Sie saß am See, ließ sich von den sanften Wellen die nackten Füße umspülen. Mit dem Takt der Wellen wehten auch ihre langen blonden Haare im Wind. Durch die Zweige der Weide, unter welcher sie saß, brach ein Strahl Sonnenlicht. Sie streckte ihren blassen Arm aus, ließ diesem vom Licht kitzeln, betrachtete, den Kopf zurück geneigt, das Wechselspiel der rauschenden Blätter, der darüber ziehenden Wolken und des Lichtes.

Niemand wusste, dass sie hier war. Es war verboten, sich hier oben aufzuhalten. Schon seit Urväter Zeiten her, Tausenden von Jahren. Die Alten erzählten es, eine Sage, im Unterricht hatten sie es gelernt. Weiterlesen

Der Michel liebt seinen Vorgarten. Das war schon vor ewigen Zeiten so. Und wenn die Sonne herauskommt, die ersten Knospen sprießen, dann werden die Michel ganz rege. Sie buddeln im Garten, schaufeln, harken und rechen. Die Nestumgebung wird dann wieder schön und adrett gemacht. Und an den Gartenzäunen aalen sie sich in der Sonne und betreiben Konversation. Die Michel beschäftigen viele Themen. In dieser ruhigen, kleinen Seitenstraße bekommt man vom Stadtleben nicht so viel mit, aber man ist informiert über das Weltgeschehen. Und die Geschichte … und vor hundert Jahren hat man die jungen Männer in den Krieg geschickt. Und sie zogen! Die beiden Michel sinnieren hierüber … Weiterlesen

Blick zum Himmel in der Nacht

birgt das Licht nicht die Tiefe,

unverdeckt durch die

Wolken der Dunkelheit?

Leichtigkeit während der Reise

durch die Universen,

rosa Wolke, Federbett der Wünsche.

Orchester der Cherubim,

notenreiche Reisebegleitung,

schmeichelt dem Ohr.

Schwebend durch

die Ewigkeit der Welten,

in der Leere die Erkenntnis.

Angekommen an der Treppe

zu dem einen Stern.

Aufstieg,

silbern tropft das Licht.

Allein,

fern der Einsamkeit.

© Thomas Dietsch

 

 

Leute, lasst uns ein wenig philosophieren … Ist es Euch eigentlich aufgefallen, dass wir ständig nach Regeln leben? Leben müssen, sollen? So weit, so gut! Eine Gemeinschaft braucht Regeln, das Zusammenleben verschiedener Individuen muss in geordnete Bahnen gelenkt werden, damit alle miteinander können. Die Angst vor dem Chaos, der Anarchie, steckt tief in uns. Und das nutzen manche aus, um uns immer mehr Regeln aufzuoktroyieren. Unser Gehege der Freiheit wird immer enger. Und das hängt nicht ausschließlich damit zusammen, dass wir mit unserer Gattung immer mehr werden. Nein, früher begegnete man sich mit Anstand und Respekt. Das hat zwar die Regeln nicht ganz überflüssig gemacht, aber das Bedürfnis nach jenen erheblich reduziert. Was sich gehörte, das wusste man! Heute wissen viele nicht mehr, mit diesen Begriffen etwas anzufangen respektive, wie man diese richtig schreibt. Selbst schuld, dass uns die Gesetzes- und Verordnungswelle überrollt! Aber was erzähle ich da … Weiterlesen

Gruß aus der Küche

zwei Aphorismen mit Buchstabenstreuseln

Vorspeise

Schriftrollen, gefüllt mit griechischer Philosphie

Suppe

Zitatbrühe mit Gedichtklößchen

Hauptgang

Buchrücken, hierzu Prosa und Wortschnitzelsalat

Platte

ein Stück fette Schwarte

Dessert

ein Auszug Graphic Novel in Smileysoße

 

Wir wünschen guten Appetit!

 

Zum Trinken empfehlen wir eine Flasche „Leseratte“ aus unserem Keller.

 

© Thomas Dietsch

 

Der 9. November: so zwischen Allerheiligen und Weihnachten. Früher gab es in den meisten Bundesländern noch den Buß- und Bettag. Für die meisten ein Arbeitstag wie jeder andere. Manche erinnern sich vielleicht noch, dass da mal mit der Mauer in Berlin etwas war … Ja, und?! Wollen doch mal nachsehen.

Fangen wir doch mal mit der Mauergeschichte an. Ja, friedliche Revolution in der DDR am 9. November 1989. Eine der wenigen Revolutionen, die unblutig abgelaufen sind. Was noch abgelaufen war, war die Uhr der DDR und von deren Regime. Zur deutschen Wiedervereinigung kam es dann am 3. Oktober 1990. Der 3. Oktober löste hiermit auch den 17. Juni als Tag der Deutschen Einheit ab. Viele wollten den 9. November als neuen Nationalfeiertag, das war ernsthaft im Gespräch. Man hat sich aber dann doch anders entschieden. Warum? Weiterlesen

Sie saßen schon eine ganze Weile in dieser Kneipe an der Ecke im Stadtzentrum. Sie, 19 Jahre alt, Azubi, knapp vor der Prüfung. Er, 57 Jahre, knapp vor der Frührente. Es war eine Zufallsbegegnung, irgendwie kam man ins Gespräch. Und er hatte ihr einiges aus seinem Leben erzählt, wie es damals war zu seiner Kinder- und Jugendzeit. Als Muttern noch Socken stopfte, sein Vater am Wochenende Stunden am Fahrzeug der Familie verbrachte. Ständig wurstelte er an dieser Mistkarre herum, die irgendwie nie richtig lief. Auf die eine oder andere Art musste man das Auto ja in Gang bringen und am Laufen halten. Wenn Papa es schaffte, folgte der Sonntagsspaziergang. Wenn nicht, gab es Mutters frisch gebackenen Kuchen am Nachmittag. Telefonieren? Ach ja! Sie hatten lange kein eigenes Telefon. Oft kam die Nachbarin, klingelte ganz hektisch. Der oder die aus Sonstwo war am Telefon. Man rief sie an! Das war das Wochengespräch! Man erhielt einen Anruf von weiter weg. Weiterlesen