Das Gesetz zur Förderung der Entgelttransparenz zwischen Frauen und Männern wurde letztes Jahr verabschiedet und ist zum 1. Januar in Kraft getreten. Seither können Arbeitnehmer in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten Auskunft darüber verlangen, wo sie innerhalb der Lohnstruktur in ihrer Firma stehen. Sie sollen erfahren können, nach welchen Kriterien ihre Tätigkeit bewertet wird und wie sie im Vergleich zu Kollegen dastehen. Wer so eine Benachteiligung feststellt, kann dann entweder nachverhandeln – notfalls eine höhere Bezahlung sogar einklagen.

Das Gesetz sieht auch vor, dass Betriebe mit mehr als 500 Beschäftigten, die einen Lagebericht nach dem Handelsgesetzbuch zu erstellen haben, künftig regelmäßig über den Stand der Gleichstellung und der Lohngleichheit informieren.

Aus Protest über die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen beim britischen Sender BBC hat die China-Korrespondentin Carrie Gracie ihre Stelle gekündigt. Der öffentlich-rechtliche Sender habe nicht genug getan, um diese Einkommensschere zu schließen, sagte Gracie in einer BBC-Sendung.

Mehr als 40 Moderatorinnen und Journalistinnen der britischen Rundfunkanstalt BBC hatten vor geraumer Zeit in einem offenen Brief gegen ungleiche Bezahlung im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen protestiert. Nach der Veröffentlichung der Gehälter der Top-Moderatoren in Radio und Fernsehen, versprach das BBC-Generaldirektorium eine gleichberechtigte Bezahlung der Geschlechter bis 2020. Den BBC-Mitarbeiterinnen ging das nicht schnell genug.

Als Beispiel sei angeführt: Die BBC hatte im Juli letzten Jahres die Gehälter ihrer Top-Moderatoren in Radio und Fernsehen publik gemacht. Der am besten verdienende Mann bei der BBC ist demnach ein TV- und Radiomoderator mit einem Gehalt von umgerechnet rund 2,5 Millionen Euro. Der ehemalige Fußballstar und Sportmoderator Gary Lineker verdiente umgerechnet rund 2 Millionen Euro. Die am besten verdienende Frau bei der BBC erhält dagegen nur ein jährliches Salär zwischen umgerechnet rund 509.000,– und 565.000,– Euro.

Die Diskussion über finanzielle Benachteiligung von Frauen im Beruf bekommt durch den drastischen Schritt Gracies neue Nahrung. Bereits kurz nach der Veröffentlichung des Briefes sprachen ihr zahlreiche Kolleginnen und Kollegen, aber auch Politiker via Twitter ihre Anerkennung aus. Erst kürzlich hatte eine Studie zu den Lohnunterschieden bei Frauen und Männern ein schlechtes Licht auf die britische Wirtschaft geworfen. In Deutschland ist es nach Inkrafttreten des angeführten Entgeltgleichheitsgesetzes möglich, Durchschnittsgehälter von Arbeitnehmergruppen zu erfragen, die eine vergleichbare Tätigkeit ausüben, um Argumente für eine mögliche bessere Bezahlung zu bekommen.

In England hält die BBC dagegen: Unter den 96 Moderatoren, Kommentatoren und Sprechern, die mehr als 150.000 Pfund (169.000 Euro) Gehalt im Jahr verdienen, waren nur ein Drittel Frauen. In die Top Ten schafften es nur zwei Moderatorinnen. In der Folge fand eine unabhängige Untersuchung durch die Beratungsunternehmen PwC und Eversheds keine Hinweise auf eine „systematische Diskriminierung gegen Frauen“.

Gracie und ihre Anhänger jedoch kontern: Die Untersuchung sei nicht umfassend gewesen, wirft man der BBC vor. Ausgerechnet jene Positionen, bei denen die Benachteiligung besonders deutlich ausfalle, seien weggelassen worden. Korrespondenten sollen genauso dazu zählen wie beispielsweise Nachrichtensprecher. 200 BBC-Frauen hätten Gehaltsbeschwerden eingereicht laut Gracie. Ihnen werde lediglich immer wieder versichert, dass es bei der BBC keine Diskriminierung gebe.

Das Thema Lohngleichheit zieht auch im Frauenfußball weite Kreise. Erst im September war ein Freundschaftsspiel zwischen Dänemark und der Niederlande abgesagt worden, nachdem das dänische Team sich wegen eines Prämienstreits mit dem Verband geweigert hatte, anzutreten.

In den USA haben gleich mehrere Nationalspielerinnen eine offizielle Beschwerde bei der Gleichstellungsbehörde eingelegt und klagen auf gleiche Bezahlung durch den US-Verband.

Die Zeichen sind gesetzt, die Richtung ist klar. Es stellt sich einzig die Frage: Wann kommen wir im 21. Jahrhundert an? Die zweite Dekade neigt sich ihrem Ende!

 

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