen Nachrichtenkultur ganz ab. Doch wird die Welt wirklich immer nur schlechter? Peter Diamandis vertritt in seinem TED-Talk „Abundance is our Future“ (Überfluss ist unsere Zukunft) die Meinung, dass die Welt eigentlich ganz in Ordnung ist, wir aber durch die Medien einen falschen Eindruck vermittelt bekommen.

Ein Eindruck, der 24/7 vor allem von negativen News geprägt ist. Kein Zufall, wie Diamandis erläutert: „Unsere Sinne nehmen jeden Tag mehr Informationen auf, als das Hirn verarbeiten kann“. Dies erfordert ein Filtern von Daten, was vor allem von unserem Überlebensdrang bestimmt wird. Die erste Anlaufstelle aller Informationen ist die Amygdala, ein Teil des Temporallappens, der uns als „Frühwarnsystem“ dient und Gefahren zu erkennen versucht. Schlechten Nachrichten schenken wir also unbewusst mehr Aufmerksamkeit! Nichts ist für uns wichtiger, als zu überleben!

Die alte Nachrichtenweisheit „If it bleads, it leads“, ist traurige Wahrheit. Positive Meldungen gehen seitens der Medien bewusst unter. Kein Wunder, dass diese einseitige Berichterstattung für viele Menschen in der Wahrnehmung eines schlechten Weltbilds, sogar in Pessimismus endet. Diamandis betont aber, dass dieses Gefühl nicht der Realität entspricht. Es handelt sich hier um eine Wahrnehmungsverzerrung, die unser Urteilsvermögen unbewusst irreleitet.

In vielen Bereichen des Lebens geht es uns nämlich besser als je zuvor. Nicht nur unsere Lebenserwartung, sondern auch Technologien tragen dazu bei. Innovationen wie das Internet und Google tragen dazu bei, dass immer mehr Menschen Zugang zu Bildung haben. Wir teilen unser Wissen, ein enorm positiver Effekt, der dabei helfen kann, dass mehr Menschen zu neuen Lösungen beitragen können.

Dazu kommt auch, dass es uns logischerweise durch die Digitalisierung im Vergleich zu früher, immer umfangreicher und schneller möglich ist, von Geschehnissen zu erfahren. Immer öfter wenden sich Menschen von Schreckensmeldungen ab, sie treibt eine Sehnsucht nach positiven Entdeckungen, Entwicklungen und Projekten. Erfreuliche Nachrichten füllen ganze Websites, bestes Beispiel auch die Rubrik „GOOD“ der Huffington Post. Glaubt man einem Journalisten der ZEIT, dann sind „Constructive News“ die Zukunft. Konstruktive und positive Meldungen, die dabei helfen, dass der Fokus auf Lösungen liegt, nicht auf Problemen. Dies könnte eventuell dazu führen, dass es im Umkehrschluss weniger negative Meldungen geben wird.

Ob wir Diamandis nun glauben wollen oder nicht, Fakt ist: Natürlich haben wir Probleme. Vieles läuft gewaltig schief in der Welt. Das Wissen, dass mehr Positives passiert, als wir mitbekommen, kann aber motivieren, uns auf die Lösung dieser Probleme zu konzentrieren. Aber der Autor trifft den Nagel auf den Kopf: Trotz aller Probleme werden wir diese lösen. Die Welt ist also doch ein bisschen mehr in Ordnung, als wir denken. Irgendwie tröstlich.

Das hat nichts mit Schönfärberei zu tun. Jede Meldung enthält eine Message, deren Verfasser gibt uns seinen Eindruck der Dinge weiter. Zensiert werden wir nicht, wir sind es nur gewohnt, die Geschehnisse zuerst negativ zu sehen. Bei einem Managerseminar malte der Dozent mehrere Smilies an das Board. Alle außer einem lächelten. Die Mehrzahl der Teilnehmer verwies darauf, dass einer traurig sei.

Und zu guter Letzt: Geschehen positive Dinge, ist dies normal. Passiert Fürchterliches, müssen wir berichten. Das ist der Punkt. Attentate wie in Paris werden verübt. Das ist nichts Positives. Aber ein wenig mehr positive Nachrichten zeigen unsere Welt in einem ausgeglichenem Zustand, machen sie vielleicht ein bisschen besser.

Es regnet viel die letzten Tage. Und jetzt zum Wochenende soll es kälter werden. Schnee wurde uns prophezeit … Es ist, als ob der Himmel weint. Weint um die Opfer, die bei dem Anschlag Freitag vor einer Woche ums Leben kamen. Große Anteilnahme! Das ist auch korrekt! Ein fürchterliches Verbrechen. Alle drei oder fünf Sekunden stirbt laut Unicef heute Nacht ein Kind. Unterversorgung an Nahrungsmitteln und Medikamenten, Landminen, etc.. Eine erschreckende Bilanz, mit der wir jeden Tag leben, jede Stunde, jede Minute und jede Sekunde. Aus den Augen, aus dem Sinn! Die Kinder, die da sterben, sind nicht unsere eigenen. Was geht es mich also an?! Wer sagt; „Nichts!“, ist meines Erachtens verantwortungslos. In einer Phase des globalen Wirtschaftens schulden wir den Menschen in Afrika, im Orient, in Asien – wo auch immer – eine helfende Hand. Ihre Produkte kaufen wir für billiges Geld ein. Unter anderem auch ihr Erdöl. Billiges „Shoppen“, Luxus, verbunden mit Gleichgültigkeit. Das ist schofel! In anderer Hinsicht leisten wir uns Kriege, um diese Art des Wohlstands zu sichern. Diese kosten uns Millionen, wenn nicht Milliarden! Geld, investiert um zu töten, das uns andererseits fehlt, um Leben zu retten. Das ist im Klartext gesprochen: Pervers! Kriege zu beenden heißt nicht nur, mit dem Morden aufzuhören, nein, es wir auch Geld frei, um Leben zu retten.

Kommen wir zurück auf die Morde von Paris. Die Opfer und deren Angehörige verdienen unser Mitgefühl. Aber wir nehmen nur selektiv wahr, was heißt, dass nur das, was uns nahesteht, auch wirklich wahrgenommen und kommuniziert wird. Die Franzosen sind unsere Freunde, Paris belegt die Schlagzeilen unserer Presse. Wenn in dem Moment, in welchem ich jetzt diese Zeilen schreibe, irgendwo im Libanon oder in Afghanistan eine Bombe hochgeht, dann interessiert das wahrscheinlich niemanden. Es empört sich niemand mehr, weil es in diesen, wie in so vielen anderen Ländern auch, zur perversen Normalität geworden ist, dass in einer sicheren Regelmäßigkeit Menschen ermordet werden. Ja, ist es normal, bleibt die Empörung aus. Aber Hand aufs Herz: Kann das dazu führen, dass wir mit den Menschen an diesen Orten nicht mitfühlen?! Wohl nein, oder?!

Ich denke, wir sollten uns wieder einmal fragen, was uns die Worte „Sym-Pathie“ (Die Fähigkeit, mit anderen Freude und Leid zu teilen), „Normalität“ und „Anstand“ bedeuten. Sympathie empfingen wir nur mit jenen, die uns bekannt sind. Fremde – unter anderem fremde Kulturen – sind uns suspekt. Wir lehnen das eher ab. Wie kann sich jemand als „weltoffen“ bezeichnen, der so empfindet und handelt?!

Normal ist das, was der Norm entspricht. Die Norm ist die Regel, geschieht etwas regelmäßig, ist es norm-al. Aber ist es nicht so, dass wir uns selbst die Gesetze geben, den Ablauf unserer Tage bestimmen? Ich rede hier nicht von Naturgesetzen (falls es diese im eigentlichen Sinne überhaupt gibt!). Die Norm ist nicht etwas Unangreifbares, wir können sie beeinflussen, abändern. Ich muss mich nicht in die Tatsache fügen, dass täglich Bomben explodieren. Selbst die Attentäter sind nicht gezwungen, Bomben zu zünden. Sie tun es freiwillig. Ist das so, dann kann man von den Morden auch Abstand nehmen.

„Als Anstand wird in der Soziologie ein als selbstverständlich empfundener Maßstab für ethisch-moralischen Anspruch und Erwartung an gutes oder richtiges Verhalten bezeichnet. Der Anstand bestimmt die Umgangsformen und die Lebensart“ (Karl-Heinz Hillmann, „Wörterbuch der Soziologie“, 5. Auflage). Wie hieß das früher? „Das tut ein braver Junge nicht!“. Und wenn uns das Leid der vielen Menschen auf der Welt so egal ist, dann ist es einfach nicht anständig. Das tut man nicht!

Befreien wir unseren Geist von den Scheuklappen! Manche wurden uns aufgesetzt, manche tragen wir vielleicht, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Nur kritische Menschen können auch weltoffen sein. Und wir werden in diesem 21. Jahrhundert diese Art von Menschen brauchen, um die Welt zu bewegen.

© Thomas Dietsch

Du strebst nach Sicherheit? Dein heimeliges Häuschen warm, gefüllt von Liebe, Geborgenheit, ein sicherer Ort deiner Seele? Vergiss es! Es gibt heutzutage keine Sicherheit. Wirtschaftlich, politisch, privat – nichts ist sicher, wenn du es mit Menschen zu tun hast. Sicher ist sicherlich deine Angst um deine Sicherheit und sicher ist auch die Tatsache, dass wir und nichts unendlich sind. Das irrsinnige Streben der Deutschen nach Sicherheit ist zum Kotzen. Wie schnell ist der gut bezahlte Job weg, wenn du zum alten Eisen gehörst und wie vergänglich ist deine Beziehung? Es gibt keinerlei Sicherheit und deshalb ist unser extremes Bedürfnis nach Sicherheit auch mit Sicherheit Blödsinn. Unlängst haben uns die politischen Ereignisse in Paris die Sicherheit genommen, dass wir gemütlich in einem Café sitzen können oder ein Rockfestival besuchen. Kaum haben wir die Kohle ein wenig zinsbringender angelegt, kommt garantiert das Schreiben, dass der Zins leider nun nur noch bei 0,01% liegt. Mit Sicherheit aber profitieren weiterhin die Finanzinstitute und Banken, die uns abzocken und mit unserem sicheren Geld wirtschaften. Die Drecksäcke waren schon immer schlau. Sicherheit? In den sicheren Armen der Liebsten angekommen und ausgebreitet, stellst du fest, dass du nicht der Einzige bist, den sie mit Sicherheit belügt. Und sind die heimischen Katakomben wirklich sicher? Wie die neueste Statistik bewiesen hat, gibt es in Deutschland aktuell alle 1,5 Sekunden Wohnungseinbrüche, die mit Sicherheit nicht alle aufgeklärt werden können – Tendenz steigend. Reisen wir sicher durch die Welt mit dem sichersten Verkehrsmittel, dass es gibt? Es könnte sein, dass genau dieses – mit allen Sicherheitsvorkehrungen ausgestattete Flugzeug – einen höchst unsicheren, psychologisch desolaten Piloten hat, der es zum Absturz bringt oder genau dieser Jet wird von der IS bombardiert. Was also ist schon sicher?
Sicher ist, dass die Versicherungen mit unserem Sicherheitsbedürfnis einen Haufen Geld verdienen und sicher ist auch, dass mit der Angst vor der Altersarmut Profite gemacht werden. Was mit Sicherheit passiert, ist, dass wir derzeit höchst verunsichert die Weltlage beobachten und keinerlei Sicherheit mehr haben. Eine vorgegaukelte Sicherheit ist unser erspartes Altersgeld, unsere Immobilien, unser Zuhause. Stimmt das denn? Mit Sicherheit nicht, denn die Gefahren steigen und es gibt heute kaum ein solides Geschäft, bei dem wir nicht über den Tisch gezogen werden. Der Abgasskandal von VW zeigte unlängst ebenfalls deutlich, wie die Verbraucher verarscht werden. Sie wollten etwas Gutes tun und hatten ein sicheres Gefühl bei dem Führen eines abgasfreundlichen, sparsamen Autos. Sicherheit bedeutet gar nichts und alles, was bisher sicher erschien, steht entweder später auf wackeligen Beinen oder hat sich mit Sicherheit nicht bewährt. Das extrem hohe Sicherheitsbedürfnis des Menschen zwingt sie, ungewohnte Bahnen nicht! auszuprobieren und lieber auf Nummer sicher zu gehen, als sich rebellisch gegen die Norm zu stellen. Das führt zu einem „auf-der-Stelle-Treten“ und man kann mit Sicherheit sagen: Das hilft niemandem weiter und führt mit Sicherheit weder zu einem beglückenden Gefühl noch zu neuen Wegen. Im Zeichen der Sicherheit stagniert und stolpert vieles, was mit Sicherheit großartig wäre. Überraschungen übrigens nahezu ausgeschlossen. Sicherheit ist eine Farce. Es gibt sie nicht. Scheiß auf die Sicherheit! Die einzige Sicherheit, die wir haben, ist die, dass wir alle endlich sind und mit Sicherheit eines Tages in der Kiste landen werden. Und seien sie versichert: auch dort gibt es keinerlei Sicherheit vor Wurmfraß und Verwesung. 😉

 

© Petra M. Jansen

 

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Terroranschläge kosten nicht viel. Das FFnI, das norwegische Forschungsinstitut des Verteidigungsministeriums, wertete Anschläge von 40 Dschihadistenzellen in Europa zwischen 1994 und 2013 aus. Ergebnis: Terroristen brauchen für Planung und Durchführung von Attentaten keine großen Summen. Drei Viertel der Anschläge kosten weniger als 10.000 Dollar. Das teuerste sind Waffen und Sprengstoff.

Der Islamische Staat (IS) braucht im Irak und Syrien dennoch Millionen. Man muss seine Existenz sichern, die Stammesfürsten bei Laune halten, Logistik, Trainingscamps und Waffen finanzieren.

Um die Verbrecher zu bekämpfen, muss man ihnen die Finanzquellen abschneiden, den Geldfluss unterbinden. Auf dem jüngsten G20-Gipfel in Antalya machten die Staats- und Regierungschefs den Kampf gegen die Terrorfinanzierung zu einem der Hauptthemen. Präsident Erdoğan wollte das Thema ganz oben auf der Agenda haben

Gründe dafür gab es genug: die Anschläge in Ankara Anfang Oktober, der Absturz des russischen Touristenfliegers über dem Sinai und jetzt die Angriffe in Paris.

Neu ist diese Forderung nicht. Seit 9/11 in New York will die westliche Welt den internationalen Terrornetzwerken die finanzielle Basis entziehen. Wenige Wochen nach dem Anschlag 2001 verabschiedeten die G7-Staaten einen Aktionsplan. Ergebnis: In 150 Staaten wurden Konten mit Guthaben von mehr als 100 Millionen Dollar eingefroren. Die Financial Action Task Force (FATF), eine Unterorganisation der OECD, die sich um Geldwäsche kümmert, präsentierte Richtlinien für den Kampf gegen die Terrorfinanzierung.

Finanzielle Unterstützung von Terroristen wird unter Strafe gestellt, Gelder beschlagnahmt.

Trotz aller Anstrengungen konnten Terrornetzwerke wie der IS entstehen, in den vergangenen Jahren organisierten sich in Nord- und Westafrika radikale Netzwerke wie Ansar Bait al Maqdis in Ägypten oder Boko Haram in Nigeria. Das Grundproblem: Terrorismus ist transnational, seine Finanzströme auch.

Leider sind die Vorgaben der FATF rechtlich nicht bindend, sondern nur ein Empfehlungskatalog. Auch Deutschland ist noch dabei, den Katalog aus dem Jahr 2012 abzuarbeiten. Erst diesen Sommer machte die Bundesregierung unter anderem die Terrorfinanzierung zu einem Straftatbestand. Sie steht unter Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.

Laut aktueller Bilanz der FATF haben nur etwas mehr als die Hälfte der untersuchten Organisationen, darunter die bisher 34 Mitgliedsstaaten, Terrorfinanzierung unter Strafe gestellt, Sanktionen werden viel zu selten verhängt. Beim Einfrieren von Geldern sieht es nicht anders aus: Saudi-Arabien führt das Ranking an, Konten mit mehr als 31 Millionen Euro wurden gesperrt. Danach folgen die USA mit rund 20 Millionen Euro. Deutschland hat über die Bundesbank gerade einmal 5.300 Euro sperren lassen. Die Liste ist lückenhaft.

Zudem scheitert die Umsetzung oft an mangelnder Koordination. In Deutschland ist es schon eine Herausforderung, zwischen Bund und Ländern für einen effizienten Informationsaustausch zu sorgen. Auf internationaler Ebene ist das Ganze noch schwieriger.

Vor allem aber sind die Terroristen inzwischen sehr erfolgreich, informelle Wege für ihre Geldtransfers zu erschließen. Klassische Finanzierungswege, wie etwa die Unterstützung durch reiche Einzelpersonen oder islamische Wohlfahrtsorganisationen existieren weiterhin, unter anderem für Al-Kaida und das Hawala-System.

Die meisten Terrororganisationen nutzen zunehmend digitale Methoden. Auf Bankkonten sind sie nicht mehr angewiesen.

Die digitale Währung Bitcoins spielt hier eine bedeutende Rolle. Hierdurch machen sich die Terroristen derzeit unangreifbar.

Den IS von Geldzuflüssen aus dem Ausland abzuschneiden, fällt allein schon deshalb schwer, weil sich die Terrororganisation inzwischen zum Großteil selbst finanziert: Der IS hat in seinen Herrschaftsgebieten im Irak das bestehende Besteuerungssystem übernommen, das oft Erpres-

sung ähnelt. Nach Informationen von FATF verteilt er mit akkurater Buchführung seine Einnahmen. Er beutet heimische Ölvorkommen aus und lebt von Bargeldreserven aus Beutezügen. Wenn kein Konto im Spiel ist, hilft das beste Überwachungssystem nichts.

Der Islamische Staat ist eine Beute-Ökonomie. Er muss ständig neue Gebiete erobern, um sie zu plündern. Hieran ging bereits das Römische Reich zugrunde. Wenn man den Schmuggel vollständig unterbindet, wird der IS über kurz oder lang implodieren.

Wichtig ist weiterhin, mit militärischen Anschlägen Ölförderanlagen, Raffinerien und Pipelines des IS lahmzulegen. Es kostet den IS circa 230.000 US-Dollar, um eine Raffinerie wieder aufzubauen, das schwächt diesen extrem.

Die Verbrecherorganisation IS muss finanziell unattraktiv werden. Wenn lokale Stammesfürsten keine Privilegien mehr erhalten, werden sie sich von ihm ab- und dem Westen zuwenden. Um 2005 ist es den Vereinigten Staaten im Irak gelungen, lokale Machthaber auf ihre Seite zu ziehen. Eine solche Entwicklung ist der GAU für Terrororganisationen. „Scheitert der IS, dann implodiert ein Symbol für die Islamisten“, laut Peter Neumann, Terrorismusexperte vom King’s College in London..

Die meisten von uns kennen das Phänomen nur aus Geschichtsbüchern und den Nachrichten: Die Katastrophe, das Unglück, Morden, was auch immer – genannt: Krieg! Im Europa nach 1945 ist unsere Generation als auch die nach uns aufgewachsen in einer Phase und auch in einem Raum des Friedens. Unvorstellbar, dass sich dies einmal ändern könnte. Mit Spannung, teilweise Entsetzen haben wir den Erzählungen unserer Großeltern und jenen unserer Eltern, die damals selbst noch Kinder waren, zugehört. Wir haben die Kinderlieder wie „Maikäfer flieg …“ noch mit leichtem Schaudern und Gänsehaut im Bettchen abends gesungen. Eine Welt, die nicht die unsrige war. Weit entfernt, das passierte uns nicht, da würden die Eltern – oder auch die „Großen“ – schon darauf achten. Diese Haltung nimmt man mit ins Erwachsenenalter. Man geht hin wo man will, man sagt und macht, was man will. Solange man gegen kein Gesetz verstößt, stört dies niemanden.

Nicht erst die Anschläge in Paris haben es verdeutlicht, es ist eigentlich schon länger absehbar. Die fruchtbaren Morde in Paris haben es uns nur noch einmal in aller Härte vor Augen geführt: Wir sind im Krieg! Heute morgen hörte ich einen Kommentar im Radio, der mich sehr nachdenklich machte: Es sei ein Krieg, der wahrscheinlich (eine Prognose!) dreißig Jahre dauern würde. Vorbei mit dem Kokon der Sicherheit, aus mit der Sonne des Friedens. Paris hat es gezeigt: Wir haben in unserer modernen Epoche ein Gut, das zuvor nicht selbstverständlich war: die Freizeit. Sie gehört uns allein, man ist absolut privat bis hin zu intim, keiner spuckt einem da in die Suppe. Freizeit steht mit Freiheit in Einklang, die Zeit, die ich für mich selbst gestalten kann. In dieser Zeit suche ich mir Beschäftigungen, die ich mag, ja liebe. Ich mache das, was ich gerne tue. Es ist einfach schön! Und genau das haben die Verbrecher von Paris kaputtgemacht, so, wie es an vielen Orten in der Welt vorher auch schon passierte. Der 11. September 2001 war für die Vereinigten Staaten eine Zeitenwende. Genauso verhält es sich mit dem 13. November 2015, was Europa angeht. Mit den Opfern, die wir betrauern, wurde uns das Gefühl der Sicherheit gestohlen. Von jetzt bis in eine unbestimmte Zukunft. Die Idylle eines Straßencafés im Frühjahr des nächsten Jahres kann von jetzt auf nachher zur Hölle werden. Die Angst sitzt uns im Genick! Angst, das Gefühl der Bedrohung vor etwas, das man nicht greifen kann. Angst macht orientierungslos, zum Teil sogar wütend. Im bisher sicheren Europa wissen wir nicht, wie wir damit umgehen sollen. Und genau das wollen die Terroristen erreichen!

Aber das Gefühl der Angst lässt auch nach. Junge Menschen in Jerusalem und Tel Aviv sagten zum Beispiel vor einiger Zeit in einem Interview, dass sie nach wie vor in Straßencafés und Diskotheken gehen. Trotz der Gefahr eines Anschlages. Jene junge Menschen in Israel sind in dieser Art Krieg, in der wir uns jetzt befinden, aufgewachsen. Und das erinnert mich ein wenig an die Erzählung meiner Eltern: man kannte es als Kind nicht anders! Entscheidend ist aber, dass uns am letzten Freitag ein gehöriges Stück Lebensqualität gestohlen wurde. Sich des Risikos eines Anschlages bewusst in einer Menschenmenge zu bewegen ist nicht das Gleiche wie dies unbefangen zu tun, ohne Argwohn.

Die Art zu kämpfen hat sich verändert. Man schaut dem Feind nicht mehr außerhalb auf dem Schlachtfeld ins Auge. Man sieht ihn nicht mehr kommen. Er ist unter Umständen unter uns in unserer bisher friedlichen Straße. Er kommt auch nicht zwingend aus einem fremden Land. Die Anschläge der Rote Armee Fraktion (RAF) in den 1970er Jahren haben es bewiesen. Und er fragt sich auch nicht mehr, ob ich eine reelle Chance habe, mich zu verteidigen. Er tötet wahllos und heimtückisch. Er macht keinen Unterschied zwischen Männern, Frauen und Kindern, zwischen Jungen oder Alten oder zwischen Streitkräften und Zivilbevölkerung. Die Verbrecher von Paris kannten die Begriffe der Feigheit und der Heimtücke nicht. Sie haben sich als Herren über Leben und Tod von unschuldigen Menschen aufgeschwungen. Wir werden diesen Krieg durchleben müssen, uns wappnen. Unsere bisherige militärische Taktik und Strategie sind überholt, unsere Regeln zu kämpfen nutzlos!

Wir stehen am Anfang einer neuen Epoche.

© Thomas Dietsch

Ich wollte eigentlich zum Wochenende etwas anderes schreiben. Irgendetwas lustiges, über Liebe, Vergnügen, Entspannung. Schlichtweg etwas Schönes! Es kam anders … Der gestrige Freitag der 13. hat seinem Namen wieder alle Ehre gemacht. Abergläubige haben wieder mit allem gerechnet: mit Stürzen, verpassten Terminen, Zuspätkommen, Autounfällen usw.. Aber damit nicht. Wer könnte das in seinen übelsten Alpträumen? Wer hat mit so einem Verbrechen, einem Massenmord an unschuldigen Zivilisten gerechnet?! Niemand! Wie hat die Süddeutsche Zeitung geschrieben? Es war ein Angriff auf alles Schöne: „Die Attentäter zerschossen den Feierabend der Franzosen, der Terror traf sie im Fußballstadion, in Restaurants, in der Konzerthalle“. Sie haben alles kaputtgemacht, dabei viele Leben ausgelöscht. Die, die meinen, der richtigen Religion zu dienen. Die, die aus dem heiligen Buch des Koran die Anweisung herauslesen, Massenmord begehen zu dürfen. Diejenigen, die einen Staat wie zu Mohammeds Zeiten errichten wollen. Ja, noch mehr: einen angeblichen Gottesstaat. Aber nennen wir das Kind beim Namen: die Typen sind Lügner, Heuchler, schlichtweg Verbrecher. Man missbraucht die Religion zum Zwecke eigener politischer Ziele. Mohammed war ein weiser Mann, ein Religionsstifter. Jeder Koranexperte wird bestätigen – unter dem geschichtlichen Hintergrund – dass die Taten des Islamischen Staates nicht im Sinne Mohammeds sind. Gott ist ein gerechter Gott. Die gestrigen Taten waren nicht gerecht: es wurde massenweise grausam und grundlos getötet und zerstört. Mit einer Steinbruchmentalität wird das, was in den eigenen Kram passt, aus dem Koran herausgeklopft und zu einer Strategie zusammengefügt. Einer Strategie des Mordes! Jeder gläubige Muslim wird mir recht geben, wenn ich behaupte, dass die heiligen Bücher, also auch der Koran, weise Bücher sind. Sie enthalten Regeln zum Umgang der Menschen untereinander und Regeln für das Verhältnis der Menschen zu Gott. Es gibt medizinische Hinweise, wie Fasten, und geschichtliche Hintergründe. Liest man diese Bücher richtig, vor allem auch im Zusammenhang, dann kann der Geist davon nur profitieren. Die heiligen Bücher enthalten Ratschläge für das Leben, sie sind keine Handbücher zum Töten. Aber was bedeuten solche Sätze, wenn die heiligen Schriften in die Hände ungebildeter Verbrecher kommen, die deren geistige Tragweite gar nicht erfassen können?! Ja, noch schlimmer: diese „Frontmänner“ sind billige Handlanger weniger Strippenzieher im Hintergrund, die ersteres instrumentalisieren, um ihre eigenen Interessen zu realisieren.

Es sei Vorsicht geboten, dass diese Zeilen nicht zu einer Hetzschrift werden. Auch diese in den falschen Händen, könnten sie zu Vergeltungsmaßnahmen aufrufen an Menschen, die für die Anschläge in Paris nicht verantwortlich sind. Seien wir wachsam und lassen uns nicht blenden. Tausende von Flüchtlingen, vorwiegend muslimischen Glaubens, suchen derzeit bei uns Schutz. Schutz, den wir ihnen aufgrund der Gesetze und auch im Rahmen der Menschlichkeit schulden. Achten wir darauf, dass sie im Asyl nicht durch Terroristen anderer Art belästigt, verletzt oder gar getötet werden.

Alles Fremde ist unbekannt und macht Angst. Was wir nicht tun dürfen ist, jetzt aus Verzweiflung uns gegen diejenigen zu wenden, die unter unserem Schutz stehen. Die Verbrecher haben sich zu den Taten bekannt. Sie treten unter den Buchstaben „IS“ auf, es sind Islamisten. Das hat mit Islam und gläubigen Muslimen nichts zu tun! Gar nichts! Noch nicht lange her, da glaubte ich noch, seit den Kreuzzügen im Mittelalter sei die Menschheit klüger geworden. Mord im Namen einer Religion sei nicht mehr möglich. Ich habe mich geirrt! Was im Moment abläuft, ist ein „Kreuzzug“ in umgekehrter Richtung. Hüten wir uns, uns von der verbreiteten Stimmung anstecken zu lassen. Gewalt darf nicht mit Gewalt erwidert werden. Eine neue Welle der Gewalt dient niemanden. Sie wird die Opfer des gestrigen Anschlages nicht wiederbringen und auch die Angehörigen nicht trösten. Der 13. November 2015 wird ein trauriger Meilenstein in unserer Geschichtsschreibung bleiben. Er hat die Menschheit eine weiteres Mal zurückgeworfen.

Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Mögen letztere die Kraft finden, dieses Schicksal zu überwinden.

© Thomas Dietsch