Liebe Mülltonnen,

 

Pierre MathiasTagein, tagaus müsst ihr eine Unmenge Unrat schlucken, von der Hundescheiße, fein in einem rotes Tütchen eingewickelt, bis zur Nahrung, die wir einfach weg rationalisieren, während Menschen rund um die Welt verhungern. Das sollen die Folgen der Konsumgesellschaft sein. Einfach kopflos kaufen und dann wegschmeißen. Findet ihr das nicht pervers, liebe Mülltonnen? Was die Leute da anstellen ist, wenn man das Evangelium genau folgt, unchristlich und da nützt es nicht, einmal im Jahr spendabel zu sein. Die Zweibeiner produzieren unentwegt Schrott. Das lässt sie kalt, weil sie einfach verwöhnte und unerzogene Kinder sind, die trotzig werden, wenn sie nicht alles bekommen, was sie sich so wünschen. Und dann kommt das tolle Argument, dass die Wirtschaft nur im Überfluss leben kann. Trotz der schönen Parolen, was die Umwelt angeht, ist es den Pappfiguren total egal, ob die Welt untergeht oder nicht. Solange sie nicht selbst betroffen sind, alles Paletti! Ihr Mülltonnen könnt ein Lied davon singen, ihr armen seid völlig überlastet!

 

Und doch gibt es ein Gebiet, bei dem es wichtig wäre, ein wenig mehr aufzuräumen. Die Menschen produzieren nicht nur materiellen, sondern auch geistigen Schrott. Millionen Schriften werden gedruckt, die nur als Ziel haben andere zu diffamieren und niederzutreten. Papiere, die reines Gift sind und Pamphlete, die bestimmt sind, Leid zu verbreiten. Liebe Mülltonnen, weg von mir der Gedanke eine neue Bücherverbrennung zu inszenieren, intellektuelle Geistesblicke zu ersticken. Ich bin für die Meinungsfreiheit und doch habe ich meine Zweifel, wenn sie zur Vernichtung führt. Worte können töten! Das ist Tatsache! Aber Achtung! Ich begebe mich auf Glatteis und weiß nicht so recht, wie ich mich verhalten sollte. Ich könnte schon fordern, dass geistige Mülltonnen aufgestellt werden, aber das würde Zensur bedeuten und wer kann beurteilen was in Ordnung ist oder nicht? Das Urteil kann nur subjektiv gefällt werden und das ist verdammt gefährlich, das führt direkt zur Diktatur. Liebe Mülltonnen, auch wenn ich euch neue Aufgaben gönnen würde, möchte ich lieber darauf verzichten. Was nun? Feingeister könnten behaupten, dass jeder, der schreibt, sich über seine Verantwortung bewusst sein sollte. Klingt vernünftig, liebe Mülltonnen, aber das würde bedeuten, dass jeder Mensch eine Schere im Kopf haben sollte und was daraus entsteht, wissen wir bereit. Journalisten, die diesen Weg wählen, sind feige. Ihre Ergüsse sind unerträglich, weil sie sich ganz einfach anpassen. Da würde ich bei weitem rohe Ergüsse vorziehen, die wenigstens die Qualität haben, ehrlich zu sein und das auch, wenn sie mir missfallen. Also werde ich den Antrag nicht unterschreiben, geistige Mülltonnen in unseren Höfen aufzustellen, denn das würde bedeuten, dass jedes Schulkind lernen sollte, mit anderen Meinungen – so ungerecht sie auch sein können – umzugehen. Dazu gehören auch die infamen Papiere der Radikalen jeder Gattung. Das kann euch, liebe Mülltonnen, unverständlich vorkommen, aber nur so läuft es. Demokratie ist eine Gratwanderung zwischen Himmel und Hölle und um die Balance zu halten ist viel Verstand verlangt, aber dieser muss trainiert werden. Bilde dir eine Meinung, meint eine Boulevard-Zeitung und, auch wenn ich sie nicht lese, ist dieser Satz vernünftig. Jeder sollte so frei sein, so zu agieren! Oder ziehen wir eine Diktatur vor, bei der Bücher verbrannt werden?

 

//pm

 

 

Link: Meinungsfreiheit:

http://de.wikipedia.org/wiki/Meinungsfreiheit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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