Von Süden her überfluten uns Menschenmassen. Wenn die Temperatur weiter im Rahmen des Klimawandels steigt, werden auch Mensch von Norden kommen. Von den Küsten! Dann, wenn das Packeis schmilzt und die Dämme in den Niederlanden und sonstwo brechen. Wohin mit all den Menschen? Wer wird die Ordnung in diesem engen Raum aufrechterhalten?! Ich fürchte niemand. Anarchie und Chaos werden herrschen, Gewalt wird an der Regierung sein.

Heute haben wir außer Kontrolle geratene Flüchtlingsmassen. Die Auffanglager liegen oft in der Nähe von Wohngebieten. Wenn man die Menschen nur unzureichend versorgen kann, wer sagt uns, dass bei dem Anblick, wenn vollbeladene Autos nach dem Einkauf ausgeladen werden, nicht der Gedanke kommt: „Holen wir uns doch, was man uns verweigert!“. Ein Gedanke, der sich erst kriminell anhört, aber bei genauerem Nachdenken nicht abwegig ist. Kriminell ist das, was derzeitigem Strafrecht widerspricht. Und unser Rechtssystem spiegelt eine bestimmte Gesellschaftsordnung wider. Bricht letztere zusammen, dann stellt sich auch die Frage nach einer neuen Rechtsordnung. Und nicht zuletzt einem System, dass diese auch durchsetzen kann.

Wenn nun Menschen auf klapprigen, überfüllten Booten übers Mittelmeer kommen, alles, wirklich alles zurückgelassen bzw. verloren haben, was sollte die aufhalten, sich das zu holen, was man zum Überleben braucht. Das ist keine Frage mehr von Nationalität, Herkunft, Hautfarbe oder sonst etwas. Es geht um das nackte Überleben.

Was sind die Gründe für die Misere? Derer gibt es viele. Wollen wir einen beleuchten? Stichwort Kolonialismus. Man zog aus Europa aus, um andere Länder und Menschen zu unterwerfen. Länder und ihre Bevölkerung sollten ausgebeutet werden. Ja, das ist die alte Leier! Aber einer der Hauptgründe, warum wir heute da sind, wo wir sind. Auf diesem, unser aller Erdball! Warum taten wir das damals? Aus wirtschaftlichen Gründen. Unsere Wirtschaft prosperierte, weil wir andere ausbeuteten. Dann kamen irgendwann die Befreiungskriege. Die Kolonien wurden unabhängig. Nach den verlorenen Kriegen straften die sogenannten „Mutterländer“ die ehemaligen Kolonien zunächst mit wirtschaftlicher Missachtung. Man ließ sie am ausgestreckten Arm verhungern! Der Kalte Krieg überzog die Welt, die Ideen des Westens gegen den Kommunismus. Wieder wollte man keine Handbreit Boden dem Gegner überlassen. Wir boten Entwicklungshilfe gegen das Gut des Kommunismus der anderen Seite. Nicht ganz uneigennützig: Länder, die unseren „heiligen“ Standard, die Marktwirtschaft, erreicht haben – sich „entwickelten“ – waren neue Handelspartner und damit gab es dort neue Märkte. Die Entwicklung ging schief! Heute weiß man das. Wenn wir ehrlich sind, war es vermessen, Demokratie und Marktwirtschaft als das allein Seligmachende zu verkaufen. Da sind Länder wie Irak, Iran, Afghanistan und so weiter, in denen Stammes- und Sippendenken von alters her herrscht, Staaten die religiös regiert werden. Die Menschen dort sind nicht in ihrer politischen und wirtschaftlichen Entwicklung zurückgeblieben. Sie denken einfach anders! Wir müssen in erster Linie lernen, nicht jene. Überall hat der Westen, wo er sich militärisch engagierte, „verbrannte Erde“ hinterlassen. Bürgerkriege, stammes- oder religionsorientiert. Eine Entwicklung, die sich seit unter Umständen Jahrtausenden vollzog, kann nicht von heute auf morgen umgekrempelt werden. Die Frage ist auch: Cui bono? Nur für uns! Die Segnungen der Demokratie einführen; mit der Absicht, dass Frieden einkehrt. Und dann schnell mal die Marktwirtschaft nachschieben. Neue Märkte eröffnen sich, kriegsgebeutelte Länder entwickeln, nachdem Frieden einzieht, einen hohen Wiederaufbaubedarf und eine entsprechende Nachfrage. Was für ein Wirtschaftswachstum! Aber das ging meistens schief. Dauert der Krieg zu lange und wird damit zu teuer, ziehen wir uns zurück. Eine Fehlinvestition! Wir müssen kapieren, dass die Möglichkeiten der Marktwirtschaft und des Wirtschaftswachstums an ihren Grenzen gestoßen sind.

Hände weg von Neokolonialismus! Wir sind an einer Schwelle, wo wir das, das wir vor zweihundert Jahren gesät haben, ernten müssen. Und damals haben wir die Grundlage für Hunger, Leid und Unterdrückung gelegt. Vor Ort in den Ländern muss mit Hilfe dortiger Experten eine Neuaufbau geleistet werden. Ein solcher nach den dortigen Gesetzen! Das wird wohl mindestens Millionen, wenn nicht Milliarden kosten.

Aber es wird Gewalt beenden und unsere eigene Hemisphäre vor solcher schützen.

 

Thomas Dietsch

Die Wellen rauschen an den Stränden der Ägäis, in Athen der Verkehr in Massen. Es stinkt nach Abgasen, Dreck und Hitze machen im Sommer das Atmen in der Stadt schwer. Kühler und romantischer ist es am Meer, irgendwo an den Stränden der vielen griechischen Inseln. Eigentlich alles in Ordnung, so auf den ersten Blick. Das Leben bahnt sich seinen Weg. Erst auf den zweiten Blick, den in die Seitengassen und hinter die Kulissen, fällt einem der Kontrast ins Auge, die Veränderung. Auf den großen Straßen, den Alleen, den Pulsadern der Stadt, sind die mikrofeinen Risse noch kaum erkennbar. In den Seitenstraßen: ein Bild des Verfalls. Die Stadt und auch der Staat sind pleite. Altbekannt!

Eine Bar in Athen, welche sich auch in London oder sonstwo in irgendeiner Metropole befinden könnte. Unverputzte Wände, freigelegte Rohre und ein DJ-Pult, der universellen Look jugendlicher Subkultur. Drei junge Frauen haben dort ein paar Stände mit selbst geschneiderter Kleidung, Schmuck und Taschen aufgebaut.

Ich beobachte die Szene: manchmal bleiben Menschen stehen, betrachten die Ware, vielleicht eine kurze Erkundigung nach Preis oder Qualität. Aber man geht weiter. Das Geld ist knapp im Volk! Wenn jemand ernstere Kaufabsichten an den Tag legt, dann sind dies meist Touristen, unter anderem auch aus Deutschland. Unterhält man sich nur über den Einkauf? Oder spricht man, zum Beispiel in der gleichen Altersgruppe, nicht auch über andere Dinge wie: „Wo kommst Du her?“, „Ich bin die … und der …“ und ähnliches. Was antwortet man einer netten, jungen Griechin hinter dem Tresen des schlecht besuchten Standes auf die Frage nach der Herkunft? „Aus Deutschland!“ und lächeln? Sich vielleicht gar um den Hals fallen? Haben uns die Medien nicht auf beiden Seiten konditioniert? Gehe ich dahin und kaufe etwas und sage, dass ich aus Deutschland komme, dann muss doch bei der Athenerin die ganze Datei ablaufen: Deutschland-Schäuble-Sparmaßnahmen-Unterdrückung! Und dann weicht wahrscheinlich ihr Lächeln aus dem Gesicht. Von uns kommt das Spardiktat, vom trotzigen Noch-Premierminister Alexis Tsipras, der Vorwurf der „Erpressung“ an den Rest Europas.

Insgesamt ergeben sich Bilder eines europäischen Failed State, in dem Menschen hungern, lebenswichtige Medikamente fehlen und die Politiker durchgedreht sind. Oft wird dabei übersehen, dass es in Griechenland immer noch eine urbane Mittelklasse gibt. Talentierte junge Menschen, die eine Hoffnung für dieses Land sind. Wie sehen sie ihre Zukunft hier? Und was denken sie über Deutschland? Die, die als Kinder ihre ersten Euro-Münzen in Händen hielten. Die, von denen man erwartete, dass sie studieren, auf dass es ihnen einmal besser geht. Die, die die Grenzen des Landes sprengen und im Reigen der europäischen Bildungselite mitreden sollten. Wie geht es diesen jungen Menschen? Berichtet einer über sie? Über ihre zerplatzten Träume, abgebrochenen Studien, um zum Familienunterhalt beizusteuern und jener nicht auf der Tasche zu liegen. Bilder und Berichte von verzweifelten Rentnern, die vor geschlossenen Banken warten, gibt es viele. Es ist schlimm, mitanschauen zu müssen, wie die Menschen leiden, die den Staat aufgebaut und über Jahrzehnte geprägt haben, der nun innerhalb von Monaten von politischen Phantasten dem Verfall preisgegeben wird. Die Alten verdienen die Unterstützung, sie haben den Staat ein Leben lang getragen. Aber was geschieht danach? Jede Generation stirbt einmal aus. Und die Jugend ist unsere Zukunft. Jungen Menschen die Perspektive, ja, die Träume zu nehmen heißt, ihnen und mithin einer Gesellschaft die Zukunft zu nehmen. In Armut den Tag wegdösen zu müssen ist ein Verbrechen an einer ganzen Generation. Ein Delikt am Volk selbst! Und so sei es den Menschen gedankt, die trotz der Tatsache, dass sie aus der Bahn geworfen wurden, die Dinge neu anpacken. Nicht studieren, aber zum Beispiel einen Stand eröffnen, um zum Familienunterhalt beizutragen. Dies gilt generationenübergreifend. So hat ein 50-jähriger Banker, nachdem er in seinem Urlaub gekündigt wurde und nach einem Jahr staatlicher Stütze – länger gibt es in Griechenland keine Unterstützung von Arbeitslosen – auf der Straße landete, eine Suppenküche eröffnet. Ein Unternehmen für die, die noch schlimmer als er dran sind. Sage keiner, die Menschen seien faul! Hilft der Staat nicht, worauf die Steuerzahler eigentlich Anspruch hätten, so helfen sich die Menschen selbst. Griechenland ist kein Failed State, nein, das Land ist ein Projekt. An der staatlichen Politik vorbei haben die Menschen das Ruder übernommen. Gönnen wir ihnen auch eine Zukunft!

© Thomas Dietsch

Haben Sie schon einmal so einer Marmorstatue gegenübergesessen und deren Aura auf sich wirken lassen? Nein?! Nun, ich tat es vor einiger Zeit. Es war irgendein Museum in irgendeiner Stadt. Vor mir der Torso einer Figurengruppe. Es ist eigentlich nur der Herkules geblieben, um ihn herum ranken irgendwelche Arme und Finger, Reste von Figuren, die wohl einst nach ihm griffen oder um ihn herumtanzten. Eine Marmorkopie einer griechischen Statue. Das Original ist wohl längst zerstört, der Zahn der Zeit ist unerbittlich. Da liegt er auf seinem Felsen so, als räkele er sich in einem Wohnzimmersessel. Ist es Wohlbefinden oder Schmerz in seinem Gesicht? Ich weiß es nicht, was diesen nackten Halbgott im Moment bewegt, versuche es zu ergründen. Irgendwie fühlt er sich beobachtet, schweigt. Er will mit mir sein Innerstes nicht teilen. Nein, ich bin ein Fremder, in jeglicher Hinsicht. Ich möchte in seine Zeit, sein Innerstes, seine Geheimnisse eindringen. Es ist ihm unangenehm, man kann es spüren. Wer mag ihn aus dem Steinblock befreit haben, welcher Künstler? Ein römischer Handwerker? Eine Auftragsarbeit für einen reichen Patrizier? Auch das weiß ich nicht. Was sich mir offenbart, ist sein Äußeres. Und das ist makellos, sieht man von den Schrammen der Jahrhunderte ab. Krauses Haar, man würde heute sagen „ungepflegt“, ein Bart. Die Augen halb geschlossen, so als wolle er gar nicht sehen, was da vor sich geht. Eine typisch griechische Nase, selbst die Lippen sind sehr gut herausgearbeitet, soweit der Bart einen Blick auf sie erlaubt. Hals, Oberkörper, Arme, Beine, ja selbst die Zehennägel sind dargestellt. Es ist dem Steinmetz gelungen, der Figur Leben einzuhauchen. Ich stehe auf von der Bank des Betrachters, nähere mich ihm. Jeder Muskelstrang scheint bis zum Zerreißen gespannt, man möchte die Haut berühren. Ich sehe über meine Brille, während ich mit der Hand über den linken Unterarm streiche. Ich suche die Poren der Haut, um sogleich den Kopf zu schütteln und in mich reinzulachen. Nein, soweit ging es dann doch nicht. Ein wahres Kunstwerk, ein Meisterstück! Entlassen aus einem Marmorblock, wie der Geist aus der Flasche. Mit Demut und Bewunderung, einem letzten Blick auf meinen Gesprächspartner, verabschiede ich mich und gehe weiter.

Was ist es, das die Bildhauer seit Ewigkeiten besitzen, das einem schreibenden Menschen fehlt?! Quält einen nicht öfter die sogenannte Schreibblockade? Ich kann ihn immer erkennen, diesen Block aus Buchstaben. Er ist sehr groß, ein rechteckiges Chaos aus Lettern. Ich möchte diesen Buchstaben, die ich seit meinen Schulanfängen kenne, Leben einhauchen, sie zu Worten und Sätzen formen. Warum bleibt zu oft am Ende einer Geschichte der Eindruck, dass man es doch nur zu einem oberflächlichen Torso gebracht hat? Ein unvollendetes Werk, vielleicht sogar eine tote Figur? Wer will diese betrachten? Ja, eigentlich muss sie kein Fremder sehen. Man schreibt aus der Phantasie heraus, genau wie der Bildhauer von dort aus beginnt, den Stein zu bearbeiten. Befreit man die Dinge aus ihrem Gefängnis, den Geist aus der Flasche, beginnen diese zu atmen. Der Atem des Lebens! Ist es nicht so, dass wir beide – der Bildhauer und ich – unser Alter Ego uns gegenüberstellen, ihm Leben einhauchen, um ein Zwiegespräch mit diesem zu beginnen? Schreibt oder klopft man wirklich für Fremde? Die wenigsten werden das nach einigem Nachdenken behaupten können. Das „Vor-Augen-führen“ ist der Dreh- und Angelpunkt. Je besser man sein Innerstes darstellt, behaut oder beschreibt, umso klarer kann man sich selbst in die Augen sehen. Wenn ich schlecht schreibe, gehe ich schludrig mit mir selbst um. Einerseits ein vielleicht hartes Urteil. Andererseits ist es eine Auftragsarbeit des inneren Ichs – und da wollen wir nicht pfuschen. Mein Meisel, die Feder, liegt vor mir. Es liegt am Autor, der Geschichte Leben einzuhauchen. Kann es überdauern? Wer weiß! Auch die Römer haben Kopien der griechischen Kunst gefertigt, dank derer wir uns ein Bild der Originale machen können, von jenen, die schon längst verschwunden sind. Und so sitzt man heute in Museen auf Bänken und kann mit den Nachkommen sprechen. Sie erzählen aus der Tiefe der Vergangenheit. Eine jede Statue hat ihre Geschichte. Man braucht deren einstige Begleiter nicht vor Augen, einige Finger oder andere Körperteile berichten uns von deren Anwesenheit. Auch sie hören uns zu. Das Auge erfasst, der Geist ruft sie herbei. Diese Zeilen eines heutigen Zeitgenossen seien all den Mäzenen der Vergangenheit gewidmet, vor denen ich mich untertänig verbeuge. Hammer und Meißel in Händen betrachte ich diese Werkzeuge und denke mir: „ Hau Dir bloß nicht auf die Finger!“.

Lieber Pierre,

manchmal fragt man sich, wie ein Baum mit seinen Wurzeln auf steinigem Boden Fuß fassen kann ohne zu Vertrocknen. Aber es geht, er überlebt und findet seine Nische, die ihm den größtmöglichen Vorteil verschafft. Genauso ist es mit allen Lebewesen, denn sie sind programmiert auf erfolgreiches Überleben. Welche Strategien sie dabei fahren, entscheidet die individuelle Entwicklung und Evolution und wenn es Mist ist, gibt es eine natürliche Selektion. Eigentlich ist das logisch und wir verstehen das, aber hast du schon einmal etwas erlebt, was Menschen nicht unnatürlich überdacht, gemacht oder versucht haben? So ist es in diesem Fall auch. Lieber Pierre, quengelnde und auf den Boden stampfende Kinder mag ich nicht. Ich mag nicht die Trotzigkeit mit der sie partout ihren Willen durchsetzen wollen und ich mag auch keine unerzogenen Hunde. Bin ich nun ein Prinzipienreiter oder konservativ denkender Mensch? Absolut nicht, wie du weißt.
Jede Gesellschaftsform hat ihre eigenen Regeln und während in einigen Ländern das in-der-Nase-Bohren, Spucken, Rülpsen absolut zum guten Ton gehört, ist es woanders eine Katastrophe und wir würden jedem, der sich derart daneben benimmt, sofort den modernen Knigge in die Hand drücken. Was ich sagen will ist, dass eigentlich jeder versucht, die größtmögliche Freiheit zu leben und je nachdem, wie ausgeprägt das sein mag, geht es konform mit dem Begriff Freiheit oder kollidiert damit. Ich persönlich habe mich in meinem Leben so gut wie nie und niemandem untergeordnet, weder beruflich noch privat und werde es auch niemals freien Willens tun. Wem das rebellische Verhalten und die damit verbundene Schwierigkeit im Umgang mit mir zu schwierig erschienen, der konnte gehen. Ich lege keinen Wert darauf, mich anzupassen und das mag der Grund sein, wieso ich viele Jobs nicht bekommen habe oder mein Leben lang selbständig war. Ändern konnte ich es bis heute nicht und obwohl wir durchaus an Regeln des täglichen Lebens stoßen, gibt es jede Menge Freiheiten für uns alle. Wir nehmen uns die Freiheit, das hier zu schreiben und zu publizieren und wir nehmen uns viele andere Freiheiten, unser Leben zu genießen. Dürfen das tatsächlich alle Menschen? Nein und das weißt du. Ein Land, in dem so viele Möglichkeiten offen stehen, sich frei zu bewegen, Kultur, Musik o.ä. zu genießen, Vergnügungsparks oder Veranstaltungen zu besuchen, Reisen zu machen und die größtmögliche Wahl zu haben (persönlich, beruflich, privat) sollte sich nicht beschweren. Wir aber sollten ernsthaft schauen, dass der Freiheit der Meinungsäußerung – speziell im brauen Sektor der rassistischen Parolen der Ex-DDR, die ich immer im Visier habe – mal das Maul gestopft wird und nicht überhand nimmt. Hier geht für mich die Freiheit zu weit, denn jede zweite rassistische Äußerung und Tat kommt tatsächlich aus unserem Osten, wo sie früher nichts zu sagen wagten. Ist es nun Freiheit, andere Menschen zu degradieren, zu beschimpfen, zu diskriminieren oder ihnen Schaden zuzufügen? Absolut nicht und wir sehen, dass die Freiheit durchaus negativ vergewaltigt werden kann. Es ist also immer eine Sache der Betrachtung, lieber Pierre. Und ein Kind, das vehement mit den Fäusten auf den Boden trommelt ist ebenso ein tragischer Anblick wie ein Jagdhund in der stickigen Großstadt. Auch dieser braucht eine konsequente, liebevolle Erziehung, gerade u m seine Freiheit ausschöpfen zu können! Wenn er folgt, hat er mehr Freiheiten als ein Hund an der Leine, mit dem man sich schämen muss, irgendwo aufzutauchen. Ich resümiere, lieber Pierre: Je klarer und besser die Grundlagen, umso mehr besteht die Möglichkeit später im Leben so viel Freiraum wir möglich zu genießen und sich die Basis für ein höchstmöglich freies Leben zu schaffen. Ich empfinde das nicht als Geißelung oder Reglementierung sondern als Sprungbrett für MEHR.
Wenn ich in meinem Leben zurück schaue, stelle ich eines fest: Meine persönliche Freiheit, die ich auch exzessiver lebe als viele andere, war teuer, wenn man an die Kohle denkt. Aber um nichts in der Welt hätte ich es je anders gemacht, denn heute kann ich so viele Dinge tun, die mir verwehrt geblieben wären, hätte ich mich angepasst und meine Klappe gehalten, wo es vielleicht für das Geschäft oder die Finanzen angebracht gewesen wäre. Aber ist es das, was ich wollte? Sicher nicht und sollte ich einen kläffenden Hund an der Leine zerren sehen oder ein kreischendes Kind im Supermarkt, stelle ich mich schon hin und frage „Sagen sie mal, haben sie keine Ahnung von Hundeerziehung oder Kindern? Sie tun dem Hund/ Kind keinen Gefallen, wenn sie ihn nicht gesellschaftsfähig machen.“ Tut mir leid, dass ich heute so klar und vielleicht hart bin, aber das Geplapper, dass wir so verdammt unfrei sind, geht mir ein wenig auf die Nerven. Freiheit ist immer das, was man selbst aus seinem Leben macht und wir können sehr, sehr froh sein, hier im Westen zu leben, in dem es uns mehr als gut geht. Manchmal habe ich den Eindruck, uns geht es zu gut! Vergleichen wir das mit den Ländern, aus denen die armen Menschen flüchtig sind und hier in die Hölle kommen, dann erübrigt sich jede philosophische Betrachtung. Peng! 😉

Alles Liebe und eine wirklich herzliche Umarmung,
Petra

 

© Petra M. Jansen

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Liebe Petra,

mein Enkel hat immer mehr Wutanfälle und das wäre altersgemäß, so wird behauptet! Ich kann ihn sehr wohl verstehen, da auch ich alles gerne zertrampeln würde, aber meine gute Erziehung ist mein Stolperstein. Es wird immer von einem Erwachsenen erwartet, dass er sich artig benimmt, wohl erzogen und vor allem unterworfen. Das nennt man eine pragmatische Lebensart, die zum Schreien langweilig ist – nur nicht anecken. Von klein auf, wird man zum „Klappe halten“ getrimmt. Nur nicht auffallen! Ich würde gerne anders vorgehen, aber überall gehen die Schranken zu. Wir sind so programmiert, dass wir ständig warten müssen. Auf was bitte? Auf die Würmer, die sich in unserem modrigen Fleisch herum tummeln werden? Wahrhaftig eine tolle Perspektive! Der Beweis dafür, dass der so genannte anständige Mensch ständig verarscht wird. Nein, nein, nein schreit der kleine David und ballert mit seinen kleinen Fäusten auf den Tisch, aber sehr schnell merkt er, wie sinnlos solch ein unverständliches Verhalten ist. Nur entsetzte Erwachsene, die auf ihn einreden gefälligst nett zu sein. Wozu bitte? Gibt es überhaupt einen Grund dafür? Hier sieht man, liebe Petra, wie verlogen die gute Erziehung ist und wie überall geht es letztendlich nur um Macht. Wer sich aufmüpfig benimmt, stört und was stört, muss entfernt werden. Das führt zu einer totalen Lähmung des Geistes und der Intelligenz. Ich glaube letztendlich, liebe Petra, dass nur die Dummheit siegen wird. Warum? Weil unser Verhalten sich ganz und gar der Scheiße angepasst hat. Wir bewegen uns auf dem untersten Niveau und glauben, uns somit abheben zu können, alleine, weil wir brav sind und das ist zum Kotzen.

Indem wir uns anpassen, üben wir den ständigen Selbstmord. Wenn es um mich alleine ginge, könnte ich als alter Knacker damit leben. Viel schlimmer ist die Gehirnwäsche, die die Kinder in den Kitas oder in den Schulen erleben. Sie werden zu Schafen degradiert und dafür belohnt. Eine Schar von Idioten, die sich süß benehmen sollten. Ein Land des Lächelns, das nur Banalität erzeugt. Und wie wäre es, wenn sich jeder wie ein Revoluzzer benehmen würde? Das wäre auch die Hölle! Wenn Kinder den Aufstand üben, nerven sie und es ist kaum auszuhalten, auch wenn ihr Verhalten durchaus legitim ist. Also muss Ordnung her und da wären wir wieder am Beginn der Kette. Wer sich nicht anreiht, fliegt einfach raus und dass das oft die Besten sind, wird einfach aus Staatsraison hingenommen. Lieber mit bejahenden Schwachsinnigen zu tun haben, die sich durch den Konsum einlullen lassen, als den Widerständler vorzugeben, das ist die Realität. Pierre Mathias ist auch zur Larve geworden, auch wenn er das Gegenteilige behauptet. Er wühlt sich vor der Obrigkeit auf den Bauch und lebt so korrekt, dass er sich im Spiegel kaum mehr noch erkennt. Eine Masse von Kilos, die sich durch Bequemlichkeit angesammelt haben – faules Fett, prost Neujahr! Mit ein paar kantigen Bemerkungen ist es nicht getan und auch ich gehöre zur Herde der Arschlöscher. Dabei fühlt man sich nicht einsam, glaube mir.

Was soll diese dämliche Abhandlung? Bin ich auf Pilgerfahrt? Muss ich mich selbst peitschen um Herrn Gott seine Pfoten küssen zu können? So scheint es zu sein und vielleicht bin ich ein Sadomaso, der von einer Domina angepinkelt wird und dafür noch dankbar ist? Hallo, ich bin nur noch ein Haufen Scheiße und genieße das.“ Was für ein Armutszeichen. Ist das das Ziel, dass ich erreichen wollte? Mir wird bewusst, dass ich mir viel vorgemacht habe, aber das war die Grundvoraussetzung, um das Leben zu ertragen. Leute, auch wenn ihr es nicht glaubt, ich liebe es und um es zu ertragen, habe ich Kompromisse gemacht. Dazu gehören gute Manieren, denn ohne sie wäre ich einsam herum geirrt und hätte kaum eine Frau gefunden. Wer will schon mit einem Schurken seine Existenz teilen? Also habe ich mich wie eine Ameise eingereiht und verhalte mich entsprechend. Soll ich das meinem Enkel weiter vermitteln und soll ich ihm sagen, dass er sich so zu benehmen hat, wie die Gesellschaft es verlangt? Das fällt mir verdammt schwer, liebe Petra, aber anders ist es kaum möglich zu überleben. Der Mensch ist definitiv nicht frei, das sollte man sich hinter die Ohren schreiben. Er ist Sklave seiner selbst. Das zu meiner morgigen Stimmung. Es lebe doch die Anarchie, auch wenn man sie verdammen sollte.

In diesem Sinne,
herzliche Umarmungen aus unserer Hauptstadt der Sinne,
Pierre

//pm

Sie ziehen durch die nächtlichen Straßen der Städte und Dörfer. Auf den Straßen herrscht Krawall, in den Häusern regiert die Angst. Scheiben klirren, Autos und Wohnungen gehen in Flammen auf. Der hauptsächlich aus Männern bestehende Mob aus verschiedenen Nationen ist bewaffnet, aggressiv. Was sich ihm in den Weg stellt, wird niedergemacht, getötet. Man plündert und brandschatzt. Die Location? Sie ist imaginär – noch! – irgendwo in Westeuropa. Ja, es könnte in Deutschland sein. Polizei ist keine zu sehen, die Ordnungsbehörden haben kapituliert aufgrund der Masse der Randalierer. Was ist passiert? Ein Endzeit Theme?! Das könnte es sein. Schauen wir nach Lampedusa, Kos und Mazedonien. Zustände, schlimmer als im Mittelalter! Die Menschen hausen auf nackter Erde. Zwei Behelfstoiletten für Hunderte. Anweisungen der Ordnungsbehörden gehen ins Leere, man hat nicht genügend Beamte, um der Lage Herr zu werden. In Mazedonien haben die Behörden am Wochenende kapituliert. Man lässt die Dinge laufen, überfüllte Züge rollen aus dem Transitland nach Westeuropa. Und sie werden ankommen! Interessiert uns im Moment nicht? Sollte es aber! „Die da unten“ in Griechenland und Italien sind nicht unfähig, die Angelegenheit zu regeln. Man hat mit einem solchen Ansturm nicht gerechnet. Genauso wenig wie wir es tun. Noch ist das alles weit weg.

Ein kleiner Blick in die Geschichte: Gehen wir nach Nordamerika. Dort lebt ein kleiner Indianerstamm um 1850 friedlich in den westlichen Prärien. Eines Tages kommt ein junger Krieger angerannt und deutet aufgeregt zum Horizont. Man sieht nach, beäugt diese komischen Planwagen staunend und ein wenig kritisch. Den ersten Ankömmlingen ist man vielleicht noch freundlich begegnet, half ihnen vielleicht sogar. Irgendwann griff man die Trecks an. Weil die, die da kamen die Büffel töteten, den Lebensraum stahlen, die Stammesangehörigen ermordeten und Krankheiten einführten.

Es geht hier nicht um Politikrichtungen oder gar irgendwelchen Nazidreck wie „Wir halten unser Land sauber!“. Keine Politikrichtung wird bei obigem Problem helfen. Wir brauchen ein völlig neues, globales Politikverständnis. Bei den Massen an Flüchtlingen, die in Südeuropa momentan anlanden (nicht zu vergessen jene, die auf der Überfahrt ertrinken!), müssen wir uns die Frage stellen, was Menschen in einem kleinen überfüllten Boot die Überfahrt über ein Meer (!!!) antreten lässt. Die Hoffnung auf einen großen Wagen, das große finanzielle Glück im Ausland? Nein! Es sind Hunger, Verzweiflung, der Verlust der Familie aufgrund irgendwelcher Kriegsverbrechen, die diese Menschen starten lassen. Diese Leute haben nichts mehr zu verlieren! Ich denke, wir dürfen es nicht ansatzweise wagen, uns das Elend vorzustellen, aus dem die Menschen fliehen. Und schon gar nicht dürfen wir uns anmaßen, über sie zu richten. Hier geht es nicht mehr um „politisch verfolgt“ oder „Kriegsflüchtling“ ja oder nein. Die Frage lautet: Überleben oder sterben. Und dann wird jeder zu allem fähig!

In wie viele nationale Konflikte auf dieser Welt hat sich der Westen eingemischt?! In dem imperialistischen Bestreben, die Welt mit Demokratie und Marktwirtschaft zu kurieren? Haben wir doch damit uralte Gesellschaftsstrukturen und Kulturen vor Ort kaputtgemacht. Sind wir wirklich besser als die Conquistadores in Mittel- und Südamerika?! Fast jede Einmischung hinterließ verbrannte Erde, ob wir Vietnam, Indochina, Irak oder Afghanistan nehmen. Die Konflikte lodern weiter, auch nach Rückzug unserer Streitkräfte.

Sei es, wie es sei. Die Mauer in Spanien und auch der beabsichtigte Stacheldrahtzaun an der ungarischen Grenze werden die Lösung des Problems zeitlich vielleicht verschieben, auf Kosten vieler Verletzungen und Menschenleben. Was wir brauchen, ist eine Lösung vor Ort! So wie wir Bergbauregionen nach der Exploitation renaturieren, müssen wir in den Ländern, in welchen wir Öl aufs Feuer gossen, unsere Hinterlassenschaften beseitigen. Jeder Kontinent entwickelt sich nach „seinen“ Gesetzen. Die in Afrika und Asien sind uralt. Älter als die in Europa! Anders ausgedrückt: Gelder für Militär, Schutzzäune und -mauern müssen in „Nachbarschaftshilfe“ zwischen den Völkern gesteckt werden. Nur da bringen die Investitionen als Win-Win-Situation dauerhaft Erfolg. Wir rüsten derzeit für einen Kampf gegen die Wirkungen, nicht gegen die Ursachen. Es ist fünf vor zwölf! Vielleicht kann man die Uhr anhalten.

Wir telefonieren immer und überall – ist das ein Segen oder ein Fluch für uns und unsere Freundschaften? Wenn manche Bekannte anrufen, dann hupt und schreit es im Hintergrund. Sie telefonieren nämlich von unterwegs. Kaum die eigenen vier Wände verlassen, wird das Smartphone gezückt. Ihre Zeit zu Hause nutzen sie für andere Dinge. Wir haben schließlich wenig davon; zumindest bilden wir uns das ein. Man muss noch etwas für die Uni erledigen, eine Expertise schreiben, Kochen und ähnliches. Abkehr von Fastfood heißt selbst gesund zu kochen. Da bleibt keine Zeit mehr zum Telefonieren. Deshalb erledigen wir das unterwegs – um Zeit zu sparen. Früher wurde auch gekocht. Und zuweilen telefoniert. Hörer am Ohr und rühren … Aber das ist nur etwas für Multitasker. Heute gibt es dergleichen doch mehr als früher. Setzt man jedenfalls so voraus. Aber wahrscheinlich liegt es daran, dass niemand dazumal das Wort kannte und unsere Multitaskingfähigkeiten heute eher ab- als zugenommen haben. Zugestehen will sich das aber niemand. Man ist schließlich modern! Man hat doch mehr zu bieten als die damalige Hausfrau der 1970er Jahre. Das bisschen Hausputz, Einkaufen, drei Kinder zur Schule bringen, abholen, für jene kochen, Verwaltungskram erledigen, Abendessen machen. Peanuts für uns heute, die wir so viel Selfies verschicken müssen, Nachrichten permanent abrufen und das Leben mittels Apps zu meistern haben. Stress pur! Heute ist es wichtig, aufgrund der knappen Zeit unterwegs „auf Draht zu sein“. Manche Freunde warten schon seit ein paar Tagen auf einen Rückruf, andere haben uns eine Whatsapp geschrieben, dass es etwas wahnsinnig Wichtiges zu besprechen gibt. Diese Gespräche in der raren Freizeit zu Hause zu führen, ist für uns undenkbar, wenn wir doch eh zwischen den Bahnhöfen Fulda und Hamburg Hauptbahnhof wegen einer halben Stunde Zugverspätung gefangen sind. Da man über Allnet-Flat verfügt, kann man immer und überall hintelefonieren. Und das nutzt der Zeitgenosse gerne aus. Dass der Empfang im Tunnel manchmal weg ist, man zwischendurch mal nichts versteht, weil der Presslufthammer so laut ist und dass man ab und an unterbrechen muss, wegen was auch immer, nehmen wir in Kauf. Wohlgemerkt: der Anrufer nimmt das willentlich in Kauf. Unsere Gesprächspartner müssen es notgedrungen in Kauf nehmen. Ein Stück Macht über andere! Immer und überall erreichbar – aber auch jederzeit die Möglichkeit, den Knopf zu drücken, wenn man keinen Bock mehr hat.

In den bereits erwähnten 1970ern war es in dieser Republik noch etwas anders. Da kaufte die Familie diese extralangen Kabel, mit denen man das Telefon bis ins Bad mitnehmen konnte. Dort legte man sich gemütlich in die Wanne und telefonierte dann zwei Stunden lang in aller Ruhe den ganzen Freundeskreis durch.

Diese Zeiten sind vorbei. Heute muss alles schnell gehen. Wobei: schneller und sowieso eigentlich besser am schnellsten. Wir nutzen jede Sekunde dafür, irgendetwas zu tun. Telefonate, die wir mit unseren – eigentlichen – Freunden führen, werden zur Belastung im engen Zeitplan. Wir wollen es nicht führen, wir müssen! Wir tun die Dinge des Tuns willen, nicht, weil wir kommunizieren möchten.

Deshalb schieben wir es irgendwo dazwischen, weil uns die Diensteanbieter die Möglichkeit dazu geben. Wir nehmen uns keine Zeit mehr dafür. Und wir nehmen uns dadurch keine Zeit mehr für unsere Freunde. Stattdessen speisen wir sie zwischen zwei Terminen ab.

Ist das im Sinne des Erfinders? Für Freunde sollten wir uns Zeit nehmen. Genauso, wie wir es für uns tun sollten. Wenn wir mal drüber nachdenken, dann müssten wir uns eingestehen, dass es uns nicht schlecht täte, im Zug einfach mal die vorbeirauschende Landschaft zu hypnotisieren oder auf dem Weg sonstwohin nur mal die Eindrücke der Straße in uns aufzusaugen, das Rauschen der Blätter der Bäume zu hören, den Wind im Gesicht zu spüren. Ohne Whatsapp, Nachrichten usw. das Gehirn einfach mal durchzuspülen. Weg mit dem Datenschrott! Einfach nur runterkommen, die Minuten der Ruhe nutzen, um uns zu sammeln. Neue Kraft für kommende Aufgaben. „Non multa, sed multum!“. Das sollte man mal wieder googeln …

© Thomas Dietsch

Tagein tagaus stehst du am Fenster und wartest auf Regen. Er kommt nicht. Es regnet nicht. Wechsel des Bildes vor deinen Augen? Fehlanzeige, es findet nicht statt. Morgen träumen wir vom Gestern, heute träumen wir vom Morgen. Vorgestern ist heute, übermorgen ist Jetzt. Tagein, tagaus siehst du das Gleiche. Vom Fenster aus. Du stehst am Rand des Lebens, inmitten deines Haufens Scheiße, der dich nicht fasziniert. Entsetzt über dich lauerst du auf Hoffnung. Schwermut in deinem Blick. Es geht nicht vorwärts, nicht zurück. Stillstand statt in sich ruhend. Träge wischt du die Träne unter deinen Augenrändern weg. Was ist eigentlich geschehen? Hast du den Absprung verpasst? Hast du den Sinn des Lebens nicht verstanden? Rennst weg und bist auf der Flucht deines Glücks? Wo steht geschrieben, wie es beschaffen ist? Einen Kaffee in der Linken, die zehnte Kippe in der Rechten. Starrst auf die Wolkenbildung, die keine Formen hat. So wie dein Leben keine Form mehr hat. Der Vorhang ist hochgezogen, die Bühne leer. Scheiße gelaufen ist das alles, da stehst du nun und grübelst. Eine neue Frau? Ein neuer Mann? Ist es das, was dein Leben wieder lebendig macht? Ist der Job ein Maloch für´ s Leben? Drauf geschissen, auf die Kohle! Du willst das Feuer spüren und riechst die Asche. Jeden Tag ein halbes Kilo mehr auf den Hüften. Langweile macht dich zum fressenden Märtyrer, der Ausschau hält nach Fitness. Geistig , körperlich, emotional. Gelangweiltes Dasein, dass du hast. Langweiliger als der Schlaf des Todes. Lebe verdammt nochmal die Spuren deiner Vergangenheit. Und rufe den einsamen Ruf des Helden.

 

© Petra M. Jansen

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