Sehr verehrte Seelenklempner,

 Pierre Mathiaswer ist so blöd euch zu glauben, wenn ihr hoch und heilig behauptet, dass das Alter schön ist? Dass der Rückblick auf ein voll erfülltes Leben nur geil sein kann? Von wegen! Ihr lügt uns etwas vor. Das müsst ihr auch, um die unzähligen alten Knackern bei Laune zu halten. Da die Gesellschaft immer älter wird, sollen die Rentner und Pensionäre auf Trab gehalten werden. Wer noch vögeln kann, fällt uns nicht zur Last, könnte das Motto sein. Und was nun, wenn der Allerheiligste platt macht? Dann kommt ihr und versucht uns mit einbalsamierten Sätzen die Schönheit des Herbstes zu schildern. Ich verachte euch deswegen. Warum? Weil der Geist oft potenter als der Körper ist. Der Letztere verfällt allmählich, aber nicht die Sehnsucht und die Lust! Leute, euer Gelaber ist unerträglich! Ihr macht uns das Altern nicht leichter, im Gegenteil. Ich würde vorziehen, wenn ihr laut und deutlich sagen würdet, dass das Ganze Scheiße ist. Weiterlesen

 

Lieber Herr Luther,

 Pierre Mathiasvor ein paar Tagen wurde in Gelnhausen ein Film gedreht mit dem Thema „Hexenverbrennung“. Das geschah um das Jahr 1600, zweiundzwanzig Frauen wurden gefoltert, gedemütigt, vergewaltigt und lebend verbrannt und das im Namen Gottes! Das ist für jeden Gläubigen unerträglich und ein totaler Widerspruch zum Evangelium, das die Nächstenliebe als ihr Credo betrachtet. „Das war die Vergangenheit,“ werden viele behaupten. Nein, das ist nicht der Fall. Noch heute werden zahlreiche Frauen diskriminiert, an den Pranger gestellt, von hirnlosen Männern bespuckt, die nur einen erigierten Schwanz im Kopf haben und die sich deshalb die Freiheit nehmen „das schwache Geschlecht“ zu missbrauchen. Das einfach, um sich zu beweisen, dass sie keine Nieten sind! Das sind sie aber und das macht sie so gefährlich. Und ich? Wenn ich meinem Instinkt folgen würde, würde ich mich vielleicht nicht anders verhalten, aber Gott hat mir ein Gehirn und vor allem ein Herz geschenkt. Sie verhindern, dass ich mich wie eine Bestie verhalte. Weiterlesen

Liebe Eva, lieber Adam,Pierre Mathias

 ja, ich gebe zu, die Liebe kann ganz schön anstrengendsein, dennoch will niemand darauf verzichten. Ein Wechselbad von Hoffnungen und Zweifeln. Ist das das Resultat, eure Verbannung aus dem Paradies und warum müssen solche Gefühle so schmerzhaft sein? Wieso steht der Genuss nicht alleine im Vordergrund? Ist die Quälerei, die oft die Beziehungen bestimmt, das Öl, dass das Feuer zu brennen bringt? Scheint so zu sein. Eines steht fest: Krieg und Frieden sind sehr vom Liebesdrang abhängig und es geht immer um zwischenmenschliche Kontakte, die von Hass und Zuneigung bestimmt sind. Der Fundamentalismus soll eine Liebeserklärung zu Gott sein. Eine absolute Leidenschaft, die eine Blutspur hinter sich lässt. So zerstörerisch können Gefühle sein, liebe Eva, lieber Adam. Liebe kann nur vom Absolutismus geprägt sein und wenn sie enttäuscht wird, kann sie zur Selbstvernichtung führen, wie es bei Werther der Fall war.

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 Liebe ABC-Schützen,

Pierre Mathiaswas unterscheidet Geistes- von Naturwissenschaft? Der schlechteste Chemiker oder Arzt muss die Grundlagen seines Faches kennen, um seinen Beruf ausüben zu können. Anders bei den Menschen, die sich als Psychologe oder als Kunstgelehrte improvisieren. Oft sind es Tätigkeiten, die nicht vom Gesetzgeber geschützt sind. Es ist aus meiner Sicht ein Hohn, dass jeder Heilpraktiker als Seelenklempner tätig werden kann und das mit einer kurzen Ausbildung in diesem Fach, das bedeutet aber nicht, dass darunter auch gute Therapeuten zu Gange sind. Dennoch fehlt mir persönlich das Grundwissen, auch wenn der Instinkt eine große Rolle spielt und das Gleiche gilt im Bereich der Kunst, bei der oft die Unvollkommenheit mit der Freiheit des Schöpfers begründet wird. In zahlreichen Kunstakademien wird unzureichend die Grundbasis gelehrt, es gibt Absolventen, die kaum in der Lage sind, eine Aktzeichnung fertigzustellen oder sich mit der Farblehre auseinander gesetzt haben. Auch bei den Videos gibt es eine Menge technischer Mängel, die die Aussagekraft des Streifens mindern. Weiterlesen

 

Liebe Freier,

 

Pierre MathiasMensch seid ihr arm dran, in den Puff gehen zu müssen, um euch einen runter zu holen! Ärmer aber sind die Frauen – ich nenne sie bewusst nicht Nutten – die euch diesen Dienst gegen Bezahlung erweisen. Besser das, als kleine Mädchen im Park oder am Waldrand zu vernaschen und möglicherweise zu ermorden. Wenn es so wäre, müssten die Dirnen höchst respektiert werden und das tue ich, weil ich sie einfach als Menschen betrachte. Sie üben den ältesten Beruf der Welt aus, keine leichte Kost, sie kostet viel Überwindung! Sie als leichte Mädchen zu betrachten, finde ich deswegen völlig unangebracht, denn sie werden nicht nur von euch Freiern missbraucht, oft auch von ihren Freunden, die man Zuhälter nennt und ausgepresst wie Zitronen landen sie dann in der Gosse. Krank, ausgetrocknet, seelisch vergewaltigt, verspottet! Von euch ausgegrenzt, liebe Freier! Seid ihr nicht die Sprosse des Bürgertums und – von dieser Warte aus – Apostel der guten Sitten? Ihr spielt die guten Väter, die fürsorglichen Söhne, die treuen Ehemänner und seid im Grunde genommen nur Ausbeuter, feige Hunde, die sich hinter einer Fassade der guten Sitten verstecken. Ihr habt nicht einmal den Mut, offen das zu sein was ihr wirklich seid: dämliche Schweine und deswegen missachte ich euch! Weiterlesen

 

Liebe Mülltonnen,

 

Pierre MathiasTagein, tagaus müsst ihr eine Unmenge Unrat schlucken, von der Hundescheiße, fein in einem rotes Tütchen eingewickelt, bis zur Nahrung, die wir einfach weg rationalisieren, während Menschen rund um die Welt verhungern. Das sollen die Folgen der Konsumgesellschaft sein. Einfach kopflos kaufen und dann wegschmeißen. Findet ihr das nicht pervers, liebe Mülltonnen? Was die Leute da anstellen ist, wenn man das Evangelium genau folgt, unchristlich und da nützt es nicht, einmal im Jahr spendabel zu sein. Die Zweibeiner produzieren unentwegt Schrott. Das lässt sie kalt, weil sie einfach verwöhnte und unerzogene Kinder sind, die trotzig werden, wenn sie nicht alles bekommen, was sie sich so wünschen. Und dann kommt das tolle Argument, dass die Wirtschaft nur im Überfluss leben kann. Trotz der schönen Parolen, was die Umwelt angeht, ist es den Pappfiguren total egal, ob die Welt untergeht oder nicht. Solange sie nicht selbst betroffen sind, alles Paletti! Ihr Mülltonnen könnt ein Lied davon singen, ihr armen seid völlig überlastet! Weiterlesen

 

Liebe Hunde,

 

Pierre Mathiasheute habe ich mich entschieden, euch aus Dankbarkeit eine Rede zu halten. Ihr wisst nicht, was ihr uns mit euren Tretminen antut. Wer das Glück hat, in eine von ihnen zu treten, hat mehr als Dusel und kann endlich hoffen, die Liebe seines Leben zu begegnen oder das große Los zu ziehen. Ihr seid erfunden worden, um die Menschen aus ihrem Frust zu befreien. Deshalb scheißt ihr unentwegt überall hin, wo es euch genehm ist: auf den Gehsteig, auf den Teppich von Tante Ida, auf unsere Seele, wenn sie miese Gedanken hegt, das nenne ich ein kluges Verhalten. Und wenn ihr angepöbelt werdet, braucht ihr nur zu erwidern, dass auch die Menschen ein Arschloch haben, das genutzt werden sollte. Ein arbeitsloses Arschloch ist ein gesellschaftlicher Blinddarm und dafür Hartz IV zu bezahlen, wäre eine Zumutung. Also zeigt ihr das gute Beispiel, eure Häufchen überall zu hinterlassen, das ist eine soziale Pflicht – das habt ihr sehr wohl kapiert. Wieso? Es verpflichtet Herrchen spazieren zu gehen und verursacht eine einfallreiche Konversationen, wie diese: „Herr Nachbar, heute ist das Würstchen wohl geformt, ein richtiges Kunstwerk!“ „Besser, als die Scheiße, die uns in den Galerien serviert wird!“ So drückt sich das Kulturvolk aus. Lauter Tierfreunde, die die wahre Schöpfung in ihrer ganzen Weite zu schätzen wissen! Weiterlesen

 

Liebe Arme,

 

Pierre Mathiasja, wir brauchen euch, um ein schlechtes Gewissen zu haben. Ohne schlechtes Gewissen hätte die Kirche keine fröhliche Botschaft zu verkündigen und der Vatikan müsste seine Tore schließen. Und die fürsorglichen Kurien-Kardinäle? Sie müssten stempeln gehen! Das wollen wir ihnen doch nicht antun! Es ist schon schön, dass ihr Armen, nicht ohne Grund arm seid. Ihr habt diese Rolle zu spielen, um euren Mitmenschen Glück zu vermitteln. „Da schau her, es gibt ärmere Schweine als ich selbst!“ Was ihr da treibt, ist Menschenliebe pur. Und wer spendabel ist, weiß auch warum er es ist. Hat Gott nicht laut und stark behauptet, dass man nicht ohne weiteres ins Himmelreich aufgenommen wird? Jeder Kandidat braucht seine Armen, um dann die Engel flach zu legen. Ein flach gelegter Engel hat aber seine Flügel in der Garderobe abgelegt. Ohne euren Beitrag wäre das nicht möglich und wieder ein ein-Euro-Job im Eimer. Weiterlesen