Wir haben Sie nicht mehr, wir modernen Zeitgenossen. Vielleicht sollten wir uns wieder mal etwas davon nehmen?! Für Kaufleute ist sie kostbar. Und doch spielen wir mit ihr, versuchen sie anzuhalten, drehen an ihr oder stellen sie um. So wie am 25. März, von Winter- auf Sommerzeit. Die Uhren „tickten“ auch von alters her überall anders. Es war nicht immer so, dass wir in Europa in einer Zeitzone lebten, der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ).

Vor 125 Jahren führte Deutschland die Mitteleuropäische Zeit ein. Das hatte Nachteile, die gefährlich sein konnten.

Das Drehen an der Uhr ist zur Routine geworden. Und bleibt dennoch umstritten. In der Nacht zum Sonntag (25. März) wurde die Sommerzeit eingeläutet. Diesmal ist die Zeitumstellung mit einem Jubiläum verbunden: Die Mitteleuropäische Zeit wird in Deutschland 125 Jahre alt. Am 1. April 1893 wurde sie in Berlin per Reichsgesetz eingeführt. Ein Eisenbahnunglück in den USA war einer der Auslöser.

Das Deutsche Uhrenmuseum in Furtwangen im Schwarzwald hat die Geschichte der MEZ zum 125-jährigen Bestehen in Deutschland wissenschaftlich aufgearbeitet. Die Ortszeit richtete sich nach dem Sonnenstand auf der jeweiligen geografischen Länge. Ein Problem ist dies lange nicht gewesen. Doch mit dem Siegeszug der Eisenbahn Anfang des 19. Jahrhunderts änderte sich das.

Das vergleichsweise schnelle Verkehrsmittel Eisenbahn passte nicht zu der Vielzahl der örtlichen Zeiten. So wurden für Züge Einheitszeiten festgelegt, die entlang der Bahnlinien galten und sich meist an der jeweiligen Zeit in den Hauptstädten orientierten. An den Orten, durch die Züge fuhren, zeigten die Uhren meist jedoch eine andere Zeit.

Das sorgte für Verwirrung – mit verheerenden Folgen: Am 12. August 1853 zeigte die Taschenuhr eines Lokführers die falsche Zeit an, der Mann steuerte die Dampflokomotive mit den Waggons auf ein Gleis. Deshalb stießen in Virginia Falls in den Vereinigten Staaten zwei Züge zusammen, 13 Menschen starben. Das Unglück löste eine Debatte aus.

Die Antwort waren Einheitszeiten, die sich an den nationalen Grenzen orientierten. Besonders im kleinräumigen Europa war dieser erste Schritt zur Vereinheitlichung der Zeiten unbefriedigend. An Grenzbahnhöfen sorgten sie für Chaos. Bis Ende des 19. Jahrhunderts galten in den Anrainerstaaten des Bodensees fünf verschiedene Ortszeiten für die Angabe der Tageszeit, die vor allem am deutschen Nordufer sehr kleine Gebiete betrafen (Wikipedia).

Orientierung versprach ein System aus 24 weltweiten Zeitzonen, das den Staaten 1884 auf einer Konferenz in Washington empfohlen wurde. In Deutschland stieß es auf Vorbehalte. Um 1890 stritten Politiker und Fachleute heftig über die Frage, ob sich Deutschland dem System anschließen sollte. Konservative lehnten die Einführung der Mitteleuropäischen Zeit ab, sie wollten die Ortszeiten im Alltag beibehalten.

Wissenschaftler wiederum sagten: Erdbeben und Wetter sowie Bahn- und Postverkehr machten nicht an den Grenzen von Zeitzonen Halt. Besser sei eine einzige Weltzeit. Doch diese kam nicht. Stattdessen etablierte sich die für Mitteleuropa geltende MEZ, die vor und nach Deutschland auch andere europäische Länder einführten. Später kam es zur Unterscheidung zwischen Winter- und Sommerzeit und damit zur Notwendigkeit, regelmäßig die Uhren umzustellen.

Zeitzonen sind sinnvoll. Sie unterscheiden sich voneinander jeweils um eine ganze Stunde. Die Aufteilung der Erde in 24 solcher Stundenzonen bewirkt, dass die Sonne ungefähr um 12 Uhr mittags im Zenit steht – und das weltweit. Somit leben wir in der uns vertrauten Zeit, die sich an dem Stand der Sonne orientiert. Global unterschiedlich sind nur die Stunden. Da Minuten und Sekunden weltweit im Gleichtakt laufen, kann durch einfaches Hinzufügen oder Abziehen einer bestimmten Zahl von Stunden die Weltzeit (UTC) errechnet werden, die unter anderem im Flugverkehr genutzt wird. Diese hilft auch der Wissenschaft und Technik in unserer globalisierten Welt.

Mehrere sogenannter Weltuhren zeigen uns, wie unterschiedlich die Erde tickt.

Das waren noch Zeiten, damals, im 19. Jahrhundert. Aber die Zeit rast!

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