Vor wenigen Monaten feierte Deutschland den fünfundzwanzigsten Jahrestag der Wiedervereinigung, währenddessen in Zeitungen und Fernsehen an den Fall der Berliner Mauer erinnert wurde. Nebenbei wuchs in der Bevölkerung die Angst vor den Flüchtlingsströmen. In Ungarn wurden Grenzbarrieren errichtet, fatale Assoziationen mit dem Eisernen Vorhang. Gegen alle Argumente der historiografischen Migrationsforschung werden neue Mauern und verschärfte Grenzkontrollen reklamiert. Dabei wird auf den Grenzzaun zwischen Mexiko und den USA, die „Tortilla Wall“, verwiesen, den mit Nato-Draht bewehrten Zaun an der Grenze zwischen Spanien und Marokko oder auf die 759 Kilometer langen Sperranlagen zwischen Israel und dem Westjordanland. Eine Wiederkehr der Mauern, mehr als ein Vierteljahrhundert nach ihrer erfolgreichen Schleifung?

Ohne Wasser keine Stadt! Vermutlich waren die legendären Mauern von Jericho – aus dem achten vorchristlichen Jahrtausend – gar keine Wehrmauern gegen kriegerische Nomaden, sondern Schutzwälle vor Überschwemmungen, die zugleich, wie am Nil, erwünscht waren. Schwemmland ist fruchtbarer Boden. Diese Vermutung zwingt sich bei Betrachtung der Mauern auf: Diese Mauern haben nach außen angelegte Treppen. Auch der 1952 freigelegte Rundturm von Jericho, über acht Meter hoch und mit einem Basisdurchmesser von ebenfalls über acht Metern, diente wohl nicht als Wachturm gegen Nomadenstämme, die mit Hörnerklängen den Einsturz der Stadtmauern bewirkt haben wollten (Josua 6, 1–25), sondern einerseits als Schutz gegen Fluten, andererseits vielleicht auch als Anzeige des Sommerbeginns, wie Archäologen der Universität Tel Aviv jüngst herausfanden. Der Schatten eines benachbarten Gipfels fällt nämlich just zur Sommersonnenwende auf den Turm.

Die ältesten Wehrmauern stammen aus dem sechsten vorchristlichen Jahrtausend. Besonders imposant waren die Stadtmauern von Uruk, errichtet im ersten Viertel des dritten Jahrtausends: Die Anlage der Mauern – mit etwa neunhundert halbkreisförmigen Türmen – erreichte eine Länge von nahezu zehn Kilometern. Zu den Weltwundern des Altertums zählten auch die Mauern Babylons, die in der Regierungszeit Nebukadnezars um 600 v. Chr. durch einen zweiten Wall ergänzt wurden. Seither wurden immer wieder Doppelmauern errichtet: Sie trennten die Funktionen der Inklusion und der Exklusion, als wollten sie der Maxime architektonische Gestalt verleihen, dass mit Feinden nicht einmal Grenzen geteilt werden dürfen.

Doppelmauern erzeugten „Niemandsländer“, Zonen zwischen den Befestigungsanlagen, die im römischen Recht als „terra nullius“ bezeichnet wurden. Auch die Berliner Mauer war eine Doppelmauer: das Niemandsland zwischen beiden Mauern hieß „Todesstreifen“.

Die Erfindung der Stadtmauern wurde, im Gilgamesch-Epos, als eine bedeutende Innovation gepriesen. Denn gewöhnlich hatten es die Angreifer schwerer als die Verteidiger. Sie mussten ihre Versorgung logistisch organisieren, durch Nachschub oder Plünderungen, während die Stadtbevölkerung gefüllte Vorratsspeicher nutzen konnte. Die Fähigkeit, Hunger zu ertragen, entschied über Sieg oder Niederlage. Auch musste das Heerlager der Angreifer befestigt werden. Im siebenten Gesang der homerischen Ilias wird erzählt, wie die Griechen eine Mauer mit Türmen und Gräben um ihre Schiffe und Zelte errichteten, als sie schon zehn Jahre vor der uneinnehmbaren Stadt lagen, die zuletzt nur durch List erobert werden konnte. Vermutlich wurden nicht wenige Belagerungen abgebrochen. Und schlussendlich manifestierte sich der Zorn der erfolgreichen Angreifer in grausamen Massakern, was den langen Belagerungszeiten entsprang.

Die ersten Mauern, die nicht der Verteidigung, sondern der Evakuierung einer belagerten Stadt dienen sollten, ließen übrigens Themistokles und Perikles während des Peloponnesischen Bürgerkriegs errichten: Auf einer Strecke von fünf Kilometern verbanden die langen Mauern die Stadt Athen mit dem Hafen in Piräus.

Die Frage stellt sich, ob wir in unserer Zeit neue Mauern brauchen. Eigentlich nicht! Würde wir das Recht der Menschen auf Heimat respektieren, wäre niemand gehalten, zu flüchten. Offene Türen und Grenzen lassen uns uns frei bewegen. Wer kommt, geht wieder; und: nur wer geht, kann wieder kommen!

 

Wer kennt ihn noch, den Brockhaus? Schwer, klobig und tonangebend, was das Nachschlagen von Wissen angeht. Selbst die Bundesgerichte, wie der Bundesgerichtshof, benutzen ihn, wenn es um Definitionen geht. Heute spricht man von WIKIPEDIA!

Die Online-Enzyklopädie ist das Highlight der Internetwelt.

Die schweren Nachschlagewerke wirken wie aus einer anderen Zeit. Die alten Schwarten, gerade wie der Brockhaus, stehen dutzendfach als dicke Bände im Regal des Berliner Deutschland-Büros von Wikimedia, dem Verein hinter Wikipedia.

Schließlich ist die Online-Enzyklopädie nicht unbeteiligt daran, dass traditionelle Lexika heute kaum mehr eine Rolle spielen. Das digitale Nachschlagewerk steht 15 Jahre nach seiner Gründung immer noch vor Herausforderungen.

Am 15. Januar 2001 rief der US-Amerikaner Jimmy Wales gemeinsam mit dem Programmierer Larry Sanger Wikipedia als Folgeprojekt seines Vorgängers Nupedia ins Leben. Die Vision lautete damals wie heute ganz unbescheiden: das gesammelte Wissen der Menschheit jedem frei zugänglich machen. Die Besonderheit war die Wiki-Software: Ein frei verfügbares System, mit dem jeder Nutzer ganz einfach Websites anlegen und bearbeiten kann.

Einen Monat später standen 600 Artikel online, nach einem Jahr waren es schon 20.000. Die Gründer hatten sich mittlerweile überworfen, Sanger zog sich aus dem Projekt zurück. Inzwischen gibt es mehr als 37 Millionen Beiträge in knapp 300 Sprachen, verfasst von unzähligen Freiwilligen. Kurz nach der englischen Version, im März 2001, ging auch die deutschsprachige Wikipedia an den Start. Allein sie wird eine Milliarde Mal im Monat aufgerufen.

Mit rund 1,9 Millionen Artikeln steht sie auf Platz drei – nach der englischen und der schwedischen Ausgabe. Die Deutschen haben traditionell ein Interesse an Enzyklopädien.

Nach wie vor kommt Wikipedia ganz ohne Werbung aus, was laut Wales auch so bleiben soll. Die Plattform trägt sich alleine durch Spenden – und das ziemlich gut. Bei der jüngsten Spendenaktion der Wikimedia Deutschland kamen Ende vergangenen Jahres 8,6 Millionen Euro zusammen.

Aber auch bei Wikipedia kommt es zu Problemen, die nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Eine sinkende Zahl der Schreiber, eine überholte Technik, ein harscher Ton in der Community oder der niedrige Frauenanteil, um einige Beispiele zu nennen.

„Der Pioniergeist der Anfangszeit ist verschwunden“, sagt Martin Haase, selbst lange Jahre als Autor auf Wikipedia aktiv. Der Romanistikprofessor der Universität Bamberg veröffentlichte auch mehrere wissenschaftliche Arbeiten über die Online-Enzyklopädie. Ihre Qualität sei ziemlich gut. „Da meist viele Augen auf die Artikel schauen, gerade bei strittigen Fragen, kann man schon von einer hohen Verlässlichkeit ausgehen.“ Dass die Wikipedia-Idee gut funktioniere, zeige sich in den enormen Nutzerzahlen.

Die renommierten Lexika hat Wikipedia längst hinter sich gelassen. Nach 244 Jahren gab der Verlag der Britannica 2012 bekannt, dass die Enzyklopädie nur noch digital erscheint. Zwei Jahre später zog der Brockhaus – hierzulande 200 Jahre lang als Nachschlagewerk tonangebend – nach. Die Welt ändert sich, die Technologie schreitet voran. Auch die Ansichten in Sachen Bildung haben sich geändert: Man muss heute nicht mehr alles wissen, sondern nur, wo man es nachschlägt.

Um zukunftsfähig zu bleiben, muss sich Wikipedia fortlaufend der sprunghaften Entwicklung der Technik anpassen. Derzeit geht es um die wachsende mobile Nutzung, Wikipedia muss globaler werden. Kritiker bemängeln eine Einseitigkeit, da die meisten Artikel in der westlichen Welt verfasst würden.

Dank der besseren technischen Ausstattung können sich immer mehr Menschen in der Dritten Welt vernetzen. Wir sind in einer Phase, in der die Zahl der Internetnutzer in den Entwicklungsländern explodiert, womit die Nutzung von Wikipedia und die Mitwirkung in den jeweiligen Sprachen sich exponentiell erweitert. Weiter so!

Auf die nächsten hundert Jahre!

www.happy-birthday.de

 

 

Die Feuilletons beschäftigen sich ebenfalls mit den Übergriffen auf Frauen in der Sylvesternacht. In der FAZ mahnt Kristina Schröder die Auseinandersetzung mit „gewaltlegitimierenden Männlichkeitsnormen in muslimischer Kultur“ an. Die TAZ meint dagegen, man solle nicht in erster Linie nach der Herkunft der Täter fragen.

Nach allem, was man bisher weiß, hat eine Gruppe von Kriminellen die chaotische Situation vor dem Hauptbahnhof ausgenutzt, um sich unbehelligt über Dutzende von Opfern herzumachen. Es war offensichtlich eine große Gruppe oder viele kleinere Gruppen, die sich in Köln – und wie wir wissen, auch in Stuttgart und Hamburg – in der Sylvesternacht benommen haben wie Primaten, die jeder Zivilisation eine Absage erteilen.

„Ist das ein Beweis für die ‚Maskulinisierung des öffentlichen Raums‘, die angeblich durch die vielen männlichen Flüchtlinge drohe, die nach Deutschland kommen? Die Polizei beeilte sich in ihren ersten Stellungnahmen, solchen Vorurteilen den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem sie betonte, bei den Tätern habe es sich nicht um Flüchtlinge gehandelt, sondern um polizeibekannte Intensivtäter, die in dieser Nacht offenbar gezielt und als Gruppe aufgetreten seien.“, weiß die TAZ zu berichten.

Warum polizeibekannte „Intensivtäter“ frei herumlaufen und weitere schwere Straftaten begehen können, werden uns Politik und Polizei in den nächsten Tagen sicher noch erklären.

Fakt ist nach dem bisherigen Erkenntnisstand, dass sich in Köln Primaten ausgetobt haben – Inländer und solche mit Migrationshintergrund!

„Sie wurden lange tabuisiert, aber wir müssen uns mit gewaltlegitimierenden Männlichkeitsnormen in muslimischer Kultur auseinandersetzen.“

Die FAZ zitiert Kristina Schröder, die ehemalige Bundesfamilienministerin von der CDU.

„Angst ist tief in der menschlichen Existenz verankert, seit Urzeiten sendet sie Warnsignale und erlaubt, einmal überwunden, Entwicklungssprünge.“

Das steht ebenfalls in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN – aber in einem Artikel, der sich dem „Weg in den Angststaat“ gewidmet hat. „Wo unkalkulierbare Gefahren kulminieren, macht sich eine Politik der Angst breit“, schreibt Claus Leggewie:

„Zum Weihnachtsfest wurden in den Vereinigten Staaten so viele Waffen verkauft wie nie zuvor, auch in Sachsen soll das Bedürfnis nach bewaffneter Selbstverteidigung rasant gewachsen sein. Und das, obwohl das Leben auf den Wohlstandsinseln noch nie so sicher war wie heute.“

Die Frauen vom Kölner Hauptbahnhof werden das wohl etwas anders sehen. Es gilt sich mit Aspekten der Inneren Sicherheit und Ordnung zu beschäftigen. Greift erst einmal die „German Angst“ um sich, ist es für vieles wieder einmal zu spät.

Populisten jeglicher Couleur werden den Islamistenterror und die jetzigen Übergriffe wieder einmal zu ihren Zwecken fruchtbar zu machen wissen. Allgemeinplätzchen und markige Worte werden uns dann in dem lauen Sicherheitsgefühl wiegen, der starke Staat sei ja präsent.

Die CDU-Vizevorsitzende Julia Klöckner warnt angesichts der Übergriffe in Köln vor falscher Toleranz im Umgang mit sexueller Gewalt. „Frauenfeindliches Verhalten bleibt frauenfeindliches Verhalten, da ist es mir egal, vom wem es ausgeübt wird“, sagte Klöckner im Interview der WELT. „Da darf auch keine Multikulti-Brille den Blick trüben, nicht bei Übergriffen und nicht bei Vollverschleierung“, so Klöckner.

Man brauche eine stärkere Auseinandersetzung mit muslimischen Männlichkeitsnormen: „Es geht nicht nur um die Legitimierung von Gewalt, sondern um ein oft insgesamt rückwärtsgewandtes, patriachialisches Rollenverständnis, das im Widerspruch zu unserer modernen, liberalen und aufgeklärten Gesellschaft steht.“

Zusammengefasst sei gesagt:

  • In Köln wurden nicht Straftaten durch AUSLÄNDER begangen, sondern STRAFTATEN. Die Täter sind zu bestrafen, unabhängig von ihrer Herkunft.
  • Täter mit Migrationshintergrund dürfen aus „Multikulti-Aspekten“ nicht bevorzugt werden; zugleich müssen wir uns im Klaren sein, dass es auch inländische Täter gibt.
  • Köln hat kein Ausländer-, sondern ein Polizeiproblem. Der Tatort ist voller Kameras. Die Behörden sind offensichtlich nicht willens und/oder in der Lage, die zur Verfügung stehenden Mittel auszuschöpfen. Bösartig formuliert: einen Lehramtsanwärter auf einer kommunistischen Demonstration hätte man schneller identifiziert. Für alle, die jetzt laut aufschreien sei an die Hooligan-Krawalle in Köln Ende Oktober 2014 erinnert.

Tragen wir den klassischen Journalismus demnächst zu Grabe?

Das Unternehmen Aexea ist eines von dreien in Deutschland, das Software für computergenerierte Texte anbietet, in elf Sprachen. Aexeas Slogan lautet: „Let us do the writing for you“. Das klingt, als sei Schreiben nur eine lästige Fingerübung, die man Maschinen überlassen kann.

Wenn es um Maschinen als Arbeitskraft geht, ist der Mensch zunächst misstrauisch. Als Antwort auf die Industrialisierung drehte Charlie Chaplin 1936 den Film Moderne Zeiten. Darin lässt er sich an eine Maschine anschließen, die ihn, um Zeit zu sparen, während der Arbeit mit Essen füttert. Am Ende dreht die Maschine durch, und Chaplin wird vom Räderwerk verschluckt. Skepsis gibt es auch heute: Artikel, die in letzter Zeit zum Thema computergenerierte Texte erschienen sind, tragen Überschriften wie „Nehmen Roboter allen Journalisten den Job weg?“ oder „Dieser Text ist selbst gemacht“. Das klingt nach Angst und Trotz.

Die Grundthese lautet: Menschen, die arbeiten, machen Fehler. Automatisierung steigert die Qualität! Ein Beispiel aus dem Wetterbericht einer Regionalzeitung. „In der Nacht scheint nur selten die Sonne.“ Einer Maschine wäre das wohl nicht passiert, die Fehlerquote heutiger Software soll unter 0,1 Prozent liegen.

Wenn von Textautomatisierung die Rede ist, fällt oft das Wort Roboterjournalismus. Das ist falsch, da keine Roboter herumsitzen und tippen. Doch der Mensch braucht dieses Bild, weil er nicht begreifen kann, dass man nicht mehr Verstand und Hände benötigt, um etwas aufzuschreiben.

„Dieser Text wurde durch einen Algorithmus verfasst“, stand am 17. März 2014 unter einer Meldung auf der Webseite der LA Times. Am frühen Morgen hatte die Erde unter Los Angeles gebebt, die Nachricht darüber war wenige Minuten später zu lesen – geschrieben von einer Software. Quakebot heißt der Algorithmus, ein Digital-Redakteur der Zeitung hat ihn programmiert.

Auch andere Medien nutzen Algorithmen, um Texte zu generieren. Die amerikanische Nachrichtenagentur AP zum Beispiel, auch forbes.com oder die Berliner Morgenpost bei der Meldung über aktuelle Feinstaubwerte in der Hauptstadt.

Der Grund für das Robottexting ist ein wirtschaftlicher. Wenn die Konkurrenten Texte billiger anbieten, bleiben – wie in der Industrie – nur Fließband-Produktion und Automatisierung.

Umfangreiche Datensätze liegen beispielsweise zum Sport vor, vor allem zum Fußball, weil der Deutsche Fußballbund die Vereine verpflichtet, bis spätestens 60 Minuten nach einem Spiel Zahlen zu übermitteln: zu Zuschauern, Spielern, Toren und Torminuten, Roten und Gelben Karten. Damit der Computer aus diesen Zahlen einen Text formulieren kann, muss er sie lesen können – er muss Regeln lernen. Diese Regeln bringt ihm der Mensch bei.

Der Computer lernt zum Beispiel, dass ein 1 : 0 im Fußball ein normales Ergebnis ist, ein 8 : 0 dagegen ein außergewöhnliches. Dass man bei einem 1 : 0 von „besiegen“ sprechen kann, bei einem 8 : 0 von „vernichten“. Der Computer kann auch Wetterberichte mit einem Ergebnis kombinieren, Regen und ein 8 : 0 zum Beispiel ergeben, dass das Spiel eine „Regenschlacht“ war. Die Software kann sogar selbst lernen.

Große Datensätze gibt es auch zu Finanzen, Wetter und Tourismus. Bei Reiseberichten beispielsweise – jene inklusive Empfehlung für Restaurants und Spezialitäten aus der lokalen Küche vor Ort – lieferte der Computer anfangs 1.500 Texte in einer Nacht, wenig später schon mehr als 7.000, inzwischen sind es bis zu 90 Millionen pro Tag – Nachrichten zu Wetter, Sport und über Prominente zum Beispiel oder Texte für E-Commerce-Anbieter. Einen handgeschriebenen Text kann man heute nicht mehr von einem computergenerierten unterscheiden.

Laut einer Studie der Ludwig-Maximilians-Universität in München wurden knapp tausend Probanden Nachrichten aus den Bereichen Sport und Finanzen vorgelegt, die entweder Computer oder Menschen geschrieben hatten. Das Ergebnis: Die Leser machten kaum einen Unterschied aus. Höchstens: Computergenerierte Texte wurden als sachlicher und glaubwürdiger empfunden, Texte von Journalistenhand hingegen seien angenehmer zu lesen.

Was Journalismus unserer Zeit ausmacht, wie er (wieder) mehr Geld verdienen kann und ob er überhaupt überlebt, sind für die Branche existenzielle Fragen. In Onlineredaktionen sitzen Journalisten, die mit der hohen Nachrichten-Schlagzahl mithalten müssen, weil News alles sind. Ob sie gute oder schlechte Arbeit leisten, bewerten ihre Chefs vor allem anhand der Klicks. Man wird an Charlie Chaplins Moderne Zeiten erinnert.

Man kann aber auch einen Schritt weiter gehen und überlegen, wie Algorithmen die Arbeit des Menschen in Zukunft erleichtern und sie besser machen können – auch im Journalismus.

 

 

 

 

Handy ist schon lange nicht mehr. Wir alle kennen das Smartphone als täglichen Begleiter.

Die Hersteller von Smartphones drängen in neue Märkte. Zudem dürften die Preise weiter unter Druck geraten. Der Vormarsch der Smartwatch stellt die Unternehmen vor zusätzliche Herausforderungen.

Die Marke Nokia zeigt, wie schnell es in der Technologiebranche abwärtsgehen kann. Kurz nach der Jahrtausendwende dominierte das finnische Unternehmen den Markt für Mobiltelefone. Steve Jobs´ Produkt-Lancierung markierte dann 2007 die Wende:

Apple läutete mit dem iPhone das Zeitalter der Smartphones ein. Nokia verlor stetig an Marktanteilen, wurde schließlich von Microsoft gekauft und hat den Anschluss bis heute nicht mehr gefunden.

Die Platzhirsche am Markt für Mobiltelefone sind heute Samsung und Apple. Wie bei Nokia ist der weitere Erfolg der heutigen Marktführer allerdings keineswegs garantiert. Die wichtigsten Absatzmärkte verschieben sich seit einigen Jahren.

So werden immer mehr Smartphones in Schwellenländern verkauft. Das Marktforschungs-unternehmen Strategy Analytics prognostiziert, dass dieses Jahr Indien und Indonesien im Fokus stehen werden. So sollen 2016 rund 13% aller Smartphones in die beiden asiatischen Länder ausgeliefert werden. Aufgrund von Anzeichen einer Marktsättigung in China werden auch zunehmend Produktionskapazitäten von dort in die aufstrebenden Märkte verlagert werden.

Während Smartphones weltweit zu Alltagsgegenständen werden, steigt der Druck auf deren Preise. Seit Jahren werden die Geräte immer billiger. Laut dem Beratungsunternehmen IDC sollen die Preise bis 2019 jedes Jahr um über 4,5% sinken; ein Smartphone werde dann im weltweiten Durchschnitt nur noch rund 236 US-Dollar kosten.

Von der derzeitigen Entwicklung scheint besonders Huawei profitieren zu können. Der chinesische Smartphone-Hersteller hat seinen Marktanteil in einem noch immer wachsenden Markt jüngst stark ausgebaut – ein Jahr zuvor ist eine solche Expansion Xiaomi gelungen. Apple hält sich derweil stabil, und Samsung muss kämpfen, auch wenn der Rückgang etwas gebremst werden konnte.

Nicht nur geografische Gewichtsverschiebungen machen derzeit Strategie-Anpassungen bei den Unternehmen notwendig. Wie sich die Marktanteile bei den Smartphones entwickeln werden, dürfte künftig auch maßgeblich von den Smartwatches bestimmt werden. Die beiden mobilen Geräte sind schließlich klassische Komplementärgüter, will heißen, der Verkauf des einen Produkts wirkt sich positiv auf den Absatz des anderen aus, weil sich die Produkte in ihrem Nutzen ergänzen.

Der neue Markt für intelligente Uhren wird sich rasant entwickeln. Laut IDC dürften 2019 rund 85 Mio. Smartwatches ausgeliefert werden – 2015 sollen es gerade einmal knapp 24 Mio. gewesen sein. Dabei hat Apple derzeit die Nase vorn. Analytiker von IDC schätzen, dass über 58% aller intelligenten Uhren mit dem Betriebssystem der Kalifornier laufen. Die Android-Konkurrenz komme auf gut 17%.

Die Smartwatches dürften in ihrem Vormarsch der Schweizer Uhrenindustrie zunehmend Sorgen-falten bereiten. Auch eine deutlich jüngere Industrie fürchtet um ihr Einkommen: In den vergangenen Jahren haben sich verschiedene Hersteller von mobilen Fitness-Messgeräten etabliert. Für sie könnte die derzeitige Entwicklung rasch existenzbedrohend werden. Die ausgefeilten Uhren können vieles, was die günstigeren Fitness-Armbänder auch können. Kunden dürften sich daher vermehrt gegen zusätzliche Geräte entscheiden und einer Smartwatch den Vorzug geben. Egal, ob man Uhrenhersteller im Jura ist oder tätig in einem rasch gewachsenen Technologie-Startup in Resteuropa: Wollen Unternehmer dem Schicksal von Nokia entkommen, werden sie Schritt halten müssen.

 

Futtern für den Frieden? Heute gehört im Autoradio: die Gewalt eskaliert wieder zwischen Arabern und Israelis. Ein Auto fährt in eine Menschenmasse, eine heimtückische Messerattacke und so weiter. Viele der jungen jüdischen und arabischen Israelis haben die Schnauze voll. Es soll jetzt anders werden!

„Sharing is caring“, lautet ein Slogan. Getreu diesem Motto leistet ein Restaurant in Israel seinen ganz persönlichen Beitrag zum Weltfrieden. Das Lokal in der Nähe der Küstenstadt Netanya bietet Arabern und Juden einen Rabatt von 50 Prozent, wenn sie sich gemeinsam an einen Tisch setzen.

„Angst vor Arabern? Angst vor Juden?“. Mit diesem Slogan in hebräischer Sprache wirbt die Humus-Bar auf Facebook für seine Aktion. „Bei uns gibt es keine Araber! Bei uns gibt es keine Juden…Bei uns gibt es Menschen! Und wirklich guten arabischen Hummus! Und großartige jüdische Falafel! Und kostenlosen Nachschlag auf jeden Hummus, egal ob du Araber, Jude, Christ, Indianer, etc. bist.“

Die Aktion ist keine zwei Wochen alt und findet schon großen Anklang. Restaurant-Manager Kobi Tzafrir erzählt der Times of Israel, dass er und sein Personal seitdem schon mehrere Tische mit Arabern und Juden bedient hätten. Die Kampagne sei eine Reaktion auf die wachsende Intoleranz beider Religionen und ein kleiner Schritt, die Menschen wieder zusammenzubringen.

Die Initiative würde von sämtlichen Religionen gut angenommen, so Tzafrir. Die Gerichte sind alle koscher und halal, unterliegen also sowohl den jüdischen als auch den islamischen Speisegesetzen, sodass Juden und Araber sie sich problemlos teilen können. „Wenn es irgendetwas gibt, was diese Menschen zusammenbringen kann, dann ist es Hummus“, meint Tzafrir.

Weil das Restaurant auf seine Aktion soviel positives Feedback erhalten hat, postete es jetzt einen Aufruf für alle Hummus-Lokale weltweit, sich daran zu beteiligen und das gleiche auch bei sich anzubieten.

Seit mehr als drei Wochen eskaliert die Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern. Als ein Auslöser der neuen Gewalt gilt ein Streit um die Nutzungsrechte des Tempelbergs in Jerusalem, der Muslimen und Juden heilig ist. Israel streitet palästinensische Vorwürfe ab, es wolle mehr Kontrolle über die drittheiligste Stätte des Islams erlangen. Nach der derzeitigen Regelung dürfen Juden – wie andere nichtmuslimische Besucher – den Tempelberg zwar zu bestimmten Zeiten besichtigen, aber dort nicht beten.

Also Essen für den Frieden? Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Liebe muss es ja nicht gleich sein. Aber wenn es dem kleinen Imbiss gelingt, zumindest den Hass bei der Jugend abzubauen, dann hat das Projekt und eine Generation der Gegend Zukunft. Was will man mehr?!

Der Initiator möchte jetzt über Crowdfunding seine Rabatte finanzieren. Wer möchte investieren? Großartige Zinsen oder Renditen wird es wohl nicht geben. Aber man kann nicht alles in Geld messen.

Für uns Menschen ist Frieden unbezahlbar; und ich glaube, das lohnt die Unterstützung dieser Idee.

Guten Appetit!

 

In der Kunstwelt gibt es in letzter Zeit eine beachtliche Zahl neuer Erkenntnisse. Das gilt insbesondere für Leonardo da Vinci. Wissenschaftler hatten mithilfe der sogenannten Strahlendiagnostik festgestellt, dass unter einem seiner berühmtesten Gemälde, der Londoner Felsgrottenmadonna, der eigenhändige Entwurf für ein ganz anderes religiöses Gemälde schlummert. Und dank derselben Technik verspricht nun eine neue wissenschaftliche Untersuchung auch das ewige Geheimnis der still lächelnden Mona Lisa zu lösen. Die These: Unter dem bekanntesten Frauenbildnis der Welt verberge sich ein anderes Porträt. Die Mona Lisa hat eventuell ein zweites Gesicht.

Spektakuläre Erkenntnisse – deswegen nicht unseriös – sind häufig das Resultat strahlendiagnostischer Analysen, beispielsweise der Infrarotreflektografie. Sie ist in den letzten Jahren stetig verbessert worden und ermöglicht einen tiefen Blick in die Farbschichten eines Gemäldes und gegebenenfalls in dessen Entwurfsprozess. In diese Tiefen drang bereits ein 2006 publiziertes Buch vor. Jetzt folgt der französische Wissenschaftler Pascal Cotte, der gerade seine Erkenntnisse einer detaillierten strahlendiagnostischen Versuchsreihe in seinem Buch Lumière on The Mona Lisa. Leonardo da Vinci. Hidden Portraits vorgestellt hat.

Im Detail versucht Cotte nachzuweisen, dass Leonardo sein Bild während des Malprozesses an etlichen Stellen verändert hat. Das betrifft beispielsweise die Umrisslinien im oberen Bereich des Kopfes sowie die Konturen der Hände und einzelner Finger. In der Binnenzeichnung finden sich Abweichungen vom endgültigen Erscheinungsbild der Mona Lisa bei der Detailgestaltung von Augen, Mund, Nase und Kleidung.

Das Herzstück der Argumentation Pascal Cottes ist Mona Lisas Lächeln. Sein Befund suggeriert, dass Leonardo in einem ursprünglichen Entwurf eine weniger in die Breite gezogene Lippen- und Mundpartie vorgesehen hatte. Demzufolge wäre also das Lächeln der Mona Lisa erst später entstanden als Resultat einer letzten Überarbeitungsstufe.

Einige der präsentierten Resultate sind seit Langem bekannt, beispielsweise die Varianten in der Länge der Hände. Die Abweichungen beim Außenkontur im oberen Kopfbereich sind nicht wirklich spektakulär und teilweise mit bloßem Auge zu erkennen. Andere Details kennen wir bereits durch Röntgenaufnahmen der letzten 60 Jahre. Neu hingegen ist die Vielzahl der Detailbefunde, die in der Tat die ohnehin schon seit Jahren intensiv geführte und sehr produktive Diskussion um Leonardos Entwurfspraxen befeuern dürfte.

Als ein Ergebnis der bisherigen Kontroverse schälte sich heraus, dass Leonardo in seinen Entwürfen keiner vorgegebenen Norm folgte, sondern das ganze Spektrum der bekannten Möglichkeiten ausschöpfte. Manchmal kam er vollkommen ohne Vorzeichnung aus und agierte frei. Ein anderes Mal übertrug er vorbereitete Kompositionen mithilfe von Kartons auf den Bildträger. Stimmen Cottes Resultate, dann war Leonardo in seiner Arbeit noch variabler als bislang angenommen.

Cotte kommt aufgrund seiner Ergebnisse zu weitreichenden Schlussfolgerungen. So geht er davon aus, dass die mit der Strahlendiagnostik sichtbar gemachten Linien von einem Ursprungsentwurf zeugen, der noch die Mona Lisa zeige, während mit der Endfassung des Gemäldes eine ganz andere Person gemeint gewesen sei. Mit anderen Worten: Das Gemälde müsste umbenannt werden. Aus der Mona Lisa würde das Bildnis einer Unbekannten. Auch diese Annahme ist nicht neu …

Es lässt sich aber nicht schlüssig sagen, wen Leonardo zunächst zeichnete und malte, um den Entwurf dann zugunsten der endgültigen Bildgestalt zu verwerfen. Welche Linien zu welcher Entstehungsphase gehören, bleibt eine Deutungsfrage.

Kritisch anzumerken ist, dass Cottes These von einem gewissen Unverständnis der künstlerischen Praxis Leonardo da Vincis zeugt. Der Künstler arbeitete sehr langsam und gelegentlich mit längeren Unterbrechungen an seinen Gemälden. Spuren von Überarbeitungen und kleineren Änderungen einer ursprünglichen Kompositionen oder einiger Details sind also keineswegs sensationell, sondern genau das, was wir von Leonardo erwarten dürfen. Letztendlich lassen sich so keine zweifelsfreien Schlüsse daraus ziehen, um wen genau es sich bei der Mona Lisa handelte.

Trotz aller wissenschaftlicher Exaktheit strahlendiagnostischer Untersuchungen darf man auch nicht übersehen, dass deren Ergebnisse bereits das Resultat von Interpretationen sind und einer historischen Einordnung bedürfen.

 

Ist Moral dem Menschen angeboren oder hat sie sich evolutionär entwickelt?

Ein Projekt für einen Gott, dessen Name schon lange vergessen ist. Vor ungefähr 12.000 Jahren begannen steinzeitliche Jäger in Südanatolien mit dem Bau der vermutlich ersten großen Tempelanlage der Welt. Auf dem Berg Göbekli Tepe errichteten sie nur mit Muskelkraft über 200 bis zu 6 Meter hohe und 20 Tonnen schwere Stelen aus Stein. Hunderte, vielleicht Tausende Menschen müssen zusammengearbeitet haben, um in der Morgendämmerung der Zivilisation diese Anlage zu schaffen. Und genau das – Kooperation in großem Maßstab – ist das, was die Wissenschaft an Orten wie diesen zunehmend interessiert: Wie bloß kamen freie Jäger und Sammler auf die Idee, sich zu einem solchen Vorhaben zu vereinigen?

In diesem historischen Moment zeigte sich ein Rätsel, das Soziobiologen und Evolutionspsychologen seit Jahrzehnten beschäftigt. Mit der Entwicklung großer, komplexer und anonymer Gesellschaften wächst die Gefahr, dass Trittbrettfahrer die Arbeitsfrüchte der anderen einfach abgreifen. Wie garantiert man Kooperation, wenn unmittelbare Überwachung durch die Gruppe nicht mehr möglich ist? Eine derzeit neue Theorie besagt, dass das der Grund sei, wieso die Menschen sich große, allwissende und strafende Götter ausgedacht haben: Sie sorgen für eine Einhaltung der Spielregeln. „Beobachtete Leute sind nette Leute“, schreibt der Psychologe Ara Norenzayan von der University of British Columbia im Vancouver in seinem vor zwei Jahren erschienenen Buch „Big Gods: How Religion Transformed Cooperation and Conflict“.

Die These ist ein Versuch, ein ambivalentes Verhältnis zu klären: das von Religion und Moral. In Umfragen, historischen Untersuchungen, ethnologischen Feldstudien, selbst in Laborversuchen wird dieser Frage derzeit nachgegangen.

Das Problem ist komplexer, als man vermuten sollte. Weder Kreuzzüge im Namen Gottes, verbrannte Ketzer oder islamistische Selbstmordattentate haben die Menschen von der Überzeugung abgebracht, dass Religion irgendwie die Moral befördert. Nach einer Umfrage des Pew Research Instituts aus dem Jahre 2014 ist in 22 von 39 untersuchten Ländern die Mehrheit der Bevölkerung davon überzeugt, dass nur ein Mensch, der an Gott glaubt, ein guter Mensch sein kann. In stark religiösen Ländern wie zum Beispiel Ghana, El Salvador oder Pakistan sind es sogar über 90 Prozent; in den USA denken 53 Prozent so, in Deutschland immerhin noch 33 Prozent. Umgekehrt gelten Atheisten in vielen Ländern als schlechte Menschen.

Moralisches Verhalten ist wesentlich älter und stabiler als der organisierte Glauben. Religion ist eine extrem junge Angelegenheit, die ältesten Spuren symbolischer Kommunikation sind 70.000 bis 80.000 Jahre alt, und die ersten Großreligionen entstanden erst vor 10.000 bis 12.000 Jahren. Menschen haben schon immer Moral gebraucht, um in Gruppen miteinander auszukommen.

Andere Forscher gehen weiter: Bereits bei höheren Tieren finde sich ein Sinn für Gerechtigkeit. 2003 machte man ein Experiment: Jeweils zwei Kapuzineräffchen waren darauf trainiert worden, Spielsteine gegen Gurkenstückchen umzutauschen, was diese auch taten. Wenn einer der Affen statt der Gurken hochbegehrte, süße Weintrauben bekam, weigerte sich der andere, seinen eigenen Stein zu tauschen. Richtig sauer wurde er, wenn der bevorzugte Affe seine Trauben ganz ohne Bezahlung bekam. Dann pfefferte das benachteiligte Tier Gurke und Steine aus dem Käfig. Man interpretierte dieses Verhalten als Ausdruck eines verletzten Gerechtigkeitssinnes.

Auf den ersten Blick scheint auch die Empirie die Überwachungs-Hypothese zu stützen: die großen Religionen beweisen, dass transzendente Strafandrohung wirkt. Als Beleg gilt eine 2010 in Science veröffentlichte Studie des Evolutionsbiologen Henrich von der Harvard University. Er untersuchte mit einem ökonomischen Spiel die Spendenbereitschaft von Menschen in 15 Ländern, Stammesgesellschaften in Papua-Neuguinea waren ebenso vertreten wie westliche Länder. Die Teilnehmer erhielten jeweils zehn Dollar und durften dann entscheiden, wie viel Geld sie an anonyme Fremde abgeben. Die Anhänger moralisierender Weltreligionen, insbesondere des Christentums und des Islams, gaben im Durchschnitt 10 Prozent mehr.

Bemerkenswert ist aber, dass etwa die Griechen, Römer oder Azteken kooperative Gesellschaften errichteten, ohne Götter zu erfinden, die über die Moral der einzelnen Menschen wachten. Man vermutet, dass erst gesellschaftlicher Reichtum moralisierende Religionen ermöglicht hat. Satte Menschen hätten eher die Muße, über ein Leben nach dem Tode nachzudenken. Tatsächlich konnte man nachweisen, dass die eurasische Gesellschaften in der Zeit der großen Religionsgründungen zwischen 500 v. Chr. bis 300 v. Chr. mehr als 20.000 Kalorien pro Kopf/Tag an Nahrung und Energie verbrauchten.