Menschen erfinden und nutzen technische Geräte mit dem unbewussten Ziel, den Energieaufwand in Form eigener Anstrengungen zu verringern, um etwas, was sie tun, künftig noch leichter und effizienter tun zu können. Bei den im vorigen Jahrhundert noch vorherrschenden „Kraftmaschinen“ ging es zunächst noch um mehr Bequemlichkeit und das Erzielen größerer Leistungen mit immer geringerem körperlichem Kraftaufwand. In diesem Bestreben haben wir es ziemlich weit gebracht. Für fast alle Tätigkeiten gibt es inzwischen arbeitserleichternde Geräte und Maschinen. Beim Vormarsch der heutigen digitalen, durch Algorithmen gesteuerten „Kombinationsmaschinen“ geht es nun, im zweiten Schritt, um mehr Bequemlichkeit und Effizienzsteigerung im Gehirn, also um die Verringerung des eigenen geistigen Denkaufwandes.

Menschen sind enorm anpassungsfähige Lebewesen, und unser zeitlebens lernfähiges Gehirn ist das anpassungsfähigste Organ, das wir besitzen. Ungünstig ist nur, dass wir den eigenen Anpassungsprozess oft erst dann bemerken, wenn er bereits sehr weit fortgeschritten ist. Wir können mit unserem Körper oft jahrelang Auto fahren, den ganzen Tag in bequemen Sesseln hocken und uns kaum noch bewegen, bis die Folgen der Nutzung dieser komfortablen Fortbewegungs- oder Sitzmöglichkeiten schließlich als lästige Rückenschmerzen spürbar werden. Die meisten von uns schaffen es sogar, diese Signale aus ihrem eigenen Körper so lange zu überhören, bis sie beim Arzt landen. Das ist dann nicht mehr so bequem und energiesparend und kann dazu führen, dass wir nun doch lieber bewusst die Treppe benutzen anstelle eines Fahrstuhls, also den kurzzeitigen eigenen Energieaufwand in Kauf nehmen und uns wieder selbst bewegen, statt von einem Gerät bewegt zu werden. Offenbar sind Menschen also bereit, ihr Gehirn zumindest gelegentlich wieder einzuschalten, um allzu weitreichende Anpassungsprozesse auf körperlicher Ebene zu vermeiden, indem sie ihren Körper wieder selbst entdecken und reaktivieren.

Inzwischen nutzen wir aber nicht nur diese arbeitserleichternden Maschinen und Geräte, sondern zunehmend solche, die uns das eigene Denken erleichtern. Auch das hat Folgen, die auch wieder nicht sofort, aber dafür – wenn sich unser Gehirn erst einmal hinreichend gut an diese energiesparenden Erleichterungen angepasst hat – umso fataler zutage treten.

Weil sie völlig schmerzlos sind, bemerken wir sie erst sehr spät. Los geht es meist damit, dass man sich keine Telefonnummern mehr merken kann. Die sind ja im Smartphone gespeichert! Adressen und Namen auch. Wer wohin will, nutzt das GPS, und wenn das jemand lange genug so gemacht hat, können die Neurobiologen dann eine Schrumpfung des dorsalen Hippocampus in seinem Gehirn beobachten, also derjenigen Hirnregion, die für den räumlichen Orientierungssinn zuständig ist. Nutzungsabhängige Plastizität nennen das die Hirnforscher. Was nicht mehr regelmäßig im Hirn genutzt wird, schrumpft eben sukzessive dahin. Manche Vernetzungen werden bei intensiver Nutzung digitaler Medien auch intensiver beansprucht und deshalb entsprechend stärker ausgebaut. Etwa diejenigen, die bei der Bedienung eines Handys für die Regulation der Daumenbewegungen zuständig sind, oder die für die Hand-Augen-Koordination, wenn jemand viel mit seiner Computermaus arbeitet. Sinnvoll sind diese Anpassungen allemal, sie erleichtern dem Hirn die Arbeit, und so wird dort oben Energie gespart.

Was nicht mehr regelmäßig im Hirn genutzt wird, schrumpft dann weg.

Und sehr zweckmäßig ist es auch, dass diese „nutzungsabhängige Plastizität“ des Gehirns während der Phase der Hirnentwicklung – bei Kindern und Jugendlichen – besonders stark ausgeprägt ist. Je jünger die Personen sind, die ihr Hirn mithilfe dieser das eigene Nachdenken und Erinnern erleichternden Geräte entlasten, desto stärker passt sich die innere Organisation ihres Gehirns an diese Art der Nutzung an.

Angesichts der vielfältigen und interessanten Möglichkeiten, die digitale Möglichkeiten heute in unserer digitalen Welt bieten, dürfte ein etwas geschrumpfter Hippocampus oder eine etwas ausgeprägtere Daumenrepräsentanz im sensomotorischen Cortex von der Mehrzahl der Nutzer mit einem Schulterzucken in Kauf genommen werden.

Was bleibt von uns?

Auch durch Verbote oder Nutzungsrestriktionen wird sich der Siegeszug der digitalen Medien nicht mehr aufhalten lassen. Er hat längst alle Lebensbereiche erfasst. Absehbar ist, dass jede menschliche Leistung, die sich in Form digitaler Algorithmen darstellen und gerätetechnisch umsetzen lässt, künftig von diesen Apparaten übernommen werden wird.

Was uns Menschen ausmacht, ist die Fähigkeit, etwas wollen zu können.

In einer Gemeinschaft selbstbestimmter Subjekte könnten wir unser Gehirn nutzen, um in einem co-kreativen Prozess nach Lösungen für die von uns selbst geschaffenen und durch die Digitalisierung rascher zutage geförderten Probleme zu suchen. Auf diese Weise ließe sich viel der in unserem gegenwärtigen Zusammenleben verbrauchten Energie einsparen.

Liebe Petra,

sorry, ich habe mich noch nicht ganz von den bösen Geistern der Vergangenheit erholen können. Was Martin Luther über die Juden, die Bauern, die Huren oder die nicht-normalen Kinder geschrieben hat, ist für mich nicht hinnehmbar. Das ist mit der Ideologie der Nazis gleichzustellen. Es ist merkwürdig, dass die Historiker diese Äußerungen eher beiseitegelassen haben, als es darum ging, die Judenverfolgung oder die Euthanasie an geistig Kranken zu verarbeiten. Adolf Hitler hat sich sehr wohl an den Reformator angelehnt, um sein Vorgehen salonfähig zu machen. Hier ein paar „Kostproben“: „Luther war ein großer Mann, ein Riese. Mit einem Ruck durchbrach er die Dämmerung, sah den Juden, wie wir ihn erst heute zu sehen beginnen.“ Oder: „So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln, indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn.“ Und um das Ganze zu krönen: „Der Nationalsozialismus ist weder antikirchlich noch antireligiös, sondern im Gegenteil, er steht auf dem Boden eines wirklichen Christentums.“

Nicht ohne Grund fand die Reichskristallnacht in der Nacht vom 9. bis zum 10. November 1938 statt – der Reformator ist am 10. des Monats geboren. Der Gedanken war es, mit dem Brand der Synagogen Luther zu ehren. Das Ganze finde ich – wie du, liebe Petra –  unappetitlich. Aber heute geht es mir um mehr. Ich kann nicht verstehen, warum die Lutheraner nicht offensiver mit ihrer Geschichte umgehen. Ich finde es notwendig, mit diesem Makel der Geschichte abzurechnen, auch wenn es unangenehm sein mag und ich würde mir wünschen, dass nächstes Jahr, für den 500. Geburtstag der Reformation, offen darüber debattiert wird, um u.a. feststellen zu können, welchen Einfluss die Äußerungen von Luther auf die Willkür des NS-Staates hatten. Das ist aus meiner Sicht ein Muss und auch den Zusammenhang der Kirchen mit dem NS-Regime zu definieren. Ich möchte keine Schimpf-Kampagne entfachen, vielmehr die Uhren neu stellen, wenn es um die Bearbeitung des 3. Reiches geht. Dabei erfahren, ob der Keim der deutschen Tragödie nicht weiter hinten zu suchen ist? Auch das Thema der Treue zur Obrigkeit hat – Dank Luther – zum Mord an zehntausenden von Bauern, geführt. Auch wenn er dies manchmal beklagte, war er einer der Motoren dieser „Feldzüge“. Nein, meine Forderungen sind nicht antiquiert, es geht für mich um Menschenrechte und um die Einhaltung der Botschaft Christi. Es ist sehr verwunderlich, dass Luther, als Übersetzer der Bibel, so in Widerspruch mit der heiligen Schrift war. Ich möchte gar nicht den Versuch machen, seine Äußerung mit dem Geist der Zeit in Verbindung zu setzen, denn rein theologisch ist das nicht tragbar. Eines ist mir die letzten Tagen aufgefallen: Meine protestantische Freunde haben sehr emotional reagiert und ich hatte das Gefühl, als eher ketzerisch betrachtet zu werden. Das Kratzen an einem Idol, wurde mir übel genommen und das von Leuten, vom linken Spektrum der Parteilandschaft. Freunde, die sich um die Würde des Menschen bemühen und niemals solche Worte, wie diese von Luther, in den Mund nehmen würden. Das beweist mir, dass vieles bewusst unter den Tisch gekehrt wurde und das ist in meinen Augen eine reine politische und historische Manipulation.

Ich würde gerne erfahren, was für das Jahr 2017 geplant ist? Wird man den Mut haben, offensiv das, was ich angesprochen habe, der Diskussion zu stellen oder werden wir nur mit Lobeshymnen überschüttet werden? Haben die Leute einen Schimmer, was Aufklärung bedeutet? Wenn ja, sollten sie das zur Sprache bringen – in ihren Gemeinden, in der Familie und warum nicht in den Fußgängerzonen?

 

In diesem Sinne, ich umarme dich

Pierre

 

//pm

Die ehemalige Volksbildungsministerin der DDR, Ehefrau von Staats- und Parteichef Erich Honecker, ist mit 89 Jahren in Chile gestorben.

Den DDR-Bürgern ist vor allem ihre Unerbittlichkeit haften geblieben.

Die Linke, die Nachfolgepartei der PDS, die wiederum aus der SED hervorging, musste sich am 6. Mai 2016 sortieren. Mit Margot Honeckers sei man nicht bewandert und könne auch nichts Qualifiziertes sagen. Heuchelei pur!

Anders die Gegenseite. „Margot Honecker war unbelehrbar bis zum letzten Tag“, sagte der Vorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), Dieter Dombrowski. Jeder Mensch frage sich doch mal, ob es richtig war, was er getan habe. „Diese Leute gehören nicht dazu. Margot Honecker lebte bis zum Schluss unter ihresgleichen und unter einer Sozialismus-Scheinweltglocke“. In gewissem Sinne tragisch!

Die frühere DDR-Ministerin für Volksbildung ist tot. Die Witwe des DDR-Staatsratsvorsitzenden und SED-Parteichefs Erich Honecker starb fernab von Deutschland im chilenischen Exil im Alter von 89 Jahren.

Mehr als ein Vierteljahrhundert hatte die Ex-Funktionärin mit eiserner Hand sozialistische Ideologie an Schulen und in Kindergärten der DDR durchgesetzt. Sie war die heimliche, die wahre Machthaberin im Arbeiter- und Bauern-Staat. Ihren Mann soll sie wie eine Marionette geführt haben.

Margot Honecker war Tochter eines Schuhmachers. Die Familie, in die sie 1927 in Halle an der Saale geboren wurde, gab ihr den Weg vor. Der Vater, Gotthard Feist, gehörte der KPD an. Ebenso ihre früh verstorbene Mutter. Beide Eltern engagierten sich nach 1933, der Machtübernahme durch die Nazis, für die KPD, illegal und hoch gefährdet.

Der Vater war zwei Jahre lang im Konzentrationslager Buchenwald interniert. Tochter Margot war kaum zwanzig, als sie nach einer Kindheit und Jugend im nationalsozialistischen Deutschland 1945 der KPD beitrat. Sie wurde schnell zu einer interessanten Figur im neuen Deutschland – in der SED, der Zwangsvereinigung von KPD und SPD.

Schnell stieg sie zur Vorsitzenden der Kinderorganisation „Junge Pioniere“ auf, wurde mit 22 Jahren jüngste Abgeordnete der Volkskammer. Die Arbeit brachte sie mit Erich Honecker zusammen, 1953 heirateten sie. Schon 1951 wurde die gemeinsame Tochter geboren. Von 1963 bis zum Herbst 1989 war Margot Honecker Ministerin für Volksbildung – sie blieb in dieser Funktion nachhaltig in Erinnerung. Gegen den Widerstand der Kirchen führte sie 1978 an den Schulen Wehrunterricht ein.

Christlich engagierte Schüler wurden benachteiligt und bekamen häufig keinen Studienplatz. Noch 1989 hielt Honecker eine „Erziehungsrichtlinie“ hoch, dass der Sozialismus wenn nötig mit der Waffe verteidigt werden müsse.

Einer der Betroffenen, der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Lengsfeld, sagte: „ … ihre Untaten sprechen für sich. Das von Margot Honecker verantwortete Bildungssystem war die DDR im Kleinen: vernormt, dogmatisch, unfrei.“

Nach dem Zusammenbruch der DDR lebte Margot Honecker mit deutscher Rente in der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile. Gerne wetterte sie gegen den Kapitalismus vor laufender Kamera, in der Hand eine Flasche Coca-Cola. Schlagzeilen machte sie noch, als sie vor dem Bundessozialgericht Nachzahlungen von mehreren tausend Mark erstritt. Auch Erich Honecker reiste Anfang 1993 nach Chile aus, nachdem in Deutschland der Prozess gegen ihn wegen Totschlags von DDR-Flüchtlingen aufgrund seiner Krebserkrankung eingestellt worden war. Er starb 1994 im Alter von 81 Jahren.

Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen Margot Honecker wegen ihrer Verantwortung für Zwangsadoptionen von Kindern, deren Eltern wegen „Republikflucht“ oder „Spionage“ verhaftet worden waren. Auch ihr Prozess wurde 1994 eingestellt.

Die Ex-Ministerin verteidigte bis zum Schluss ihre sozialistischen Überzeugungen ohne Wenn und Aber. Sie stehe zur DDR und lege ihre Sicht nicht auf dem Altar der Zeitgeschichte nieder, auch wenn man sie als „Unbelehrbare“ verleumden würde, beharrte sie.

So wie sie am Beginn der DDR für einen Aufbruch stand, so galt sie ab den späten 1970er-Jahren bis zum Mauerfall als Symbolfigur für den verknöcherten, autoritären Staat. Ein Staat, den sie noch verteidigte, als er längst untergegangen war – und den sie 1964 so charakterisierte: „Bei uns besteht die volle Freiheit, das Leben so zu gestalten, wie es richtig ist.“ Zynischer geht´s kaum!

 

Nach der Jahrtausendwende wurde Deutschland weltoffen und entspannt und damit endlich ein normales Land Europas. Die Masseneinwanderung droht dieses Erfolgsmodell nun infrage zu stellen.

Die großen Anstrengungen nach 1990 liegen hinter uns, vieles ist gelungen, manches auch nicht. Die gute Konjunktur und die anhaltende Produktivität lassen vieles vergessen. Das Land ist ein Land der Älteren, Gesetzteren, und das bekommt ihm gut. Keine Militanz, weder außen- noch innenpolitisch, vom rechten und linken Rand abgesehen. Im Vergleich mit den europäischen Nachbarn ist Deutschland fremdenfreundlich und weltoffen, rechte Parteien und Bewegungen sind marginalisiert, und für die Utopie eines geeinten Europa haben wir – wenn auch mit verhaltenem Grummeln – dazumal sogar auf die D-Mark verzichtet. Wir sind hilfsbereit, das Elend anderer rührt uns, Gerechtigkeit geht uns über alles, und Solidarität lassen wir uns was kosten. Deutschland ist im Ausland beliebter geworden, was wir Deutschen selbst kaum glauben wollen.

Doch jetzt sieht es so aus, als ob das Land seine besten Jahre hinter sich hätte. Führende Politiker und Meinungsmacher jedenfalls möchten, dass Deutschland sich verändert, ja sie sehnen dies sogar herbei: Bunter soll es werden, jünger, vielfältiger, weltoffener. Ganz anders eben.

«Deutschland wird sich durch die Flüchtlingskrise verändern», so Angela Merkel in Sommer 2015, sekundiert von Innenminister Thomas de Maizière. Verändern soll es sich, natürlich, zum Positiven.

Die, die sich darüber freuen, werden weniger. Warum? Weil sie keine Veränderung wünschen? Oder weil sie nicht glauben können, dass das so ziemlich beste Deutschland, das es je gab, dank überwiegend muslimischen Migranten noch strahlender und schöner wird?

Mit Veränderung kennen wir uns aus. Kaum ein Land hat so viel Übung damit – auch Abschied von Deutschland hat seine Bevölkerung mehr als einmal genommen. Vielleicht haben wir sogar eine Art Abschieds-Tick? Mit jeder Veränderung ist irgendwo auch eine Änderung der Kultur verbunden.

Wir haben das Kaiserreich von 1871 hinter uns, die Monarchie, das kurze Aufblühen der Demokratie in der Weimarer Republik, in einem Land, das noch nicht reif dafür war. Danach kam die Nazi-Zeit, gefolgt von der Zeit der Teilung in Bundesrepublik-West und DDR.

1989 brachte den Abschied von Bundesrepublik und DDR. Auf beiden Seiten gab es welche, die damit nicht einverstanden waren, es war doch nicht alles schlecht gewesen vorher, oder? Die europäischen Nachbarn fürchteten sich mal mehr, mal weniger vor der neuen deutschen Großmacht und bemühten sich, sie einzuhegen – mit dem Ersatz der D-Mark durch den Euro, womit man Deutschland, so hieß es damals im Elyséepalast, seine „Atombombe“ genommen habe.

Vielleicht kriegen wir ja auch noch die Sache mit der Selbstabschaffung hin. Wenn man dem britischen Historiker Brendan Simms folgt, tun wir dem Rest der Welt damit einen Gefallen: Noch immer und schon wieder gehe es in Europa um die „deutsche Frage“. Also weg damit, auf welche Weise auch immer? Nun, Simms bevorzugt die Lösung fortschreitender europäischer Vereinigung. Doch die wird wohl daran scheitern, dass keiner der Nachbarn Deutschlands seine nationalstaatliche Souveränität aufgeben will. Dann bliebe, sofern seine These stimmt, wirklich nur eines: weg mit Deutschland.

Sind wir damit nicht bereits auf bestem Weg?

Ein weitgehend entspanntes Land, in dem mehrheitlich Menschen wohnen, die schon aus Altersgründen friedlich sind, hat neuerdings mit einem Problem zu tun, das Gesellschaften seit Menschengedenken zerreißt. Die Mehrheit der Zugewnserten besteht aus jungen Männern ohne Familie und ohne Arbeit und deren Religion oder Nationalgefühl nicht zu einem säkularen und wenig national gestimmten Deutschland passt. Mit ihrer Frustration ist zu rechnen, wenn die Versprechen, die sie aus der deutschen Willkommensseligkeit herausgelesen haben, nicht eingelöst werden. Die wenigsten bringen zudem die Voraussetzungen mit, die ihre baldige Integration in den Arbeitsmarkt wahrscheinlich machen – einmal abgesehen davon, dass noch lange unklar sein wird, wer bleiben darf und wer gehen muss, was alle Integrationsbemühungen voreilig oder sinnlos macht. Jung sein allein ist keine hinreichende Qualifikation.

Die Push-Faktoren, also das, was Menschen aus ihrer Heimat vertreibt, bleiben bestehen, und der größte Pull-Faktor, das vergleichsweise bestens ausgestattete soziale Netz Deutschlands, wird dem Ansturm nicht standhalten, sollte es so weitergehen. Radikalliberalen Reformern dürfte diese Veränderung noch am ehesten gefallen: der Abschied vom Sozialstaat.

Brauchen wir Veränderungen, die an die Substanz gehen?

Es gibt sie, die Deutschen mit dem notorischen Selbsthass, die das begrüßen würden. Soll sich Deutschland doch abschaffen – dann gibt es ein Problem weniger.

Sei es, wie es sei! Es ist ein Missverständnis, unser Land auf das dreckige Dutzend Jahre von 1933 bis 1945 zu reduzieren. Wir können mehr, unser „Ländle“ ist zäh.

Auch bunt und weltoffen? Mal sehen, wohin die Reise geht …

Die Internet-Konferenz re:publica in Berlin ruft nach Privatsphäre im Netz und schaltet Whistleblower Edward Snowden aus Moskau zu. Das offene Internet „verschließt sich gerade“, konstatiert re:publica-Mitgründer Markus Beckedahl.

8.000 Gäste, 400 Stunden Programm, 770 Sprecherinnen und Sprecher aus 60 Ländern und 17 Bühnen. Am Montag ist in Berlin die zehnte re:publica eröffnet worden, die größte Digitalkonferenz Europas, die dieses Jahr unter dem Motto Selbstreflexion steht, aber auch einen Blick in die digitale Zukunft werfen soll. Was vor einem Jahrzehnt noch Nischenveranstaltung, ist sie inzwischen nicht mehr wegzudenken: Drei Tage wird daher in der Station in Kreuzberg zwischen Robotern, Kaffeeinseln und 3-D-Druckern über Netzpolitik, Social Media, Hate Speech oder Virtual Reality geredet, gelernt, gewundert, getwittert und gestreamt.

„Seit zehn re:publicas feiern wir das offene Internet, doch das verschließt sich gerade. Unsere Kommunikation wird zunehmend überwacht. Und wir machen uns immer mehr abhängig von immer weniger Plattformen, die uns ihre Regeln vorschreiben“, sagte Markus Beckedahl, Chefredakteur von Netzpolitik.org. Eine offene Gesellschaft braucht ein offenes Netz!

Immer wiederkehrend die Themen Vorratsdatenspeicherung, Zensur, Überwachung, Netzsperren, Geheimdienste, Urheberrecht, Netzneutralität. Gleichzeitig kommen immer weitere netzpolitische Themen hinzu: Algorithmen treffen Entscheidungen über unser Leben, ohne dass wir dies nachvollziehen können. Wir haben aber ein Recht darauf! Jeder will die neuen Technologien nutzen, aber sie sollten nicht gegen einen verwendet werden.

Zur Media Convention: Einer der wichtigsten Medienkongresse in Europa. Da sie aber seit drei Jahren als Subkonferenz der re:publica stattfindet, ist festzustellen, dass ihre Panels oft einfach als bloßer Teil der re:publica wahrgenommen werden. In diesem Jahr war der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), selbst bei der Media Convention anwesend, um größtmögliche Aufmerksamkeit zu sichern.

Jede Menge Prominenz im Saal. Der italienische Philosophie-Professor Luciano Floridi hielt einen Vortrag darüber, warum es ein Gebot der Menschenrechte ist, die Privatheit im Netz zu verteidigen. Aufgrund der Ankündigung, dass Whistleblower Edward Snowden live zugeschaltet würde, standen die Zuhörer in langen Schlangen vor dem Saal. Snowden forderte die Zuhörer auf, sich bei ihren Regierungen dafür einzusetzen, dass Whistleblower bei ihnen Asyl finden könnten. Den Anspruch auf Privatheit im Netz verglich er mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung. Zitat: „Wer sagt, er habe keine Geheimnisse und brauche daher keine Privatsphäre im Internet, kann genauso gut sagen, er brauche keine Freiheit der Rede, weil er nichts zu sagen hat“.

Ein Jurastudent ist aus Hamburg angereist, um sich auf der re-publica weiterzubilden. Sensibilisiert durch seine Ausbildung nutzt er social networks nur passiv, nicht aktiv. Der „normale“ Nutzer wisse oft gar nicht, was er alles von sich preisgebe und wie seine Daten ausgewertet werden würden. Private Fotos bei Facebook? Ein No-Go! Die Bildrechte liegen hiernach bei Facebook, was kaum einer wisse, sich aber aus den Allgemeinen Bedingungen des Netzwerks ergebe.

Private Bloggerinnen und Blogger gab es vor Ort en masse. Für sie spielt der Schutz im Netz ebenfalls eine große Rolle: Als Autoren, die online viel Privates auch über ihre Kinder preisgeben, sehen sie sich immer wieder der Kritik ausgesetzt. Was im Netz sei, bleibe auch dort. Private Fotos von Kindern sind immer ein heikles Thema. Und Echtnamen werden heiß diskutiert. Viele Blogger arbeiten unter einem Pseudonym.

Die nächste re:publica wird nicht lange auf sich warten lassen. Sie findet bereits am 20. Oktober 2016 in Dublin statt. „Wir wollen ein neues Projekt im Ausland probieren“, sagte Andreas Gebhard, Mitbegründer der re:publica.

Utopia

Die Zeit von 1914 bis 1989: sie war geprägt von Utopien. Eine Utopie, definiert als „der Nicht-Ort“, aus dem Altgriechischen οὐ- ou- „nicht-“ und τόπος tópos „Ort“. Sie gilt als der Entwurf einer fiktiven Gesellschaftsordnung, die nicht an zeitgenössische historisch-kulturelle Rahmenbe-dingungen gebunden ist (Wikipedia). Im alltäglichen Sprachgebrauch wird Utopie auch als Synonym für einen von der jeweils vorherrschenden Gesellschaft vorwiegend als unausführbar betrachteten Plan oder Vision benutzt.

Nach der Zeit der Monarchien – viele von ihnen haben über Jahrhunderte, ja vielleicht tausend Jahre Bestand gehabt; immer unter verschiedenen Herrscherhäusern – brauchte man eine neue Vision. Im Nachhinein haben sich diese Visionen als Illusionen herausgestellt. Kurzum: mit den Utopien der oben genannten Epoche war es nicht weit her. Gerade eben, weil sie eine Utopie waren.

Wir haben es mit Sozialismen versucht. Es kam 1933 der Nationalsozialismus, reiflich die innere Haltung der Deutschen ausnutzend. Jene waren Jahrhunderte lang – erst in ihren Herzogtümern und Königslanden, dann als Bürger des Deutschen Reichs von Bismarck – zuerst einmal eines: Untertanen! Und der Untertan gehorcht. Das kam den Nationalsozialisten sehr zu Pass. Auch das war eine Utopie. Und das Schlimme an diesen Utopien ist, dass sie irgendwann in Terror enden. Gerade dieser Umschwung von der Vision zur Tyrannei zeigt, dass ein Konzept gescheitert ist. Und wenn Wahnsinnige entgegen aller Vernunft – vor allem gegen das eigene Volk – ihre Ideen durchsetzen wollen, dann passieren Dinge wie in Deutschland zwischen 1933 und 1945.

Der eine Sozialismus wurde im Osten Deutschlands von dem anderen abgelöst, dem linken Sozialismus, der, aus dem der Kommunismus werden sollte. Eine Vision auch dieser Gedanke! Fußend auf den Ideen von Marx und Engels, ist das Kommunistische Manifest erschienen am 21. Februar 1848 in London, kurz vor der Februarrevolution in Frankreich und vor der Märzrevolution im Deutschen Bund. Das Manifest der Kommunistischen Partei wurde in mehr als 100 Sprachen übersetzt, im Juni 2013 wurde es in das UNESCO-Dokumentenerbe aufgenommen. Die Gedanken zweier Philosophen, die eigentlich nur die Welt gerechter machen, den Menschen freier und die Armut abschaffen wollten. Eine knallharte Kritik der damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse. Man hat den Schritt gewagt, die Idee in die Praxis umzusetzen. Mit den üblichen Folgen: aus Vision wurde Diktatur, am Ende stand man wieder vor den Scherben. Staat nach Staat stand vor der Staatspleite. Die Bürger flohen in Scharen.

Es ist klar: wo der Staat eine Idee verfolgt, möchte er auch Erfolg sehen. Jede Idee ist flankiert von Vorgaben, die man nun einmal einhalten muss, sonst ist die Vision bereits am Anfang zum Scheitern verurteilt. Gerade das ist das Problem: zu der Utopie gehört auch das Menschenbild, ein Konzept des Lebens, das eingehalten werden muss. Und der Mensch ist intellektuell fähig, eigene Konzepte zu entwickeln und wird dies auch tun. Verfolgt der Bürger aber nicht das staatliche Konzept, kann der Staat nicht funktionieren. Da sind wir wieder bei der alten Geschichte: die Diskrepanz zwischen Gesellschaft und Staat! Der Staat hat seine Vorstellungen, wie zum Beispiel die kommunistische Gesellschaft zu funktionieren hat, letztere kocht „ihr eigenes Süppchen“. So geht das nicht! Und ja, deswegen ist die Utopie ein unausführbarer Plan, eine Illusion. Conclusio: die Utopie bleibt eine theoretische Idee, gefangen in der „Hülle des Staates“. Die praktischen Lebenskonzepte entwickeln sich in der Gesellschaft. Learning by doing …

Heute sind wir ständig am meckern, dass die Jugend keine Ziele bzw. Zielvorstellungen hat. Keiner gibt mehr etwas auf Traditionen. Man muss sich fragen: Sind unsere Konzepte gescheitert? Oder sind sie einfach nur zu alt geworden? Zu einem großen Teil besteht sicherlich Reformbedarf. Wir stehen nach wie vor am Anfang eines neuen Jahrtausends. Mit den Ereignissen von 1989 sind wir in ein Loch gefallen. Konzeptlosigkeit steht an der Tagesordnung! Man nehme nur die aktuelle Völkerwanderung, den IS-Terror oder die Deflationsproblematik. Viel Wallung – dauerhafte Konzepte haben wir nicht. Eigentlich wird nur repariert und improvisiert. Zum Beispiel ist sicher, dass an den mit Stacheldraht geschlossenen Grenzen mittelfristig keine weinenden Kinder mehr, sondern Panzer stehen werden. Sind wir darauf gefasst? Nein! Wir neigen zu Panikreaktionen, anstatt die Ursachen der Probleme anzupacken.

Utopien können unsere Probleme nicht lösen. Aber die Gesellschaft – sie ist anpassungsfähig – sie kann das.

Zur Zeit ist unsere Gesellschaft aber bequem geworden. Der Staat soll´s richten … Das ist nicht gut!

26. April 1986: Tschernobyl, der GAU! Vollends für die menschliche Nutzung aufgegeben wurden rund 6400 km² an landwirtschaftlicher Fläche und Waldgebieten, die nahe dem Kraftwerk gelegen sind.

11. März 2011: Fukushima, weiterer GAU! Japan hat Menschen in einem Umkreis von 20 Kilometern um die AKWs evakuiert. Dieser Radius dürfte jedoch nicht ausreichen. Für Tschernobyl gilt: Auch Menschen in mehr als 1.000 Kilometern Entfernung waren von den Folgen des Atomunglücks betroffen. Von Zehntausenden von Litern radioaktiv verseuchten Kühlwassers, das in den Pazifik geleitet wurde, ganz zu schweigen.

Aber auch in Frankreich gibt es seit 100 Jahren No-Go-Areas, die roten Zonen. Millionen Granaten und Munitionsreste aus dem Ersten Weltkrieg stecken dort immer noch in der Erde, viele Gebiete sind chemisch verseucht. Betreten kann tödlich enden!

Giftgasgranaten, Knochen, Munition und Minen stecken in einem 10.000 Hektar großen Gebiet im Nordosten Frankreichs bis heute in der Erde. Das ist die sogenannte rote Zone, seit über 100 Jahren eine „No-Go-Area“. Dort dürfen keine Menschen wohnen, Landwirtschaft ist verboten.

Es ist zu gefährlich – Millionen von Granaten wurden dort verschossen. Ein Fünftel von ihnen, rund 20 Millionen, explodierte nicht, die Reste befinden sich zum Teil noch tief in der Erde.

Das Gebiet war eine der Hauptkampfzonen des Ersten Weltkriegs. Aber die unentdeckten Bomben, Waffen und Munitionsreste sind nicht das einzige Problem: Unzählige Granaten enthielten Giftgas. Die chemischen Stoffe sickerten in den Boden. Kupfer, Eisen, Blei, Quecksilber, Zink, Arsen und andere Chemikalien und Schwermetalle verseuchen die Natur bis heute.

Allein 200.000 nicht explodierter Granaten enthielten chemische Kampfstoffe. Doch bei der Entsorgung nahm man es nicht so genau. 2004 untersuchten Wissenschaftler den Boden der Lichtung, den die Bevölkerung „Gas-Platz“ nennt.

Immer wieder werden Überreste von Soldaten gefunden, Knochen oder Helme und Uniformteile. 2013 wurden durch heftige Regenfälle die Gebeine von 26 französischen Soldaten freigelegt.

Die verbotene Zone war schon mal größer. Direkt nach dem Ende des Ersten Weltkriegs umfasste sie 179.000 Hektar, war also fast 18-mal so groß wie heute. Nach und nach wurde immer mehr Land wieder freigegeben, 1927 war die rote Zone noch 49.000 Hektar groß.

In der roten Zone lag die Westfront, hier fanden einige der blutigsten Schlachten der Weltgeschichte statt, unter anderem die bei Verdun. In dem brutalen Stellungskrieg standen sich zwischen dem 21. Februar und dem 19. Dezember 1916 französische und deutsche Truppen gegenüber.

In den 300 Tagen der Schlacht starben 300.000 Soldaten – 80.000 nicht identifiziert. Weitere 400.000 wurden verletzt. Letztlich verschob sich die Front immer nur um wenige Kilometer – mal hin, mal her.

Allein in Verdun sollen 60 Millionen Granaten verschossen worden sein. Umgerechnet sind das 150 je Quadratmeter des Schlachtfeldes.

Die Landschaft wurde zerstört, Dörfer dem Erdboden gleichgemacht, Bäume entwurzelt, die Erde für die Schützengräben und Stellungen umgepflügt, Straßen und Eisenbahnstrecken zerstört.

Nach dem Krieg wurden die Kriegsorte im Nordosten des Landes in drei Zonen aufgeteilt: eine rote „Verbotene Zone“, sowie eine gelbe und eine blaue mit schweren, aber nicht ganz so katastrophalen Zerstörungen. Die rote Zone galt unter Experten als „komplett verwüstet“ und „unmöglich zu säubern“.

Der französische Staat kaufte einen Großteil der betroffenen Gebiete und pflanzte Wälder, ohne sich um die chemische Verseuchung und die Umweltfolgen zu kümmern. So entstand etwa der Foret de Guerre bei Champagne. Die Wälder überließ man sich selbst.

Dörfer wie Fleury-devant-Douaumont hat man nicht wieder aufgebaut, heute existieren nur noch ein paar Steinhaufen – eine Postleitzahl erinnert an das Grauen.

Betroffen ist auch die Tierwelt: In den Lebern von Wildschweinen stellten Wissenschaftler zu hohe Bleiwerte fest. Nur zwei Pflanzenarten wachsen vor Ort: Flechten und Moose. Bis 2005 wurde in der Gegend noch gejagt. Das Betreten der Umgebung des „Gas-Platzes“ ist erst seit 2012 verboten.

Aus den Giftgasgranaten in der Erde setzen sich nach und nach chemische Stoffe ins Erdreich und im Wasser ab. Es wird zehntausend Jahre dauern, bis sich jene neutralisiert haben.

Die Aufräumarbeiten werden Jahrhunderte dauern, heißt es von Expertenseite. Manche gehen von 900 Jahren aus.

Man muss vor Ort mit alledem leben – morbider Alltag für die Menschen in einer mörderisch verwundeten Landschaft.

Sie betört Experten und Laien weltweit. Ein Kunsthistoriker behauptet, dass der Liebhaber von Leonardo da Vinci als Vorlage für das Bildnis der Mona Lisa gedient habe. Neu ist diese Behauptung nicht. Es geistern die skurrilsten Verschwörungstheorien um das berühmte Meisterwerk.

Eine Theorie besagt: Mona Lisas berühmtes Lächeln stammt nicht von einer Frau, sondern von da Vincis Liebhaber Gian Giacomo Caprotti, seinem Lehrling. Ein Kunsthistoriker glaubt, dass das Bildnis eine Verschmelzung von zwei Personen darstellt. Einerseits soll da Vinci sich Lisa Gherardini, die florentinische Ehefrau eines reichen Kaufmanns, zum Vorbild genommen haben und andererseits seinen Liebhaber. Vor allem das Lächeln, ist Vinceti überzeugt, stammt nicht von der Frau. „Mona Lisa ist androgyn – halb Mann, halb Frau“, sagt der Kunsthistoriker gegenüber der Zeitung The Telegraph.

Die Theorie von Vinceti stützt sich auf eine neue Infrarot-Untersuchung des Gemäldes. Seine Behauptung stößt bei einem der weltweit führenden Leonardo da Vinci-Experten allerdings auf Skepsis: „Das ist ein Mischmasch aus Wissen, Halb-Wissen und kompletter Fantasie“, sagt Martin Kemp, emeritierter Kunstgeschichtsprofessor am Trinity College/Oxford, gegenüber der Zeitung.

Eine weitere Ansicht sieht das Geheimnis der Mona Lisa nicht in ihrem Lächeln, sondern in ihren Augen. Er will den Buchstaben S in ihrem linken Auge, ein L in ihrem rechten Auge und die Zahl 72 unter der Brücke im Hintergrund entdeckt haben. Der Forscher sieht damit neue Wege zur Identifizierung des Modells. Außerdem zeigten die Symbole, dass Leonardo da Vinci an Religion und Mystik interessiert gewesen sei.

Mit bloßem Auge sind die Symbole nicht zu erkennen. Sie sind sehr klein und mit einem feinen Pinsel aufgetragen worden.

Oder hat die Mona Lisa eine Doppelgängerin? Die „Isleworth Mona Lisa“ stammt laut wissenschaftlichen Tests tatsächlich aus der Hand Leonardo da Vincis, wie die Mona Lisa Foundation herausfand. Es ist eine frühere Version der bekannten Mona Lisa.

Die Analysen wurden unter anderem an der ETH Zürich vorgenommen. Die Diskussion um die Echtheit der „Ur-Mona-Lisa“ war aufgeflammt, als man das Bild in Genf präsentierte. Die Mona Lisa aus dem Pariser Louvre und die „Isleworth Mona Lisa“ sind nicht identisch. Es gibt einige Unterschiede. Laut der Stiftung saß aber offenbar die gleiche Frau Modell – im Abstand von zehn Jahren.

Oder war Mona Lisa eine Chinesin? Eventuell eine chinesische Sklavin – und die Mutter von Leonardo da Vinci? Mit dieser kühnen These hat ein italienischer Historiker vor allem bei chinesischen Internet-Nutzern ein gewaltiges Echo hervorgerufen. Einträge im Sozialnetzwerk Weibo, auf denen Mona Lisa die erstaunlichsten Metamorphosen durchmachte, wurde Millionen Mal angeschaut.

Im Hintergrund von Mona Lisa ist eine chinesische Landschaft zu sehen, und sogar ihr Gesicht sieht chinesisch aus. Auch Sigmund Freud war überzeugt, Leonardo habe sich für sein weltberühmtes Gemälde von seiner Mutter inspirieren lassen.

Sowohl um Leonardos Mutter Catarina als auch um das Modell der Mona Lisa ranken sich viele Gerüchte. Ein wohlhabender Kunde von Leonardos Vater hatte eine Sklavin namens Catarina. Nach 1452, dem Geburtsjahr Leonardos, verschwand sie aus den Dokumenten. Von diesem Hinweis auf eine chinesische Herkunft Catarinas zu schließen … – die Beweislage ist eher dünn!

Lächelt die Mona Lisa? Man weiß es nicht! Die Erklärungsversuche sind vielfältig. Jahrhundertelang wollte man mit ernstem Gesicht porträtiert werden. Warum also lächelt die Mona Lisa? Lächelt sie überhaupt? Es gibt ungezählte Theorien: Die Dargestellte litt an Zahnausfall beziehungsweise an einer Gesichtslähmung. Oder: Sie lächelt gar nicht – alles nur eine optische Täuschung. Die vielleicht schönste Theorie: Als das Bild entstand, war Mona Lisa – die in Wirklichkeit ganz anders hieß – schon tot. Um ihren kleinen Sohn zu trösten, ließ der Vater ein Bild von Mama anfertigen – zufrieden lächelnd. Für immer …

Das fünfhundert Jahre alte Ölbild „lebt“, es verändert sich und bekommt Falten.

Das passiert selbst einer Mona Lisa!