Liebe Schafe,

es ist schon beruhigend, wenn ein Pastor durch die Türkei reist und seine Meinung kund gibt, auch wenn er damit Porzellan zerbricht. Joachim Gauck hat dies zum Leid von Recep Tayyip Erdoğan gemacht und er hat ihm mit Recht die Leviten gelesen.Pierre Mathias Der Premier unterdrückt die Opposition, beschränkt drastisch die Meinungsfreiheit und versucht immer mehr die Demokratie zu seinen Gunsten zu domestizieren – das ist in der Tat beängstigend. Früher war ich ein Anhänger einer Mitgliedschaft der Türkei innerhalb der EU, heute habe ich meine Zweifel. Was dort sich abspielt, zeigt, wie entfernt dieses Land von unseren Idealen ist. Wir haben schon mit unseren Pappenheimern eine Menge zu tun, wie zum Beispiel Ungarn, wo es beinah faschistisch zugeht, deshalb sollten wir mit unserer Kritik vorsichtig sein. Gibt es Parallelen zwischen Erdoğan und Orbán? Schon, wenn es um die Intoleranz geht, aber auf dem Papier steht, dass jede Art von Intoleranz bekämpft werden sollte. Stoff genug für den ehemaligen Pastor und ich würde mir wünschen, dass er sich in Budapest genauso äußern würde. Weiterlesen

Liebe Männer,

was spricht gegen eine Männerfreundschaft? Zwei selbstbewusste Mannsbilder umarmen sich in Sankt Petersburg und schon ist eine Welle der Entrüstung in Gang gesetzt. Ein ehemaliger Kanzler hat die Sünde begangen, Herrn Putin seine Gefühle in Pierre Mathiasder Öffentlichkeit kund zu geben und wie wir wissen, sind sie von Sympathie geprägt. Sollte Gerhard Schröder auf den Boden spucken, um seinen Widerwillen zu demonstrieren? Klar, es gibt viele Gründe dem russischen Präsidenten die kalte Schulter zu zeigen, aber das würde die Causa Ukraine kein Stück weiter bringen. Wie wir tagtäglich erfahren, kann der Konflikt nur auf dem diplomatischen Weg geregelt werden und unter diesem Aspekt kann es nicht schaden, wenn ein Deutscher weiter gute Beziehungen zu Vladimir Putin pflegt. Der Ex-Kanzler hat somit die Möglichkeit, Botschaften weiter zu vermitteln, ohne die Staatsraison zu verletzen, da sie von privater Natur sind. Weiterlesen

Liebe Proletarier,

Pardon, es gibt keine Proletarier mehr in der Bundesrepublik, nur artige Angestellte, die darauf achten, dass es im nächsten Urlaub beim Ballermann in Mallorca, nass zugeht. Fröhlichkeit kann nur mit Feuchtigkeit entstehen, oder? Die meisten vonPierre Mathias ihnen haben vergessen, dass ihre Vorfahren mit der Faust und mit viel Hartnäckigkeit für mehr Gerechtigkeit gekämpft haben und viele von ihnen mussten dabei ihr Leben lassen. Was uns heute als selbstverständlich erscheint, wie die Krankenversicherung oder die Altersente, war für die Herrschenden ein Unding – schufften und krepieren war angesagt. Die Schar von Unterprivilegierten hatte zu parieren, wie gefügige Sklaven und wenn sie ausgelaugt waren, sollten sie so schnell wie möglich abkratzen. Das wurde Ordnung genannt! Ich möchte euch, liebe Proletarier der Vergangenheit, somit meinen ganzen Respekt erweisen. Wer vom Lumpenproletariat spricht, spuckt auf Menschen, für die das Wort Freiheit mehr bedeutete, als sich in einer dämlichen Disco volllaufen zu lassen. Weiterlesen

Liebe Bipolar-Politiker,

wer die Stimmungsschwankungen bei der Bipolarität kennt, weiß wie gefährlich solche Symptome sind. Von einer Minute zur anderen kann sich das Positive ins Negative ändern, ohne dass es dafür Gründe gibt. Wenn kopflos Beschlüsse getroffenPierre Mathiaswerden, kann das der Beweis dafür sein, dass Stimmungen das Geschehen lenken und das führt zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Es wäre vergebens zu glauben, dass Politik vom psychologischen Zustand jedes Einzelnen unabhängig ist. Leider wird sie viel zu oft davon bestimmt und nein, rationales Denken ist in den meisten Fällen nicht vorhanden. Das macht jede Einschätzung so schwierig und führt zur Ratlosigkeit. Natürlich spielt das Ego eine bedeutende Rolle. Wenn ein Staatsmann sich als starke Gestalt feiern lassen will, resultiert es oft aus einem Mangel an Selbstbewusstsein. Es mündet in eine ständige Suche nach einer Mischung aus Kraft und Überlegenheit und wenn sie entgleist, kommt es oft zum Super-Gau – aber eher aus Frust und Hilflosigkeit als aus Pragmatismus. Weiterlesen

Liebe Bistro-Gänger,

in Frankreich befürchten viele Bürger, dass die Institution „Bistro“ am Aussterben ist. Immer mehr Menschen haben sich auf das Internet fixiert und denken, dass diese moderne Kommunikationsform den direkten Kontakt ersetzen kann. Nein, Facebook wirdPierre Mathias das niemals ersetzen. In der Zeitung „Libération“ vom 19. April wird klar erklärt, welche Bedeutung die Dorf- oder Stadtteilkneipe für die Bevölkerung hat. Beim Morgenkaffee an der Bar ist es möglich, Fremde anzusprechen, ohne den Eindruck zu erwecken, dass man irgend jemand damit belästigt. Eine unmittelbare Kommunikation etabliert sich, die dann leicht steuerbar ist, sie kann zu Freundschaften oder noch mehr führen und das auf eine lockeren Art. Man braucht sich dabei kein Sujet auszudenken, das Tagtägliche genügt meistens. In einer Zeit, in der man händeringend nach Nähe sucht, ist diese Institution noch immer probat, sie ist Ausdruck der Demokratie und spielt eine gewisse Rolle bei der Meinungsfindung. Auch wenn im Netz spontane Stellungsnahmen stattfinden, bleiben sie irgendwie immer anonym und das ist tödlich für das Herdentier mit dem Namen Mensch! Weiterlesen

Lieber Ahmed,Pierre Mathias

zuerst möchte ich dir für deinen neuen deutschen Pass gratulieren. Es freut mich, dass du endlich zu unserer Gemeinschaft gehörst. Als alter Berliner musst du das als eine Selbstverständlichkeit empfinden. Du hast mir gesagt, dass der Anstoß, diesen Schritt zu wagen, von Raed Saleh kam, dem Fraktionsvorsitzenden der SPD im Senat. Wie du weißt, stammt er aus Palästina und ist als kleines Kind in die Hauptstadt mit seinen Eltern gewandert. Es könnte schon sein, dass er eines Tages regierender Bürgermeister wird. Voraussetzung ist, dass du und alle Deutschen mit einer Migrationsvergangenheit ihn wählen – ich fände das prima. Wie du vielleicht weißt, klappt solch ein Modell in Rotterdam sehr gut. Seit 2009 regiert ein gebürtiger Marokkaner, Ahmed Aboutaleb. Er ist Muslim und Sozialdemokrat und hat ein Modell verwirklicht, das bemerkenswert ist. Die Zahl der Sozialhilfeempfänger ist dort sehr hoch und jeder, der eine Hilfe von der Stadt bekommt, muss eine Gegenleistung erbringen, wie das Kehren der Straßen oder Altershilfe. Nur ein Politiker mit Migrationshintergrund, konnte das stemmen, sonst wäre solch eine Initiative als diskriminierend betrachtet worden. Weiterlesen

Liebe Antisemiten,Pierre Mathias

zuerst Gratulationen, es scheint für euch alles nach Wunsch zu gehen. In Ungarn haben eure Anhänger mehr als 20% bei der letzten Wahl eingebracht und auch in Frankreich bekommt die Front National Rückenwind. Die liebe Marine Le Pen hat daher den Gedanken erhoben, dass in den Schulkantinen wieder Schweinefleisch als Pflichtnahrung serviert wird und wer sich damit nicht abfindet, soll zum Teufel gehen. Damit meint sie alle, die aus religiösen Gründen, koscher sind. Dazu gehören auch die Muslime, auch wenn einige unter ihnen keine Judenfreunde sind. In ganz Europa wird angeheizt, die Intoleranz gewinnt immer mehr an Bedeutung. Biedere Bürger sind der Ansicht, dass die Internationale der Juden, noch immer am Werk ist und das ihr einziges Ziel ist, uns alle in die Knie zu zwingen – das gleiche Gerede wie im „Stürmer“. Diese Dialektik hat sich kein bisschen geändert und wer denkt, dass die rassistische Diskriminierung vom Tisch ist, irrt sich gewaltig. Zuerst kommen die Worte, dann die Taten und Wörter können töten… Weiterlesen

Liebe Datenschützer,Pierre Mathias

der europäische Gerichtshof hat entschieden, dass das Speichern von Telefon- und Internet-Verbindungsdaten auf das „absolut Notwendige“ beschränkt werden soll. Das ist mit Sicherheit ein Schritt in die gute Richtung, aber es wird auch in Zukunft weiter gelauscht. Jetzt wird es darauf kommen, was das Gericht mit „absolut nötig“ meint. Dieser Begriff ist subjektiv und auch die Beurteilung, wer elektronisch angezapft werden soll. Machen wir uns doch nichts vor, es wird sich kaum etwas ändern, Leute, das ist Augenwischerei. Ich fände es anständiger, zu behaupten, dass wir für alle Zeiten gläserne Bürger sind und dass jederzeit jemand bei uns schnuppern kann, ist doch mittlerweile jedem klar! Der Skandal der NSA hat gezeigt, wie wir geleimt werden. Ja, diese Pharisäer ärgern mich, weil sie ganz genau wissen, dass sie uns täuschen. Kann ich noch Respekt für die Justiz haben, wenn sie nicht Tacheles spricht? Die Grundlage, auf die sie sich bezieht, ist von Grund auf faul, auch wenn uns etwas anderes verkauft wird. Weiterlesen