Die Wellen rauschen an den Stränden der Ägäis, in Athen der Verkehr in Massen. Es stinkt nach Abgasen, Dreck und Hitze machen im Sommer das Atmen in der Stadt schwer. Kühler und romantischer ist es am Meer, irgendwo an den Stränden der vielen griechischen Inseln. Eigentlich alles in Ordnung, so auf den ersten Blick. Das Leben bahnt sich seinen Weg. Erst auf den zweiten Blick, den in die Seitengassen und hinter die Kulissen, fällt einem der Kontrast ins Auge, die Veränderung. Auf den großen Straßen, den Alleen, den Pulsadern der Stadt, sind die mikrofeinen Risse noch kaum erkennbar. In den Seitenstraßen: ein Bild des Verfalls. Die Stadt und auch der Staat sind pleite. Altbekannt!

Eine Bar in Athen, welche sich auch in London oder sonstwo in irgendeiner Metropole befinden könnte. Unverputzte Wände, freigelegte Rohre und ein DJ-Pult, der universellen Look jugendlicher Subkultur. Drei junge Frauen haben dort ein paar Stände mit selbst geschneiderter Kleidung, Schmuck und Taschen aufgebaut.

Ich beobachte die Szene: manchmal bleiben Menschen stehen, betrachten die Ware, vielleicht eine kurze Erkundigung nach Preis oder Qualität. Aber man geht weiter. Das Geld ist knapp im Volk! Wenn jemand ernstere Kaufabsichten an den Tag legt, dann sind dies meist Touristen, unter anderem auch aus Deutschland. Unterhält man sich nur über den Einkauf? Oder spricht man, zum Beispiel in der gleichen Altersgruppe, nicht auch über andere Dinge wie: „Wo kommst Du her?“, „Ich bin die … und der …“ und ähnliches. Was antwortet man einer netten, jungen Griechin hinter dem Tresen des schlecht besuchten Standes auf die Frage nach der Herkunft? „Aus Deutschland!“ und lächeln? Sich vielleicht gar um den Hals fallen? Haben uns die Medien nicht auf beiden Seiten konditioniert? Gehe ich dahin und kaufe etwas und sage, dass ich aus Deutschland komme, dann muss doch bei der Athenerin die ganze Datei ablaufen: Deutschland-Schäuble-Sparmaßnahmen-Unterdrückung! Und dann weicht wahrscheinlich ihr Lächeln aus dem Gesicht. Von uns kommt das Spardiktat, vom trotzigen Noch-Premierminister Alexis Tsipras, der Vorwurf der „Erpressung“ an den Rest Europas.

Insgesamt ergeben sich Bilder eines europäischen Failed State, in dem Menschen hungern, lebenswichtige Medikamente fehlen und die Politiker durchgedreht sind. Oft wird dabei übersehen, dass es in Griechenland immer noch eine urbane Mittelklasse gibt. Talentierte junge Menschen, die eine Hoffnung für dieses Land sind. Wie sehen sie ihre Zukunft hier? Und was denken sie über Deutschland? Die, die als Kinder ihre ersten Euro-Münzen in Händen hielten. Die, von denen man erwartete, dass sie studieren, auf dass es ihnen einmal besser geht. Die, die die Grenzen des Landes sprengen und im Reigen der europäischen Bildungselite mitreden sollten. Wie geht es diesen jungen Menschen? Berichtet einer über sie? Über ihre zerplatzten Träume, abgebrochenen Studien, um zum Familienunterhalt beizusteuern und jener nicht auf der Tasche zu liegen. Bilder und Berichte von verzweifelten Rentnern, die vor geschlossenen Banken warten, gibt es viele. Es ist schlimm, mitanschauen zu müssen, wie die Menschen leiden, die den Staat aufgebaut und über Jahrzehnte geprägt haben, der nun innerhalb von Monaten von politischen Phantasten dem Verfall preisgegeben wird. Die Alten verdienen die Unterstützung, sie haben den Staat ein Leben lang getragen. Aber was geschieht danach? Jede Generation stirbt einmal aus. Und die Jugend ist unsere Zukunft. Jungen Menschen die Perspektive, ja, die Träume zu nehmen heißt, ihnen und mithin einer Gesellschaft die Zukunft zu nehmen. In Armut den Tag wegdösen zu müssen ist ein Verbrechen an einer ganzen Generation. Ein Delikt am Volk selbst! Und so sei es den Menschen gedankt, die trotz der Tatsache, dass sie aus der Bahn geworfen wurden, die Dinge neu anpacken. Nicht studieren, aber zum Beispiel einen Stand eröffnen, um zum Familienunterhalt beizutragen. Dies gilt generationenübergreifend. So hat ein 50-jähriger Banker, nachdem er in seinem Urlaub gekündigt wurde und nach einem Jahr staatlicher Stütze – länger gibt es in Griechenland keine Unterstützung von Arbeitslosen – auf der Straße landete, eine Suppenküche eröffnet. Ein Unternehmen für die, die noch schlimmer als er dran sind. Sage keiner, die Menschen seien faul! Hilft der Staat nicht, worauf die Steuerzahler eigentlich Anspruch hätten, so helfen sich die Menschen selbst. Griechenland ist kein Failed State, nein, das Land ist ein Projekt. An der staatlichen Politik vorbei haben die Menschen das Ruder übernommen. Gönnen wir ihnen auch eine Zukunft!

© Thomas Dietsch

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Lieber Pierre,

in den sozialen Netzwerken ist unter dem Hashtag #Thisisacoup ein reger internationaler Austausch, der die Gemüter erhitzt. Die Debatte, zäh wie Kaugummi, ein Hin und Her, aber von großer, richtungsweisender Bedeutung. Ein Land der EU ist pleite (die Gründe kennen wir alle ausreichend) und wir schießen Milliarden in die Rettungs-Zahlungen, um zu helfen. Vordergründig betrachtet. Helfen würde diesem Land nur Reformen und konstruktive Vorschläge zur Gesundung. Was hier passiert, sehe ich eher als eine Diktatur der finanzstarken Partner und Tzipras versucht, ihnen die Stirn zu bieten. Versucht es zumindest und kämpft als einer der Ersten, der auch das junge Volk anspricht, um sein Land und Leute. Ich gebe zu, er ist auch zähflüssig und es geht hin und her mit den Absichten. Tatsache ist, dass Europa und speziell das Ansehen Deutschlands schwer gelitten hat. Viel Schaden hat sowohl Tsipras´ Verhalten als auch die harten Forderungen Deutschlands angerichtet und das große Drama wird noch lange nicht vom Tisch sein. Milliarden werden an einen Pleitestaat überwiesen und diese werden sie nie zurückzahlen können. Die Eurokraten feiern das in Brüssel als einen Sieg?! Ich kotze, Verzeihung, lieber Pierre. Schamloser kann man sich und andere nicht belügen. Wenn nun die Stimmen laut werden, wir würden Milliarden in einen Pleitestaat investieren, dann sage ich das ist nicht wahr. Mithilfe des missbrauchten Namens „Hilfe“ werden Milliardenkredite tatsächlich zur Ablösung alter Milliardenkredite gebraucht und genutzt! Dem Land Griechenland dürfte das keinesfalls helfen, den Deutschen auch nicht, der EU auch nicht. Wem hilft es tatsächlich? Genau denen, die an diesen Krediten verdienen! Traurig, aber wahr.
Das Ganze ist ein schwer erniedrigender Batzen von angeblichen Hilfeleistungen für den/die stolzen Griechen, ein Pokern mit Milliarden und Griechenland wird in meinen Augen gefoltert. Das sage ich aus Überzeugung und denken wir an den Privatisierungsfonds – kontrolliert von den Gläubigern selbstverständlich – dann sprechen wir nicht mehr von Demokratie sondern von einem kreditwuchernden Konglomerat und die Vergangenheit lässt grüßen. Tzipras in die Knie zwingen, um jeden Preis, lautet die Devise. Er ist nicht schuld an den Versäumnissen seiner Vorgänger, das müssen wir einmal klar sehen.
Was Wolfgang Schäuble da tut? Für mich ist er ein Drecksack, ein frustrierter Drecksack, die größte Bedrohung Europas! Er weiß genau, dass er Finanzminister des mächtigsten Staates in Europa ist und man kann ihm kaum etwas entgegensetzen. Unsympathisch, aber sicher gut ausgebildet und klug, das ist er wohl. Er zollt Griechenland keinen Respekt, er fordert und setzt seine Interessen in einem Ton um, der jenseits von Ethik, Respekt und Anstand ist. Diplomatie ist das jedenfalls nicht. Wäre Merkel nicht aus dem gleichen Holz geschnitzt, würde sie ihn feuern und zwar sofort. Aber, lieber Pierre… sie spielen so gerne und mischen die Karten, die feinen Demokraten unseres Landes. Die Gezinkten verstecken sie hinter dem Rücken und auch Brüssel klatscht in die Hände, wenn sie ein Land in die Knie zwingen. Gemeinschaft? Europa? Das dürfte nicht aufgehen, diese einst gut gedachte Union, in der man sich gegenseitig hilft. Fairness wäre die Voraussetzung und die hieße: An den Tisch zusammen mit der Regierung Griechenlands setzen und ihnen wirklich helfen, anstatt n i c h t m e h r als Kredite als Zeichen der Solidarität zu offerieren. Prima Hilfe, wenn sie dann noch Erpressungsversuchen ähnelt. Wir erinnern uns: Griechenland hat den Deutschen 1953 seine Schulden erlassen.
Mögen die Deutschen verstehen, dass Schäuble eine Kanone gegen den Frieden ist, ebenso wie Merkel, wenn sie nicht fähig ist, die Fehler ihres Finanzministers zu erkennen und entsprechend zu handeln. Hilfe sieht für mich anders aus als Macht, Druck und der Einstellung „tue, was wir diktieren oder verrecke.“ Sagte Schäuble nicht so ungefähr genau das, als er von Grexit auf Zeit sprach. Es interessiert ihn doch nicht wirklich, was mit Griechenland und mit Europa passiert.
Herzliche Grüße aus der Hitze Frankfurts,
der Metropole des Geldes und der Banken (inkl. EZB)

 

© Petra M. Jansen
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Liebe Petra,

die Griechen nerven mich, aber auch Wolfgang Schäuble mit seinem Grexit auf Zeit. Das ist eine total bescheuerte Lösung. Um wieder zur Drachme zu kommen, bedarf es eines riesigen Aufwands und das für ein Geld, was nichts wert ist! Die Preise würden drastisch sinken – gut für die Touristen, aber auf der anderen Seite, würden die Importe so teuer sein wie noch nie und damit würde sich das Land kaum erholen. Aber daraufhin wollte ich nicht kommen, viel mehr, dass manchmal das Schweigen eine Tugend sein könnte. Unser Finanzminister kann leider nicht mehr seine Klappe halten und das ist für Europa schädlich. Ich habe totales Verständnis, dass er sehr durch die hämische Satire in Griechenland verletzt ist, mehr noch, dass er sich diffamiert fühlt, aber er hat mit Sicherheit etwas dazu beigetragen. Mit seinem Gehabe kommt er nicht gut an, denn einen Oberlehrer brauchen wir nicht! Dass seine Äußerungen als Diktat empfunden werden, auch wenn das ungerecht ist, sollte ihn zum Nachdenken bringen. Hier geht es nicht um seine Kompetenzen, die groß sind, es geht vielmehr um das „wie“. Und dieses „Wie“ ist mehr als unangenehm, denn das schadet der Bundesrepublik und erweckt Erinnerungen aus der Vergangenheit.

Ich weiß, dass der glühender Europäer und Demokrat, der Wolfgang Schäuble ist, es nicht so gemeint hat. Er will sich keineswegs nur als einen Besserwisser darstellen und seinen Willen mit der Brechstange durchsetzen, wie oft in Griechenland behauptet wird und wer ihn besser kennt, weiß das. Aber seine schroffe Art kommt bei unseren Nachbarn nicht gut an und wird allmählich zum Problem. Ich denke, liebe Petra, dass der Druck, dem er ausgesetzt ist, ihn so reizt, dass er gar nicht anders mehr kann und dazu kommt die brachiale Energie, die er vorbringen muss, um gesundheitlich zu bestehen. Ich habe sehr großen Respekt vor seiner Disziplin und finde sie beispielhaft. Ist das aber der Grund, warum er immer mehr stichelt und provoziert? Das kann ich sehr gut verstehen aber stelle mir die Frage, ob es nicht besser wäre, wenn er irgendwann ausscheiden würde? Ich bin vier Jahre jünger als er und kann mir sehr wohl vorstellen, was in ihm so vorgeht. Nicht ohne Schaden ist die herbe Kritik an ihm vorübergegangen und als SS dargestellt zu werden hat ihm mit Sicherheit stark zugesetzt. Es ist nicht erstaunlich, dass er die Griechen nicht in seinem Herzen trägt, aber mit seinem Groll hilft er nicht, mehr Lösungen zu finden.

Liebe Petra, zu oft vergisst man, dass Politiker nur Menschen sind. Ich versuche es nicht zu tun, aber es gibt leider Prioritäten, die eingehalten werden müssen. Persönliche Empfindsamkeiten haben im staatlichen Alltag nichts zu suchen und so wütend man sein mag, dies darf nicht Überhand nehmen. Ist das der Fall, muss gehandelt werden. In diesem Sache sollte sich Frau Merkel die Frage stellen, ob ein anderer Ton nicht geeigneter sei. Natürlich sind die Äußerungen von einem Alexis Tzipras nicht besser, aber warum sollte man diesem Beispiel folgen? In der Diplomatie sind leise Sprüche angebrachter, denn nur eines zählt am Ende: das Ergebnis. Mit dem Abkommen mit dem Iran, hat die Welt feststellen können, was Ausdauer bedeutet. 12 Jahre lang wurde hartnäckig verhandelt und dann die Unterschrift. Das ging relativ leise vor sich, was der Sache diente. Das Gleiche sollte wieder in Europa einkehren und ich hoffe, dass Wolfgang Schäuble dies einsehen wird. Politik besteht bei weitem nicht nur aus Sachlichkeit, auch die Stimmung und die Empathie spielen dabei eine essentielle Rolle. Ich habe meine Zweifel, dass unser Finanzminister in der seelischen Lage ist, sich zurückzuhalten. Bei jeder Provokation wird er explodieren. Das würde ich vielleicht auch tun, wenn ich der Häme so ausgesetzt wäre.

Nach dem Zusammenbruch des 3. Reiches war es klar, dass Deutschland sich sehr zurücknehmen sollte, wenn es um internationale Politik geht und das wurde Jahrzehnte lang eingehalten. Es darf nicht mehr dazu kommen, dass erneut ein Gefühl der Arroganz aufkommt, deshalb wünsche ich es mir sehr, dass Wolfgang Schäuble seine Aussagen ein wenig zügelt. Wenn nicht, ist er fehl am Platz!

In diesem Sinne,

alles Liebe aus dem warmen München
Pierre
//pm

Seit 05.07.2015 ist es amtlich: die Mehrheit der Griechen hat in der Volksbefragung der Spardoktrin der Geldgeber eine Absage erteilt. Ab heute wird nicht mehr gespart, man will Geld ausgeben! Eigentlich ein Erfolg von Ministerpräsident Tsipras und seinem Finanzminister Varoufakis. Ein fadenscheiniger Erfolg! Abstimmungen des Volkes über finanzpolitische Themen sieht die Verfassung Griechenlands nicht vor. Das Referendum ist somit verfassungswidrig und nicht das Papier wert, auf dem es steht. „Nein“ heißt aber auch nicht nur Geld ausgeben können … Man muss es auch haben. Und das ist das faktische Problem: Man kann nichts ausgeben, was man nicht hat! Tsipras kann nicht ernstlich davon ausgehen, dass die Europäische Zentralbank nach dem Referendum die griechischen Banken munter weiter mit Euromünzen und -scheinen versorgt ohne gewisse Sicherheiten zu haben. Und schlussendlich: die griechischen Bürger und Bürgerinnen stimmten über einen Vorschlag der Geldgeber ab, welcher am 30.06.2015 auslief, also gar nicht mehr am 05.07.2015 aktuell war. Also: was soll das Ganze?! Man hat mit der Faust auf den Tisch gehauen, es dem Rest Europas mal so richtig gezeigt. Geldgeber und Verhandlungspartner wurden als „Terroristen“ bezeichnet, Kanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble, welche sich stets für den Verbleib Griechenlands im Euro stark machten beleidigt, indem man sie mit Naziverbrechern verglich. Das ist jenseits jeglicher staatspolitischer Kinderstube! Undankbare Griechen? Jein! Politischer Anstand muss gewahrt werden, da ist man sich einig. Aber wir haben hier ein kennzeichnendes Beispiel von Demagogie erlebt, welches in der Moderne seinesgleichen sucht. Das Referendum wurde auf die Schnelle zusammengepfuscht, mit Allgemeinplätzchen belegt. Niemand nahm sich die Zeit, das Volk aufzuklären, wie die Abstimmung konkret abläuft und was die Konsequenzen der Abstimmung mit „Ja“ oder „Nein“ sind. Man arbeitete auf der Gefühlsebene. Man gehe unter, aber jetzt gehe man „mit Würde“ unter. Toller Spruch, für welchen sich eine arbeitslose Mutter ohne Krankenversicherung aber nichts kaufen kann. Bei einer Gesamtarbeitslosenquote im März diesen Jahres von 25,6 Prozent und einer Jugendarbeitslosigkeit im Mai von rund 50 Prozent sollte man sich solche Sprüche sparen und der Bevölkerung, insbesondere der Jugend, eine Perspektive geben. Die Syriza hätte gut daran getan, Investitionen zu tätigen, das von EZB und IWF überlassene Geld zur Schaffung von Arbeitsplätzen zu nutzen. Das hätte in dem halben Jahr Regierungszeit zwar noch keinen durchschlagenden Erfolg gebracht, wäre aber ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung gewesen. Jahrzehntelange Vetternwirtschaft und Korruption lässt sich nicht von heute auf morgen beseitigen, aber man hätte den Geldgebern beweisen können, dass man das Geld richtig „angelegt“ hat. Überzeugte Gläubiger hätten mehr Geduld bewiesen. Flankiert mit dem Abbau von Bürokratie und unnötigen Beamtenjobs wäre durchaus ein tragfähiges Sanierungsprogramm zustande gekommen.

Herr Varoufakis hat seinen Rücktritt erklärt. Der Ökonomieprofessor – ja, das ist das Paradoxe an der Geschichte – zieht die Konsequenzen. Angeblich hätten die Vertreter der restlichen 18 Mitglieder der Eurozone ihm nahegelegt, es sei besser, er sei bei den nächsten Verhandlungen nicht mehr anwesend und sein Ministerpräsident dies für förderlich gehalten. In Wirklichkeit dürfte Herr Varoufakis wohl erkannt haben, dass ein Staatsbankrott unter der Ägide der Syriza stattfand. Dies hat die Öffentlichkeit bis heute noch nicht so richtig realisiert. Man wird Schuldige suchen und auch finden. Das ist zum einen ein Ministerpräsident, zum anderen dessen Finanzminister. Beide werden sagen, dass sie sich die Zustimmung des Volkes geholt haben. Man habe es so gewollt, also sein das Volk auch schuld. So ist es in der Vergangenheit immer gelaufen: die Regierung pfuscht, das Volk leidet. Und die Konsequenz ist die staatliche Insolvenz Griechenlands. Ob mit oder ohne Würde spielt keine Rolle.

© Thomas Dietsch

 

Sagen die Griechen zu Anfang Juli diesen Jahres Goodbye? Alles läuft darauf hinaus. Die Konten werden von den Bürgern geplündert, die Abhebungen je Tag deswegen von der Regierung auf 60,– Euro rationiert. Die Regierung ist pleite, hilflos muss sie nunmehr zusehen, wie das einst stolze Schiff Hellas untergeht. Kapitän Tsipras und Steuermann Varoufakis haben es nicht aus der stürmischen See retten können. Zum einen Resultat einer unfähigen Regierungsclique, zum anderen ist die Misere aber schon wesentlich älter.

Griechenland hätte nie der Europäischen Union, geschweige denn der Eurozone beitreten dürfen.

Das Land hat seinen immensen Wohlstandszuwachs seit 1990 auf einem riesigen Schuldenberg aufgebaut. Athen hatte sich, im Gegensatz zu anderen hochverschuldeten Ländern, überwiegend für Konsum und nicht für Investitionen in Schulden gestürzt. Das bedeutet nichts anderes als dass man auf Kosten der anderen geprasst hat. Das tut eine seriöse Regierung nicht!

So zum Beispiel beliefen sich die Exporte Griechenlands bei Waren und Dienstleistungen 2013 nur auf 12,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (Deutschland 42,8 Prozent). Das ist der geringste Wert aller EU-Staaten. Der EU-Durchschnitt liegt bei 33,6 Prozent. Dafür waren die Importe mehr als doppelt so hoch wie die Exporte. Eine Wirtschaft, die die Importe nicht mit Exporterlösen ausgleichen kann, ist zwangsläufig auf Auslandskredite angewiesen.

Die Steuerhinterziehung in Griechenland biegt einem die Zehennägel hoch. Milliardäre zahlen kaum bis gar keine Steuern, Vermögen werden ins Ausland transferiert. Der „kleine Mann“ orientiert sich natürlich an dieser Vorgehensweise. Taxifahrer stellen keine Quittungen aus, man kassiert in Lokalen bar ohne Kassenbeleg. Die rechtskräftigen Steuerschulden sind im Lande zu Anfang des Jahres auf den Rekordstand von 70 Milliarden Euro gestiegen. 6.000 GmbHs und Aktiengesellschaften stehen beim griechischen Fiskus mit weiteren 30 Milliarden Euro in der Kreide. Geld, das man dringend für die Rückführung von Kredittranchen benötigt hätte!

Auch die Korruption hat Griechenland fest im Griff. „Fakelaki“ heißt sie dort, der „kleine Umschlag“! Ein niedlicher Ausdruck für ein großes Problem. Die schlechte Bezahlung – der griechische Durchschnittslohn beträgt rund 1.600 € – mag ein Grund dafür sein, dass sich so viele bestechen lassen. Ein anderer ist der Mangel an positiven Vorbildern: Warum sollte dem kleinen Mann verwehrt sein, was in der großen Politik und Wirtschaft Griechenlands gang und gäbe ist?

In einer Untersuchung von 2012 stellte man fest, dass Griechenland beim Korruptionsindex (Corruption Perception Index) von Platz 78 auf Platz 94 von insgesamt 174 Ländern abgerutscht ist und damit innerhalb der EU-Länder den letzten Platz einnimmt. Das bedeutet nichts anderes als dass die Griechen die höchste Korruptionsrate in der EU haben.

Historisch gesehen war die Misere vorprogrammiert: Nach dem Ende der Militärjunta vor vierzig Jahren beantragte der damalige konservative Premier Karamanlis Griechenlands Aufnahme in die Europäische Gemeinschaft (EG), die heutige Europäische Union. Die EG-Kommission riet damals schon von einer schnellen Aufnahme des Staates ab: Griechenlands landwirtschaftlich geprägte Wirtschaft sei nicht konkurrenzfähig, Inflation, Arbeitslosigkeit und Handelsdefizit seien problematisch hoch. Anfang Februar 1976 stimmte der Ministerrat der damals neun EG-Länder dennoch zu, mit den Griechen über den Beitritt zu verhandeln. Athens Versprechen, Ordnung in die eigenen Staatsfinanzen zu bringen, blieb aber nach dem formellen EG-Beitritt 1981 unerfüllt.

Die Währungshüter sagten daher zu Recht „Goodbye“!

© Thomas Dietsch

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Mein lieber Pierre,
ja, kotz dich ruhig aus, ich verstehe deine Gedanken und Bedenken. „Kleider machen Leute“, das ist hier nicht anders. Ein bisschen Nonchalance, ein wenig Sexappeal, ein sympathisches Lächeln und heiße Klamotten – das überzeugt auch meine Oma. Schlecht sieht er ja nicht aus, der Herr Minister, aber man hat sich in Brüssel nicht blenden lassen und lediglich einen Aufschub gewährt. Dem griechischen Volk mag es nicht wirklich helfen, Schäuble ist ein harter Gegner! Das haben sie nun davon…Korruption, Kohle scheffeln und den Bürger verarschen. Aber lieber Pierre, ich sagte es bereits mehrfach: der Mensch ist ein korrupter, egoistischer Affe und da spielt die Nationalität keine Rolle. Wir werden sehen, ob sie es schaffen – ähnlich wie die Portugiesen – ihr Land einigermaßen auf Vordermann zu bringen, abwarten also, ob der Ledermantel hält, was er verspricht.
Zum Thema Impotenz mag ich mich nicht äußern, ich habe zu viele enorm potente Männer in meinem Leben kennengelernt und sage mal danke dafür. Allzu privat möchte ich heute nicht werden, doch nur so viel: Männer müssen nicht stets präsent und potent sein, im Gegenteil. Ich schätze mehr den sensiblen Mann, der auch mal nicht kann, wenn ihn etwas bedrückt und habe großes Verständnis dafür. Zeigt ER doch, dass er kein reiner Ficker ist und seine Standhaftigkeit mit dem Grad des Nachdenkens und der eigenen Verfassung zusammenhängt. Da warte ich als Frau gerne, bis alles wieder in der Balance ist, damit man gemeinsam die Echtheit genießen kann.
Tut mir leid, dass ich heute so knapp und wenig kämpferisch unterwegs bin. Ich verschließe keineswegs die Augen vor der Problematik, die uns weltweit umgibt, aber heute mache ich nur eines: den Tag genießen, lieben, leben, dankbar sein, dass wir (noch) Frieden haben und lieben…lieben…lieben – das absolute Erfolgsrezept gegen ALLES! Wenn es denn auch ehrlich gemeint ist…
© Petra M. Jansen

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Liebe Petra,

cool Baby, be cool Baby… ich stehe vor dem Spiegel und versuche mir den Look von Yanis Varoufakis, der Finanzminister des maroden Griechenland zu verpassen. Eine Lederjacke, ein Schal von Burburry und ein offenes Hemd und schon kann die Party losgehen. The show goes on! Das Affentheater, inszeniert von Alexis Tsipras and Co., ist am Ende nur eine Klamotte! Sie hat an der Grundhaltung der bösen Geldgeber nichts geändert, nach wie vor wollen sie ihre Knete zurückerhalten. Eine Unverschämtheit! Viel Wind um nichts und am Ende sind die Verarschten die Bürger der ältesten Demokratie der Welt. Aber warum haben sie solche Pappfiguren an die Macht gebracht? Weil das populistische Getöse sie in Trance versetzt hat, wie es halt mit „crystal meths“ zuerst der Fall sein kann – das Paradies auf Erden. Man verspürt eine wundersame Kraft und die Illusion, gegen böse Buben wie der Schäuble standhalten zu können. Dass er den Hahn zumachen kann, merken sie nur nachhaltig und dann kommt der Verfall! Was hier passiert ist der Beweis, dass Populismus mit Chloroform gleich zu stellen ist…Leute, habt ihr nichts in der Birne?

Aber es wäre höchst trügerisch zu glauben, dass nur die Griechen so blind wären. Auch bei uns erweisen sich die Stammtischgenossen als Weltverbesserer und das geschieht, liebe Petra, in dem wie beim Kasperle-Theater man dem Schwächeren eine scheuert – so einfach ist das. Ein völkisches Outfit reicht, um sich Gehör zu verschaffen und das bis in die bürgerlichen Kreise, die sich als Wertkonservative betrachten, AfD lässt grüßen. Wenn du von der geplagten Vergangenheit Deutschlands spricht, darf nie vergessen werden, dass diese „vornehme Schicht“ einen Proleten wie Hitler an die Macht gehisst hat. Der Look ist nur Tarnung, im Inneren herrscht Hass, auch wenn er durch gute Manieren getarnt wird. Ich werde keine Lobeshymne des Mobs machen, aber Schläger sind wenigstens sichtbar! Die Reportagen, die ich bei den Neonazis gedreht habe, haben gezeigt, dass die wahren Drahtzieher durchaus salonfähig sind und nur wer die Zwischentöne entziffern kann, merkt in welcher Gefahr wir uns befinden – das auch zum Thema Volksverdummung!

Ich könnte mir der Nase bohren und dabei frohlocken, tue ich aber nicht. Das Spektakel, das mir weltweit geboten wird, lässt mir keine Ruhe und ohne meinen Willen werde ich in das Geschehen hineingezogen. Liebe Petra, ich würde lieber über den Beischlaf sprechen aber auch er ist von der allgemeinen Unsicherheit gestört. Sich unter der Daunendecke zu verschanzen ist vergebens. Die Hiobsbotschaften machen keinen Halt vor der Liebe, sie pervertieren sie und das ist vor allem bei den Mannsbildern sichtbar, die immer egoistischer werden, sich keineswegs engagieren wollen und nur an ihren Kick glauben. Dass er immer mehr ausfällt, ist eine Tatsache unter der die Frauen sehr leiden und um das zu vertuschen, ziehen sie vor nach der schönen Welt in der Glotze zu suchen. Vergessen aber die Nähe und verfallen somit in die Gleichgültigkeit. Ist das Impotenz? Was sich in der Politik ausdrückt, pervertiert auch die Zweisamkeit, nicht wahr?
In diesem Sinne,

Pierre
//pm

Riparazioni

I greci chiedono un sacco di soldi dalla Germania. La ragione sono le atrocità naziste locali fino al 1945: gli ostaggi sono stati sparati indiscriminatamente, interi villaggi bruciati, alle centinaia di migliaia di civili sono morti di fame. Il primo ministro Tsipras chiama nuovamente i pagamenti tedeschi in miliardi. Ha ragione? Nella convenzione di riparazioni di Parigi dal 14 gennaio 1946 si ha aggiudicato alla Grecia una quota di 2,7-4,35 per cento dei totali risarcimenti da pagare. Questi erano valori reali della produzione tedesca. Il valore totale in quel momento era 105 milioni di marchi. Inoltre in 1953 Bonn ha messo a disposizione prestiti per investimenti economici di 200 milioni di marchi. Il 18 marzo 1960, entrambi i governi hanno convenuto che 115 milioni di marchio debbano essere trasferita. Attaccato ad essa era la promessa che richieste di risarcimento per singoli danni non sono stati chiesti di più. Insoluti seguito erano solo riparazioni che sono stati spostati nel Accordo di Londra fino alla conclusione di un trattato di pace. Nel 1990, l’unificazione della Germania è stato negoziato, tutti le quattro potenze vincitrici della seconda guerra mondiale sono state d´accordo di concludere il internazionale Due-Più-Quattro-Contratto vincolante, „invece di un trattato di pace.“ In questo modo, tutte le richieste da riparazioni sono state risolte. Anche la Grecia ha accettato questa vincolante nel diritto internazionale accordo. Una causa eventuale dei Greci alla Corte internazionale di giustizia dell’Aia dovrebbe essere destinato a fallire per conseguenza.

Reparationen

Die Griechen fordern viel Geld von Deutschland. Grund sind die dortigen Nazi-Gräuel vor 1945: wahllos wurden Geiseln erschossen, ganze Dörfer niedergebrannt, an die hunderttausend Zivilisten sind verhungert. Ministerpräsident Tsipras fordert jetzt wieder von den Deutschen Zahlungen in Milliardenhöhe. Zu Recht? Im Pariser Reparationsabkommen vom 14. Januar 1946 wurde Griechenland ein Anteil von 2,7 bis 4,35 Prozent der insgesamt zu leistenden Reparationen zugesprochen. Das waren Sachwerte aus deutscher Produktion. Der Gesamtwert betrug damals 105 Millionen Mark. Außerdem stellte Bonn 1953 günstige Investitionskredite von 200 Millionen Mark zur Verfügung. Am 18. März 1960 einigten sich beide Regierungen, dass 115 Millionen Mark überwiesen werden sollten. Geknüpft daran war die Zusage, dass keine weiteren Forderungen auf individuellen Schadenersatz mehr gestellt wurden. Offen waren hiernach nur noch Reparationsforderungen, die im Londoner Abkommen bis zum Abschluss eines Friedensvertrages verschoben wurden. Als 1990 die Vereinigung Deutschlands verhandelt wurde, waren alle vier Siegermächte des Zweiten Weltkrieges einverstanden, das völkerrechtlich bindende Zwei-Plus-Vier-Abkommen zu schließen, das „anstelle eines Friedensvertrages“ trat. Auf diesem Wege wurden alle Forderungen nach Reparationsleistungen erledigt. Auch Griechenland akzeptierte dieses Abkommen völkerrechtlich verbindlich. Eine eventuelle Klage der Griechen vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag dürfte demnach zum Scheitern verurteilt sein.

© Thomas Dietsch