Manche feiern ausgelassen, andere flüchten, sind regelrechte Muffel. Die Rede ist von Karneval, Fasching, Fasenacht, usw. Wo kommt das her? Warum begehen wir das Fest?

Das Wort „Fastnacht“ stammt von mittelhochdeutsch vastnaht (belegt seit 1200 und in der Bedeutung „Vorabend vor der Fastenzeit“, also seit der Synode von Benevent 1091 der „Dienstag vor Aschermittwoch“), von naht, „Nacht, Vorabend“, und gehört zu mittelhochdeutsch vaste von althochdeutsch fasta, „das Fasten, die Fastenzeit“, wobei die Möglichkeit besteht, dass eine Angleichung an „fasten“ vorliegt, wenn – passend zu Formen wie „Fasenacht“ und „Faselabend“ – mittelhochdeutsch vaseln, „gedeihen, fruchtbar sein“, Einfluss hatte (wikipedia.org).

Hier müsste eigentlich jetzt ein Smiley her, einer mit Knippauge … Soviel zur Etymologie, der Begriff des Festes und damit dieses selbst sind offensichtlich schon älter.

Insbesondere im Kalendermonat Februar gibt es in vielen deutschen Dörfern und Städten was zu feiern: Fasching hier, Karneval dort oder doch lieber zum Fastnachtsumzug? Eines haben diese Veranstaltungen gemeinsam: Verkleidete Menschen spaßen und scherzen gemeinsam bis in die Morgenstunden. Doch wo liegt der Ursprung der Faschingszeit?

Vorläufer des Karnevals wurden bereits vor 5.000 Jahren in Mesopotamien gefeiert, im Land mit den ersten urbanen Kulturen. Eine altbabylonische Inschrift aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. gibt Kunde davon, dass unter dem Priesterkönig Gudea ein siebentägiges Fest gefeiert wurde und zwar nach Neujahr als symbolische Hochzeit eines Gottes. Die Inschrift besagt: „Kein Getreide wird an diesen Tagen gemahlen. Die Sklavin ist der Herrin gleichgestellt und der Sklave an seines Herrn Seite. Die Mächtige und der Niedere sind gleichgeachtet“. Hier wird zum ersten Mal das Gleichheitsprinzip bei ausgelassenen Festen praktiziert und dies ist bis heute ein charakteristisches Merkmal des Karnevals.

Die Völker Mitteleuropas verehrten die heidnischen Götter der Natur und deren Mythos. Durch den sich ankündigenden Frühling wurde dieser Jahreszeit eine besondere Bedeutung zugeschrieben, da sich durch die Rückkehr der Sonne das Leben (hdm-stuttgart.de) wieder regenerierte. Damit dies geschehen konnte, mussten die Sturmgeister des Winters, mit ihren Nebeln, der Kälte und den Krankheiten, symbolisch vertrieben werden. Diese Tradition fand bereits seit dem 12. Jahrhundert statt und prägt folglich das Bild jener Faschings-Tage im Februar.

Die katholische Kirche versuchte hingegen immer wieder diesen heidnischen Brauch zu unterbinden, bis sie ihn letztlich als ihren Eigenen aufnahm.

Fasching und Berliner: Wie kommt´s?

Egal, ob man die süßen Teilchen jetzt Berliner, Pfannkuchen oder Krebbel nennt: Die Gepäckstücke sind sehr fettig. Dies ist typisch für Speisen zu Karneval weltweit. Vor der Fastenzeit hat man üppig gegessen, wenn man es sich denn leisten denn konnte.

Prinzipiell hätte es also auch eine andere Leckerei zu Fasching geben können, der Berliner (oder Pfannkuchen, wie die Berliner sagen) hat sich allerdings eingebürgert. Aber auch die „Kamellen“, also die beim Zug umhergeworfenen Bonbons, gehören fest zu Karneval.

Ein Berliner Zuckerbäcker und verhinderter Kanonier soll unter Friedrich dem Großen aus seiner Wehruntauglichkeit eine Tugend gemacht und die ersten Krapfen in ihrer typischen, bewusst an Kanonenkugeln angelehnten Form ausgebacken haben. Was dem Gebäck – Kanonenkugeln zu Hefeballen! – eine gewisse pazifistische Note verleiht, gleichwohl wieder Fragen aufwirft wie etwa diese, dass wer ein Krapfen ist, doch nicht zugleich eine Granate sein könne. Eine Legende …

Fasching – Urlaub vom eigenen Leben. Mal die Sau rauslassen … Es gibt regelrechte Hochburgen des Faschings. Eine davon in Deutschland ist Koln. „Kölle alaaf!“, so heißt es in den Niederungen der Kölner Bucht. Pappnase, Clowns, Kölsch Kaviar, alles klar. Scheinbar. Doch der närrische Schrei ist tatsächlich viel älter als der institutionalisierte Straßenkarneval seit 1817. Der Hochruf ist im Rheinland bereits spätestens Mitte des 16. Jahrhunderts verbreitet, so das Ergebnis einer neuen wissenschaftlichen Sprachgeschichte des „Alaaf“ (welt.de).

Die Rosenmontagsumzüge in Nordrhein-Westfalen stehen wegen der Sturmwarnungen unter keinem guten Stern. Venedig hat das Treiben aufgrund des Coronavirus abgesagt.

Ach, noch eines: Das Urteil des Amtsgerichts Köln ist deutlich: Wer bei einem Faschingsumzug von geworfenen Süßigkeiten verletzt wird, hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld. Dass bei einem Umzug kleinere Gegenstände geworfen werden, sei üblich, allgemein bekannt und von den Zuschauern erwartbar (Az.: 123 C 254/10) (mz-web.de).

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