Lieber Pierre,

es scheint dir etwas durch den Kopf zu gehen, was auch immer ein Teil der Strategie bei betriebswirtschaftlichen Beratungen ist und oft spreche ich dieses Thema auch an. Es nützt nichts, wenn man exzellent ausgebildete Mitarbeiter mit Titeln und Talenten hat, die nicht effizient arbeiten können. Jeder Erfolg ist unausweichlich verknüpft mit viel Disziplin, Fleiß und Gewissenhaftigkeit. Dazu gehören Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Organisationstalent. Kein Kunde bezahlt dafür, dass die Lieferung einer Leistung mit wochenlanger Verspätung erfolgt, es gibt klare „Deadlines“, die in einen festen Businessplan eingeplant werden. Ein unorganisiertes Genie ist zwar ein Genie, aber mit Sicherheit eines, das schneller in die Pleite geht, als jemals einen Cent zu verdienen. Das oft zitierte Chaos eines Genies ist in der Realität Blödsinn. Die Zeiten sind beruflich vorbei, in denen man es sich leisten kann, Zeitverzug zu riskieren, denn der Wettbewerb der guten Leute ist stark. Mögen wir es liebenswert finden, wenn wir bei einem schlecht organisierten Menschen in die unaufgeräumte Bude kommen und schmunzeln, aber fühlen wir uns wirklich wohl, wenn alles drunter und drüber geht und jede Menge Arbeit unerledigt ist und leere Versprechungen gemacht werden, an denen man schier verzweifeln könnte? Nein.
Lieber Pierre, das Zeitmanagement ist bedauerlicherweise straff heutzutage. Ich finde das auch nicht gut, aber so ist der Markt. Wir richten uns nach Öffnungszeiten und erwarten, dass die Shops auch zu dieser Zeit offen für Einkäufe sind. Damit können wir leben und wir können mit klaren Strukturen auch sehr gut leben. Nehmen wir das beruflich mal unter die Lupe: Du hast einen Fix-Auftrag und entsprechende Mitarbeiter, die terminlich wie ein Zahnrad arbeiten müssen. Springt einer aus der Reihe, ist die termingerechte Ablieferung ein ernstes Problem, für das der Auftragnehmer regresspflichtig gemacht werden kann. Das ist Fakt und daran gibt es nichts zu rütteln. Hier sehen wir, wie Disziplin funktionieren muss und das ist beim Bau so, bei allen Dienstleistungen und Produkten ebenso.
Ich schätze es sehr, wenn ein Mensch gewissenhaft und sehr akkurat seine Arbeiten macht, aber um alles bewältigen zu können, braucht man tatsächlich einen Plan, der das Timing erfasst. Ich persönlich habe so viele unterschiedliche Termine, dass ich mir jeden Abend genau aufschreibe, was ich am nächsten Tag tun muss oder sollte. Alle Termine, die beruflich sind, werden eingetragen, sonst verliere ich den Überblick und letztendlich hätte ich – bei Nichteinhaltung oder Verzögerung – am Ende des Monats mehr unbezahlte Forderungen und Streitigkeiten als Verdienst. Und genau darum geht es: Wer seinen Lebensunterhalt verdienen muss und selbständig ist – wie wir – muss sich unbedingt organisieren und täglich einen Tritt in den Arsch geben. Immer wieder, immer wieder…
Unzuverlässigkeit, Unpünktlichkeit, Missmanagement tragen keine Früchte, Versprechungen, die nicht gehalten werden auch nicht, darüber sind wir uns einig, lieber Pierre. Wenn einem die Kohle fehlt und man dennoch Tag und Nacht schuftet, stimmt etwas nicht. Entweder im Zeitmanagement oder in der Art der Umsetzung/ Leistung (wenn es nicht die Kalkulation ist), es sei denn, dieser Mitarbeiter hat genügend finanzielle Rückendeckung, um sich solche träumerischen Eskapaden leisten zu können.
Unter dem Strich müssen wir alle hart arbeiten, um an das Geld anderer Leute zu kommen und wir müssen organsiert arbeiten, damit wir Privatleben und Beruf miteinander vereinbaren können. Sonst geht man unter und entweder dreht die Bank den Hahn ab oder der Kühlschrank bleibt leer. Da brauche ich nicht drum herum zu reden, es ist einfach so. Und wenn der eigentliche Job nicht genug hergibt finanziell, muss man diverse andere Jobs „nebenher“ machen bzw. auch seine Familie oder Partner in die Verantwortung nehmen, denn in einem Familiengefüge ist nicht mehr eine Person der Alleinverdiener, auf dessen Rücken das alles schultern muss. Wie in einem Unternehmen müssen alle an einem Strang ziehen, sich disziplinieren, um effizient zu sein und das aufrecht erhalten zu können, damit das Genie überhaupt zum Tragen kommt.

Auf ein weiterhin gutes Zeitmanagement,
in einer Zeit, in der keine Zeit mehr ist für die Zeit 

 

Herzlichst, Petra

© Petra M. Jansen

http://jansen-marketing.de

Liebe Petra,

heute möchte ich mich mit dem Begriff „Struktur“ auseinandersetzen. Als ich noch ein junger Mensch war, war ich eher unordentlich und ich folgte meinem Instinkt, der mich manchmal in das Chaos führte. Ich vertrat die Meinung, dass Talent und die Originalität Faktoren seien, die mich immer über Wasser halten könnten. Ich habe immer noch die Bemerkung meiner Mutter in den Ohren: „Du bist so begabt!“ Mag sein, aber das hat mich nicht weiter gebracht, denn ohne eine zielgerechte Lebensführung, bleiben solche Sprüche leere Hülsen und das hat mich irgendwann in die Tiefe gestürzt. Das Genie, das ich angeblich war, wurde ein Versager. Anstatt nun die ganze Welt dafür schuldig zu erklären, habe ich an mir gearbeitet. Zuerst war die bittere Feststellung, dass ich Begabung mit Dilettantismus vermengte – die Ursache war, dass ich keine Struktur hatte. Wie du weißt, hatte ich in ganz jungen Jahren eine ziemlich große Karriere im Theaterfach gemacht und genoss in Paris und ganz Frankreich einen guten Namen. Den habe ich verspielt und landete am Ende in einem Nachtwächter-Job. Jetzt konnte keine Rede von Glamour mehr sein. Die Prominenz, mit der ich auf gleicher Augenhöhe verkehrte, wandte sich von mir ab, ich fiel vom hohen Ross ich in die Anonymität. Das war das Beste was mir passierte, war aber ziemlich hart, mit 24 in einem Trümmerfeld gelandet zu sein.

Ich brauchte gute sieben Jahre, um wieder einen Platz an der Sonne zu finden und machte zahlreiche kleine Jobs, die mich an den Rand der Verzweiflung brachten. Aber nicht nur. Ich stellte fest, dass Talent – ohne eine Lebensstruktur – keine Chance haben konnte und, dass meine Gedanken, ohne Ordnung in meiner Lebensführung, nur fahrig sein könnten. Es war notwendig, geregelt zu agieren und das galt ebenso für die Arbeit, für die Ehe und zwangsläufig auch für das Häusliche. Wie du es übrigens auch tust, liebe Petra.
Neigungen zu verfolgen bringt nichts, wenn Chaos herrscht. Die Bürden des Realismus, so lästig sie auch sein mögen, dienen dazu, sich klaren Verstand zu verschaffen, aber das bedeutet keineswegs, seine Ziele nicht zu verfolgen. Trotz Frust, weil ich in dieser Zeit nicht das machte, was mich hätte geistig beflügeln können, hatten die finanziellen und sozialen Fragen meiner Familie die Priorität. Glaube mir, ich habe oft geflucht, aber hatte die Gewissheit, richtig gehandelt zu haben. Ein Standpunkt, den ich noch heute vertrete.

Ich muss an dieser Stelle meiner Frau ein riesiges Kompliment machen. Während den 45 Jahren unserer Ehe hat sie mir die Kraft verliehen, aus einer aussichtslosen Situation nach neuen Ufern zu blicken und sie dann zu erreichen und ohne Schulabschluss (ich musste seit meinem 17. Lebensalter mein Geld verdienen), waren die Chancen mehr als gering. Zugegeben, ohne die Hilfe eines Freundes hätte ich es niemals geschafft, das zu werden, was ich heute bin: ein Journalist und Redakteur. Aber ich habe auch meinen Beitrag dazu geleistet, indem ich ein Realist wurde. Es wurde mir klar, dass ohne eine innere Ordnung, jede Art von Talent, im Sand landen würde und da sind wir wieder beim Begriff „Struktur“. Sehr viel anders geht es nicht zu, als mit den Hunden, die wir besaßen. Ich musste für sie – wie für mich – Grenzen setzen, einen festen Fahrplan herstellen, an den ich mich halten musste und das verschaffte mir den Erfolg, weil ich ganz einfach somit pragmatisch handeln konnte.

Was will ich damit sagen? Die Idee, dass eine als bürgerliche eingestufte Lebenshaltung, die Kreativität begrenzen könnte, wird durch Beispiele widerlegt. Paul Klee war ein ganz großer Künstler, aber hatte sehr viel Disziplin. Das gilt auch für Picasso wie für viele große Schriftsteller, die sich jeden Morgen an ihren Schreibtisch setzen. In dem Chaos kann kein Werk entstehen und wer etwas erreichen will, muss sein tägliches Leben bändigen, sonst ist die totale Niederlage einprogrammiert. Zurück zu meiner Mama: Nein, Talent genügt bei weitem nicht, denn auf Nichts wächst nichts, so ist das halt.
In diesem Sinne,

Umarmung aus München,

Pierre
//pm

Alle Welt redet von den vielen ankommenden Flüchtlingen. Aber immer mehr wollen auch wieder zurück. Am Berliner Flughafen etwa starten jede Woche Dutzende in den Irak. Sie haben genug von Deutschland.

Vor sechs Monaten verließen sie ihr Land zu Fuß und per Schlauchboot in Richtung Deutschland. Heute fliegen sie zurück.

Auf die Frage eines Polizisten, ob man nach Deutschland zurückkommen wolle, ist die Antwort ein klares „Nein!“.

Ganze Gruppen stehen vor den Schaltern, wo der Check-In für Maschinen nach Erbil und dann weiter nach Bagdad stattfindet.

Fast ausschließlich Männer warten hier, darunter Dutzende irakischer Flüchtlinge. Mitarbeiter der Iraqi Airways schlängeln sich zwischen den Menschen durch.

Die Männer kaufen sich auf den letzten Drücker für 295 Euro ihre Tickets für die Rückkehr in die Heimat; zahlen mit 500-Euro-Scheinen.

Ein weiterer Flüchtling hat sein Ticket im Voraus besorgt. Dabei dürfte er mit seiner Aufenthaltsgenehmigung mindestens noch ein halbes Jahr in Deutschland bleiben.

Aber er hat genug: Die Behandlung am LaGeSo sei sehr schlecht, erzählt er auf Arabisch von den Zuständen am berüchtigten Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin, ein Freund übersetzt. Außerdem habe er gehofft, dass er seine Frau und seinen kranken Vater nachholen kann, das sei aber nicht möglich.

Er sei gekommen, um zu bleiben, berichtet ein Kurde aus Kirkuk. Aber Deutschland tue nichts für ihn. Es gebe sehr viele Iraker, die wie er Deutschland den Rücken kehrten.

Freiwillige Ausreisen in Krisenländer sind keine Einzelfälle“, sagt Johann Ehrnsperger vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nürnberg. Auch nach Pakistan und Afghanistan gingen Menschen zurück.

Meistens ist die Familie die treibende Kraft. Außerdem kämen viele mit überhöhten Erwartungen nach Deutschland.

Statistisch erfasst werden nur Flüchtlinge, die ein spezielles Rückkehr-Förderprogramm von Bund und Ländern in Anspruch nehmen. Daher gibt es keine verlässlichen Zahlen über die tatsächlichen Rückkehrer.

Ein Recht darauf hat nur, wer sich die Reise sonst gar nicht leisten kann.

Im vergangenen Jahr nutzten nach Angaben des Bundesamtes mehr als 37.220 Menschen das Angebot; die meisten stammen aus den Balkanstaaten. Syrer können sich derzeit nicht bei der Rückkehr in ihr Heimatland unterstützen lassen. Die Sicherheitslage dort lässt dies nicht zu.

In den letzten zwei Monaten 2015 machten rund 377 Iraker von der Förderung Gebrauch.

Viele buchen ihre Reise aber auf eigene Faust. Ein Inhaber eines Reisebüros in der Nähe des LaGeSo in Berlin hat nach eigenen Angaben allein mehr als 400 irakischen Flüchtlingen den Weg zurück ermöglicht.

Seit vier Monaten bietet er Tickets für Flüge nach Erbil und die irakische Hauptstadt an. Zu ihm kämen täglich 10 bis 15 Flüchtlinge.

Die Flüchtlinge hätten sich das ganze komplett anders vorgestellt, berichtet er.

Im Herbst letzten Jahres verzeichneten die irakischen Vertretungen in Deutschland sprunghaften Besucherandrang. Immer mehr Iraker lassen sich Reisepapiere für die Rückkehr ausstellen.

Hatten sie von Januar bis Oktober insgesamt nur rund 150 solcher Dokumente ausgehändigt, waren es allein im vierten Quartal 1.250. Das Auswärtige Amt bestätigt entsprechende Medienberichte.

Viele aber sind noch hin- und hergerissen. Schließlich sei das Leben im Irak alles andere als sicher.

La cérémonie des Oscars sera boycottée par bon nombre de comédiens noirs. La raison : il n’y a pas un seul représentant de leur communauté parmi les candidats à ce prix. Je trouve leur démarche bonne, car elle démontre bien qu’il y a un malaise raciste aux États-Unis. Et ceci devant les caméras du monde entier ! Cela se passe évidemment à un très haut niveau de la société, mais l’effet médiatique est d’autant plus efficace. Qui s’intéresse aux chômeurs ? Aux laissés pour compte qui se débattent pour survivre ? Ce qui se passe de l’autre côté de l’Atlantique est parfaitement discriminatoire. Lorsque certains policiers font le carton sur des délinquants de couleur, il le font comme s’ils étaient à la chasse aux lapins. Pour eux ce sont des individus de basse qualité, qui ne méritent pas un autre traitement. Un pays riche, se considérant comme un leader mondial, discrimine certains de ses citoyens. Parler d’égalité est proche du cynisme. Je souhaite que l’action antiraciste d‘ Hollywood porte ses fruits, qu’elle perturbe la quiétude mensongère du glamour. Le tapis rouge me porte sur le système. Il est le symbole d’une société élitaire, qui par bien des aspects est décadente. Lorsque un peuple donne un crédit à des êtres ineptes, comme certains candidats à la présidentielle, il se désavoue lui-même. La richesse affichée dans certains milieux a-t-elle pour but de camoufler la pauvreté mentale et éthique ? Weiterlesen

Das Grundrecht auf Asyl ist eines der vornehmsten, das wir haben. Angesichts des Naziterrors ins Grundgesetz eingefügt, ist es das einzige Grundrecht, das ausschließlich Ausländern, nicht „Jedermann“ bzw. nur „Deutschen“ zusteht.

„Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.“ Mit diesem Satz hatten die Mütter und Väter des Grundgesetzes 1949 das Asylrecht festgeschrieben (Artikel 16). Sie zogen damit die Konsequenz aus den Menschenrechtsverletzungen der Nationalsozialisten und schufen ein einklagbares Individualrecht auf Asyl.

Einige Verfassungsexperten haben jüngst deutliche Kritik an der Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel geübt. Der ehemalige Präsident des NRW-Verfassungsgerichtshofs wirft ihr sogar Verfassungsbruch vor.

Neben dem früheren Verfassungsrichter Udo Di Fabio, der an der Bonner Universität lehrt, haben auch der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Hans-Jürgen Papier, der frühere Präsident des Verfassungsgerichtshofs für Nordrhein-Westfalen, Michael Bertrams, und der Staatsrechtler Ulrich Battis direkt oder indirekt deutliche Kritik an der Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel geübt.

Auslöser der Rechtsdebatte war der Ex-Verfassungsrichter Di Fabio gewesen, der in einem Gutachten erklärt hatte, die Verfassung sei nicht dafür da, den Schutz aller Menschen weltweit „durch faktische oder rechtliche Einreiseerlaubnis“ zu sichern.

Bertrams geht am weitesten. Er wirft Merkel Kompetenzüberschreitung und möglicherweise Verfassungsbruch vor. Ihr Vorgehen werfe die Frage auf, „ob sie zu ihrem Alleingang überhaupt legitimiert war“. Der frühere oberste Richter Nordrhein-Westfalens weiter: „In unserer repräsentativen Demokratie liegen alle wesentlichen Entscheidungen … in den Händen der vom Volk gewählten Abgeordneten … Kann also schon die Entsendung einiger hundert Soldaten nach Mali nur mit Zustimmung des Bundestages erfolgen, dann ist diese erst recht erforderlich, wenn es um die Aufnahme hunderttausender Flüchtlinge geht.“ Bertrams spricht von einem „Alleingang“ Merkels, einem „Akt der Selbstermächtigung“.

Politisch befürchtet der Jurist Bertrams durch diese Politik der Bundesregierung gravierende Folgen für die Europäische Union. Komme nicht bald eine europäischen Lösung der Flüchtlingsproblematik, mit der Merkel ihre Ablehnung nationaler Obergrenzen begründet, drohe ein Rückfall in nationale Grenzkontrollen. „Es droht mit anderen Worten ein Verlust der europäischen Freizügigkeit, eine der bislang größten Errungenschaften im europäischen Einigungsprozess.“

Für den früheren Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, wird in der Flüchtlingskrise ein „eklatantes Politikversagen“ deutlich. Papier sagt: „Noch nie war in der rechtsstaatlichen Ordnung der Bundesrepublik die Kluft zwischen Recht und Wirklichkeit so tief wie derzeit. Das ist auf Dauer inakzeptabel“, (Handelsblatt).

Papier spricht von „rechtsfreien Räumen“ bei der Sicherung der Außengrenzen und nennt die unbegrenzte Einreisemöglichkeit einen Fehler. Der frühere Verfassungsrichter weiter: „Es gibt kein voraussetzungsloses Recht auf Einreise für Nicht-EU-Ausländer … Notfalls muss also für einen vorübergehenden Zeitraum an den Grenzen die Einreiseberechtigung von Ausländern kontrolliert und müssen illegale Einreisen unterbunden werden.“

Staatsrechtler Ulrich Battis von der Humboldt-Universität in Berlin pflichtet Bertrams und Papier bei. „Ohne Grenzkontrollen wird auf Dauer nicht nur der Sozialstaat ausgehoben, sondern auch der Rechtsstaat.“ Die Entscheidung, ob in großem Stil Einwanderung nach Deutschland stattfindet, müsse der Bundestag treffen: „Das kann die Bundesregierung nicht allein entscheiden.“ (Nordwest-Zeitung). Papier legt im Handelsblatt nach: Die Aufgabe zur politischen Gestaltung müsse man selbst in die Hand nehmen und nicht den untauglichen Versuch unternehmen, dies an das Bundesverfassungsgericht zu delegieren.

Es gibt keine grenzenlosen Verfassungswerte, auch keine grenzenlosen Grundrechte. Das Grundrecht auf Asyl ist beschränkt durch Verfassungsinstitute wie Rechts- und Sozialstaat. Droht durch massenhaften Zustrom der Rechts- und/oder der Sozialstaat zu kippen, ist das Asylrecht zu beschränken. Dies unter anderem durch stringente Kontrolle und Vermeidung illegaler Einwanderung. Eine zahlenmäßige Obergrenze kann und darf dies nicht leisten.

Nicht zuletzt ist in der Flüchtlingsproblematik nicht nur Deutschland, sondern auch Europa gefragt. Von einer europäischen Lösung sind wir aber weiter weg denn je.

 

Moskaus Wirtschaftselite trifft sich jährlich zum Gaidar-Forum. Für Russlands Wirtschaft ist bislang nur eine Richtung zu erkennen: es geht – im Sog des Ölpreises – steil nach unten.

Moskaus Tageszeitungen fragen ängstlich, welche Folgen der Absturz für Russland haben wird. Seit Jahresbeginn ist der Preis pro Barrel um fast 20 Prozent gesunken, seit November sogar um 40 Prozent. Ein Fass der Sorte Brent kostete zwischenzeitlich nur noch 30 Dollar, die russische Sorte Urals sogar nur 27,40 Dollar.

Die neuen Turbulenzen am Ölmarkt machen Russland zu schaffen, da sich die Staatseinnahmen zu einem großen Teil aus Rohstoffexporten speisen, vor allem aus Öl und Gas. Für einen ausgeglichenen Haushalt benötigt die Regierung in Moskau einen Ölpreis von 105 Dollar pro Fass. Jeder Dollar weniger bedeutet für den Staatshaushalt Mindereinnahmen von rund zwei Milliarden Dollar. Man rechnet neue Krisenszenarien durch. Der Haushalt sieht bisher noch Ausgaben von umgerechnet 200 Milliarden Euro vor, bei einer Neuverschuldung von drei Prozent des Bruttoinlandprodukts – aber die Berechnung geht noch von einem Ölpreis von 42 Dollar aus.

Die Preiskrise dürfte Russlands Wirtschaft auch 2016 schrumpfen lassen. Bei einem Ölpreis im Jahresdurchschnitt von 35 Dollar rechnet die Zentralbank mit einem Rückgang der Wirtschaftskraft von bis zu drei Prozent. Die Neuverschuldung könnte auf bis zu fünf Prozent hochschnellen.

Finanzminister Anton Siluanow warnte: Das Budget müsse schleunig angepasst werden. „Wenn wir das nicht tun, wird das Gleiche passieren wie 1998/99“, sagte er.

Das ist eine Warnung, die jeder Russe versteht: 1998 stürzte Russland in den Staatsbankrott. Der Rubel verlor extrem an Wert, Banken brachen zusammen, Millionen Russen verloren ihre Ersparnisse, die Inflation stieg auf 84 Prozent. Die Wirtschaft brauchte Jahre, um sich zu erholen.

Anders als damals ist der russische Staat heute allerdings kaum verschuldet. Russlands Devisenreserven belaufen sich noch immer auf über 400 Milliarden Dollar; allerdings sinkend!

Die Mahnung des Finanzministers ist auch taktischer Natur. Siluanow stehen Verhandlungen mit seinen Kabinettskollegen über das nötige Sparprogramm bevor, die Kürzungen sollen sich auf zehn Prozent belaufen.

Für Wladimir Putin könnte 2016 eines der schwierigsten Jahre seiner Präsidentschaft werden. Er hat versprochen, trotz Einnahmeausfällen die Steuern nicht zu erhöhen. Tut er dies dennoch, könnte die Kreml-Partei „Einiges Russland“ die Quittung bekommen. Im September wählen die Russen ein neues Parlament. Ende des vergangenen Jahres protestierten bereits die Fernfahrer gegen die Einführung einer Lkw-Maut.

Der Präsident hat in der Krise stets Optimismus demonstriert, bis zur Realitätsverweigerung. Ende 2014 – der Absturz der Energiemärkte hatte begonnen – beteuerte Putin, langfristig könne der Ölpreis gar nicht unter 80 Dollar fallen, denn das werde „die Weltwirtschaft zerstören“. Im November 2015 verkündete Putin, man habe den wirtschaftlichen Wendepunkt erreicht, als Nächstes werde es darum gehen, „ein stabiles Wachstumstempo“ zu erreichen.

Jetzt rächt sich, dass Russland nicht früher seine Abhängigkeit von Rohstoffexporten gesenkt hat.

Wie schwierig Sparrunden in Russland werden können, hat Siluanow im vergangenen Jahr erfahren: Auch damals sollten zehn Prozent der Ausgaben gekürzt werden. Die Einsparungen wurden fast vollständig aufgezehrt durch Rentenzuschläge, mit denen Ruheständler für die steigende Inflation entschädigt werden.

Die Inflation wird befeuert durch die Abwertung des Rubels. 2015 lag sie bei elf Prozent, allein Lebensmittel wurden um 20 Prozent teurer. Das lässt immer mehr Menschen unter das Existenzminimum rutschen: 2014 waren es noch 18,9 Millionen, im vergangenen Jahr schon 22 Millionen Russen.

Trotz der Probleme: Putins Beliebtheit wankt kaum. Umfragen zufolge glauben gerade einmal acht Prozent, dass es ihnen 2016 schlechter gehen wird als im Jahr zuvor. Fast jeder zweite glaubt sogar, es werde besser. Wohl dem …

 

Vor wenigen Monaten feierte Deutschland den fünfundzwanzigsten Jahrestag der Wiedervereinigung, währenddessen in Zeitungen und Fernsehen an den Fall der Berliner Mauer erinnert wurde. Nebenbei wuchs in der Bevölkerung die Angst vor den Flüchtlingsströmen. In Ungarn wurden Grenzbarrieren errichtet, fatale Assoziationen mit dem Eisernen Vorhang. Gegen alle Argumente der historiografischen Migrationsforschung werden neue Mauern und verschärfte Grenzkontrollen reklamiert. Dabei wird auf den Grenzzaun zwischen Mexiko und den USA, die „Tortilla Wall“, verwiesen, den mit Nato-Draht bewehrten Zaun an der Grenze zwischen Spanien und Marokko oder auf die 759 Kilometer langen Sperranlagen zwischen Israel und dem Westjordanland. Eine Wiederkehr der Mauern, mehr als ein Vierteljahrhundert nach ihrer erfolgreichen Schleifung?

Ohne Wasser keine Stadt! Vermutlich waren die legendären Mauern von Jericho – aus dem achten vorchristlichen Jahrtausend – gar keine Wehrmauern gegen kriegerische Nomaden, sondern Schutzwälle vor Überschwemmungen, die zugleich, wie am Nil, erwünscht waren. Schwemmland ist fruchtbarer Boden. Diese Vermutung zwingt sich bei Betrachtung der Mauern auf: Diese Mauern haben nach außen angelegte Treppen. Auch der 1952 freigelegte Rundturm von Jericho, über acht Meter hoch und mit einem Basisdurchmesser von ebenfalls über acht Metern, diente wohl nicht als Wachturm gegen Nomadenstämme, die mit Hörnerklängen den Einsturz der Stadtmauern bewirkt haben wollten (Josua 6, 1–25), sondern einerseits als Schutz gegen Fluten, andererseits vielleicht auch als Anzeige des Sommerbeginns, wie Archäologen der Universität Tel Aviv jüngst herausfanden. Der Schatten eines benachbarten Gipfels fällt nämlich just zur Sommersonnenwende auf den Turm.

Die ältesten Wehrmauern stammen aus dem sechsten vorchristlichen Jahrtausend. Besonders imposant waren die Stadtmauern von Uruk, errichtet im ersten Viertel des dritten Jahrtausends: Die Anlage der Mauern – mit etwa neunhundert halbkreisförmigen Türmen – erreichte eine Länge von nahezu zehn Kilometern. Zu den Weltwundern des Altertums zählten auch die Mauern Babylons, die in der Regierungszeit Nebukadnezars um 600 v. Chr. durch einen zweiten Wall ergänzt wurden. Seither wurden immer wieder Doppelmauern errichtet: Sie trennten die Funktionen der Inklusion und der Exklusion, als wollten sie der Maxime architektonische Gestalt verleihen, dass mit Feinden nicht einmal Grenzen geteilt werden dürfen.

Doppelmauern erzeugten „Niemandsländer“, Zonen zwischen den Befestigungsanlagen, die im römischen Recht als „terra nullius“ bezeichnet wurden. Auch die Berliner Mauer war eine Doppelmauer: das Niemandsland zwischen beiden Mauern hieß „Todesstreifen“.

Die Erfindung der Stadtmauern wurde, im Gilgamesch-Epos, als eine bedeutende Innovation gepriesen. Denn gewöhnlich hatten es die Angreifer schwerer als die Verteidiger. Sie mussten ihre Versorgung logistisch organisieren, durch Nachschub oder Plünderungen, während die Stadtbevölkerung gefüllte Vorratsspeicher nutzen konnte. Die Fähigkeit, Hunger zu ertragen, entschied über Sieg oder Niederlage. Auch musste das Heerlager der Angreifer befestigt werden. Im siebenten Gesang der homerischen Ilias wird erzählt, wie die Griechen eine Mauer mit Türmen und Gräben um ihre Schiffe und Zelte errichteten, als sie schon zehn Jahre vor der uneinnehmbaren Stadt lagen, die zuletzt nur durch List erobert werden konnte. Vermutlich wurden nicht wenige Belagerungen abgebrochen. Und schlussendlich manifestierte sich der Zorn der erfolgreichen Angreifer in grausamen Massakern, was den langen Belagerungszeiten entsprang.

Die ersten Mauern, die nicht der Verteidigung, sondern der Evakuierung einer belagerten Stadt dienen sollten, ließen übrigens Themistokles und Perikles während des Peloponnesischen Bürgerkriegs errichten: Auf einer Strecke von fünf Kilometern verbanden die langen Mauern die Stadt Athen mit dem Hafen in Piräus.

Die Frage stellt sich, ob wir in unserer Zeit neue Mauern brauchen. Eigentlich nicht! Würde wir das Recht der Menschen auf Heimat respektieren, wäre niemand gehalten, zu flüchten. Offene Türen und Grenzen lassen uns uns frei bewegen. Wer kommt, geht wieder; und: nur wer geht, kann wieder kommen!

 

Wer kennt ihn noch, den Brockhaus? Schwer, klobig und tonangebend, was das Nachschlagen von Wissen angeht. Selbst die Bundesgerichte, wie der Bundesgerichtshof, benutzen ihn, wenn es um Definitionen geht. Heute spricht man von WIKIPEDIA!

Die Online-Enzyklopädie ist das Highlight der Internetwelt.

Die schweren Nachschlagewerke wirken wie aus einer anderen Zeit. Die alten Schwarten, gerade wie der Brockhaus, stehen dutzendfach als dicke Bände im Regal des Berliner Deutschland-Büros von Wikimedia, dem Verein hinter Wikipedia.

Schließlich ist die Online-Enzyklopädie nicht unbeteiligt daran, dass traditionelle Lexika heute kaum mehr eine Rolle spielen. Das digitale Nachschlagewerk steht 15 Jahre nach seiner Gründung immer noch vor Herausforderungen.

Am 15. Januar 2001 rief der US-Amerikaner Jimmy Wales gemeinsam mit dem Programmierer Larry Sanger Wikipedia als Folgeprojekt seines Vorgängers Nupedia ins Leben. Die Vision lautete damals wie heute ganz unbescheiden: das gesammelte Wissen der Menschheit jedem frei zugänglich machen. Die Besonderheit war die Wiki-Software: Ein frei verfügbares System, mit dem jeder Nutzer ganz einfach Websites anlegen und bearbeiten kann.

Einen Monat später standen 600 Artikel online, nach einem Jahr waren es schon 20.000. Die Gründer hatten sich mittlerweile überworfen, Sanger zog sich aus dem Projekt zurück. Inzwischen gibt es mehr als 37 Millionen Beiträge in knapp 300 Sprachen, verfasst von unzähligen Freiwilligen. Kurz nach der englischen Version, im März 2001, ging auch die deutschsprachige Wikipedia an den Start. Allein sie wird eine Milliarde Mal im Monat aufgerufen.

Mit rund 1,9 Millionen Artikeln steht sie auf Platz drei – nach der englischen und der schwedischen Ausgabe. Die Deutschen haben traditionell ein Interesse an Enzyklopädien.

Nach wie vor kommt Wikipedia ganz ohne Werbung aus, was laut Wales auch so bleiben soll. Die Plattform trägt sich alleine durch Spenden – und das ziemlich gut. Bei der jüngsten Spendenaktion der Wikimedia Deutschland kamen Ende vergangenen Jahres 8,6 Millionen Euro zusammen.

Aber auch bei Wikipedia kommt es zu Problemen, die nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Eine sinkende Zahl der Schreiber, eine überholte Technik, ein harscher Ton in der Community oder der niedrige Frauenanteil, um einige Beispiele zu nennen.

„Der Pioniergeist der Anfangszeit ist verschwunden“, sagt Martin Haase, selbst lange Jahre als Autor auf Wikipedia aktiv. Der Romanistikprofessor der Universität Bamberg veröffentlichte auch mehrere wissenschaftliche Arbeiten über die Online-Enzyklopädie. Ihre Qualität sei ziemlich gut. „Da meist viele Augen auf die Artikel schauen, gerade bei strittigen Fragen, kann man schon von einer hohen Verlässlichkeit ausgehen.“ Dass die Wikipedia-Idee gut funktioniere, zeige sich in den enormen Nutzerzahlen.

Die renommierten Lexika hat Wikipedia längst hinter sich gelassen. Nach 244 Jahren gab der Verlag der Britannica 2012 bekannt, dass die Enzyklopädie nur noch digital erscheint. Zwei Jahre später zog der Brockhaus – hierzulande 200 Jahre lang als Nachschlagewerk tonangebend – nach. Die Welt ändert sich, die Technologie schreitet voran. Auch die Ansichten in Sachen Bildung haben sich geändert: Man muss heute nicht mehr alles wissen, sondern nur, wo man es nachschlägt.

Um zukunftsfähig zu bleiben, muss sich Wikipedia fortlaufend der sprunghaften Entwicklung der Technik anpassen. Derzeit geht es um die wachsende mobile Nutzung, Wikipedia muss globaler werden. Kritiker bemängeln eine Einseitigkeit, da die meisten Artikel in der westlichen Welt verfasst würden.

Dank der besseren technischen Ausstattung können sich immer mehr Menschen in der Dritten Welt vernetzen. Wir sind in einer Phase, in der die Zahl der Internetnutzer in den Entwicklungsländern explodiert, womit die Nutzung von Wikipedia und die Mitwirkung in den jeweiligen Sprachen sich exponentiell erweitert. Weiter so!

Auf die nächsten hundert Jahre!

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