Liebe Bistro-Gänger,

in Frankreich befürchten viele Bürger, dass die Institution „Bistro“ am Aussterben ist. Immer mehr Menschen haben sich auf das Internet fixiert und denken, dass diese moderne Kommunikationsform den direkten Kontakt ersetzen kann. Nein, Facebook wirdPierre Mathias das niemals ersetzen. In der Zeitung „Libération“ vom 19. April wird klar erklärt, welche Bedeutung die Dorf- oder Stadtteilkneipe für die Bevölkerung hat. Beim Morgenkaffee an der Bar ist es möglich, Fremde anzusprechen, ohne den Eindruck zu erwecken, dass man irgend jemand damit belästigt. Eine unmittelbare Kommunikation etabliert sich, die dann leicht steuerbar ist, sie kann zu Freundschaften oder noch mehr führen und das auf eine lockeren Art. Man braucht sich dabei kein Sujet auszudenken, das Tagtägliche genügt meistens. In einer Zeit, in der man händeringend nach Nähe sucht, ist diese Institution noch immer probat, sie ist Ausdruck der Demokratie und spielt eine gewisse Rolle bei der Meinungsfindung. Auch wenn im Netz spontane Stellungsnahmen stattfinden, bleiben sie irgendwie immer anonym und das ist tödlich für das Herdentier mit dem Namen Mensch!

Nein, die Bistros dürfen nicht sterben, auch wenn sie nicht immer mehr rentabel sind und in diesem Fall sind die Bürger und die Gemeinden gefragt. Machen wir uns nichts vor: wenn es keine Dorfkneipe mehr gibt, ist das wie ein Ort ohne Kirche – da fehlt etwas Entscheidendes. In Frankreich ist dieses Vakuum von grundlegender Bedeutung. Wenn „das Land“ stirbt, suchen immer mehr Menschen die Weite und wählen Paris, Lyon oder Marseille. Diese Metropolen sind total überfordert – und sonst? Mausstille in der Pampa. Es geht dabei nicht nur um den Job sondern auch um die Lebensqualität. Ich habe bei einer Dreharbeit die Nichte von François Mitterand in der Lozère getroffen: isolierter kann man kaum in Frankreich leben – eine herrliche Landschaft, wunderbare leere Dörfer, Natur pur. Sie konnte das als Pariserin nicht mehr aushalten und war in eine totale Isolation geraten und was eine Rentnerin nicht aushält, ist noch schlimmer für die Jungen. Sie fühlen sich in der Vorstufe des Todes, keine gute Perspektive, wenn man die ganze Existenz noch vor sich hat.

Liebe Bistro-Gänger, ich bin nicht so naiv zu denken, dass eine Kneipe eine ganze Nation retten kann, aber sie fördert eine gewisse Solidarität. Sie ist eine Kontaktbörse in jeder Hinsicht, ob privat oder beruflich. Probleme, die eine ganze Gemeinde betreffen, können durchaus entschärft werden. Der Grund, warum französische Soziologen immer mehr die Bistros unter die Lupe nehmen und auch – in gewissen Fällen – selbst Hand anlegen. Einige von ihnen haben den Entschluss gefasst, Gastwirte zu werden und nach der Studie von „Libération“ handelt es sich nicht um Traumtänzer. Nein, sie achten sehr darauf, dass sie wirtschaftlich geführt werden und von subventionierten Betrieben halten sie nur etwas, wenn es nicht anders geht. Die Bistros sollen ein Teil der dörflichen Ökonomie sein und eine Rendite hergeben und das gelingt, wenn sie neben dem Ausschank auch regionale Produkte verkaufen oder als Restaurant und Pension fungieren. Gerade hier kann ein Bistro wie Phönix aus der Asche aufleben.

//pm

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