Hilary Clinton a changé de cap à New-York, lors d’un meeting électoral. Elle a essayé d’effacer son image de millionnaire et de femme politique non concernée par la déchéance sociale. Elle a exhumé sa mère en expliquant qu’à partir de l’âge de 14 ans elle a été abandonnée et forcée d’accepter un job comme bonne. Un peu de Dickens ne peut que servir, n’est-ce-pas ? Ce genre de discours me gène parce qu’il est opportuniste. Aussi son intérêt subite pour les plus démunis ! Ce n’est pas mon intention de « la démonter ». Je la considère comme un candidate expérimentée, ce qui est à mon avis une condition pour gouverner un pays comme les États-Unis. Mais je ne peux plus supporter toutes ces promesses, qui après les élections sont envoyées aux Calendes grecques. À propos de la Grèce, il est possible d’observer où tout cela peut conduire. Alexis Tsipras ne pourra pas tenir parole, faute de précipiter son pays dans la faillite et d’occasionner ainsi une catastrophe intégrale. Les déclarations d’intention sont une chose, leur réalisation une autre. Lorsque Hilary Clinton déclare qu’elle veut lutter contre la précarité, je lui donne raison. Mais tout dépend du contexte dans lequel cela se passe. Elle a subi au temps où son mari était président une défaite flagrante en ce qui concerne l’assurance-maladie. Ce qui pour nous Européens est une évidence, est pour grand nombre d’Américains une entrave à la liberté individuelle. En son temps elle avait dû faire marche-arrière. Ce n’est que Barak Obama qui a réussi à l’imposer, avec les ennuis que nous connaissons. La raison pour laquelle elle ne l’a pas évoquée lors de son meeting. Weiterlesen
Ursprung
Ursprung
Lasst uns ein wenig philosophieren. „Im Anfang war das Wort“ hat Johannes an den Anfang seines Testamentes gestellt. Ich konnte lange mit dem „Wort“ nichts anfangen. Das Neue Testament ist in Griechisch geschrieben. Im Original lautet der Satz: „En Arche en ho logos“. „Logos“, Sinn, Ziel, Zweck oder Wort übersetzt. War am Anfang der Sinn oder das Ziel? Warum das schwierige „Wort“? Es hatte doch Sinn, dass etwas entstand … Damals mit dem Urknall. Hatte Luther die Bibel falsch übersetzt?! Nein! Der „Big Bang“ soll unser Universum erschaffen haben. Mit ihm entstanden die Sterne und die Planten, begannen sich zu bewegen. Mit der Bewegung begann die Zeit, ohne diese gibt es keine Zeit! Neue Forschungen hegen eine neue Theorie: die „creatio ex nihilo“, die Erschaffung aus dem Nichts, soll so nicht ganz richtig sein. Wir sollen aus einem Schwarzen Loch kommen. Schwarze Löcher entstehen, soweit ich es verstanden habe, wenn ein Stern, also eine Sonne, stirbt. Der Stern bläht sich auf und fällt dann in sich zusammen. Zurück bleibt ein Schwarzes Loch, das alles in seiner Nähe wie ein Staubsauger wegsaugt und verschlingt. So soll es vor Milliarden von Jahren in einem anderen Universum gewesen sein. Ein Megastern nimmt Abschied, bläht sich auf, sein Schwarzes Loch saugt das ganze Universum auf. Alles futsch!? Nein! Information oder Energie kann nicht verloren gehen. Irgendwann war diese im Schwarzen Loch so verdichtet, dass der Prozess des Ansaugens sich umgedreht haben soll. Das Loch spuckt das Ganze wieder aus – natürlich nicht in der gleichen Form. Alles hüpft oder springt heraus. Es war also nicht der „Big Bang“, sondern der „Big Bounce“. Ja, so bekommt das Wort „Ursprung“ eine völlig neue Bedeutung!
„Anfang“: wie anfassen, anpacken. Ein dynamisches Wort! Ich beginne etwas. „Beginnen“, „Beginn“, althochdeutsch: ginnah. Das heißt so viel wie „schneiden“ oder „herausschneiden“. Was wurde wo herausgeschnitten? Vielleicht die Zeit aus der Ewigkeit? Wenn Zeit Bewegung ist und Ton, dann ist Ewigkeit Stille und Stillstand. Gibt es doch etwas jenseits dieses irdischen Lebens?! Ich weiß es nicht. Zum Beispiel Buddha saß still und ruhig unter dem Bodhibaum …
Wollen wir zusammenfügen? „In principio erat verbum“, im Ursprung war die Information. Informationen bestehen aus Wörtern. Und Leben bedeutet Bewegung. Unser Leben besteht aus Bewegung, weil wir uns bewegen, leben wir. „Ich bewege mich, also lebe ich!“. René Descartes möge mir verzeihen!
Und da wir in der Zeit leben, sind wir Teil der Ewigkeit.
Ich verneige mein Haupt vor dem Evangelisten Johannes. Er war ein weiser Mann!
© Thomas Dietsch
Le FN ? À d’autres !
Marine Le Pen veut faire croire au peuple de France qu’avec la tentative d’exclusion de son père du FN, qu’elle est moins extrémiste que lui. À d’autres ! Pour des raisons de carrière elle l’a sacrifié. Elle sait parfaitement que ses propos sont à longue dommageables pour son parti. Elle s’est roulée, comme le loup du Chaperon rouge, dans de la farine et veut nous faire croire qu’elle est devenue plus libérale. C’est de l’attrape-nigaud. Je pense qu’elle est une bonne tacticienne qui sait à tous moments tirer la couverture à elle. Est-ce une raison d’admettre que les slogans vengeurs ne sont plus d’actualité ? Je ne le pense pas ! Si elle sent que c’est ce qu’attende ses électeurs, elle n’hésitera pas à relancer la polémique. Le FN n’aurait plus de raison d’être sans ses actions coup de poing. C’est du moins l’avis de ses militants. Le populisme ne s’accommode pas de propos modérés. Il veut faire table-rase de tous les tabous qui freinent à leurs yeux l’instauration d’un régime nationaliste. Pour y arriver, ils pratiquent l’exclusion, le racisme et l’intolérance. Jean-Marie Le Pen avait tout au moins le mérite de nommer par leur nom ce que d’autres pensaient. Il n’y allait pas par quatre chemins. Weiterlesen
Le secret médical sur la sellette
Andreas Lubitz, le jeune copilote qui a entraîné 150 personnes dans la mort lors du crash de l’avion de la Germanwings dans les Alpes-de Haute-Provence, a vu 41 médecins en cinq ans. Il craignait perdre la vue et était profondément dépressif. Ses thérapeutes étaient d’avis qu’il était inapte pour exercer son métier, mais ils ne l’avaient pas communiqué à la compagnie d’aviation. En Allemagne le corps médical est soumis au secret professionnel. Aucuns renseignements ne doivent être remis à des tierces personnes. L’employeur reste ainsi dans l’expectative. C’est aussi le cas pour un médecin affilié à une entreprise. Mais ce dernier peut déclarer qu’un membre du personnel n’est pas en mesure de remplir ses responsabilités. Comme on le voit c’est un article de loi soumis à l’appréciation des tribunaux en cas de litige. En ce qui concerne Andreas Lubitz ce « garde-fous » n’a pas fonctionné. Ses supérieurs n’ont pas été informés des problèmes psychiatriques qui le tourmentaient. Seul lui aurait pu dévoiler ses maux, mais il ne l’a pas fait de peur de perdre son emploi. Weiterlesen
Brief vom 11.06.2015 – Petra & Pierre im Gespräch

Liebe Petra,
nein, ich bin kein Fanatiker der Ordnung, dennoch habe ich das Gefühl, dass mehr oder weniger alles in dieser Welt aus den Fugen gerät. Die Staatschefs der G7 können sich in einer grünen heilen Wiese ablichten lassen, das ändert nichts daran, dass die Trümmer unserer Gesellschaft unseren Alltag beherrschen. Noch nie war die Stimmung nach dem Zweiten Weltkrieg bedrohlicher. Sei es der Islamische Staat, die Ukraine, unser guter Freund Alexis Tsipras, nur miese Nachrichten beherrschen die Berichterstattung. Kann sich etwas ändern? Ein Präsident der USA, der bald abdanken wird, gleicht einer lahmen Ente. Er kann alles unternehmen was er für richtig hält, das wird kaum etwas nützen. Den anderen Verantwortlichen mangelt es an Charisma. Sie sind brave Verwalter, keine Churchills oder de Gaulles! Alles ist voraussehbar, langweilig und erzeugt einen Eindruck der Hilflosigkeit. Kein Wunder, dass die Völker langsam resignieren. Das wird auch der Fall bei Wladimir Putin werden, wenn er die Wirtschaft seines Landes weiter schleifen lässt. Und wie uns die Geschichte gelehrt hat, kann sich eine trügerische Ruhe in einem Nu in eine Explosion verwandeln. Wie bei einem Vulkan, der ohne Vorwarnung Lava spuckt und tausende von Opfer erzeugt. Solch eine Lage rechtzeitig zu entschärfen wäre die Aufgabe der Politiker. Ich befürchte, dass sie nicht in der Lage sind es zu tun, auch wenn sie sich gegenseitig Küsschen geben und oft per du sind. Sie täuschen uns Harmonie vor, verwischen die wahren Probleme, wie zum Beispiel die üblen Machenschaften der NSA in Europa. Kann man noch von Freundschaft sprechen? Ich befürchte, nein.
Dennoch bin ich der Meinung, dass es besser ist, wenn die Verantwortlichen sich bei einem Bier oder einer Tasse Kaffee treffen, anstatt sich das Gesicht wund zu hauen. Zwar ein sehr teurer Schulausflug, aber besser das, als Konflikte zu schüren. Was wurde in Schloss Elmau erreicht? Viel heiße Luft, dennoch mit einem positiven Wink Richtung Klima-Rettung. Absichtserklärungen, die meistens nicht verwirklicht werden, aber besser das als gar nichts. Bei der Tagung in Oberbayern wurde klar, dass die Machtverhältnisse nicht mehr die gleichen sind wie während des Kalten Krieges. Die Taten von Einzelnen sind sehr viel effizienter geworden, als das Einrücken von Panzern in einem Fremdland. Sie bringen ganze Gesellschaften ins Wanken und können kaum bekämpft werden. Jeder kann sich zum Werkzeug des Bösen verwandeln und für eine Destabilisierung sorgen. Hier wären wir wieder beim Thema Unordnung. Es werden keine Kriegserklärungen benötigt, um Druck zu üben. Es geht darum, die Demokratie zu schwächen, sie zu vernichten und das mit den Mitteln der Willkür und der Intoleranz. Und siehe da, es scheint zu klappen und das stimmt mich sehr nachdenklich, liebe Petra.
Aber es ist sinnlos zu jammern. Jeder sollte sich die Frage stellen, was er gegen solch eine Seuche unternehmen kann? Mit Wirtshaus-Debatten ist es nicht getan. Unmittelbar um uns muss agiert werden. Schön gesagt, aber wie sieht die Realität aus? Viele haben sich dem Konsum unterworfen und tanzen blind um das goldene Kalb. Sie betäuben sich mit Lappalien, die ihnen einen Eindruck des Wohlbefindens vermitteln. Dass sie ihnen die Weitsicht raubt, hat Methode. Es liegt nicht im Interesse der Politik, die Wahrheit zu verkünden, denn sie würde eine miese Stimmung erzeugen. Fun in jeder Form steht im Angebot und siehe da, wir lassen uns davon einlullen. Ich bin bei weitem kein Mensch, liebe Petra, der Trübsal bläst, aber es muss endlich mit den Lügen Schluss gemacht werden, sonst werden wir kaum die Gefahren abwenden können. Und dazu ist jeder gefragt! Es geht vor allem darum, sein eigenes Leben so zu gestalten, dass niemand durch unser Handeln zu Schaden kommt, aber wir sind leider sehr weit davon entfernt. Wer die Asylpolitik in Frage stellt oder ohne zu zucken Produkte der Dritten Welt zu Dumpingpreisen kauft, macht sich zum Täter. Egoismus ist der schlimmste Virus und jeder von uns ist davon befangen – das sollte uns bewusst werden. Mit schönen Parolen ist es nicht getan, wir müssen endlich agieren. Der faire Handel wäre ein erster Schritt und auch eine Bremsung der täglichen Verschwendung. Aber da fällt uns sehr wenig ein.
In diesem Sinne.
Alles Liebe!
Pierre
//pm
FIFA
La FIFA est le miroir de ce qui se passe un peu partout lorsqu’il est question de politique et de pouvoir. Ne nous faisons pas d’illusions, la corruption ronge tout le système démocratique et est de ce fait virulente comme une épidémie. Toujours la même rengaine, il s’agit d’une affaire de gros sous. Des individus sont constamment tentés de se remplir les poches et ne connaissent aucuns scrupules d’agir ainsi au détriment d’une grande idée. La FIFA est une organisation qui devrait rassembler des hommes de toutes races et préconiser la tolérance, le respect d’autrui. À l’aide d’une pub bien orchestrée elle le fait. Les choses se sont détériorées à cause du business qui empeste le foot. Les droits de diffusions rapportent des milliards. Il faut avouer que la tentation est grande de se servir ! Il en est de même pour l’organisation des tournois. On est loin des idéaux sportifs. Il en va exclusivement des profits qui peuvent être générés. Comment remettre de l’ordre dans ce panier à crabes ? Je pense que c’est plus ou moins impossible. Il faudrait revoir toutes les structures du football, remettre à plat toute la politique des transferts. N’est-on pas confronté à une traite des hommes ? Les joueurs ne sont certes pas des esclaves, mais ils se vendent au plus offrant. Leurs agents se graissent la patte et personne ne s’en offusque. N’est-ce pas une forme de proxénétisme ? Weiterlesen
Roter Bruder
Roter Bruder
Sie ritten beide Seite an Seite durch die Prärie, stets für das Gute kämpfend. Als sich ihr Blut vermischte sagten beide: „Mein Bruder!“. Die Rede ist von Winnetou und Old Shatterhand. Zwei Gestalten aus dem Wilden Westen, Vorbilder an Tapferkeit und Redlichkeit für Generationen von hauptsächlich jungen Leuten. Der Held meiner Kindheit ist die Tage verstorben: Winnetou, der Häuptling der Apachen, alias Pierre Brice. Er wurde 86 Jahre alt. Im Gedanken lasse ich ihn ein letztes Mal in den Sonnenuntergang reiten. Lex Barker, welcher die Rolle des Old Shatterhand spielte, starb schon vor 42 Jahren. Bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg musste Pierre Brice an der Seite anderer Partner auftreten.
Was bleibt außer dem Tränchen im Auge? Mit Sicherheit die Erinnerung an unterhaltsame Stunden beim Schmökern von Karl Mays Büchern oder beim Fernsehen. Die Karl-May-Filme! Es gibt mehrere Teile. Der mit Hut hieß Old Surehand, der Spaßvogel Sam Hawkins. Ja, sie werden einen bleibenden Eindruck hinterlassen, der französische Indianerhäuptling, seine amerikanischen Freunde und die vielen deutschen Indianer und Weißen. Man erinnere sich an Uschi Glas und Götz George. Nicht zu vergessen der böse Santer, Mörder von Winnetous Vater und Schwester alias Mario Adorf.
Und das Ganze in diesem weiten Land. Wo eigentlich? Es muss irgendwo in Nordamerika des 19. Jahrhunderts spielen. Aber eigentlich ist es ein Phantasieland. Karl May, geboren 1842, war ein deutscher Schriftsteller. Er soll nie in Amerika gewesen sein. Gereist ist er im Geiste. Seine Reiseberichte sind die faszinierenden Bücher über die Apachen, Komantschen, Kiowa und die weißen Siedler. Karl May war auch bei den Inkas und in der Wüste. Ab 1900 schrieb er ebenfalls symbolische Romane, unter anderen „Ardistan und Dschinnistan“. Vielleicht war der Mann ein zu großes Kind, eines mit einer überbordenden Phantasie. In seinen Büchern hat er sie mit uns geteilt.
Und die Winnetou-Filme haben diese Tradition fortgesetzt. Wenn ich mich recht entsinne, lebten die Apachen am Rio Pecos. Das Dorf lag an dieser Flussbiegung … Auch ein Phantasieland! Gedreht wurde im ehemaligen Jugoslawien, in der schönen Landschaft der Plitwitzer Seen. Eine Gruppe von 16 Gebirgsseen im heutigen Kroatien, verbunden durch Stromschnellen und Wasserfälle. Nicht umsonst hat man dieses Gebiet zum Naturschutzgebiet erhoben.
Die ganzen Protagonisten – jedenfalls bezogen auf die Guten – sind ein Vorbild an Redlichkeit. Moralische und sittliche Werte waren Karl May offensichtlich sehr wichtig. Mit der Unterhaltung wollte er auch Werte weitergeben. Dies hat er sehr geschickt gemacht. Die Jugend eifert Vorbildern nach. Was ist besser, als moralische Werte spielend oder lesend zu lernen?! Unterhaltung mit Nährwert! Hier beweist sich die Aktualität von Karl Mays Romanen, nämlich in seiner Art, wie er die ihm wichtigen Werte pädagogisch vermittelt. Ein Ansatz, der auch in unserer Zeit fruchten sollte.
Die Reiseberichte sind einerseits frei erfunden, Karl May hat Winnetou nie getroffen. Auch nicht Old Shatterhand. Es hat sie nie gegeben. Aber andererseits: es könnte sie gegeben haben. Karl May hat den Versuch angestellt, eine bessere Welt zu schreiben. Vielleicht sollten wir die Geschichten wieder einmal lesen.
Winnetou! Am Rio Pecos sehen wir uns wieder. Mein Bruder …
© Thomas Dietsch
Putin
Putin
Was will Putin eigentlich? Großmachtsdenken? Die Welt erobern oder unterwerfen? Die Geschäfte des russischen Giganten Gazprom in puncto Gas bringen immer mehr Länder in wirtschaftliche Abhängigkeit. Schon vor einiger Zeit hat US-Präsident Obama gemahnt, Europa müsse sich unabhängiger von russischem Gas machen. Es folgen die völkerrechtswidrige Annexion der Krim und der Krieg in der Ost-Ukraine. Russland braucht eine Landbrücke zur Halbinsel. Unterhalten werden kann die Krim nicht von Moskau aus, sie muss sich wirtschaftlich selbst managen. Schulklassen haben die Order, an die Strände zu gehen. Maßgabe ist, die Optik zu wahren. Es ist schlecht fürs Image des Luxusurlaubsgebietes – nach der Annexion brach der Tourismus ein – wenn die Strände leer sind.
Innenpolitisch steht es nicht zum Besten. Wladimir Putin hat die Macht auf seine Person zentriert; bei seiner letzten Wiederwahl sprach man von „Zarenkrönung“. Pressefreiheit und Freiheit des Journalismus gibt es – auf dem Papier! In Wirklichkeit sind die Medien gleichgeschaltet. Das russische Staatsfernsehen „füttert“ die Bevölkerung mit prorussischen Informationen. Dies mit einigem Erfolg! Eine Mehrheit der Russen glaubt bereits, dass die ökonomische Misere des Landes auf die wirtschaftlichen Sanktionen des Westens zurückzuführen sei, welche nach der Einnahme der Krim erfolgten. Dass bereits vorher schon immense wirtschaftliche Probleme bestanden, will keiner mehr hören. Es ist dem russischen Präsidenten gelungen, das Augenmerk der Bevölkerung weg von der Innenpolitik hin zur Außenpolitik zu lenken. Ein alter Trick, wie ihn auch die Amerikaner seit Jahrzehnten anwenden. Die russische Bevölkerung wünscht sich die Sicherheit des Sowjetsystems zurück. Putins Politik fällt diesbezüglich auf fruchtbaren Boden. Opposition ist unerwünscht, Regimekritiker sterben oft eines gewaltsamen Todes. Zu nennen seien unter anderen Anna Politkowskaya, erschossen 2006, Boris Beresowski, 2013 im Londoner Exil erhängt. Und Alexander Litwinenko, ebenfalls in London, Strahlentod durch radioaktives Polonium, welches ihm in den Tee gemischt wurde. Das letzte Opfer heißt Boris Nemzow, 2014 auf offener Straße erschossen. Die Kritik an der Regierung wird seitdem leiser, ein erschwiegener innerer Frieden. Zensur und Selbstzensur prägen den Alltag.
Müssen wir wirklich Angst vor Putin haben? Russland hat in seiner Geschichte noch keinen Angriffskrieg gewonnen. Ein Atomkrieg würde die Welt, wie wir sie kennen, auf lange Frist irreparabel zerstören. Daran haben weder die Russen, noch der Westen Interesse. Letzterer hat den Untergang der Sowjetunion nach 1990 reiflich dazu genutzt, entstehende Machtvakua zu besetzen. Es sei hier die NATO-Osterweiterung genannt. Mit Polen steht die NATO vor der russischen Haustür. Die Schwäche Russlands unter Boris Jelzin führte machtpolitisch in der Folge zu erheblichem Aderlass. In einigen Fällen wurde das Land wie eine „Bananenrepublik“ behandelt.
Das russische Volk ist sehr stolz, hat eine tiefe Seele. Die auf Jelzin folgenden Präsidenten, somit vornehmlich Wladimir Putin, mussten aufarbeiten. Russlands Image war kaputt.
Bei Auslotung des Ist-Zustandes stellt man folgendes fest: Die russische Wirtschaft ist abhängig vom Erdöl. Das Land leidet unter den Wirtschaftssanktionen. Die Krim kann sich Russland wirtschaftlich nicht leisten. Das Gleiche gilt für die Ukraine: der Staat ist pleite, vor allem die Ost- Ukraine. Putin will wahrgenommen werden, will den Russen ihren alten Stolz zurückgeben. Deswegen das propagandistische Geschwafel von „Neurussland“. Deshalb auch die Leugnung russischer Truppen ohne Hoheitsabzeichen in der Ost-Ukraine, auf die man aber angeblich politischen Einfluss habe.
Es hätte dem Westen gut angestanden, Putin auf einen G8-Gipfel einzuladen. Russland ist ein nicht wegzuleugnender Wirtschaftsfaktor. Bei einem Gespräch auf Augenhöhe hätte vielleicht so manches geklärt werden können.
© Thomas Dietsch