Ostern, die Auferstehung Christi … Und die Zeit des Hasen. Osterhase, oder auch neuhochdeutsch: Traditionshase! So neu ist dieser Plumpaquatsch aber auch nicht. In der DDR gab es auch die „Jahresendflügelfigur“, weil „Engel“ zu einfach, ja zu christlich war.

Wie kommt der Hase eigentlich in unsere Tradition? Fakt ist, in der Bibel taucht er nicht auf. Wie wurde dieses heidnische Fruchtbarkeitssymbol zum christlich-abendländischen Kulturgut?

Gesichert ist, dass die Vorstellung vom eierversteckenden Osterhasen gar nicht so alt ist – und dass er eine deutsche Erfindung ist. Vor etwas mehr als 300 Jahren wird der Brauch in der Pfalz, am Oberrhein und im Elsass bekannt. Erstmals schreibt 1678 der Heidelberger Georg Franck von Frankenau vom Osterhasen – also drei Jahrzehnte nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges und 16 Jahre bevor der Koran erstmals an einem deutschsprachigen Ort – in Hamburg – gedruckt wurde.

Der Weg des Hasen zum Osterfest ist diffus. Die Gebrüder Grimm stellten im 19. Jahrhundert die These auf, dass es eine germanische Frühlingsgöttin gegeben habe, die den Märchensammlern zufolge Ostara hieß. Sie soll Namensgeberin für Ostern sein. Das heilige Tier an Ostaras Seite sei der Osterhase gewesen, so steht es in Meyers Großem Konversations-Lexikon von 1908. Das klingt sehr teutonisch, ist aber Mumpitz. Zumindest glaubt kaum ein ernstzunehmender Wissenschaftler diese Vorgeschichte. Die alten Germanen hatten demnach keine Ostara und folglich auch keinen heiligen Osterhasen.

Der Grimm’schen Behauptung widerspricht auch die große Auswahl anderer Eierbringer, von denen Kindern in Mitteleuropa teilweise bis heute erzählt wird: in Westfalen ist es der Fuchs, in Tschechien der Hahn, in Thüringen der Storch, in der Schweiz der Kuckuck, in der Grenzregion zu den Niederlanden der Ostervogel, in manchen Regionen sind es das Osterlamm, das Christkind oder der Nikolaus.

Fast zeitgleich zum christlichen Ostern findet Pessach statt, das Fest, mit dem die Juden jedes Jahr die Befreiung aus der Sklaverei des Pharaos feiern. Der Osterhase hat keine Verbindung zum Judentum, Hasen gelten nach den Speisegesetzen auch nicht als koscher. Christliche Fährten zum Osterhasen gibt es, aber sie klingen ganz und gar nicht abendländisch. So soll der Hase in der byzantinischen Tiersymbolik für Christus gestanden haben – demnach wäre der Osterhase am Bosporus erfunden worden.

Im Frühchristentum wurde in der Bibel vermeintlich der Hase als Synonym für den hilfebedürftigen Menschen identifiziert. Blöd nur, dass dem Kirchenvater Hieronymus damals ein Übersetzungsfehler unterlaufen war: In den Psalmen ist nicht die Rede vom Hasen, sondern vom Klippschiefer (FOCUS 20.04.2014), einem Meerschweinchen ähnelnden Dachsgetier, das dort wohnt, wo heute vor allem Muslime leben: im Heiligen Land, in Arabien und in Afrika südlich der Sahelzone. In der Encyclopædia Britannica ist vermerkt, dass der Glaube an den Osterhasen vor allem in protestantisch geprägten Gegenden entstanden ist – als Kontrastprogramm zu den katholischen Osterriten.

Breitenpopulär wurde die Vorstellung vom Osterhasen erst Ende des 19. Jahrhunderts. Im deutschen Kaiserreich fabrizierten die Zuckerbäcker zu Ostern süße Hasen, in Kinderbüchern tauchte der Osterhase auf, während des Ersten Weltkriegs diente der Hase sogar als patriotisches Postkartenmotiv. Deutsche Auswanderer trugen die Mär vom Osterhasen und seinen versteckten Eiern hinaus in die weite Welt, bis nach Amerika und Australien.

Aber zurück zum schokoladigen „Traditionshasen“, der laut AfD wegen der „Unterwerfung“ des Abendlandes seinen österlichen Beinamen verloren hat. Seit der Wende zum 20. Jahrhundert fertigen Chocolatiers auch Schokoladenhasen. Heute ist das Angebot nur schwer überschaubar. Allein schon zur besseren Unterscheidung tragen die einzelnen Modelle Namen, etwa „Traditionshase“.

Hinter diesem Begriff stecken übrigens keine religiösen oder politischen Motive, sondern logistische: Um verschiedene Waren voneinander unterscheiden zu können, geben Supermärkte in ihren Warensystemen manchen Produkten eigene Namen. Hießen alle Osterhasen „Osterhasen“, käme man ständig durcheinander.

So wurde bei Karstadt und Rewe aus dem Lindt-Osterhasen der „Traditionshase“ – vor 26 Jahren(!) (uebermedien.de 31.03.2018). Zweieinhalb Jahrzehnte lang hat’s niemanden gejuckt, und auf einmal wird der Traditionshase mit Fackeln und Mistgabeln durchs Dorf getrieben.

Frohe Ostern!

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