Liebe Petra,

heute könnte ich mit dir über Griechenland, die EZB oder noch einmal über Pegida und die ewig Gestrigen debattieren, aber ich ziehe es vor über glückliche Schweine auf einer grünen Wiese im bayerischen Oberland zu schreiben. Natürlich muss der Himmel blau sein, wie es sich im CSU-Staat gehört! Reinheit pur wie es auch mit dem Bier der Fall ist. So hatte sich das das Landwirtschaft-Ministerium in München vor Jahren dargestellt. Idylle pur! Liebe Petra, hast du schon einmal Schweine „weiden sehen“? Und das ohne sich im Schlamm zu wälzen? Zucht und Ordnung, jeder an seinem Platz! Auch die glückliche Rentner, die tagein, tagaus frohlocken, auch wenn sie sich keinen Steak mehr leisten können. Wie die Modellschweine haben sie zu grinsen – egal ob es ihnen dreckig geht oder nicht.

Aber im Gegensatz zu dem Vieh, kann man sie nicht schlachten. Das muss geändert werden um den Sozialstaat zu retten. Geht nicht, eine alte Oma ist zu zäh, kein Fraß für Gourmets!  Es bleibt aber nichts anderes übrig als sie nach Bangladesch zu entsorgen. Greenpeace würde aber lautstark protestieren wegen der Energieverschwendung beim Transport. Was nun? Am besten man verzockt ihre Rücklagen bei Kaffeefahrten und dann ab in die Ewigkeit. Dafür gibt es liebe Pfleger, die sich beim Spritzen aufgeilen. Anstatt sie vor Gericht zu stellen, sollten man sie mit dem Bundesverdienstkreuz ehren, das sind echte Patrioten! Sie bringen Opfer um uns steuerlich zu entlasten und die Pensionskassen zu schonen. Bei einer solchen Betrachtung würden die meisten vor Entsetzen aufschreien, aber wenn man ein wenig nach bohrt, sprechen sie gern von der Flut älterer Menschen. Ein akademisches Geschwätz, aber in der Konsequenz bedeutet das, „Überfluss eliminieren“.

Vor einigen Tagen habe ich „Den Staat von Platon“ gelesen. Dort verherrlicht er den eugenischen Gedanken, wie er in Sparta angewandt wurde. Die Gesellschaft kann nur gedeihen, wenn sie aus starken Menschen besteht – das Gebrechliche muss unbedingt abgesondert werden. Die einen haben Gettos eingerichtet, in denen „die Parasiten“ isoliert werden, die anderen haben sie, wie in den Vernichtungslagern, ganz einfach wegrationalisiert. Liebe Petra, auch wenn ich heute ein fröhliches Thema vorgezogen hätte, bringt mich das generelle Ambiente zum Grübeln. Hinzu kommt der 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz dazu. Der Hintergedanken, dass nur Stärke die Welt weiter bringen kann, betrachte ich als einer der schlimmsten Niederlage des Geistes. Der hat mit der Realität nichts zu tun. Das ganze Leid, dass die Menschheit versprüht, kommt aus dieser Ecke. Vielleicht der irre Gedanke, dass Potenz nur so entstehen kann.

Eines kann ich dir garantieren: ich werde nicht auf einer grünen Wiese weiden, um als Alibi zu fungieren. Mit Verlaub gesagt, scheiße ich auf dieses Gehabe und nein, ich lasse mich nicht zum Komplizen einer Anti-Age-Gesellschaft pervertieren. Und das auch, wenn ich 70 jungfräuliche Mädchen im Paradies vögeln könnte, nein.

Das Leben ist schön, Petra!  Genieße es solange du es noch kannst. Freundschaft!

 

Pierre

//pm

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