Der Ortsname „Salem“ erscheint an einigen Stellen im Alten Testament der Bibel als Sitz des Königs Melchisedek. Gewöhnlich wird er als Name der Stadt Jerusalem interpretiert.

In der Folgezeit ist diese Stadt Namenspatronin für viele Orte. Drunter befinden sich Länder wie Schweden, Spanien, Indien und vier mal Deutschland. X mal findet sich dieser Ort in den USA.

Traurige Berühmtheit hat Salem in Massachusetts, in der Nähe von Boston, erlangt.

Wir schreiben das Jahr 1691. Zwei Jahre zuvor war der Erweckungsprediger Samuel Parris zum ersten unabhängigen Leiter der streng puritanischen Gemeinde von Salem ernannt worden. Der Schwerpunkt seiner Predigten lag auf dem Kampf zwischen Gottes auserwähltem Volk und dem Satan. Im Winter 1691/1692 begannen Elizabeth (Betty) Parris und Abigail Williams – Tochter beziehungsweise Nichte des Predigers – sich auffällig zu verhalten, auf dem Boden zu kriechen und seltsam zu sprechen. Keiner der bestellten Ärzte konnte das Leiden der Mädchen medizinisch erklären. Der Arzt William Griggs vermutete nach eingehender Untersuchung und dem Ausschluss aller damals bekannten psychischen Störungen, dass die Jugendlichen vom Teufel besessen seien. Die Mädchen schienen von der unsichtbaren Hand des Teufels verrenkt zu werden. Abigail und Elisabeth bestätigten dies, indem sie schilderten, dass unsichtbare Hände sie quälten. Parris griff diese Erklärung auf und meinte, dass die Stadt von Satan besetzt worden sei. Ein Heer von kleinen Teufeln stehe bereit, in die neue Siedlung einzudringen. Als Handlanger des Teufels betrachtete man dazumal nicht nur in Europa, sondern auch in den damaligen amerikanischen Kolonien die Hexen. Ein Mittel, den Angriff Satans abzuwehren war, die Hexen zu identifizieren und zu benennen. Neben den beiden Mädchen Betty und Abigail wurden diverse andere Frauen bedrängt, darunter Ann Putnam, Mercy Lewis und Susannah Sheldon, Namen von Personen zu nennen, die die Mädchen verhext haben sollen. Hauptbeschuldigte waren die häufig Selbstgespräche führende Sarah Good, eine Bettlerin, Sarah Osborne, eine bettlägerige alte Dame, die die Kinder ihres ersten Ehemanns um ihr Erbe gebracht haben soll und Tituba, eine Indianer-Sklavin, die im Haus des Predigers Parris wohnte.

Alle drei landeten am 1. März 1692 im Gefängnis. Wärter bedrängten sie, weitere Namen zu nennen. Mehr als 200 Menschen, auch aus umliegenden Gemeinden, wurden beschuldigt, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Bald saßen bis zu 150 Gefangene in den Zellen, einige starben unter den grausamen Haftbedingungen. Sogar die vierjährige Tochter von Sarah Good wurde verhaftet.

Vor einem Sondergericht verlief der Prozess von Anklage bis Urteil völlig willkürlich. Damals gab es noch keine funktionierende Verwaltung. Viele Gefangene wurden gefoltert, um Geständnisse zu erpressen. In der hysterisch aufgeheizten Stimmung verurteilte das Gericht viele angebliche Hexen zum Tode. Als Erste starb am 10. Juni 1692 Bridget Bishop. Nur wer sich schuldig bekannte und weitere Namen nannte, entkam dem Galgen. Im Laufe des Sommers 1692 wurden 19 Menschen gehängt, unter anderem ein Prediger sowie fünf weitere Männer. Die anderen 13 waren ältere, arme Frauen.

Aber woher kam die Massenhysterie? Darüber sind sich die Wissenschaftler nicht einig. Einigen Theorien zufolge kamen die Wahnvorstellungen der Mädchen von einer Vergiftung: Sie hatten wahrscheinlich verseuchtes Getreide gegessen. Aber warum machten die Dorfbewohner so bereitwillig bei der Verfolgung Unschuldiger mit? Es gab Konflikte zwischen verschiedenen Familien in Salem. Die Hälfte der Bevölkerung war Anhänger des Predigers Parris, der eine eigene Gemeinde gründen wollte. Die andere Hälfte lehnte das ab. Menschen, die vor den Indianern geflohen waren, erzählten grausige Geschichten. Die ständige Bedrohung durch Indianerangriffe schuf ein Klima der Angst.

Dieses Klima der Angst … Das erinnert mich ein wenig an die Zeit, in der wir heute leben. Es gibt keine Hexenverfolgungen mehr, keine feindlichen Indianer. Aber es gibt die Angst! Jene vor Veränderung! Der Mensch hätte gerne, dass alles so bliebe, wie er es gewohnt ist, wie er es schätzt. Aber das geht nicht; wäre es immer so gewesen, liefen wir heute noch im Lendenschurz herum. Und so rotten sich Menschen zusammen, aus der Anonymität der Masse heraus lässt es sich gut schreien. Es wird nach „einfachen“ Lösungen gesucht, der Mensch ist grundsätzlich denkfaul. Es darf nicht kompliziert werden. Und Schuldige hat man bald gefunden: Damals waren es Indianer und Frauen, die nicht ins Gesellschaftsbild passten. Heute ist es der Ausländer und der Flüchtling. Angeblich nehmen sie uns etwas weg. Was, weiß eigentlich niemand. Kann auch keiner wissen, weil es nicht so ist. Im Gegenteil: sie bringen neue Aspekte in unsere Gesellschaft, die dadurch profitieren kann. Wir bekommen also etwas dazu, wenn wir es den annähmen.

Hoffen wir, dass diese Chance der Weiterentwicklung nicht in Hass und Gewalt untergeht!

© Thomas Dietsch

Darf eine muslimische Frau in Deutschland ihr orientalisches Brautgeschenk einklagen? Die hiesigen Gerichte sind uneins. Die Frage macht der deutschen Justiz zu schaffen.

Oft ist die Lage so: Ein junger Muslim heiratet in der Heimat, er ist mittellos und wohnt noch bei den Eltern. Wie üblich, unterschreibt er einen Vertrag: Darin verspricht er seiner zukünftigen Frau als Brautgeschenk „einen Koran, einen Spiegel und ein paar Kerzenleuchter“, darüber hinaus 600 Goldmünzen. Das Paar geht nach Deutschland und gründet dort einen neuen Wohnsitz. Der junge Mann ist inzwischen Kellner und geschieden. Innerhalb des nächsten Monats soll er rund 160.000,– € an seine einstige Frau zahlen. Wahlweise, so sieht es ein Beschluss des Amtsgerichts von Anfang Oktober vor, könne er ihr auch die 600 Goldmünzen geben, wie vor zwölf Jahren versprochen. Als Kellner verdient er monatlich 998,– €.

Koran, Spiegel, Kerzenständer, Goldmünzen: das versprechen viele muslimische Männer ihren Frauen in Eheverträgen, gelegentlich werden solche auch in deutschen Moscheen geschlossen. Die sogenannte Morgengabe muss formal nach der ersten Nacht gezahlt werden, als Ausgleich für die sexuelle Hingabe und den künftigen Gehorsam der Frau. Tatsächlich zur Rede kommt das Geld aber meist erst bei einer Scheidung. In Staaten, wie zum Beispiel dem Iran, haben Frauen kein Recht auf Unterhalt, die Morgengabe soll sie, so eine modernere Auslegung, finanziell sichern.

Die Frage entzweit unsere Gerichte

Iranisches Recht ist die eine Seite. Wie sieht es in Deutschland aus? Darf eine Frau, die nach hiesigem Recht geschieden wird, ein nach muslimischem Recht vereinbartes Brautgeschenk einfordern? Hierzu gibt es unterschiedliche Meinungen, auch bei den Gerichten. In juristischer Hinsicht ist kaum etwas absolut klar. Aber selten sind sich Juristen so uneins wie in der Frage der Einklagbarkeit der Morgengabe.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat hierzu 2009 ein Urteil gefällt. Er sieht die Morgengabe als „eine ehevertragliche Zusage des Ehemanns“. Die sei folglich zu zahlen – wenn auch der Betrag nicht an die Entwicklung des Goldpreises in der Zeit zwischen Eheschließung und Scheidung anzupassen sei. Darum ging es im Detail bei der Revision zum BGH.

Von diesem Grundsatzurteil sind aber in der Folgezeit viele Instanzgerichte abgewichen, unter anderem das Amtsgericht Darmstadt. Im Mai diesen Jahres ging es dort um ein Paar, das auch im Iran geheiratet hatte und sich in Deutschland scheiden ließ. Das Gericht entschied: Die vereinbarte Morgengabe in Höhe von 180.000,– € sei sittenwidrig, sofern sie sich auf den Vollzug der Ehe bezieht. Das Geschäft, Geld gegen Beischlaf, verstoße gegen das Anstandsgefühl. So hat im September auch das Amtsgericht Baden-Baden argumentiert, warum ein Mann nicht die von seiner ehemaligen Frau geforderten 31.500,– € zahlen muss.

Ein Amtsrichter in Brühl im Rheinland hat erst gar nicht darüber entschieden, ob eine Morgengabe zu zahlen ist oder nicht. 2010 hatte eine Iranerin Verfahrenskostenhilfe für ihre geplante Klage auf das Brautgeschenk beantragt. Das Gericht wies schon diesen Antrag zurück. Zwar stehe der Frau die Morgengabe formal zu, so die Begründung. Jedoch erwarteten schon iranische Gerichte in aller Regel nicht, dass Ehemänner die „märchenhafte Summe an Goldmünzen“ aufbringen könnten. Der Brühler Richter rechnete vor, dass die Morgengaben aller 13 Millionen Ehen, die es damals im Iran gab, zusammen etwa 52.000 Tonnen Gold ergäben. Seinerzeit lagerten in den Tresoren der Zentralbanken weltweit etwa 30.000 Tonnen Gold. Also selbst wenn alle Ehemänner die Morgengabe zahlen wollten, es stünde gar nicht genug Gold hierfür zur Verfügung.

Islamische Rechtsnormen sind mit dem deutschen Recht nicht recht unter einen Hut zu bringen. Die Morgengabe ist in einer männlich dominierten Gesellschaft entstanden. Wird sie an deutschen Gerichten durchgesetzt, kann das zur Diskriminierung im Land führen.

© Thomas Dietsch

Religion und Politik … Geht das zusammen? Ich habe meine Zweifel! Man hat zunächst zwei Elemente: Die Religion und die Politik. Die Politik, wie der Name schon sagt, beschäftigt sich mit der öffentlichen Sache. Die Angelegenheiten des Staates und der Gesellschaft. Jene gilt es zu regeln, viele Interessen müssen unter einen Hut gebracht werden.

Die Religion befasst sich mit Gott. Nur mit Gott? Wohl nein! Allein wenn man bei den Buchreligionen in den heiligen Büchern nachliest, dann wird man eines anderen belehrt. Schaue ich als Christ beispielweise in die Bibel und in die zehn Gebote, dann fällt folgendes ins Auge:

Die ersten drei Gebote legen Bestimmungen für die Beziehung zwischen Gott und Mensch fest. Die Gebote fünf bis zehn wiederum regeln das zwischenmenschliche Zusammenleben. Eine Mischform stellt das vierte Gebot dar, welches zur Sabbatheiligung aufruft. Einerseits weist der ausführliche Text in 2. Mose 20, 9-11 auf den göttlichen Ursprung des Sabbats in der Schöpfung hin. Der siebente Wochentag ist somit zunächst ein Gedenktag. Doch auch dem Menschen nützt das Arbeitsverbot am Sabbat, weil er sich dadurch erholen kann. Arbeitsmedizinische Erkenntnisse stützen dies, denn ein echter Ruhetag nach sechs Tagen voller Arbeit oder privater Geschäftigkeit stellt die schonendste Form der Lebens- und Arbeitszeitgestaltung dar. Andere Religionen wie Islam und Judentum mögen das ähnlich regeln.

Es gibt also, was den Umgang der Menschen miteinander angeht, eine Überschneidung von Politik und Religion. So weit, so gut! Was aber, wenn in eine bisher liberale Staatsauffassung auf eine streng oder gar radikal ausgelegte Religion trifft? Strenger Hinduismus auf das normale Leben in Indien? Ein offener arabischer Staat und strenge Auslegung des Koran? Die Greueltaten des Islamischen Staates, welcher die Einrichtung eines sogenannten Gottesstaates anstrebt, sind hinlänglich bekannt. In Indien hat vor einiger Zeit ein wütender Mob einen Schied totgeschlagen, weil er angeblich – das Gerücht war noch nicht einmal verifiziert – Rindfleisch verzehrt hat. In Indien gelten (aus religiöser Sicht) Rinder als heilige Tiere. Zu einer ernstlichen Strafverfolgung kam es bisher nicht.

Konflikte sind vorprogrammiert!

Aber auch in Europa wird die Angelegenheit heiß diskutiert. Schon in unserer Präambel zum Grundgesetz steht: „Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, …“.

Nach Ansicht des Staatsphilosophen Josef Isensee ist die Trennung von Staat und Religion nicht sinnvoll, da das Christentum eine historische Grundlage Deutschlands sei. Außerdem führte seiner Ansicht nach die Entfernung von religiösen Symbolen, zum Beispiel aus Klassenzimmern, zu einer „Verödung der Kulturlandschaft“.

Das würde bedeuten, dass in den Schulen die historischen Grundlagen, aus denen unser Gemeinwesen entstanden ist, verschwänden, und es würde eine sterile Welt geschaffen, in der möglicherweise eine Pseudo-Religion einziehen könnte anstelle des Christentums. Unsere Stadtbilder sind geprägt von der christlichen Vergangenheit, die – genau genommen – keineswegs vergangen ist, sondern eben noch ein wesentliches Stück Gegenwart ist. Das Christentum lässt sich als historische Grundlage unseres Landes und ganz Europas begreifen, und der Staat gewährt dem Christentum wie allen anderen Religionen die grundrechtliche Freiheit und Gleichheit.

Man darf aber nicht übersehen, dass einige bekannte Köpfe unseres Landes, unter anderem der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt, der Auffassung sind, dass das Christentum mittlerweile an seine Grenzen stößt. Solange eine mittelterliche Liturgie auf einen postmodernen Staat trifft, wird sich dieser Konflikt auch nicht lösen lassen. Im Gegenteil! Es wird noch mehr Kirchenaustritte geben. Und die Kirche hat schon genug Federn lassen müssen. Die katholische Kirche hätte vor zwanzig Jahren nie und nimmer Geschiedene, Wiederverheiratete oder Homosexuelle in ihren Kreisen geduldet.

Nicht zuletzt: Hat nicht schon die Wirtschaft uns zu Konsumjüngern gemacht? Wurden hier nicht ähnliche Methoden wie dazumal von der Kirche angewandt? Soviel zu Ersatzreligion!

Ohnehin fällt es schwer, die neuen Zeiten und die ganze Welt zu verstehen. Aber ich verstehe tatsächlich die grotesk anmutende Schizophrenie der Menschen (aktuell hier zu Lande) nicht. Wer kann es auch verstehen, was uns ein elektronisch-digitales Medium in aller Brillanz vormacht und uns etwas zeigt, was wir bremsen sollen? Es geht nicht. Wie kann es denn gehen, wenn die internationale Welt via Internet bis in den letzten Winkel vernetzt ist und sich somit die Menschen weltweit und grenzübergreifend miteinander austauschen? Ich halte es für erbärmlich blöd, dass man genau in diesem weltweiten Netz so tut, als ob es Grenzen gäbe. Das world wide web macht uns schon lange vor, was der dämliche Mensch an den Landesgrenzen nicht verstanden hat. In der „Parallelwelt Internet“ gibt es keine Grenzen – es gibt ein wundervolles Miteinander. Ich selbst kommuniziere mit Menschen aus Israel, Indien, Australien, Afrika, Griechenland, den Vereinigten Staaten, Skandinavien und aus vielen anderen Ländern der Welt und finde dann im Netz einen „Deutschen“, der auf seiner Seite Musiklinks aus der ganzen Welt tauscht und gleichzeitig etwas von „wir-Deutschen-werden-es-schon-sehen-was-wir-da-mit-den-Flüchtlingen-uns-eingebrockt-haben“ verlauten lässt. Gestatten Sie mir, der Typ ist ein elender Spinner, der nichts begriffen hat und so derart zwei-dreigleisig fährt, dass es einem die Fußnägel hoch biegt. Menschenhasser dürfen ihrem inneren Frust freien Lauf lassen und es gibt sogar noch genauso Bekloppte, die das gutheißen. Traurig ist das und ein Armutszeugnis für den aufgeklärten Menschen. Meistens geht es denen zu gut, die im Internet ihren beschissenen intoleranten Unsinn verbreiten oder sich auf Kosten anderer lustig machen. Schaurige Vorstellung, solche Menschen jemals lebendig vor sich stehen zu haben oder ertragen zu müssen, denn ich wüsste nicht, was ich zuerst täte: Ihnen eins in die pervertierte Fresse geben oder sie gnadenlos auslachen. Liebe Menschen da draußen – es gibt Grenzen, die sind so sinnlos wie der eingefangene Unterwasser-Furz einer Weinbergschnecke.

 

© Petra M. Jansen

 

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Wochenbeginn und die Grippe hat mich erwischt. Es ist immer so! So lange Du in der Maloche stehst, vollgepumpt mit Adrenalin, verspürst Du maximal Anzeichen. Dieses Unwohlsein … Nimmst Du Dir dann eine Auszeit, haut es Dich volle Kanne auf die Bretter. Oooh, ich möchte unter eine Decke, schlafen! Urlaub oder was auch immer: nichts in Sicht. Wann habe ich das letzte Mal krankgemacht? Zu Schulzeiten? Weiß der Geier!

Der Mond dieser letzten kalten Nacht. Wie ein Silberteller! Was serviert man auf einem solchen?! Früchte? Orgien der Dekadenz? Oder gar den Kopf des Täufers? Salome, was hast Du getan … ?!

Wo sind wir hingeraten in dieser Gesellschaft? Ich weiß, Tagebuch! Ich neige dazu, unleidlich zu werden, wenn mich Rotz, Koller und Malaria gepackt haben. Die Damen in meinem Haushalt sagen immer, Männer litten immer so furchtbar unter einer simplen Erkältung. Nette Umschreibung für „Weichei“. Hör auf zu lachen! Es geht mir schon dreckig genug.

„Fotoromanza“ … Alter Titel von Gianna Nannini, oder?! Wegen meiner verstopften Nase scheint mein Gehirn an Sauerstoffmangel zu leiden. Statt Farben kommen kurz vor der Ohnmacht Wortfetzen. Fotos … Was in aller Welt bewegt eigentlich Menschen mit Smartphones dazu, alles und jeden zu jeder Tages- und Nachtzeit zu fotografieren?! Einfrieren der Realität? Festhalten von schönen Momenten? Erinnerung und Souvenirs? Oder ist es das Gefühl der Macht, wenn man die Zeit anhalten und ein Stück aus dem Leben herausschneiden kann? Eigentlich „nehmen“ wir doch ein Bild und „machen“ keines!? Ja, Tagebuch, ich habe noch alle beisammen. Verstehst Du: englisch: „To take a picture? Die nehmen das auch. Gleiches bei den Franzosen: „Prendre une photo“. Wenn das Bild einem nicht mehr gefällt, kann man „das Stück Leben“ problemlos wieder löschen! Aber Vorsicht! Wie im richtigen Leben einige Menschen vergisst auch das Internet nicht! Es ist wie mit dem Karma! Es kommt alles wieder zurück.

Was hat Frau Merkel eigentlich in der Türkei gemacht? Die sollen Flüchtlinge zurücknehmen und andere an der Weiterreise hindern. Hört sich so an, als seien die Gäste lästig geworden. Das war ein kurzes Willkommen … In der Not frisst der Teufel Fliegen! Heuchelei auf goldenen Stühlen! Die Wahlhilfe für Erdogan ist auf jeden Fall gelungen, Frau Merkel. Ankara wird mehr Geld angeboten, um Flüchtlinge im Land zu versorgen. Selbst die drei Milliarden Euro, die Ankara bereits fordert, sind dafür schon knapp bemessen. Aber gut, Mutti braucht auch bessere Umfragewerte. Dem Volk aufs Maul geschaut und entsprechend gehandelt. Das hilft! Es lebe der Populismus!

Ach, es gibt so viele deutsche Geschichten. Vor ein paar Tagen gab es wieder eine. Tagebuch, weißt Du noch: Früher? Hoch oben in den Baumkronen, weit weg von den Eltern, mit Freunden tuscheln und Abenteuer erleben. Das Baumhaus! In Berlin, Stadtteil Schöneberg, gibt es auch so eines. Zweieinhalb Meter hoch in einem Pflaumenbaum. Zwei Meter breit, zwei Meter lang. Ja, und? Jetzt kommt es: der Kleingartenfürst hat nachgeschaut. Die Behausung der Kinder ist 59 Zentimeter zu lang und zu breit und 70 Zentimeter zu hoch für die Norm! Die Bude muss abgerissen werden. Die haben sich vor Gericht getroffen. Der Familienvater muss laut dem Urteil des Gerichtes den Kindertraum abreißen. Den gibt es seit 2008! Ein Jahr später, 2009, hat der Berliner Senat die Ausnahmen für „Kinderspielhäuser“ aufgehoben durch Änderung der Verwaltungsvorschriften. Ja, da biste platt, wa?! Die Kinder müssten mit ihrem Baumhaus eigentlich Bestandsschutz haben. War schließlich vor den neuen Normen errichtet worden, oder?!

Na ja, deutsche Bürokratie halt!

Hattest Du gestern Abend die Tagesthemen gesehen? Den kopflosen Mann zwischen Jan Hofer und Thomas Roth? Kleine Panne mit Hightech. Es soll der Eindruck vermittelt werden, als stünden die Moderatoren direkt in den News. Ja, zwei waren ja schon da. Der halbe Mann hatte sich wohl verirrt.

Kein Wunder, dass dieses Land immer kopfloser wird!

© Thomas Dietsch

Nicht nur in Indonesien, dem Gastland der Buchmesse, erzählt man gern. Der Nobelpreis würdigt eine Stimmencollage. Was ist Literatur, wie entsteht sie?

Erzählforscher, Volkskundler, Literaturwissenschaftler oder Historiker sind für ihre Erforschung mündlicher Überlieferungen auf die Fixierung gesprochener Texte angewiesen. Die wichtigste Form der Fixierung – trotz der heutigen Möglichkeiten der Wiedergabe in Bild und Ton – ist die

schriftliche. Jede Verschriftlichung einer mündlichen Überlieferung bedeutet ihre „Übersetzung“ in

die geschriebene Form und damit ihre Veränderung. Im Fall von Balladen, Volksliedern oder Rei-

men ist die Form die Gedächtnisstütze, die sich für das Niederschreiben in Versen eignet. Im Fall

von Erzählungen ist die Verschriftlichung schwieriger. Lange Zeit galt in Europa unter Kompilato-

ren (so wird ein Autor bezeichnet, dessen Arbeit im Wesentlichen aus dem Sammeln oder Zusammenstellen von Werken oder Zitaten anderer Autoren besteht) – man denke nur an die Gebrüder Grimm – die Literarisierung als das probate Mittel der Übertragung. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich – parallel zu technischen Möglichkeiten der Aufzeichnung von Sprache mit der Schallplatte (Ende 19. Jahrhunderts) oder Tonband (seit den 1930er Jahren) – die wortgetreue Übertragung von Erzählungen (Mareile Flitsch).

Manchen Märchensammlern ging es zunächst einmal um die Geschichte – und die konnte durch Feilen mitunter nur gewinnen. So zeigt etwa der Vergleich zweier Fassungen des schwedischen Märchens „Lasse, mein Knecht“, das der Volkskundler Nils Gabriel Djurklou sammelte, dass erst dessen Bearbeitung die Möglichkeiten dieses Märchenstoffs ganz ausschöpfte, während die Originalerzählung manche Pointen geradewegs verstolperte.

Was ist dann mit der Authentizität der Märchen als mündlich tradierte Texte, was ist mit dem erhofften Blick in eine schriftlose Zeit?

Natürlich gilt obiger Schluss nicht für alle Märchen der Gebrüder Grimm und nicht für alle in der Folge weltweit aufgezeichneten Märchen. Trotzdem wird man auch das, was sich Ethnologen von Vertretern schriftloser Kulturen erzählen ließen, nur eingeschränkt als genuin mündlich ansehen können. Denn allein die Anwesenheit eines Fremden, der einen noch dazu auffordert, in den riesigen Trichter eines Edison-Phonographen zu sprechen, wird dessen Erzählen verändern – inhaltlich, ganz sicher aber im Duktus hin zu einer elaborierten Mündlichkeit.

Vor demselben Problem stehen Linguisten, denen es nicht so sehr um die Inhalte von mündlich tradierten Texten, sondern etwa um deren Struktur geht, weil sie wissen wollen, ob es bestimmte Merkmale für Mündlichkeit in Abgrenzung zur Schriftlichkeit gibt. Am Beispiel der romanischen Sprachen zeigen Linguisten auch Übergangsformen zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit auf, etwa Protokolle mündlicher Äußerungen oder Reden, die schriftlich entworfen, aber mündlich vorgetragen werden und so Merkmale aus beiden Sprachformen besitzen. In welchem Medium, also im engeren Sinne „mündlich“ oder „schriftlich“, ein Text dargeboten wird, ist letztlich nicht entscheidend. So wird eher zwischen der Sprache der Nähe und jener der Distanz unterschieden, während in der Mündlichkeit Gesten und Betonung das Ausdrucksspektrum des Sprechers erweitern, kommt in der Schriftlichkeit für den Adressaten die Möglichkeit des Vor- oder Zurückblätterns hinzu.

Besonders wenn es um Texte geht, die in schriftlosen Gesellschaften entstanden sind und später fixiert wurden, stellt sich die Frage, welchen Anteil dieser Transformationsprozess an ihrer endgültigen Gestalt hat. Wie im Fall der „Ilias“ und der „Odyssee“, ist hiermit auch die Frage nach dem Autor verknüpft.

© Thomas Dietsch

Sollen sie doch machen,
die gemacht haben,
was man
nicht macht.

Lass sie machen.
Solche Machenschaften
macht man
nicht.

Sollen sie doch machen,
was du nicht machst.
Macht nichts.

Sollen sie doch machen,
was du nicht machst.
Macht gar nichts,
wenn es nun
gemacht ist.
Macht gar nichts.

Lass sie machen,
die Sachen,
die uns
nicht glücklich machen.

 

© Petra M. Jansen

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Wollte man eine Bilanz zu Barack Obamas Präsidentschaft ziehen, ist das nicht ganz so einfach. Einfach ist es nie, wenn jemand über zwei Perioden regiert.

Barack Hussein Obama II, geboren am 04. August 1961 in Honolulu/Hawaii, ist seit dem 20. Januar 2009 der 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Er ist Rechtsanwalt, spezialisiert auf US-Verfassungsrecht. Seit 1992 gehört er der Demokratischen Partei an, 1997 wurde er Mitglied des Senates von Illinois. Bei den Präsidentschaftswahlen 2008 setzte er sich gegen seinen republikanischen Konkurrenten John McCain durch, bei der Wahl 2012 besiegte er seinen Herausforderer Mitt Romney.

Am 10. Dezember 2009 erhielt er den Friedensnobelpreis.

Nicht zuletzt ist zu erwähnen, dass Barack Obama der erste nicht-kaukasische Präsident ist. Für Amerika eine Herausforderung, umgekehrt war und ist Amerika für ihn eine Herausforderung. Man darf wohl sagen, dass beide diese Hürde genommen haben. Somit hat Obama, was die Rassenproblematik angeht, ein Zeichen gesetzt, sein Land in das 21. Jahrhundert geführt. Die Vereinigten Staaten sind offener und toleranter geworden unter seiner Präsidentschaft. Das alles darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es immer noch Rassenkonflikte gibt. Es seien hier nur der gewaltsame Tod eines schwarzen Jugendlichen durch die Hand der Polizei in dessen Heimatort in Missouri und die Debatte über die „Stars-and-Bars-Flagge“ genannt. Die Konflikte gab es schon immer in der Geschichte der USA, vor 50 Jahren waren sie entschieden schlimmer als heute. Unter Obama ist ein neues Bewusstsein entstanden. Man hinterfragt diese Konflikte, nimmt sie nicht mehr als gegeben hin. Und hierin liegt Obamas Erfolg! Das Bewusstsein für Ungerechtigkeit geweckt zu haben. Dass er den Rassenkonflikt als Ganzes in seiner Amtszeit löst, hat wohl niemand ernstlich erwartet.

„Yes, we can!“, mit diesem Slogan ist er dazumal gestartet. Und um fair zu sein: „He could!“. Wie immer am Ende der zweiten Amtszeit – wenn denn jemand so lange regiert – ist Obama zur „Lame Duck“ geworden. Er hat beide Häuser des Kongresses, den Senat und das Repräsentantenhaus, gegen sich. Es hat ihn mehrfach gebeutelt: Weitgehend unerfüllte Wahlversprechen, der Pyrrhussieg der Krankenversicherung, eiskalte Drohnenkriege, die vermasselte Guantanamo-Schließung, der NSA-Skandal. Wollte man, ließe sich die Liste um einiges weiterführen. Aber konnte je ein Politiker alle Wahlversprechen einhalten? Auch die Versprechungen von Reagan und Kennedy blieben vielfach unerfüllt, was sie nicht daran gehindert hat, mit der Zeit „mythische Bedeutung“ (Sam Tanenhaus) zu erlangen. Auch die kritischsten Kritiker müssen eingestehen, dass bei Obama nicht alles Scheitern war. Obama hat zumindest einige seiner hochgesteckten Ziele  erreicht. Seine Wirtschaftspolitik wird gerne heruntergemacht, aber die Arbeitslosenquote fiel gerade das erste Mal seit Juli 2008 um sechs Prozent.

Obamas Einzigartigkeit bestand darin, gleich zwei Ideale zu vereinen, an deren Erreichen der Präsident sich nun messen lassen muss: Das Ende politischer Grabenkämpfe und die schrittweise Verarbeitung Amerikas rassistischer Vergangenheit.

Präsident Obamas Haar ist grau geworden über den beiden Amtszeiten. Aber er war und ist einer der jungen Präsidenten, wie unter anderen Bill Clinton und John F. Kennedy. Mit ihnen kamen neue Ideen in die verkrustete Struktur einer immer noch jungen Nation.

In einem Supermarkt in den USA mag einen die Verkäuferin fragen: „Can I help you, darlin´?!“ oder es mag Ärzte geben, die ohne Honorar Menschen ohne Krankenversicherung in Massen helfen. Und solange das der Fall ist, gibt es eine Zukunft für dieses Land. Es trägt eine Hoffnung, mit der Barack Obama gestartet ist und von der er uns einen Teil zurücklässt. Amerika ist ein Projekt, das noch lange nicht abgeschlossen ist. Mögen auch die Besserwisser immer etwas zu meckern haben … In vielerlei Hinsicht war und ist Präsident Obama der richtige Mann, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit.

Und es ist an letzterer zu sagen: „Thank you, Mister President!“.

© Thomas Dietsch