Es geht uns im Moment nicht gut. Corona hat uns – auch wenn sich schon einiges bewegt hat, u.a. in puncto Impfung – nach wie vor fest im Griff. Wir jammern, es mag hierzu auch einigen Anlass geben. Die Aussichten sind momentan nicht ganz rosig.

Was wird aus dem Job, meinem Unternehmen? Erwischt mich oder jemand meiner Angehörigen und Freunde doch noch eine Corona-Mutante?

Gefühlt ging es uns noch nie so dreckig wie heute. Stimmt das? Ein Blick in die Vergangenheit lohnt immer! Wie war es denn so, heute, vor hundert Jahren?

1921 war kein leichtes Jahr: Der Erste Weltkrieg noch zu spüren, die Spanische Grippe am abklingen. Vor 100 Jahren war der Große Krieg etwas mehr als zwei Jahre vorbei, die Republik war gegründet. Hyperinflation, Weltwirtschaftskrise und Nationalsozialismus standen den Menschen noch bevor.

Die Goldenen Zwanziger waren noch nicht da, denn damit sind eigentlich nur die Jahre des Wirtschaftsaufschwungs 1924 bis 1929 gemeint. 100 Jahre später, im Jahr 2021, steckt Deutschland wieder in einer schwierigen Phase. Die Corona-Pandemie zeitigt viele Folgen.

Die Spanische Grippe der Jahre 1918 bis 1920 war kein großes Thema im Alltag, auch wenn in Deutschland etwa 300.000 Menschen daran starben, weltweit 25 bis 40 Millionen. Die Deutschen sprachen auch 1921 noch eher über die Kriegsfolgen und den Friedensvertrag von Versailles als über die Pandemie.

In der Presse stand wenig über die Spanische Grippe. Die Regierungen hatten verboten, darüber zu informieren, mit der Begründung, dass das die Moral der Bevölkerung schwächen würde. Das einzige Land, in dem ausführlich berichtet wurde, war das neutrale Spanien. So kam es auch zum Namen Spanische Grippe und dem Eindruck im Ausland, die Iberische Halbinsel sei viel stärker betroffen.

Nach den Ergebnissen der Sterbetafel für 1924/1926 hatten Männer damals eine Lebenserwartung bei Geburt von 56 Jahren und Frauen von knapp 59 Jahren. Nach den Ergebnissen der aktuellen Sterbetafel 2017/2019 betragen diese Werte mittlerweile fast 79 (Männer) beziehungsweise 83 Jahre für Frauen.

Am 15.03.1921 protestiert das Deutsche Reich beim Völkerbund gegen die Sanktionen der Alliierten im Ruhrgebiet (chroniknet.de), die in Folge der gescheiterten Londoner Konferenz eingeleitet wurden.

Gleichentags (a.a.O.) wird in Berlin der türkische Politiker Mehmet Talat Pascha von einem Armenier ermordet. Talat Pascha war als Großwesir 1917/18 maßgeblich an der Vertreibung der Armenier aus dem Osmanischen Reich beteiligt.

Viele Kinder waren nun Halbwaisen, da ihre Väter im Krieg gefallen waren. Sie standen jetzt mit ihren Müttern allein da. Jene bekamen etwas Geld vom Staat, was kaum ausreichte. Oft halfen die Kinder ihren Müttern. Auf dem Land arbeiteten sie auf den Feldern mit, in der Stadt mussten sie zuweilen Mülltonnen nach Essensresten durchsuchen. Manche Kinder bekamen ihre einzige richtige Mahlzeit am Tag in der Schule, wo Essen ausgegeben wurde. Viele der Kinder waren sehr schwach und oft krank.

Und gehen wir noch ein knappes Vierteljahr zurück: Am 22. Dezember 1920 (dw.com, 24.12.2020) wurde in Deutschland die erste Radiosendung ausgestrahlt. Das Interesse an dem neuen Medium war groß. Bald gab es Live-Berichte, Musikprogramme, Werbung – und schließlich politische Propaganda.

Ja, es gab auch Fortschritt, von welchem wir heute zehren …

Es geht uns nicht gut im Vergleich zu 2019 – aber sehr wohl gegenüber 1921!

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