Mein lieber Pierre,
Kinder sind zweifelsfrei Zukunft, Leben, ein Zeichen von Liebe (im Idealfall) und Fortbestand, da gebe ich dir vollkommen Recht. Sie sind sicher nicht dafür da, um die Einsamkeit oder das Alter zu überwinden oder leichter zu ertragen und sie sind nicht Mittel zum Zweck. Vielleicht für unsere Politiker, die ihre marode Rentenwirtschaft danach kalkuliert und ausgelegt haben und vom Nachwuchs abhängig sind, aber nicht für mich. Kinder sind ein kostbares Geschenk! der Natur und wer sie freiwillig nicht haben will, mag seine Gründe dafür haben. Ich urteile nicht darüber in einer Zeit, in der man zwar sein verdientes Geld nicht mit ins Grab nehmen kann, wir aber eine unfassbare Überbevölkerung haben. Die Erde ist nicht mehr in der Lage diese Masse an Menschen zu ernähren und ihnen friedlichen Lebensraum zu bieten, was sollte also unsere Kinder zukünftig erwarten? Aus purem Egoismus Kinder zu zeugen, weil sie so süß sind oder weil man so gerne Mama oder Papa sein möchte und seine Gene vererben möchte, halte ich für unangemessen. Kinder sind eine große, lebenslange Verantwortung, die auch leider nicht alle Eltern übernehmen und gewährleisten können. Manche sind geistig, finanziell, altersmäßig oder aufgrund ihrer sozialen Struktur auch nicht in der Lage, eine Orientierungsperson zu sein oder Elternpflichten zu übernehmen und bekommen trotzdem Kinder. Diese landen dann in der Obhut von Pflegefamilien, werden vom Jugendamt begleitet, leben an der Grenze zur Kinderarmut, werden zu Kriminellen usw.
Ich selbst habe zwei wundervolle Söhne, wie du weißt, lieber Pierre und ich liebe sie von Herzen. Sie sind gut ausgebildet, prima erzogen, bildhübsch und heute schon wertvolle Menschen, aber was ist ihre Perspektive? Auswandern. Mein ältester Sohn sieht jetzt schon während seines Studiums, dass er Deutschland verlassen wird – wie so viele gut ausgebildete Studenten und junge Menschen in Deutschland. Es werden immer mehr und nun fragen wir uns warum? Keine Antwort. Die Antwort liegt in der Politik und in der Gesellschaft. Aber geht es ihnen woanders wirklich besser?
Sicher sind Kinder die Zukunft und zeigen das Leben, aber schauen wir auch auf die Kindesmisshandlungen und Übergriffe auf Minderjährige weltweit? Auf deren Situation in Kriegsgebieten, in denen 10jährige an die Waffe müssen und bereits in diesem Alter innerliche Greise werden? Schauen wir einmal nach Asien, wo die Kinderprostitution blüht? Sehen wir, dass Kinder immer noch verkauft werden und mit ihnen illegaler Menschenhandel betrieben wird? Schauen wir weg? Nein, das wollen wir alles gar nicht hören! Genau aus diesem Grund schreibe ich heute, dass ich meine Zweifel habe, ob es sinnvoll ist, Kinder in die Welt zu setzen und ob ich es heute noch tun würde – diese Frage habe ich mir schon gestellt – ich würde sie mit nein beantworten. Aber nicht aus egoistischen Gründen, weil ich mein Geld alleine ausgeben möchte sondern weil die Zeiten anders sind, weil sich die ganze Welt verändert hat und wir ihnen nicht mit gutem Gewissen Frieden, Gesundheit oder eine angemessene Lebensgrundlage mit guter Perspektive bieten können. Eines der der Gründe, warum wahrscheinlich so viele Modepüppchen zu Möpsen greifen…und es ist wie mit der Hundezucht: Wozu lauter Welpen züchten, wenn die Tierheime mit schlecht behandelten Hunden aus Händen von überforderten Haltern überquellen? Lieber Pierre, ich bin mir bewusst, dass meine Haltung auf Widerstand stoßen wird, aber wenn wir ehrlich sind, müssen wir die Verantwortung tragen und eine solide Lebensgrundlage schaffen b e v o r wir Kinder in die Welt setzen.
Dazu ein Gedicht von mir:

 

Kindertraum(a)
Sie SCHREIEN,
weil ihnen keiner von uns zuhört.
Sie DROHEN,
weil alles von uns an sie eine Drohung ist.
Sie SCHWEIGEN,
weil ihre Worte von uns abgetötet wurden.
Sie SCHLAGEN,
weil sie spüren wollen, wo nichts mehr ist.
Wie fühlen sie in einer Welt,
in der wir sie nicht fühlen lassen?
Wie können sie vertrauen,
wenn wir uns über ihr Leben beschweren?
Fangen wir an.
Ihnen zu Vertrauen.
Den Kindern dieser Welt.

 

Herzliche Grüße,
Petra

© Petra M. Jansen

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Slaves

„Clothing is the cover that surrounds the naked human more or less“ (Wikipedia). We can not walk around naked, so we put on something. This is socially required in any case and necessary in large parts because of the weather. So far no problem! It was not always like this. For women, it was frowned or even forbidden to wear pants for centuries. Whether among the Teutons or Celts, even among the Romans. The female underpants was not invented until the mid-19th century! For women pants were taboo, women on stage with pants were a sensation. The trouser role! This also had effects into the private sphere: not without reason even today one racks one´s brains as to find out, who in a marriage relationship proverbally is „wearing the trousers“. Also the social classes wore different clothing during the centuries. The farmers wore linen, the nobleman fine fabrics, often imported goods from other countries. Silk and velvet, for example. The membership of a particular social class could thus be read from the clothes. With the passing of epochs the kind of dressing has changed. Some paintings can be classified according to the manner of how the people, being portrayed, are dressed.
It is under the influence of many quantities: fashion! Today, one doesn´t care: we wear what we want to. Without fear and without threat of punishment. But sometimes it is really bad when someone tells us that, what we have put on this morning, has ceased to be fashionable for a long time. „You’re out!“. Embarrassing!
There´s one who puts emphasis on ensuring that we throw away next year what we just bought for a lot of money. The economy! They want to make cash! And we, the slaves give our best: our money!

Sklaven

„Kleidung ist die Hülle, die den nackten Menschen mehr oder weniger umgibt“ (Wikipedia). Nackt herumlaufen können wir nicht, also ziehen wir uns etwas an. Das ist auf jeden Fall gesellschaftlich vorgeschrieben und zum großen Teil wegen der Witterung erforderlich. Soweit! Also kein Problem! Das war nicht immer so. Für Frauen war es Jahrhunderte verpönt bzw. sogar verboten, Hosen zu tragen. Ob bei den Germanen oder Kelten, auch bei den Römern. Die weibliche Unterhose wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts erfunden! Für Frau war die Hose tabu, Frauen auf der Bühne mit Hose waren eine Sensation. Die Hosenrolle! Das hatte auch Auswirkungen ins Private: nicht umsonst rätselt man bei manchen Ehepaaren heute noch sprichwörtlich, wer denn „die Hosen an hat“. Auch die Stände trugen über die Jahrhunderte unterschiedliche Kleidung. Der Bauer trug Leinen, der Edelmann feine Stoffe, oft Importware, aus anderen Ländern. Seide und Samt zum Beispiel. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht konnte somit an der Kleidung abgelesen werden. Auch im Laufe der Epochen hat sich die Art, sich zu kleiden, verändert. Gewisse Gemälde kann man anhand der Art, wie sich die Porträtierten anzogen, zeitlich einordnen.

Sie unterliegt vielen Einflüssen: die Mode! Heute ist das fast alles egal: wir tragen, was wir wollen. Ohne Scheu und ohne Strafdrohung. Aber manchmal ist es doch schlimm, wenn jemand uns sagt, dass das, was wir heute morgen angezogen haben, schon längst nicht mehr modisch ist. „Du bist out!“. Peinlich!

Einer legt noch Wert darauf, dass wir das, was wir heute teuer bezahlen, nächstes Jahr wegwerfen. Die Wirtschaft! Die will verdienen! Und wir Sklaven geben unser Bestes: unser Geld!

© Thomas Dietsch

Liebe Petra,

wie du weißt, halte ich sehr viel vom Generationsauftrag. Wenn man Kinder auf die Welt setzt, trägt man eine verdammte Verpflichtung und das bis ins hohe Alter. Wie komme ich darauf zu sprechen? Nach der Lektüre deines Briefes, habe ich manchmal Bedenken, ob es vernünftig ist, heute noch Nachwuchs zu erzeugen und doch plädiere ich für die Familie, warum? Weil alleine sie uns den Sinn des Lebens vermitteln kann. Singles in alle Ehren, aber was für ein Dasein ist es letztendlich? Es ist vor allem von einem narzisstischen Egoismus geprägt und auch vom Materialismus! Alleine verfügt man über mehr Kohle, aber eines muss jeder feststehen: Ins Jenseits wird man seinen Reichtum nicht retten können, auch wenn die Pharaos eine andere Meinung vertraten. Trotz aller Widrigkeiten, finde ich das Elternsein das größte Geschenk, in einer Zeit in der man allen Grund hätte, sich die Kugel zu geben. Kinder halten uns geistig und seelisch wach, sie fordern uns ständig und geben uns den Mut, nicht aufzugeben. Das kommt speziell zum Vorschein, wenn sich die altersbedingten Schwächen melden und mehr denn je muss man nach vorne schauen, auch wenn uns am Ende ein blöder Sarg erwartet.

Das mag reine Durchhaltetaktik sein, könntest du mir vorwerfen, liebe Petra. Kann sein, aber ohne sie würde ich mich aufgeben. Ich gebe zu, ohne das Recht zum Selbstmord in Frage zu stellen, dass ich dieses Mittel für mich nicht als angebracht fände. Ich habe einen zu hohen Respekt vor dem Leben und lehne es deswegen ab. Über dieses Thema bin ich dabei, ein Theaterstück zu produzieren und hier geht es vor allem um die Selbstmordattentäter, die sich in ihren wirren Gedanken vorstellen, dass sie sich somit für Gott und letztendlich für eine bessere Welt opfern. Abgesehen von den 77 Jungfrauen, sehe ich nicht den Sinn so zu ticken und mehr noch, ich finde es abscheulich! Wenn man dieses Thema tiefer verfolgt, kommt man zur Erkenntnis, dass solch ein Verhalten von Grund auf nicht alleine ideologisch gesteuert werden kann – es muss ein krankhafter Nährboden vorhanden sein. Vielleicht gibt es in jedem von uns die Sehnsucht nach einer totalen Vernichtung und wenn das Gleichgewicht ins Wanken kommt, ist der Weg gegeben, um sich in einen Mörder zu verwandeln. Wohin will ich kommen? Die Geschichte hat uns gezeigt, dass der Mensch immer wieder alles niederwalzt was er aufgebaut hat und vielleicht kann die Evolution nur so geschehen. Eine knallharte Erkenntnis, dass der Krieg eine logische Fatalität ist. Ich lehne das ab, aber kann dagegen nichts tun. Insofern hatte Günter Grass recht, zu behaupten, dass wir uns in einen dritten Weltkrieg manövrieren. Und da spielt auch der Instinkt der Fortpflanzung eine Rolle. Logisches Denken ersetzt bei weitem nicht unsere Gefühle, denn sie bestimmen unsere Existenz. Das ganze Gerede um die Vernunft ist vergebens. Wir wissen zwar, dass die Zukunft unserer Kinder gefährdet ist, aber ist das ein Grund, Leben zu schenken? Das Beispiel von Menschen, die sich in der Hölle befanden, wie in Auschwitz, hat sie nicht daran gehindert, eine Familie zu gründen. Sie hätten wissen sollen, wohin das führen könnte, aber haben sich für das Leben entschieden. Das widerspricht jeder Vorsichtsmaßnahme und doch haben sie es getan, warum? Weil die Hoffnung die einzige Möglichkeit ist, uns zu verwirklichen. Gebrochene Menschen haben wieder die Kraft gefunden sich aufzurichten und ohne Kinder wäre es fast nicht möglich gewesen. Sie nehmen uns so in Anspruch, dass wir nicht in der Lage sind, uns zu sehr um Sinn und Unsinn des Lebens Gedanken zu machen. Das Tagtägliche nimmt uns ein und verpflichtet uns, zu kämpfen. Gut so! Das nenne ich den Generationsauftrag und der Nachwuchs gibt uns die Kraft, nicht das Handtuch zu werfen. Jeder von uns würde es manchmal gerne tun, aber das geht nicht, wenn man eine Verantwortung trägt. Ohne die Kids ist Alteisen angesagt. Daran sollte jeder Pessimist denken.

In diesem Sinne.

Herzliche Umarmung
Pierre
//pm

Archivio

22 aprile 1915: Prima guerra mondiale, il primo attacco con gas velenoso dalle truppe tedesche. Sette volte l’attacco era stata rinviata a causa del tempo. Alle sei della sera di questo giorno la direzione del vento era giusta dal punto di vista tedesco. Le bombole del gas erano aperte, i francesi sorpresi. Migliaia di soldati hanno soffocato a quel giorno di cloro, molti sono stati gravemente feriti. L’inizio della guerra del gas! Nel 1925, dopo la Grande Guerra, si ha vietato l’uso di armi chimiche e biologiche per mezzo del protocollo di Ginevra, un trattato internazionale.
L’attacco chimico di Ghouta del 21 agosto 2013, una regione a est di Damasco, Siria, mostra che nessun contratto può impedire l’uso di gas di un governo di un paese contro altre persone. La Siria non è parte della Convenzione sulle armi chimiche. Eppure Assad ha usato un’arma brutale contro il suo popolo. Senza alcun riguardo! Uomini, donne e bambini sono stati uccisi senza preallarme. Mantenere il potere a ogni costo! È evidente che economia e priorità politica valgono più di una vita umana in questo mondo. L’arricchimento di pochi a spese della maggioranza. L´uomo qualunque paga, se necessario, con la vita, per il confort dei ricchi. Direzione significa una più di decenza e responsabilità di altri. Fatecelo pensare! Abbiamo solo una terra e una sola vita.

Archiv

22. April 1915: Erster Weltkrieg, erster Angriff mit Giftgas durch deutsche Truppen. Sieben Mal war der Angriff aufgrund der Wetterverhältnisse verschoben worden. Gegen 18 Uhr an diesem Tag stimmt die Windrichtung aus deutscher Sicht. Die Gasflaschen werden geöffnet, die Franzosen überrascht. Tausende Soldaten ersticken an diesem Tag an Chlor, viele werden schwer verletzt. Der Beginn des Gaskrieges! Nach dem Großen Krieg wurde durch das Genfer Protokoll, einen völkerrechtlichen Vertrag, 1925 in Genf der Gebrauch chemischer und biologischer Waffen verboten.

Die Giftgasangriffe von Ghuta vom 21. August 2013, einer Region östlich des syrischen Damaskus, zeigen, dass kein Vertrag eine Regierung eines Landes davon abhalten kann, Gas gegen andere Menschen einzusetzen. Syrien ist der Chemiewaffenkonvention nicht beigetreten. Und dennoch: Assad hat die brutale Waffe gegen sein eigenes Volk eingesetzt. Ohne jegliche Rücksicht! Männer, Frauen und Kinder wurden ohne Vorwarnung getötet. Machterhalt um jeden Preis! Wirtschaftliche Aspekte und politischer Vorrang sind offensichtlich in dieser Welt mehr wert als menschliches Leben. Die Bereicherung weniger auf Kosten der Mehrheit. Otto-Normal-Verbraucher zahlt, notfalls mit dem Leben, für den Komfort der Reichen. Führen heißt ein Mehr an Anstand und Verantwortung haben als andere. Lasst uns darüber nachdenken! Wir haben nur eine Erde und ein Leben.

© Thomas Dietsch

Lieber Pierre,

ich nehme an, es war ein Albtraum und er hieß nicht „Jenseits von Afrika?!“ Wohl denen, die jetzt hinter ihrem Bildschirm sitzen und auf ihr Handy schauen, was wir beide heute publizieren. Ich bin sicher, der eine oder andere schätzt das afrikanische Flair, designed seine Wohnung im Afrika-Zebra-Holzschnitz-Look ohne nachzudenken, was auf diesem Kontinent passiert. Auf der anderen Seite von Sizilien – was geht uns das an? Eine Menge! Europa muss sich dringend für die Menschen- und Schutzrechte sowie eine Demokratisierung in Eritrea einsetzen. Asylbewerber, die abgeschoben werden, sind bedroht in ihrem Leben. Sie fliehen vor schlimmsten Verbrechen und Verfolgung, sie fliehen vor der Diktatur ihres Landes, sie fliehen vor Folter und schwersten Vergehen. Keine Mutter weiß, ob sie ihre Kinder jemals lebend wiedersieht, wenn sie von Schleppern auf die Boote gehievt werden. Folterkammer Sinai und die kriminellen Menschhändler wittern ihr Geschäft. Skrupellos, gewaltbereit, grausam empfangen sie die Flüchtlinge und sie können willkürlich tun, was sie wollen. Sollten sie jemals auf einem neutralen Boden angekommen sein, müssen die Jugendlichen und Kinder vor sexuellen Übergriffen geschützt werden und viele sind zu Waisen geworden.

Lieber Pierre, wir werden in den kommenden Jahren viele, viele Menschen aus Ländern, in denen sie politisch verfolgt werden, in denen Krieg und Armut herrscht oder der Hungertod, aufnehmen müssen. Wir und alle Länder dieser Erde, denen es besser geht und in denen ein menschenwürdiges Leben möglich ist.
Die Gier, die Ängste, der Neid, die Korruption, die Gewalt der Menschen wird das alles eskalieren lassen und wir entfernen uns immer mehr von einem Frieden auf Erden. Sagte Günter Grass nicht, wir stünden kurz vor einem dritten Weltkrieg? Hat er so unrecht damit? Ist es nicht so, dass alle Anzeichen darauf hinweisen? Ich mag keine Weltuntergangs-Vorstellungen, aber mir fällt leider auch nichts ein, um seine These zu entkräften.

Sagen wir es mal so: die Menschen, die das hier jetzt lesen, sie denken zwar, sie finden das wahrscheinlich auch scheußlich und verwerflich, aber danach gehen sie in ihre Küche und futtern ihr Abendessen, danach ein Glas Wein aus Südafrika und ab auf´ s Bisonfell zum Ficken. Dass sie sich selbst ficken dabei, dürfte ihnen teilweise heute nicht klar sein, in einigen Monaten und im Laufe der Zeit aber bestimmt. Wahrscheinlich wird das kommentiert irgendwo – aber es geht ihnen am Arsch vorbei. „Was interessiert uns Eritrea? Eritrea ist weit weg.“ Träumen sie weiter … und mögen sie nicht eines Tages von Albträumen geplagt werden.

 

In trotzdem guten Gedanken,
Petra

© Petra M. Jansen

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Liebe Petra,

meine schlaflosen Nächte bringen mich manchmal auf merkwürdige Gedanken. Um drei Uhr morgens hatte ich mich in einen jungen Mann aus Eritrea versetzt. Meine Familie lebte von dem mageren Ertrag einer kleinen Landwirtschaft und so lange das Klima nicht verrückt spielte, war die Hoffnung auf ein Minimum an Versorgung berechtigt, aber jetzt trocknet alles aus. Wir konnten uns nicht mehr ernähren, ganz abgesehen vom Wasser, das uns dringend fehlte. Was hätte ich anderes tun sollen als das Weite zu suchen? Zuerst der Gang zur Stadt, in der jeder von uns hoffte, wenigstens Krümel des Wohlstandes einfangen zu können. Illusion! Die Kinder mussten betteln gehen und sich prostituieren. Dazwischen einige Gestalten im Kolonialstil, die auf unseren Rücken ihre Geschäfte machten. Schwer bewacht von Söldnern hatten wir keine Gelegenheit, ihnen unser Leid vorzutragen, mit der Hoffnung vielleicht einen Job zu bekommen? Sehr schnell merkte ich, dass ich für sie nur Abschaum war und unter solchen Umständen konnte ich nicht in meiner Heimat bleiben. Oder hätte ich eine Karre nehmen sollen um dieses ganze Gesindel umzulegen? Das hätten sie schon verdient, aber ich verabscheue jede Art von Gewalt.

Eine Stunde später, nach einem längeren Besuch auf der Toilette, war ich als junger Eritreer in einem Flüchtlingslager in Libyen angelangt. Dort versuchte ich etwas zu verdienen, um mir einen großen Traum zu ermöglichen: die Reise in den Garten Eden, denn dort herrschte, wie ich hörte, Gerechtigkeit. Jeder könnte dezent leben und frei denken. Um aber dorthin zu kommen, musste ich mehr als 2000,00$ hinblättern, das ist der „Lohn“ der Schlepper! Ich wusste schon, dass viele Menschen ertrunken waren, denn die Schiffe waren alt, brüchig und völlig überfüllt. Dennoch entschloss ich mich, diesen Schritt zu wagen, was blieb mir anderes übrig? Die Barkasse kenterte. Ich gehöre zu den wenigen Überlebenden und konnte, nach einer langen Odyssee, Deutschland erreichen. Ich dachte, dass ich an meinem Ziel angekommen sei, von wegen.

Dann erfolgte die Gegenüberstellung mit einem Beamten. Er wollte beweisen, dass ich kein politischer Flüchtling sei. „Niemand hat sie gedrängt, das Land zu verlassen!“ „Sie irren sich, der Hunger!“ Aber der vollgefressene Mensch, der mir gegenüber saß, wollte nicht wahr haben, dass Afrika von erbarmungslosen Geschäftsleuten aus Amerika, Europa oder China geplündert wird und dass sie auch die Schuld tragen, wenn Millionen Menschen verhungern. „Ich bedauere sehr diese Umstände, aber ich kann sie nicht als politisch bewerten, deshalb sind Sie hier unerwünscht!“ Ich versuchte ihm klar zu machen, dass internationale Multis uns rücksichtslos auspressten und letztendlich nur unseren Tod wünschten und dass Europa auch eine Schuld an unserer Misere trüge. Ich versuchte ihm zu erklären, dass viele afrikanische Bauern gezwungen wurden einen genmanipulierten Samen zu verwenden, der nur einmal zu benutzen war und dies zu erhöhten Preisen. Das fand er zwar eine Frechheit, aber meine Argumente ließen ihn letztendlich kalt. Er war in seinen Gedanken beim Stammtisch versunken, wo seine Genossen ihm eintrichterten, dass „die Kaffer“ hier nichts verloren hätten. „Es würde noch fehlen, dass sie unsere Weiber schwängern.“

Mein Rücken tut mir zwar weh, liebe Petra, aber neben diesen Schicksalen mit denen wir alltäglich konfrontiert sind, ist das nur eine Lappalie. Irgendwie schäme ich mich, auch wenn ich genau weiß, dass wir nicht in der Lage sind das Leid der gesamten Menschheit zu lindern. Ich würde aber mir wünschen, dass Menschen, die nicht weiter als zu ihrer Nasenspitze blicken, sich in einen Flüchtling versetzen könnten. Uns sollte uns klar sein, dass wir ein riesiges Glück haben hier geboren zu sein und das in friedlichen Zeiten, was bei unseren Eltern nicht der Fall war.

 

In diesem Sinne,
herzliche Umarmung,

Pierre
//pm

Wir alle brauchen Geld,

ich tausche nicht mehr, ich zahle.

Ob bar, per Plastik oder bargeldlos:

alles in allem bin ich mein Geld los!

Nicht immer bekomme ich etwas Adäquates,

pass auf, sonst wirst Du beschissen.

Man zieht Dich über den Tisch!

Manche haben so viel davon,

dass sie die Summe gar nicht mehr interessiert.

Ist auch nicht nötig, denn sie haben´s nicht mehr nötig!

Das Zocken ist entscheidend.

Mal ist es die Macht, mal die Lust am Spiel.

Wenig Geld führt zu Not, viel davon zu Langeweile.

Viel Kohle macht einsam.

Falsche Freunde, Freunde des Schotters, nicht von mir!

Macht führt zu Spielchen, man will bewegen.

Der Andere ist nicht Dein Besitz,

hat selbst ein Leben, will Selbstbestimmung.

Respektiert doch keiner, wenn er Geldbäder nimmt.

Der Arme zählt die Schulden,

der Reiche Zahlen auf bunten Scheinen.

Geld verdirbt den Charakter,

Einsamkeit kennt keine Grenzen, was will der Andere schon?!

Über 900 Menschen ertrinken im Mittelmeer.

Ganzes Hab und Gut für ein bisschen besseres Leben.

Manche nehmen alles von denen die nichts haben.

Leid wird gegen Tod getauscht, eine bittere Einsicht.

Wie viel Anstand steht noch hinter dem Komma?

Davor steht schon lange nichts mehr …

© Thomas Dietsch

Finland

Finland goes to vote. With the result of the election a new course will be determined: does the country remain in its neutrality policy towards Moscow or does it join the NATO? Finland will get its third Prime Minister within one year by this election. It is likely that the conservative government loses the election and is replaced by a social-liberal coalition. With an unemployment rate of over 10 per cent there´s not much left of the former economic miracle land Finland. Due to its close economic relations with Russia, the country also suffers from the sanctions imposed against the „big brother“. In addition, 43 percent of the Finns feel threatened by Russia. Russian fighter jets have repeatedly violated the Finnish airspace during the recent months. An adviser of Kremlin chief Putin, Andrei Illarionov, reported to a Swedish newspaper last year, that Russia intends to invade the Baltic States, Belarus and Finland. The Russians have deep interest in Finnish real estate. Military bases are required. This fuels fear in Finland. A country’s accession to NATO would worsen Europe’s relations with Russia once more. Finland is a border country! Cozy relationship or trouble? Finland was a Russian Grand Duchy until 1917. During World War II, the countries faced as enemies. That’s what the „little brother“ paid with large territorial losses.

Finnland

Finnland geht zur Wahl. Mit deren Ergebnis stellen sich die Weichen: bleibt das Land bei seiner Neutralitätspolitik gegenüber Moskau oder tritt es der NATO bei? Für Finnland kommt mit dieser Wahl der dritte Ministerpräsident innerhalb eines Jahres. Es ist wahrscheinlich, dass die konservative Regierung die Wahl verliert und durch eine sozialliberale Koalition abgelöst wird. Mit einer Arbeitslosigkeit von über 10 Prozent ist von dem ehemaligen Wirtschaftswunder Finnlands nicht mehr viel übrig. Aufgrund der engen Wirtschaftsbeziehungen zu Russland leidet das Land auch durch die gegen den „großen Bruder“ verhängten Sanktionen. Dazu kommt, dass 43 Prozent der Finnen sich durch Russland bedroht fühlen. Russische Kampfjets haben in den letzten Monaten mehrfach den finnischen Luftraum verletzt. Der Berater von Kremlchef Putin, Andrej Illarionov, berichtete letztes Jahr einer schwedischen Zeitung, Russland wolle im Baltikum, Weißrussland und Finnland einmarschieren. Das Interesse der Russen an finnischen Immobilien ist groß. Militärstützpunkte sind gefragt. Das nährt die Angst in Finnland. Ein Beitritt des Landes zur NATO würde die Beziehungen Europas zu Russland ein weiteres Mal verschlechtern. Finnland ist Grenzland! Kuschelkurs oder Zoff? Finnland war bis 1917 russisches Großherzogtum. Im Zweiten Weltkrieg standen sich die Länder als Feinde gegenüber. Das hat der „kleine Bruder“ mit großen Gebietsverlusten bezahlt.

© Thomas Dietsch