Liebe Igel,

Pierre Mathiases kann manchmal ganz schön nützlich sein, sich einzuigeln. Aber das nützt nichts, wenn die Dampfwalze auf uns zukommt. Viele unter uns wollen sich abschotten, die Gardinen zu ziehen oder wie Vogel Strauß, den Kopf in den Sand stecken. Da dieser Reflex bekannt ist, versuchen die Populisten ihn als Tugend zu erklären und sie schüren Ängste vor dem Unbekannten und machen eine Ideologie daraus. Ich weiß nicht, ob die Igel hassen können, aber die Menschen schon, die sich so verhalten. Anstatt für den Winterschlaf zu plädieren, wollen sie ihre Ansichten mit den Stiefeln durchsetzen. Das Aushängeschild sind glatzköpfige edle Gestalten, die liebend gerne „Sieg Heil“ als Erkennungsruf von sich geben. Im Grunde genommen sind sie auch Igel, aber wollen es nicht wahr haben. Nichts gegen die Igel, die ich wahrhaftig süß finde, aber bitte nicht die Zweibeinigen – diese Spezies ist besonders schwer zu ertragen, weil sie nicht ansprechbar sind. Hat der menschliche Igel Verlustängste? Das könnte der Grund sein, warum er den Kontakt zur Außenwelt abbricht. Sieht er überall Feinde? Ja, schon das Fremde ist ihm suspekt und das ist das Zeichen einer geistigen Hilflosigkeit und einer körperlichen Zerbrechlichkeit. Manche Typen verstecken durch ihre Brutalität ihre Minderwertigkeitskomplexe, die werden politisch pervertiert. Die Suche nach den Schuldigen gehört dazu und in vielen Fällen sind es noch heute die Juden. „Wenn ihr euch nicht einigelt, werdet ihr von diesem Gesindel pervertiert“, so die Sprache der Antisemiten, von all denjenigen, die es versäumt haben, das Wort Toleranz in ihrem Vokabular aufzunehmen. Igel von der schlimmste Sorte, ängstliche Wesen, die sich nur durch ein brutales Verhalten über Wasser halten – oft eine Selbstkastration, um sich beweisen zu können.

Wenn man den menschlichen Igel durchleuchtet, hat man oft mit Gestalten zu tun, die bieder sind, die sich ganz gut in ihrer Unbedeutsamkeit tarnen können. „Er würde keine Fliege etwas tun!“ Irrtum! Oft waren sie die größte Kriegsverbrecher, die Typen, die mehr oder weniger unsichtbar sind, die sich in der Masse verlieren. Das Kleinbürgerliche ist auch eine Art, sich einzuigeln. „Er ist wie du und ich!“ Das ist dem Igel recht, nur nicht auffallen, aber Achtung! Er kann auch seine Stacheln zeigen und das tut er im Verborgenen oder als Mitläufer. Diese Haltung ist politisch katastrophal, warum?
Weil sie völlig unberechenbar und hinterlistig ist, von hier aus lauert eine dicke Gefahr. Solange der Luxus uns mehr oder weniger betäubt, sind nur lokale Ereignisse zu erwarten, aber was, wenn die Dämme brechen? Was, wenn der Igel den Kampf ansagt? Dann kann es böse werden, denn ein Oberigel kann ohne weiteres seine Untertanen zum Aufstand bewegen, das hat uns die Geschichte gezeigt. Es wäre ein großer Irrtum, zu glauben, dass dies nicht mehr möglich wäre – dann gäbe es Grund sich einzuigeln!

//pm

Link zum Thema Igel:

http://de.wikipedia.org/wiki/Igel

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