Sie saß am See, ließ sich von den sanften Wellen die nackten Füße umspülen. Mit dem Takt der Wellen wehten auch ihre langen blonden Haare im Wind. Durch die Zweige der Weide, unter welcher sie saß, brach ein Strahl Sonnenlicht. Sie streckte ihren blassen Arm aus, ließ diesem vom Licht kitzeln, betrachtete, den Kopf zurück geneigt, das Wechselspiel der rauschenden Blätter, der darüber ziehenden Wolken und des Lichtes.

Niemand wusste, dass sie hier war. Es war verboten, sich hier oben aufzuhalten. Schon seit Urväter Zeiten her, Tausenden von Jahren. Die Alten erzählten es, eine Sage, im Unterricht hatten sie es gelernt. Weiterlesen

Rostra-Ausrufezeichen

Es kann nicht sein, dass man keine Ruhe hat. Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen werden von allen Seiten bombardiert und hofiert. Klar, sie sind „Meinungsbildner“ und sie g e b e n was. Sie geben ihre Seele, ihre Kraft, ihr Talent, ihren Mut und das macht sie so attraktiv. Die Angestellte träumt heimlich vom wilden Rockstar, der angepasste Banker von der Rebellin, die sich nie den Mund verbieten lässt. Weiterlesen

Der Michel liebt seinen Vorgarten. Das war schon vor ewigen Zeiten so. Und wenn die Sonne herauskommt, die ersten Knospen sprießen, dann werden die Michel ganz rege. Sie buddeln im Garten, schaufeln, harken und rechen. Die Nestumgebung wird dann wieder schön und adrett gemacht. Und an den Gartenzäunen aalen sie sich in der Sonne und betreiben Konversation. Die Michel beschäftigen viele Themen. In dieser ruhigen, kleinen Seitenstraße bekommt man vom Stadtleben nicht so viel mit, aber man ist informiert über das Weltgeschehen. Und die Geschichte … und vor hundert Jahren hat man die jungen Männer in den Krieg geschickt. Und sie zogen! Die beiden Michel sinnieren hierüber … Weiterlesen

Das macht uns alles kaputt und danach verlangt die Wegwerfgesellschaft. Schnelllebiges Konsumieren Rostra-Ausrufezeichenauf Teufel komm´ raus und die Werte gehen flöten. Nicht nur die, das ganze Leben geht flöten und wird zu einer Hetze und einem Gehechel nach Anerkennung, Prestige und Übertrumpfung des Geistes oder der Schönheit. Da kann niemand auf Dauer mithalten und so stumpfen wir nicht nur ab, wir vereinsamen völlig, werden paranoid oder suchen Hilfe bei Seelentröstern und Psychologen. Die übrigens nahezu alle ebenso bescheuert sind wie wir selbst. Liebe Leute, das funktioniert nicht, in was wir uns selbst manövriert haben! Der Erfinder der Schnelligkeit ist nicht mehr ganz sauber gewesen, hätte es „ihn“ gegeben. Bevor wir unsere Vergangenheit bewältigt haben, preschen wir unentwegt nach vorne, um nicht den up-to-date-Anschluss zu verpassen und verpassen uns selbst dabei einen Kinnhaken. Matt…ermattet und zerpflückt sitzen wir gedankenversunken, unerfüllt in der Ecke und fragen uns, ob wir einen an der Latte haben, wenn es mit der Latte nicht mehr klappt. Ganz ehrlich – die Latte streikt, wenn das Hirn zugemüllt ist, aber das wäre ein neues Thema. Weiterlesen

Blick zum Himmel in der Nacht

birgt das Licht nicht die Tiefe,

unverdeckt durch die

Wolken der Dunkelheit?

Leichtigkeit während der Reise

durch die Universen,

rosa Wolke, Federbett der Wünsche.

Orchester der Cherubim,

notenreiche Reisebegleitung,

schmeichelt dem Ohr.

Schwebend durch

die Ewigkeit der Welten,

in der Leere die Erkenntnis.

Angekommen an der Treppe

zu dem einen Stern.

Aufstieg,

silbern tropft das Licht.

Allein,

fern der Einsamkeit.

© Thomas Dietsch

 

 

Beides sind Eigenschaften, die wir Menschen lieben. Die alte Garde hatte sie gekonnt beherrscht und der leicht keck-verschämte Blick der Rostra-AusrufezeichenDame war ebenso sexy wie der dezent-zurückhaltende Herr, der den Stuhl unter den Po schob und wartete, bis sie saß. Erst dann setzte er sich und schaute sie angenehm interessiert, aber durchaus begehrlich an. Ja, so war es. Audrey Hepburn war die süße, elegante Lady, die uns den Atem raubte und sie schrie nicht dauernd „fuck“ und „leck mich“. Die Damen von heute schämen sich fast, Eleganz und Charme einer Frau zu zeigen. Sie muss nicht zu einem koketten Dummchen mutieren, aber ein wenig mehr Stil wäre nicht verkehrt. Wo der Herr heutzutage geblieben ist? Ja, wo soll er denn sein, der arme Schlunz, der gar nicht mehr weiß, was er tun sollte oder nicht tun sollte? Ritterlichkeit zahlt sich nur aus, wenn später die Lanze ausgefahren wird, um Milady aufzuspießen. Draufgängertum verschreckt die devoten Perlen. Weiterlesen

Leute, lasst uns ein wenig philosophieren … Ist es Euch eigentlich aufgefallen, dass wir ständig nach Regeln leben? Leben müssen, sollen? So weit, so gut! Eine Gemeinschaft braucht Regeln, das Zusammenleben verschiedener Individuen muss in geordnete Bahnen gelenkt werden, damit alle miteinander können. Die Angst vor dem Chaos, der Anarchie, steckt tief in uns. Und das nutzen manche aus, um uns immer mehr Regeln aufzuoktroyieren. Unser Gehege der Freiheit wird immer enger. Und das hängt nicht ausschließlich damit zusammen, dass wir mit unserer Gattung immer mehr werden. Nein, früher begegnete man sich mit Anstand und Respekt. Das hat zwar die Regeln nicht ganz überflüssig gemacht, aber das Bedürfnis nach jenen erheblich reduziert. Was sich gehörte, das wusste man! Heute wissen viele nicht mehr, mit diesen Begriffen etwas anzufangen respektive, wie man diese richtig schreibt. Selbst schuld, dass uns die Gesetzes- und Verordnungswelle überrollt! Aber was erzähle ich da … Weiterlesen

Gruß aus der Küche

zwei Aphorismen mit Buchstabenstreuseln

Vorspeise

Schriftrollen, gefüllt mit griechischer Philosphie

Suppe

Zitatbrühe mit Gedichtklößchen

Hauptgang

Buchrücken, hierzu Prosa und Wortschnitzelsalat

Platte

ein Stück fette Schwarte

Dessert

ein Auszug Graphic Novel in Smileysoße

 

Wir wünschen guten Appetit!

 

Zum Trinken empfehlen wir eine Flasche „Leseratte“ aus unserem Keller.

 

© Thomas Dietsch