Eine Ente … Nein, keine Ente im Sinne von See und „Gack, gack“. Auch keine Zeitungsente im Sinne von Sommerloch. Wir reden von der Ente als Statussymbol, dem über Jahrzehnte verlachten und doch verehrten Fahrzeug.

Zwischen Sommer 1949 und Mitte 1990 wurden 3.868.631 viertürige Limousinen und 1.246.335 Lieferwagen („Kastenenten“) hergestellt. Von 1960 bis 1968 (und 1971) wurde in kleiner Stückzahl auch eine Ausführung mit zwei Motoren und Allradantrieb gebaut, die 1958 vorgestellt wurde. So weiß es Wikipedia.

Das rustikale Design des Citroën 2CV begeistert Millionen und wurde zum Kultobjekt. Dabei hatten die Konstrukteure von einst in erster Linie eine Bauernkutsche im Sinn. Dass das hässliche Entlein dann einmal für viele zur Königin der Straße wird, hatte niemand vorausgeahnt.

Das Fahrzeug wirkte schon bei seiner Vorstellung auf dem Pariser Automobilsalon 1948 wie aus der Zeit gefallen: Ein amerikanischer Journalist soll gespottet haben, ob der Hersteller denn auch einen Büchsenöffner mitliefern werde. Der französische Dichter Boris Vian nannte den Wagen später eine „fahrbare Geistesverwirrung“. Und dennoch wurde der Citroën 2CV zum millionenfach verkauften Renner – und für Generationen zum Ausdruck eines Lebensgefühls.

Die Entwicklung begann Mitte der 1930er Jahre; kriegsbedingt, wie bei dem deutschen Konkurrenten, dem VW Käfer, stellte Citroën den neuen 2CV aber erst am 07. Oktober 1948 in Paris der Öffentlichkeit vor. Der 2CV war Basis für die Citroën-Modelle Ami, Méhari und Dyane.

Vor 25 Jahren lief die letzte Ente in Portugal vom Band, doch bei Liebhabern ist ihr Charme ungebrochen. Sie schwärmen von der jaulenden Melodie des Boxermotors, der einmaligen Kurvenlage, dem gefühlten Cabrio-Luxus des aufrollbaren Vinylverdecks. Dass Samuel Beckett, der Autor von „Warten auf Godot“, einen 2CV fuhr, überrascht nicht: Kein anderes Auto verkörpert derart den Existenzialismus. Dabei war das spartanische Design ursprünglich vor allem aus praktischen Gesichtspunkten gewählt worden. Citroën wollte in den 1930er Jahren ein Auto für den kleinen Mann vom Land, robust und billig. Pierre-Jules Boulanger, seinerzeit 1934 Citroën-Direktor, erteilte den Auftrag, einen minimalistischen Kleinwagen zu entwickeln. Die Anforderungen an die Konstrukteure lauteten angeblich: ein „günstiger fahrbarer Untersatz, der vier Personen und 50 Kilo Kartoffeln oder ein kleines Fass mit maximal Tempo 60 transportieren soll“. Die Federung sollte es möglich machen, einen Korb Eier bruchfrei über ein beackertes Feld zu fahren.

Über die Jahre liefen mehr als fünf Millionen 2CVs vom Band. Das ist weit von den 21,5 Millionen verkauften Exemplaren des VW Käfer entfernt – im Übrigen gibt es oft eine gewisse Rivalität zwischen Enten- und Käferliebhabern. Die Ente war „das richtige Auto für Menschen, die eigentlich kein Auto wollten oder keins bezahlen konnten“, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ einmal schrieb. Der 2CV war über die Jahre immer wieder an neue Farbtrends angepasst worden, aus den anfänglich 9 PS wurden am Ende sogar bis zu 30 – was Geschwindigkeiten von über 110 Stundenkilometern möglich machte.

Der Anschaffungspreis des 2CV war recht niedrig. Dank der einfachen Technik waren auch die Unterhaltskosten relativ gering, und der geringe Hubraum schlug sich in geringen Kraftfahrzeugsteuern nieder. Diese Faktoren trugen früh dazu bei, dass die Ente vor allem in Deutschland zum typischen Studentenauto avancierte. Ihr Besitz galt vielen als Ausdruck einer nonkonformistischen und konsumkritischen Lebenshaltung, bei der Statussymbole keine Rolle spielen.

Der 2CV ist auch ein Stück Frankreich. Seit den 1950er Jahren einfach Kult! Und so ist das Anti-Statussymbol gerade zu einem solchen geworden.

© Thomas Dietsch

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