In Beit Schemesch/Israel versuchte die Polizei vor Wochen, eine von Hunderten Ultraorthodoxen besuchte Hochzeit aufzulösen und wurde mit Steinwürfen vertrieben. In Jerusalem gossen religiöse Randalierer Zement auf die Gleise der Stadtbahn. Bei ihnen handelt es sich zwar nur um eine kleine Minderheit der Gottesfürchtigen. Der sephardische Oberrabbiner Jitzhak Joseph sprach von „Randalierern“, die „Gottes Namen entweihen“ (faz.net, 25.01.2021). Doch halten sich wesentliche Teile der strengreligiösen jüdischen Gemeinden nicht an die Corona-Bestimmungen. Auch wenn säkulare israelische Politiker meist darauf bedacht sind, nur einer Minderheit der Ultraorthodoxen die Schuld an Ausschreitungen und dem oft völligen Missachten der Corona-Regeln zu geben, tat die ultraorthodoxe Führung lange Zeit wenig gegen das Verhalten.

Während die Lage im ultraorthodoxen Israel und auf dem Arbeitsmarkt dramatisch bleibt, setzt das Land seine erfolgreiche Impfkampagne fort. Mehr als zweieinhalb der gut neun Millionen Israelis haben bereits eine Erstimpfung erhalten, mehr als eine Million bereits ihre zweite Impfung. Auch Teenager können mit Zustimmung ihrer Eltern mittlerweile geimpft werden. Dies scheint einem Bericht der Zeitung „Haaretz“ zufolge auch nötig, da Herdenimmunität in Israel erst bei 80 Prozent geimpfter Bevölkerung erreicht sei, weil die „britische“, ansteckendere Virus-Mutante auch in Israel längst angekommen ist. Ein großer Teil der infizierten Bevölkerung trägt sie bereits in sich. 

Israel impft zwar so schnell wie kein anderes Land gegen das Coronavirus. Die Infektionsrate ist aber ebenfalls auf einem weltweiten Rekordhoch. Etwa 40 Prozent aller Infektionen in Israel werden bei Ultraorthodoxen nachgewiesen. Obwohl die nur etwa zwölf Prozent der Bevölkerung ausmachen (deutschlandfunk.de).

Ein weiterer möglicher Grund für die hohen Infektionszahlen: Nicht überall wurden die geltenden Lockdown-Regeln beachtet und durchgesetzt. So kamen trotz Versammlungsverbot mehr als 10.000 strenggläubige Männer nach dem Tod von Meschulam Dovid Soloveitschik zusammen – ohne Abstand zu halten und meist ohne Maske. Erlaubt waren Treffen von maximal 20 Personen, doch das schien die Teilnehmer des Trauerzugs nicht zu interessieren (focus.de, 01.03.2021). Der Rabbiner war am 31. Januar gestorben – an den Folgen von Covid-19.

Israel setzt im Kampf gegen Corona extrem große Hoffnung auf die Impfungen – und kommt dabei besser voran als die meisten anderen Länder.

Israel hat sich dafür entschieden, das Vakzin nicht nur in speziellen Impfzentren zu verteilen, sondern auch in Krankenhäusern. Das Gesundheitssystem ist sehr breitflächig angelegt, so dass jede Nachbarschaft, jede Kleinstadt eine eigene Klinik hat.

Der große Vorteil: deutlich mehr Impfstationen und kurze Wege für alle Impfwilligen. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob sich langfristig negative Folgen dieser Strategie zeigen werden. Sind Krankenhäuser mit Impfen beschäftigt, bleiben eventuell andere wichtige Behandlungen auf der Strecke.

International wurde Israel auch gerügt, weil die Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen vom israelischen Impfprogramm weitgehend ausgenommen sind.

Während der Lockdowns in Israel verloren Hunderttausende Menschen ihre Arbeitsplätze, Unternehmen gingen bankrott. Die Öffentlichkeit reagierte außerdem verärgert auf die Missachtung der Restriktionen besonders unter den Ultraorthodoxen, die eine wichtige politische Stütze des Ministerpräsidenten bilden. 

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