Trauriger Rekord: In den USA besitzen die Einwohner mehr Schusswaffen als in jedem anderen Land der Welt. Geschätzt 300 Millionen Pistolen und Gewehre (geo.de) liegen dort in Häusern und Wohnungen. Warum kann fast jeder Amerikaner eine Waffe kaufen? Um das zu verstehen, muss man die Geschichte des Landes kennen: Nach der Gründung der USA entstand im Jahr 1789 eine Liste mit Grundrechten für alle Bürger. Darunter: das Recht, eine Waffe zu besitzen und zu tragen. Damals, vor mehr als 200 Jahren, misstrauten viele Menschen dem Staat und meinten, sich selbst vor Gefahren schützen zu müssen. Auch wenn sich seitdem viel verändert hat: Diese
Haltung ist noch immer weit verbreitet. Viele US-Amerikaner wollen sich ihr Grundrecht nicht nehmen lassen.
Der schwierige Weg zu schärferen Waffengesetzen in den USA
Das Attentat an der Grundschule in Uvalde, bei dem 21 Menschen, darunter 19 Kinder, erschossen wurden, hat in den USA erneut eine Debatte über das Waffenrecht in Gang gesetzt. Im Mittelpunkt steht der zweite Zusatzartikel, der 1791 in die US-Verfassung aufgenommen wurde, er lautet wörtlich: A well regulated Militia, being necessary to
the security of a free State, the right of the people to keep and bear Arms, shall not be infringed“. Demnach darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht verletzt werden. Da die Verfassung unmittelbar nach der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten verfasst und der zweite Verfassungszusatz nur 15 Jahre später verabschiedet wurde, spiegeln die Bestimmungen das Ziel wider, die politische Macht gleichmäßig zwischen dem Volk, den Bundesstaaten und dem Bund zu verteilen und ihnen wechselseitige Kontrollmöglichkeiten einzuräumen.
Vorschläge zur Verfassungsänderung haben nie richtig Fuß gefasst.

Knarre mit 18, Bier mit 21 Jahren … Was stimmt da über dem Teich nicht?! Der Täter von Uvalde hatte zwei Waffen und passende Munition ganz einfach im Geschäft gekauft – eines der Sturmgewehre direkt am Tag nach seinem 18.
Geburtstag, wird berichtet (taz.de). „Die Vorstellung, dass ein 18-Jähriger in ein Geschäft gehen und Kriegswaffen kaufen kann, die zum Töten entwickelt und vermarktet werden, ist einfach falsch“, sagte auch US-Präsident Biden.
Verfassungswerte sind das eine. Zeiten ändern sich, die Umstände und die Einstellung der Bevölkerung sind das andere. Das amerikanische Waffenrecht gilt, auch aufgrund häufigen Waffenmissbrauchs, bei dem etwa ein Drittel aller Straftaten unter Waffengewalt stattfinden (FBI, Crime Report 2013 Section V, 2013), als politisch und juristisch besonders brisant. Kriminalität mit Waffen ist in den USA zum sozialen Problem geworden, offensichtlich flankiert von einem tiefen (oft nicht ganz unberechtigten) Misstrauen in die Funktionsfähigkeit der staatlichen Vollzugsorgane. Ist man in den USA noch Herr der Lage? Wie oben gesehen, soll in den Vereinigten Staaten die Macht verfassungsgemäß zwischen Volk, Bundesstaaten und Bund aufgeteilt werden. Gewaltenteilung als Grundsatz. Nichts zu meckern! Hierfür gibt es den nahezu freien Zugang zu Waffen. Wenn aber dieser Zugang zu den Waffen missbraucht wird für die Anschaffung derer zu Straftaten, läuft das der Idee der US-Verfassung zuwider. Hieran muss gearbeitet werden, die modernen gesellschaftlichen Umstände und ein neues Bewusstsein muss in die Köpfe der US-Amerikaner/-innen und letztlich auch in die Verfassung.

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