Ein Blick hinter die letzten Dinge, die die Welt bewegen oder bedeuten. Die Lehre vom Tod oder jene vom Anbruch einer neuen Welt. Wer weiß das schon? Es mag uns „normalen“ Menschen komisch erscheinen, sich überhaupt mit so etwas zu beschäftigen, haben wir doch genug mit dem alltäglichen Leben zu tun. Ende November verbreiteten sich wieder Nachrichten, dass der Untergang der Welt nahe sei. Hat Nibiru, Name einer sumerischen und babylonischen Gottheit und eines mysteriösen Himmelsobjektes, es auch nach dem Maya-Kalender nicht geschafft, die Welt am 21. Dezember 2012 zu vernichten, so ist es jetzt an Ison, das Werk zu vollenden. Manche unken, Ison sei der Nibiru, der geheimnisvolle Planet X. Umweltbewusst wie er ist, hat er ein Fahrzeug dieser deutschen Eisenbahngesellschaft benutzt … und hat prompt Verspätung! „Senks vor träwelling …“, man kennt den Spruch. In solchen Momenten kommen die Gedanken hoch: was ist, wenn es wirklich so kommt? Wenn ein Komet uns streift oder gar auf der Erde einschlägt?! Auf was muss ich mich vorbereiten? Kann ich überhaupt überleben? Und dann: wenn nicht, was kommt danach? Ja, merkwürdigerweise hegen in diesem Fall auch Hardliner unter den Agnostikern oder Atheisten solche Gedanken. Es kommt zwar nach dem großen Knall (sehr wahrscheinlich) nichts, aber vielleicht kann ich ja meine Besitztümer in Sicherheit bringen. Wer weiß? Eventuell kann man sie doch noch brauchen … Und Kinder, schimpf mich jetzt bitte niemand einen Ketzer! Das ist Religion, gelle?! Gläubige hingegen warten auf irgendeine Form des Paradieses nach diesem Leben. Das ist unser Dilemma in der heutigen Zeit: der Glaube verliert an Bedeutung, im diesem Zuge hängen wir immer mehr an unserem irdischen Leben, unserer kleinen Ewigkeit. Zeit- oder erdgeschichtlich ein kleiner Tropfen, der Gefahr läuft, auf einer heißen Herdplatte zu verzischen. Ich will hier keine Predigt halten im Sinne irgendeiner Religion. Worauf es ankommt ist, sich die Frage zu stellen, warum hängt der Mensch so sehr an diesem bisschen Leben? Und es ist nur ein „Bisschen“, wenn man es einmal objektiv betrachtet. Abwendung vom Glauben, hin zum Materialismus? Alles passiert jetzt, danach ist nichts mehr? Ich glaube, die Angst vorm Sterben war früher, vielleicht nicht genauso, so doch immerhin ähnlich groß. Die Angst vor dem Tod, den wir so lange wie möglich aus unserem Bewusstsein verdrängen, weil es unschön ist, sich damit zu beschäftigen, liegt doch eigentlich ganz woanders begründet. Die eigentliche Krux, und jetzt lasse ich die Katze aus dem Sack, liegt in der Geburt. Mit jener beginnen wir zu altern, zu hinterfragen, was später geschieht und wo wir einmal hingehen – wenn wir überhaupt dann irgendwo hingehen. Mir ist kein Schriftstück bekannt, in welchem die Geburt kritisch hinterfragt worden wäre. Die Geburt eines Menschen ist immer schön, ohne Ironie. Aber das ist eine sehr irdische Sichtweise. Im Hier und Jetzt! Aber objektiv betrachtet lehrt uns unter anderem der Faktor Zeit, dass alles, was einen Anfang hat, auch ein Ende haben wird. Manch einer vermutet, dass dies selbst beim Universum so sei. Keine Ahnung! Viele Religionen geben Anleitung, was nach dem Tod kommt, wie dieser religiös zu überwinden sei. Von Hoffnung wird bei den Christen gesprochen, nicht im Sinne einer Illusion wider jeglicher Vernunft, sondern einer konkreten Erwartung. Christus hat, soweit meine Bibelkenntnisse reichen, die Geburt als Beginn eines Dilemmas entweder übersehen oder ignoriert. Buddha zum Beispiel hat es erkannt. Mit der Geburt beginnt der Kreislauf der sogenannten Samsara, das beständige Wandern, dem fortlaufenden Kreislauf des Lebens aus Tod und Geburt, Werden und Vergehen. Der Ausweg ist das Nirwana. Und dafür muss man sich im Laufe seiner verschiedenen Leben anstrengen. Vermeidung jeglicher Form von Karma. Und das will gelernt sein!

Nirwana soll kein Nichts sein, wie es gerne im Sinne westlicher Religionen dargestellt wird. Es ist eine Art höchste Stufe der Existenz. Nichtstun ist göttlich! Hier mag eine besondere Art des Bewusstseins liegen. Vergleichen wir doch mal mit den Tieren! Sie jagen und bauen Nester oder Höhlen. Ansonsten ist Nichtstun angesagt. Wie wichtig ist der Mensch, dass er etwas tun muss? Dieser Zwang nach Entdeckung von Neuem, er bewegt uns dazu, etwas tun „zu müssen“. Hiermit entfernen wir uns vom Göttlichen. Agnostiker und Atheisten mögen den Begriff „Natur“ benutzen. Tatsache ist doch, dass wir uns vom Tier nur hierin unterscheiden: Vernunftbegabtheit, über die Dinge hinwegzusehen. Ist das nicht eine Ausrede, sich auf den Standpunkt zu stellen: Tier ist doof, Mensch hat Vernunft? Tiere leben leichter, im Einklang mit der Natur. Einzig der Mensch hat, vielleicht gerade aufgrund seiner Vernunft und seines Verstandes das Problem, dass er aus seinem Kreislauf der Angst und der Ungewissheit nicht herauskommt. Jeder ist froh, wenn ein Dilemma endet, nicht, wenn es beginnt. Das Dilemma der Todesangst beginnt mit der Geburt. Diese müssen wir kritischer betrachten. Vielleicht hilft uns das, unser irdisches Leben aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Und vielleicht auch, unsere Gemeinsamkeiten mit den Tieren wieder zu entdecken!

© Thomas Dietsch

 

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