Ostern ist für viele das älteste und wichtigste christliche Fest im Jahr, wichtiger noch als Weihnachten. Das wundert einen vielleicht, schließlich ist die Feier der Geburt Jesu für viele Menschen die schönste Zeit des Jahres. Ostern ist deshalb als christliches Fest so bedeutsam, weil die Auferstehung Jesu nach dem Tod gefeiert wird. In der Bibel steht, dass Christus am Karfreitag gekreuzigt wurde. Nach zwei Tagen war der Stein vor seinem Grab zur Seite gerollt und die Grabkammer leer. Die Jünger wollten es zunächst nicht glauben, dass Jesus auferstanden war. Das Wunder seiner Auferstehung wird am Ostersonntag gefeiert.

Abgesehen von der religiösen Bedeutung ist Ostern ein Fest, mit dem der Frühling begrüßt wird. Nach einem grauen und kalten Winter freut man sich, dass es draußen wieder grünt und blüht. Seit Jahrtausenden feiern die Menschen den Beginn des Frühlings. Viele Bräuche – wie das Bemalen der Eier und der des Osterhasen – haben ihren Ursprung in alten heidnischen, vorchristlichen Traditionen. Das Ei ist ein Symbol für die Fruchtbarkeit und für neu erwachendes Leben. Schon vor etwa 5.000 Jahren verschenkten die Chinesen bunt bemalte Eier zum Frühlingsanfang. Nach einer anderen Variante soll der ungläubige Thomas auf Zypern behauptet haben, er glaube erst an die Auferstehung Christi, wenn eine Frau mit einem Korb voller bunter Eier an ihm vorbeilaufe. Das soll sodann geschehen sein. Eine weitere alte Legende erklärt das Färben der Eier so: Maria Magdalena soll dem römischen Kaiser von der Auferstehung Christi berichtet haben. Dieser habe jedoch ungläubig gemeint, Jesu sei ebenso wenig auferstanden, wie frisch gelegte Eier rot seien. Im selben Moment soll sich die Schale der vor ihm liegenden Eier rot gefärbt haben.

Wie auch immer: im christlichen Sinn ist das Ei ein Zeichen für die Auferstehung. Dass wir am Ostersonntag versteckte Eier suchen, soll wiederum auf die biblische Geschichte zurückgeführt werden können: Die Frauen, die das leere Grab Jesu entdeckt hatten, wussten nicht, wohin Christus gegangen war, und mussten ihn suchen.

Den Osterhasen hingegen gibt es erst seit etwa 300 Jahren. Eine Menge Erklärungen wollen beschreiben, wie der Nager seinen Weg in die Osternester gefunden hat. Auch er ist ein Fruchtbarkeitssymbol. Eine Häsin bekommt bis zu viermal im Jahr Junge. Ein anderer Erklärungsversuch bezieht sich darauf, dass die Tiere mit offenen Augen schlafen und damit Jesus symbolisierten, der über die Menschen wacht. Welche Geschichte auch immer zutreffen mag – der Hase ist aus Ostern nicht mehr wegzudenken.

Auch andere Religionen feiern im Frühjahr Feste. Das bekannteste ist das jüdische Pessachfest. Die Juden gedenken dabei des Auszugs ihrer Vorfahren aus Ägypten, der im Alten Testament beschrieben ist und die Israeliten von der Sklaverei befreite. Vierzig Jahre lang führte Moses sein Volk durch die Wüste, bis sie im Land Kanaan, dem heutigen Israel, ankamen und sich niederließen. Der Name „Pessach“ (hebräisch pésach; aramäisch פַּסְחָא pas-cha; griechisch Septuaginta und NT) πάσχα pás-cha; wörtlich „Vorüberschreiten“) erinnert an diese Geschichte.

Heute steht die Pessachfeier mit vielen Brauchtümern und Ritualen in Verbindung. So essen die Juden zu diesem Anlass nur ungesäuertes Brot, denn die Israeliten flohen laut der Bibel so eilig aus Ägypten, dass sie nur ungesäuerten Teig mitnehmen konnten. Aber ansonsten gibt es zu Pessach genug zu essen – es ist ein regelrechtes Festmahl für die Juden.

Für Kinder in Deutschland ist klar, wer die Eier und die Schokolade bringt: der Osterhase! In Schweden ist das anders: dort gibt es die „Påskkärring“ (die „Osterhexe“). Sie fliegt am Gründonnerstag zum Blocksberg hinauf und saust dann in der Nacht zum Ostersonntag zurück nach Hause. „Påskkärringar“ nennt man die Jungen und Mädchen, die verkleidet, als Hexen geschminkt, von Haus zu Haus ziehen und dort Süßigkeiten bekommen. Wie bei uns, ist in Schweden das Osterfeuer (Påskeld) sehr beliebt, welches man am Karsamstag entzündet. Das Feuer soll die Hexen abschrecken, die in der Nacht vom Blocksberg (Blåkulla) zurückkehren.

Soweit! Frohe Ostern!

Sind Sie heute schon gleichgeschaltet worden? Bösartige Frage …

Achtzehn Privatleute sind den Weg durch die Instanzen gegangen gegen den ab 1. Januar 2013 geltenden Rundfunkbeitrag. Sie hielten ihn für verfassungswidrig. Man konnte es schon ahnen, wie das Bundesverwaltungsgericht an diesem 18. März 2016 am Ende entscheiden würde. „Der Rundfunkbeitrag für private Haushalte ist mit dem Grundgesetz vereinbar!“, so das Gericht in Leipzig.

Das bedeutet, dass mit jeder Wohnung die Verpflichtung verbunden ist, 17,50 Euro je Monat für ARD, ZDF und dradio zu überweisen. Diesem Beitrag entkommt niemand. Der Senat wählte eine Begründung, die schon oft genutzt wurde – von Verwaltungsrichtern quer durch die Republik und den Landesverfassungsgerichten in Rheinland-Pfalz und Bayern. Eine richterliche Blaupause also: „Der Rundfunkbeitrag wird nicht wie eine Steuer voraussetzungslos, sondern als Gegenleistung für die Möglichkeit erhoben, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkprogramme empfangen zu können.“ Die schiere Nutzungsmöglichkeit genügt also!

Die AfD hingegen machte dieser Tage – nach der Forderung, kulturelle Veranstaltung und Museen müssten einen „Deutschlandbezug“ aufweisen – ebenfalls in Rundfunksachen von sich reden. Man erklärt im Parteiprogramm, was man mit den Öffentlich-Rechtlichen vorhat: ARD und ZDF privatisieren und einen neuen „Staatsrundfunk“ gründen. Bis es so weit sei, wolle die Partei ihren Einfluss geltend machen – im Rundfunkrat.

Wer als Fraktion in die Landtage einzieht, landet früher oder später auch in Rundfunkräten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Partei dort vertreten sein wird. In ihrem am 30. April zu beschließenden Parteiprogramm fordert sie: „Die öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten werden privatisiert.“ Der Zeitplan für die Abschaffung von ARD und ZDF ist ehrgeizig: „Sie finanzieren sich von 2018 an selbst. Der Beitragsservice wird ersatzlos abgeschafft“, schreibt die AfD, die anstelle der dann privatisierten öffentlich-rechtlichen Sender auf Staatsfernsehen setzt: „Die staatliche Informationsversorgung wird durch einen steuerfinanzierten Rundfunk mit zwei Rundfunksendern und zwei Fernsehsendern geleistet.“

Andererseits weiß die Partei genau, was sie von den Sendern, denen eine „Staatsferne“ aufgegeben ist, jetzt schon will. Im Programm des Landesverbandes Baden-Württemberg heißt es schon jetzt: „Die AfD will auf die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten einwirken und auch im Bildungsbereich Anstrengungen unternehmen, damit Ehe und Familie positiv dargestellt werden.“ Zugleich ist davon die Rede, man wolle „zur Vermeidung korruptionsanfälliger Strukturen bei politischen Verantwortlichen und Entscheidungsträgern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“ nun „die geforderte Staatsferne herstellen“.

Freilich sollen Rundfunkräte im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht direkt auf das Programm einwirken. Die Programmhoheit liegt beim Sender. Der Rundfunkrat wählt die Intendanten, bestätigt Programmchefs, genehmigt den Haushalt und beschickt den Verwaltungsrat. Das Programm können Rundfunkräte diskutieren und kritisieren, mit Blick darauf, ob es den Richtlinien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks entspricht.

Heuchlerisches Geschwätz: „Staatsferne herstellen!“. Noch gestalten die Sender ihre Programme selbst. Dass Anstrengungen unternommen werden sollen, „Ehe und Familie positiv darzustellen“, ist schon ehrlicher, aber nicht zu tolerieren. Der grundrechtliche Schutz von Ehe und Familie ist eines. Dass aber gerade ein Grundrecht als Einfallstor missbraucht werden soll, um politischen – und anschließend wohl auch staatlichen – Einfluss auf die Programmgestaltung auszuüben, ist ein anderes. Schleichend durch die Hintertür sollen die Medien dementsprechend „zurechtgefeilt“ werden, dem Bürger und der Bürgerin „Deutschtümelei“ mit der Familie als „Keimzelle“ zu vermitteln. Hüten wir uns vor den Rattenfängern! Nicht zuletzt bedienen sich diese rechtsstaatlicher Mittel (und seien es nur Gesetzeslücken), um gerade diesen Rechtsstaat abzuschaffen. Nein, ich verzichte auf meinen Volksempfänger und zahle meinen Rundfunkbeitrag. So lästig das auch manchmal sein mag … Gleichschaltung ist kuschelig, Informations- und Meinungsfreiheit kosten im Rahmen der Programmgestaltung nun einmal Geld.

Ich investiere es gerne, weil mir Demokratie und Freiheit wichtig sind.

Gewidmet Guido Westerwelle, einem der großen Freidenker unserer politischen Landschaft!

 

Kulturschaffende zeigen sich besorgt über die Erfolge der AfD bei den jüngsten Landtagswahlen. Der Aufruf zum Widerstand erklingt!

Die Präsidentin der Berliner Akademie der Künste hat nach dem Wahlerfolg der AfD in mehreren Bundesländern vor der Partei gewarnt. Die rechtspopulistische Partei solle in jedem Fall vom Verfassungsschutz beobachtet werden, teilte die deutsch-argentinische Filmemacherin der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit.

Kein Zufall ist, dass das Recht auf Asyl im Grundgesetz verankert ist. Die Geschichte Deutschlands verpflichtet uns, Menschen aufzunehmen, die vor Krieg und Zerstörung fliehen. Die AfD handelt perfide, wenn sie diese Verpflichtung banalisiert und den Menschen einredet, unser Wohlstand sei in Gefahr.

Bei den Landtagswahlen am 13. März 2016 in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt hat die Partei zweistellige Ergebnisse eingefahren. Der Deutsche Kulturrat rief zum Widerstand gegen die AfD-Politik auf. Sei der erste Schock überwunden, seien Kulturschaffende gehalten, den Forderungen der AfD so schnell wie möglich Einhalt zu gebieten.

Die rechtspopulistische Partei will Museen, Orchester und Theater in Sachsen-Anhalt laut Wahlprogramm dazu verpflichten, einen positiven Deutschland-Bezug zu fördern. Eigentlich glaubten wir, das überwunden zu haben. Die Diskussion um „entartete Kunst“ aus den 1930er und 40er Jahren ist noch in aller Munde. Es liegt an allen Kulturschaffenden, sich DIES genau DIESES MAL nicht gefallen zu lassen.

Aus gutem Grund gibt es bislang einen Unterschied zwischen denen, die Kunst machen, und denen, die Kunst finanzieren. Es kann nicht sein, dass eine Partei wie die die AfD diesen Konsens aufbricht. Nicht zu unterschätzen ist, dass die AfD als zweitstärkste Kraft im Landtag von Sachsen-Anhalt eine große Gestaltungsmacht hat – auch in der Opposition! Das Ringen um Inhalte spielt hier die gleiche Rolle wie im Diskurs mit den Regierungsparteien.

Der Theatermacher Jossi Wieler fordert, den Wählerwillen zu akzeptieren. „Die AfD ist in das Parlament gewählt worden. Das war ein demokratischer Prozess“, sagt der Intendant der Staatsoper Stuttgart der dpa. Die Abgeordneten der Partei müssten jetzt zeigen, dass sie ein Demokratieverständnis haben, das der Landesverfassung entspreche, so der Schweizer. Dazu gehöre auch die Freiheit der Kunst in ihrer Vielfalt. Achtsamkeit ist in der Kulturszene nunmehr mehr denn je gefragt. Es muss dafür Sorge getragen werden, dass die Kunstfreiheit (u. a. Artikel 5 Grundgesetz) als Grundrecht immer gilt und auch von der AfD respektiert wird.

Künstler und Intellektuelle müssen sich mit den Rechtspopulisten der AfD auseinandersetzen. Eine Tabuisierung der Partei hilft gar nichts. Künstler und Intellektuelle müssen darüber reden, Flagge zeigen und der Bevölkerung klarmachen, warum sie die Positionen der AfD ablehnen und warum es förderlich ist, dass Flüchtlinge in unser Land kommen. Wir brauchen ein Votum für eine offene Gesellschaft, in der das Hinzukommen von syrischen Menschen zum Beispiel unsere Gesellschaft bereichert. Alle Anhänger der Rechtspopulisten wird man mit Argumenten nicht erreichen – aber jeder erreichte AfD-Wähler ist ein Gewinn und ein Stück mehr Demokratieverständnis. Die innere Überzeugung, die eigene politische Mündigkeit ist es, was die Menschen von der AfD abbringt, einer Partei, die ihre Ängste vor einem sozialen Abstieg ausnutzt.

Das Ergebnis in Sachsen-Anhalt lässt einem erschaudern, wenn man bedenkt, dass eine Partei ohne echtes Wahlprogramm und ohne politische Lösungsansätze bei einer Landtagswahl aus dem Stand auf rund ein Viertel der abgegebenen Stimmen kommt. Wird Deutschland ein von Parolen, Angst und Launen getriebenes Land?

Der Wahlerfolg der AfD ist für unser Land eine Katastrophe. Protestwähler wissen offenbar nicht, wie Politik funktioniert. Was von ihnen total unterschätzt wird, ist der Machthunger und der politische Extremismus der Populisten. Das war um 1933 und den Folgejahren nicht anders. Geschichtsvergessenheit kann zur Tragödie werden!

 

Sie kommen in Massen: die Flüchtlinge! Ihre Motive sind ganz unterschiedlicher Art. Sie flüchten vor Armut, Krieg, politischer Verfolgung. Alles lassen sie hinter sich. Was muss geschehen, dass ein Mensch seine Heimat, die angestammte Umgebung, dort wo er geboren ist, seine Verwandten und Freunde hat, verlässt?! Wie verzweifelt muss man sein, auf Wracks das Mittelmeer zu überqueren?! Alles riskierend, Hab und Gut und letzten Endes auch das Leben – das eigene und das seiner Kinder?! Ich glaube, wir haben keine Vorstellung davon …

Was tun wir? Wir igeln uns ein in unserer Wohlstandsblase. Wollen nicht teilen, nicht überfremdet werden, nicht überrannt. Kann das einer der Menschen verstehen, die sich auf den Weg zu uns gemacht haben? Wohl nicht!

Ist es nicht so, dass wir zu Zeiten des Imperialismus und Kolonialismus diese Länder besetzt und ausgebeutet haben, um in Europa und den USA unseren Wohlstand zu halten und diesen um ein Vielfaches zu mehren? Haben wir nicht Bodenschätze – Rohstoffe und Gold zum Beispiel – gestohlen und die Menschen dort ausgebeutet oder gar getötet? Viele sagen, das sei schon lange her. Aber wie lange sind hundert oder zweihundert Jahre? Wir gehen von unserem Horizont aus. Nehmen an, dass das, auf dem unser Wohlstand beruht, allein von uns erarbeitet oder erwirtschaftet wurde. Haben nicht die Europäer und die Vereinigten Staaten Menschen versklavt, um die Kosten zum Aufbau ihres Wohlstandes so niedrig wie möglich zu halten? Unsere Länder haben wir nicht zerstört und ausgebeutet. Das war irgendwo in den Kolonien. Im 19. Jahrhundert – ja, selbst noch zu Beginn des letzten – hatten wir noch eine verbrämte Vorstellung davon, wie schön das Leben in den Kolonien sein muss. Wir, die wir diesen „armen Menschen“ das Christentum und den „Fortschritt“ unserer Kultur brachten. Haben wir nicht als „ausgewähltes Volk“ andere Religionen vernichtet, ihre Anhänger getötet? Wie war es damals mit den Mayas, Inkas und den Azteken, als die Spanier Gold für ihre Flotte brauchten? Gelbes Metall wurde tonnenweise nach Europa verschifft, die Einheimischen getötet und deren Kulturzeugnisse (älter als die unsrigen!) unwiederbringlich vernichtet.

Das wollen wir heute nicht mehr wissen. „Ist doch schon so lange her …“, „ICH bin daran doch nicht schuld!“. Das diese Ereignisse die heutigen Geschehnisse und Verhältnisse mit geprägt haben … Unbequem, sich damit zu befassen! Einfacher ist es doch, auf gängigem Niveau zu diskutieren. „Das sind doch keine Flüchtlinge! Mensch, die haben Handys und tragen Markenklamotten! Das hatten die aus dem Osten 1945 nicht!“. Wir wollen das intellektuell nicht vertiefen! Nicht zuletzt liefern wir bis heute Waffen in Krisengebiete. Der Rubel rollt für die Rüstungsindustrie! Wir schüren Konflikte und wundern uns, dass das nun alles auf uns zurückfällt?! Nehmen wir die DDR! Haben Mauern, Stacheldraht und Zäune den Bewegungs- und Freiheitsdrang von Menschen dauerhaft verhindern können? Nein! Warum stellen die Staaten sie dann an ihren Grenzen auf? Die Antwort: Eine Panikreaktion! Die nackte Angst regiert! Wir wollen einmal Kriegsflüchtlinge und politisch Verfolgte vernachlässigen und uns mit wirtschaftlich begründeter Migration beschäftigen. Warum kommen die Armen zu uns? Unter anderem zu Zeiten der Industrialisierung sind die Menschen vom Land in die Stadt geströmt. Dort gab es Arbeit und die Möglichkeit, seine Familie über die Runden zu bringen. Die Landbevölkerung war bitterarm. Wir erinnern uns an die großen Auswanderungswellen in Richtung Australien und vor allem nach Amerika. Übertragen wir das Beispiel doch einmal vom Kleinen auf das Große. In den USA und Kanada, Europa und Australien haben sich Wohlstandszonen gebildet. Die Armen aus den Randgebieten strömen in diese Zentren. Dass sie ihr „Stück vom Kuchen“ haben wollen, ist menschlich verständlich. Wir stehen am Anfang einer Entwicklung, deren Ende wir nicht mehr erleben werden. Die Welt wird sich verändern. Und die Massen, die da kommen, werden sich dauerhaft von Zäunen und Stacheldraht nicht aufhalten lassen. Irgendwann werden sie bewaffnet wieder kommen. Entweder wir lernen, zu teilen und zu helfen, die Dinge in den Krisengebieten in Ordnung zu bringen – was bedeutet, den Menschen die Heimat wieder lebenswert zu machen (das kostet Geld!) – oder wir steuern sicher auf einen militärischen Konflikt zu. Bringen wir die erste Alternative auf die Reihe, kann das wirtschaftlich zu einer Win-Win-Situation führen. Kommt es zu zweiterer, dann müssen wir uns im Klaren sein, dass sich auf uns Milliarden Menschen zubewegen werden. Ein solcher Konflikt wird konventionell nicht zu lösen sein. Gewinner wird es dann keine geben!

Noch ist Zeit.

Wir sollten nicht warten, bis der Zeiger auf Zwölf steht!

Sie kommen in Massen: die Flüchtlinge! Ihre Motive sind ganz unterschiedlicher Art. Sie flüchten vor Armut, Krieg, politischer Verfolgung. Alles lassen sie hinter sich. Was muss geschehen, dass ein Mensch seine Heimat, die angestammte Umgebung, dort wo er geboren ist, seine Verwandten und Freunde hat, verlässt?! Wie verzweifelt muss man sein, auf Wracks das Mittelmeer zu überqueren?! Alles riskierend, Hab und Gut und letzten Endes auch das Leben – das eigene und das seiner Kinder?! Ich glaube, wir haben keine Vorstellung davon …

Was tun wir? Wir igeln uns ein in unserer Wohlstandsblase. Wollen nicht teilen, nicht überfremdet werden, nicht überrannt. Kann das einer der Menschen verstehen, die sich auf den Weg zu uns gemacht haben? Wohl nicht!

Ist es nicht so, dass wir zu Zeiten des Imperialismus und Kolonialismus diese Länder besetzt und ausgebeutet haben, um in Europa und den USA unseren Wohlstand zu halten und diesen um ein Vielfaches zu mehren? Haben wir nicht Bodenschätze – Rohstoffe und Gold zum Beispiel – gestohlen und die Menschen dort ausgebeutet oder gar getötet? Viele sagen, das sei schon lange her. Aber wie lange sind hundert oder zweihundert Jahre? Wir gehen von unserem Horizont aus. Nehmen an, dass das, auf dem unser Wohlstand beruht, allein von uns erarbeitet oder erwirtschaftet wurde. Haben nicht die Europäer und die Vereinigten Staaten Menschen versklavt, um die Kosten zum Aufbau ihres Wohlstandes so niedrig wie möglich zu halten? Unsere Länder haben wir nicht zerstört und ausgebeutet. Das war irgendwo in den Kolonien. Im 19. Jahrhundert – ja, selbst noch zu Beginn des letzten – hatten wir noch eine verbrämte Vorstellung davon, wie schön das Leben in den Kolonien sein muss. Wir, die wir diesen „armen Menschen“ das Christentum und den „Fortschritt“ unserer Kultur brachten. Haben wir nicht als „ausgewähltes Volk“ andere Religionen vernichtet, ihre Anhänger getötet? Wie war es damals mit den Mayas, Inkas und den Azteken, als die Spanier Gold für ihre Flotte brauchten? Gelbes Metall wurde tonnenweise nach Europa verschifft, die Einheimischen getötet und deren Kulturzeugnisse (älter als die unsrigen!) unwiederbringlich vernichtet.

Das wollen wir heute nicht mehr wissen. „Ist doch schon so lange her …“, „ICH bin daran doch nicht schuld!“. Das diese Ereignisse die heutigen Geschehnisse und Verhältnisse mit geprägt haben … Unbequem, sich damit zu befassen! Einfacher ist es doch, auf gängigem Niveau zu diskutieren. „Das sind doch keine Flüchtlinge! Mensch, die haben Handys und tragen Markenklamotten! Das hatten die aus dem Osten 1945 nicht!“. Wir wollen das intellektuell nicht vertiefen! Nicht zuletzt liefern wir bis heute Waffen in Krisengebiete. Der Rubel rollt für die Rüstungsindustrie! Wir schüren Konflikte und wundern uns, dass das nun alles auf uns zurückfällt?! Nehmen wir die DDR! Haben Mauern, Stacheldraht und Zäune den Bewegungs- und Freiheitsdrang von Menschen dauerhaft verhindern können? Nein! Warum stellen die Staaten sie dann an ihren Grenzen auf? Die Antwort: Eine Panikreaktion! Die nackte Angst regiert! Wir wollen einmal Kriegsflüchtlinge und politisch Verfolgte vernachlässigen und uns mit wirtschaftlich begründeter Migration beschäftigen. Warum kommen die Armen zu uns? Unter anderem zu Zeiten der Industrialisierung sind die Menschen vom Land in die Stadt geströmt. Dort gab es Arbeit und die Möglichkeit, seine Familie über die Runden zu bringen. Die Landbevölkerung war bitterarm. Wir erinnern uns an die großen Auswanderungswellen in Richtung Australien und vor allem nach Amerika. Übertragen wir das Beispiel doch einmal vom Kleinen auf das Große. In den USA und Kanada, Europa und Australien haben sich Wohlstandszonen gebildet. Die Armen aus den Randgebieten strömen in diese Zentren. Dass sie ihr „Stück vom Kuchen“ haben wollen, ist menschlich verständlich. Wir stehen am Anfang einer Entwicklung, deren Ende wir nicht mehr erleben werden. Die Welt wird sich verändern. Und die Massen, die da kommen, werden sich dauerhaft von Zäunen und Stacheldraht nicht aufhalten lassen. Irgendwann werden sie bewaffnet wieder kommen. Entweder wir lernen, zu teilen und zu helfen, die Dinge in den Krisengebieten in Ordnung zu bringen – was bedeutet, den Menschen die Heimat wieder lebenswert zu machen (das kostet Geld!) – oder wir steuern sicher auf einen militärischen Konflikt zu. Bringen wir die erste Alternative auf die Reihe, kann das wirtschaftlich zu einer Win-Win-Situation führen. Kommt es zu zweiterer, dann müssen wir uns im Klaren sein, dass sich auf uns Milliarden Menschen zubewegen werden. Ein solcher Konflikt wird konventionell nicht zu lösen sein. Gewinner wird es dann keine geben!

Noch ist Zeit.

Wir sollten nicht warten, bis der Zeiger auf Zwölf steht!

 

Er brachte Orangen aus dem Süden. Saftig, fruchtig, delikat.

Sie gaben Datteln süß wie Zucker, gewachsen an Bäumen aus 1.001 Nacht.

Duftender Kaffee, gemahlen. Erfüllt sein sinnliches Aroma aus Kolumbien und

Peru.

Er sang das Lied des Friedens. Töne als Hoffnungsträger der Kultur.

Oasen, an denen Kamele ihre Höcker füllten, frei von Muss und Zwang.

Er kam und gab Früchte des Bodens, Baumwolle frisch gepflückt.

Verzaubert tanzte sie den Tanz des Leibes. Eine Heilige inmitten der

Männerwelt.

Frei sein verzaubert uns die Sinne.

Frei sein ist der Nabel zu einer multikulturellen Welt.

Braune Sauce, eklig, ungenießbar. Die von Glatzen tropft.

Schwarz-Weiß-Denken einer desolaten Nation.

Abgenabelt sein von der Welt.

Zertrümmert die Vielfalt, zerfetzt die Schönheit der Kulturen.

Sie gab ihm was der Boden hergab.

Er trat es mit Füßen.

So, wie sie alles mit Füßen treten.

Was die Welt bedeutet.


© Petra M. Jansen

 

http://jansen-marketing.de

 

Tritt gegen den Eimer!

Es schwappt über.

Schmutzwasser ergießt sich

über den Rand

auf den Boden,

sammelt sich.

Fließt die erste Treppenstufe

hinunter und sammelt sich.

Braune Brühe findet den Weg.

Abwärts geht es immer!

Einfach folgen der Gravitation.

Leeren Parolen.

Der trübe Bach schwillt an,

zu einem Fluss,

einem reißenden Strom.

Spült hinweg Mitgefühl,

reißt mit sich die

Menschlichkeit.

Kritik wird ertrinken,

in gewaltigen Fluten.

Der Baum der Kultur,

einfach niedergerungen!

Die Masse ebnet sich den Weg,

nichts hält sie auf.

Wer stehenbleibt,

ist schon verloren.

In dem riesigen Strom,

der sich aufbäumt.

Eine Welle in Menschengestalt.

Wehe, wenn sie bricht!

 

Schau die Massen an den Kassen!

Vorfreude ist die schönste Freude.

Kurzweilig, sie bleibt nicht lange.

Produkte gefertigt in Massen,

zur Begeisterung der Massen.

Sehen uns Verbraucher gegenüber

der Massenabfertigung.

Stehen an der Kasse Schlange,

harren, die Beute unser Eigen zu heißen.

Kurz werden sie sein, bald verbraucht:

das Glücksgefühl,

der Status,

der Neid der Freunde

und unser Geld.

Dann werden wir eben besitzen

den Schrott von morgen.

Der Moloch Wirtschaft

breitet seine Tentakel über unseren Köpfen aus.

Sieg des Goliath über David.

Danach werden wir zählen,

jeden einzelnen Schein.

Möge es reichen, bis zum nächsten Anfang.

Bis dahin werden wir geben,

alles im Betrieb,

aus unser Geld.

Der Moloch muss wachsen,

nur so geht es uns gut,

auf den Armen des Kraken.