Phänomenal: Das schwere Erbeben auf Haiti, einem der ärmsten Länder der Erde, war 2010. Aus den Schlagzeilen ist die Katastrophe verschwunden, wir haben das Leid der Menschen auf Haiti aus den Augen verloren. Die meisten Häuser auf Haiti sind zerstört, ein großer Teil der dortigen Bevölkerung lebt immer noch auf der Straße oder in Hütten, die dem nächsten Sturm nicht standhalten werden. Eine Organisation namens The Mobile Factory hat ein interessantes und sehr innovatives Projekt ins Leben gerufen. Eine speziell entwickelte Maschine sammelt Trümmer auf und fertigt aus jenen Legoblöcke. Aus diesen Blöcken entstehen Häuser, über zwanzig Familien werden dieses Jahr noch ein neues Zuhause finden.

230.000 Tote, 310.000 Verletzte und 1.3 Millionen Obdachlose. Das ist die Bilanz jenes verheerenden Erdbebens vom 12. Januar 2010. Große Teile der Insel Haiti wurden zerstört. 25 Millionen Tonnen Trümmer überziehen den Karibik-Inselstaat. Jetzt ist eine sinnvolle Verwertungsmöglichkeit für die Trümmer gefunden, Neues entsteht! Der Niederländer Gerard Steijn wurde 2002 von der niederländischen Ingenieur-Firma DHV in ein Team einberufen, das sich mit der Nachhaltigkeit in der Baubranche befassen sollte. Er hat mehrere Katastrophengebiete besucht, mit seiner Erfahrung entwickelte er das Q-Brixx-Konzept. Dieses kommt im Projekt „Petit Paradis“ zum Einsatz.

Einfach Häuser zu bauen und daraus Profit zu schlagen, ist nicht die Idee hinter „Petit Paradis“. Es sollen kleine Nachbarschaften entstehen, in denen jede Familie ein individuelles Hausdesign bekommt. Unterstützung erhält Herr Steijn von zwei Jung-Architekten, die für das Design der Häuser zuständig sind. Für die Menschen wird nicht nur ein neues Zuhause geschaffen. Mit jeder Familie setzt sich das Team der beiden Architekten zusammen, um ein perfekt passendes Design zu erarbeiten. Außerdem werden Obdachlose für dieses Bauprojekt ausgebildet, um in Zukunft selbst Häuser bauen zu können. So kommen die Menschen von der Straße und bauen ihre eigene Zukunft.

Das Q-Brixx Bausystem sorgt dafür, dass man die „LEGO-Steine“ einfach aufeinander stecken kann. Damit spart man sich die Kosten für Mörtel und ähnliche Bausubstanzen. Die Häuser werden so gebaut, dass sie den natürlichen Wind der Gegend als Kühlung nutzen können. Gleichzeitig soll durch Sonneneinstrahlung so viel Solarenergie wie möglich auf Photovoltaik-Module gespeichert werden und so die Häuser mit Strom versorgen. Regenwasser wird in unterschiedlichen Tanks gesammelt, aus denen sich die Familien dann versorgen können. Außerdem ist es wichtig, die Häuser so zu bauen, dass sie nicht vom nächsten Erdbeben zerstört werden. Nach der Q-Brixx-Methode sind die Steine nicht komplett fest mit Zement aufeinander gebaut, das Haus hat somit die Möglichkeit, einer Erschütterung zu widerstehen.

The Mobile Factory sorgt mit ihrem Handeln dafür, dass viele Familien in den nächsten Monaten wieder ein richtiges zu Hause finden werden. Innovation und Mitmenschlichkeit tragen in diesem kleinen Beispiel dazu bei, dass sich die Menschen auf dieser Welt ein Stückchen näherkommen.

Projekt für Erdbeben-Obdachlose: Lego-Häuser für Haiti

© Thomas Dietsch

Lieber Pierre,
ich mag Deine Verbalironie, findet sie denn nicht nur auf dem Papier statt sondern ebenso real. Du siehst, auch Top-Manager legen ihre faulen Eier irgendwo ab und Rücktritt her, Rücktritt hin – Herr Winterkorn möchte doch noch ein paar Fäden in der Hand halten bei der Porsche Automobil Holding SE. Inwiefern unsere extrem gut bezahlten Topmanager zur Imageschädigung beitragen, ist klar und klar ist auch, dass 2,8 Millionen Autos zudem auch in Deutschland manipuliert wurden. Korruption überall, schlimmer als ein Schweinestall (ist aus einem meiner Gedichte) – sie findet statt und wir wissen es eigentlich auch. Dürfen wir überrascht sein? Es geht wieder einmal um Geld, Prestige, Macht, Kommerz, wie so oft und egal, wohin wir schauen, es tritt uns immer wieder ein gehässiges, fieses Monster ins Gesicht. Skandale bei Unternehmen, bei Banken (wie gerade in Frankfurt am Main mit der Fiskus-Geschichte), bei den Politikern und überall. Kommt also gerade Recht, der deutsche Skandal, steht doch das Thema Klimaschutz in den USA aktuell ganz oben. Deutschland präsentierte sich als „grüne“ Vorkämpfer und nun offenbart sich eine extrem kontraproduktive Tat, die alles in Frage stellt. Die Glaubwürdigkeit der Verbraucher steht ebenso auf dem Spiel wie die Ernsthaftigkeit zum Thema Klimaschutz, dass Merkel unlängst in den USA zur gemeinsamen Sache machte. Made in Germany hat seinen Ruf als Qualitätssiegel verzockt, da hast du vollkommen Recht und es dürfte schwer sein, die jetzt herrschende Skepsis einzudämmen oder weg zu räumen. Insofern wäre die Schaffung einer autonomen Kontrollbehörde/ – Instanz ein guter Zug, damit Politikern und Wirtschaft ein Riegel vorgeschoben wird. Der Welt zuliebe und der Sicherheit unserer Kinder zuliebe. Für die Japaner, die als deutsch-liebend gelten, was unsere Autos anbelangt, blutet das Herz. Sie sind tief erschüttert in ihrem Vertrauen zu der deutschen Top-Qualität. Wie eine Ironie erscheint es, dass nur einen Tag später andere deutsche Autobauer ähnliche Machenschaften von sich weisen, um ihren Konzern rein zu waschen. War das nur die Spitze des Eisbergs? Wir dürfen gespannt sein.
Ob Winterkorns „Freundschaft“ mit den Russen der Grund dafür ist, dass sich Russland in dieser Angelegenheit eher uninteressiert und unbeteiligt zeigt? Der „Prachtmensch“ Winterkorn, wie Putin den Manager bezeichnet, hat Mist gebaut, sehr großen Mist, den niemand ungeschehen machen kann und für eine langfristige Image-Abwertung eines Weltkonzern mit guter, deutscher Qualität. Es sollte in einem Produkt auch drin sein, was die Werbung verspricht, das ist oberste Regel eines Managements und die dürfte auch bei Winterkorn mit Sicherheit schon in jungen Jahren angekommen sein. Was passierte? Eine Marketing-Strategie, die miserabler und zerstörerischer nicht hätte sein können. Aufgabe verfehlt!
Lieber Pierre, Skandale kommen und gehen und solche Skandale gehen immer zu Lasten unserer Bevölkerung und der vielen Arbeiter, die Federn lassen müssen. Wieso gibt es kein Gericht, das solche Täter anklagt für ein Verbrechen, um das sie sicher wussten, aber bewusst vertuschten, wie viele Mitwisser übrigens. Stellen wir sie vor Gericht? Nein. Traurig, aber es gelingt es ihm noch bei Porsche Vorstandsvorsitzender zu sein und seine Kohle hat er ohnehin im Trockenen. Kann das wirklich wahr sein? Mir fehlen die Worte, wie bei vielen Themen, die über die Köpfe der Menschen entschieden und vermasselt werden. Nur mal am Rande: Das Jahresgehalt des Herrn Winterkorn betrug bei VW 16 Millionen Euro. Ja, wir sind in einem eigenartigen „Spiel“, bei dem am Ende jedes Lebewesen ein Verlierer ist. Denk mal an die Honigbienen und an Einstein: Gibt es die Bienen nicht mehr, gibt es 4 Jahre später den Menschen nicht mehr. Wäre das nun eine wünschenswerte oder absurde Vorstellung?

 

Einen herzlichen Gruß aus der Bankenmetropole,
die heute wieder mal Kopf steht,

Petra
© Petra M. Jansen
http://jansen-markting.de

Liebe Petra,

eigentlich bin ich beruhigt und selbstzufrieden, dass auch Deutsche fähig sind, zu zocken. Was sich Volkswagen sich geleistet hat ist super… aber es ist schlecht, wenn man sich wie ein blöder Schüler beim Mogeln erwischen lässt. Der Skandal ist der Beweis, dass sich nicht nur Levantiner oder Zigeuner zu fraglichen Taten verleiten lassen sondern auch der Michel, wenn es ihm Vorteile erbringt. Das zeigt, dass die Kunstfigur des anständigen Germanen ein Märchen ist. Die feinen Herren der Chefetage in Wolfsburg wollen von nichts gewusst haben!? Toll, so schicke Gestalten mit ihren feinen Zweireihern können doch keine solche kriminellen Absichten haben, basta. Was wurde getan? Ein wenig an einem Programm manipuliert und vielleicht war der indischer Software-Fachmann der Täter? Bravo, ich habe einen Sündenbock gefunden, der seinen Kopf für die edlen Manager herhalten muss. Er sollte dafür dankbar sein, sich auf so einem hohen Niveau verarschen zu lassen. Petra, kein Deutscher würde so etwas tun, schon um die gute Luft zu schonen. So wären diese Pappfiguren aus dem Schneider und die Balance zwischen das Gute und das Böse bewahrt. Dreimal raten, wer zu den Braven gehört? Wir, weil wir die tüchtigsten sind. So einfach ist das, oder?

Die Neonazis haben sich das Ziel gesetzt, die Republik zu retten. Haben sie die Eigenschaft dazu? Klar, weil sie von Grund auf anständige Deutsche sind. Anders die Zugereisten, auch wenn sie hier geboren sind und sich integriert haben. Ein Gesindel, das es nur verdient hat, mit der Faust traktiert zu werden. Kann man den Neos vorwerfen, Spaß zu haben, wenn ein Asylantenheim brennt? Besser, wenn es zu einem Grillfest kommt… sie meinen es nur gut. Die Tatsache, dass der Deutsche grundanständig ist, wollen sie erbringen und natürlich verurteile ich scharf diese Nazi-Horden, solltet ihr es nicht kapiert haben. Zum Thema Korrektheit, diese Bemerkung: Volkswagen hat gezeigt, dass es ein Wunschtraum ist zu glauben, dass wir besser sind. Der Beitrag, den die Betrüger aus Wolfsburg erbracht haben, kann nicht hoch genug geschätzt werden. Die 25 Milliarden, die sie durch ihre Aktion verzockt haben, sind ein gut angelegtes Geld, vorausgesetzt wir lernen daraus etwas. Hier ist der Beweis erbracht, dass die Rolle des integren Oberlehrers einzunehmen, wie es mit den Griechen der Fall war, ein Schuss nach hinten sein kann. Großmäulig zu behaupten, dass wir die Beste sind – wie kann es anders sein? Das ist eine gewagte Behauptung.
Der große Freund der CSU, der hochgeschätzte Herr Viktor Órban, zeigt uns auf einer beeindruckenden Weise, wie es für ihn mit den christlichen Werten steht. Unsere Oase des Friedens und der Barmherzigkeit soll durch Stacheldraht und brave Deutsche Schäferhunde verteidigt werden. Anständige Leute, wie es die Weißen halt sind, haben es nicht verdient, mit den Kaffern in Berührung zu kommen, auch wenn Minister Joachim Herrmann aus Bayern behauptet hat, dass es Prima-Neger gibt, wie Roberto Blanco zum Beispiel und dass sie keine Rassisten sind… nicht wahr, liebe Petra? Und jetzt diese VW-Verarschung, die uns beweist, dass alle Menschen Brüder sind, wenn es um das Portemonnaie geht. Leute, das war nur ein Kavaliersdelikt, nicht mehr. Ist es nicht schlimmer, wenn ein Albaner einen Apfel klaut? Durchaus, weil sie so wie die Schadstoff-Software bei VW vorprogrammiert sind. Nur Diebe. Wir sind doch nur gute Menschen, seht ihr das nicht an unserem Grinsen? Das hämmern wir uns ständig am Stammtisch ein und glauben es letztendlich. Daher, trotz des großen Image-Verlustes unserer Wirtschaft, finde ich diesen Dämpfer notwendig, um uns vom großen Ross herunter zu bringen. Seit Anfang September habe ich das Gefühl, dass ich mich in eine Schleuder einer Waschmaschine verirrt hätte – die Republik hat sich verändert. Den rechtsextremistischen Knallköpfen, wurde durch die phänomenale Empfangskultur, gezeigt, dass sie nur eine Minderheit sind, die sie bei Weitem nicht das Sprachrohr des Volkes sind. So etwas hätte niemand erwarten können und genauso wenig, dass der VW-Konzern, der Seriosität ausstrahlen sollte, sich beim Zocken erwischen ließ. Vielleicht zwei höchst verschiedene Aspekte, die zeigen, dass sich in Deutschland etwas bewegt. Das finde ich aufregend, auch wenn alles nicht positiv ist. Wir sind Menschen… und Menschen sind Gott sei Dank nicht perfekt.

In diesem Sinne,

alles Liebe,

Pierre

//pm

The last few days Volkswagen made headlines. Fraud concerning details of emissions of diesel cars! What’s going on in the world of business?! Only lies and deception? No one really knows. Volkswagen itself is honest, they admit that there has been tampered with. The super test results cannot be achieved on the streets. How are we supposed to find our way during purchase with manipulated test results?! It took a long time in order to arouse a real environmental awareness among consumers, even by means of the hammer of the law. Now that we have internalized this consciousness, we must realize that the values, on which we settled so far, are embellished. We still have not learned that environmental protection is more important than profits! Even the state of Lower Saxony, which is a shareholder in Volkswagen, will in future have to tighten its belts. Last year the membership in the company swept 300 million euros into the state´s coffers. If you consider that the trickery has put the whole stock market into turmoil and that in future probably potential buyers decide against buying diesel vehicles, then the company has not only harmed Lower Saxony but also its competitors. One buys no more diesel, regardless of the brand! The pursuit of profit is more important than the effort to curb climate change, is more important than all our health. One may approve the red, yellow and green sticker for entry into major cities or not, the euros invested in alleged environmental protection no more soothe our conscience. It arises rather the question: why spend any money in pollution permits? We even blowout more dirt than we think we do. The world is bad! And the United States will be bleeding Volkswagen legally, due to their strict environmental standards. Let´s hope that the company will survive this!

Die letzten Tage macht Volkswagen Schlagzeilen. Betrug bei den Angaben zum Schadstoffausstoß von Dieselautos! Was ist los in der Welt der Wirtschaft?! Nur noch alles Lug und Trug? Keiner weiß es so richtig. Volkswagen selbst ist ehrlich, sie geben zu, dass manipuliert wurde. Die super Testergebnisse können nur niemals auf der Straße erzielt werden. An was also, außer an solchen Ergebnissen, können wir uns zukünftig noch beim Kauf orientieren?! Es hat lange Zeit gebraucht, auch den Hammer des Gesetzes, um ein richtiges Umweltbewusstsein beim Verbraucher zu wecken. Nunmehr, da wir dieses Bewusstsein verinnerlicht haben, müssen wir uns vergegenwärtigen, dass die Werte, nach welchen wir uns bisher richteten, geschönt sind. Haben wir es immer noch nicht gelernt, dass Umweltschutz wichtiger ist als Gewinne?! Selbst das Land Niedersachsen, welches Aktionär bei Volkswagen ist, wird zukünftig den Gürtel enger schnallen müssen. Letztes Jahr spülte die Mitgliedschaft am Unternehmen dem Bundesland 300 Millionen Euro in die Kassen. Wenn man überlegt, dass die Trickserei die ganze Börse in Aufruhr versetzt hat und zukünftig wohl potenzielle Käufer vom Kauf von Dieselfahrzeugen Abstand nehmen, dann hat das Unternehmen nicht nur Niedersachsen, sondern auch seinen Konkurrenten geschadet. Man kauft keinen Diesel mehr, unabhängig von der Marke! Das Gewinnstreben ist wichtiger als das Bemühen, den Klimawandel zu bremsen, ist wichtiger als unser aller Gesundheit. Man mag die Regelung mit der roten, gelben und grünen Plakette für die Einfahrt in Großstädte für gut heißen oder nicht, die in angeblichen Umweltschutz investierten Euro beruhigen kein Gewissen mehr. Es stellt sich vielmehr die Frage: Warum überhaupt für Verschmutzungszertifikate etwas ausgeben? Wir blasen doch eh mehr Dreck hinaus als wir glauben. Die Welt ist schlecht! Und die Vereinigten Staaten werden aufgrund ihrer strengen Umweltvorschriften Volkswagen juristisch zur Ader lassen. Wir wollen hoffen, dass der Konzern dies überlebt!

© Thomas Dietsch

Liebe FreundInnen,

als Binnen-I (auch Majuskel-I oder Versalien-I) bezeichnet man in der deutschen Schriftsprache den Buchstaben I, wenn er innerhalb eines Wortes als Großbuchstabe zwischen Kleinbuchstaben geschrieben wird (Binnenmajuskel). Was hat es damit auf sich?! Gendern oder auch Gendering ist eine Begriffsbildung, die aus dem angelsächsischen Sprachraum ins Deutsche übernommen wurde. Sie bezeichnet auf einer allgemeinen Ebene die Analyse bzw. Berücksichtigung des Geschlechter-Aspektes, wie etwa in Wissenschaft und Lehre. Weiterhin steht das Wort für einen geschlechterbewussten Sprachgebrauch, der im Interesse der Gleichstellung der Geschlechter mit Modifikationen der herkömmlichen Sprache einhergeht.

In Österreich sollen jetzt sämtliche Schulbücher ab Beginn des Schulunterrichts ab der ersten Klasse sprachlich gegendert werden. Man spricht schon vom „Genderwahnsinn in den Schulbüchern“. Beide Geschlechter, Jungen wie Mädchen, sollen sich in den Begriffen wiedererkennen, ein spezielles Rollenverständnis, angeknüpft am Geschlecht, soll so von Kindesbeinen an vermieden werden. Nicht überzeugten Kritikern, und davon gibt es einige mit nicht schlechten Gegenargumenten, begegnet man im Rahmen der Bildungspolitik mit dem althergebrachten Pädagogenargument, „man müsse halt noch Überzeugungsarbeit leisten“. Will heißen, der Kritiker ist eigentlich auch ein Freund der neuen Regelung, er weiß es nur noch nicht. Wir wollen dieses „gehaltvolle“ Argument nicht weiter verfolgen … Zu oben: Statt Lehrerinnen und Lehrer gibt es zukünftig nur noch LehrerInnen, statt Schülerinnen und Schüler ab jetzt nur noch SchülerInnen. Man mag es beim Lesen erkennen, das große „I“, beim Sprechen verschwindet es. Mit ihm ein ganzes Geschlecht, das der Jungen und der Männer. „Geschieht Euch recht!“ mag jetzt manche Vertreterin des weiblichen Geschlechtes denken. Sieht Man(n) doch jetzt einmal, wie es Frau die ganzen Jahrhunderte ging. Man wurde einfach wegignoriert, so als ab man nicht vollwertig wäre, vielleicht auch gar nicht da. Es ist erniedrigend! Soweit, so gut! Von unserer sprachlichen Entwicklung her mögen wir mittlerweile weit von dem entfernt sein, was der/die gebildete BürgerIn früher noch unterscheiden konnte: das Genus und den Sexus. Ersterer ist das grammatische, zweiterer das biologische Geschlecht. Das Genus ist der eindeutige Verlierer des „Gender-Krieges“. Schön hingegen ist, dass, trotz aller Gleichmacherei, bei der Anrede noch die Höflichkeit geblieben ist: erst die Damen, dann die Herren! Auch diese Form des Umgangs wurde schon von HardlinerInnen (?) angegriffen. Hier siegte der Knigge. Kinder in Deutschland, Österreich und Teilen der Schweiz müssen sich in der deutschen Sprache mit der Groß- und Kleinschreibung herumschlagen. Mit dem Binnen-I wird es nicht einfacher werden. Die Frage stellt sich, ob mit der Erhöhung – soweit man davon überhaupt reden kann – des Niveaus in grammatischer und orthographischer Hinsicht das Ziel der Vermeidung von Prägung geschlechterspezifischer Rollen bereits im Kindesalter wirklich erreicht werden kann. Oder arbeiten da nicht die VertreterInnen der Politik ihren ArtgenossInnen in der Wirtschaft zu?! Nach dem Motto: Schulbücher müssten mal umgeschrieben werden, dass die Leute wieder mehr kaufen. Muss man diesen (meine Meinung!) Murks mit der Sprache machen, um Mädchen und Jungen gleiche Chancen zu bieten?! Sind wir zu faul, Schülerinnen und Schüler anzusprechen? Sind es nur noch SchülerInnen? Nehmen wir den jungen Menschen nicht damit die Würde des Individuums durch diese Gleichmacherei? Kann in einem Grundschulbuch statt des Vaters, der Ingenieur ist und nach Hause zu Muttern mit den Kindern kommt, die den Haushalt schmeißt, nicht einmal die alleinverdienende Designerin heimkehren zu dem Hausmann und erziehenden Vater? Wäre das nicht sinnvoller?! Irgendein Professor soll vor nicht allzu langer Zeit den Bock zum Gärtner gemacht haben, indem er von männlichen Studentinnen sprach. Müssen wir uns vor dem Rest der Welt zum Eimer machen, wir im deutschen Sprachraum? Mann/Frau mag den Kopf schütteln.

Ich lese das jetzt noch einmal durch. Meine Autokorrektur ist fleißig, verbessert unabänderlich den „Binnen-Mist“. Man(n)/Frau (müsste alles drin sein!) hat es nicht leicht!

In diesem Sinne …

Es grüßt

ein Verwirrter

Wie weit bin ich selbst noch Individuum?

Die Gesellschaft frisst jegliche Einzigartigkeit.

Zinnsoldaten defilieren allmorgendlich in den Straßen,

brav in Reihe, auf Linie gebracht.

Versuche es, frei zu schreiben,

es gelingt mir nicht.

Wie Kleber vom Fliegenfänger

ziehen sich Schlieren von meinen literarischen Stiefeln.

Keine Bewegungs- und Beinfreiheit mehr,

Korsette für Gedanken.

Ein riesiges Spinnennetz aus

Moral, Ethik und Normen.

Authentisch zu sein

in konformistischen Häuserzeilen ist schwierig.

Die Tinte ist zu dick,

um flüssige Worte zu Papier zu bringen.

Der Kopf wie ein Vogelkäfig ohne Tür.

In ihm zwitschert es, Durst nach Freiheit.

Zu wenig Platz hinter den Stäben,

um die Flügel der Poesie auszubreiten.

Gesellschaftskritisch zu sein

ist nur innerhalb der Normen der Gemeinschaft möglich.

Großgeworden im Gefüge derer bedeutet auch

leben hinter Stahlwänden aus Selbstzensur.

Kritik an der Gesellschaft muss gesellschaftsfähig sein,

das langweilt irgendwann, ganz flach und platt.

Vorbeifließend wie Stromschnellen ist die literarische Seele,

vom Ursprung bis zur Mündung.

© Thomas Dietsch

Die meisten Flüchtlinge, die nach Europa drängen, stammen aus Syrien. Der Konflikt schwelt schon seit geraumer Zeit. Was ist der Hintergrund?

Die Regierungsform von Syrien ist eine Diktatur. Gleichzeitig ist das Land ein Einparteienstaat. Seit 1970, also seit über 45 Jahren, wird Syrien von der Baath-Partei als einziger politischer Partei beherrscht. Es gab nur zwei Herrscher, jene gehören zur gleichen Familie: Bis zur Jahrtausendwende herrschte Hafez al-Assad. Als er im Jahr 2000 starb, ging die Macht an seinen Sohn Bashar al-Assad über. Er regiert bis heute. Alle anderen Parteien sind der Baath-Partei untergeordnet. Die Baath-Partei ist die einzige Partei mit Macht und Einfluss in Syrien.

Die Assad-Familie gehört zur Glaubensrichtung der sogenannten Alawiten. Die Alawiten sind in Syrien in der Minderheit. Aus diesem Grunde hat die Assad-Familie zwecks Machtsicherung beim Regierungsantritt die Alawiten mit vielen Sonderrechten ausgestattet.

Rund 90 Prozent der syrischen Bevölkerung sind Araber, gehören überwiegend der Glaubensrichtung der Sunniten an. Sie wurden bzw. werden unterdrückt. Menschen werden verschleppt, eingesperrt, gefoltert und getötet. Breite Bevölkerungsschichten leiden Hunger und Armut. Man kämpft ums Überleben. Unmut machte sich vor langem bei dem Großteil der Bevölkerung in Syrien gegenüber der Regierung breit. Forderungen nach besseren Lebensbedingungen, mehr Freiheit und vereinzelt nach Demokratie wurden laut. Öffentliche Proteste gegen die Regierung hat man jedoch mit Gefängnis geahndet.

2011 kam es zum Arabischen Frühling. Mit Hoffnung auf Reformen begannen nach den Umwälzungen in Tunesien und Ägypten im Jahr 2011 die Proteste in Syrien. Doch der Konflikt zwischen Oppositionellen und Präsident Assad hat sich zum Bürgerkrieg ausgeweitet. Gekämpft wurde auch mit Giftgas. US-Präsident Obama warnte vor dem „Überschreiten der roten Linie“. Nur die Einmischung von Kremlchef Wladimir Putin und die Vernichtung der Chemiewaffen konnte Assad vor einem Militärschlag der USA bewahren. Assad schlug gewaltfreien Demonstrationen mit brutaler Gewalt nieder, hieraufhin gründete sich aus den Protestbewegungen die Freie Syrische Armee, welche die Regierung unter Assad bekämpft. Durch den Bürgerkrieg entstanden Machtvakua, die Terrorgruppen wie der Islamische Staat ausnutzten. Der IS hatte in der Folgezeit große Gebietsgewinne zu verzeichnen. In jenen Regionen besteht eine Terrorherrschaft. Unter anderem Andersgläubige werden öffentlich hingerichtet, meist durch Köpfen. Die Lebensumstände haben sich für die in diesen Gebieten lebende Bevölkerung noch ein weiteres Mal verschlechtert. Wir alle haben noch die Bilder der überladenen Flüchtlingsboote aus Syrien und Libyen vor Lampedusa vor Augen.

Die Vereinigten Staaten riefen am 5. September 2014 beim NATO-Gipfel im walisischen Newport (Gwent) die internationale Allianz gegen den IS ins Leben. Seitdem werden in den letzten Monaten immer wieder Luftangriffe gegen IS-Stellungen in Syrien und Irak geflogen. Wladimir Putin hat jetzt verstärkt militärische Hilfe für die Regierungstruppen in Syrien in die Wege geleitet. Er will eine internationale Allianz zur Unterstützung Präsident Assads gegen den IS. Washington lehnt dies ab, da man Assad nicht unterstützen wolle.

Die Moskauer Führung hat viele Gründe dafür, Assad treu zu bleiben. Zwar ist er kein enger Verbündeter, aber ein verdienter Geschäftspartner im Nahen Osten. Assad ist einer der letzten Herrscher der Welt, der Jagdflugzeuge und Luftabwehrraketen bedingungslos in Russland einkauft.

Und er steht dafür, dass Russland immer noch Bedeutung in der Welt hat. Andere Großmächte klingeln immer häufiger im Kreml an, um die Syrien-Krise zu lösen. Russland möchte seinen Ruf als treuer Verbündeter im Nahen Osten bewahren. Dass das weltweite Ansehen Russlands durch die Unterstützung Assads leidet, nimmt Moskau in Kauf. Ein abrupter Wechsel an die Seite der westlichen Staaten und der syrischen Opposition würde das kaum ändern. Da bleibt der Kreml offensichtlich seiner Linie lieber treu.

Ein gemeinsames militärisches Vorgehen Russlands und des Westens gegen den IS scheitert also an der Frage der Unterstützung Assads. Russland will ihn vor Ort an der Regierung halten, der Westen will einen Regimewechsel.

Die Bevölkerung kann das Ergebnis dieses Machtgerangels um politische Pfründe allerdings nicht mehr abwarten. Für sie geht es um Tod oder (Über-)Leben. Wir werden Syrien wahrscheinlich militärisch befrieden müssen, um für Menschen dort wieder ausreichende Lebensbedingungen zu schaffen. Bis dahin werden allerdings die Flüchtlingsströme weiter fließen.

© Thomas Dietsch

Lieber Pierre,

ich finde es schlichtweg unmöglich, tragisch und keineswegs akzeptabel, was derzeit passiert. Ich werde danach handeln, will konsequent sein und bin es auch. Wollte ich eigentlich nach Dänemark oder Großbritannien in diesem oder nächsten Jahr, so spare ich mir das. Die Länder, die keinerlei Hilfe und Einlenken zeigen, sich stur stellen oder entgegen der Gemeinsamkeit der EU handeln, sind nicht mehr die Länder, die ich gerne bereise und in denen ich mein Geld ausgeben möchte. Klingt das hart? Ich denke nicht, denn diese Situation hier verlangt nach einer Gemeinsamkeit, die sich jetzt hätte beweisen können, wo es am wichtigsten ist und es darauf ankommt, solidarisch als ein gemeinsames Europa zu agieren. Was sehen wir stattdessen? Deutschland, Österreich, Schweden, Frankreich können nicht die einzigen Länder sein, die Hilfe anbieten. Grenzkontrollen, Stacheldraht, eingeschränkter Zugverkehr und der Vorwurf, dass die Flüchtlinge die öffentliche Ordnung stören? Das ich nicht lache! Es sind beileibe nicht die Flüchtlinge (denn jeder von uns kann Flüchtling werden oder war es schon) sondern Europa selbst! Mag man Präventivmaßnahmen verbummelt haben oder die vorherige Planung eines Ereignissen, was vorausschaubar war, hatte keine Basis, dann darf man sich jetzt nicht wundern. Entweder ziehen alle EU-Mitgliedsstaaten an einem Strang oder ich schätze, das war es mit Europa und der propagierten Gemeinschaft. Es werden Grenzen kontrolliert, es wird dem Nachbarland misstraut und Ungarn setzt noch einen drauf und riegelt nicht nur nach Rumänien sondern sogar zum nicht-EU-Land Serbien ab. Geht´s noch radikaler? Und Orbàn ließ in Brüssel durchsickern, er könne sich eine weitere Grenze zu Kroatien vorstellen – schließlich kämen da auch Asylbewerber und Flüchtlinge her. Was fällt einem dazu noch ein, lieber Pierre? Ich nenne es territoriales Verhalten, eine überschrittene Grenze und eine absolut menschenfeindliche Vision! Wir haben es mit einer Völkerwanderung zu tun derzeit, so sehe ich es. Völkerwanderungen gab es früher schon und dieses hier ist eine, die eine Umstrukturierung erforderlich macht. Will Europa bestehen bleiben, gibt es nur einen Weg: Gemeinsam die Kuh vom Eis heben, eine Einigung der Staats- und Regierungschefs, anstatt sich gegenseitig die Flüchtlingszahlen zuzuschieben, fein abgezählt Menschen zu sortieren und das Mittelalter, was zur Zeit seine neue Form annimmt, sofort beenden. Das sind keine modernen Entwicklungsprozesse oder Integrationsmaßnahmen sondern Burgenverriegelung mit Hochziehen der Tore.
Ob die EU / Europa dazu fähig sind, wird sich zeigen. Aber wenn nicht, bedeutet das eine Zersplitterung in Einzelstaaten und alles, was bisher erreicht wurde (Grenzabbau, Währung etc.) war für die Katz´. Den Ländern, die sich derzeit gegen eine integrative, positive Lösung stellen, kann ich nur Verachtung entgegenbringen. Aber Gelder von der Europäischen Union einsammeln, das tun sie alle gerne, nicht wahr, lieber Pierre?

Eine herzliche Umarmung zurück,

 

Petra

© Petra M. Jansen

http://jansen-marketing.de