Haben Sie schon einmal so einer Marmorstatue gegenübergesessen und deren Aura auf sich wirken lassen? Nein?! Nun, ich tat es vor einiger Zeit. Es war irgendein Museum in irgendeiner Stadt. Vor mir der Torso einer Figurengruppe. Es ist eigentlich nur der Herkules geblieben, um ihn herum ranken irgendwelche Arme und Finger, Reste von Figuren, die wohl einst nach ihm griffen oder um ihn herumtanzten. Eine Marmorkopie einer griechischen Statue. Das Original ist wohl längst zerstört, der Zahn der Zeit ist unerbittlich. Da liegt er auf seinem Felsen so, als räkele er sich in einem Wohnzimmersessel. Ist es Wohlbefinden oder Schmerz in seinem Gesicht? Ich weiß es nicht, was diesen nackten Halbgott im Moment bewegt, versuche es zu ergründen. Irgendwie fühlt er sich beobachtet, schweigt. Er will mit mir sein Innerstes nicht teilen. Nein, ich bin ein Fremder, in jeglicher Hinsicht. Ich möchte in seine Zeit, sein Innerstes, seine Geheimnisse eindringen. Es ist ihm unangenehm, man kann es spüren. Wer mag ihn aus dem Steinblock befreit haben, welcher Künstler? Ein römischer Handwerker? Eine Auftragsarbeit für einen reichen Patrizier? Auch das weiß ich nicht. Was sich mir offenbart, ist sein Äußeres. Und das ist makellos, sieht man von den Schrammen der Jahrhunderte ab. Krauses Haar, man würde heute sagen „ungepflegt“, ein Bart. Die Augen halb geschlossen, so als wolle er gar nicht sehen, was da vor sich geht. Eine typisch griechische Nase, selbst die Lippen sind sehr gut herausgearbeitet, soweit der Bart einen Blick auf sie erlaubt. Hals, Oberkörper, Arme, Beine, ja selbst die Zehennägel sind dargestellt. Es ist dem Steinmetz gelungen, der Figur Leben einzuhauchen. Ich stehe auf von der Bank des Betrachters, nähere mich ihm. Jeder Muskelstrang scheint bis zum Zerreißen gespannt, man möchte die Haut berühren. Ich sehe über meine Brille, während ich mit der Hand über den linken Unterarm streiche. Ich suche die Poren der Haut, um sogleich den Kopf zu schütteln und in mich reinzulachen. Nein, soweit ging es dann doch nicht. Ein wahres Kunstwerk, ein Meisterstück! Entlassen aus einem Marmorblock, wie der Geist aus der Flasche. Mit Demut und Bewunderung, einem letzten Blick auf meinen Gesprächspartner, verabschiede ich mich und gehe weiter.

Was ist es, das die Bildhauer seit Ewigkeiten besitzen, das einem schreibenden Menschen fehlt?! Quält einen nicht öfter die sogenannte Schreibblockade? Ich kann ihn immer erkennen, diesen Block aus Buchstaben. Er ist sehr groß, ein rechteckiges Chaos aus Lettern. Ich möchte diesen Buchstaben, die ich seit meinen Schulanfängen kenne, Leben einhauchen, sie zu Worten und Sätzen formen. Warum bleibt zu oft am Ende einer Geschichte der Eindruck, dass man es doch nur zu einem oberflächlichen Torso gebracht hat? Ein unvollendetes Werk, vielleicht sogar eine tote Figur? Wer will diese betrachten? Ja, eigentlich muss sie kein Fremder sehen. Man schreibt aus der Phantasie heraus, genau wie der Bildhauer von dort aus beginnt, den Stein zu bearbeiten. Befreit man die Dinge aus ihrem Gefängnis, den Geist aus der Flasche, beginnen diese zu atmen. Der Atem des Lebens! Ist es nicht so, dass wir beide – der Bildhauer und ich – unser Alter Ego uns gegenüberstellen, ihm Leben einhauchen, um ein Zwiegespräch mit diesem zu beginnen? Schreibt oder klopft man wirklich für Fremde? Die wenigsten werden das nach einigem Nachdenken behaupten können. Das „Vor-Augen-führen“ ist der Dreh- und Angelpunkt. Je besser man sein Innerstes darstellt, behaut oder beschreibt, umso klarer kann man sich selbst in die Augen sehen. Wenn ich schlecht schreibe, gehe ich schludrig mit mir selbst um. Einerseits ein vielleicht hartes Urteil. Andererseits ist es eine Auftragsarbeit des inneren Ichs – und da wollen wir nicht pfuschen. Mein Meisel, die Feder, liegt vor mir. Es liegt am Autor, der Geschichte Leben einzuhauchen. Kann es überdauern? Wer weiß! Auch die Römer haben Kopien der griechischen Kunst gefertigt, dank derer wir uns ein Bild der Originale machen können, von jenen, die schon längst verschwunden sind. Und so sitzt man heute in Museen auf Bänken und kann mit den Nachkommen sprechen. Sie erzählen aus der Tiefe der Vergangenheit. Eine jede Statue hat ihre Geschichte. Man braucht deren einstige Begleiter nicht vor Augen, einige Finger oder andere Körperteile berichten uns von deren Anwesenheit. Auch sie hören uns zu. Das Auge erfasst, der Geist ruft sie herbei. Diese Zeilen eines heutigen Zeitgenossen seien all den Mäzenen der Vergangenheit gewidmet, vor denen ich mich untertänig verbeuge. Hammer und Meißel in Händen betrachte ich diese Werkzeuge und denke mir: „ Hau Dir bloß nicht auf die Finger!“.

Sie ziehen durch die nächtlichen Straßen der Städte und Dörfer. Auf den Straßen herrscht Krawall, in den Häusern regiert die Angst. Scheiben klirren, Autos und Wohnungen gehen in Flammen auf. Der hauptsächlich aus Männern bestehende Mob aus verschiedenen Nationen ist bewaffnet, aggressiv. Was sich ihm in den Weg stellt, wird niedergemacht, getötet. Man plündert und brandschatzt. Die Location? Sie ist imaginär – noch! – irgendwo in Westeuropa. Ja, es könnte in Deutschland sein. Polizei ist keine zu sehen, die Ordnungsbehörden haben kapituliert aufgrund der Masse der Randalierer. Was ist passiert? Ein Endzeit Theme?! Das könnte es sein. Schauen wir nach Lampedusa, Kos und Mazedonien. Zustände, schlimmer als im Mittelalter! Die Menschen hausen auf nackter Erde. Zwei Behelfstoiletten für Hunderte. Anweisungen der Ordnungsbehörden gehen ins Leere, man hat nicht genügend Beamte, um der Lage Herr zu werden. In Mazedonien haben die Behörden am Wochenende kapituliert. Man lässt die Dinge laufen, überfüllte Züge rollen aus dem Transitland nach Westeuropa. Und sie werden ankommen! Interessiert uns im Moment nicht? Sollte es aber! „Die da unten“ in Griechenland und Italien sind nicht unfähig, die Angelegenheit zu regeln. Man hat mit einem solchen Ansturm nicht gerechnet. Genauso wenig wie wir es tun. Noch ist das alles weit weg.

Ein kleiner Blick in die Geschichte: Gehen wir nach Nordamerika. Dort lebt ein kleiner Indianerstamm um 1850 friedlich in den westlichen Prärien. Eines Tages kommt ein junger Krieger angerannt und deutet aufgeregt zum Horizont. Man sieht nach, beäugt diese komischen Planwagen staunend und ein wenig kritisch. Den ersten Ankömmlingen ist man vielleicht noch freundlich begegnet, half ihnen vielleicht sogar. Irgendwann griff man die Trecks an. Weil die, die da kamen die Büffel töteten, den Lebensraum stahlen, die Stammesangehörigen ermordeten und Krankheiten einführten.

Es geht hier nicht um Politikrichtungen oder gar irgendwelchen Nazidreck wie „Wir halten unser Land sauber!“. Keine Politikrichtung wird bei obigem Problem helfen. Wir brauchen ein völlig neues, globales Politikverständnis. Bei den Massen an Flüchtlingen, die in Südeuropa momentan anlanden (nicht zu vergessen jene, die auf der Überfahrt ertrinken!), müssen wir uns die Frage stellen, was Menschen in einem kleinen überfüllten Boot die Überfahrt über ein Meer (!!!) antreten lässt. Die Hoffnung auf einen großen Wagen, das große finanzielle Glück im Ausland? Nein! Es sind Hunger, Verzweiflung, der Verlust der Familie aufgrund irgendwelcher Kriegsverbrechen, die diese Menschen starten lassen. Diese Leute haben nichts mehr zu verlieren! Ich denke, wir dürfen es nicht ansatzweise wagen, uns das Elend vorzustellen, aus dem die Menschen fliehen. Und schon gar nicht dürfen wir uns anmaßen, über sie zu richten. Hier geht es nicht mehr um „politisch verfolgt“ oder „Kriegsflüchtling“ ja oder nein. Die Frage lautet: Überleben oder sterben. Und dann wird jeder zu allem fähig!

In wie viele nationale Konflikte auf dieser Welt hat sich der Westen eingemischt?! In dem imperialistischen Bestreben, die Welt mit Demokratie und Marktwirtschaft zu kurieren? Haben wir doch damit uralte Gesellschaftsstrukturen und Kulturen vor Ort kaputtgemacht. Sind wir wirklich besser als die Conquistadores in Mittel- und Südamerika?! Fast jede Einmischung hinterließ verbrannte Erde, ob wir Vietnam, Indochina, Irak oder Afghanistan nehmen. Die Konflikte lodern weiter, auch nach Rückzug unserer Streitkräfte.

Sei es, wie es sei. Die Mauer in Spanien und auch der beabsichtigte Stacheldrahtzaun an der ungarischen Grenze werden die Lösung des Problems zeitlich vielleicht verschieben, auf Kosten vieler Verletzungen und Menschenleben. Was wir brauchen, ist eine Lösung vor Ort! So wie wir Bergbauregionen nach der Exploitation renaturieren, müssen wir in den Ländern, in welchen wir Öl aufs Feuer gossen, unsere Hinterlassenschaften beseitigen. Jeder Kontinent entwickelt sich nach „seinen“ Gesetzen. Die in Afrika und Asien sind uralt. Älter als die in Europa! Anders ausgedrückt: Gelder für Militär, Schutzzäune und -mauern müssen in „Nachbarschaftshilfe“ zwischen den Völkern gesteckt werden. Nur da bringen die Investitionen als Win-Win-Situation dauerhaft Erfolg. Wir rüsten derzeit für einen Kampf gegen die Wirkungen, nicht gegen die Ursachen. Es ist fünf vor zwölf! Vielleicht kann man die Uhr anhalten.

Wir telefonieren immer und überall – ist das ein Segen oder ein Fluch für uns und unsere Freundschaften? Wenn manche Bekannte anrufen, dann hupt und schreit es im Hintergrund. Sie telefonieren nämlich von unterwegs. Kaum die eigenen vier Wände verlassen, wird das Smartphone gezückt. Ihre Zeit zu Hause nutzen sie für andere Dinge. Wir haben schließlich wenig davon; zumindest bilden wir uns das ein. Man muss noch etwas für die Uni erledigen, eine Expertise schreiben, Kochen und ähnliches. Abkehr von Fastfood heißt selbst gesund zu kochen. Da bleibt keine Zeit mehr zum Telefonieren. Deshalb erledigen wir das unterwegs – um Zeit zu sparen. Früher wurde auch gekocht. Und zuweilen telefoniert. Hörer am Ohr und rühren … Aber das ist nur etwas für Multitasker. Heute gibt es dergleichen doch mehr als früher. Setzt man jedenfalls so voraus. Aber wahrscheinlich liegt es daran, dass niemand dazumal das Wort kannte und unsere Multitaskingfähigkeiten heute eher ab- als zugenommen haben. Zugestehen will sich das aber niemand. Man ist schließlich modern! Man hat doch mehr zu bieten als die damalige Hausfrau der 1970er Jahre. Das bisschen Hausputz, Einkaufen, drei Kinder zur Schule bringen, abholen, für jene kochen, Verwaltungskram erledigen, Abendessen machen. Peanuts für uns heute, die wir so viel Selfies verschicken müssen, Nachrichten permanent abrufen und das Leben mittels Apps zu meistern haben. Stress pur! Heute ist es wichtig, aufgrund der knappen Zeit unterwegs „auf Draht zu sein“. Manche Freunde warten schon seit ein paar Tagen auf einen Rückruf, andere haben uns eine Whatsapp geschrieben, dass es etwas wahnsinnig Wichtiges zu besprechen gibt. Diese Gespräche in der raren Freizeit zu Hause zu führen, ist für uns undenkbar, wenn wir doch eh zwischen den Bahnhöfen Fulda und Hamburg Hauptbahnhof wegen einer halben Stunde Zugverspätung gefangen sind. Da man über Allnet-Flat verfügt, kann man immer und überall hintelefonieren. Und das nutzt der Zeitgenosse gerne aus. Dass der Empfang im Tunnel manchmal weg ist, man zwischendurch mal nichts versteht, weil der Presslufthammer so laut ist und dass man ab und an unterbrechen muss, wegen was auch immer, nehmen wir in Kauf. Wohlgemerkt: der Anrufer nimmt das willentlich in Kauf. Unsere Gesprächspartner müssen es notgedrungen in Kauf nehmen. Ein Stück Macht über andere! Immer und überall erreichbar – aber auch jederzeit die Möglichkeit, den Knopf zu drücken, wenn man keinen Bock mehr hat.

In den bereits erwähnten 1970ern war es in dieser Republik noch etwas anders. Da kaufte die Familie diese extralangen Kabel, mit denen man das Telefon bis ins Bad mitnehmen konnte. Dort legte man sich gemütlich in die Wanne und telefonierte dann zwei Stunden lang in aller Ruhe den ganzen Freundeskreis durch.

Diese Zeiten sind vorbei. Heute muss alles schnell gehen. Wobei: schneller und sowieso eigentlich besser am schnellsten. Wir nutzen jede Sekunde dafür, irgendetwas zu tun. Telefonate, die wir mit unseren – eigentlichen – Freunden führen, werden zur Belastung im engen Zeitplan. Wir wollen es nicht führen, wir müssen! Wir tun die Dinge des Tuns willen, nicht, weil wir kommunizieren möchten.

Deshalb schieben wir es irgendwo dazwischen, weil uns die Diensteanbieter die Möglichkeit dazu geben. Wir nehmen uns keine Zeit mehr dafür. Und wir nehmen uns dadurch keine Zeit mehr für unsere Freunde. Stattdessen speisen wir sie zwischen zwei Terminen ab.

Ist das im Sinne des Erfinders? Für Freunde sollten wir uns Zeit nehmen. Genauso, wie wir es für uns tun sollten. Wenn wir mal drüber nachdenken, dann müssten wir uns eingestehen, dass es uns nicht schlecht täte, im Zug einfach mal die vorbeirauschende Landschaft zu hypnotisieren oder auf dem Weg sonstwohin nur mal die Eindrücke der Straße in uns aufzusaugen, das Rauschen der Blätter der Bäume zu hören, den Wind im Gesicht zu spüren. Ohne Whatsapp, Nachrichten usw. das Gehirn einfach mal durchzuspülen. Weg mit dem Datenschrott! Einfach nur runterkommen, die Minuten der Ruhe nutzen, um uns zu sammeln. Neue Kraft für kommende Aufgaben. „Non multa, sed multum!“. Das sollte man mal wieder googeln …

© Thomas Dietsch

Putin lässt die vom Westen importierten Lebensmittel vernichten al Reaktion auf die Sanktionen, die gegen sein Land verhängt wurden. Politisch muss er durchgreifen, es hat sich hinsichtlich der Westwaren ein wahrhafter Schmugglerring entwickelt. Was offiziell nicht verkauft werden darf, erhält man beim Schmuggler. Das Volk versorgt sich selbst! Allerdings sind es wieder einige Wenige, die die Situation ausnutzen auf Kosten der notleidenden Bevölkerung. In der Ukraine tobt Krieg, die Menschen leiden. Aber auch in Russland wird die Versorgung knapp.

Nicht wesentlich anders ist es in Griechenland. Eine sozialistische Führungsclique gedenkt, ihre Visionen zu verwirklichen. Vorbei am Volk. Auch dieses leidet. Man mag diskutieren, ob die Kriterien der Europäischen Union sinnvoll sind. Austerität ist nicht alles, um eine Volkswirtschaft zum Laufen zu bringen. Entscheidend ist doch, dass politischen Ideen auf Teufel komm heraus der Vorzug vor dem Wohlergehen des Volkes gegeben wird.

Die Bühne der Selbstverwirklichung! Führungskader versuchen, sich ihren Platz in der Geschichte zu schaffen. Vergessen werden die, für die man Verantwortung trägt. Es wird gelogen, betrogen und die Wahrheit verzerrt. In welcher Form der Wirklichkeit leben wir, wenn die Wahrheit an den Pranger gestellt wird?! Gibt es in der Politik keine Wege mehr, um auf dem Boden der Realität eine Zukunft zu gestalten?!

Politica

Putin lascia distruggere i cibi occidentali importati al risposta alle sanzioni imposte al suo paese. Politicamente egli deve intervenire, perché un vero e proprio giro di contrabbando si è evoluto in riferimento alle merce occidentale. Quello che formalmente non può essere venduto, si ottiene dai contrabbandieri. La nazione è autosufficiente! Tuttavia, vi sono ancora alcuni che sfruttano la situazione a spese della popolazione sofferenza. In Ucraina infuria la guerra, la gente soffre. Ma in Russia l’offerta si sta esaurendo.
Non molto diverso è che in Grecia. Una classe dirigente socialista intende realizzare le loro visioni. Mancando il popolo. Anche questo sta soffrendo. Si può discutere se i criteri dell’Unione europea sono utili. L’austerità non è tutto per mandare avanti una economia politica. Tuttavia, è fondamentale che si da la preferenza alle idee politiche prima del benessere delle persone.
La fase della realizzazione del sé! Quadri dirigenti stanno cercando di creare il loro posto nella storia. Dimenticati sono quelli per cui si è responsabile. Si mentisce, trucca e distorce la verità. Viviamo in quale forma della realtà, quando la verità viene messo alla berlina?! Non c’è più di modi in politica per creare un futuro basata sulla realtà?

(c) Thomas Dietsch

Wer erinnert sich noch an die LAN-Partys in den Neunzigern? Subversives Zeug! Dass die Jugend, statt zu studieren, ihre Nächte mit Mario Kart, FIFA, Counter Strike und Thief verbrachten, durfte man den Eltern nicht erzählen – schon weil sie es nicht verstanden hätten. Und dass man beim Spielen Club-Mate trank, laut Chemical Brothers hörte und sich tödlich cool fühlte, konnte man selbst an der Uni nicht weitererzählen. Sicherlich konnte man mit diesen Anekdoten niemanden aufreißen, in Discos, auf Tanzflächen. Spieler waren eine kleine, etwas seltsame Gruppe.

Kultur – aus dem Lateinischen cultura „Bearbeitung, Pflege, Ackerbau“ – bezeichnet im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt, im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur. Kulturleistungen sind alle formenden Umgestaltungen eines gegebenen Materials, wie in der Technik oder der bildenden Kunst, aber auch geistige Gebilde wie Religion, Recht, Moral, Sprachen, Wirtschaft und die Wissenschaften (so jedenfalls Wikipedia).

Was in aller Welt hat also irgendwelche Zombies abschießen, mit dem Auto vor der Polizei flüchten, mit Klötzchen Türme bauen oder Fünf gewinnt mit Kultur zu tun? Das hat maximal Unterhaltungswert. Worin liegt das Gestaltende, der höhere Wert, der die Menschheit in geistigen Dingen ein Stück voranbringt? Man mag zweifeln.

Aber die Katze ist aus dem Sack: Computerspiele sind ganz offiziell Kultur.

Literatur, Musik, darstellende Kunst, Tanz, Film, Architektur: Was das Label „Kultur“ trägt, ist quasi mit höheren Weihen geschmückt. Die Spielebranche ist bereits seit Sommer 2008 im Deutschen Kulturrat vertreten – als Branche, die Kreative aus allen denkbaren Bereichen beschäftigt. Mal ehrlich: es gibt den Begriff der Medienkultur, er wird vor allem auf die modernen Massenmedien wie Fernsehen, Hörfunk und Film, aber auch Printmedien und das Internet angewandt. Wo ist die Grenze zwischen jenen Apparaten, Bildschirmen, ja dem Papier der Zeitung und den Spielekonsolen? Es ist weniger die Technik an sich oder der Informationsträger wie das Zeitungspapier. Es ist die Wechselbeziehung zwischen Medium und dem Inhalt. In der aktuellen Kommunikations- und Medienforschung rückt zunehmend die Mediatisierung von Kultur ins Zentrum der wissenschaftlichen Diskussion. Es geht darum zu erfassen, wie die Kultur mit Medien durchdrungen und dabei durch diese geprägt wird. Hierbei wird von einem Wechselverhältnis des Kulturwandels einerseits und des Medien- und Kommunikationswandels andererseits ausgegangen. Dieser Ansatz hat etwas. Bei der Entwicklung von Computergames sind Künstler unterschiedlichster Sparten wie Designer, Drehbuchautoren bis hin zu Komponisten beschäftigt. Der Games-Markt ist in Deutschland heute mindestens so bedeutend wie andere Zweige der Unterhaltungsbranche, etwa die Film- oder Musikindustrie. Mit dem Unterschied, dass er ein höheres Wachstumspotenzial hat. Es ist schwer zu erklären. Nicht die Masse allein begründet den Anspruch auf das Prädikat „Kulturgut“, sondern gerade die Verkaufszahlen zeigen, dass die Art der Kommunikation in unserer Gesellschaft sich verändert hat. Vielleicht ist auch eine neue Art hinzugekommen. Spiele sind von alters her unstreitig eine Art der menschlichen Kommunikation. Nun gibt es neue und hierzu auch neue Medien. Aus dem Spielbrett wurde die Konsole. Kultur heißt nicht immer hochvergeistigt, Kultur heißt in weitestem Sinne, was üblich ist. Wie geht der Mensch miteinander um? Und dass Spiele in den letzten Jahren einen immer größeren Teil der Freizeit in Anspruch genommen haben, ist auch offensichtlich. Was ist also kulturell wertvoll? Das Warten auf das kulturell wertvolle Spiel ist eine lange Geschichte der Enttäuschungen. Dabei ist „kulturell wertvoll“ gar nicht so verschnarcht staatstragend zu sehen, wie es von den Institutionen und Fördergremien gebraucht wird. Wir suchen doch einfach nur Spiele, die den Intellekt nicht beleidigen. Mit anderen Worten: Kultur kann auch sein, was den Horizont nicht unbedingt erweitert, aber zumindest nicht dümmer macht! Und ich denke, auf diesem Niveau kann sich der kulturelle Mensch treffen!

© Thomas Dietsch

„Um eine Staatsverwaltung in tüchtigem Gang zu halten, müssten alle drei Jahre einige Minister, einige Generale und ein Dutzend Räte füsiliert werden; man müsste alle Beamten mit dem fünfzigsten Lebensjahr wegjagen.“. Ein Satz Bismarcks über seine übliche Beamtenverachtung. Jene werden in unserem Staat immer weniger, sind vielleicht gerade deshalb aus dem Fokus des Interesses gerückt und damit aus dem Schussfeld geraten. Die Vereinigten Satten machen es uns vor: es gibt immer Phasen, in welchen eine Berufsgruppe in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rückt. Das waren die Börsianer, die Ärzte, später die Anwälte und so weiter. Das Ganze lässt sich auch anhand von Spielfilmen der jeweiligen Zeit nachvollziehen. Mittlerweile sind es die Journalisten und dieser Zug ist auch schon in Deutschland angekommen. Was brennt, was ist da am brodeln? Ich habe mich neulich gefragt, wozu ich eigentlich diese Beiträge an ARD, ZDF und Deutschlandradio bezahle. Wurde uns nicht schon zu GEZ-Zeiten gesagt, dass durch dieses Geld eine objektive Berichterstattung ermöglicht und gewährleistet werden soll?! Können das die Privatsender nicht? Natürlich können sie es; die Frage muss lauten, ob sie es auch tun. Man kann zweifeln! Lassen wir die Privaten privat sein. Was ist aber mit meinem Anspruch auf objektive und vollständige Berichterstattung durch die öffentlich-rechtlichen Sender?! Ich zahle schließlich Beiträge! Was ist Journalismus eigentlich? Irgendwo habe ich die Definition einmal aufgeschnappt: „Professionelle Fremdbetrachtung.“. Will doch eigentlich nichts anderes heißen, als dass da jemand zuschaut und es dann anderen weitererzählt. Weiterzählung heute heißt in Form von Zeitung, Internet, Fernsehen und anderen Medien. Gerade diese Weitererzählung ist der kritische Punkt. Wir haben früher als Kinder „stille Post“ gespielt. Eine Reihe von Kindern, das erste sagt dem zweiten etwas ins Ohr, dann dieses dem nächsten und so weiter. Interessant war immer, was am Anfang gesagt wurde und was dann am Ende herauskam. Zwei oder dreimal stimmte es sogar, die übrigen Male war es oft weit vom Original entfernt. Ein schönes Spiel, um die Verfälschung von Information bei deren Verbreitung zu verdeutlichen. Warum ist das so? Ja, auch Profis machen Fehler. Man erhält nur Informationsbruchstücke, versteht die Informationen falsch. Der Mensch neigt zum Interpretieren. Im ersteren Fall werden die fehlenden Teile ergänzt (was übrigens auch Menschen tun, die schlecht hören, tun), in letzterem wird die Information persönlich interpretiert. In beiden Fällen ist die Fehlerquote hoch. Die Stars können ein Lied davon singen: Man erkennt sich selbst nicht mehr in der Zeitung. Der Anwalt erkennt aus der Berichterstattung über ein Verfahren seinen eigenen Prozess nicht mehr usw. Wie gesagt: auch Profis machen Fehler. Was aber, wenn aus Journalismus plötzlich PR wird? Was, wenn Menschen, die vor Gericht stehen, vorverurteilt werden durch die Presse? Was, wenn aufgrund der Dummheit einer Regierung ein ganzes Volk als faul dargestellt wird? Auch in der Kriegsberichterstattung gibt es die Guten und die Bösen. Ich schüttele immer wieder den Kopf, wenn Journalisten über Kämpfe aus dem Schützengraben berichten. Soviel in puncto „moderne Kriegsführung“! Hier werden Informationen manipuliert, man nennt es auch „Meinungsmache“. Die Macht der Presse, des Journalismus ist nicht zu unterschätzen! Man mag den Leser oder Hörer dazu anregen, sich aufgrund des Gesagten eine eigene Meinung zu bilden. Die Grenze ist aber da erreicht, wo Meinungen zu Tatsachen werden. Hier beginnen Hirnwäsche und Zensur. Von Zeitungen kennt man es: Im demokratischen Spektrum sind die Gazetten jeweils politisch eher links, rechts oder mittig einzuordnen. Der kritische Leser weiß das, kann die Berichte also entsprechend interpretieren. Am Besten ein anderes Blatt mitlesen. Siehe da, die ach so gute Regierung macht plötzlich doch einige Fehler. Sei es, wie es sei. Die Tendenz im Journalismus, Meinungen „zu machen“, nimmt immer mehr zu. In Zeiten des Umbruchs, in welchen Zeitungsverlage mit abnehmenden Absatzzahlen zu kämpfen haben und damit mit Liquiditätsschwierigkeiten, kann die Versuchung groß werden, vermehrt Sponsoren ins Boot zu holen. Der Preis wird eine positive Berichterstattung sein. Und letzten Endes Desinformation und Manipulation der Leserschaft. Das Ideal der objektiven Berichterstattung ist gefährdet. Ein Journalist ist ein Journalist, darf kein Politiker oder Richter werden. In manchen Berichterstattungen ist diese maßlose Selbstüberschätzung bereits herauszulesen.

© Thomas Dietsch

26. Oktober 1962: Die Hamburger Redaktionsräume des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ werden von Polizei besetzt und durchsucht. Der damalige Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß fühlte sich von den Journalisten unter Druck gesetzt, erwirkte in der Folge bei Bundes-kanzler Konrad Adenauer die Durchsuchung. Der Grund: In der Spiegel-Ausgabe vom 8. Oktober 1962 erschien ein Artikel unter dem Titel „Bedingt abwehrbereit“, in dem dargestellt wird, dass das von Strauß vertretene Verteidigungskonzept der Bundeswehr einen potentiellen Angriff des Warschauer Paktes nicht abwehren könnte. Die Erkenntnis stützte sich unter anderen auf Ergebnisse des NATO-Manövers Fallex 62. Mehrere Spiegel-Redakteure werden wegen Landesverrates und Bestechung festgenommen, da man vermutet, dass die Journalisten ihre Informationen durch Geldzahlungen erhalten hätten. Der Angriff auf die Pressefreiheit führt zu heftigen Protesten aus der Bevölkerung und im Laufe der Affäre kommt es zum Bruch des Kabinetts Adenauer. Die verhafteten Redakteure des Spiegel werden sukzessive entlassen, und nach insgesamt 103 Tagen in Untersuchungshaft ist schließlich auch Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein wieder frei.

25. Februar 2015: „Netzpolitik“ zitiert in einem Artikel aus internen Unterlagen des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV). Darin geht es um Pläne des Inlandsgeheimdiensts, massenhaft Internet-Inhalte auszuwerten. BfV-Präsident Hans-Georg Maaßen sieht Verrat an Geheimnissen der Bundesrepublik und erstattet eine erste Strafanzeige. Sie richtet sich gegen „unbekannt“. Am 15. April 2015 legt „Netzpolitik“ nach: Die Blogger zitieren erneut aus internen Akten des Verfassungsschutzes. Es geht um eine BfV-Referatsgruppe, die massenhaft das Internet auswerten soll. Maaßen stellt eine zweite Strafanzeige. Die übergeordnete Behörde, das Bundesinnen-ministerium, ist durch Maaßen informiert und billigt die Strafanzeigen. In der Folge übersendet das BfV ein ausführliches Rechtsgutachten an Generalbundesanwalt Range, das den Verrat von Staatsgeheimnissen bejaht. Range gibt im Juni bei einem unabhängigen Fachmann noch ein externes Rechtsgutachten in Auftrag, ob es sich bei den „Netzpolitik“-Informationen tatsächlich um Staatsgeheimnisse handelt, wie es der Verfassungsschutz behauptet. Das Gutachten erhält er am 3. August. Der Befund: Ja, es handele sich um Staatsgeheimnisse. Ende Juli sehen Kritiker einen Angriff auf die Pressefreiheit. Minister Maas rückt demonstrativ von seinem unter Beschuss geratenen Generalbundesanwalt ab. Er bezweifle das Vorliegen von Landesverrat, sagt Maas. Den Rest kennen wir: Range sieht die Unabhängigkeit der Justiz gefährdet. Es gebe nicht nur die Unabhängigkeit der Presse. Hierbei verkennt der Generalbundesanwalt, dass er kein Richteramt innehat und als Beamter den Weisungen des Justizministeriums untersteht. Er wettert gegen Maas. Dieser sieht nun das Verhältnis gänzlich als zerrüttet an und trennt sich von Range.

Warum soll die Veröffentlichung der Unterlagen durch „Netzpolitik“ strafbar sein? § 94 Abs. 1 2. Alternative des Strafgesetzbuches (StGB) lautet:

„Wer ein Staatsgeheimnis …

sonst an einen Unbefugten gelangen läßt oder öffentlich bekanntmacht, um die Bundesrepublik Deutschland zu benachteiligen oder eine fremde Macht zu begünstigen,

und dadurch die Gefahr eines schweren Nachteils für die äußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland herbeiführt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.“

Der Begriff „Staatsgeheimnisse“ ist in § 93 StGB definiert als „Tatsachen, Gegenstände oder Erkenntnisse, die nur einem begrenzten Personenkreis zugänglich sind und vor einer fremden Macht geheimgehalten werden müssen, um die Gefahr eines schweren Nachteils für die äußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland abzuwenden.“

Wollte „Netzpolitik“ die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland mit der Veröffentlichung der Unterlagen gefährden? Hat Deutschland mit dem Bekanntwerden dieser Tatsachen einen „schweren Nachteil“ in der äußeren Sicherheit, d.h. gegenüber fremden Staaten? Man darf zweifeln. Sowohl innen- als auch außenpolitisch ist seit dem Bekanntwerden der NSA-Affäre und der damit verbundenen staatlichen Bespitzelung von Politikern und Bürgern das Problem allgemein bekannt. Es wäre fast verwunderlich gewesen, wenn die deutschen Sicherheitsbehörden anders verfahren wären.

Die Unterlagen galten darüber hinaus als „VSV“, „Verschlusssache vertraulich“. Vertraulich ist weder „geheim“, noch „streng geheim“! Das Wort „Geheimnis“ steckt hier nicht drin. Jedenfalls nach wörtlicher Auslegung. Nach systematischer Auslegung bedeutet es aber, dass die Unterlagen nur einem begrenzten Personenkreis zugänglich sind. Hiergegen verstößt die unbefugte Veröffentlichung.

Trotz allem erscheint die Verfolgung der Angelegenheit als „Landesverrat“ überzogen. Zumal die äußere Sicherheit der Bunderepublik nicht gefährdet ist. Eine Sache für die Rechtsexperten!

© Thomas Dietsch

 

„RR“, religiöse Regierung. Heute findet man sie noch in vielen islamischen Ländern. Problematisch wird es dann, wenn radikal-islamische Ansichten auf moderne Alltagsprobleme treffen. Man kann nicht an einer Auslegung religiöser Schriften von vor über 500 Jahren festhalten und dann heutige gesellschaftliche Probleme lösen wollen. Das geht einfach nicht. Es geht ganz einfach los: heute haben wir Strom, damals brannten sie Kerzen. Banal, aber wichtig! Der Strom muss produziert und finanziert werden. Das war damals nicht aktuell. Karawanen zogen durch die Wüste zu altbekannten Handelsorten. Heute wirtschaften wir global. Wir kennen Erdteile, von welchen damals niemand etwas ahnte. Sei es drum! Beleuchten wir die ganze Chose doch einmal etwas anders:

Früher, ganz früher, vor Tausenden von Jahren, hat man sich die Welt religiös erklärt. Hinter jedem Wind, Gewitter, hinter jeder Flut stand ein Gott oder Dämon. Man personalisierte Naturphänomene. Das Abstrakte erlangte Gestalt, wurde konkret. Vielleicht war die Naturwissenschaft noch nicht so weit. Vielleicht wollte die Oberschicht der ungebildeten Unterschicht das Ganze auch nur begreiflich machen und sie damit beherrschen. Wer die Regeln aufstellt, der sagt, wo es langgeht. Das zieht sich bis ins Alte Testament der Bibel. „Den Himmel auf Erden schaffen“! Jesus soll es einmal gesagt haben. Viele andere haben es zitiert. Das hat nichts mit „Friede, Freude, Eierkuchen“ zu tun. Wir sollen nach den Sternen bauen! Erinnern wir uns an die Ägypter, die Zeit Mose im Alten Testament. Wie viel von uns neuentdecktes Wissen steckt bereits in den Pyramiden?! Berechnungen, Orientierung an den Himmelkörpern?! Wussten die Alten damals mehr als wir? Wenn, warum ging dann das Wissen unter? Warum wurde im Mittelalter in Europa das Volk dumm gehalten? Auch im Neuen Testamt wurden wissenschaftliche Aspekte bildhaft erklärt. Jesus erklärte die Welt religiös. Das war damals so gang und gäbe. Und heute ist es im Islam genauso. Jedenfalls zu großen Teilen. Religion ist eine Lebenshilfe und ein Kontrollmedium für eine Oberschicht. Damit wir uns verstehen: Ich nenne nur Fakten, will die Religion nicht schlechtreden.

Kommen wir nun zu bedenklicheren Gesichtspunkten. Mit der Renaissance und der Aufklärung hat die Religion zunehmend durch wissenschaftliche Erkenntnisse an Bedeutung verloren. Die römisch-katholische Kirche kämpfte über Jahrhunderte anhand von einigen Beispielen gegen wissenschaftliche Erkenntnisse, weil diese der wörtlichen Auslegung der Bibel widersprachen. Nach und nach musste sie klein beigeben. Eine neuere Entwicklung macht nervös. Schauen wir ins Internet! Wissen wir etwas nicht, dann sagen wir, dass wir das „googeln“. Ein geflügeltes Wort für ehemals „Nachschlagen“ im Lexikon. Digitale Assistentinnen wie Siri, Cortana und Google Now leisten heute, war bis vor wenigen Jahren noch Science Fiction war. Sie sind wie ein menschliches Gegenüber, bleiben aber Maschinen, die auf Zuruf arbeiten. Nicht nur, dass permanent Daten von uns gesammelt und gespeichert werden, nein, die abstrakte Sucherei im Internet erhält eine Gestalt in Form einer Assistentin. Man ist Chef, gibt Anweisungen. Geil! Und verkennt dabei, dass man die Person ist, die hier etwas tun soll, nämlich Daten herausrücken und bei irgendeinem Kauf zahlen. Bei einem Nachrichtenportal konnte ich neulich abends lesen, was an „unserem Tag“ so alles passiert ist. Tolle Sache: Nachrichten speziell auf mich zugeschnitten. Einfache Sprache, in aller Kürze. Was will man mehr?! Pinselt den Bauch, da kann man doch beruhigt einschlafen. Nein! Gerade nicht! Es macht mich nervös, wenn sich jemand die Mühe macht, mich derart zu bedienen. Wer sagt mir, dass mir nicht etwas oder gar vieles verschwiegen wird? Mag sein, dass ich auf die eine oder andere Art auf eine Nachricht reagiere. Was, wenn gewisse Leute dieses Verhalten nicht möchten und mir jene Nachricht deshalb verschweigen? Wie weit sind wir von Zensur entfernt? „Netzpolitik.org“ lässt grüßen … Ja, ich will alle Nachrichten und zwar in voller Länge. Die können ruhig abstrakt sein. Ich entscheide – und dazu bin ich in der Lage – was ich lese und wie viel davon. Ich kenne meine Interessen am besten. Ja, es wird wieder konkreter in unserer Welt. Abstrakte Phänomene sind nicht mehr „in“. Nach dem phänomenalen Zugang zu Wissen, resultierend aus dem Zeitalter der Aufklärung und durch das Internet, werden die Menschen im Denken umerzogen. Gehirnwäsche! Die Welt ist einfach, man kann alles haben, es gibt keine Probleme. Die App löst alles. Kurz gesagt: Einfach blöde und beherrschbar bleiben. Ein furchtbarer Gedanke! Um zum Anfang zurückzukehren: Erleben wir die Geburtsstunde neuer Götter?

© Thomas Dietsch