Liebe Kollegen,

wenn eine Nachricht auf dem Bildschirm erscheint, müsst ihr sie so schnell wie möglich ergreifen und sie kommentieren, das will das Geschäft. Der Pierre MathiasJournalismus ist, durch die neuen Medien, ein ständiges Nachrennen geworden und was vor fünf Minuten brandaktuell war, ist in einem Affentempo veraltet, nur noch gut für den Reißwolf! Kein Wunder, dass wir viel Unverdautes zu lesen, zu hören oder zu sehen bekommen. Das schadet der Qualität. Hintergrundinformationen gibt es fast nicht mehr, investigativer Journalismus ist leider zur Mangelware geworden, freie Bahn für jede Art von politischen Interpretationen. Presse-Konferenzen werden zwar gut besucht, aber oft unreflektiert beurteilt. Da ihr, liebe Kollegen, immer unter Druck steht, müsst ihr ständig etwas produzieren, sonst droht der Rausschmiss. Es wird mehr nach der Quantität als nach der Qualität beurteilt und so ist es kein Wunder, dass eine langwierige Recherche schon aus ökonomischen Gründen zum Reich der Träume gehört. Das Internet hat auch dazu beigetragen, dass eine riesige Menge an unverdauten Nachrichten roh übernommen wird und das ist politisch und persönlich gesehen äußerst gefährlich. Kein Wunder, dass die Menschen aufgeheizt werden, im schlimmsten Fall führt es zur Gewalt. Aufklärung ist nicht nur eine gute Sache, sie ist unerlässlich, aber nicht nur als News. Es gibt zwar sehr gute Analysen, aber sie tauchen unter in diesem Urwald an Meldungen. Niemand stellt sich die Frage, ob es sich um Enten handelt oder nicht. Die Nachrichten sind in den meisten Fällen schon exakt, aber sie müssen in einem Zusammenhang analysiert werden. Die meisten User – beim Internet – haben nicht die erforderliche Übersicht um sich ein Urteil zu bilden, sie sind auf Kommentare angewiesen. Liebe Kollegen, wir sind nicht nur Berichterstatter, wir haben auch eine politische Verantwortung zu tragen. Wir können Emotionen hervorrufen und letztendlich auch die Leute manipulieren, das sollte uns bewusst sein. Wir tragen eine verdammte Verantwortung!

Ich denke, dass es vielen Politikern recht ist, dass sehr viel an der Oberfläche bleibt. Sie können somit viel mehr Druck ausüben, aber das widerspricht dem Sinn der Demokratie. Vergessen wir nie, dass wir Bürger wie andere sind und schon deswegen sollten wir uns besinnen. Unsere Rolle besteht darin, die News zu sortieren und zu erklären. Jeder kann es aus seiner Sicht tun. Wichtig dabei ist, dass eine Meinung spürbar ist. Durch das Netz kann dann jeder Stellung beziehen, das ist eine tolle Errungenschaft der Technik. Die verlangt allerdings, dass jeder Gedanke, der ausgesprochen wird, fundiert ist. Das ist für den Journalismus eine große Chance und die einzigartige Gelegenheit, ernst genommen zu werden. Deshalb sollte er den Mut haben sich zu hinterfragen, je seriöser die Kommentare sind, desto wahrscheinlicher die Verbreitung. Und wenn es so ist, können wir unseren Beitrag zu mehr Frieden leisten. Nein Journalismus ist kein Job, es ist eine Berufung!

//pm

Link zum Thema Journalismus:

http://de.wikipedia.org/wiki/Journalismus

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