Israel: Das Heilige Land, Land der Mythen, Haupt-Location der biblischen Geschichte. Um das Land und seine Historie ranken sich viele Erzählungen, für die Juden ist es das Sehnsuchtsland, für viele der Araber einfach nur ein „Störenfried“ im Nahen Osten.

In Israel befinden sich alle biblischen Orte und somit das Herz und der Ursprung des jüdischen und christlichen Glaubens. Die schwierige politische Lage hält viele Besucher davon ab, Israel zu bereisen. Doch das Land im Nahen Osten hat in und um Jerusalem so enorm viele Sehenswürdigkeiten zu bieten, dass sich so mancher Tourist von den Gefahren des Palästinenserkonflikts nicht abschrecken lässt. Das Land bereitet sich nun auf den 70. Jahrestag seiner Staatsgründung am 14. Mai 2018 vor.

Völkerrechtlich legitimiert durch das Völkerbundmandat für Palästina von 1922 und den UN-Teilungsplan für Palästina 1947, wurde Israel am 14. Mai 1948 als repräsentative Demokratie mit parlamentarischem Regierungssystem proklamiert (Wikipedia). Der Ministerpräsident dient als Regierungschef und die „Knesset“ als Parlament. Die Politik und Geschichte des Staates werden unter anderem durch den Nahostkonflikt bestimmt, der in Teilen unvermindert andauert.

Unmittelbar nach der Staatsgründung griffen die Armeen von fünf arabischen Ländern Israel an. Einen jüdischen Staat im Nahen Osten wollten sie um jeden Preis verhindern. Israel gewann den Krieg. Doch noch heute, 70 Jahre später, haben die meisten arabischen Länder den jüdischen Staat in ihrer Nachbarschaft nicht akzeptiert. Und bis heute gibt es keinen Frieden mit den direkten Nachbarn der Israelis, den Palästinensern.

Für jüdische Israelis ist der 70. Geburtstag ihres Staates ein Feiertag. Für die meisten Palästinenser ist es die „Nakba“, eine Katastrophe. Hunderttausende Palästinenser flohen damals aus dem Gebiet, das heute Israel ist. Oder sie wurden schlicht vertrieben.

Mit Partys und Feuerwerk feiert Israel seinen 70. Unabhängigkeitstag.

Anschließend singen Menschen an mehreren Orten landesweit und in jüdischen Gemeinden weltweit das Lied „Hallelujah“. Das Motto der Feierlichkeiten lautet „Erbe der Innovation“.

Bei der Ausrufung des Staates im Mai 1948 verlas Staatsgründer David Ben Gurion in Tel Aviv die Unabhängigkeitserklärung (merkur.de). Israel feiert sein 70. Jubiläum allerdings nach dem hebräischen Kalender, deshalb beginnen die Feierlichkeiten bereits am Abend des heutigen 18. April.

Man wollte nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue, bessere Gesellschaft aufbauen. Als der Staat gegründet wurde, kamen mit einem Mal Millionen von Menschen. Und viele Dinge mussten aus dem Nichts aufgebaut werden. In einer Kooperative konnten sich die Menschen helfen, sie waren füreinander da. Dahinter verbirgt sich das Prinzip eines Kibbuz: Jeder gibt so viel, wie er kann und bekommt was er braucht. In Israel gibt es über 250 Kibbuzim. Viele sind so alt wie Israel, manche älter. Doch auch hier gibt es enttäuschte Hoffnungen. Manche Kibbuzim mussten aufgeben, andere befinden sich in finanziellen Schwierigkeiten.

In Israel leben nach aktuellen Angaben 8,8 Millionen Menschen (Zentrales Israelisches Statistikbüro). Davon sind 6,6 Millionen Juden (75 Prozent; Wikipedia) und 1,8 Millionen Araber (21 Prozent). Zuletzt hatte das Büro von rund 170.000 Christen gesprochen – annähernd zwei Prozent der Bevölkerung. Die meisten der Christen sind Araber.

Für die Palästinenser bedeutet Israels Freudentag eine Katastrophe, weil 1948 Hunderttausende Palästinenser fliehen mussten oder vertrieben wurden. Sie begehen das Ereignis seit Ende März mit sechswöchigen Protesten, die bis zum 15. Mai dauern sollen. Dabei gab es schon viele Tote und Verletzte.

Die Lage im Heiligen Land hat sich erneut angespannt, seit US-Präsident Donald Trump im Dezember letzten Jahres Jerusalem einseitig als Israels Hauptstadt anerkannt hatte. Es kam zu blutigen Protesten in den Palästinensergebieten. Die Palästinenser fordern Ost-Jerusalem als Hauptstadt für einen zukünftigen Staat Palästina.

Die USA wollen am 14. Mai in Jerusalem ihre Botschaft eröffnen.

„Woher kommst Du?“ ist zur Alltagsfrage geworden. Ob diese Frage eine Form von Rassismus ist oder reine Neugier – darüber kann man streiten. Oftmals ist die Herkunftsfrage nicht nur Bestandteil von Smalltalk. Sie zielt darauf ab, Menschen einordnen zu können.

Stetig – und vielleicht unbewusst – neigen wir dazu, alles und jenes einzuordnen. Ordnung muss sein, sie ist schließlich das „halbe Leben“. Auch Tiere teilen wir ein in Rassen. Wir äußern es in Bezug auf Menschen nicht – aber tun wir es bei unseren Artgenossen nicht auch?!

Der Vorwurf, Rassist zu sein, wiegt schwer. In Deutschland spricht (fast) niemand von „Rassen“ – es sei denn, man redet über Tiere: Pferde- oder Rinderrassen zum Beispiel. Im angelsächsischen Sprachraum wird der Begriff „race“ auch für Menschen verwendet. Als „racist“ will niemand erscheinen.

Zunehmend gewinnen rassistische Vorstellungen in der Politik wieder an Boden. Nicht nur in den USA. Oft verschleiern Politiker ihren Rassismus, wenn aber Gruppen von Menschen aufgrund einer realen (oder fiktiven) gemeinsamen biologischen Abstammung von anderen auf- oder abgewertet werden, ist das letztlich eine Form von Rassismus.

Rassismus ist geeignet, den sozialen Frieden zu zerstören. Rassisten diskriminieren Minderheiten und stellen Völkerrecht und das Grundgesetz infrage. Was ist das eigentlich: Rassismus? Gibt es Menschenrassen? In welcher Form taucht Rassismus in der Politik wieder auf?

Der Genetiker Richard Lewontin verglich Anfang der 1970er Jahre das Erbgut von Schwarzen, Eurasiern, Asiaten und weiteren Gruppen und zeigte: „Ausgehend von zufällig gewählten genetischen Unterschieden sind sich menschliche Rassen und Populationen bemerkenswert ähnlich, der größte Teil der menschlichen Variation rührt von Unterschieden zwischen Individuen her“.

Lewontin kam zu dem Schluss, die Kategorie Rasse hätte deshalb nahezu keine genetische Bedeutung und sollte abgeschafft werden. Seine Empfehlung war auch politisch motiviert: Er wollte die Kategorie loswerden, weil die Einordnung nach Rassen auf die sozialen und menschlichen Beziehungen eine zerstörerische Wirkung habe. Seitdem vertreten viele Menschen die Meinung, Rassen seien lediglich soziale Konstrukte.

Unter Biologen ist allerdings schon lange von „Lewontins Irrtum“ die Rede. Die Kritiker betonen, man dürfe nicht beliebige Gene miteinander vergleichen, sondern es seien Genvarianten, die Gruppen von Menschen voneinander unterscheidbar machen: Nach der Ausbreitung des Homo sapiens von Afrika aus – wir sind alle Afrikaner! – sind als regionale Anpassungen zum Beispiel verschiedene Hautpigmentierungen entstanden. Europäer haben die Fähigkeit entwickelt, Milchzucker zu konsumieren, Japaner können dafür Meeresalgen verdauen. Es gibt Unterschiede in der Augenform. Und mancherorts ist die Resistenz gegenüber bestimmten Krankheitserregern besonders groß. Das ist Evolution.

Es lassen sich also Merkmale aufzeigen, die eine Zuteilung zu einer Rasse begründen können. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass die Genetik in Zukunft weitere Belege dafür findet, dass Gruppen von Menschen sich aufgrund von Genvariationen in ihren Bauplänen, Fähigkeiten und vielleicht sogar in Charaktereigenschaften deutlich unterscheiden. Allerdings nur im Durchschnitt, das bleibt festzuhalten.

Auf der anderen Seite dürfen wir nicht vergessen: Alle Menschen tragen die gleichen Gene, sie unterscheiden sich nur in deren Varianten (Allele). Die Genetik hat bislang also vor allem eines bewiesen: Es gibt genetisch gesehen eine einzige Menschheit.

Ob es Rassen gibt oder nicht, ist auch nicht die zentrale Frage. Vielmehr kommt es darauf an, wie mit der Vorstellung von menschlichen Rassen umgegangen wird. Man kann den Begriff neutral verwenden, ohne Wertung, wie etwa in der Konvention der Vereinten Nationen über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes, in der von „rassischen Gruppen“ die Rede ist. Der Begriff „Genozid“ wird gemeinhin nicht hinterfragt, obwohl es natürlich eine Vorstellung von Völkern birgt, die über gemeinsame Gene (will sagen: Allele) definiert werden.

Rassismus pflegt einen anderen Umgang mit der Vorstellung genetisch unterschiedlicher Gruppen. Der tritt derzeit unter Politikern im Westen wieder zutage – etwa wenn Donald Trump während des Präsidentschaftswahlkampfes die mexikanischen und weitere lateinamerikanische Immigranten als „Kriminelle und Vergewaltiger“ diffamiert. Oder als er einem in Indiana geborenen Richter unterstellte, er (Trump) könne von diesem wegen seiner mexikanischen Vorfahren keinen fairen Prozess erwarten. Rassismus wie aus dem Lehrbuch!

Zwar vermeiden es die Mitglieder der neuen Führungsriege in den USA, rassistische Positionen zu deutlich zu zeigen. Verbindungen zu rassistischen Gruppen wie dem Ku-Klux-Klan werden heruntergespielt; Einige Ziele der Regierung sind implizit rassistisch: Bestimmte Menschen, identifiziert lediglich über ihre Herkunft, sollen nicht in die USA einreisen dürfen oder aus dem Land geschafft werden, weil sie angeblich eine Gefahr für die Amerikaner darstellen.

 

Die Entdeckung von Anne Frank und ihrer Familie gibt bis heute Rätsel auf. Dass sie verraten wurden, galt bisher als eine wahrscheinliche Theorie. Doch die Gedenkstätte Anne-Frank-Haus hat jetzt Unterlagen veröffentlicht, die eine weitere Theorie stützen. Dass die Sicherheitsbeamten gar nicht gezielt nach untergetauchten Juden suchten und nur zufällig auf das Versteck stießen.

Die Verhaftung des jüdischen Mädchens Anne Frank (15) in Amsterdam durch den deutschen „Sicherheitsdienst“ im August 1944 beruhte möglicherweise doch nicht auf einem Verrat des Verstecks.

Jetzt heißt es, das Mädchen und sieben Familienangehörige könnten den Deutschen und deren niederländischen Helfern auch bei der Suche nach illegalen Arbeitern und Herstellern gefälschter Lebensmittelkarten in die Hände gefallen sein. „Unsere Untersuchung widerlegt einen möglichen Verrat nicht, zeigt aber, dass auch andere Möglichkeiten untersucht werden sollten“, sagte der Stiftungsdirektor.

Anne Frank lebte mit ihrer Familie von 1942 bis 1944 im Hinterhaus an der Amsterdamer Prinsengracht 263 im Versteck vor den Nationalsozialisten und schrieb dort auch das weltberühmte Tagebuch. Die insgesamt acht Untergetauchten wurden 1944 verraten und in Konzentrationslager deportiert. Anne starb im Frühjahr 1945 im Alter von 15 Jahren in Bergen-Belsen.

Mit dem Bericht relativiert die Stiftung die bisher gängige Geschichtsschreibung, wonach der „Sicherheitsdienst“ (SD) kurz vor der Durchsuchung des Hauses an der Prinsengracht 263 einen anonymen Anruf des Verräters erhalten habe. Auch Anne Franks Vater Otto Frank, der einzige Überlebende der acht Menschen im Versteck hinter einem beweglichen Bücherregal, war stets überzeugt, verraten worden zu sein. „Trotz jahrzehntelanger Forschung“ und diverser Beschuldigter habe es aber „keinen endgültig Beweis gegeben“, schreibt die Stiftung.

Ebenso wenig wie Verrat könnten aber auch andere Hintergründe der Hausdurchsuchung nicht ausgeschlossen werden. Keiner der bekannten drei Sicherheitsdienstleute bei der Entdeckung des Verstecks – ein Österreicher und zwei langjährige niederländische Polizisten – sei zum fraglichen Zeitpunkt schwerpunktmäßig mit dem Aufspüren untergetauchter Juden befasst gewesen. Sie hätten sich vielmehr vor allem mit Wirtschaftsvergehen befasst, unter anderem mit der Fälschung von Lebensmittelkarten.

Anne Frank habe in ihrem Tagebuch im März 1944 die Festnahme von zwei Männern wegen gefälschter Lebensmittelkarten, von denen auch die Untergetauchten profitierten, erwähnt. Beide arbeiteten in einer Firma, die ebenfalls in der Prinsengracht 263 ansässig war. Es sei durchaus möglich, dass die Hausdurchsuchung vom 4. August 1944 damit zu tun gehabt habe. Zudem seien die Sicherheitsdienstleute etwa zwei Stunden im Haus gewesen, mehrere Personen hätten während dieser Zeit das Haus betreten und verlassen können: „Wenn die Beamten gekommen wären, um Untergetauchte zu verhaften, wäre das wohl kaum möglich gewesen“, heißt es in dem Bericht.

In dem Haus in Amsterdam „ging mehr vor als nur das Sich-Verstecken von Menschen“, heißt es in dem Bericht der Anne Frank-Stiftung. „Vielleicht haben die Behörden die Prinsengracht 263 aus anderen Gründen durchsucht.“ Jedenfalls sei „das letzte Wort über diesen schicksalhaften Sommertag 1944 noch nicht gesprochen“.

Aus Sicht des Anne-Frank-Hauses können die neuen Erkenntnisse den Verdacht des Verrats nicht komplett ausräumen. Die Hoffnung der Gedenkstätte ist, dass Forscher sich mit den genauen Umständen beschäftigen, die zur Deportation von Familie Frank und Auguste van Pels, ihrem Sohn Peter sowie Fritz Pfeffer geführt haben. Im April 1944 schrieb Anne Frank in ihr Tagebuch: „Einmal wird dieser schreckliche Krieg doch wohl vorbeigehen, einmal werden wir doch wieder Menschen und nicht nur Juden sein!“

Die Franks und ihre Leidensgenossen kommen ins Konzentrationslager Auschwitz. Da die Alliierten immer näher rückten, entschlossen sich die Nationalsozialisten, Auschwitz allmählich zu räumen. Am 28. Oktober 1944 deportierten sie 1.308 Frauen aus Birkenau ins KZ Bergen-Belsen. Rosa de Winter schrieb in ihrem Buch Aan de gaskamer ontsnapt! im August 1945, dass in der Nacht des 1. November 1944 der Zug abfuhr, der Anne und Margot nach Bergen-Belsen brachte (Erika Prins, Gertjan Broek: Eines Tages waren sie einfach nicht mehr da …).

Nur Otto Frank überlebt das Vernichtungslager. Er ist es, der nach dem Zweiten Weltkrieg die Veröffentlichung des Tagebuchs seiner Tochter Anne vorantreibt. Bis heute wurden mehr als 31 Millionen Exemplare verkauft.

Dieses Jahr wäre Anne Frank 87 Jahre alt geworden.