Am 06. und 09. August 1945 erschauderte die Welt: Die USA warfen, zwecks Beendigung des Krieges im Pazifik, über Hiroshima und Nagasaki die ersten Atombomben der Menschheitsgeschichte ab. Wir wissen alle, dass die Folgen verheerend waren. Selbst die Militärs, die diese Schläge initiierten, waren von der Wucht dieser Waffe überrascht. Nach dem zweiten Atombombenabwurf unterzeichnete die japanische Regierung unter Kaiser Hirohito die Kapitulationsurkunde. Als Gründe für den Abwurf der Bomben wurde unter anderem angegeben, dass Japan nach wie vor schwer bewaffnet sei und die Atombombenabwürfe die ansonsten unvermeidliche Invasion (Operation Downfall) unnötig machte. Dadurch habe man schätzungs-weise einer Viertelmillion alliierter Soldaten und mehreren Millionen Japanern das Leben gerettet. Militärisch mag das stimmen, menschlich ist die Argumentation mehr als fadenscheinig. Die Bombenexplosionen töteten insgesamt rund 92.000 Menschen sofort – fast ausschließlich Zivilisten und verschleppte Zwangsarbeiter. An Folgeschäden starben bis Jahresende 1945 weitere 130.000 Menschen. Etliche kamen bis heute hinzu (Wikipedia).

Nach dem Krieg war klar, dass es so nicht weitergehen konnte, will heißen, Konflikte konnten nicht nuklear ausgetragen werden. Die ehemaligen Siegermächte USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich rüsteten nuklear auf, ihnen folgten die Volksrepublik China, Indien, Pakistan, Israel und Nord-Korea. Gerade zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten kam es zu dem sogenannten „Wettrüsten“, welches bis circa 1990 andauerte. Milliarden und Abermilliarden wurden beiderseits in die Rüstung gesteckt, Geld, das man in den Ländern selbst dringend benötigt hätte. Beide Mächte hatten mehrfache Overkill-Kapazitäten, das heißt, man war in der Lage, die Menschheit um ein Vielfaches auszulöschen. Nicht zuletzt haben die USA die Sowjetunion finanziell „totgerüstet“. Im Fortgang kam es zu den Abrüstungsgesprächen. Der Atomwaffensperrvertrag sollte erreichen, dass Unterzeichnerstaaten, die nicht im Besitz von Kernwaffen sind, auf deren Erwerb verzichten. Wer vor dem 01. Januar 1967 Nuklearwaffen besaß und bereits gezündet hatte, war hiervon ausgenommen. Das waren damals die offiziellen Atommächte Sowjetunion, die Vereinigten Staaten, Frankreich, Großbritannien und die Volksrepublik China. Es ist bekannt, dass mindestens vier Mächte seitdem dazukamen. Die Herstellung und der Besitz von Atomwaffen ist schwer kontrollierbar. Es galt und gilt zu vermeiden, dass irgendein politisch instabiler Staat an solche Waffen gelangt, da die Wahrscheinlichkeit von deren Zündung dann sehr hoch ist. Die IAEO – die Internationale Atomenergie-Organisation – wurde 1957 gegründet und hat das Ziel, die friedliche Nutzung der Kernenergie zu fördern. Sie berichtet regelmäßig an die Generalversammlung der Vereinten Nationen und ist verpflichtet, bei einer festgestellten Gefährdung des Weltfriedens den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen direkt anzurufen. Nicht wenige Staaten sind an atomwaffenfähigem Material, zum Beispiel Uran, interessiert. So unter anderem der Iran. Offiziell geht es nach der Verlautbarung der dortigen Regierung um friedliche Nutzung der Kernenergie. Der Nachbarstaat Israel sieht dies anders. Er sieht seine Existenz im Falle eines iranischen Besitzes von Atomwaffen gefährdet. Die Debatten laufen bereits seit 2005, Israel war schon mehrere Male kurz davor, iranische Atomkraftwerke anzufliegen und zu bombardieren. Mit deutscher Hilfe hat man es nunmehr geschafft, nach siebenjährigen Verhandlungen alle Partner an einen Tisch zu bekommen. Irans Führung verhandelt seit 2008 in der 5+1-Ländergruppe, bestehend aus den fünf Vetomächten des UN-Sicherheitsrates (USA, China, Russland, Frankreich, Großbritannien) sowie Deutschland. Ziel der 5+1-Gruppe ist ein Abkommen, das die militärische Nutzung des iranischen Nuklearprogramms zur Entwicklung von Atomwaffen verlässlich ausschließt. Iran hat am 07. Juli 2015 weitgehenden Kontrollen durch die IAEO zugestimmt. Man versucht, die internationalen Sanktionen gegen Iran wegen des nationalen Atomprogramms zu beenden. Ausgeschlossen hat die iranische Regierung jedoch die Kontrolle militärischer Analgen. Das wiederum akzeptiert die 5er-Gruppe nicht. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht. Die Ausnahme militärischer Anlagen im guten Glauben wird den Atomwaffenerwerb des Irans nicht verhindern, nur um zehn, vielleicht fünfzehn Jahre verschieben. Ein israelischer Militärschlag hätte auch nicht mehr erreicht. Das war wohl der eigentliche Grund, warum Israel von jenem absah. Verhandlungen in Atomwaffen-angelegenheiten sind langwierig, schwierig und führen in der Regel zu mageren Ergebnissen. Nord-Korea hat die gleiche Prozedur durchlaufen, ist Verpflichtungen eingegangen, welche im Endeffekt nicht eingehalten wurden. Seit 2005 ist offiziell bekannt, dass das Land Atomwaffen besitzt.

Einer der Beweggründe, warum viele Staaten den Besitz von Atomwaffen anstreben ist, so eine Verlautbarung, die Angst vor den USA. Die Vereinigten Staaten haben noch nie ein Land angegriffen, das im Besitz von Atomwaffen war.

© Thomas Dietsch

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