Kommunikation

Unsere Mittel der Kommunikation sind im Fluss. In der Regel verständigt man sich über die Sprache: mündliche Form, Zeichen- und Schriftsprache. Auch durch Dinge, die wir tun, senden wir eine Botschaft.

Die mündliche Form: „verbal“, sagt man auch. Durch Bewegung der Zunge und des Kehlkopfes entstehen bei bestimmter Atemtechnik Laute. Über diese verständigen wir uns. Da wir die Zunge dabei einsetzen wurde früher auch oft in manchen Gegenden gefragt, welche Zunge man denn spreche. Noch heute gibt es Dialekte und Mundarten. Einige Sprachen sterben aus, beispielsweise einige Indianerdialekte in Südamerika oder Dialekte aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten vor 1945. Aber die Sprache ist, wie bereits erwähnt, nichts Statisches, sie ist ständig in der Entwicklung. Und so gibt es Erkenntnisse, dass auch neue Sprachen entstehen. Nehmen wir die Jugendsprache: Dauerbrenner ist „cool“, etwas „ausgeflippt“ tun ist kaum noch bekannt. Das „No-Go“ und den Begriff „Dissen“ hat zu unserer Zeit noch niemand gekannt. Die Jugend hat ihre eigene Sprache, jede Generation ein bisschen anders, manches bleibt und wird weiterentwickelt. Die Tendenz zur Gigantomanie ist nicht zu übersehen. Superlative sind angesagt: „Voll“ ist out, das Glas kann also nicht mehr „voll leer“ sein, es ist heute „mega leer“! Aus den Stars der 1950er sind schließlich auch die Superstars der 1970er und die heutigen Megastars geworden. Das ist nicht einfach. Vor allem bin ich auf die nächste Steigerungsform gespannt … Superlativ II?! Nicht umsonst sprechen einige Sprachwissenschaftler heute von einem neuen Dialekt: der Jugendsprache.

Die Zeichensprache: Taub-Stumme nutzen sie. Menschen verschiedener Sprachen, die sich nicht verstehen. Kleine Kinder. Es gibt viele Beispiele. Auch simples Tun setzt ein Zeichen. Wenn alle faul rumstehen und einer ans Werk geht, dann setzt er ein Zeichen. Traurige Berühmtheit hat „das Zeichen setzen“ mit dem Terrorismus erlangt. Schon die ROTE ARMEE FRAKTION setzte in den 1970er Jahren Zeichen durch Bombenanschläge auf berühmte Persönlichkeiten. Nichts anderes macht die Terrormiliz ISLAMISCHER STAAT: Man köpft Menschen! Eine kranke Art, sich zu äußern. Das Wort hat versagt, Gewalt soll nun an seine Stelle treten bzw. hat es schon getan. Da die Ermordung von Menschen keine Wirkung zeigte, hat sich der IS jetzt auf die Zerstörung von Kulturgütern der Menschheitsgeschichte verlegt. Auch das wird niemand verstehen, die Menschheit wird insgesamt nur immer ein Stück ärmer hierdurch. Die Message bleibt verborgen.

Zeichen gibt es auch in der Schrift. Bekannt ist die moderne Form: die Smileys. Da es auch welche davon gibt, die nicht lächeln, hat sich der Begriff des Emoticons entwickelt. Niedliche Kerlchen: lächelnd, lachend, indifferent und auch traurig oder weinend. Reiht man diese geschickt aneinander, entstehen unter Umständen ganze Sätze. Auch hier ist eine Sprache im Werden. Die Menschheit wird zusehends blöde?! Ich weiß es nicht! Schon die Ägypter arbeiteten mit Hieroglyphen, einer Art Bildschrift. Und wie lange hat man gebraucht, um sie zu entziffern? Erst 1822 hatte Herr Champollion es geschafft, die Hieroglyphen vollständig zu entziffern. Ganz so einfach ist das mit der Bildsprache dann doch nicht! Auch die Ägypter müssen einmal ganz einfach begonnen haben. Wie die damaligen Emoticons um 3200 v. Chr. wohl aussahen?

Sprache ist im Fluss, und wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass sich im Laufe der Zeit einiges ändern wird.

 

© Thomas Dietsch

Islamischer Staat

Der „Islamische Staat“ ist kein Staat im staats- oder völkerrechtlichen Sinne. Ein Staat kennzeichnet sich durch Staatsgebiet, Staatsgewalt und Staatsvolk. So die Drei-Elemente-Lehre von Georg Jellinek.
Eine Staatsgewalt im Sinne einer Führung mag rudimentär vorhanden sein. Einen ausgebauten Verwaltungsapparat gibt es nicht. Auch an einem Staatsgebiet mangelt es. Der IS hält einige dünn besiedelte Wüstenregionen im Osten Syriens und im Westen des Iraks, wie der Spiegel zu berichten weiß. Faktisch leben dort Menschen, die aktuellen, tatsächlichen Grenzen sind völkerrechtlich nicht anerkannt und werden dies auch in Zukunft nicht werden. Ein Staatsvolk gibt es nicht. Die Staatsbürgerschaft „Islamischer Staat“ oder wie auch immer sucht man vergeblich. Die in vorgenannten Gebieten lebenden Einheimischen sind nach wie vor irakische beziehungsweise syrische Staatsbürger. Der IS braucht also Bürger!
Laut Spiegel Online arbeitet man seitens der Miliz daran. Im besetzten Teil Syriens versucht man, mögliche Bürger unter dem Motto „Flitterwochen im Kalifat“ in die Region zu locken. Man bietet Sex und Geld. Die Kämpfer des IS haben aus militärischen Gründen kaum Zeit, sich eine Braut zu suchen. Auch fehlt ihnen das Geld für die Mitgift, viele sind bettelarm. Und der Region fehlt es an heiratswilligen Frauen. Mit Versuchungen à la „Tausend und eine Nacht“ sollen intelligente junge Frauen, gegebenenfalls mit entsprechender Bildung, ins Kalifat gelockt werden. Geht es nicht freiwillig, werden die Frauen versklavt. Der IS braucht Nachwuchs! Und das lässt er sich etwas kosten. So wurde die Hochzeit eines 28-jährigen Milizionärs mit einer 24-jährigen Tunesierin gesponsert. Flitterwochen in Rakka, Spaziergänge am Euphrat. Hiernach war die Ehefrau schwanger und der Kämpfer musste wieder an die Front. Nach letzten Berichten ist er noch am Leben.
Die Versorgung der Kämpfer und deren Familien ist nach wie vor schlecht. Indem man die Kriegsbeute an die Milizionäre verteilt versucht man, diese bei Laune zu halten. Unter anderem leben IS-Kader in Villen, die einst Angehörigen des syrischen Regimes gehörten. Nach Recherchen des Nachrichtenmagazins Siegel Online erhält ein Soldat der Miliz eine monatliches Salaire von umgerechnet 50,– Dollar. Die Ehefrau zu Hause eine ähnliche Summe.
Es ist mager, was nach den Flitterwochen bleibt. Wer einen Staat aufbauen will, braucht Männer und Frauen für die Gründung und den Erhalt des Staatsvolkes. Zudem, in den von dem IS gehaltenen Gebieten herrscht Armut und entsprechend schlechte Bildung, muss man mit den Neubürgern auch Know-How und berufliche Qualifikation importieren. Bildung kostet, und das Geld hierfür hat der Islamische Staat nicht. Als Miliz ist die Gruppierung eine der reichsten, vielleicht die reichste der Welt. Als Staat wäre sie schlichtweg arm. Ein Steuersystem fehlt völlig, Geld wird über Kriegsbeute und Kriminalität – wie Zwangsprostitution und Drogenhandel – beschafft.
Bringen wir es auf einen Nenner: Einen Islamischen Staat im eigentlichen Sinne gibt es nicht.
Das Ziel, einen von weltlichen Einflüssen freien Gottesstaat zu gründen, dürfte unerreichbar sein. Schon in der Gründungsphase bedient man sich profaner, krimineller Mittel wie Prostitution, Mord, Drogenhandel und Zerstörung von Kulturdenkmälern.

© Thomas Dietsch

Chaos

Umzüge haben es in sich. Totales Chaos! Umziehen … wer hat sich eigentlich dieses Wort ausgedacht?! Umziehen: ich verlege meine Wohnung von A nach B. Ok.! Wenn ich die Kleidung wechsele, dann ziehe ich mich doch auch um?! Ich ziehe mich um, ich ziehe nicht um! Sei es drum! Wenn das Hirn unter Dauerspannung steht, schießen einem manche Gedanken und Erinnerungen durch den Kopf. Unvermittelt, zusammenhanglos und ungefragt. Nachts im Bett bei meiner Großmutter, damals als Kind. Das Haus lag an der Straße. Fuhr ein Auto vorbei, formte das durch die Rollladenritzen hereinströmende Licht merkwürdige Muster an die Zimmerdecke. Im Vatikan des Morgens, bevor die Sommerhitze in die ewige Stadt hineinfließt. Was mag der Pastor denken, der den kühlen Marmorgang zu den Gemächern eines Kardinals eilt? Was einem so durch den Kopf geht …
Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich am letzten Wochenende meinen Autoschlüssel in diesem Tohuwabohu gesucht habe. Eine Altersfrage oder ist man total Banane? Wahrscheinlich beides! Urlaub geht nicht, zwei Jobs. Zwischendrin muss man anpacken, Notwendiges reinplanen und erledigen. Wo habe ich jetzt wieder meinen Schlüssel?! Freizeitaktivitäten müssen hinten anstehen. Man muss Prioritäten setzen, manches auf Eis legen. Mein Gewissen plagt mich: „Sport ist in Deinem Alter wichtig!“. Ja, stimmt schon, aber … Aber was? Keine Ahnung!
Was passiert mit der zukünftigen Post? Nachsendeantrag! Klar! Der läuft aus, nach einigen Wochen. Und was dann? Wer schickt mir eigentlich alles Post? Ich habe keine Ahnung, werde wohl für manchen „Unbekannt verzogen!“ sein. Vieles läuft mittlerweile online. Das beruhigt ein wenig. Kann ein Email-Account eigentlich umziehen? Oder sich umziehen? Ach, Quatsch! Spielt keine Rolle, wenn man „total von jener selbst“ ist.
Mit jedem Wohnungswechsel geht ein Lebensabschnitt zu Ende. Wie war es hier? Hat man sich wohlgefühlt? Mein Blick schweift über die zum Mund geführte Kaffeetasse durch das Durcheinander um mich herum. Ja, hat man! Auch wenn man das bei diesem Anblick nicht glauben mag. Man findet so viele Dinge wieder beim Herumstöbern. Gucke da! Lange gesucht, endlich wieder gefunden. Und schon kommt die Frage aus der anderen Ecke: „Brauchst Du den Kram eigentlich noch?“. Sehr wahrscheinlich nicht! Aber wer kennt das nicht: Es gibt so viele schöne Dinge, an denen das Herz hängt. Die so furchtbar viel Stauraum stehlen, schon drei Umzüge hinter sich haben und die man nur bei solchen wieder in die Hand nimmt. Seufz! Was soll´s?! Man muss Raum für Neues schaffen!
Was wird kommen? Es wird sich einiges ändern. Hoffentlich im Sinne einer Verbesserung. Lassen wir es auf uns zukommen …
Es soll schon vorgekommen sein, dass man nach dem Umzug beim Nachhausekommen feststellt, dass der Hausschlüssel nicht passt. Das mag daran liegen, dass einen die „Macht der Gewohnheit“ zum alten Domizil geführt hat. Oder man steht vor der neuen Behausung mit dem falschen Schlüssel in der Hoffnung, dass vor einem selbst jemand der Lieben das traute Heim erreicht hat.
So, wenn ich das hier nicht beende, bleibt ein Leben im Chaos.
Und das wollen wir nicht …

© Thomas Dietsch

Trapper

Männer in der Mitte des Lebens haben es schwer: Domestiziert, mitten in der Zivilisation, emanzipiert und erste Abnutzungserscheinungen. Es gibt keine Perspektive mehr! War das alles, was das Leben zu bieten hat?! Man(n) mag grübeln! Wo sind die Träume und Pläne aus Kindheit und Jugend? Damals, als man Feuerwehrmann, Cowboy, Trapper oder was auch immer werden wollte. Es scheint alles vorbei zu sein. Beste Freunde des Zeitgenossen sind die Couch und der Computer. Letzterer bietet noch neue digitale Welten für den Couch-Potato. Ist das wirklich alles? „Nein!“ sagt ein neues Magazin. Es heißt „Walden“ und richtet sich vornehmlich an Männer jenseits der 30. Slogans wie „Lass Dich raus!“, „Draußen-Sein und -Erleben“ sollen den letzten Plüschteddy mit Bäuchlein in die Natur locken. Des Mannes Gene rufen nach Abenteuer und Herausforderung. Stilvolles Unterwegssein und authentische Erfahrungen werden versprochen. Erlebnisse, die man den Enkeln noch am Lager- bzw. Kaminfeuer weitererzählen kann. „Damals, als Opa auf Entdeckungsreise war …“. „Es war einmal“, wird dann wohl die nächste Männergeneration sagen und versuchen, ihre Träume zu leben.
Was „Walden“ erreichen will ist unter anderem, dem Mann das Gefühl nach Ursprünglichkeit zu vermitteln und das Bewusstsein, dass man den ganzen Schnick-Schnack, angefangen beim Haushalt bis hin zu den Annehmlichkeiten der Technik (Laptop, Mobiltelefon usw.) nicht braucht. Surfen oder Telefonieren im Funkloch wird ohnehin nicht funktionieren.
Aber das Magazin ist auch realistisch: wir sind bereits seit langem domestiziert. Das heißt, die Sehnsucht nach dem harten, einfachen Leben in der Natur ist zwar groß, die Bereitschaft mit den Elementen in Kontakt zu treten wohl eher klein. Damit sich der modernen Tarzan nicht wehtut, gibt es auch jede Menge Tipps, wie man den Unbilden der Natur gewappnet entgegentreten kann. So zum Beispiel die Kanufahrt zu zweit im Neoprenanzug. Man(n) soll schließlich ohne Folgen genießen. Nicht auszudenken, wenn man sich bei halber Eskimorolle eine Erkältung zuzieht. Mit laufender Nase den Kollegen im Büro das Wochenendabenteuer zu erzählen, ist einfach peinlich.
Alles in allem: Vom Wildlife-Spinner bis zum Büro-Männlein wird jeder das „Abenteuer im Kleinen“ finden, um mal so richtig aus sich rauszugehen. Sei es nur für ein Wochenende!
Die Damen sind natürlich herzlich eingeladen, an daran teilzunehmen.
Nicht zuletzt: Das Magazin ist fortschrittlich! In Zeiten, in welchen die Kleinen den Sturzhelm auf dem Dreirad tragen, wird es Zeit, dass die Elterngeneration in puncto Sicherheit nachzieht.
In diesem Sinne!

 

© Thomas Dietsch

Schickes modernes Leben gefällt dem jungen Paar.

Gutes Gehalt, günstiger Einkauf!

Modernes Auto, Kraftstoff wächst gelb auf den Feldern.

Trendige Jeans, Used-Look, für ein paar Euro.

Abfälle sauber getrennt und wiederverwertbar.

Neues Handy, alle zwei Jahre. Elektroschrott geht zurück.

Dachboden sauber gedämmt, man spart Energie.

Ernährt sich gesund, trinkt Sojamilch.

Oh, heile schöne Welt!

Der Tank verspeist die Nahrung auf den Feldern!

Wer ersetzt dem zwanzigjährigen Chinesen die verätzte Lunge?

Wer konserviert der arbeitenden Zehnjährigen in Afrika ihre Kindheit?

Wer bildet sie aus?

Wer geht gegen die Müllmafia vor? Entsorgt den Schrott in Afrika?

Wohin mit unseren Abfällen der Zukunft?

Wo ist die Lobby für den Baum im Regenwald,

der Anbauflächen weichen wird?!

Die Welt wird sich weiterdrehen …

© Thomas Dietsch

Also ich habe den Begriff zum ersten Mal in Verbindung mit Stuttgart 21 gehört. „Wutbürger“! Der Bürger/die Bürgerin macht sich Luft! Es reicht! Es langt! Jetzt gehen wir auf die Straße! Pegida … War es da nicht genauso?! Ich will die Hintergründe jetzt nicht bewerten. Auf was es hier ankommt ist der Begriff des „Wutbürgers“ als solchem. Es sei die Frage gestellt, ob wir mittlerweile und mehrheitlich nicht solche sind. Wo kommt das her? Sind unsere Lebensbedingungen so schlecht? Die ersten werden sagen: Klar! Es wird immer schlimmer! Zeit, dass mal einer Klartext redet! Ist das wirklich so? Auf der Rangliste nach dem Bruttoinlandsprodukt rangiert Deutschland auf Platz 4 der Welt, hinter USA, China und Japan. So schlecht kann es nicht sein, dass unsere Bewohner auf die Barrikaden gehen müssen. Woran liegt es also? Ich will einmal die Stichworte „Informationsfluss“ und „Informationszugänglichkeit“ einstreuen. Das Internet! Noch nie war Information so leicht zugänglich wie heute. Das hat nichts mit Wissenssteigerung zu tun. Aber auch das ist ein anderes Thema! Wenn wir in die unterschiedlichsten Foren schauen, ist es oft so, dass an einer bestimmten Stelle ein Stichwort gegeben wird, man antwortet und schon schaukelt es sich hoch. Wir werden zu Wutbürgern erzogen. Die Erziehung erfolgt unterschwellig, im Unterbewusstsein. Wladimir Putin setzt zum Beispiel sogenannte „Trolle“ ein. Das sind Meinungsmacher, die im Internet, unter anderem in Foren, Stimmung für Russland und gegen den politischen Gegner machen. Den USA sagt man Gleiches nach. Es kann also sein, dass man in einem Forum mit einem bezahlten Meinungsmacher diskutiert. Soweit die Politik! Es geht um nackte Interessen. Um diese zu wecken beziehungsweise publik zu machen, muss man sie artikulieren. Man muss das Volk auf die Straße locken, damit es diese in die Welt trägt. Oder man verbreitet sie online. Am besten beides … Der Hintergrund ist der, dass wir als Bürger und Bürgerinnen instrumentalisiert werden. Wir sind Sprachrohr. Stuttgart 21: Man kann darüber diskutieren, ob man für den Umbau oder die Erweiterung eines Bahnhofes so viel Geld investieren muss. Man kann die Frage stellen, ob so viel Natur verbraucht werden muss. Auf der anderen Seite gibt es eines zu beachten: Stuttgart 21 ist ein Projekt nicht nur für die nächsten zwanzig Jahre, sondern auch für das Ende dieses und den Beginn des nächsten Jahrhunderts. Was wir heute bauen, hat Auswirkungen in über hundert Jahren. Die Zeiten der „schwäb´sche Eisebahne“ sind vorbei. Wir können unseren Kindern nicht Zustände von vor fünfzig Jahren überlassen. Die Wahrheit und das Maß liegt wie immer in der Mitte! Es gibt zusehends Menschen, die sich über alles und jenes aufregen; über Tatsachen! Wenn es regnet, regnet es! Das kann man nicht ändern. Man kann sich darüber aufregen oder es auch lassen. Aber genau diese Menschen sind die geeigneten Adressaten für die Meinungsmacher: sie werden instrumentalisiert, um auf die Straße zu gehen, für Interessen einzustehen. Damit wir uns nicht falsch verstehen: wir haben das Recht auf freie Meinungsäußerung und jenes, zu demonstrieren. Aber ein jeder, eine jede prüfe, ob man die eigene Meinung vertritt, von der man überzeugt ist oder sich dem Mainstream anschließt, „weil´s halt so ist“!

Die Moral von der Geschicht´: Gelassene Menschen können freier denken!

© Thomas Dietsch

„A hundred years!“, says big oak tree.
„A beginning!“ replies the small,
puts down roots.
Transience lives in the soil,
Eternity in the stars.

Back I go the trail of memories,
Time dripping from the tree tops.
Plan of life:
A breath separates stone from emotion
splits death from life.

But the stars do move,
so it is mentioned in history´s pages.
Big Bang, the great shock,
cut time from eternity –
that one silent and unmoved.

© Thomas Dietsch

Der Boston-Bomber wurde zum Tode verurteilt. Er soll durch die Giftspritze sterben. Menschen, die ein Verbrechen begangen haben, werden in manchen Staaten, je nach Delikt, zum Tode verurteilt. Das bedeutet nichts anderes, als dass dieser Mensch sein Leben verwirkt hat aufgrund seiner Tat. Hierüber hat ein Richter zu befinden. Kein Polizist, Beamter oder auch Staatsanwalt. Ist die Todesstrafe heute noch argumentativ haltbar? Resultiert sie nicht aus einem Gefühl der Rache? Der Mob (lat.: mobile vulgus – wankelmütiges gemeines Volk) lyncht nicht unkontrolliert, die Verurteilung und auch die Vollstreckung erfolgt geordnet durch Staatsorgane. Und dennoch: viele zweifeln den Sinn und auch die Berechtigung der Todesstrafe an. Selbst in den USA wird sie nicht in allen Staaten angewandt. Die Bundesrepublik hat sie im Grundgesetz gemäß Artikel 102 schon im Jahr 1949 abgeschafft. Unter anderem in der Hessischen Landesverfassung, dortiger Artikel 21, ist sie hingegen noch verankert. Keine Angst! Die hessische Verfassung ist aus dem Jahre 1946, also vorkonstitutionell, d. h. sie entstand vor dem Grundgesetz. Da Bundesrecht Landesrecht bricht, wenn eine gegenteilige Regelung vorliegt, gilt die Todesstrafe in Deutschland also als abgeschafft; auch in Hessen!

Gründe für die Aufrechterhaltung der Todesstrafe:

  1. Aufrechterhaltung der staatlichen Rechtsordnung. Frage: muss man einen Menschen töten, um die Rechtsordnung aufrechtzuerhalten? Nein! Unser Strafvollzug baut auf dem Prinzip Resozialisierung auf. Der Täter wird quasi „geheilt“, um wieder in die Gesellschaft entlassen zu werden. Zugegeben: dem Opfer und seinen Angehörigen nutzt das nichts mehr.
  2. Prävention. Der Einzelne und auch die Gemeinschaft sollen durch eine vollzogene Todesstrafe abgeschreckt werden! Wenn Du jemanden umbringst, wirst Du auch getötet! Frage: hat das je einen Mörder von der Tat abgehalten? Nein! Jeder begeht im Zeitpunkt der Tat nach seiner Meinung das „perfekte Verbrechen“.
  3. Archaische Motive: Entfernung des Täters aus der Gemeinschaft. Das geht auch mit der Verbannung, man muss ihn nicht gleich umbringen.

Rache, „Auge um Auge!“. Der staatliche Strafvollzug soll ja gerade privates Lynchen unterbinden. Man könnte es nicht mehr kontrollieren, eine unendliche Mordserie wäre der Fall. „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, der biblische Grundsatz, ist kein Muss. Er ist eine Grenze: Schlägt mir jemand einen Zahn aus, dann darf ich ihm nicht zwei ausschlagen oder ihn gar töten. Das Prinzip der Verhältnismäßigkeit steckt hierin. Der Grundsatz wird immer wieder falsch gelesen. Oft wird gesagt, wer tötet, müsse auch getötet werden. Er kann, er muss nicht! Die Tat wird gespiegelt am Körper des anderen, direkt oder indirekt. Wer mir 100,– € stiehlt, dem nimmt man auch 100,– €. Das ist direkte Spiegelung. Indirekt heißt, man hackt dem Dieb die Hand ab. Er wird stigmatisiert!

  1. Religiöse Motive: Sie kommen aus dem Mittelalter. Die Seele muss geläutert in den Himmel eintreten. Man muss die Seele des Täters reinigen, ihm helfen, dass er gereinigt vor Gott tritt. Kurz vor der Vollstreckung bereue der Täter seine Sünden und begebe sich in die Hand Gottes. Es ging einzig und allein um die Seele des Täters, nicht um seinen Körper. Wie gesagt: Mittelalter! Was ist heute mit Atheisten? Wie kontrolliere ich die Reue eines Täters, bevor ich ihn umbringe? Was ist, wenn er nicht bereut? Darf ich ihn dann umbringen? Nein!
  2. Nicht zuletzt: auch Staatsorgane können irren! Wie viele Unschuldige wurden schon gehenkt?! Alles Geld der Welt kann einen zu Unrecht Getöteten nicht zurückbringen.

Jeder Staat möge abwägen, ob er die Todesstrafe einführt oder aufrechterhält. Richter und Geschworene mögen weise entscheiden. Eine große Bürde!

© Thomas Dietsch